| S Shltal Landschaft im Grenzraum Nordostbelgiens 3 F a BE | SI | Wan 8 HN a 8 Ben Vz —= N Te A N KR ZEITSCHRIFT DER VEREINIGUNG FÜR KULTUR, HEIMATKUNDE UND GESCHICHTE IM GÖHLTAL Nr. 89 — Februar 2012
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Im Göhltal ZEITSCHRIFT DER VEREINIGUNG FÜR KULTUR, HEIMATKUNDE UND GESCHICHTE IM GÖHLTAL Nr. 89 Februar 2012 Veröffentlicht mit der Unterstützung des Kulturamtes der deutschsprachigen Gemeinschaft
Vorsitzender: Herbert Lennertz, Stadionstraße 3, 4721 Neu-Moresnet. Sekretariat: Maxstraße 9, 4721 Neu-Moresnet, Tel. 087/65.75.04. Lektor: Alfred Bertha, Bahnhofstraße 33, 4728 Hergenrath. Kassierer: Alfred Bertha, Bahnhofstraße 33, 4728 Hergenrath. Postscheckkonto Nr. 000-0191053-60 Fortis: IBAN BE57 2480 0688 7535 - BIC: GEBABEBB Konto BRD: Aachener Bank: DE95S 3906 0180 0821 3630 12 - BIC: GENODED1AAC Die Beiträge verpflichten nur die Verfasser. Alle Rechte vorbehalten Druck.: Aldenhoff, Gemmenich - 087-78 61 13.
3 Inhaltsverzeichnis Alfred Bertha Zum Umschlagbild: 5 Hergenrath Das Walhorner «Haus Harna» Albert Janclaes Zur Geschichte der 21 Walhorn Walhorner Zehntglocke Albert Creutz Plaidoyer für einen Fußfall 34 Eupen M.-Th. Weinert Gartenzwerge 37 Aachen-Forst Alfred Bertha Aus einem Kelmiser Familienbuch 38 Hergenrath Jacob Langohr (+) Makaiskomp 56 Bildchen Henri Beckers Wöet met «N-O-P» 7 Kelmis Alfred Bertha Welkenraedt 1914 62 Hergenrath Henri Beckers Wie der Kelmiser Komiker «Bökske» 67 Kelmis zu seinem Namen kam Alfred Bertha Flur- und Hofnamen im Walhorner Land 69 Hergenrath 1830-1860 Herbert Lennertz Jahresrückblick 2011 92 Neu-Moresnet
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5 Zum Umschlagbild: Das Walhorner «Haus Harna» von Alfred Bertha Als am 21. Oktober letzten Jahres im Beisein vieler Prominenz das Walhorner Dorfhaus nach umfangreichen Um- und Anbauten der Be- völkerung wieder zur Nutzung übergeben wurde, begann für die zahl- reichen Dorfvereine eine neue Ära. Eine „unendliche Geschichte“ ging mit einem glücklichen Abschluss zu Ende. Der 2010 in Angriff genommene und inzwischen fertig gestellte Um- bau dieses Hauses bietet uns den Anlass, einen kurzen Rückblick auf die Geschichte dieser Immobilie zu werfen. Die markante Häusergruppe im Walhorner Dorfzentrum, gegenüber der Kirche, wird maßgeblich durch das Cafe „Zur Alten Post“ bzw. „Haus Harna“ geprägt. Albert Janclaes konnte aus den Kassenbüchern der St. Stephanus- Schützengesellschaft Theodor Jungbluth und dessen Söhne als die Be- treiber dieser Gastwirtschaft im Herzen Walhorns identifizieren. Das war in der Franzosenzeit, etwa 1810! Genannter Theodor Jungbluth ist uns durch das Korrespondenzblatt des Kreises Eupen als Wirt, Bäcker, Organist und Küster bekannt. Er führt die Gastwirtschaft bis 1845. Am 24. April jenes Jahres lässt er sein Vieh und Mobilar öffentlich verkaufen. Er stirbt 1847. Für die weitere Geschichte dieses Hauses müssen wir immer wieder auf das erwähnte Korrespondenzblatt zurückgreifen. Wie aus einer Ver- kaufsanzeige vom 19.7.1844 zu ersehen ist, war Jungbluth nur Päch- ter des Hauses in Walhorn. Besitzer war der schwerreiche Eynattener Kaufmann und Großgrundbesitzer Jacob Andreas Coenen. Nach dessen Tod ließen die Kinder und Erben fast den gesamten Besitz öffentlich verkaufen, darunter „das zu Walhorn, der Kirche gegenüber gelegene, bis zum 1. Mai 1845 an Jungbluth verpachtete, zu jedem Geschäfte, besonders zur Schenkwirtschaft, geeignete Haus nebst dazu gehörigen Grundstücken“‘. Die Ära Timmermann Durch Kauf geht das Wirtshaus noch im selben Jahre an Nicolaus Timmermann, der 1852 auch die Bäckerei des Johann Theodor Jung- bluth erwirbt. Somit ist der gesamte Komplex wieder in einer Hand.
6 Wie zuvor Theodor Jungbluth, so ist auch Nicolaus Timmermann nicht nur Gastwirt, sondern auch Küster und Organist. Von seinen fünf Söhnen übernahm Victor Franz Emmanuel die Bäckerei, während ein anderer, Heinrich, die Gastwirtschaft, allerdings nur kurzzeitig, weiter- führte. A. Janclaes vermutet, dass es Heinrich Timmermann war, der „den kostspieligen neuen Gaststättenvorbau“ errichten ließ. Dies lässt sich jedoch nicht belegen. Als Lokalinhaber wird nämlich nach Nicolaus Timmermann nicht Heinrich, sondern August Timmermann genannt. Durch Anzeige im Korrespondenzblatt vom 12.3.1864 bietet Nico- laus Timmermann das Wirtshaus mit den dazu gehörenden Neubauten zum Kauf an. Aus einer anderen Anzeige sehen wir, dass Nic. Tim- mermann am 30.12.1864 auch sein gesamtes Wohnungs- und Gaststät- teninventar durch den Gerichtsschreiber Maassen öffentlich versteigern lässt. Es waren dies „25 Stühle, 7 Tische, 6 Canapes, Kleider-, Glas- und andere Schränke, mehrere Spiegel und „Schildereien“‘ (= Bilder), I Ma- hagoni-Flügel, I Tafel-Klavier, 2 Bettladen mit vollständigem Bettzeug, 1 Nachtkommödchen, mehrere Wirtschaftsutensilien, Flaschen, Krüge, Gläser, Büffets, 1 Glasbrett, Kupfer, Zinn, Porzellan, Petroleum- und andere Lampen, Eimer, Bütten etc.“ Der Verkauf der Immobilie lag in den Händen des Eupener Notars Schüller. Dieser beschreibt das Anwe- sen als „das zu Walhorn in der Mitte des Dorfes, nächst der Pfarrkirche und an der zur Eisenbahnstation Astenet führenden Straße gelegene, bis jetzt zur Schenkwirtschaft, Bäckerei und zum Ladengeschäft benutzte und überhaupt zu jedem Geschäft geeignete, geräumige Wohnhaus mit großem Speicher und Keller, Hofraum und Garten, ferner ein Grund- stück, Ketteniserhag genannt, 2 1/2 Morgen, alles dieses Eigentum des Herrn Nic. Timmermann, Organist zu Walhorn“‘. Der Sohn August Timmermann, der 1865 als Betreiber der Gastwirt- schaft genannt wird, bringt mit Vereinsaktivitäten viel Leben ins Haus und über lange Jahre war das „Timmermann‘sche Lokal“ ein Begriff in Walhorn. Der Gesangverein „Gemütlichkeit‘““ wählte dieses Haus zum Vereinslokal. Bei Gelegenheit der Walhorner Kirmes (1.8.1865) weist die „Gemütlichkeit“ auf ein,‘Vokal- und Instrumental-Concert‘“ des Vereins „im neuen Lokale des Herrn August Timmermann“ hin. Der Konzertabend endete mit einem schon um 17 Uhr 30 beginnenden Ball. So dürfte also damals der stolze Vorbau an der Straße entstanden sein. Auch der Nachfolgeverein der „Gemütlichkeit“, der Männergesang- verein „Hilaritas‘, hatte seine Proben und Auftritte bei August Timmer- mann und bot schon 1868 zum Antoniusfest (17. Januar) nicht nur eine
a Abendunterhaltung mit Vokal- und Instrumental-Konzert an, sondern auch eine Theateraufführung mit drei Lustspielen. Auf dem Programm: „Das Landhaus an der Heerstraße‘‘, „Rezept gegen Schwiegermütter“ und „Der Mohr von Venedig“. August Timmermann verlässt Walhorn 1870, um in Eupen das Bahnhofsrestaurant zu übernehmen. Vor seinem Weggang ließ er am 28.6.1870 sein Wirtshaus- und Backmobilar verkaufen. Das Wirtschaftsmobilar umfasste 15 große Tische, 20 Bänke, 24 Stühle, 2 Canapes, 1 Kommode, 2 Schränke, 1 Säulenofen, 1 Bett mit Bettzeug, 1 Klavier, Kegeln mit Kugeln, 1] Regenfass, 50 Biergläser, 200 Weingläser und mehrere Hängelampen. In der Bäckerei kam „sämtliches Backgeschirr‘“ zu dem Verkauf, den Notar Lautz (Eupen) abwickelte. Es hielt August Timmermann nicht lange in Eupen. Am 5.8.1871 meldet er sich zurück in Walhorn. „Ich habe meine Wirtschaft in Wal- horn wieder übernommen“, so die Anzeige im Korrespondenzblatt, „und bitte um geneigten Zuspruch“. Es blieb jedoch bei einem kurzen Intermezzo, wie aus einer Ver- kaufsanzeige im Korrespondenzblatt vom 6.4.1872 zu ersehen ist. Gastwirtschaft und Bäckerei mit Kegelbahn, großem Tanzsaal, Garten und 2 Morgen Wiesen stehen „verziehungshalber mit oder ohne Wirt- schaftsmobilar zu verkaufen oder zu vermieten und kann gleich ange- treten werden“. August Timmermann ist wieder im Bahnhofsrestaurant in Eupen und nennt sich „Bahnhof-Restaurateur“. Auch nach dem Weggang von August Timmermann hielt sich die Bezeichnung „Timmermann‘sches Lokal“ noch über lange Zeit. Das Haus ging 1872 durch Kauf an den Walhorner Bürgermeister Domi- nikus Kerres über, der den als Bäckerei dienenden Gebäudeteil 1876 an das Bäckerehepaar Joseph Laschet und Elise Zegels verkauft. Die Gastwirtschaft wurde wahrscheinlich vermietet. In einer Verkaufsan- zeige des Gutes „Vaen“ (Astenet) vom 17.8.1872 heißt es nämlich, der Verkauf finde statt „in der Wohnung des Wirtes Liermann (ehemaliges Timmermann‘sches Lokal‘). Auch das Wirtshaus und der Saal wechseln 1880 den Besitzer. Neuer Wirt wird nunmehr von 1880 bis 1910 Mathias Croe, der sehr erfolg- reich mit den Dorfvereinen zusammenarbeitet. Besonders zur Antoni- uskirmes (im Januar) und zur Dorfkirmes im August hatte Croe „volles Haus“,
8 Es ist nicht belegt, wer dem Walhorner Lokal die Bezeichnung „Zur alten Post“ beigelegt hat. Dass die Post dort einen Raum angemietet hat- te, ist allseits bekannt. Die Bezeichnung „alte“ Post ist jedoch zeitlich präziser nur einzuordnen, wenn man weiß, wann die Post in ein anderes (neues ?) Gebäude umgezogen ist. Auch der „Walhorner Kriegerverein‘“ hatte bei Croe sein Stammlo- kal. Bei Dorffesten waren die Krieger einer der aktivsten Vereine. Als Beispiel nehmen wir die Kirmes des Jahres 1888. Die Krieger luden am Sonntagabend zum großen Festball, montags und dienstags am Spät- vormittag zum freien Tanz, am Montagabend erneut zum „Kriegerball‘“ und am Dienstagabend nach dem Preisvogelschuss nochmals zum Tanz. Wenn man bedenkt, dass in unmittelbarer Nähe, im Lokale Simons, die Schützen den Kirmessonntag mit einem großen Schützenball beschlos- sen und an den beiden folgenden Kirmestagen der Wirt W. Simons sel- ber zum Tanz einlud, erhält man eine kleine Vorstellung vom regen Wal- horner Vereinsleben im ausgehenden 19. Jahrhundert. EIG Ei— — Bezuguehmend auf obige Fejtlichkeiten be8 wohllöbliden Kriegervereinz Halte ih mid zur Berabreihung eine& guten Glas Weiß: Bier, erfte Onalität Flafdenbier, Dort- under Union und Münchener Auguftiners bräun fowie reiner Weine und einer guten Küche beftenZ empfohlen. Achtungvoll 2307) Math. Croe. EB AERO SS VEN Gelegentlich der Walhorner Kirmes 1890 weist der Wirt Mathias Croe besonders auf sein Flaschenbier-Angebot hin. Daneben empfiehlt er seine „reinen Weine“ und seine „gute Küche“. Aus Vereinsanzeigen im Korrespondenzblatt geht hervor, dass das „Timmermann’sche Lokal“ in den Jahren 1880 bis 1910 auch über län- gere Zeit Pachtbetrieb gewesen ist. 1883 fungiert Wilhelm Strang als Pächter, von 1895 bis 1910 betrieb Albert Schumacher das Lokal, das er 1910 käuflich erwarb und bis 1920 führte. Ansichtskarten aus dem Ersten Weltkrieg zeigen das Haus mit der Bezeichnung „Schumachers Lokal“.
10 f nm SEE | Teateklecke El A ET £ Rn PA = A a See N A -KR N RR Nm il A a 8 AM EEE > A Gruss aus dem Restaurant KWO Bm LE AN Albert Schuhmacher, WALHORN Diese schöne Ansichtskarte — als Feldpostkarte an den Landsturm-Rekruten Wilhelm Barth, 2. Korporalschaft, 2. Kompanie, Erstes Bataillon, vom Reserve-Infanterie- Bataillon Nr. 25 in Koblenz adressiert und mit Stempel vom 8.1.1917 versehen, zeigt „Schumachers Lokal“, das sich stolz „Restaurant“ nennt. Die Ära Stickelmann Nach dem Ersten Weltkrieg verkaufte Albert Schumacher (1920) das Walhorner Gasthaus an Paul Homburg und Ehefrau Trina Stickelmann. Der ehemalige Postbeamte Homburg geriet jedoch schon bald in finan- zielle Schwierigkeiten, die ihn zum Weiterverkauf des Hauses an seinen Schwager Peter Stickelmann zwangen. Dieser, Schreiner von Beruf und verheiratet mit Angela Dujardin, arbeitete bei der Reichsbahn. Da Frau Stickelmann nach dem Anschluss Eupen-Malmedys an Belgien das Ge- biet nicht verlassen wollte, gab ihr Mann seine Stelle bei der Bahn in Aachen auf und ließ sich als selbständiger „Schreiner und Gastwirt“ in Walhorn nieder. Der Erwerb des ehemaligen Timmermann’schen Lokales war für die Eheleute Stickelmann-Dujardin auch die Gelegenheit, zu einem Eigen- heim zu kommen. Gemeinsam führten die neuen Besitzer das Haus in der Walhorner Dorfmitte von 1923 bis 1946. Sie vergrößerten den Saal (in den vier- ziger Jahren) und bauten eine neue Kegelbahn. An einem Billardtisch fanden die Caf&-Besucher eine auf dem Lande eher seltene Möglichkeit
11 0 \ A A A x DS \ X A \ Ä A \ A LS N Peter Stickelmann und Angela Dujardin (Hochzeitsfoto) führten den Wirtschafts- und Saalbetrieb von 1923 bis 1946.
12 des geselligen Spiels. Für die Musiker und Sänger stand ein Klavier zur Verfügung. Der Eynattener Architekt K. Roderburg gab 1942 anlässlich einer geplanten Vergrößerung des Hauses folgende Beschreibung des Gebäu- dekomplexes: „Der mit A bezeichnete Raum ist von der Dorfstraße aus zu erreichen und ist durch einen Windfang gegen Witterungseinflüsse geschützt. Die Bodenfläche dieses Raumes beträgt 57,46 qm und die lichte Höhe zwi- schen Fußboden und Decke 3,80 m. Hinter diesem Raum befindet sich der mit B bezeichnete kleine Ver- sammlungsraum (Anm.: Es ist dies die frühere Poststube.) Derselbe hat eine Bodenfläche von 23,13 qm und eine lichte Höhe von 2,53 m. Die- * ser Raum ist über eine kleine Treppe mit 7 Steigungen und einen Flur zu erreichen. Zwei Aborte und ein Pissoir befinden sich in einem kleinen Anbau im Hofe.“ Peter Stickelmann starb am Fronleichnamstag 1946 im Alter von nur 57 Jahren. Die Witwe führte die Wirtschaft und den Saalbetrieb noch bis 1950, wobei ihr die Tochter Trudi hilfreich zur Seite stand. Danach übernah- men die Eheleute Theodor („„Dores‘) Charlier-Pelzer die „alte Post“, die sie bis 1959 als Pachtbetrieb führten. Kurzzeitig kehrte dann Frau Angela Dujardin hinter den Tresen zu- rück. Angela Stickelmann-Dujardin starb am ersten Weihnachtstag 1971. Einige Jahre zuvor (1978) war die „alte Post“ an die Eheleute Richard Pesch und Paula Aussems übergegangen, die das Haus 1978 an die Ehe- leute Gerard und Emma Renardy-Küpper verkauften. In der Zwischenzeit hatten die Pächter mehrmals gewechselt: Hans Ostländer und Magda Rosenstein führten das Haus von 1962-1968, ih- nen folgten die Eheleute Klaus und Uschi Offermann sowie die Eheleu- te Jean-Pierre und Brigitte Lemmens.
15 Die Ära Renardy-Küpper 1978 war die „Alte Post“, wie schon gesagt, in den Besitz der Fa- milie Renardy übergegangen. Frau Renardy verstand es, 22 Jahre lang das Traditionshaus zur vollsten Zufriedenheit der Dorfvereine zu füh- ren. Ihr plötzlicher Tod, am 3.2. 2001, hinterließ eine schmerzliche Lü- cke. „Eine mittlere Katastrophe“ nannte der damalige Bauschöffe die Situation, die durch den Wegfall der einzigen regelmäßig geöffneten Dorfschenke entstanden war. Wieviele Vereine befanden sich nun ohne Versammlungsraum, Probelokal etc! Den Vertretern der verschiedenen Vereine und den Walhorner Ge- meinderatsmitgliedern stellte sich nun vordringlich die Aufgabe, für die Zukunft eine Lösung des Saalproblems zu suchen. Von Anfang an gingen die Überlegungen der verschiedenen Akteure (Vereine und Gemeinde) dahin, das Anwesen Renardy zu kaufen, doch dauerte es lange, ehe zwischen den Erben und den potentiellen Käufern eine finanzielle Verhandlungsbasis gefunden wurde. Die Eigentümerfamilie bot den Komplex (Saal, Cafe, zwei Wohnun- gen und drei Versammlungsräume) zum Kauf an und hielt in Erwartung einer Entscheidung seitens der Gemeinde das Haus weitere vier Monate offen. Der Bürgermeister von Lontzen sprach sich am Vortag der Schlie- Bung, am 31. Mai 2001, für den Ankauf der Immobilie aus, doch „nicht zu jedem Preis‘. Die Gemeinde warte auf eine Werteinschätzung seitens des staatlichen Immobilienerwerbskomitees, denn man müsse sich an gewisse Vorgaben halten. Die zögernde Haltung der Gemeinde war nach Aussagen des Bauschöffen auch dadurch bedingt, dass bei einer gemeinsamen Ver- sammlung aller Vereinsvertreter mit dem Bürgermeister und dem Schöf- fenkollegium eine überwältigende Mehrheit sich für den Bau eines neu- en, multifunktionellen, auch als Turnsaal nutzbaren Saales hinter der Schule ausgesprochen hatte. Zudem zeigte die Gemeinde sich nur am Saal Renardy interessiert, während die Besitzer keine Zerstückelung des Gesamtkomplexes vornehmen wollten. Erst Ende 2004 konnte die Gemeinde das Haus mit der Unterstützung der „Stiftung Ländliche Entwicklung“ erwerben. Den Kaufpreis von 300.000 Euro übernahm die genannte Stiftung zu 80 %. Aus Mitteln des von der Eisenbahn zur Verfügung gestellten Fonds (ein Ausgleich für die spürbaren durch die Hochgeschwindigkeitsstrecke entstandenen Unannehmlichkeiten) erwarb die Gemeinde zusätzlich ein hinter dem
16 Haus liegendes Wiesengelände, wodurch eine Zufahrt an der Südseite sowie Parkraum angelegt werden können. Schon am 5. Juni 2002 hatte sich eine GoE „Haus Harna“ gegründet, „um den Vereinen für ihre kulturellen und sportlichen Aktivitäten wie- der ein Zuhause zu geben und den Dorfbewohnern sowie auswärtigen Interessierten für Feste und Feierlichkeiten Räumlichkeiten zur Verfü- gung zu stellen‘. Dem Verwaltungsrat dieser Gesellschaft gehörten so- wohl Vertreter der Dorfvereine wie der Gemeindeverwaltung an. Man sah jedoch in dieser Form der Nutzung eher eine Übergangslö- sung in Erwartung einer Entscheidung bzgl. des Erwerbs der Immobilie oder eines Saalneubaus an anderer Stelle (hinter der Schule). Die Überlegungen zum Ankauf des Hauses Renardy gehen jedoch ” weiter zurück, denn schon im November 1994 hatten die Vereinsver- treter den Gemeinderat auf die Notwendigkeit des Ankaufs besagten Saales hingewiesen (Grenz-Echo, 14.11.2001). Doch erst 1999 machte die Gemeinde ein konkretes Kaufangebot. Es zeigte sich allerdings bald, dass die Besitzer (noch) nicht verkau- fen wollten. Der Tod der Wirtin, am 3.2.2001, brachte schließlich Bewegung in die Akte „Dorfhaus Walhorn“, denn die Besitzer des Hauses waren nun- mehr zum Verkauf desselben bereit. Dem Gemeinderat lag in seiner Sit- zung vom 26.11.2001 ein neues Angebot der Erbengemeinschaft Renar- dy vor. Die beiderseitigen Preisvorstellungen lagen allerdings so weit auseinander, dass die Gemeinde sich als „nicht interessiert‘ bezeichnete und sich erneut für die Errichtung eines Vereinshauses hinter der Schule aussprach. In der Gemeinderatssitzung vom 20. Juni 2003, wo unter anderem das Gemeindeprogramm für die so genannte ländliche Entwicklung zur Diskussion stand, wurde der Ankauf von Haus „Harna“ als „prioritär“ eingestuft, d. h., dass er innerhalb von 3 Jahren geschehen sollte. Man einigte sich auf einen Kaufpreis von 375.000 Euro. So vergingen viele Monate. Aus der Akte „Alte Post“ schien eine un- endliche Geschichte zu werden. Die schon erwähnte GoE machte zwi- schenzeitlich die Nutzung des Saales (nach Reservierung) für bestimm- te Anlässe wieder möglich. Die Zukunft des Hauses schien jedoch nach wie vor nur durch den Übergang desselben in den Besitz der Gemeinde gesichert. Die GoE hatte als Wirtin Frau Margarethe Jungbluth eingestellt, die den Betrieb — laut eigenen Berechnungen — 1919 Tage (5 Jahre und 3
17 Monate) zur vollsten Zufriedenheit der Dorfgemeinschaft führte. Am 15. Dezember 2007 legte sie ihren Job nieder. A ROH Al * AT PN EZ PR OS DS <a“. Ki Nr | ZA Ja KO a, BL A SCH SE U ER WAS A &* a8 A N 7 SE Ale; N Saal Hana sagı. WO ah 3 MM oa DE SE 7 yschü e A mA EN, Freitag 03.10.08 N Ö AS OD Ss, Men KAs® & 5 BE ELENA ß A EEE N | 7 55 Sonntag 05.10.08 FU S 8 a 000 Fratschappen ab 16 Un d ® | DM 3 KICAN HR ). E rn - - . Sl 1 nn EA NTGNT ka “ En SEN KAS araß el EUPSENZE a 1 - A ES LO | a AM DE sn WB Sam Alan fl lcm MB K ER 9 m N Me Gesehen in Eupen (Bushof) 2.10.2008
18 A HER Y E \ % FE. = Sn 0 de NN — — — EU N za \M IE a ; AS a ji f “EN POST” 8 Em ML Se 20825_} AM Q AB. a em MER en 5 Die Abrissarbeiten haben begonnen. (3.10.2009) In der Zwischenzeit war man nicht untätig gewesen. Im Juli 2006 hat- te eine aus Vereins- und Gemeindevertretern gebildete Arbeitsgruppe Kontakte zum Eupener Architekturbüro „Vasistas“ (Gaetan Lejoly und Frederic Delmee) aufgenommen. und einige Mitglieder dieser Arbeits- gruppe hatten vorher durch Besichtigung ähnlicher Objekte Ideen für das Walhorner Projekt gesammelt. Die Verkaufsverhandlungen konnten Ende 2004 zu einem beide Sei- ten befriedigenden Abschluss gebracht werden. Bis zum Umbau des Komplexes musste die GoE für die Führung des Hauses eine Übergangslösung suchen. Diese fand sich schließlich in der Person von Herrn Peter Schuller, der sowohl im Gastronomiebereich
19 wie als Organisator und Schauspieler die nötigen Voraussetzungen für die Führung des Dorfhauses mitbrachte und seitdem für regelmäßige Öffnungszeiten des Traditionshauses im Herzen Walhorns sorgte. Die Eupener Architektengruppe Lejoly — Delm&e arbeitete ein Vor- projekt aus, das sie Anfang März 2007 der Bevölkerung vorstellte. Den Architekten schwebte ein Saalprojekt mit drei Komponenten vor: Der Saal mit einer Kapazität von 270 Sitzplätzen und einer Größe von 23 x 13,50 m wird zur Linken und zur Rechten von einem jeweils etwas höheren Trakt mit Küche, Theke und Proberaum (1.) bzw. Umkleideräu- men, Lagerräumen und einem weiteren Proberaum (r.) flankiert. Optimistische Schätzungen sahen den Baubeginn für Sommer 2008 voraus. Mitte 2010 sollte der neue Dorfsaal funktionsbereit sein. Ende September 2009 begannen die Abrissarbeiten, wobei die Fassa- de des alten Hauses erhalten bleiben musste. na v— N 8 a SV | 3 v4 * 3 I. 5m =. 2 141 | 3 da DO |] EX ‚a — A) a a KIL75 2} TE X WA L w 7 ]4 WA | N <a a 270 Sitzplätze bietet der neue Saal „Harna‘“
20 Was lange währt... Als die Eröffnung des neuen Kulturhauses am 21. Oktober 2011 endlich anstand, konnte der Bürgermeister die zahlreich erschienenen Ehrengäste und die Vertreter der Walhorner Vereine auch daran erin- nern, dass vor zehn Jahren noch die düstere Prognose bestanden habe: „Morgen ist kein Licht mehr in Walhorn!“ Nun aber, so Bürgermeister Lecerf, sei das Licht zurückgekehrt in die Mitte des Walhorner Dorfle- bens, „ein geschichtsträchtiger Ort, um sich wohlzufühlen“. Schon einen Tag nach der Eröffnung bestand der neue Saal mit dem Stiftungsfest des Spielmannszuges seine Feuertaufe. Die neue Kultur- stätte war auch Thema der Gemeinderatsssitzung am 31.11.2011, wo” das Fazit gezogen wurde und die Kulturschöffin Sandra Houben-Mees- sen das Haus Harrna „als funktionstüchtig, aber noch nicht fertig“ be- zeichnete und damit den augenblicklichen Stand der Dinge „auf den Punkt brachte“.
A Zur Geschichte der Walhorner Zehntglocke von Albert Janclaes Zu Beginn des 19. Jahrhunderts betrieben die Brüder Caspar und Steffen Scheen in Walhorn gemeinsam ein Sehneideratelier. Beide wa- ren auch Mitglieder der dortigen St. Stephanus-Schiitzenbruderschaft.. Von Steffen (Stephan) Scheen wissen wir, dass er im Jahre 1814 die Schützenkönigswürde errang und in Erinnerung an seine Amtszeit der Königskette ein noch heute vorhandenes, silbernes Brustschild zufüg- te, worauf seine beruflichen Arbeitsgeräte, wie Schere, Bügeleisen und Fingerhut sowie zwei gekreuzte Nadeln eingraviert sind. Sein Bruder Caspar interessierte sich in seiner Freizeit mehr für die Geschichte seiner Heimatgemeinde und die aktuellen politischen Ereig- nisse. Von ihm sind zwei Hefte mit Aufzeichnungen überliefert, worin er seine Beobachtungen und Informationen zu den Ereignissen seiner Zeit notierte. Rückblickend beschreibt Scheen in dem einen Heft zunächst die Ereignisse ab dem Jahre 1790. Im Mittelpunkt seiner Aufzeichnungen stehen dabei die Geschehnisse, die in Paris mit der Französischen Re- volution ihren Anfang nahmen. Ausführlich schildert er dann den Auf- stieg Napoleons und dessen Kaiserkrönung und schließlich (ab 1805) den Krieg mit Österreich mit den Folgen der Belagerung des Walhorner Landes. Unbekannt ist, woher Caspar Scheen seine diesbezüglichen ausführ- lichen Informationen bezog. Möglicherweise informierte er sich bei Kundenbesuchen in Aachen aus dort ausliegenden Zeitungen und ver- arbeitete die so erhaltenen Informationen dann zuhause in seinen Auf- zeichnungen. Das zweite Buch behandelt ausschließlich lokale Ereignisse ab dem Jahre 1797. Es endet mit dem 14. Oktober 1835. Unter anderem berichtet Scheen vom Guss einer Glocke am 15. Juni 1809, deren Vorgängerin («Sancta Anna») am Abend des Allerheiligen- Tages des Jahres 1802 beim Läuten zerbrochen war. Diese Glocke, die kleinste der drei Walhorner Glocken, wog ursprünglich 1.350,5 Pfund. Durch den Umguss gingen 6,5 Pfund, vermutlich in Form von Schla- cke, verloren, sodass ihr Gewicht nunmehr mit 1 .344 Pfund angegeben wurde.
22 Caspar Scheen berichtet als Augenzeuge in aller Ausführlichkeit von diesem Umguss. Er weiß eingangs sogar zu berichten, dass die drei Walhorner Glocken im Jahre 1714 aus den Bruchstücken einer einzigen zerbrochenen, sehr großen Vorgängerglocke gegossen worden waren. Immerhin waren seitdem 95 Jahre vergangen. Scheen weiß mit bemerkenswerter Offenheit zu berichten, was zum Zerbersten der alten «Zehntglocke» geführt hatte und welche unrühm- liche Rolle das Kapitel des Aachener Marienstiftes einst in diesem Zu- sammenhang gespielt hatte. Er weiss nur nicht, wann sich dies zugetra- gen hat. Möglicherweise hat Anton Mennicken, Pfarrer in Walhorn von 1863 bis 1879, die Texte von Caspar Scheen zu lesen bekommen und hat daraufhin die Aufzeichnungen seines Amtsvorgängers Heinrich Henuse (1711-1737) durchforstet und dabei spannende Details entdeckt. Aller- dings geht er nicht auf die Rolle des Aachener Marienstiftes ein, die ihm dabei zur Kenntnis gekommen sein muss. Sein Manuskript übergab er am 17. Oktober 1897 der Redaktion der „Eupener Zeitung“, und dies «wenige Stunden vor seinem plötzlichen Tode», wie Pfarrer Viktor Gie- len in diesem Zusammenhang anmerkt. Viktor Gielen, Pfarrer von Walhorn von 1957 bis 1965, der den Be- richt seines Vorgängers in voller Länge in der dritten Auflage seines Buches «Walhorn» vom Jahre 1987 zitierte und natürlich auch die Auf- zeichnungen von Caspar Scheen kannte, erwähnte die ihm mit Sicher- heit bekannten Hintergrund-Informationen bezüglich der Rolle des Aa- chener Marienstiftes mit keinem Wort. Trotzdem zeichnen gerade die unter den Tisch gefallenen Informatio- nen ein umfassenderes Bild zur Geschichte des Glockengusses. Im Folgenden habe ich die einzelnen Abschnitte des Anton-Menni- cken-Berichtes (in Schrägschrift) mit aktuellen Erkenntnissen und An- merkungen versehen. Pfarrer Anton Mennicken schreibt : „In Walhorn und in den angrenzenden Landgemeinden ist vielfach die Ansicht verbreitet, welche sich durch Erzählung von Vater auf Sohn fortpflanzt, dass die drei Glocken, welche in dem Turme der dortigen Pfarrkirche hängen und durch ihr majestätisches Geläute nicht selten Bewunderung erregen, früher und noch bis zum 18. Jahrhundert nur eine Glocke und zwar von ungemein großem Umfang und Gewicht ge- wesen seien.
23 Walhorn war nämlich im Jahre 1072 von Kaiser Heinrich IV. der Ma- rienkirche zu Aachen geschenkt und deshalb dem königlichen Kapitel in Aachen zehntpflichtig geworden. Laut kirchlicher Vorschrift lag nun dem Zehntherrn die Pflicht ob, eine Glocke, die sogenannte Zehntglo- cke, von solcher Größe und Schwere zu beschaffen und zu unterhalten, dass sie im ganzen Zehntbezirk gehört werden konnte.» Anmerkung : Abgesehen davon, dass Heinrich IV. im Jahre 1072 zwar deutscher König, aber noch nicht Kaiser war, stimmen die über Generationen ver- mittelten Angaben der Walhorner sehr wohl, obwohl Pfarrer Mennicken die Überlieferung von der ursprünglichen Existenz einer einmalig gro- ßen Glocke anzweifelt, wobei dies doch nur logisch und stimmig gewe- sen sein kann. Natürlich drängt sich die Frage auf, warum Mennicken, trotz besserem Wissen, die Geschichte bewusst dadurch verfälschte, dass er nur die ihm passenden Informationen von Caspar Scheen wei- terreichte und die unangenehmen Tatsachen verschwieg. Nun, wir werden später sehen, welch unrühmliche Rolle die Kapitel- herren von Aachen in dieser Angelegenheit gespielt haben. Dies dürfte denn wohl auch der Grund dafür sein, dass der Kleriker Mennicken im Rahmen seiner Schilderungen auf die Erwähnung dieser Details ver- zichtete. Doch verfolgen wir weiter den Bericht von Mennicken : „Im Jahre 1713 stellte sich beim Vorstand der Gemeinde Walhorn Meister Fabri aus Koblenz als Glockengießer vor mit dem Bemerken, er habe auch dem Kapitel in Aachen seine Dienste angeboten und sei von eben diesem nach Walhorn gewiesen worden.“ Anmerkung : Diese Information stimmt. Die Aachener benötigen zwar selber keine neuen Glocken, aber sie wissen anno 1713 sehr genau, dass in Walhorn die Dienste eines Glockengießers benötigt werden. Pfarrer Mennicken fand diese Information offenbar im Pfarrarchiv. Caspar Scheen besitzt diese Kenntnis offenbar nicht. Pfarrer Mennicken schreibt weiter : Der Drossard Heyendal versammelte deshalb am 6. September 1713 die Vertreter der Pfarrgemeinde zur Beratung in dieser Angelegenheit, und es wurde der Beschluss gefasst, in Erwägung, dass die Zehntglocke schon seit Jahren nicht mehr habe geläutet werden können, „und die beiden anderen Glocken auch schon beschädigt seien“, vorerst mit dem Kapitel in Aachen wegen des Umgießens der Zehntglocke in Verhand- lung zu treten.
24 Zu diesem Zweck wurden als Vertreter der Pfarre Walhorn gewählt, die Herren G. H. de Berghe de Trips, Herr von Grapoel, und der Dros- sard H. Hevendal, um zu versuchen, ob man „gemeinschaftlich und gleichzeitig“ (simul et semel) die Glocken ergießen lassen könne. Dabei sei aber festzuhalten, dass die Zehntglocke mindestens in der- selben Schwere und demselben Umfang hergestellt werden müsse wie die gegenwärtige, unbrauchbar gewordene, dass das Kapitel sich ent- sprechend dem Gewicht seiner Glocke an den Kosten beteiligen müsse und dass mit dem Glockengießer von den Vertretern beider Parteien der Vertrag abgeschlossen werden müsse.» Anmerkung : Obwohl diese Informationen im Grunde den Tatsachen entsprechen * und von Mennicken vermutlich den Unterlagen des Pfarrarchivs ent- nommen wurden, enthalten sie einen unerklärlichen Fehler. Abgesehen davon, dass der Name des Drossards mit «H» Heyendal angegeben wird, seine Vornamen aber «J/» (Johann) «S» (Stephan) waren, wurde Heyendal erst im Jahre 1722 zum Drossard von Walhorn gewählt. Der Drossard des fraglichen Jahres 1713 hingegen war der schwerreiche Jo- hann Arnold van Dieden-Malalesta.. Die Finanzierung des Glockengusses wäre für van Dieden-Malales- ta keine große Sache gewesen, aber er war Geschäftsmann genug, um diesbezüglich doch in Aachen nachzufragen. Durchaus möglich, dass Heyendal als «stellvertretender Drossard» mit den Verhandlungen in Aachen beauftragt worden war. Wichtig zu beachten sind jedoch auch noch folgende Tatsachen : a) Die Handlung spielt im Jahre1713, also zu einem Zeitpunkt, als die Walhorner Pfarrkirche noch aus einem Langhaus mit Querhaus bestand, so wie sie um das Jahr 1500 mit erhöhtem Turm entstanden war. Der Erweiterungsbau zur dreischiffigen Hallenkirche erfolgte erst nach 1723. b) Es wird festgehalten, dass die Zehntglocke «schon seit Jahren» nicht mehr habe geläutet werden können. Hier drängt sich nun die Frage auf, seit wann und warum denn die Glocke nicht mehr geläutet werden konnte! Eine Antwort erhalten wir im folgenden Zitat des Dorfchronisten Caspar Scheen, welches uns bis- her von allen Vorgängerautoren vorenthalten wurde. Caspar Scheen bemerkt : „Diese Klock war ein seltsames Stück und das Kapitel von Aachen hat diese Klock, die von Walhorn oft wollen abkauffen, aber sie war
25 ihnen niemals feil, denn sie (die Walhorner} achteten dieses Stück zu schön um zu verkauffen“‘. Anmerkungen: Caspar Scheen, der unbekümmert (warum sollte er uns ein Märchen auftischen?) die Erzählungen der alten Walhorner zitiert, bestätigt die ehemalige Existenz einer seltsam (selten) schönen Glocke, die das Aa- chener Kapitel den Walhornern unbedingt «oft» habe abkaufen wollen. Aber: «Sie war ihnen niemals feil». Da stellt sich doch die Frage, warum wollten die Aachener denn un- bedingt diese Glocke haben? Die eindrucksvolle Größe und der schöne Klang können alleine doch nicht der Grund gewesen sein. Schließlich hatte das Aachener Marienstift diese mächtige Glocke einst der Kirche von Walhorn verschafft, damit ihr Klang im weitläufigen Gebiet des Walhorner Lehens gehört werden konnte. Der tatsächliche Hintergrund war, dass die Stadt Aachen am 2. Mai 1656 einem vernichtenden Großfeuer zum Opfer gefallen war. Ausge- hend von einer Backstube im Viertel von St. Jakob war ein Feuer ent- standen, das sich infolge eines scharfen Westwindes bald rasend schnell zu einer verheerenden Feuersbrunst entwickelte. Dem «großen Stadt- brand» waren damals innerhalb von 23 Stunden nicht nur 4.664 Häuser zum Opfer gefallen, sondern auch noch 17 Kirchen und Klöster: fast das gesamte gotische Aachen. Dabei wurden natürlich auch die Kirchtürme mit ihren Glocken ein Raub der Flammen. Der Wiederaufhau der Stadt, der Kirchen und ihrer Türme, wurde zwar sogleich in Angriff genommen, doch wie sollten die Aachener die vernichteten gotischen Glocken ersetzen? Da erinnerten sie sich, dass ja das kleine, fast unbedeutende Dorf Walhorn seit alters her über eine sel- ten schöne, große und wohlklingende Glocke verfügte, die man diesen Dörflern ja nur abzukaufen brauchte. Außerdem: Als Zehntherr von Walhorn hatte das Aachener Kapitel diese Glocke einst schließlich finanziert. In meinem Buch «Vier Kirchen am großen Bach» habe ich den Wal- horner Kirchenneubau der Jahre 1475 bis 1504 beschrieben und darge- legt, wie damals, beim Bau einer Kirche mit Lang- und Querhaus, das zu klein gewordene romanische Kirchlein abgetragen wurde. Alleine der Kirchturm aus dem 11. Jh. blieb erhalten. Dies ist auch der Grund, weshalb sich der Kirchturm in Walhorn nicht, wie bei anderen Kirchen üblich, in der Mite der Längsachse, sondern so eigenartig nach Nor- den versetzt befindet. Allerdings passte der ursprüngliche Turm von der
26 Höhe her nicht mehr zum Kirchenneubau. Also wurde der Kirchturm um ein Stockwerk erhöht und die 2.800 Pfund schwere Zehntglocke in der neuen Glockenkammer aufgehängt. Und genau diese 2.800 Pfund schwere Zehntglocke wollte das Kapi- tel von Aachen nun unbedingt erwerben. Sie boten, wie Scheen berich- tet, den Walhornern zuletzt sogar drei Reihen Dreimark-Stücke, die, an- einander gelegt, von Aachen bis Walhorn gereicht hätten, oder so viele dieser Münzen, wie aufgehäuft in dieser großen Glocke passen würden! Doch die Aachener hatten die Rechnung ohne die Walhorner gemacht! Caspar Scheen berichtet nämlich wie folgt weiter : «Dieses war ja eine ungeheure Summe Geldes, und jedoch haben sie dieses Pfand nicht wollen quittieren. Zuletzt, da die von Aachen sahen,- dass sie mit Güte nichts konnten ausrichten, haben sie es mit Gewalt wollen wagen. Wie die von Walhorn dieses bekannt ist worden, da ist der damalige Küster Haas gegangen und hat einen schweren eysernen Hammer genommen und hat diese schöne Glock von einander geschla- gen, oder wenigstens thun spalten.» Anmerkungen: Caspar Scheen nennt sogar den Namen des Küsters, der die Glocke zerstörte. Er weiß nur nicht zu sagen, wann der Küster Haas die alte Zehntglocke zerstörte. Nun, der Zeitpunkt der Tat lässt sich zumindest einkreisen. Wir gehen sicher nicht fehl in der Annahme, wenn wir die dramati- schen Verhandlungen und die Wahnsinnstat des Küsters in den Zeitraum nach dem 2. Mai 1656 (dem verheerenden Aachener Stadtbrand) und der nächsten Heiligtumsfahrt einordnen, die meinen Recherchen zufol- ge bereits im Sommer des Jahres 1657 stattfinden sollte. Bis dahin galt es, die Stadt so schnell wie möglich wieder für die zu erwartenden Pilgermassen herzurichten, denn die Heiligtumsfahrt spül- te alle sieben Jahre gewaltige Geldmengen in die Stadt, welche jetzt erst recht dringend benötigt wurden. Dringend benötigt wurden aber auch Glocken, denn was ist schon eine Aachener Heiligtumsfahrt ohne Glo- ckengeläute? Die Aachener standen also schlicht und einfach unter Zeit- druck. Nur so bekommt die ganze Angelegenheit einen logischen Sinn. Möglich, dass den Aachenern auch keine Zeit blieb, selber neue Glocken gießen zu lassen und zu finanzieren! Sicher, den Walhornern hatten sie, als alle Überredungskunst nichts fruchtete, zwei attraktive Angebote gemacht. Aber in der Not lässt sich ja bekanntlich vieles ver- sprechen. Doch die Aachener hatten, wie gesagt, die Rechnung ohne die Walhorner gemacht, zumindest nicht mit dem Küster Haas.
ZT Für die Aachener, die diese Glocke notfalls sogar mit Gewalt aus Walhorn entführen wollten, hatte sich die Sache nach der Zerstörung der Glocke damit natürlich erledigt. Doch wie ging die im Jahre 1713 spielende Geschichte nach dem Besuch des Koblenzer Glockengießermeisters Fabri vom 6. September weiter? Nun, die große Zehntglocke war also seit über einem halben Jahr- hundert verstummt. Im Grunde eine unhaltbare Situation, sowohl für Walhorn wie auch für den Zehntherrn, das Aachener Marienstift. Aber ein Blick in die Geschichte der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts be- legt, dass die Menschen, sowohl in Aachen wie auch in Walhorn, andere Sorgen hatten, als über einen Glockenguss nachzudenken. Anfang des 19. Jahrhunderts sah die Sache schon besser aus. 1702 war Johann Arnold van Dieden-Malatesta erneut zum Dros- sard gewählt worden, nachdem er dieses Amt schon von 1682 bis 1690 bekleidet hatte. Der kluge und privat schwerreiche Drossard hatte die ehemals desolate Finanzlage der Bank saniert und mit Heinrich Henuse hatte Walhorn ab 1711 einen neuen, höchst ehrgeizigen Pfarrer mit gro- ßen Plänen bekommen. Meister Fabri wurde also zu einem günstigen Zeitpunkt in Walhorn vorstellig. Doch sowohl dem Pfarrer als auch dem Drossard war bewusst, dass das Aachener Marienstift als Zehntherr der Walhorner Pfarrkirche in diesen Vorgang einzubeziehen war. Auch aus finanzieller Sicht war dies eine Notwendigkeit. Drossard und Pfarrer wussten, dass die Glocke einst mutwillig von dem Walhorner Küster Haas zerschlagen worden war, was den Aache- nern natürlich auch bekannt war. Allerdings konnte von Walhorner Seite darauf verwiesen werden, dass dies ja eine Reaktion auf den Aachener Erpressungsversuch gewesen war. Also entschlossen sich der Pfarrer und der Drossard, in Aachen nach- zufragen und entsandten eine Delegation, um den geplanten Glocken- guss mit den Kapitelherren zu besprechen. Schauen wir bei Gielen nach, was Mennicken 1879 schrieb: «Schon am folgenden Tag (7. September 1713) fanden sich die Wal- horner Abgeordneten in Aachen im Münster ein. Sie wohnten dem Hochamt bei und nach Beendigung desselben folgten sie den Kapitu- laren in die Sakristei, präsentierten daselbst ihre schriftliche Vollmacht mit der Bitte, das hochwürdige Kapitel möge auch seinerseits Vertreter für die gewünschte Verhandlung wählen. Dieses erklärte sich sofort be-
28 reit und ersuchte die Herren aus Walhorn, sich nachmittags um 2 Uhr im Kapitelsaal einzufinden .» Anmerkung: Zunächst einmal können wir davon ausgehen, dass die Kapitularen vom Besuch der Walhorner nicht allzu sehr überrascht waren, hatten sie doch selber Meister Fabri nach Walhorn geschickt. Die sofortige Bereitschaft der Kapitelherren mit den Walhornern zu verhandeln, zeigt, dass diese dem Plan vom Neuguss wohlwollend ge- genüber standen, zumal ihnen bewusst war, welchen Anteil sie an der Zerstörung der Walhorner Zehntglocke hatten. Deshalb waren sie auch bereit, sich an den Kosten des Neugusses zu beteiligen. Doch sie waren; wie wir weiter unten erfahren werden, nicht bereit, die Kosten alleine zu tragen. Sie wussten ja, dass die Glocke nicht beim normalen Gebrauch Schaden genommen hatte. Lesen wir, was uns von Gielen bzw. Mennicken weiter berichtet wird: «Nachmittags um 2 Uhr wurde im Kapitelsaal des Aachener Mün- sters die Konferenz eröffnet. Die Herren des Domkapitels (Lelotte, Wildt und ein dritter N.N.) legten den Walhorner Abgeordneten eine im Jahre 1423 auf Pergament geschriebene und mit mehreren Siegeln ausgestattete Urkunde vor, die (offenbar) von den (seinerzeitigen) Ed- len, dem Gericht und den Gemeindevertretern der Bank Walhorn unter- zeichnet worden war. Diese Urkunde (von 1423) enthielt u. a. folgende Erklärungen: - dass die Kapitelglocke geborsten sei und das Kapitel sie habe neu gießen lassen; - dass die alte geborstene Glocke nicht mehr als I .900 Pfund gewogen habe; - dass dagegen die neue, jetzt (im Jahre 1423) gelieferte Glocke 2.800 Pfund wiege, wozu allerdings die Bank Walhorn 200 Pfund Metall bei- gesteuert habe; - dass aber, falls in Zukunft die Glocke nochmals umgegossen werden müsse, das hochwürdige Kapitel nur gehalten sei, eine Glocke von 2.000 Pfund zu stellen. Gegen diese Urkunde konnten die Vertreter Walhorns nichts Stich- haltiges vorbringen. Das Kapitel verpflichtete sich, zu dem jetzt beabsichtigten Umguss der drei Glocken 628 Gulden beizusteuern.
29 Alle übrigen Unkosten für den in Walhorn vorzunehmenden Umguss der drei Glocken mussten von der Bank bestritten werden, nämlich die Herstellung der Hütte, der Formen, des Ofens, die Lieferung der nöti- gen Materialien sowie Kost und Logis für den Glockengießer, der 13 brabantische Gulden für je 100 Pfund Metall erhalten sollte.» Anmerkungen: Diese letzten Informationen kann man aus zwei Blickwinkeln be- trachten: Entweder man akzeptiert, was hier geschrieben steht, dann wäre die Geschichte an dieser Stelle mit den neuen Hintergrundinformationen zu Ende. Oder man steht diesen letzten Informationen kritisch gegenüber. Dann muss man allerdings sich zunächst die Frage stellen, wer denn jene Worte in Gielens Buch durch Kursivlettern hervorgehoben hat. Wollte Gielen uns auf zweifelhafte Hintergründe aufmerksam ma- chen? Oder wollte schon Pfarrer Mennicken uns versteckte Zeichen geben? Tatsache ist, dass Pfarrer Mennicken die Aufzeichnungen von Scheen kannte, aber in seinem Zeitungsbericht nichts schrieb, was das Aache- ner Kapitel hätte verärgern können. Hat Mennicken bewusst und gezielt die Geschichte verfälscht? Hat Gielen dies bemerkt? Ist es nicht überraschend, dass die Aachener Kapitelherren den bei- den überraschten Walhornern am 7. September 1713 eine mit mehreren Siegeln versehene Pergamenturkunde aus dem Jahre 1423 vorzeigen konnten? Gibt es diese Urkunde noch? Offenbar nicht, denn die bekannten Heimatforscher unserer Tage hät- ten sie uns mit Sicherheit schon einmal gezeigt. Es wäre auch zu inter- essant zu erfahren, wer denn diese Urkunde stellvertretend für Walhorn unterzeichnet haben könnte. Die Unterschrift des zu dieser Zeit amtierenden Drossards müsste da- rauf erkennbar sein und wir könnten unsere Liste der Drossards für den fraglichen Zeitraum vervollständigen. Gielens Auflistung der Drossards benennt „um das Jahr 1445“ lediglich Johann von Belderbusch. Ist es nicht erstaunlich, dass den Walhornern 1713 in Aachen eine aufwändige, 268 Jahre alte Urkunde präsentiert werden konnte, die den verheerenden Stadtbrand von 1656 überstanden hatte, aber heute nicht mehr vorzeigbar ist? Immerhin vernichtete der Großbrand innerhalb
30 von 24 Stunden, wie schon gesagt, nicht nur 4.664 Privathäuser, son- dern auch 17 Kirchen und Klöster. Es erscheint durchaus logisch, dass das Aachener Marienstift nach der Schenkung des Landes von „Harna“ durch König Heinrich IV. nach dem Jahre 1076 in Walhorn eine Kirche errichten ließ und diese mit einer Glocke ausstattete, die die Gläubigen nicht nur zu den Gottes- diensten rief, sondern sie auch an die Entrichtung der Zehntabgaben erinnern sollte'. Es scheint auch durchaus denkbar, dass im Jahre 1423, aus welchem Grunde auch immer, ein Neuguss der Zehntglocke erforderlich gewor- den sein könnte. Immerhin waren seit 1076 ja über drei Jahrhunderte ins Land gegangen. Doch warum sollten die Walhorner anno 1423 darauf > bestanden haben, statt der 1.900 Pfund schweren Glocke nunmehr zu ihren Lasten eine 900 Pfund schwerere Glocke gießen zu lassen? Ist es nicht erstaunlich, dass angeblich im Jahre 1423 eine so pracht- volle Pergament-Urkunde mit mehreren Siegeln für einen simplen Glo- ckenumguss hergestellt wurde, dass es aber von der neuen Abmachung vom 7. September 1713 nichts Vergleichbares gibt? Ist es nicht merkwürdig, dass die Urkunde von 1423 schon die Mög- lichkeit eines späteren Umgusses vorsieht und in dem Falle die Ver- pflichtung des Kapitels auf die Bereitstellung einer Glocke im Gewicht von 2000 Pfund beschränkt? Ist es nicht sonderbar, dass den Walhornern 1713 nichts von einer Urkunde des Jahres 1423 bekannt war? Hätten sie nicht über eine Ab- schrift verfügen müssen? Wobei berücksichtigt werden muss, dass eine solche Abschrift beim Einsturz der Walhorner Halle im Jahre 1570 viel- leicht verloren gegangen war. Trotzdem bleibt die Frage, ob die Aachener Domherren nicht -nach den Ereignissen, die zur Zerstörung der alten Zehntglocke führten-, im ausgehenden 17. Jahrhundert in weiser Voraussicht eine Urkunde fabri- zierten, die sie auf das Jahr 1423 zurückdatierten, um den Anspruch der Walhorner zu begrenzen. Wenn dem so wäre, dann war die vom Küster Haas zerschlagene Glo- cke um 1656 nicht erst rund 230, sondern möglicherweise damals schon fast 600 Jahre alt. 1 Am 21. April 1076 schenkte König Heinrich IV. dem Marienstift in Aachen die Vogtei (Gerichtsbarkeit) über Walhorn, Lontzen und Manderfeld.
31 Dass die Aachener angesichts der ungeheuren Zerstörungen in ihrer Stadt die Walhorner Glocke unter allen Umständen haben wollten, kann man durchaus nachvollziehen. Verständnis kann man aber auch für die ablehnende Haltung unserer Vorfahren dem Aachener Ansinnen gegenüber haben und vielleicht so- gar Verständnis aufbringen für den Kunstfrevel des Küsters Haas, der die Glocke vor dem Zugriff des Marienstiftes bewahren wollte. Im Nachhinein kann man natürlich das Geschehene bedauern. Wäre es nicht schön, wenn die Walhorner heute in Aachen dem Klang ihrer ehemaligen Zehntglocke lauschen könnten? Die Verzweiflungstat des Küsters verdient also nicht unbedingt Aner- kennung. Sicher, die Aachener bekamen die Glocke nicht, aber was half das den Walhornern? Gr TEEN : 5 TA ss Ss : 7 EN ESS 4 ss == 3 = zZ 35 ZZ : Zn A = N = WU he MMS AS Ex: Sn Er On Ä>S S SS: 5 E EZ Ss \ A m D Oz a Die Marienglocke Zeichnung + Freddy Nijns
32 Nachtrag Der Koblenzer Glockengießer Edmund Fabri hatte keine Eile bei sei- ner Arbeit in Walhorn. Wie in Aachen zwischen dem Kapitel und den Vertretern Walhorns vereinbart, sollte das Kapitel zwar 628 Gulden zum Umguss der drei Walhorner Glocken beisteuern, doch sollten alle übri- gen Kosten von der Bank bestritten werden. Die Walhorner gingen mit Eifer die von ihnen erwarteten Vorberei- tungsarbeiten an. Als erstes bauten sie eine Schutzhütte, unter deren Dach sie dann eine Grube aushoben. Sodann leisteten sie die anfallen- den Spanndienste, schafften Ziegelsteine, Kalk, Sand und Holz herbei und unter der Anleitung des Meisters Fabri entstanden Ofen und For- men für den Guss. In der Erinnerung ist lange haften geblieben, wie viel vor allem die Witwe Hagen, die im Pottick einen Laden mit den Gebrauchsgegen- ständen des täglichen Lebens führte, zum Gelingen des Unterfangens beigetragen hat. Nicht nur, dass sie ihre Hauswiese für den Glockenguss zur Verfügung gestellt hatte; auch Materialien und Arbeitsgeräte wur- den von ihr bereit gehalten. Es waren dies Balken, Bretter, Nägel, Stroh, Bütten, Eimer, Mandeln „und andere notwendige Sachen“. Am 21. Oktober 1714 war Segnung der neuen Glocken. Sie brachten 6.372 Pfund auf die Waage. Das Schicksal der neuen Glocken können wir aus den Unterlagen des Pfarrarchivs verfolgen. Die kleinste der drei Glocken (dem hl. Antonius geweiht) sprang im Jahre 1802 und wurde 1809 umgegossen. Der Dorfchronist Caspar Scheen hat diesen Glockenguss, bei dem auch Glocken für Hauset, Her- genrath und Stockem gegossen wurden, ausführlich beschrieben. 1827 sprang die kleine Glocke erneut; diesmal wurde sie 1835 bei A. Gaulard in Kornelimünster umgegossen. Auch mit der größten der Fabri-Glocken hatte Walhorn nicht viel Glück. Sie sprang 1845. Ein Neuguss fand 1853 bei Jos. Beduwe in Aachen statt. Trotz allem hatte das Walhorner Geläut einen Klang, um den man die Stephanus-Pfarrkirche beneidete. Als im Zweiten Weltkrieg im Zuge der Metallbeschaffungsaktion des Dritten Reiches die Glocken des ge- samten deutschen Herrschaftsgebietes systematisch mit Meldebögen erfasst wurden, schrieb der Walhorner Pfarrer Pflippen als zusätzliche Bemerkung zu den Glocken seiner Pfarrkirche, bereits im Ersten Welt-
33 krieg habe die zuständige Kommission „wegen des alten harmonischen Geläutes von jedweder Beschlagnahme Abstand genommen“. Der Walhorner Meldebogen führt die drei Glocken mit einem Ge- wicht von 1400, 1100 und 702,5 kg an. Die schwerste der drei Glocken kam auf dem Sammelplatz in Ham- burg in die Gruppe D, d. h. man schätzte sie als erhaltenswert ein. Eine kleine Glocke, „Schelle“ genannt, wurde nicht berücksichtigt. Wie wenig Rücksicht bei der Einstufung der Glocken auf geschicht- liche Zusammenhänge genommen wurde, zeigt das Beispiel der 1852 gegossenen Beduwe-Glocke. Die Inschrift wies sie eindeutig als die Nachfolgerin der ehemaligen Zehntglocke aus. Sie lautete: „Sit Nomen Mariae Benedictum! Campana Decimalis Ecclesiae in Walhorn Quam Capitulum Vene- rabile Et Regale Aquense Refudit in Honorem Beatae Mariae Virginis Patronae Suae Anno 1714, Iterum Rupta 1845 Refusa Est 1852 Pastore Joanne Lecomte Ac Praetore Dominico Kerres. Heilige Maria bitte für uns, hl. Antonius bitte für uns. Jos. Beduwe in Aachen goss mich.“ Der Reichswirtschaftsminister hatte einem Antrag der Vermögens- verwaltung der Walhorner Pfarrkirche auf Belassung der Zehntglocke nicht stattgegeben, „da er mit einer solchen Ausnahmegenehmigung vielen Kirchengemeinden das Recht geben würde, entsprechende An- träge zu stellen.“ Von den drei 1714 gegossenen Glocken hat sich, wie Viktor Gielen bemerkt, „nur die mittlere (dem hl. Stephanus geweiht, im Gewicht von 1100 kg) bis heute unversehrt erhalten‘‘. Im Zweiten Weltkrieg wurden die beiden anderen beschlagnahmt und am 15. Dezember 1943 abtransportiert. Nach Kriegsende wurden sie auf einem der Sammelplätze in Hamburg wiedergefunden und konnten am 26. April 1947 nach Walhorn zurückgebracht werden.
34 Plaidoyer für einen Fußfall von Albert Creutz a Ya @ Es na ZA Wa EEE L Are ee we. EN RS
35 Auch in unserer Gegend findet man sie häufig an markanten Punkten: Wegekreuze und Heiligenhäuschen (Fußfälle), die vom frommen Sinn unserer Vorfahren zeugen. Nicht immer erinnern die Kreuze an Mord und Totschlag. Vielfach sind sie auch aus Dank für erhaltene Gnaden errichtet worden. Als besonders gefährlich stuften unserer Vorfahren Wegegabelungen ein. Diese galten als unheilvoll, weil sich dort die Hexen trafen, ehe sie in der Walpurgisnacht zum Sabbat gingen. Durch ein Kreuz oder ähn- liche Wegezeichen konnte man die von den Hexen ausgehende Gefahr bannen. Die Verehrung für einen bestimmten Schutzheiligen fand Ausdruck in der Errichtung kleiner Heiligenkapellen, die in einer Nische die Figur des Schutz bietenden Heiligen aufnahmen. Diese Heiligen waren vergleichbar den Spezialisten in der Medizin unserer Tage. Gegen Kopfschmerzen kennt der wallonische Volksglau- ben nicht weniger als 49 anzurufende Schutzheilige, 23 gegen Rheuma, 85 gegen Kinderkrankheiten, 123 gegen Fieber, 18 gegen Bauch- und 20 gegen Zahnschmerzen! Viele der in unserer Gegend vorhandenen Fußfälle sind im Laufe der Zeit bei Straßen- oder Feldarbeiten beschädigt worden. Aus vielen Ni- schen wurden die Heiligenfiguren entwendet, um als Antiquitäten ver- kauft zu werden. Die noch vorhandenen Fußfälle sind in der Regel als kleine Boden- denkmäler vom Denkmalschutzamt registriert. Aber diese Maßnahme allein genügt nicht, sie nötigenfalls zu schützen bzw. bei Beschädigung wieder herzustellen. Umso mehr muss lobend hervorgehoben werden, wenn dies dann doch geschieht, wie im Falle des kleinen Denkmals, das 1765 durch die Eheleute „IC-IK“ auf der Flur Rurbergerheide in Gemmenich errichtet wurde. Der Flurname ist inzwischen der Bezeichnung „Marveld“ gewichen. Der Weg gleichen Namens führt von Moresnet-Dorf nach Gemmenich, wo er unweit des Schulkomplexes von Maria Hilf in die Moresneter Straße einmündet. In früherer Zeit war dieser Weg über Marveld die kürzeste Verbindung zwischen Moresnet-Dorf und Gemmenich. Der Grenzbereich zwischen diesen beiden genannten Orten wird von landwirtschaftlichen Anwesen eingenommen. Eines davon, der Hof Schmetz, Marvelt 128, Moresnet, (heute Habets-Laschet) ist das Stammhaus des als Mediziner bzw. Internisten wohlbekannten Dr. Jean
36 Schmetz (1926-1993). Die Weideflächen dieses Hofes erstrecken sich bis zur „rue de Marvelt“ in Gemmenich, wo (auf der Gemmenicher Straßenseite), in den sechziger Jahren eine Reihe von Neubauten ent- standen sind. Der alte Flurname „Roerbergerheide“ blieb als „chemin de Roerberg‘“ zur Bezeichnung eines Wegeteilstückes erhalten. Nach Moresnet hin ist die Hauswiese Schmetz noch unbebaut, doch besteht ein Projekt zur Errichtung von 17 Neubauten. Die beiden Abbildungen der Seite 34 zeigen einen „Fußfall‘“ im unte- ren Bereich der Hauswiese Schmetz. Er hat die typischen Merkmale der ländlichen Architektur der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Eine Nische findet nach oben ihren Abschluss durch einen rundbogigen Schluss- Stein Dieser trug die Jahreszahl 1765 und die Initialen der Erbauer „IC- IK, die auch als JC-JK gelesen werden konnten. Das obere Foto entstand im April 2007, das untere 2008. Was war zwischenzeitlich geschehen? Nun, wie so häufig, das Denkmal wurde von einem Fahrzeug ge- rammt. Der Landwirt J. B., der mit seinem Traktor und einem Viehan- hänger unterwegs war, hatte die Länge seines Fahrzeugs wohl unter- schätzt und mit dem Anhänger den Fußfall stark beschädigt. Ehe der mit dem Wiederaufbau beauftragte Gemmenicher Maurer- meister Albert Rademaker ans Werk gehen konnte, musste er das Mau- erwerk bis zum Boden abtragen, die Steine ordnen und reinigen. Die Blausteine der Nischenrahmung legte der Handwerker vorläufig bei Seite und deckte sie ab. Doch wie groß war seine Überraschung, als er beim nächsten Besuch seiner Baustelle feststellen musste, dass jemand die Blausteine der Ni- sche entwendet hatte! So wurde der vorgesehene Wiederaufbau etwas verzögert, und, was hier besonders ins Gewicht fällt, in die nun ange- brachten Blausteinrahmen wurde nur die Jahreszahl (1765) beigeschla- gen, nicht aber die Initialen der Erbauer. Der genealogisch interessierte Heimatforscher bleibt unbefriedigt und kann nur hoffen, dass der Dieb- stahl eines Tages aufgeklärt wird.
37 Gartenzwerge ; von Maria Theresia Weinert Wenn in Deinem Garten Du nicht so gerne schuftest, kauf Dir einen Gartenzwerg, sogleich begibt er sich ans Werk, während Du verduftest. Sollte nun der eine Zwerg nicht die Arbeit schaffen, blöde um sich gaffen, lass Dich nicht lange bitten, kauf den zweiten, dritten. Sieh, der erste hält den Spaten, Nummer zwei pflanzt Bäumchen, schleppt noch Wasser aus dem Haus, Nummer vier pflückt Pfläumchen. Wo die Gartenzwerge stehn, hast Du nichts zu warten... Menschen, die vorübergehn, sagen beim Hinübersehn: „Welch ein schöner Garten!“
38 Aus einem Kelmiser Familienbuch (Teil 2 und Schluss) von Alfred Bertha Am 2. November 1867 war der große römische Krieg mit Papst Pius dem IX?. Als Dank für den Sieg wurde zu Kelmis, wie in der ganzen Christen- heit, ein dreitägiges Jubiläum gehalten Die zwei neuen Bilder zu Kelmis, die Mutttergottes und St Joseph, sind aufgesetzt am 15. August 1867; jedes kostet 450 Franken Die zwei neuen Bilder im großen Altar, St Peter und St. Paulus, sind aufgestellt worden am 22. Dezember 1872 in Kelmis. Am 2. Dezember 1862 wurde eine päpstliche Mission von Papst Pius IX. angefangen und übergebracht vom Erzbischof von Belgien und en- dete am 7. Dezember mit dem päpstlichen Segen, wodurch ein vollkom- mener Ablass verliehen wurde. Am 26. August 1862 stand eine großer Kometstern (am Himmel). In dem trockenen Jahr 1863 hat es im Juli den 16. und 17. Eis gefro- ren, dass die Kartoffeln „verkältet‘“ waren. Am 12. Juli 1859 ist der erste Stein von der großen Pumpenmaschine auf’m Altenberg gelegt worden. Und am 20 Octr. 1860 gangbar gewor- den. Am 8. Octr. 1863 ist die neue Wasserleitung zu Moresnet in Betrieb genommen worden. Am 6. Februar 1862 ist die neue katholische Kirche auf’m Bleiberg eingesegnet und die erste H. Messe darin gehalten worden; als Pfarrer da ist der Herr J. Langohr. Die neue Judenkirche zu Aachen ist eingeweiht den 20. Septm. 1862. Die Altenberger neue Schreinerei ist gebaut 1862, darin eingezogen am 14. April. Der Erde Umkreis ist 5400 deutsche Meilen und eine Meile ist 2000 Ruten. ! SS. Teil 1 in Nr. 88 (Aug. 2011) dieser Zeitschrift., S. 80-94. ? In der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen dem Papst und dem italienischen Staat ging es um die Zukunft des Kirchenstaates. Päpstliche und französische Streit- kräfte besiegten die Verbände des Freiheitskämpfers Garibaldi am 3. November en der Schlacht von Mentana, was in der ganzen Christenheit dankbar gefeiert
39 Die Gasbeleuchtung auf’m Altenberg in der Wäsche hat angefangen im Jahr 1861 und auf den Gruben 1862. Die Schule zu Kelmis ist eröffnet worden am 29. Octr. 1857. Im Dezember 1872 ist die Wasserleitung vom Ochsenbrunnen bis auf die Fabrik eröffnet worden®. Ich bin in die Sankt Peters Bruderschaft Kelmis eingeschrieben wor- den am 11. August 1861; der jährliche Beitrag ist 2 Silbergroschen. Am 18. Juli 1869 starb unser gewesener Bürgermeister Lasaulx zu Moresnet. Am 25. März starb der Ritter von R&simont vom Bempt zu Moresnet. Am 15. Juni 1863 verunglückte der Hubert Hoeschen zu Eu- pen. Gestorben im Jahr 1866 den 18. März unser Pfarrer Flemmincks zu Kelmis, war alt 43 Jahr 11 Monate. Und wurde aus dem alten in das neue Grab verlegt am 10. Octr. 1866. Am 15. Juli 1868 war das Korn reif. Die Oelmebäume oder Ulmenbäume an der Landstraße vom Bild- chen nach Aachen und Kelmis sind gepflanzt worden im Jahr 1860. Die neue Vermessung der Gründe zu Neutral Moresnet im Jahr 1860 des Kadasters nach zu Krickelstein im Heuchen ist 45 Ruten 80 Fuß preußisches Maß groß. Der Johann Hubert Joseph Mostert trat in das Belgische Genie (=Pi- oniereinheit) 2. Bataillon 4. Compagnie, seinen Dienst an am 6. Mai 1857 und wurde entlassen am 24. Octr. 1860*. Die Übertragung der Reliquien des H. Aurelius ist erhaben. 1784 ist er zu Aachen gebracht worden durch den Erzbischof Johannes von Geissel von Köln den 21. Mai 1861 zu die Mariakirche. Und ist eingesegnet am 15. August 1863; ich hörte am 23. Aug. die H. Messe darin. Der Martinus-Altar zu Hergenrath errichtet am 27. Octr. 1865. Säulen-Ordnung: 1. Toskanische 2. Dorische 3. Ionische 4. Korinthische 5. Römische Die Weihung der Geistlichen Pastor Schmetz von Moresnet geweiht 1830; zu Moresnet gekommen 1844. Der Kaplan Huns geweiht und zu Moresnet gekommen 1844. Ka- ® Der Ochsenbrunnen scheint identisch zu sein mit der Wasserentnahmestelle der “ 3 + ER er eine Dienstzeit von 3 Jahren und 5 Monaten geleistet hat !
40 plan von Gümnich geweiht 1827 und Pastor aldar geworden 1846. Der Dechant von Aubel geweiht 1826 und Dechant geworden 1833. Der Herr Alph. de REsimont von Moresnet ist geweiht am 25. Mai 1861. Er las seine erste H. Messe am 28. Mai zu Moresnet. Am 7. Mai 1875, nachts zwei Uhr, ist der Pfarrer von Hergenrath Na- mens Franciscus Lambertz gestorben, 75 Jahre alt und 40 Jahre Pfarrer von Hergenrath. Am 8. Februar 1878 des Nachmittags um 3 Uhr verschied der große Papst Pius IX. zu Rom im Alter von 85 Jahren. Das letzte«Begräbnis von Kelmis zu Moresnet war das Kind von Brenner am 30. Sept. 1858. Den 13. Januar 1859 ist die neue Bürgermeisterei zu Neutral-Moresnet ” eingeführt worden und am 10. März 1859 übernahm der H. De Timm (= van Scherpenzeel-Thim) die Bürgermeisterei von H. de Lasaulx und am 1. Juli 1859 übernahm der H. Kohl die Bürgermeisterei von H. de Timm mit dem preußischen Moresnet. Der Abgang von den H. De Timm war am 1. Juli 1859. Der Kaplan Hungs ist von Moresnet nach Baelen abgegangen den I. Nobr. 1859. Das Mess-Gewand zu Kelmis Am 20. Mai 1860 wurden die 5 Messgewande und eine neue Mons- tranz mit dem Mutter-Gottes-Bild mit den übrigen Sachen eingeführt. Im Jahr 1861 stand vom 1. Juli an ein Komet neben dem Wagen. Am 12. Juli 1863 habe ich reifes Korn zu Hergenratherfeld abgehau- en gesehen. Am 1. Juni 1862 ist die St. Hubertus Schützengesellschaft zu Kelmis entstanden und König geworden ist Schoenbrod. Die Pfarrei von Kelmis Ist angefangen die Einrahmung vom Kirchhof am 20. August 1858. Und die Nachricht von der Pfarrei (Nachricht von der Pfarrerhebung) ist gekommen am 29. August 1858. Und die Einführung der Pfarrei und des Vikars Flemmincks zum Pastor und Einsegnung des Kirchhofes durch den Herrn Dechant von Aubel mit 12 Geistlichen, das Absingen und Beten der Litanei von allen Heiligen und Weihwasser und Beweih- räucherung mit Trauermusik und drei brennenden Kerzen auf das große Kirchhofskreuz aufgestellt, das war am Donnerstag, dem 9. September 1858 vorgenommen worden mit großem Prunk und Herrlichkeit unter
41 der Regierung von Pastor Flemenk (= Flemmincks) und Herrn De Timm ihren Anfang genommen. Die erste H. Hochmesse in der Kapelle* ist am 17. October und die erste Vesper ist darin gehalten worden am 31. Octo. 1858. Die 3 HI. Messen sind angefangen vom 24. Octob. 1858 an. Die Or- gel darin hat ihren Anfang auf 3 Königetag den 6. Januar 1859. Die ersten Jahrgedächtnisse in dieser Kapelle waren für Schillings am 15. und 16. Septr. 1858, wie auch von Jammes Frau am 20. Sptmr 1858 und von meinen Eltern mit dem jährlichen Bitten am 30. Septr. 1858 gehalten worden. Das erste Kind hier darin getauft von J. Gohe. Die erste Heirat darin sind der Bücke und Frau Laberdür. Das erste Begräbnis auf diesem Kirchhof war ein Kind vom Miessen vom Krickelstein, geboren den 4. August 1858, Maria Sofia, gestorben den 15. Sept. 1858 abends 11 Uhr. Es wurde beerdigt am 16. Sept. um 10 Uhr morgens mit großem Prunk und Herrlichkeit. Am 25. Octr. 1858 starb die Frau von der Junge Delhaß und wurde begraben am 27. Octr., sie war die erste große Leiche. Am 24. Nobr. 1858 starb der alte Wallonger Namens Mathyoc vom Schnellewind. Am 14. Januar1859 starb der alte Thille vom Tennebaum. Mein Kind Maria Magdelena hat das erste Mal am 5. Juni 1859 seine H. Communion in der Kapelle gehalten. Am 5. Octob. 1858 traf unser erster Kaplan Segels ein. Der letzte gestorben darin ist der Joh Conrath Maintz, 60 Jahr. Der Winter 1852-1853 hat sich nicht merken lassen, denn am 8. und 31. Januar haben Erbsen, Violen (Veilchen) und Kircheschlüsseln (Schlüsselblumen, Primeln?) geblüht. Am 22. Januar den ersten Schnee und am 26. den ersten Frost gesehen. Zwei Tage friete (=fror) es Am 4. Sept. friete es wieder. Im Jahr 1856 am 3. Juli sind die Kartoffeln befro- ren. Am 4. Sept. friete es wieder. Es ist das erste Mal für die verstorbenen Frau Buman und Frau Tou- sein an der Bergkapelle zu Kelmis geläutet worden. Im Jahr 1856 den 30. Juni wurde mein Haus auf’m Krickelstein ver- fertigt oder verneuert. Im Jahr 1858 mit Mai wurde wieder ein Jubiläum für die Stärkung des Glaubens zu Moresnet abgehalten. Das jährliche Jahrgedächtnis zu Kelmis für meinen Vater und Mutter kostet 4 F, 40 Ct. Das „Bitte“ kos- tet jedes 1 Fr. 5 Die Kapelle im unteren Vonsweg gab der heutigen Kapellstraße ihren Namen.
42 Die Regierung oder Verteilung mit Preußen und Holland ist angefan- gen im Jahr 1817°. Das samstags Fleischessen (?) zu Moresnet ist angefangen am 28. Juli 1853. Das 40 stündige Gebet zu Moresnet angefangen zur Fast- nachtszeit. Im Sommer von 1857 nicht mehr geregnet von Anfang Juli bis den 5. und 6. October dieses Jahres. Vom 10. September bis November 1858 stand ein Komet etwas ne- ben Norden auf Westen zu bis 9,14 Uhr. Der Untergang abends. Die Hergenrather Glocken habe zum ersten Mal geläutet für den ver- storbenen Bartolomei Chantrein aus dem Kinkenpiß. Am 17. August 1875 ist der erste Personenzug aus Aachen abgefah- * ren, mit 8 Badegästen hier in Kelmis angekommen’. Die Erbauung der Evangelischen Kirche zu Eupen im Jahre 1853, 1854, 1855. Das Maria-Empfängnis-Fest zu Moresnet ist am Christi Himmels- fahrtstag den 17. Mai 1855 mit großem Prunk gehalten worden unter Pius IX. Die Hauseter Kirche wurde am 14. October 1856 veranschlagt zu 3664 Thlr, 23 Sbg:(Silbergroschen), 2 Pfg: öffentlich in Verding gege- ben und wurde eingesegnet am 3. Januar 1860. Am 5. Mai 1861 sind die Glocken geweiht worden. Am 13. Mai 1861 zur Pfarrei geworden. Das erste Begräbnis der Evangelischen zu Kelmis war am 26. Juli 1858, ein 4 Monate altes Kind von Oschman, und die erste große Leiche war am 8. März 1859 der Jacob Birberg. Die neue Maschinenpumpe mit dem Weiher ist gebaut 1860 zu Kel- mis; die Maschine angefangen am 2. Juli 1861. Für die Ruppen (= Raupen) zu vertreiben So muß man ihnen einen Ausweg verschaffen und dabei das ganze Evangelium und 3 Vater unser und Ave Maria 5 Tag lang für die Armen Seelen beten. Die Bruderschaft vom Fluchen und Verwünschen ist zu Moresnet eingerichtet worden im Jahr 1848. Die ersten protestantischen Dienste (Gottesdienste) sind auf Hasard in der Schule am 14. Januar 1855 ge- halten worden. * Genauer: Die Dreiteilung der Gemeinde Moresnet wurde im Aachener Grenzvertrag vom 26. Juni 1816 festgelegt. 7 Auf welchem Weg die Aachener Badegäste nach Kelmis gekommen sind, lässt sich nicht sagen. Per Postkutsche?
43 Der Anfang des Baus von der protestantischen Kirche zu Kelmis war am 1. Juli 1856 und ist verfertigt worden und ihr erster Dienst darin ge- halten worden am Mittwoch, dem 2. September 1857. Im Jahr 1857 ein so trockenes Jahr gewesen als man weiß.(= das tro- ckenste Jahr, an das man sich erinnern kann). Im Jahr 1856 den 3. Juli sind die Kartoffeln befroren. Der Ablass von der Mission zu Moresnet, die im Jahr 1854 ist errich- tet worden. An der 14. Station ist ein beliebiges Gebet mit Anschauung auf dieselbe. Der Ablass an dem Missionskreuz ist 7 Ave Maria zu den 7 Schmer- zen Marias; der verdient 7 Jahr; und vollkommener Ablass, der ist auf Palmsonntag auf Kreuzerhöhung und Kreuzauffindungs-Tag. Am 21. Mai 1854 hab ich einen Lutiron (Lutheraner ?) namens Jo- seph Neuman seh’n taufen in Moresnet. Der neue Himmel in Moresnet angekommen im Jahr 1852. Am 8. August 1854 Morgens % 8 Uhr verunglückte der Franz Wil- helm Heuschen in den Sandkaulen zu Kelmis. Mostert ist Bürgermeister geworden mit dem 1. Nobr. 1851 zu Her- genrath. Von 1853 an ist das samstags Fleischessen vom 28. Juli angefangen. Die Mission in Moresnet hat angefangen im Jahr 1854 am 29. März, nachmittags um 4 Uhr, und endet am 9. April. Die Erneuerung ist ange- fangen den 21. November 1854. Die zweite Erneuerung hat angefangen am 14. Dezember und geendigt am 21. Dez 1884. Im Jahr 1854 hat der erste neue Geistliche Flemmincks in der Berg- kapelle am 21. Mai sonntags die H. Messe gelesen. Und die Turmglocke ist geweiht vom Pastor Schmitz von Moresnet am 11. October des Jahrs 1854 mit Einsetzung des Allerhöchsten Gutes im Tabernakel. Am 27 Februar 1859 wurde der Armenbeutel zu Moresnet eingeführt. Im Jahr 1858 bis 10. Juli hat der Kuckuck noch gesungen. Im Jahr 1860 im Frühjahr waren die Kartoffeln per 100 (Zeichen für Pfund ?) zu 6 1/2 Francs. Paris welches am 2. Dezemb. 1851 eine Blutvergießung gewesen ist. Und am 20. bis 23. Dezembr. 1851 ist der Louis Napoleon für 10 Jahre der Präsident Frankreichs geworden. Der Oesterreichische Krieg ist angefangen im Jahr 1859, den 30. April.
44 Ich Jos. Mostert, habe den ersten Maschinen-Bau auf der Fosij (= Fossei), Gemeinde Walhorn, im Monat November 1875 fertig gemacht. Die Berg-Kapelle zu Kelmis ist vergrößert worden mit der Kirmes im September 1852. Die Maastrichter Eisenbahn ist auf Aachen fertig geworden im Jahr 1859. Der Bischof Theodor Alexis Joseph de Montpellier ist am 7. Novem- ber 1852 zu Lüttich konsekriert worden. Die Kartoffel-Krankheit hat mit dem Jahr 1845 angefangen und hat etwas aufgehört im Jahr 1857. Aufgehört 18688. Am 1. Juni 1862 starb der J. J. Schings von Gümmnich. Im Jahr 1816 befand sich eine bedrängte Zeit, da das 8-Pfund-Brot * 15 Sbg kostete und die Mandel Kartoffeln einen Kronen-Taler. Wie auch in dem Jahre 1847 besonders, und 1846, da das Malter Korn (X) Thlr, (X) Sbg kostet und das 8 (Pfund?) Roggenbrot 12 Sbg: und das 7 Pfund Weizen- Brot 12 Sbg, 10 Pfg. kostet. Eine Mandel Kartoffeln kosten wegen der Kartoffelkrankheit 5-6 Franken und im Jahr 1850, den 15. Mai, kostet das 8 Pf. Roggenbrot 3 Sbg, 8 Pfg . Vom halben Juli 1859 an war das Korn reif. Im Jahr 1848 vom 22. Februar hat die Revolution in Paris angefan- gen, wobei am 23. bis den 26. Juni 1848 eine große Schlacht gewesen 1st. Der Anfang von der Erbauung der Muttergottes Kapelle oder Eiksche zu Moresnet im Jahr 1823 geschehen. Vom dem ersten Papst, dem h. Petrus, bis Pius IX. im Jahre 1850 sind gewesen 259 Päpste. Mit Mai 1858 haben sie die neuen silbernen Gotteshauslampen be- kommen zu Moresnet. Die Bergkapelle ist vom Dechant von Aubel am 1. September ein- gesegnet worden und am 7. September 1845 die erste H. Messe darin gehalten worden. Den Altar renoviert mit Mai 1851. Der Pfarrer J. Deodor Laurent zu Gemmenich wurde am 27. Dezem- ber 1839 zum Bischof geweiht und am 3. Februar 1840 weihte er die Kirche zu Gümminich ein. Am 7. April 1852 um % 7 Uhr abends, im Alter von 62 Jahren, ist der Hw. Bischof von Lüttich, Cornelius van Bommel, im Herrn entschlafen. $ Die Kraut- und Knollenfäule der Kartoffeln wird durch einen sehr anpassungsfähi- gen Pilz (Phytophthora infestans) verursacht. Im 19. Jh. hat sie mehrmals zur Ver- nichtung der Kartoffelernte und damit zu Hungersnöten geführt.
45 Im Jahr 1838 im October ist der Anfang von der Eisenbahn gemacht worden. Und im Jahr 1843, den 15. October, ist das erste Mal mit einem feierlichen Triumph am Viaduckt (der Hammer genannt), wo sich Bel- gien und Preußen begegnen, darauf gefahren worden. Die Kirche zu Montzen ist geweiht worden den 18. October 1848 von Cornelius van Bommel aus Lüttich. Die neue Kirche zu Hergenrath ist verfertigt den 18. Juli 1845. Die erste H. Messe ist darin gehalten worden den 28. October 1846. Sie hat an Bau und nagelfesten Gegenständen 11.700 Thlr. gekostet. Die neuen Bänke und Chorstühle darin gekommen im Octr. 1861. Der Raerener Kirchturm ist neu erbaut im Jahr 1848. Hat gekostet 6109 Thlr, 12 Sbg. Die Vergrößerung der Kapelle zu Moresnet ist ge- schehen im Jahr 1872. Vom 17. März 1843 bis Ende März des Nachts zeigte sich eine große Sonnenbahn von Mittag bis Abend an der Luft. Am 13. Juni 1849 ist eine 13-stündige Schlacht im badischen Land gewesen. Am 11. October 1850 ist die erste Königin von Belgien mit Tod abgegangen. Von 1848 bis 1850 hat die große Revolution in Deutschland geherrscht. Die letzten Jubiliäums-Jahre waren 1851 und 1852, geendigt mit dem 26. April. (68 - die letzte Seitennummer) Ich kaufte im Jahr 1848 den 26. Nobr. das Haus zu Kelmis, das Heuchen genannt, für 100 Thlr in 5 Jahr zu zahlen. In die Brandkosten gekommen im Jahre 1851, eingetreten mit Mai 1849. Die Berguhr ist verfertigt worden den 10. April 1851. Der Kirchhof zu Hergenrath neu verfertigt im August 1852. Die Berguhr angebracht auf der Schmiede am Penning und gangbar gemacht am 27. Oktober 1870. Aus Kelmis Am Ende des Jahres 1883, Anfangs 1884, wurde der neue Kirchhof (der zweite) fertig. Die erste große Leiche darauf war der alte Crickbomm (Schuster), 87 Jahre alt. Dieser Kirchhof ist eingeteilt in drei Partien, nämlich für Katholiken, Protestanten und Andersgläubige. Die erste kleine Leiche auf dem neuen Kirchhof war ein Knäbchen von Nicola Steffens, wurde begraben am 28. Februar 1884.
46 Der neue Kirchhof hier in Kelmis wurde eingesegnet am 15. Juli 1884 vom Herrn Dechant von Aubel. Herr Direktor Bilharz ist in den Ruhestand getreten am 1. Juli 1884 von der Gesellschaft der Vieille Montagne. Herr C. Schamm (= H. Jamme*) provisorischer Direktor nach Ab- gang des Herrn Bilharz auf sämtlichen Gruben, nämlich Altenberg, Vosye, Schmalgraf und Welkenraedt, ist am 11. April 1885, Samstag Abends 8 Uhr durch Musik und sämtliche Herren der Vieille Montagne als Direktor eingeführt worden. Am 10. September 1884 ist der letzte Galmei aus der Grube Alten- berg (Kelmis) herausgefördert worden, von dem man bis hieran wusste. Im Monat August desselben Jahres hatte man schon angefangen, die‘ Maschinenpumpen auszuziehen. Dasselbe Jahr sind sehr viele Arbeiter, Bergleute und Grundarbeiter, Schmelzer, Maurer, Schreiner entlassen und pensioniert worden; da ha- ben die Wäsche und etliche Schmelzöfen bloß gearbeitet. Und am 10. April 1885 ist der lezte Schmelzofen ausgegangen (das heißt) es haben keine Schmelzöfen mehr gebrannt. Im Jahre 1886 (Frühjahr) ist der große neue Pumpenschacht auf Gru- be Schmalgraf angefangen. Und im Jahre 1889 am 16. Ocktober ist die große Pumpmaschnen aufm Schmalgrafe angezogen worden auf obigem Schacht. Meine Tochter Anna Maria Mostert geheiratet mit Johann Derwal aus Moresnet am 29. Juni 1889 und dem Kind wurde der Name Johann Joseph Derwal gegeben- Meine Tante Magdalene Emons gebohrene Keuschen ist gestorben am 11. November 1889 im Alter von 69 Jahren in Kelmis.- Den 1. November 1889 wurde die erste Prozession für die armen Seelen nach dem neuen Kirchhof hier gehalten. Daß Bild (die schmerzhafte Mutter mit dem Leichnam Christi vor- stellend) ist errichtet worden in der Pfarrkirche hier in Kelmis am 22. und 23. Dezember 1884. (Ein Geschenk von der verstorbenen Frau Ad- riana Van Wersch, Ehefrau von Jos. Kohl, gewesener Bürgermeister von Kelmis. Am 21. August 1881 sonntags ist der erste Gottesdienst in der neuen Pfarrkirche St. Jacob in Aachen gehalten worden. Die große Kirchenuhr in Hergenrath ist angekommen im April 1881, hat gekostet 1400 Mark. ? Henri Jamme leitete die Gruben der V-M von 1884 bis 1894.
48 Am 8. November 1883 ist die Wasserleitung von der Sandkull bis Schnellewindstraße fertig geworden, und übergeben worden (in Kel- mis). Die Mutter Gottesstatue für den Männerverein in Kelmis ist ange- kommen im Januar 1883. Nach dreijähriger Amtstätigkeit hat Herr O. Bilharz seine Demission als Bürgermeister der hiesigen Gemeinde eingereicht; an dessen Stelle wurde nun am 25. Juni 1885 Herrn Hub. Schmetz (Sekretär) die Ver- waltung kommissarisch übertragen. Die Einführung war am 29. Juni desselben Jahres. Am 30. Juli 1885 ist der erste Stein am Franziskuskloster an der Ka- pelle zu Moresnet gelegt worden. ’ Im Jahre 1885 ist das Kloster auf Buschhausen in Moresnet, bewohnt von den Schwestern vom Armen Kinde Jesus, vergrößert worden (neu erbaut worden). Vom 20. Juni 1886 bis am 29. Juni d. Jahres war eine Mission von 3 Patres aus Vaals (Redemptoristen-Orden) in Kelmis. Im Jahre 1886 war ein außerordentliches Jubiläum von Papst Leo XII. verkündigt und in der ganzen Christenheit gehalten worden. Am 30. Mai, 3. und 6. Juni 1886 war das große Bundesschießen des Regierungsbezirks hier in Kelmis bei der Gesellschaft St. Barbara und Sebastianus. Hubertus Gesellschaft in Kelmis Feierte am 18. und 19. Juli 1886 ihr 25 jähriges Bestehen mit einem großen und schönen Fest. Bei herrlichem Wetter erschienen 13 auswär- tige Schützengesellschaften mit 9 Musikkapellen an der Spitze. Um 3 Uhr nachmittags bildete sich der herrliche Zug durch die reich beflaggte Straße zu Festwiese am Tannenbaum bei Nicolas Stammen, wo Herr Bürgermeister Schmetz aus Kelmis eine Willkommensrede hielt und zuletzt ein Hoch auf Kaiser Wilhelm aus Deuschland, auf König Leo- pold aus Belgien und auf den König von Holland hervorbrachte, worauf die Musik die Nationalhymnen spielte. Darauf fing das Preisschießen und Tanzen auf der angebrachten Bühne an, bis die Dunkelheit es nicht mehr gestattete. s Es waren so viele Fremde erschienen, wie Kelmis bis heute noch nie gesehen hatte. Die 13 auswärtigen Gesellschaften waren Bleiberg, Gem- menich 1), Gemmenich 2), Moresnet, Montzen, Homburg, Welkenraedt 1), Welkenraedt 2), Mechelen (Holland), Hauset, Lontzen, Hergenrath,
49 Kohlscheid. Der Zug war der herrlichste, der zwischen unseren Mauern jemals stattgefunden hat. Am 9. Juli 1888 beginnt die siebenjährliche Heiligtumsfahrt in Aa- chen und Kornelimünster, und dauert bis am 24. und 25. Juli desselben Jahres. Am 9. März 1888 um halb neun Uhr morgens (freitags) starb zu Ber- lin König/Kaiser Wilhelm der Erste im Alter von 90 Jahren 11 Monaten und 17 Tagen. Am 15. Juni 1888 um 11 und ein viertel Uhr morgens (freitags) starb zu Potsdam in Preußen König/Kaiser Friedrich III. im Alter von 57 Jah- ren, nachdem er nur 3 Monate und 6 Tage regiert hatte. Jubiläum Vom schönsten Wetter begünstigt feierte unser Ort heute den 31. Mai 1888 das Fest des fünfundzwanzigjährigen Priesterjubiläums des Herrn Dr. theol. P. J. Renardy, welcher zu Rom am 30. Mai 1863 zum Priester geweiht wurde. Es war das erste Fest, das hier in dieser Pfarre (Kelmis) von einem Priester gefeiert wurde. Darum war es auch großartig, nämlich durch Böllersalven, Altenberger Musik, Gesangverein und 12 verschiedene Gesellschaften. Des Abends Illumination und Fackelzug. Am 1. Juli 1888 wurde der Pfarrer Nicol. Lamberts aus Montzen, als Dechant des neuen deutschen Dekanats von Montzen, Moresnet, Kel- mis, Gemmenich, Bleiberg, Sippenaecken, Homburg, Henri-Chapelle, Welkenraedt, Baelen und Membach feierlich eingeführt. (Also ist Mont- zen von heute ab ein Dekanat für sich selbst). (Kelmis den 1. Juli 1888) Am letzten Sonntag im Monat Oktober 1888 wurde auf Anordnung des H. Vaters Papst Leo XIII. zum Schluß seines 50 jährigen Priesterjubi- läums in allen Kirchen, Klöstern und Kapellen, wo nur Priester wären, in der ganzen katholischen Welt heilige Messen gelesen und gesungen (gra- de wie auf Allerseelen Tag) zum Trost der Armen Seelen im Fegefeuer. Am 17. August 1888 zwischen 7 und 8 Uhr abends wurde das Kreuz nebst Hahn auf der neuen St. Jacobskirche zu Aachen aufgepflanzt. Meine zweite Tochter Hubertine hat geheiratet mit Joseph Schröder am 28. Januar 1892 in Kelmis. Am 1. November 1888 (sonntags) wurde der neue Pfarrer Namens Conzen in Hergenrath feierlich eingeführt. Am 30. Mai 1889 wurde zu Montzen die große Wasserleitung durch den Herrn Gouverneur von Lüttich feierlich eröffnet, wobei sich viele Schützengesellschaften, Musikvereine und Gesangvereine beteiligten.
50 Im Monat Mai 1889 ist der neue Pfarrer in Lontzen eingeführt wor- den. Am 11. Juli 1889 spendete der Hochwürdigste Herr Bischof aus Lüt- tich, Viktor Joseph Doutreloux, den Kindern hiesiger Pfarre (Kelmis), wie auch den Kindern der Waisenanstalt auf Boschhausen in Moresnet das Sakrament der Firmung. Am 25. Januar 1890 sind die zwei Statuen, nämlich St. Hubertus und St. Barbara; in der Kirche hier in Kelmis aufgestellt worden. Die zwei anderen, nämlich St. Antonius von Padua und St. Nicolaus sind ange- kommen im März 1890. Aus Anlaß der Krankheit (Influenza genannt) ward auf Befehl des heil. Vaters Papst Leo XII. in der Diözese Lüttich keine Fasten für das’ Jahr 1890 vorgeschrieben. Der Totenwagen in Preußisch Moresnet ist das erste Mal gebraucht worden für den verstorbenen Anton Bauens vom Schmalgraf am 5. Ap- ril 1890. Die Statue St. Teresia ist angekommen am Ende April hier in Kelmis 1890. Die Statue der Muttergottes von Lourdes ist angekommen im Januar 1883 in Kelmis. Die Statue St. Theodor ist angekommen im November 1891 hier in Kelmis. Die elektrischen Lampen hier auf Grube Altenberg sind das erste Mal angezündet worden am 22. Sept. 1892 unter dem Direktor Scham (= Jamme). Am 6. September 1892 wurde den Kindern von hier (Kelmis, Gem- menich, Moresnet und der Waisenanstalt von Boschhausen in Moresnet) das Sakrament der Firmung durch den Bischof von Lüttich gespendet (Viktor Joseph Doutreloux). Am 4. Juli 1885 war der Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen Sohn von Kaiser Wilhelm dem Ersten, auf Besuch in Aachen. Tags dar- auf ging er von Aachen über Hauset, Eynatten, Raeren bis Montjoie. Da hat Seine Hoheit die neue Eisenbahn von Rothe Erde (bei Aachen) bis Montjoie eröffnet (am 5. Juli 1885). Mein Onkel Johann Heinrich Scheen starb zu Hergenrath am 16. Januar 1890 im Alter von 77 Jahren. Mein Schwager Thomas Stütgen starb zu Moresnet am 5. Februar 1904, abends im Alter von 72 Jahren. Am 1. April 1894 hielt der hw. Herr Leopold Moijano seine erste h. Messe hier in Kelmis.
51 Vom 15. bis am 23. Sept. 1894 war eine 8-tägige Mission in unserer Pfarrkirche (Kelmis) von den hochw. Jesuitenvätern vom Eikschen in Moresnet (Wir hatten 6 Missionsväter). Am 23. Sept. 1894 verließen die hochw. Jesuitenväter ihr Kloster in Moresnet, um nach Valkenburg in Holland zu ziehen und wurden in Moresnet ersetzt durch die hochw. Franziskanerpatres. Am 28. Oktober 1894 feierte der hw. Herr P. J. Renardy, Pastor von Kelmis, sein 25 jähriges Jubiläum als Pfarrer von hier. Von den Einwoh- nern wurde ihm ein silbernes, vergoldetes Ciborium, für unsere Kirche geschenkt. In der Nacht vom 3 1. März 1895 um 1 Uhr brannten auf dem Schmal- graf 3 große Maschinengebäude ganz nieder. Am 25. Sept 1895 spendete der hw. Herr Bischof Doutreloux aus Lüttich den Kindern aus Kelmis, Moresnet, dem Kloster Boschhausen und Gemmenich in hiesiger Pfarrkirche das heil. Sakrament der Fir- mung. Kelmis im Sept. 1895. Die neue Eisenbahn von Aubel nach Bleiberg ist eröffnet worden am 2. Oktober 1895. Unser langjähriger Kaplan Herr Hugo Giesen, ein geborener Aache- ner, hat unsere Pfarre (Kelmis) verlassen am 19. Januar 1896 als Rektor in Endenbach bei Königswinter in Preußen. Der nachfolgende Kaplan war Herr Kept, früher Kaplan in St. Nico- las in Lüttich, am 7. Februar 1896. Er hielt sein erstes Hochamt hier am 9. Februar 1896. Die zwei kleinen Altärchen auf beiden Seiten unserer Kirche, darstel- lend die immerwährende Hilfe und daß heil. Anlitz Jesu, sind aufgestellt worden Ende des Jahres 1895. Das Stück neuer Weg nach Schmalgraf ist fertig geworden im Som- mer 1895. Am 17. März 1889 erhielt J. Mostert vom Bürgermeister H. Schmetz eine Abschrift von der Auswanderung von Preußisch-Moresnet nach Neutral-Moresnet von meinem seligen Vater vom Jahre 1832, den 2. Mai herrührend; bescheinigt, daß ich mit meiner Familie neutralisiert bin und meine Kinder keinem Staat unterworfen sind. Am 8. April 1888 hielt Herr Viktor Schoonbroodt von hier seine ers- te h. Messe in unserer Pfarrkirche (Kelmis). Anfangs Juli 1896 ist die Branntweinbrennerei am Roten Bach hier in Kelmis eröffnet worden.
52 Krankheitshalber verließ unser Hw. Pfarrer P. J. Renardi unsere Pfar- re (Kelmis) im Monat November 1897 und begab sich nach Membach zu seinem Bruder (Pfarrer daselbst). Am 5. Dezember 1897 hielt der neuernannte Pfarrer Brach seine erste Predigt hier in der Pfarrkirche als Pfarrer. Seine Predigt war „Der Frie- den sei mit Euch“. Am 25. Mai 1898 spendete der Hw. Herr Bischof aus Lüttich den hie- sigen Kindern nebst denen aus Moresnet-Boschhausen und Gemmenich das h. Sakrament der Firmung (Pastor Brach). Unser gewesener Hw. Herr Peter Renardi, Pfarrer von Kelmis, starb zu Membach bei seinem geistlichen Bruder am 29. Oktober 1898 im Alter von 59 Jahren. . Meine Tochter Josephine Mostert trat am 19. November 1898 im Kloster (Les Sceurs de Charit&/Barmherzige Schwestern) in Luxemburg ein. Nachmittags mit dem 1-Uhr-Zug fuhr sie aus Moresnet ab mit der Tochter von Lautermann und der Oberin aus dem Kloster vom Eikschen in Moresnet, die demselben Kloster angehörte. Am Pfingst-Montag, dem 22. Mai 1899, wurde der neue Pfarrer von Hergenrath Namens Aloysius Mertz in Hergenrath feierlich eingeführt. Er war Kaplan gewesen in M.-Gladbach. Heinrich Wermeister 75 Jahre alt, Mitglied der Hubertus-Schützen- gesellschaft aus Kelmis, war die letzte Leiche, welche auf dem zweiten Kirchhof nahe am Leichenhause, im ersten Gebrauch des Kirchhofs be- graben wurde am 17. November 1899. Die Velocepeto Bahn von Henri-Chapelle bis auf die Geulbrücke ge- macht im Sommer 1899. Die Eisenbahn von Grube Mützhagen bis Altenberg angefangen An- fang Herbst 1899. Die Grube angefangen am 11. März 1896 von der Gesellschaft Vieille Montagne. Die erste Leiche, welche den zweiten Gang des Kirchhofs begann, war Frau (Frauenrath), 80 Jahre alt, begraben am 18. November 1899. Im Jahre 1899 hat Herr Matt. Schmetz, Bürgermeister der Gemein- de Belgisch-Moresnet, seine Entlassung als Bürgermeister genommen. Und am 18. Februar 1900 ist Herr Z&non de REsimont als Bürgermeister von Moresnet eingeführt worden. Der Bau der neuen Wäsche hierselbst angefangen im Früjahr 1899 und fertig geworden im Herbst d. J. In Betrieb gesetzt am 20. August 1900. Am 8. September 1900 hat mein Sohn Hubert Joseph sich verheira- tet mit Maria Petronella Vanaschen hier in Kelmis.
58 Am 26. August 1900 sind die beiden Glocken am Eikschen in Mores- net vom Hw. Dechant aus Montzen (Lambertz) feierlich geweiht wor- den. Am 10. September 1900, bei Gelegenheit der hundertjährigen Jubi- Jläumsfeierlichkeit des Bestehens der Gnadenkapelle in Moresnet, ist die erste großartige Prozession mit einer wunderschönen Kerze um 10 Uhr morgens zur Kapelle gepilgert, allwo ein feierliches Hochamt nebst Pre- digt stattfand. Am 9. Sept. 1900 wurde die neue schöne Monstranz hier in der Kir- che zur Anschauung ausgestellt. Am 8. September 1900 ist unser hw. Herr Pastor Brach krankheits- halber hier in Kelmis entlassen worden. Und an seiner Stelle ist unser Herr Kaplan Kept als Pfarrer von Kel- mis ernannt worden; am 28. Oktober 1900 feierlich eingeführt. Anfang Januar 1901 ist der neue Kaplan Namens Frins hier in Kelmis eingetreten. Vom Januar bis den 19. Juli 1901 war daß große Jubiläumsfest in der Diözese Lüttich und auch hier in Kelmis. Am 24. August 1901, abends 10 Uhr, starb zu Lüttich der Hochwürdige Herr Bischof Doutreloux im Alter von 64 Jahren. Am 7. Juni 1903 war ein feierliches Hochamt für den Messverein vom Schmalgraf (fünfundzwanzigjähriges Bestehen). Am 30. April 1901 ist die erste Probefahrt mit der kleinen Lokomoti- ve von der Wäsche aus bis Mützhagen um halb sechs Uhr abends vom Herrn Direktor Timmerhans selbst gemacht worden, und günstig abge- laufen. Der neue Traghimmel oder Baldagien (= Baldachin) hier in Kelmis ist angekommen anfangs Juni 1903. Am 16. und 17. Juli 1903 ist der neue Hahn auf den Kirchturm (den dritten) hier in Kelmis aufgepflanzt worden. Die Telephonleitung vom Büreau Altenberg nach Schmalgraf ist ge- legt worden Ende August 1904. Herr J. Bosch, geistlicher Vorsteher in Völkerich bei Gemmenich, ist als Kaplan hier in Kelmis am 1. Oktober 1904 eingetreten, an Stelle des Herrn Fryns, welcher nach Rom ist. Das Kind Joseph von meinem Sohn Hub. Jos. Mostert, starb am 11. Juli 1905 morgens um halb zehn Uhr hier in Kelmis, im Alter von 10 Monaten. Am 17. Juli 1905 sind die Kinder von Hergenrath und Hauset vom Kardinal Erzbischof Fischer aus Köln in Hergenrath gefirmt worden und bei dieser Gelegenheit hat der hochwürdige Herr unserer Kirche,
54 Schule und Kloster einen Besuch abgestattet. Gegen 11 Uhr morgens auf der Kanzel hielt er eine kleine Ansprache. Unser ehemaliger hochw. Herr Pastor Brach'® starb am 3. Oktober 1905 im Alter von 49 Jahren zu Bierset bei Lüttich. In Kelmis Vom 1. Juli 1905 bis am 9. d. M. war eine Mission hier, von drei Fran- ziskanerpatres aus Aachen. Anfang März 1906 wurde die große Uhr in dem Kirchturm hier in Kelmis aufgesetzt; kostet 2500 franc. Mein Schwager P. Jos. Klausener starb zu Lontzen im Alter von 72 Jahren am 29. Mai 1906. Auf dem neuen Kirchhof zu Belgisch-Moresnet wurde die erste gro+ ße Leiche von Anton Brand aus’m Hoff bei Kelmis am 26. Januar 1907 begraben. Am 19. Oktober 1909 ist die große Wasserleitung hier in Kelmis an- gefangen. Am 26. März ist die neue elektrische Kleinbahn von Aachen nach Kelmis eröffnet worden. Am 8. Oktober 1907 spendete der Hochwürdigste Herr Bischof aus Lüttich (Rutten) den Kindern hiesiger Pfarre sowie denen von Gemme- nich und denen von Boschhausen das h. Sakrament der Firmung. Am 12. Juli 1908 wurde daß 50 jährige Jubiläum hiesiger Pfarre mit großer Feierlichkeit gefeiert. Da ward es fünfzig Jahre, dass unsere Ge- meinde zur Pfarrei erhoben wurde, nämlich im Jahre 1858 (Kelmis). Im November 1908 wurde der hochwürdige Herr Simonis als zweiter Kaplan hier in Kelmis ernannt. In die neue Rektorat in Herbesthal bei Lontzen ist als Rektor der hw. Herr Schwaben eingeführt worden im Jahre 1903. Die Privatschule hier in Kelmis, geleitet von den Ew. Schwestern Dominikanerinnen, hat angefangen im Mai 1909. Die Dominikaner-Schwestern sind hier wohnen gekommen im Mo- nat April 1901 in der Kirchstraße und Ende März 1904 in ihr neues Kloster hinter der Kirche eingezogen‘!. Am 17. Dezember 1909 starb S. Majestät Leopold II., König der Bel- gier, im Alter von 75 Jahren in Brüssel. Ist beigesetzt am 22. Dezember 1909. 9 Geb. in Bonn 2.4.1856, starb in Hollogne-aux-Pierres am 2.10.1905, war «Pastor emeritus» in Bierset ad Das Kloster wurde im Zuge der Umgestaltung der Poststraße und des Umfeldes ab- gerissen.
55 Am 23. Dezember 1909 hat Albert der Erste seinen Eid geleistet als König von Belgien. Am 28. Februar 1910, hat die erste Probefahrt auf der neuen Seilbahn von Altenberg nach Lontzen stattgefunden. Am 1. März 1910 trat der neue Polizeidiener Uerlings sein Amt hier in Neutral Moresnet an. Am 29. September 1910 spendete der Hochwürdigste Herr Bischof aus Lüttich, Rutten, den Kindern, von hier (Kelmis) und Gemmenich das heil. Sakrament der Firmung. Am 16. November 1910 starb unser hochw. Kaplan Henri Bosch im Alter von 34 Jahren; ist am 19. November d. J. in Homburg feierlich begraben worden!?, Am 27. April 1911 sind die Kinder von hier, von 9 bis 11 Jahre auf Befehl des HI. Vaters aus Rom zur h. Kommunion gegangen; gespendet vom Pfarrer Hw. Kept. Am 29. April 1911 gegen I Uhr mittags starb plötztlich mein Schwa- ger Joseph Hackens im Alter von 82 Jahren in Kelmis. Am 16. Juli 1911 feierte die hiesige St. Hubertus Schützengesell- schaft ihre 50 jähriges Jubiläumsfest, woran sich 29 auswärtige Gesell- schaften beteiligten und sonntags den 23. Juli Schluß war. Ende März 1912 ist die elektrische Centrale auf der Grube Altenberg in Betrieb gesetzt worden. Im Jahre 1914 ist Papst Pius X. gestorben in Rom. Und am 3. September desselben Jahres ist Kardinal Della Chiesa zum Papst erwählt worden unter dem Namen Benedikt XV. An Seiner Wohlgeboren den Herrn Mathi Fihsette Notariats-Candidat zu Eupen Franko in closif Trage Geld !? Geb. in Homburg am 14.3.1876.
56 Der Makaiskomp von Jakob Langohr No de Gendarme koem e-ne Maan, opjeregt, me soch et-em a. Saat: “Towwt öch jät än magd janz vlott, än sperrt mech jevälles e je-ne Pott.“ „Ja, jo,“ saat dä Gendarm, „dat könne ver due, | mä esö vlott kann dat och neet jue, Hej hat der e Papier, now völlt dat utt, söss Jöt-er et betste werrem erutt.“ . Wue sött er jeboore, wue wor de Doop, winnie hot-der der öschte Loop? Wie deks hat der de Vrow jehowwe, et Datum än wue dongt-er trowwe? Nüng Kenger hat-er än verstött öch neet mie, da sött mä vrue, söss hött-erer noch mie. Sött der ne Chreß of sött er ne Rue, än waffer Schuul hat-er besuut? „Hüet,“ saat dä Maan, „now hat Erbarmen! Of jet et dat neet bej de Gendarme? Ech han heem ens jät reskiet, än en kleng Revolutiun probiet. Wat jlööft-er wat met mech passiet? Ming Vrow hat Judosport jelüt, wellt met mech mä noch traineere, än die nöj Jreffe uutprobere. Ejal och wue ech mech loot blecke, deet die mech dörch-en Ecke flecke. Ech hau e-ne Moment va Wut jejlöjjt, en er der Makaiskomp e-ne Kop jedöjjt. Ech jlööf now kann ech jät erlääve, wenn die dä Makai aafjerääve. Ech saar öch noch ens, stött mech bej, än hüet, ming Vrow die es bo hej. Där hat e-ne Pott, now dött-em benötze, an dött mech vör ming Vrow beschötze! Ech bett öch drömm, now sperrt mech vutt, da han ech et och ens e paar Daach jot!‘“
57 Wöet met N va Henri Beckers Nackse 1. Geizige Person, die immer auf ihren Vorteil bedacht ist 2. nackte Person Naavelsause Dä hat et Naavelsause: Der dreht ein wenig durch Narelschmed Nagelschmied, Hufschmied Naseditz Mensch mit kleiner Nase Naserines Mensch mit langer Nase Naselock vorwitziger Mensch Natsbrägeler Nachtschwärmer. Ose Natsbrägeler es öm v&&r Uure no h&&m koome Natspiepel Nachtfalter Niet Ungeziefer, Nisse (Ei der Laus). Et hat Niete ijen Hoore. Nietefieber Nesselfieber Nietsche Nichte niinaane of niinökele schlafen nitsch (von Pferden), sehr nervös Nivoo (frz. niveau), Wasserstand Noätekraaker Nussknacker Nöldemäeker Nadelmacher (speziell in Aachen) Nokes Nase. Dä Süüper hauw ene rue Nokes. Nökel Ein dicker Knicker (Hüv). Ech han tie Hüve än enge Nökel. . Nöl Ursprünglich Kurzform von Arnold. Vör der Nöl haue = auf den Arm nehmen Nonnevötzke Fastnachtsgebäck nooaade In jemandes Art schlagen. Dä adt singe Gruespap noo. nooweje Eine Wiese nach dem Mähen abgrasen lassen nörjensebaa nirgendwohin novenant nach, laut, je nachdem, entsprechend Nuedstop Notbehelf, Lückenbüßer Nüff, Nüffke zimperliche Person nup ohne Geld, pleite; vgl. Pinuk. Beste nup, hee has-te e Sömke
58 Wöet met O Oader Ordnung, Befehl, Order. Dä Jong hat keng Oader. Oaleschsdereke Marienkäfer Oaleschmöller Ölmüller ochhörem Ausdruck des Mitleides. Ach du lieber Gott. Ochhörem, wie sis doo utt! Oes Aas. Hinterhältige Person. Luder. Auch aufgewecktes Kind. Öfvlaam Birnenfladen (schwatte Vlaam) Ojevar, Ojevaer (niederl.), Storch . Oksaal Empore (i. d. Kirche) Oktaav Oktave (Musik), der 8. Ton einer diatonischen Ton- leiter; vör motte en Oktaav huueder. Ömmesönslömmel Schnorrer Ömstandskriemer umständliche Person onäfe (niederl.) uneben Önepipke (frz. oignon = Zwiebel, Pipke= kleine Pfeife, hohler Halm), Zwiebellauch ööje zielen (mit der Schusswaffe), äugen, aufmerksam hinschauen Ööster Mz. von Oos (meist abschätzig), vierfüßige Eidechse Oomes6äk Ameise Oonfatsuun plumpe, unförmige (meist zu dicke) Person optrökhüü (Pferdekommando), rückwärts Örjel&st Organist, Orgelspieler örjensebaa irgendwohin Osapel Augustapfel Oster Auster Otse Mahlzeitsreste. Ech mot ömmer de Otse äete Oweplemp Wimper, auch Augenlid
59 Wöet met P Pääs Sehne. Ech han mech en Pääs jelängt/ Ich habe mir eine Sehne gerissen Pajass Strohsack, Strohlager, (Schimpfwort): Charakterloser Mensch, Schwächling pamp, pamtesch geradezu, richtig. Dä stellt sch pamp vör mech. pänge Fußball spielen. Vör dongen ijen Stroot pänge (Wir spielten F. auf der Straße) Papastötel besonders zum Vater hingezogenes Kind Pappmull schwatzhafte Person Pärmetikel Perpendikel, Pendel einer Uhr Parreplütskriemer (frz. parapluie), Regenschirmmacher oder -händler. Patapuf sehr dicker Mann Pavaij gepflasterte Straße, Gehweg, Bürgersteig. Oss Lückerstroot wor vröjer „de Pavaij“. Peädskastangel Rosskastanie Peädsmull wörtl. Pferdemaul, Großmaul Peädsrues Pfingstrose Peädswimmel schwarze Johannisbeere Peäleblömmke Fuchsie Peälehoon Perlhuhn Peckmuhr Hebamme Peesblomm Löwenzahn (Übersetzung vom frz. pissenlit) P&6sloof Schnittlauch PEkine&s Pekinese (Hunderasse) Pengsbloom Wiesenschaumkraut Piepel, Piffel Schmetterling Pieteschpenneng Peterspfennig, Petersgroschen Pikä Torpfosten (frz. piquet) Pikolo kleine Querflöte Pilledriehner abfällig für Apotheker (Pillendreher) pinuk pleite. Di sönt pinuk. Pimau Übles Gesindel, Pöbel Pinöl (frz. penalty), Elfmeter Pireng Regenwurm. Ene vette Pireng vör ajen Angel Pirengeland Regenwurmland, Reich der Regenwürmer = Friedhof
60 Pisch 1. oberflächliches Gerede, Kleinigkeit; 2. Urin Kloore Pisch = dünner Kaffee, Blümchenkaffee, d.h. Kaffee, der so „gestreckt“ bzw. verdünnt wurde, dass man das Blümchenmuster unten in der Tasse sehen konnte. Pitsche vöörop Klein Peter vorauf. bezeichnet jemanden, der sich gerne vordrängt, gerhne die ersten Plätze einnimmt. Fränz &s ömmer Pitsche vörop. Plackopp geiziger Mensch Pläkploster 1. Heftpflaster.2. Klette, ein Mensch, den man nicht los wird Plaksel Schlamm zum Heizen . Platschpuet 1. Plattfuß; 2. plattfüßiger Mensch Pletiel Größere Schale, hauptsächlich für Vieh- oder Geflügelfutter. Fand auch in der Milchverarbeitung Verwendung. Plentelööper Wörtlich: Fußleistenläufer, Taugenichts. Küchenschabe, Wanze, Kakerlake Plesterlepp vorlaute Person Plitsch Kleine Flüssigkeitsmenge. Ech don mäe e Plitschke Melk ijene Kaffee (auch „Jusch‘‘) Plotong (frz. peloton). Staffel, kleine militärische Einheit. Im Radsport das Hauptfeld. Plüüschappel Pfirsich Plüüschprumm Aprikose Pöetzer Torwächter, Pförtner Pöfel haa Angst haben Pölleaij Kleines Ei eines ganz jungen Huhnes pölvere 1. ein Medikament einnehmen; 2. viel rauchen. Di pölvere sech jett bejen&&. Poehaan Poehoon Puter, Pute Portpakä Gepäckträger am Fahrrad. Ech näähm dech möett op ne Portpakä. Pöschpot Meckerer. Dat es ne r&chteje Pöschpot. Pösel Ein unbeholfener Typ. Posteljong Postillon Pötpöt Lärmendes Fahrzeug bzw. Oldtimer Pötskrodel Brunnenkröte (Pöts = Brunnen; Krodel = Kröte) Poschbloom Narzisse
61 potstaabelejeck völlig durchgedreht, total verrückt Puffbon Wollbohne, Saubohne Pradm 1. Bremse, Stechinsekt; 2. lästiger Mensch Pratschmull Breitmaul, lästiger Typ preke (sich) auffangen, festhalten. Ech koss mech jüss noch preke. Prij 1.Widerspenstiges Haustier; 2. sich ungehörig aufführende weibliche Person; 3. zu bedauernde ältere Frau. En örrem auw Prij Prötteler Nörgler, Griesgram prutte furzen (höflicher als „votze‘‘) Puffelebäcker abfällig für Bäcker (eigentlich: Pfannekuchenbäcker) pufpaf unerwartet, aus heiterem Himmel. Dä hauw pufpaf met si Mädche Schluss jemakt Pumela abfällig für „dickes Mädchen“ Punni Stirnfransenfrisur (aus Pony) Et hauw dr Punni jeschnää.
62 Welkenraedt 1914 von Alfred Bertha Vorbemerkung Unter den Kindern der Eheleute Guillaume Eduard Langohr und Anna Fayen (es waren 15, von denen 5 im Kindesalter starben) wählten zwei Söhne (Renier und Ernest) den geistlichen Stand, ein dritter (Jo- seph) studierte germanische Philologie an der Universität Lüttich, wo er Schüler des ebenfalls aus Montzen stammenden Professors Heinrich Bischoff war. Dessen „deutscher“ These bzgl. des Montzener Landes stellte Langohr eine „flämische“ These gegenüber. Seine Doktorarbeit ist bis heute ein umstrittenes Referenzwerk. Eine Tochter, Anna Langohr, wurde Ordensschwester, eine andere, Maria, Lehrerin. Die übrigen Kinder waren mit Ausnahme des am 12.2.1888 gebore- nen Sohnes Edmond im Mittelstand (geschäftlich) verankert. Den Sohn Edmond schickten die Eltern auf das bischöfliche Gymna- sium St Roch in Ferri@res, wo er das Abitur erlangte. Diese Bildungsan- stalt genoss hohes Ansehen in der Familie Langohr. Zum anschließenden Medizinstudium ging Edmond Langohr nach Lüttich und nach abgeschlossenem Studium ließ er sich als Allgemein- mediziner in Welkenraedt nieder, wo er den Ausbruch des Ersten Welt- krieges hautnah erlebte. Wie die Anwohner der Neutralstraße in Welkenraedt und Herbesthal bis dahin den Alltag an der deutsch-belgischen Grenze gelebt hatten, hat Leo Homburg in Nr. 12 dieser Zeitschrift (Februar 1973, S. 65-69) lebhaft geschildert. Jeder kannte jeden und keinerlei Nationalitätspro- bleme erschwerten das gutnachbarschaftliche Verhältnis. Bei Kriegsausbruch am 4. August 1914 war Dr. Langohr noch unver- heiratet, aber schon verlobt mit der aus Maastricht stammenden Julie Telders (1881-1924). Nachdem die erste deutsche Angriffswelle verebbt war, begann der Alltag der Menschen diesseits und jenseits der Neutralstraße sich wie- der zu normalisieren. Die Post beförderte wieder Briefe nach Belgien und auch Edmond Langohr konnte wieder Kontakt zu seinen Geschwis- tern aufnehmen. Ein vom 19. November 1914 datierter, französisch verfasster und an „Joseph et Gerardine“ gerichteter Brief ist erhalten geblieben und als
63 Zeitzeugnis nicht ohne Interesse. Wir bringen ihn in Übersetzung, doch ungekürzt. ok „Nach langen Monaten der Trennung‘, so schreibt Dr. Langohr ein- leitend, sei er glücklich, Joseph und Gerardine einige Zeilen schreiben zu können. Er habe hier (= in Welkenraedt-Herbesthal) wohl alle Phasen dieses schrecklichen Krieges erlebt. Zwar sei ihm/ihnen das Schlimms- te erspart geblieben, da sie weder Kampfhandlungen noch großes Un- glück zu verzeichnen hatten. Doch schon die Vortage dieser großen Katastrophe waren beeindru- ckende Erlebnisse und Dr. Langohr schildert, was er aus nächster Nähe beobachten konnte. So wird sein Brief an Bruder und Schwägerin zu einem wertvollen geschichtlichen Zeugnis. Lesen wir weiter: „Es tat einem wirklich leid zu sehen, wie die Völker aller Nationen den ganzen Tag über in den Straßen Welkenraedts umherirrten, nach- dem die Eisenbahnverbindung vor Kriegsausbruch an den Bahnhöfen Welkenraedt und Herbesthal unterbrochen worden war. Es waren erst die Vermögenden („richards‘“), Sommerfrischler („vil- legiaturistes‘“) usw. mit ihren immensen Reisekoffern und Gepäck jeder Art. Ihnen folgte der gehobene Mittelstand („bourgeois‘) auf der Flucht aus einem Land, das sie nicht mehr als Gäste haben wollte. Sodann Tausende von Reservisten, die in ihr Land zurück wollten. Die Straßen in Welkenraedt wurden zu Wechselstuben, und auch die Ehrlichsten waren versucht zu wuchern... Und endlich der menschliche Abschaum („fange humaine*‘), den der nahende Krieg vor sich hertrieb. Dieses Bild der Not Leidenden war herzzerreißend! Ganze Familien schleppten ihre gesamte in Lumpen („loques‘“) gehüllte Habe mit sich. Greise, wie man sie noch nie gesehen hatte und Kinder reihenweise („des chapelets‘“‘). Zuletzt eine namenlose Menge mit fremden Sprachen. Sie wurden zu den Bahnhöfen geführt und in Züge von ungewöhnlicher Länge ver- frachtet („entasses‘‘). Diesmal, davon war ich überzeugt, erlitt die Menschheit einen fun- damentalen Stoß. Oft hatte man den Krieg angekündigt: Jetzt würde die Ankündigung Wirklichkeit. Diese Menschen waren von überall her, aus den kleinsten Dörfern und den Großstädten, auf der Flucht. Mein Gott, welch ein Mitleid er-
64 regendes Bild, diese erschöpften Frauen auf den Bürgersteigen, diese verirrten und weinenden Kinder, und alle halbtot vor Hunger. Arme Menschheit! Gott, niemals werde ich dieses traurige Schau- spiel vergessen. Dann begannen die deutschen Vorposten sich längs der Grenze zu positionieren. Und dann, wie aus einem Ameisenhaufen kommend, sah man am Dienstagmorgen die deutsche Infanterie über alle möglichen und nur denkbaren Wege die Grenze besetzen. Und schon am Nachmittag hörte man aus der Ferne das Grollen der Kanonen. Abends, gegen 5 Uhr, sah ich aus der Ferne einen Bombenangriff, ein beeindruckendes Schauspiel! Y Es würde Bücher füllen, wollte man die Unruhe dieser Zeit beschrei- ben. Hoffnung und Mutlosigkeit wechselten sich ab in den Seelen .Und die traurigen Nachrichten vom Schicksal der Nachbarn verbreiteten Schrecken. Fast jeden Tag war ich mitten unter den Truppen unterwegs und be- gab mich nach Montzen. Ich machte mir Sorgen um Mutter und die anderen nahen Familienmitglieder. Ich weiß nicht, wie ich das Hin und Her ohne Schaden überlebt habe. Seit einiger Zeit ist das Bild ruhiger geworden. Zahllose Züge mit Tausenden von Verwundeten, von Zeit zu Zeit auch Züge mit Kriegsge- fangenen kreuzten sich hier mit anderen Zügen, die zum Schlachtfeld rollten, ruhig die Ersteren, laut und turbulent die Letzteren. Oft waren es bis zu 15.000 Verwundete, die täglich hier durchfuhren. Die Zahlen der frischen Truppen schwankten von 5.000 bis 10.000 pro Tag. Welche Fehlleistung der menschlichen Vernunft, den Krieg rechtfer- tigen zu wollen! Eine ganze Zeit lang war meine (ärztliche) Tätigkeit sehr einge- schränkt und ich kämpfte mehr gegen die Melancholie als gegen die Müdigkeit. Ihr könnt Euch leicht vorstellen, wie traurig diese Zeiten waren für einen Verliebten und Jungverlobten, der seit der Verlobung ohne Nach- richt von seiner Holden blieb. Endlich habe ich mich auf den Weg gemacht und mich zu Fuß, per Zug und per Kleinbahn auf eine Drei-Tage-Reise nach Lembecq bege- ben. Meine Freude und mein Glück waren groß an diesen zwei Tagen, die ich dort verlebte.
66 Ich beende meinen Brief, um ihn nach Montzen zu schicken, von wo die Post ihn weiter befördern wird. Herzliche Grüße an die Eltern und die besten Wünsche für die ganze Familie in diesen bedrängten Zeiten. Euer Edmond. 19.11.1914. Dr. Edmond Langohr war nicht nur als Mediziner, sondern auch als Kommunalpolitiker bekannt. Seine Todesanzeige im Grenz-Echo vom 7. Juni 1956 spiegelt sein vielfältiges Engagement wider. Im redaktio- nellen Teil geht die Zeitung auch auf die Kriegsjahre 40-45 ein. Edmond Langohr wollte in Welkenraedt bleiben, war aber wegen seines kommunalpolitischen Engagements in der Vorkriegszeit als Ge: meinderatsmitglied und Schöffe der Katholischen Partei den deutschen Behörden nicht genehm und wurde ausgewiesen, so dass er die Kriegs- jahre in Heusy verlebte. Nach dem Kriege und bis zu seinem Tode am 5. Juni 1956 übernahm er die Leitung der psychiatrischen Klinik in Ruyff. Als Gründer und Ehrenvorsitzender der Liga der kinderreichen Fa- milien in Welkenraedt, als Ehrenpräsident des Welkenaedter Verkehrs- vereins („Cercle d’Emulation“‘), genoss er überall hohes Ansehen und erhielt mehrere Orden und ehrende Auszeichnungen.
67 Wie der Kelmiser Komiker «Bökske» zu seinem Namen kam von Henri Beckers Kelmis Ein jeder, der den Ämeng kennt, weiß, wenn man bloß seinen Namen nennt, er ist ein recht patenter Mann, der alles schafft und alles kann. So war er auch in seinem Verein gern beim Theaterspiel dabei, das jedes Jahr zur Herbstzeit besonders begehrt war von den Leut, Kein besserer, das sag ich offen, hat wieder die Hauptrolle getroffen, als unser Ameng, der als Held den jugendlichen Liebhaber „schpält““. Die Hauptprobe, die war ein Kinderspiel, Kein Vers, keine Szene war ihm zuviel. Alles ist am Schnürchen gelaufen, „ Was kostet die Patronage? ich will sie kaufen !,, Die erste Aufführung, daß ich’s sag, war an einem schönen Oktobertag. Die Bude war gerappelt voll von Publikum. Ganz einfach toll! Was allerdings auch garantiert dem größten Künstler mal passiert, den Ameng hat - wie‘s halt so ist — das Lampenfieber jetzt erwischt. Er wird verrückt und merkt - o Schreck — seine Rolle, sein ganzer Text ist weg. Die Geschichte versetzt ihn in Alarm Kein Wunder, rebelliert sein Darm. Voll Panik rannt’ er ohne Wort hinaus, und sucht den stillen Ort, der ihn allein, da kannst drauf wetten, jetzt vor der Katastrophe wird retten.
68 Wie er sich so, mit letzter Kraft sichtlich Erleichterung verschafft, hört er - zur Bühne war‘s nicht weit — wie einer grad sein Stichwort schreit. Normal müßt jetzt der Armand gleich am Tatort des Geschehens sein. Da merkt er, was seinen Fortgang hemmt, daß auch der Reißverschluß noch klemmt! Der Armand kämpft mit seiner Hos. Das Schicksal treibt‘s erbarmungslos ! Der Schauspieler muss nun improvisieren, um nicht den Faden zu verlieren. | Da endlich klappt das Geschäft. Gott Lob! „De Boks an d’r Reißverschluß sönt erop:“ Der Ameng jetzt mit einem Satz stürzt auf die Bühne, an seinen Platz. Viele meinen jetzt, er hätte dadurch den Namen „Bökske ‚, erhalten. Stimmt aber nicht. Der Kelrniser Komiker Armand Broun trat jahrelang mit seinem Freund Joseph Schmetz alias Gelles in ganz Ostbelgien und über unsere Grenzen hin- aus als das bekannte Duo «Boks än Bökske» auf. Beide sind Mitglieder der Königlichen KG Ulk zu Kelmis.
69 Flur- und Hofnamen im Walhorner Land 1830-1860 von Alfred Bertha Die umfangreichste Quelle zu Immobilienverkäufen im Walhorner Land des Ancien Regime stellen die so genannten Gudungsbücher des Walhorner Schöffengerichts dar. Dr. Michel Kohnemann hat die darin vorkommenden Flurnamen in seiner Doktorarbeit sprachwissenschaftlich untersucht. („Die Flurna- men des Walhorner Landes“, Dissertation, Löwen 1961). Im 18. Jahrhundert übernehmen die immer zahlreicher werdenden Notare die Registrierung von Käufen und Verkäufen. Die Franzosen, und daran anschließend die Preußen, beließen die Notare in ihren Funktionen. Bei öffentlichen Verpachtungen und Ver- käufen treten in der Preußenzeit häufig auch Gerichtsschreiber als No- tare in Erscheinung. Mit dem in Eupen seit 1826 erscheinenden „Korrespondenzblatt‘‘, das auch als amtliches Kreisblatt dem Landrat als Mitteilungsblatt an die Gemeinden diente, verfügten die mit einem Verkauf betrauten Nota- re über die Möglichkeit, ein breites Publikum auf eine anstehende Ver- pachtung bzw. einen Verkauf hinzuweisen. Beim Bättern in den Korrespondenzblättern stößt der Leser aber auch auf manches andere heimatgeschichtlich interessante Detail. In dieser Zeitschrift wollen wir unseren Lesern einen flüchtigen Einblick in die Zeit nach 1830 und bis etwa 1860 geben. Den Begriff „„Walhorner Land“ möge man nicht zu eng gefasst sehen. Manche Zeitungsannonce streift das grenznahe belgische Gebiet oder auch das „neutrale‘‘ Mores- net (Kelmis). oo Aachener Busch, am 18.1.1844 auf Anstehen und in der Wohnung des Schenkwirtes Herrn Johann Joseph Comoth, auf dem Aachener Busch, an der Landstraße von Aachen nach Eupen, Verkauf des daselbst gelegenen, zur Wirtschaft benutzte und hinlänglich mit Wasser versehe- nen Hauses mit Stallung, Garten und ca. 6 Morgen Wiesen und Acker- land, dicht am Hause gelegen. (K. Bl. 5.1.1844, Notar H. Winkens) Aachener Busch, Das auf’m Aachener Busch, an der Landstraße ge- legene, von Johann Homburg bewohnte Haus, mit 3 % Morgen Gründen
70 ist zu vermieten. Näheres bei Joh. Homburg auf’m Aachener Busch. (K. Bl. 8.11.1844) Aachenerbusch, am 11.11.1851 lässt der zu Aachenerbusch woh- nende Ackerer Peter Meyers in seiner Wohnung daselbst öffentlich ver- steigern 8 Kühe, 2 fette Schweine, 1 Pferd, 1 Schlagkarren, 1 Pflug, 1 Egge, einen Braukessel und sonstige Haus- und Kellermobilien. (K. Bl. 8.11.1851, Kofferath) Aachenerbusch, Auf Anstehen von Johann Homburg, Schenkwirt zu Aachenerbusch, an der Landstraße und in dessen Wohnung, sollen am 26.2.1851 öffentlich verkauft werden: 4 Kühe, 7 Rinder, 3 starke Ackerpferde nebst sämtlichem Pferdegeschirr, 2 Schlagkarren, wobei eine neue, 1 Pflug, 2 Eggen, 1 Welle, alles gutgehalten, Hausmobilien und Kellergeräte. (K. Bl. 15.2.1851, Schüller) Aachenerbusch. Freiwilliger Verkauf. Am 26.9.1860 wird der un- terzeichnete Notar beim Wirte Mennicken auf dem Aachenerbusch auf Anstehen von Wilhelm Frohn öffentlich versteigern: 3 Morgen rote Kartoffel, 10 Malter Korn und 2 fette Kühe (K. Bl. 22.9.1860, Delpy, Notar) Aachenerbusch. Freiwilliger Vieh- und Mobilarverkauf. Am 7. Mai 1860 lässt der auf dem Aachenerbusch, Gemeinde Hauset, wohnende Schreiner und Landwirt Bernhard Joseph Creutz an seiner Wohnung da- selbst auf ausgedehnten Kredit gegen angemessene Bürgschaft öffent- lich verkaufen: 2 Kühe, 1 halbfettes Schwein, 1 lange Karre mit breiten Rädern, sodann ganz neue Mobilien als: 2 Dutzend Stühle, 4 Bettladen, 3 Küchenschränke, 4 Kanapees, 3 Tische, ferner 1 Dämpffass, 1 kom- plettes Bäckergeschirr, 4000 Stück Dachziegeln, % Anker Rumpunsch, % Anker Citronell, % Anker Magenbitter-Branntwein und 1 Dutzend Krüge Rum. (K. Bl. 28.4.1860, Franke) Achtenstraet, Verkauf von Eichen, Weiden, Buchen und Kirschbäu- men auf Anstehen des Ackerers Franz Zimmer zu Hergenrath Aelschenberg, Gut in Gemmenich, auf Anstehen der Gebrüder Jo- hann Heinrich und Caspar Joseph Flass verkauft am 7.1.1846. Besteht aus Wohnhaus, Stallungen, Garten, Wiesen, Land und Busch (K. Bl. 26.12.1845, Weustenraad) Alcazar, Gut in Eynatten (nicht unter diesem Namen angegeben), Haus Lamberts bzw. Haus Geron, Lichtenbuscher Straße, Verkauf am 30.10.1839 durch Anna Barbara Clara Petronella Lambrichs, Wwe des Herrn Johann Arnold Kessel und deren Kinder und Enkel, Rentnerin zu Brüssel, im Ganzen 102 Morgen, 82 Ruten (K. Bl. 11.10.1839, Notar Hennen). Bei diesem Verkauf ging der „Alcazar‘“ an Franz Bosten.
ya Alte Kirche, Gut in Hergenrath, Am 7.9.1847 „werde ich auf dem hiesigen Bürgermeisterei-Amte im Beisein der Armen-Commission, das von Monschamps herrührende, den hiesigen Armen gehörende Gut, an der alten Kirche dahier gelegen und ca. 65 Morgen haltend, auf 9 mit dem 1. Mai künftigen Jahres beginnende Jahre, öffentlich und meist- bietend zur Verpachtung ausstellen. - Der Anpächter muss Bürgschaft leisten.“ Herg. den 24.August 1847, Der Bürgermeister C. Esser (K. Bl. 3.9.1847) Alte Pastorat, Verkauf des Gutes. Am 20.7.1857 lassen Frau Wwe Frantzen und Kinder in der Wohnung des Wirtes Simons zu Walhorn Öffentlich verkaufen: ihr zu Walhorn gelegenes Gut „Alte Pastorat““ bestehend aus Wohn- und Ökonomiegebäuden und dazu gehörenden Gründen: Haus, Garten, Baumweide, Viehweide, Wiese „am Kreuz- weg‘, Weide „Kaushof“, Ackerland am Kreuzweg, Ketteniserhag, am Leichweg und „Ober dem Walhorner Kreuz“, alles zusammen 39 Mor- gen, 135 Ruten, 60 Fuß. (K. Bl. 6.6.1857, Schüller) Alte Pastorat, Walhorn. Bäume-Verkauf. Am 30.3.1857 lässt Frau Wwe J. Franssen zu Aachen, in der Wohnung des Schenkwirtes J. Wil- helm Simons zu Walhorn, auf Kredit verkaufen: 23 Lose Weiden- und 2 Lose Eschenbäume, stehend auf deren unter Walhorn gelegenem Gute „Alte Pastorat“ und meist nächst dem Eigentume des besagten Simons. (K. Bl. 21.3.1857, Schüller) Alten Bau, auf dem Gute alten Bau, in Raeren, auf Anstehen des Hrn. Peter Joseph Kriescher in dessen Wohnung auf dem alten Bau, Verkauf am 17.4.1839 von 24 Kühen, 4 Rindern, 1 Stier, 1 Ackerpferd, 1 Füllen, 9 Fa- selschweinen, 1 Fruchtwagen, 1 Karren, Pferdsgeschirr, 200 Fass schönem Saamhafer, 1 Partie Kartoffeln, von Baumseilen, mehreren Ketten, worun- ter schwere Baumketten, 1 schönen Butterfass, 1 großen kupfernen Kessel, 1 großen eisernen Kessel, mehreren Butter- und anderen Bütten, großen und kleinen Fässern und vielem Kellergeräte. (K. Bl. 5.4.1839, Schüller) Alten Bau, Haus in Raeren, Verkauf von Vieh und Mobilien, (K. Bl. 23.4.1830) Alten Bau, Vieh- und Mobilarverkauf am 18.4.1844 auf Anstehen der Witwe Kriescher und in deren Wohnung „am alten Bau“ zu Rae- ren: 17 schöne Kühe, 3 Rinder, 8 schöne Faselschweine, 1 ganz neuer zweispänniger Pflug mit eiserner Achse, Karren, Welle, 1 Wannmüh- le, 1 schönes Butterfass, 1 Wasserkarre, 1 Partie Hafer, Kartoffeln und Brennholz, alles Haus- und Kellergerät. (K. Bl. 12.4.1844, Schüller) Altenbau, im Rover, Gemeinde Raeren, Eigentum des Herrn Hüffer (K. Bl. 11.7.1834)
72 Altenbau, Raeren, Vieh- und Mobilarverkauf am 15.4.1850. Herr Commerzienrat Hüffer lässt auf dem Gute Altenbau bei Raeren 10 schö- ne Rinder versteigern, sodann der Pächter Mennicken, ebendaselbst, 1 achtjähriges Pferd, 1 einjähriges Füllen, 5 Kühe, 2 Schweine, 50 Fass Saamhafer, 20 Fass Gerste, 1 Partie Kocherbsen, Wicken und Kartof- feln. (K. Bl. 30.3.1850, Kofferath) Altenbau, Raeren, Vieh-, Mobilar- und Fruchtverkauf; auf Anstehen der Wwe Peter Jos. Mennicken und in deren Wohnung auf’m Alten- bau, Gde Raeren, sollen am 18.3.1856 öffentlich verkauft werden: 3 Ackerpferde, 4 Faselschweine, 3 lange Karren mit breiten Rädern und Leitern; 1 Schlagkarre mit breiten Rädern, 2 Pflüge, wobei ein sehr schwerer, 2 Eggen, 1 Welle, 1 Schlitten, schwere und leichte Ketten, sämtliches Pferdegeschirr, 1 Wannmühle, Ritsche, Hechselkiste, alles Pferdegeschirr, eine Partie Nutzholz, worunter Karrenhölzer sind, 300 Fass schöner Saamhafer, 50 Fass Saamgerste, 6 Fass Erbsen, eine Partie Kartoffeln, sowie 300 Pf gutes Schweinefleisch und Schweinefeder. (K. Bl. 8.3.1856, Schüller) Altenbau, Vieh- und Karrenverkauf. Auf Anstehen des zu Altenbau bei Raeren wohnenden Johann Franz Cordonnier sollen am 10.4.1851 in dessen Wohnung daselbst öffentlich verkauft werden: 23 tragende Kühe und eine leere, 6 Rinder, ein einjähriger und ein zweijähriger Stier, 1 schönes starkes Ackerpferd nebst Geschirr, sodann eine fast neue zwei- spännige Karre mit vierzölligen Rädern, 1 ganz neue Schlagkarre und eine dito Wannmühle. (K. Bl. 15.3.1851, Schüller) Altenbau, Vieh- und Mobilarverkauf am 26.3.1847 auf Anstehen der Wwe P. J. Heyeres und in deren Wohnung auf dem Altenbau, Gem. Rae- ren...15 Kühe, 3 Rinder, 2 Pferde, 80 Fass Hafer, 1 Partie Kartoffeln und Wicken, 1 Hausuhr und 1 Schrank (K. Bl. 12.3.1847, Schüller) Altenberg. Bekanntmachung. Die Gesellschaft für Bergbau und Zinkhüttenbetrieb des Altenbergs, repräsentiert durch den Herrn Ober- Ingenieur M. Braun zu Moresnet, beabsichtigt, in dem Tüllje-Bachtale hinter dem Pennig zu Moresnet einen Teich anzulegen, um darin die von der neuen Wasserhaltungs-Maschine gehobenen Grubenwasser für den Betrieb der Galmeiwäsche anzusammeln. Hierbei würde aber der Weg von Kelmis und Emmaburg nach Hergenrath sowie auch das Bett des Geulbaches in etwa verlegt werden müssen. Über diese Verlegung ist höhern Orts die Abhaltung der Informatio de commodo aut incommodo angeordnet...Der Situationsplan und Erläuterungsbericht ist bis dahin beim Herrn Bürgermeister Kohl zu Moresnet einzusehen. (Kettenis, den 24. Mai 1860, Der Bürgermeister C. Esser: K. Bl. 26.5.1860)
73 Altenberger Musikkapelle. Konzert in Eupen (K. Bl. 29.8.1857. Wird nicht als Bergwerkskapelle angekündigt. Alter Weiher, im alten Weiher, Raeren, Viehweide von 7 Morgen, 62 Ruten, öffentlich verkauft am 8.10.1850 auf Anstehen von Johann Mathias Ramjoie zu Raeren (K. Bl. 5.10.1850, Schüller) Altestraße, Gut in Lichtenbusch, 12 Morgen, 64 Ruten, verpachtet an Johann Peter Campo, aus freier Hand zu verkaufen (K. Bl. 8.7.1854, Schüller) Altkirch, Wiese in Kettenis, (K. Bl. 25.6.1847, Schüller) Altkirche, Flur in Kettenis (K. Bl. 26.6.1846, Schüller) Altmühle, Grundstück in Eynatten, 122 Ruten (K. Bl. 4.8.1843, Schüller) Altstraße, in der Gemeinde Eynatten auf Lichtenbusch gelegenes Gut, öffentlicher Verkauf am 27.7.1846, verpachtet an Cornelius Kohl, groß 8 Morgen, 37 Ruten, 10 Fuß (K. Bl. 10.7.1846, Schüller) Am 10.4.1845 wird auf Anstehen des Herrn Johann Franz Kohl, in dem Wohnhause des Herrn Bürgermeisters Carl Esser zu Kettenis, der unterzeichnete Notar zum Verkauf ausstellen „sein zu Kettenis im Tal ge- legenes Gut, Scherbstraße genannt, bestehend aus einem vor unlängst neu erbauten, schönen Wohnhause, nebst anhabenden Landwirtschafts- gebäuden, überaus schönem Garten und folgenden Gründen: ...‘““Das Gut ist eines der schönsten, und die Gründe, von lebendigen Hecken einge- schlossen, sind unter den vorzüglich besten der Gemeinde Kettenis und der ganzen Umgegend. Der jährliche Pachtpreis desselben beträgt 380 Taler, (worin die Wiese Kleine Lehmdriesch jedoch nicht inbegriffen ist) (K. Bl. 28.3.1845, P. J. Hennen) Die Gesamtfläche des Gutes wird mit 38 Morgen, 62 Ruten und 30 Fuß angegeben. Am Berg, Gut in Lontzen. Auf Anstehen der Kinder von Nic. Jos. Malmendier sollen am 8.10.1855 öffentlich verkauft werden a) das Gut „am Berg“ bestehend aus Haus, Garten Viehweide, Ackerland und Wie- sen, zusammen 34 Morgen, 40 Ruten; b) das Gut „auf der Heide“ s.d. Am blauen Kreuz, Hauset. Grasverkauf zu Eynatten am 19.7.1858 auf Anstehen des Johann Wilhelm Kever zu Hauset: 2 Lose Gras ste- hend auf dessen am blauen Kreuz, nächst der neuen Kirche zu Hauset, gelegenen Wiese. (K. Bl. 10.7.1858, Schüller) Am Sträßchen, Raeren, Flur 2, Nr. 183/2, Hausverkauf am 22.3.1852 auf Anstehen des Bauunternehmers Joh. Jacob Pesch und des Herrn Dr. H. J. Pesch (K. Bl. 6.3.1852, Schüller) An der Kirche, Hergenrath, Flur 6, Nr. 372, 382, 383, 385: Vieh- weide, Weide, Haus und Hof von 15 Ruten 70 Fuß, Viehweide, Gar-
74 ten, Verkauf zwecks Teilung Geschwister Schreiber und Pauly (K. Bl. 30.1.1846) An der Kirche, Hergenrath. Auf Ersuchen der Erben der zu Her- genrath verlebten Witwe Cornel Joseph Laschet wird am 22. Juli 1856 in deren nachbeschriebenem Hause öffentlich gegen Zahlungsausstand und Bürgschaft versteigert: 1. Haus und Hof an der Kirche in Flur 6, Nr. 359, haltend an Grundfläche 4 Ruten, 40 Fuß; 2. Garten daselbst, in Flur 6, Nr. 360, groß 10 Ruten, 10 Fuß; 3. Wiese im Winkel, in Flur 6, Nr. 569/2209. Diese Wiese, an der Kirche gelegen, eignet sich vortrefflich zu Bauplätzen. Nachher folgende Mobilien: 1 Ziege, 1 Hausuhr nebst Kasten, 1 Kommode, Tische, Stühle, Schränke, Kessel und sonstige Haus- und Küchengeräte. (K. Bl. 12.7.1856, Krechel). Gleiche Anzei- ge für Verkauf am 11.8.1856 beim Wirte Nic. Jos. Yserentant und am 22.9.1856 auf der Amtsstube Krechel (K. Bl. 20.9.1856) Apotheke Kelmis. „Apotheken- Verlegung. Dass ich meine Apothe- ke von Montzen nach Altenberg (Kelmis) verlegt habe, zeige ich ei- nem geehrten Publikum ergebenst an und hoffe, mit dem nämlichen Zutrauen wie dorten beehrt zu werden. L. L. Fritsche, Apotheker“ (K. Bl. 10.5.1856) Appelder, Gut in Lontzen, 25 Morgen, 143 Ruten, 70 Fuß, Verkauf am 26.11.1840 auf Anstehen der Kinder und Erben von Paul Doum (K. Bl. 20.11.1840, P. J. Hennen) Appelder, Gut in Lontzen, dem Grafen d’Auxy gehörend, (Holzver- kauf) (K. Bl. 31.10.1844) Appelder, Holzverkauf am 27.11.1845 auf Ansuchen des zu Aachen wohnenden Rentners Herrn Haan, in der Wohnung des Ackerers Peter Pauquet, zu Appelder, Gem. Lontzen. (K. Bl. 14.11.1845) Appelderweide, Flur in Herbesthal (K. Bl. 16.5.1857) Armengut Hergenrath („kleines Armengut“). Am 19.11.1851 soll im Amtslokale des Unterzeichneten das den hiesigen Armen gehören- de, bisher von Gerhard Frings pachtweise benutzte Gut, bestehend aus Haus, Stallungen, Scheune und 17 Morgen, 9 Ruten Wiesen und Acker- land öffentlich verpachtet werden. (K. Bl. 1.11.1851, Cornelius Hubert Mostert, Bgm.) Armengut Hergenrath, Am 31.12.1845 wird das den dortigen Ar- men gehörende, nun durch Nicolas Goka bewohnte Gut, öffentlich dem Meistbietenden verpachtet werden. Das Gut besteht aus Haus, Stallungen, Scheune und 17 Morgen Wiesen und Ackerland. (K. Bl. 19.12.1845). Idem am 29 Jan. 1846 (K. Bl. 23.1.1846)
75 Asteneter Dohkullen, Forstdistrikt neben der Drainröhrenbfabrik (K. Bl. 22.8.1857) Asteneter Dohkullen, Gemeindegrundparzelle, verkauft am 19.4.1849, 93 Ruten, 90 Fuß (K. Bl. 17.3.1849) Asteneter Weide, Am 2.10.1844 wird auf Anstehen des Herrn Gra- fen d’Auxy, zu Brüssel, beim Wirte F. W. Comoth, zu Lontzen, das zu Astenet gelegene Gut „Asteneter Weide“ mit Haus etc und 60 Morgen Land und Wiese öffentlich verkauft werden. Gleichzeitig ließ der Graf das zu Lontzen gelegene Gut „Kirchhöfchen‘“ mit Haus und 15 Mor- gen Wiese verkaufen. „Die Güter sind in dem besten Zustande und die Gründe von vorzüglicher Qualität, größtenteils erster Klasse.“ (K. Bl. 20.9.1844, Notar Rüssel) Asteneterweg, Gütchen zu Walhorn, 8 Morgen, 8 Ruten, 10 Fuß, Verkauf am 21.4.1836 auf Anstehen der Kinder des Ludwig Lamberts, K. Bl. 15.4.1836 Auf der Heide, Gut in Lontzen. Auf Anstehen der Kinder von Nic. Jos. Malmendier soll am 8.10.1855 öffentlich verkauft werden: das Gut „auf der Heide“ bestehend aus Haus, Garten, Viehweide, Wiesen zu- sammen 12 Morgen, 115 Ruten, 10 Fuß (K. Bl. 15.9.1855, Schüller) Auf der Heide, öffentlicher Immobilarverkauf. Auf Anstehen der Er- ben des zu Lontzen verstorbenen Balthasar Reinartz sollen am 26.2.1857 öffentlich verkauft werden: Wiese, Viehweide, Garten, Haus „Auf der Heide‘; dann Haus, Garten und Viehweide auf der Flur „Kleinhaus“, sowie Wiesen und Weiden „in den Benessen‘, am Berg und auf Pop- pelberg, insgesamt 19 Morgen, 111 Ruten, 30 Fuß. (K. Bl. 15.2.1857, Schüller) Auf’m alten Haus, Flurabteilung in Raeren (K. Bl. 4.8.1849, Schül- ler) Schnelleburg das Gut genannt Schnellenburg, (= Schnellenberg?), bestehend in einem Wohnhause mit Stallungen, Garten, einer Baum- und Viehweide und einer Parzelle Holzung, belegen unter preußisch Moresnet und enthaltend 14 Morgen, 101 Rute, 40 Fuß Magdeburger Maß; (K. Bl. 4.1.1851, Schüller) siehe Brücke Bachbenden, Gut zu Raeren, 41 Morgen, 48 Ruten, 40 Fuß, Ver- kauf am 3.10.1833 auf Anstehen der Erben Lambrichs in Brüssel, K. Bl. 20.9.1833, Notar P. J. Hennen Bachbenden, zu Raeren in den Bachbenden, Auf Anstehen des Jo- hann Hubert Schumacher-Michels, Verkauf am 5.8.1840 eines Hau- ses, in 2 Wohnungen geteilt, in den Bachbenden unter Raeren. (K. Bl.31.7.1840)
76 Bäckerei Jungbluth, Walhorn, Freiwilliger Haus-Verkauf. Am 7.9.1852 lässt der Bäcker Johann Theodor Jungbluth zu Walhorn in der Wohnung des Wirtes Simons daselbst sein zu Walhorn der Kirche ge- genüber, neben Simons und Timmermann gelegenes, zur Bäckerei be- nutztes Haus, nebst Garten und Zubehör, öffentlich und meistbietend auf Kredit durch den Unterzeichneten verkaufen. (K. Bl.28.8.1852, Creutz, Notar in Burtscheid) Bambosch, Am 11.7.1848 wird der Notar DeTiege, am Belgischen Bureau bei Malmedie (am Weißen Hause) öffentlich zum Verkauf aus- stellen: das in der belgischen Gemeinde Moresnet belegene Gut „auf dem Bambosch‘‘, haltend 16 Bunder (K. Bl. 1.7.1848) Bambosch, großer und kleiner B., Moresneter Gemeindewaldungen genannt großer und kleiner Bambosch, grenzend an den Bleiberger Weg und an die Landstraße von Aachen nach Lüttich, Holzverkauf, (K. Bl. 26.10.1850) Bambosch, Verkauf am 9.12.1845 auf Anstehen der Kinder Stam- men, besteht aus 2 Wohnhäusern, Stallungen, Garten, Wiesen, Land und Busch, im Ganzen 8 Bunder, 131 Ruten St. Lambertus Maß. (K. Bl. 28.11.1845, Weustenraad) Bambosch, Verkauf am 9.9.1846 von Vieh und Mobilar auf Anste- hen von Nicolaus Keutgens in seinem Wohnhause genannt Bambosch, Gem. Moresnet, durch den Gerichtsvollzieher V. Sagehomme (K. Bl. 4.9.1846) Banisch (Bamisch?), Vieh- und Mobilarverkauf. Am 21.4.1860 wird auf dem Gute „Banisch‘, Gemeinde Moresnet, auf Anstehen der Ge- schwister Nols, durch Notar Nols aus Aubel, meistbietend verkauft werden: 14 Kühe, 4 Rinder, 1 einjähriger Stier und 6 Zuchtkälber, so- dann eine Partie Hausmobilien, als: Tische, Stühle, Kasten, ein großes Fass mit Essig, ein großes Regenfass, Bütten, Syropkessel nebst Pres- se, ein Butterfass, 100 hölzerne Milchnäpfe und 400 Schanzen (K. Bl. 18.4.1860, Nols, Notar) Barbenhof, Öffentlicher Verkauf in der gerichtlichen Teilungssache der Erben und Repräsentanten der zu Kettenis verstorbenen Eheleute Leonard Wernerus und Anna Barbara Morr&e sollen am 30.3.1846 öf- fentlich verkauft werden: Barbenhof (Flur 3, Nr. 46, Viehweide, 6 Mor- gen), (K. BI. 13.2.1846, Schüller) Barrier, am Barrier, Auf Anstehen von Johann Heinrich Scheen und in dessen Wohnung zu Eynatten am Barrier, sollen am 20.4.1849 öf- fentlich verkauft werden 5 tragende Kühe, 2 Rinder, 2 Faselschweine, 1 Ackerpferd und Pferdegeschirr, Hausgeräte aller Art als: 1 schöner
7 Kleiderschrank, 1 Kommode, 1 achttägige Hausuhr nebst Kasten, 12 Tische, 24 Stühle, 5 Kanapees, 6 Bettladen nebst Betten und Bettzeug, 2 Küchenschränke, 2 Öfen nebst Röhren, Kupfer, Zinn, ferner alles Gast- wirtschaftsgeräte, worunter: 1 Theke, 300 Flaschen und eine Partie Glä- ser, sodann 1 Butterfass nebst Butter- und Milchtinnen, 1 Wannmühle, Fässer, Bretter, 25 Fass Gerste, 50 Fass Hafer, 5 Fass Erbsen, mehreres Nutzholz, 6 Klafter Buchenbrennholz, 800 Schanzen und 10 Buchen- blöcke, in Lose eingeteilt. (K. Bl. 31.3.1849, Schüller) Barrier, auf Anstehen des Lambert Jos. Janssen und in dessen Woh- nung zu Eynatten, am Barrier, Verkauf am 11.4.1843 von Vieh und Mo- bilar: 8 Kühe, 2 Pferde, 1 Füllen, alles Pferdegeschirr, 1 Schlagkarren, 1 langer Karren, Pflug, Egge, Welle, 1 Ritsche, 1 Schneidkiste, 1 Mulde, 1 ganz neues Drehfass, 1 großer kupferner Kessel, sodann sämtliches Haus- und Kellergerät. (K. Bl. 31.3.1843, Schüller) Barriere, Auf Anstehen und in der Wohnung des zu Eynatten woh- nenden Gastwirtes Herrn J. H. Jerusalem sollen am 17.4.1848 öffent- lich verkauft werden: sämtliche Haus- und Wirtschaftsgeräte, als Ti- sche, Stühle, Kanapees, Kleider- und andere Schränke, Gläserkasten, 1 Hausuhr, Anrichte, Colistische, Sophas, Spiegel, Bettstellen, Federn- und Flockenbetten, Matratzen, Kommoden, Spiegelschränke, Nacht- kommoden, 4 Öfen, alles Küchengeräte, Kupfer und Zinn, ein großer kupferner Braukessel, Milchnäpfe, Porzellan und Gläser, 2 Drehfässer, Fässer und Bütten, 1 Jagdgewehr, Pferdegeschirr, eine Partie Heu und 2 Ziegen etc., ferner eine Partie 1846er Moselwein, Bordeaux und Rum in Flaschen. (K. Bl. 14.4.1848, Kofferath) Barriere, in Eynatten: “Geehrten hiesigen und auswärtigen Freun- den und Bekannten macht die Unterzeichnete die ergebene Anzeige, dass sie vom 1. Mai ab, die seit Jahren bestandene Gastwirtschaft zum Herrenhaus (Barriere) zu Eynatten übernehmen wird. Durch gute Ge- tränke, zuvorkommende prompte Bedienung, mäßige Preise, wird sie sich denen empfehlen, welche sie mit ihrem Besuche beehren werden.“ Eynatten, im April 1842, F. H. Jerusalem geb. Jansen Barriere, Kettenis. Vich- und Mobilarverkauf auf Anstehen des Dachdeckers Hubert Falter und in dessen Wohnung zu Kettenis am Barriere sollen am 14.4.1855 öffentlich verkauft werden: 1 fette und 1 tragende Kuh, eine Partie Heu, 36 Milchnäpfe, 12 Käsebecken, eine Kä- seplanke, 1500 Pf Haferstroh, 2000 Pf Strohschauff, 1300 Dachziegel, eine Partie alte Schiefern, Dachpuppen, Bauholz, namentlich: Balken, Wirmen, Trefen, Keffern, Latten etc. 1 Schneidbank, 1 Schleifstein, 1 schöne Fournaise nebst Zubehör, 1 Ofen mit Trommel und Röhren,
78 Kleider-, Küchen- und Glasschränke, 2 Spiegel, 2 Kanapees, 30 Stühle, wobei 5 Rietstühle, 2 Kommoden, 2 Bettstellen nebst Betten, 5 Tische, 1 Hausuhr, 1 Taschenuhr, Kupfer, Zinn, Porzellan, 1 Kinderwagen, Fäs- ser, 1 Partie Speck und Erdäpfel etc.(K. Bl. 31.3.1855, Schüller) Bau, das bisher von dem Ackerer Johann Joseph Beckers benutzte Gut der „Bau“ genannt, gelegen zu Kelmis auf dem neutralen Ge- biet, bestehend in 2 Häusern, Stallung, Scheune, ca. 24 Morgen Wie- sen und Ackergründen, öffentlich verkauft am 12.7.1849. „Im Falle des Nichtverkaufs oder der Nichtverpachtung soll von obigem Gute der Gras- und Frucht-Aufwuchs, Letzterer bestehend in Weizen (Waitzen) Korn und Kartoffeln, auf ausgedehnten Kredit verkauft werden“ (K. Bl. 7.7.1849, Winckens, Aachen) ä Bau, das in Eynatten an der Chaussee vorteilhaft gelegene Gut ge- nannt „der Bau“ mit ca. 74 Morgen bester Wiesen und Ackerland, steht für den 1. Mai k. J. zu vermieten. Bescheid bei Hr. Coenen in Eynatten. (K. Bl. 7.11.1849) Bau, Gut in Eynatten, Verkauf von Vieh (24 Kühe, 3 Pferde) und Geräten, K. Bl. 16.4.1830 Bau, Gut in Eynatten. Die zu Eynatten auf dem Gute „Bau“ gele- gene Steingrube nebst Kalkofen (Eigentum der Frau van Isterdael geb. Coenen) ist aus freier Hand zu verpachten. (K. Bl. 17.5.1856, Schüller) Bau, Gut in Kelmis, 4 Morgen 251 Ruten Lambertus Maß, Verkauf gleichzeitig mit Hasard und Tannenbaum (Nachlass Hermens, K. Bl. 24.7.1840, Notar Schüller) Bau, Gut zu Lontzen-Busch, Auf Anstehen des Peter Jakob Bong und in dessen Wohnung auf dem Gute genannt „Bau“ zu Lontzener- busch, sollen am 11.4.1849 öffentlich verkauft werden 10 Kühe, 2 Rin- der, 1 guter Kettenhund, 1 Hahn und 12 Hühner, Haus und Kellerge- räte als: 2 neue Kommoden, 2 Kanapees, 1 Bettlade, 1 Hausuhr nebst Kasten, Tische, Stühle, 1 großer Braukessel, Käseplanke, 100 hölzerne Milchnäpfe, 1 steinerner Schweinetrog etc. (K. Bl. 7.4.1849, Gerichts- schreiber Kofferath) Bau, im Bau, Auf Anstehen des Peter Jakob Bong von Eupen, soll am 27.4.1846 zu Lontzen in der Wohnung der Geschwister Mommer öffentlich verkauft werden das dem gen. Bong zugehörige, in der Gem. Lontzen belegene Gut, im Bau genannt, bestehend in Wohn- und Wirt- schaftsgebäuden, Garten. Ackerland, Wiesen und Weiden und enthal- tend 46 Morgen, 134 Ruten, 10 Fuß. (K. Bl. 24.4.1846, Schüller) Bau, im Bau, Gut zu Lontzen, Verk. am 26.1.1846 auf Grund eines Urteils des Kgl. Landgerichts in Sachen der Eheleute Martin Laschet,
79 Wirt, und Eva Bong, zu Lontzen wohnend. gegen 7 weitere Mitglieder der Fam. Bong. Das Gut hatte eine Fläche von etwa 45 Morgen. Die Ländereien lagen „in der Eule‘, am Sutebendweg, in den Schruppen, am Schlagbaum, auf’m Koek (K. Bl. 7.11.1845, Notar Schüller) Bau, im Bau, Verkauf von Erdäpfeln am 10.9.1844 auf Anstehen des Joseph Becker, zu Kelmis-Neutral, im Bau (K. Bl. 6.9.1844) Bau, Öffentliche Verpachtung des Gutes „Bau‘‘, am 13.9.1852 zu Ey- natten in der Wohnung des Wirtes Kerres, auf’m Pütz. Das an Hubert Groteclaes bis zum 1.Mai 1853 verpachtete Gut enthält 74 Morgen, 30 Ruten. (K. Bl. 28.8.1852, Schüller) Bauerfos, Parzelle zwischen Walhorn und Eynatten, Eigentum Hr. Nütten (K. Bl. 22.6.1853) Bauerfoß, Holzung zwischen Eynatten und Merols (Holzverkauf am 20.1.1845 auf Ansuchen des Herrn Nütten-Birven, K. Bl. 10.1.1845, Hennen) Bauersack, im Bauersack, Ackerland in Walhorn, Flur 2, Nr. 20, 149 Ruten, zum Lindengraf gehörend, (K. Bl. 28.3.1845, P. J.Hennen) Baumgart, auf Anstehen der Kinder des zu Lontzen verstorbenen Mathias Joseph Reul Verkauf am 24. Juli 1849 des in der Gem. Lont- zen gelegenen Gutes „Baumgart‘ genannt, bestehend in 2 Wohnhäusern nebst Landwirtschaftsgebäuden, Garten, Ackerland, Wiesen und Wei- den und enthaltend im Ganzen 38 Morgen. (K. Bl. 4.7.1849, Schüller) Baumgarten, Gut in Lontzen, Bäume-Verkauf am 20.11.1849 auf Anstehen der Kinder des verlebten Mathias Reul zu Lontzen (K. Bl. 10.11.1849, Schüller) Baumhäuerhäuschen, Gut in Kettenis. Bäume-Verkauf auf Anste- hen des Herrn Ritters W. von Resimont am 24.12.1855: 22 Lose schöne Eichen- und Kirschbäume stehend auf dem Gute Baumhäuerhäuschen, Gde Kettenis (K. Bl. 15.12.1855, Schüller) Baumhauershäuschen, Verpachtung eines Gutes zu Merols. Das zu Merols, Gde Kettenis gelegene, seither an Cornel Hellebrandt verpach- tete Gut, „Baumhauershäuschen“ genannt, ist aus freier Hand zu ver- pachten und am 1. Mai 1860 zu beziehen. Nähere Auskunft erteilt Herr Constantin von Resimont zu Waldenburgshaus und der unterzeichnete Notar (K. Bl. 17.12.1859, Schüller) Beckerspleyen, Gehölz in Walhorn (K. Bl. 16.12.1831) Belven, Auf Anstehen des Joh. Egidius Jansen zu Belven sollen am 24.11.1851 bei dem Schenkwirte Heinrich Mathieu öffentlich ver- kauft werden: a) 1 Pferd, 3 Kühe, alles Pferdegeschirr, 1 lange Karre, 1 Schlagkarre, 1 Pflug, 1 Egge etc. b) dessen zu Belven, Bürgermeiste-
80 rei Walhorn belegenes, von dem Wege von Raeren nach Eupen durch- schnittenes Grundstück, Münchenbusch genannt...(K. Bl. 8.11.1851, Schüller) Belven, Das in der Gemeinde Walhorn gelegene Gut „Belven‘“, 94 Morgen groß, steht für den 1. Mai 1846 zu verpachten. Ausk. erteilt Gerichtsschreiber Kofferath (K. Bl. 30.1.1846) Belven, Gras- und Fruchtverkauf auf Anstehen der Geschwister De Hisselles am 26.7.1841: 40 Lose Gras und alle Winter- und Sommer- früchte, nämlich Korn, Spelz, Hafer, Gerste und Kartoffeln, alles ste- hend auf dem Gute Belven (K. Bl. 23.7.1841, Schüller) Belven, Verkauf am 19.101840 von 56 Losen Holz stehend auf Gut Belven, „auf Anstehen des Herrn von Reiman, Landrat hierselbst“ (K. Bl. 9.10.1840,) Belven, Verkauf von Belven und Bockenhag auf Anstehen der Ge- schwister De Hisselles am 29.8.1842. Haus und Hof von Belven liegen „auf’m Zinsenfrei“, 23 Ruten, 70 Fuß groß. (K. Bl. 12.8.1842, Schüller) Belven. Das von Peter Jansen bewohnte Gut, Belven genannt, wo- rin sich ein Winkel befindet, wo 7-8 Webstühle stehen können, nebst 8 Morgen Wiesen, steht für den 1. Mai 1859 zu verpachten. Sich zu melden bei dem Eigentümer Nicolas Joseph Schins in Raeren (K. Bl. 8.1.1859) Belven: Verkauf am 1.4.1834 auf Ansuchen des Johann Anton De- hisselles, Ackerer zu Belven, von 15 Kühen, worunter 12 tragende, 7 Rindern, 2 fetten Schweinen, 4000 Pfund Heu, ferner alle Hausmobilien bestehend in : Tische, Stühle, Schränke, 2 Hausuhren, Öfen, 2 Webstüh- le, Kupfer, Zinn, dann das sämtliche Kellergerät. Kofferath, Gerichts- schreiber. Belvenderberg, Gemeinde Walhorn, das auf Belvenderberg, durch Laurenz Schafs bewohnte Haus und Garten, steht für den 1. Mai 1851 zu mieten. Näheres bei Maria Jos. Emonds, im Hause selbst. (K. Bl. 18.1.1851) Bempt, Aus freier Hand ist zu verpachten und für primo Mai 1853 zu beziehen: Ein Gut von 20 Hektaren und 92 Arene, (kann auf Verlangen auch vergrößert werden) hält 15 Kühe und 2 Kälber, jetzt bewohnt durch Wwe Vandeven, gelegen am Schlosse Bempt, beim Dorfe Moresnet;-- ein Gut in der Nähe des besagten Schlosses genannt „Hoff“, neu erbaut mit drei schönen Kellern und einem Stalle für 30 Kühe, groß 26-27 ha (kann auf Verlangen ebenfalls vergrößert werden) K. Bl. 17.7.1852, Demonty, Notar
81 Benesse, Grasverkauf. Auf Anstehen des Herrn Julius von Grand’Ry: 40 Lose Gras stehend auf der Wiese Benesse zu Lontzen. (K. Bl. 28.6.1854, Schüller) Benesse, Wiese in Lontzen. Grasverkauf am 5.7.1855 auf Anstehen des Hrn. Julius von Grand’Ry (K. Bl. 4.7.1855, Schüller) Benessen, Flur in Lontzen, Flur 3, Nr. 85/1, „in den Benessen‘‘, Wie- se von 107 Ruten, 10 Fuß (K. Bl. 27.7.1850, Schüller) Ber(g)scheid. Gütchen zu verpachten. Die Pächterwohnung auf Bergscheid zu Raeren, in der Nähe der Kirche, steht mit der 8 Morgen großen Hauswiese bester Qualität zu verpachten. Sich melden beim Ei- gentümer Steuer-Empfänger von Harenne zu Stolberg. (K. Bl. 5.3.1859) Berberen, Pachthof Gem. Homburg, (K. Bl. 3.3.1849) Berg, Gut in Eynatten, bestehend in Wohnhaus, Schmiede, Stallun- gen, Scheune, Garten, Wiesen und Ackerland, 10 Morgen, Verkauf am 27.8.1836, K. Bl. 26.8.1836, Notar Busch Berg, Gut in Henri-Chapelle, Verkauf auf Anstehen und in der Woh- nung des Herrn Nicolas Heuschen: 18 Kühe, 1 Stier, 1 große Partie Hausmobilien und Milchgerätschaften. (K. Bl. 13.3.1852, DeTi&ge) Berghof, Buschmühle und Bergweide: Bäume-Verkauf auf Anste- hen des Herrn Lejeune-von Grand’Ry, stehend auf den Gütern Berghof, Bergweide und Buschmühle unter Lontzen. (K. Bl. 14.10.1854, Schül- ler) Berghof, Gut in Lontzen, dem Grafen d’Auxy gehörend, (Holzver- kauf) (K. Bl. 31.10.1844) Berghof, Gut in Lontzen, Holzverkauf am 12.11.1849 auf Anstehen der Fräulein Emma von Grand’Ry (K. Bl. 3.11.1849, Schüller) Berghof, Lontzen, Vieh- und Mobilarverkauf am 14.3.1850 auf dem von Johann Joseph Delhez bewohnten Gute Berghof zu Lontzen: 7 Kühe, 5 Rinder, 1 Pferd, 6 Schweine, 1 Fruchtmühle und verschiedene Hausmobilien. (K. Bl. 2.3.1850, Schüller) Bergscheid, Auf Anstehen des Bürgermeisters von Harenne zu Eu- pen soll am 19.10.1847 öffentlich verkauft werden das zu Raeren be- legene Gut „Bergscheid“, enthaltend 31 Morgen. (K. Bl. 15.10.1847, Schüller) Bergscheid, Gras-Verkauf. Am 4. Juli 1859 lässt Herr Heinrich Ha- macher zu Raeren in dem Wirtshause des Leon. Creutz daselbst verstei- gern: 5 Lose Gras, stehend in der Wiese auf dem Gute Bergscheid (K. Bl. 29.6.1859, Lautz, Notar) Bergscheid, Raeren (ohne Namesangabe!). Auf Anstehen des frühe- ren Bürgermeisters zu Raeren, Herrn Albert von Harenne, sollen des-
82 sen nachverzeichnete, zu Raeren gelegene Immobilien am 15.9.1856 zu Raeren, bei der Wirtin Frau J. L. Schumacher, nächst der Kirche, vor dem unterzeichneten Notar öffentlich verkauft werden: Dieselben bestehen in einem herrschaftlichen Wohnhause, Pächterwohnung, Stal- lungen, Scheune und Remise, schönem Garten und ca. 8 Morgen Wiese. (K. Bol. 390.8.1856, Schüller) Bergscheid, Verkauf zur Hälfte des zu Raeren gelegenen, den Ehe- leuten Mathias Duyster und Maria Gertrud Schauff zugehörigen Gutes, Bergscheid, mit anhabenden Stallungen und Wiesen (K. Bl. 15.4.1831 Bergscheid. Verkauf des Gutes Bergscheid am 27.10.1856 auf An- stehen des früheren Bürgermeisters von Raeren, Herrn Albert von Ha- renne. Zum „Gütchen“ Bergscheid gehörten: 1) Wiese von 3 Morgen, 119 Ruten, 40 Fuß; 2) Wiese von 3 Morgen, 124 Ruten, 50 Fuß; 3) das große Ökonomie-Gebäude, bestehend aus Pferdestall, Remise und Kuh- stall mit einer Parzelle Baumwiese, zusammen 79 Ruten, 30 Fuß; 4) die herrschaftliche sowie die Pächterwohnung mit kleinem Ökonomie-Ge- bäude, dem Hofe, Garten und Wiesenparzelle, zusammen 157 Ruten, 60 Fuß. Nähere Auskunft über die Einteilung der Parzellen wird der Herr Joh. Peter Nic. Creutz zu Titfeld-Raeren erteilen. (K. Bl. 18.10.1856, Schüller) Bergscheid. Verkauf eines Gutes zu Raeren. Das zu Raeren gelegene Gut „Bergscheid‘ genannt, bestehend aus herrschaftlichem Wohnhause, Pächterwohnung, Landwirtschaftsgebäuden, Gärten und Wiese, enthal- tend im Ganzen 8 Morgen, 88 Ruten und 50 Fuß, ist unter günstigen Bedingungen zu verkaufen. Das Nähere erfährt man bei dem Eigentü- mer zu Cornelymünster, Herrn Albert von Harenne, jetziger Steueremp- fänger daselbst, und bei dem unterzeichneten Notar. (K. Bl. 20.9.1856, Schüller) Bergweid, Bäumeverkauf am 6. Nov. 1850 auf Anstehen von Fräu- lein E. von Grand’Ry, 5 Lose Pappeln, Eichen, Eschen und Linden stehend auf dem Gute „Bergweid“ unter Lontzen. (K. Bl. 26.10.1850, Schüller) Bergweide, Bäume- und Schlagholz-Verkauf. Am 6.11.1855 lässt Herr R. Lejeune-von Grand’Ry auf Kredit verkaufen: ...die auf dem Gute Bergweid stehenden Kanada-Weidenbäume (K. Bl. 31.10.1855, Schüller) Bergwerks-Arzt, Kelmis. „Ich wohne in Altenberg (Mühle). Sprech- stunden morgens 8-9 Uhr. Dr. Creutz, pract. Wundarzt und Geburts- helfer und Bergwerks-Arzt“. (K. Bl. 18.1.1860)
83 Berlotte, Gut in Eynatten-Berlotte, Flur 5, Haus und Hofgebäude von 7 Ruten, 40 Fuß. Freiwilliger Verkauf am 1.5.1850. Verpachtet an Ma- thias Kolvenbach. Dazu gehören 41 Morgen, 128 Ruten, 50 Fuß Wiesen und Weiden (Berlotter Heide, Höfer-Heide, Segel, Panneschopp, Reyer- hof, Krickelberg) (K. Bl. 20.3.1850, H. Winkens, Notar, Aachen). Siehe auch Pley, Wesselbend, Eynatterheide Berlotte, Gut, enthaltend 41 Morgen, 90 Ruten, 20 Fuß, Verkauf mit „Pley“ und „Windmühle“ am 14.6.1852 (K. Bl. 22.5.1852, Schüller) Berlotte, Kapelle, Ausbesserung K. Bl. 12.8.1836 Berlotte, Verkauf durch Johann Heinrich Lünemann von 12 Kühen und allen Hausmobilien... (K. Bl. 4.4.1834) Berlotte, Vieh- und Mobilarverkauf. Am 9.4.1856 sollen auf Anste- hen von Franz Vecqueray und in dessen Wohnung zu Berlotte öffentlich verkauft werden: 6 tragende Kühe, 1 Rind, 1 Wannmühle, 2 Ritschen (1 Scheideritsche), 1 Hechselkiste, 1 kupferner Braukessel, eine Partie Ketten, Pferdegeschirr, mehrere Hausmobilien, sodann 24 Fass Saam- hafer und 12 Fass Gerste. (K. Bl. 29.3.1856, Schüller) Berlotterheide s. Stöck Berlotterheide, Das Gut Berlotterheide mit 33 Morgen 131 Ruten 80 Fuß steht für den 1. Mai 1849 zu vermieten. Sich wenden bei Hrn. Coenen in Eynatten und dem Eigentümer Hr. F. C. Hertzog in Aachen. (K. Bl. 3.1.1849) Bertholf, am 21.7.1841 Verkauf auf Anstehen des Herrn Karl Op- denhoff von 9 Losen gefälltem Bau- und Nutzholz, „gezeichnet und sich um dem neuerbauten Herrenhause Bertholf befindend“ (K. Bl. 16.7.1841, Gerichtsschreiber Kofferath) Bertholf, Auf Anstehen des Herrn Opdenhoff und auf dessen Schlos- se zu Hergenrath sollen am 13.3.1848 verkauft werden 40.000 Pfund Heu, 5000 Pfund Schauf Stroh und Hausmobilien als 2 Hausuhren, Ti- sche, Schränke, 4 Butterfässer, 2 Schlagkarren, 1 lange Karre etc. (K. Bl. 3.3.1848, Schüller) Bertholf, Gut in Hergenrath, Am 6.12.1847 sollen auf dem Gute des Herrn Opdenhoff „Bertholf“ genannt, öffentlich verkauft werden 14 Kühe, 4 Rinder, 1 Stier, 2 gute Ackerpferde mit Pferdegeschirr, 2 Karren mit schmalen und breiten Rädern, 1 Pflug. Egge, Welle und sonstiges Ackergerät., (K. Bl. 3.12.1847, Schüller) Bertolf, Das Landgut Bertolf, in Hergenrath, in der Nähe der Rhein.-Belg. Eisenbahn zwischen Eupen und Aachen gelegen, und groß ca. 326 Morgen, ist aus freier Hand zu verkaufen.— Dasselbe besteht aus einem großen, ganz neu erbauten, und äußerst bequem eingerich-
84 teten, herrschaftlichen Wohnhause mit Stallungen und Remisen, sehr schönen Gartenanlagen mit Fischteichen, großen Baumwiesen, alle zum Teil mit jungen Obstbäumen ausgezeichneter Sorten bepflanzt, verschiedenen Gehöften für vier Pächter-Wohnungen, sehr fruchtbaren Wiesen und guten Ackerländereien, Holzungen und Weiden.— Durch die in jeder Beziehung ausgezeichnete Lage dieses Gutes mit einer der schönsten Fernsichten in die romantischen Umgebungen desselben, in der Nähe von Aachen und Eupen, eignet sich dieses Gut nicht allein zu einer der schönsten Sommerwohnungen, sondern dürfte dasselbe auch zu jeder industriellen Anlage geeignet erscheinen.—Erforderlichenfalls werden bei genügender Garantie ausgedehnte Zahlungsfristen bewil- ligt.— Auskunft erteilt der unterzeichnete, zu Aachen wohnende Notar Gronen. (K. Bl. 19.7.1851) Bertusgemeinde, Wiese zu Berlotte (K. Bl. 13.7.1853) Betzenhof, Gut auf Belven, K. Bl. 13.12.1833, bestehend aus 40 Bunder Lambertus-Maß, zu vermieten f. 1.5.1834, sich melden b. Peter Fober auf Knoppenburg. Bexenhof, öffentlicher Verkauf am 18.10.1837 auf Anstehen der Er- ben Johann Hubert Fober des zu Belven, Gemeinde Walhorn, gelegenen ehemaligen Stock-Lehngutes Bexenhof genannt, mit den dazugehöri- gen Ackerländereien, Wiesen und Holzungen in den Gemeinden Wal- horn und Raeren gelegen, haltend im Ganzen 137 Morgen, 23 Ruten, 57 Fuß. (K. Bl. 6.10.1837, Notar J. P. Hennen. (Die Aussetzung wird vorläufig in 7 Losen und nachher im Ganzen statt haben). Bexenhof, Verkauf am 1.12.1831 im Sterbehause der Wwe Fober (geb. Kalers) zu Belven, von Haus und Ländereien, K. Bl. 25.11.1831, Notar Hennen Bickelstein, Flur in Raeren („in der Wohnung der Witwe Leonard Pitz zu Raeren-Bickelstein‘“, K. Bl. 10.4.1852, Schüller) Bickelstein, Flur in Raeren, Flur 5, Nr. 68, Weide, Nr. 70 Haus da- selbst, 32 Ruten, 90 Fuß. (K. Bl. 14.4.1849, Schüller) Bierbrauerei. „Der hiesige Einwohner Jos. Klein beabsichtigt, ne- ben seinem an der Köln-Lütticher Staatsstraße auf Hazard hierselbst belegenen, mit Nr. 40 bezeichneten Hause eine Bierbrauerei anzulegen und ist um die desfallsige polizeiliche Genehmigung eingekommen.“ Moresnet, den 14.1.1853. Bürgermeister Cor. Hub. Mostert. Biester, Auf Anstehen des Hr. Commerzienrates A. W. Hüffer sollen am 16.7.1852 zu Rovert am Barriere in der Wohnung der Schenkwir- tin Wwe Croe öffentlich verkauft werden: 6 Lose Gras stehend auf der Wiese Biester hinter der englischen Anlage am Altenbau und 5 Lose
85 Gras auf 2 Wiesen im Rovert, neben dem Raerener Barriere... (K. Bl. 10.7.1852, Schüller) Biester, Grasverkauf auf Anstehen des Herrn Commerzienrates A. W. Hüffer in der Wohnung der Schenkwirtin Wwe Croe zu Rovert am Barriere: 6 Lose Gras stehend auf der Wiese „Biestert‘“ „hinter der eng- lischen Anlage am Altenbau“ (K. Bl. 2.7.1851, Schüller) Biester, Wiese in Eynatten, Eigentümer Kommerzienrat A. W. Hüf- fer (K. Bl. 3.7.1846, Schüller) Bildgen, Auf Anstehen und in der Wohnung des J. G. J. Bree zu Bild- gen, Verkauf am 8.1.1839 von Losen Holz (K. Bl. 20.12.1839, Hennen) Birck, Pley und Lenzenhof, im Winkel in Hergenrath, zusammen 3 Morgen, 123 Ruten, 90 Fuß Birck, Wiese in Hergenrath, Verkauf am 3.10.1836 auf Anstehen der Kinder und Erben des Jakob Hahn, K. Bl. 16.9.1836 Birkenhaag, Flur auf Petergensfeld (K. Bl. 13.7.1853) Blar, Raeren. Am 74.1853 wird der Unterzeichnete in der Wohnung des Wirtes Adam Creutz, zu Raeren, auf Anstehen der Witwe Wilhelm Kever und des Gerhard Laschet, zu Raeren, eine daselbst am Blar gele- gene Lohmühle nebst Zubehörungen, sodann auf Anstehen der gedach- ten Witwe Kever, 2 in der Gemeinde Raeren, am Orte Rott gelegene Wohnhäuser nebst Hof und Gärten, und eine Wiese, Kortenbusch, groß 4 % Morgen, öffentlich und meistbietend unter günstigen Bedingungen verkaufen. (K. Bl. 26.3.1853, Creutz, Burtscheid) Bockenhaag, Das unter Walhorn, auf Belven, gelegene, dem Johann Lambert Radermacher zu Hauset zugehörige Gut Bockenhaag, enthal- tend ca. 27 Morgen, ist zu verpachten und am 1.Mai nächsthin anzutre- ten. (K. Bl. 5.11.1847, Schüller) Bockenhag unter Belven, Verkauf am 10.3.1846 auf Anstehen des Anton Mathias Groteclas, von 6 Kühen, 1 Butterfass und allem Keller- gerät, einer 36 Fuß langen Leiter etc. (K. Bl. 27.2.1846, Schüller) Bockenhag Wiese unter Raeren gelegen K. Bl. 137.1838, Bockenhag, Auf Anstehen des Anton Mathias Groteclas zu Eynat- ten soll am 29.9.1846 öffentlich verkauft werden das zu Belven, Gem. Walhorn gelegene Gut „Bockenhag“ genannt, bestehend in Wohn- und Wirtschaftsgebäuden und ca. 27 Morgen aneinander grenzenden Wie- sen. (K. Bl. 18.9.1846, Schüller) Bockenhag, Auf Anstehen des Johann Lambert Radermacher zu Hauset, soll am 7.8.1848 zu Rovert, an der Landstraße, in der Wohnung des Wirtes Jungbluth, der Grasaufwuchs und die Nachweide des Gutes
86 Bockenhag unter Belven sowie 2 Lose Hafer daselbst verkauft werden.- (K. Bl. 2.8.1848, Schüller) Bockenhag, das unter Walhorn auf Belven belegene Gut, „Bocken- hag‘“ genannt, früher bewohnt und benutzt von Anton Mathias Grote- clas, ca. 27 Morgen, ist zu verpachten und am 1. Mai nächsthin anzutre- ten. (K. Bl. 5.3.1847, Schüller) Bockenhag, Das zu Belven belegene Gut Bockenhag, enthaltend ca. 27 Morgen, sowie ein zu Hauset belegenes, zur Bäckerei geeignetes Wohnhaus nebst anhabendem Garten und Baumwiese, sind zu ver- pachten und können mit 1. Mai 1847 bezogen werden. Sich zu mel- den beim Eigentümer Johann Lambert Radermacher, zu Hauset. (K. Bl. 22.1.1846) . Bockenhag, Gras- und Fruchtverkauf am 28.7.1847 auf Anstehen des Johann Lambert Radermacher zu Hauset des sämtlichen auf dessen unter Belven, Gem. Walhorn, belegenem Gut, die Bockenhag, stehen- de Gras, Hafer, Gerste und Obst, in Lose eingeteilt.(K. Bl. 16.7.1847, Schüller) Bockenhag, Gut, gelegen in der Gem. Walhorn (Enklave Belven), Verkauf am 29.8.1842 des Gutes Bockenhag auf Anstehen der Ge- schwister Dehisselles. K. Bl. 12.8.1842, Schüller) Bockenhag, Öffentlicher Güter-Verkauf. Auf Anstehen von Johann Lambert Radermacher, zu Bockenhaag, sollen am 1.3.1852 zu Eynatten, in der Wohnung des Wirtes Hermann Tichon, öffentlich verkauft wer- den: 1) Das Gut „Bockenhag‘“ genannt, gelegen zu Belven, Gemeinde Walhorn, bestehend in einem Wohnhause nebst Stallung und den dazu gehörigen Gründen, enthaltend im Ganzen ca. 28 Morgen. Dasselbe wird begrenzt vom Eigentume des Herrn J. Chr. Jeghers und jenem der Wwe Frings. 2) ein zu Hauset gelegenes, von Pons pachtweise benutztes Gut, bestehend in einem neuerbauten Hause nebst Stallungen und den dazu gehörigen Grundstücken, ca. 29 Morgen... (K. Bl. 14.2.1852, Schüller) Bockenhag, Vieh- und Mobilarverkauf auf Anstehen und in der Wohnung des J. L. Radermacher, zu Bockenhag, Gemeinde Walhorn: 9 Kühe, 2 Rinder, 1 Ziehkalb, 4 Bienenstöcke, alles Milch- und Kellerge- räte und sämtliche Hausmobilien. (K. Bl. 10.4.1852, Schüller) Bockenhof zu Rabotrath, 2.1.1840 in der Wohnung des Pächters Haemel auf Bockenhof, auf Anstehen der Geschwister Xhonneux von Thimister, öffentlicher Verkauf von 82 Losen Holz (K. Bl. 20.12.1839, Notar Hennen) Bockenhof, Auf Anstehen des Hrn Dieudonne€ Ahn, zu Lontzen, soll am 23.2.1846 verkauft werden das in der Gem. Walhorn belegene Gut,
87 Bockenhof genannt, bestehend in einem Wohnhause, Landwirtschafts- gebäuden und dazu gehörigen Wiesen, Weiden und Ackerländereien, enthaltend im Ganzen einen Flächeninhalt von 72 Morgen. (K. Bl. 6.2.1846, Schüller) Bockenhof, Grasverkauf am 13.7.1842 auf Anstehen des Hrn Dieu- donne Ahn auf dessen Gut Bockenhof zu Rabotrath (K. Bl. 1.7.1842) Bockenhof, Gut in Rabotrath, (Haus und Hof auf Flur 6, Nr. 12) wird auf Anstehen der Kinder und Erben der Eheleute Lambert Xhonneux und Anna Maria Ahn am 10.9.1844 öffentlich zum Verkauf ausgestellt. Das Gut ist 74 Morgen, 136 Ruten und 60 Fuß groß (K. Bl. 2.8.1844, P. J. Hennen; weitere Verkaufsanzeige am 4. Juli 1845). Zum Bockenhof gehören die Flurbezeichnungen Im Dilgental, Auf dem Hochfeld, Kir- chenbend, Werdell, Köerperich, An dem Breberich.... Bohm, Wiese in Walhorn, Verkauf der Nachweide am 11.9.1847 auf Anstehen der Gebrüder Kerres (K. Bl. 3.9.1847) Bommer, Gut in Lontzen, Öffentlicher Verkauf am 15.5.1854. Haus und Hof „auf dem Bommer*“ (Flur 3, Nr. 271) grenzen an Erkendriescher Weg und Bommertz-Gasse. Das Gut ist etwa 37-40 Morgen groß. Dazu gehören Weiden, Wiesen und Ackerland „am Berg‘, auf’m Wacholder, auf den Honnien, Schruppen, Appelder, Flösch, Poppelberg, auf dem Bommer. (K. Bl. 22.4.1854, Schüller). Bommer: Das in der Gde Lontzen gelegene Gut „Bommer“ soll am 15. Mai öffentlich verkauft werden. Die Käufer treten am 1. Mai 1855 in Besitz und Genuss der Parzellen und können auf Verlangen der Käu- fer 2/3 des Kaufpreises ä 4% in Terminen von 5 und 10 Jahren bezahlt werden“ (K. Bl. 6.5.1854) Bon, Am 2.3.1846 werden auf dem Gute Bon zu Kelmis, in der Woh- nung des Andreas Klinckenberg öffentlich verkauft: eine Kuh, ein Rind, Heu und Hausmobilien aller Art. (K. Bl. 20.2.1846, Gerichtsvollzieher Hochmuth) Bongart, auf’m Bonart, Am 25.4.1849 lässt der zu Lontzen auf’m Bongart wohnende Ackerer Mathias Joseph Reul in seiner Wohnung daselbst öffentlich versteigern 10 Kühe, 3 Rinder, alle Haus- und Kel- lermobilien, worunter 2 Gläserkasten, 1 Küchenschrank, 1 Butterfass, ein großer kupferner Syrupkessel nebst Presse, Kupfer, Zinn, eine Partie altes Eisen, 150 hölzerne Milchnäpfe, geschnittenes Holz und eine Par- tie gebackenes Obst etc. (K. Bl. 7.4.1849, Kofferath) Bonneskaul, Verkauf von Vieh und Mobilar am 14.2.1842 auf An- stehen der Wwe Johann Joseph Mennicken auf der Bonneskaul in Her- genrath (K. Bl. 4.2.1842,)
88 Bonneskoul, Holz-, Heu- und Mobilarverkauf, Am 22.11.1853 sol- len zu Hergenrath an der Bonneskoul, im Sterbehaus der Witwe Chris- tian Klöcker, vor dem unterzeichneten Notar auf Kredit öffentlich ver- kauft werden: 1) Auf Anstehen der Erben der gen. Wwe Klöcker:.7 Lose Bäume und 2 Lose Schlagholz stehend auf dem Gütchen zu Hergenrath, sodann 2000 Pf Heu, eine Partie Dünger, eine Partie Schauff-Stroh, ca. 78 Pf Syrop; ferner 1 Hausuhr, 9 Stühle, 1 Kleiderschrank und ande- re Schränke. 2) Auf Anstehen des beigeordneten Bürgermeisters Herrn Schmetz das Schlagholz im Echterbusch unter Walhorn, in Lose ein- geteilt. (K. Bl. 12.11.1853, Schüller) Born, am Born, Bäumeverkauf am 6.11.1850 zu Lontzen, in der Wohnung der Geschwister Mommer, auf Anstehen des Herrn Alfred von Grand’Ry, 12 Lose Pappeln stehend auf dem Gute „am Born“ unter Lontzen (K. Bl. 26.10.1850, Schüller) Born, auf dem Born, am 6.5.1844 lassen die Kinder und Erben des seligen Herrn Nicolas Flas, in der Wohnung des Wirtes Lambert Soiron, im Dorfe Montzen, durch den Notar Ernst (Montzen) zum öffentlichen Verkauf ausstellen ihre beiden in der Gemeinde Gimmenich belege- nen Güter, und zwar a) jenes auf dem Born, gelegen im Dorfe, nahe der Kirche, bestehend in: Wohnung, Stallungen, Hof, Gemüsegarten, Wiesen, Land und zwei Stücke Busch, ungefähr 16 Bunder, 13 große Ruten St Lambertus Maß groß, wovon 10 Bunder, 16 Ruten aneinan- der haltend und an die Wohnung grenzend; b) jenes genannt Chabeau, gelegen in Terstraeten, von einer Größe von 4 Bunder, 2 große Ruten, bestehend in Wohnung, Stallungen, Hof, Gemüsegarten, Land, Wiesen und 1 Stück Busch. Born, Bäume-Verkauf. Am 3.11.1857 sollen zu Lontzen, bei Herrn Landvogt-Mommer, auf Anstehen des Herrn Alfred von Grand’Ry öf- fentlich verkauft werden: 9 Lose Pappeln auf dem Gute „Kleinhaus“ und 9 Lose dito auf dem Gute „Born“. (K. Bl. 24.11.1857, Schüller) Born, ferme nomm6&e „op den Boorn“situge pres de 1’Eglise 4 Geme- nich, consistante a) en Maison d’habitation, brasserie, grange, Etablies, Ecuries, remise, cour, 2 jardins, 2 vergers, 4 prairies, 2 pieces de terre et 2 parcelles de bois, le tout contigu, contenant 9 hectares 42 ares 26 centiares., et en 5 autres prairies, 5 pieces de terre et 2 parcelles de bois, le tout diss&min&, contenant 5 hectares 9 ares 76 centiares. Ensemble 14 hectares, 52 ares, 2 centiares ou 16 bonniers, 13 verges grandes, 22/3 petites, ancienne mesure, b) une petite ferme a Terstraeten, consistant en une maison d’habitation, Etables, &curies, grange, forge, jardin, verger, 2 prairies, 3 pi&ces de terre et une parcelle de bois, contenant ensemble 3
89 hectares, 56 ares, 25 centiares, ou 4 bonniers, 2 verges grandes et 4 pe- tites, ancienne mesure. (Notaire Aussems, Aubel) ä vendre ä la requete de Jean Joseph Flas et consorts (K. Bl. 26.7.1844) Born, Flur in Lontzen, öffentlicher Verkauf von Haus und Garten, 67 Ruten, 20 Fuß, gelegen zu Lontzen, am Orte Born genannt, am 22.12.1847 auf Anstehen des Maurers Franz Horn. (K. Bl. 10.12.1847, Schüller) Born, Flurname zu Raeren (K. B. 13.5.1836) Born, Gut in Lontzen, Holzverkauf auf Anstehen des H. Andreas Jo- seph Franz von Grand’Ry, Gutsbesitzer zu Verviers (K. Bl. 15.11.1844) Boschhaus, auf Anstehen der Schwestern Weermeister soll am 28. Oct. 1844 zu Kelmis, im Penning, in der Wohnung der Wirtes Carl Franssen, öffentlich verkauft werden: das denselben zugehörige, zu Mo- resnet, am Orte Boschhaus genannt, belegene Gut, bestehend in einem Wohnhause und Wirtschaftsgebäuden, Garten, Wiesen und Ackerland und enthaltend im Ganzen 18 Morgen, 75 Ruten Magdeburger Maß, oder 5 Bunder, 157 Ruten, 40 Fuß Lambertus Maß. (K. Bl. 11.10.1844, Schüller) Boschhäuser, Verkauf oder Verpachtung. Am 8.8.1849 soll auf An- stehen der Consorten Gouder de Beauregard verkauft werden das zu Moresnet, an die Boschhäuser, teils auf belgischem, teils auf neutra- lem Gebiete gelegene Gut, bestehend in Gebäuden, Garten, Wiesen, Benden und Ländereien, groß 12 1/2 Bunder. Wenn der Verkauf nicht statt findet, dann wird dasselbe gleich an den Meistbietenden vermietet. (K. Bl. 1.8.1849, Notar Demonty, Clermont) Boschhuyser. Verkauf eines Gutes. Am 23.3.1858 werden die Erben der verstorbenen Eheleute Peter Niessen und Anna Maria Pelzer in der Wohnung der Herrn Leonard Brech, Wirt im Dorfe Moresnet, öffentlich und meistbietend durch den Notar Demonty von Clermont verkaufen: Ein Gut gelegen am Orte genannt „Boschhuyser‘“‘, Gemeinde Belgisch- und Neutral-Moresnet, bestehend in Haus, Stall, Scheune, Garten, vier Wiesen und einer Parzelle Ackerland, im Ganzen ungefähr von 4 Hek- taren. Diese Immobilien werden zuerst stückweise und nachher zusam- men zum Verkaufe ausgestellt (K. Bl. 17.3.1858, Demonty, Notar) Botschappen, Verkauf am 2.12.1850 von 17 Losen Schlagholz auf Anstehen des zu Walhorn wohnenden Ackerers Johann Joseph Aussems Botschappen. Grasverkauf am 26.7.1858 bei dem Wirte Paul Hom- burg zu Merols: 13 Lose Gras und Streu stehend auf dessen Grundstü- cken Gohberg längs dem Gute Botschappen, lässt Herr Julius TheLosen öffentlich verkaufen (K. Bl. 24.7.1858, Schüller)
90 Bottschappen, Walhorn, 11 Lose Schlagholz zu verkaufen am 21.1.1839 auf Anstehen des Johann Joseph Aussems, Walhorn (K. Bl.18.1.1839, Schüller). Botz, auf der Botz, Ortsteil von Raeren, auf Anstehen von Leonard Crott, zu Raeren, in der Wohnung des Wirtes Mathias Aegidius Schu- macher, auf der Botz, soll am 17.1.1848 öffentlich verkauft werden ein Haus auf der Botz, neben Hrn. Crott (K. Bl. 7.1.1848, Schüller) Boutique, Haus in Walhorn, Boutique genannt, K. Bl. 1.6.1838, Verkauf am 22.6.1838 auf Anstehen der Kinder und Erben des H. Jo- seph Becker zu Walhorn. Haus und übrige Gebäude nebst anhabenden Grundgütern haltend im Ganzen 48 Morgen, 124 Ruten, 90 Fuß, Notar Hennen f Boutique, K. Bl. 13.6.1849 :... »bei dem Schenkwirte Keutgen, zu Walhorn, in der Boutique » Bovendriesch, Kettenis. Vieh- und Mobilarverkauf. Auf Anstehen des Nic. Jos. Mertens und in dessen Wohnung zu Bovendriesch sollen am, 18.4.1856 öffentlich verkauft werden: 16 tragende Kühe, 3 Rin- der, 1 Pferd, 1 Leiterkarren mit eiserner Achse und 4-zölligen Rädern, 40 Scheffel Hafer, 1 Syropkessel nebst Presse, 1 kupferner Braukes- sel, Bütten, Eimer, Käseplanken, Milchnäpfe, Butterfass und anderes Milch- und Kellergeschirr, sodann Tische, Stühle, Schränke, Bettstel- len, 1 Ofen etc. (K. Bl.5.4.1856, Schüller) Bovendriesch „von den Eheleuten Peter Emondts und Ida Liberts hinterlassenes Gütchen‘“ zu Merols, Gem. Kettenis, zu verkaufen am 10.3.1831 auf Anstehen von Andreas Jos. Lamberts und Mathias Liberts (K. Bl. 25.2.1831) Bovendriesch, Auf Anstehen des Mathias Liberts, zu Kettenis, soll am 26.5.1845 das in der Gemeinde Kettenis gelegene, dem Herrn Li- berts gehörige Gut „Bovendriesch“ genannt, öffentlich verkauft wer- den.(K. Bl. 16.5.1845, Schüller). Das Gut enthält 21 Morgen, 27 Ruten und 40 Fuß. Bovendriesch, Garten in Kettenis, Flur 5, Nr. 21 (oder 24), (K. Bl. 16.5.1845, Schüller) Bovendriesch, Haus in Kettenis, Flur 5, Nr. 20, 11 Ruten, 90 Fuß (K. Bl. 16.5.1845, Schüller) Bovendriesch, Vieh- und Mobilarverkauf auf Anstehen des Hrn. An- dreas Bodong zu Eupen, auf dessen Gut Bovendriesch zu Merols, am 26.4.1848: 9 tragende Kühe, 1 Rind, ca. 50 Scheffel Hafer, sämtliches Milch- und Kellergeräte und eine Partie Heu. (K. Bl. 7.4.1848, Schüller)
91 Bovendriesch, Vieh- und Mobilarverkauf. Auf Anstehen von Peter Jansen zu Bovendriesch und in dessen Wohnung sollen am 9.6.1856 öffentlich verkauft werden: 5 Kühe, 1 Pferd nebst Geschirr, 2 lange Kar- ren, 1 schwere Karre mit eiserner Achse, Pflug, Egge, 1 Drehfass, 400 Pf getrocknetes Obst, Stühle etc. (K. Bl. 7.6.1856, Schüller) Bovendriesch, Viehweide in Kettenis, Flur 5, Nr. 23, 12 Morgen, 38 Ruten, (K. Bl. 16.5.1845, Schüller) Bovendriesch. Vieh-, Mobilar- und Holzverkauf. Auf Anstehen des Peter Janssen und in dessen Wozhnung zu Bovendriesch sollen am 16.3.1859 öffentlich verkauft werden: 4 Kühe, 2 Rinder und mehrere Ketten (K. Bl. 5.3.1859, Schüller) Brachbenden, Wiese in Raeren, 1 Morgen, 91 Ruten, 70 Fuß, Nach- lassenschaft der Eheleute Conin, K. Bl. 9.9.1836 Brand auf der Obersteheide in Kettenis (K. Bl. 19.6.1858) Brand, Flur in Hergenrath, Verkauf eines Hauses mit Hof und Gar- ten, Flur 1, Parzelle Nr. 193, (Teilungssache Palm, K. Bl. 14.10.1854, Schüller) Brand, Hergenrath, am 19.4.1850 sollen zu Hergenrath, im Brand, auf Anstehen und in der Wohnung der Wwe Tilmann Palm öffentlich verkauft werden: 4 Kühe, 2 Rinder, alles Haus- Küchen- und Kellerge- räte, 1 Partie Wagnergeschirr, ca. 30 Fass Hafer, 40 Mandeln Kartoffeln und 8 Bienenstöcke. (K. Bl. 6.4.1850, Schüller) Brandenburg, K. Bl. 22.11.1839, „Das auf Brandenburg, am Wege von Raeren nach Cornely-Münster angebaute neue Haus, für Schenk- wirtschaft, Weberei und Landwirtschaft besonders geeignet, mit 10, 20- 30 Morgen bester Wiesen und Ackerland, steht zu verpachten und kann mit Neujahr bewohnt werden“. Eigentümer Franz Joseph Ahn, Müller Brandenburg, Mühle und Wohnungen, Verpachtung. (K. Bl. 18.9.1852) Fortsetzung folgt
92 Jahresrückblick 2011 von Herbert Lennertz Am 30. Januar 2011 konnte der Präsident bei der statutengemäßen Generalversammlung eine recht positive Bilanz vorlegen. Auf die stattgefundenen Veranstaltungen eingehend, konnte er neben Wanderungen und Besichtigungsfahrten besonders die 2010 stattgefun- dene Mehrtagesfahrt ins Saarland hervorheben. Wie in den vergangenen Jahren erschien auch wieder im halbjähr- lichen Rhythmus unsere Zeitschrift „Im Göhltal‘“. Es waren die Num- mern 85 und 86. ; Auch im abgelaufenen Jahr 2011 war der Vorstand bemüht, ein ab- wechslungsreiches Programm vorzulegen, und zwar am 17.3. eine Besichtigung der Wasseraufbereitungsanlage der Eu- pener Talsperre; am 9.4. eine Führung durch Dom und Altstadt von Aachen; am 22.5. eine Wanderung durch den Eupener Wald; vom 25. bis 28.8. eine Mehrtagesfahrt in den Harz, die wir kurz im Bild Revüe passieren lassen. Unter der Führung von Hrn. Werner Schneider erkundeten wir das Harzgebiet unter den Aspekten Erzbergbau, Fachwerkbau, romanische Architektur und deutsche Geschichte. In Goslar wanderten wir auf den Spuren der deutschen Könige und Kaiser (Pfalz), im Bergwerk Rammelsberg erfuhren wir viel über die Technik des Erzabbaus und der Wasserhaltung, in Quedlinburg bewun- derten wir die vielfachen Möglichkeiten des Fachwerkbaus, in Halber- stadt waren es der Dom und der Domschatz, die unser Staunen erregten. Ein paar Worte zu Quedlinburg Die Zahlen zu den Fachwerkbauten in diesem malerischen Städtchen schwanken von 1200 bis 2000! Die Stadt nennt sich gerne „Bilderbuch des Fachwerkbaus“, aber sie ist auch stolz, „Wiege Deutschlands“ zu sein. Wegen der vielen Saatbetriebe in der Umgebung trägt sie auch den Titel „Stadt der Blumen“. Seit dem 19. Jahrhundert hat Quedlinburg im Gärtnereiwesen und der Samenzucht Weltgeltung. Etwas weniger ins Bewusstsein der Stadtbesucher tritt, dass Quedlin- burg zu Anfang des 2. Jahrtausends Sitz höchster Regierungsgewalt und Lieblingsaufenthaltsort des Herrscherhauses der Ottonen war. Schon im 10. Jh. wird Quedlinburg „Metropole“ genannt. König Heinrich I. und seine Nachfahren, die Ottonen, machten diese Metropo- le zu einem Zentrum europäischer Politik, Bildung und Kultur.
93 Als der Sachsenherzog Heinrich I. 919 zum König gewählt wurde, besaß seine Familie bereits umfangreichen Landbesitz in der Quedlin- burger Gegend. Königin Mathilde errichtete an der Grablege ihres Gemahls ein Frau- enstift zur Ausbildung und Versorgung der Töchter des Hochadels. Die- se Einrichtung entwickelte sich zu einem familiären Zentrum des Herr- scherhauses und kulturellen Mittelpunkt des Reichs. Karl der Große hatte wenig getan, um den Fortbestand seines Reiches zu sichern. Unter seinen Enkeln Lothar, Karl und Ludwig kam es schon 843 zu einer Dreiteilung. Karl sollte im Westen, Ludwig im Osten und Lothar im Mittelreich herrschen. Im Osten, der mit Sachsen, Schwaben, Franken und Bayern wesentli- che Teile des späteren Deutschen Reichs umfasste, wurde 911 der Fran- kenherzog Konrad I. zum König gewählt. Auf seinem Sterbebett be- auftragte er seinen Bruder, seinem ärgsten Gegner, dem Sachsenherzog Heinrich, die Königsinsignien zu überbringen. Dieser war ein Sohn von Herzog Otto; 912 hatte er die Nachfolge seines Vaters angetreten. Er gehörte der bedeutenden Familie der Ludol- finger an, der u. a. Quitlingaburg (Quedlinburg) gehörte. Nachdem er alle Fürsten des ehemaligen ostfränkischen Reiches hin- ter sich geschart hatte, rief er 929 alle Fürsten und Vertreter des Adels und des Klerus zu einem großen „Hoftag‘“ in seiner Pfalzstadt zusam- men. Er ließ die Anwesenden Treue schwören und seinen Sohn zu sei- S T LO Goslar kann sich rühmen, mit der Kaiserpfalz den größten nichtkirchlichen Bau des 11. Jahrhunderts zu besitzen. Links im Bild die sich an die Pfalz anschließende Ulrichskapelle. Hier steht das Grabmal mit dem Herzen Kaiser Heinrichs III.
95 &, N { rn VD 3 % 6. a NM OB AD > 7! 1a Be AL IL A aA Im) 38 } a UL af a Jr A Le \ Goslar. Die Stadt ist reich an schönen Fachwerkhäusern, viele mit Palmetten- oder Sonnen-Motiv und Spruchbändern. Seit 1992 gehört Goslar zum Weltkulturerbe der UNESCO. den Brocken waren weitere Schwerpunkte dieser Tage im Harzgebirge. Den Abschluss bildete auf der Heimfahrt eine Stadtführung durch Pa- derborn: Fürstbischöfliches Schloss, Paderquellen... Am 4. September lud unser Wanderführer Hans Klein zu einer Wan- derung über die ehemalige Bahntrasse von Kelmis nach Bleiberg. Am 20. November 2011 hatten wir die Möglichkeit, den Düsseldorfer Flughafen unter dem Aspekt eines Wirtschaftsunternehmens „von innen heraus“ kennen zu lernen. Es war in jeder Hinsicht beeindruckend! Im Anschluss an diese unter sachkundiger Führung erlebte Rundfahrt wartete der Düsseldorfer Weihnachtsmarkt auf den Besuch aus dem Göhltal...
96 Malerische Impressionen aus dem Harz “A — —\ aka 5 Wa zz SEES . - - . 1 | P . € " LE | } A \z Hapa RB A \ a 5] u Ss SS Z SO RE Goslar. «Ich bin jung gewesen und alt worden...» Die Hausinschriften sind häufig der Bibel entnommen. « An Gottes des Herrn Segen ists in allem gelegen.»
98 ds SM = A De S 11 | UN = 8 A Mid = _- Ü — ; 4 " am ® ® A | wo dl a I 1 : H | ; 1 | ; T Sn =. WE 6 | AI N ) m} an) } Blick in die Altstadt von Goslar
99 Ze . A A| samen | PER m UN A FAZ N ES ee Ana UN Z EM as GEH BE HE HEEREFRRÄREREEF ‚ 97. ae ae = nt Ad ee Ba „EUERNEELS Fa Ste RE au aa RZ RZ N VE Zn LO We Wa £ SE 3 A 2 8 | "Hr? w A ZU A NE 4 Ta A ö EB aa na 5 = ns BL Sa MENT MI 2 Batman f 5 DS N Sa} ie en be ZA ; Ki Dal TEN BE Der Rammelsberg, ein ehemaliges Silbererzbergwerk, wurde 1988 stillgelegt und inzwischen zu einem Museum und Besucherbergwerk umgestaltet. Eine Führung durch den Roeder-Stollen gehört zum Besuchsprogramm.
101 . (A ER A WE SE | i "a | [1 Pe A x ll 7 al (200 DEM mM Be @ | Ef an | [UL a ) 1 s PX AST A | fi N Yf ih de A Ca ö | ‚1 VE Ra Ö N ST Ss ‚Bl na A En A 1 in N | A ven SO | al 5 ZA EAN x Tr. Quedlinburg. Der Stadtkern wurde unter Denkmalschutz gestellt und 1994 zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt. a Quedlinburg. Dieses Ständerhaus wurde zu einem Fachwerkmuseum. Es zählt zu den ältesten Fachwerkhäusern Deutschlands (datiert auf 1346-1347).
102 MM FA (WA 3 a 2 WW 1 N N (0 52 A TEE AN US ARE {Wi WU es ME BL Ds Ss Ss OT 7 & 3 Halberstadt gehörte vom 12. bis zum 15. Jh. zu den bedeutendsten Städten des Reiches. Der Dom wurde 1235-1491 erbaut. Der Domschatz enthält eine Sammlung romanischer Bildteppiche und liturgischer Gewänder. 8 Halberstadt, Domportal (Detail)