I Gö hltal Landschaft im Grenzraum Nordostbelgiens FE | €) %| || N | | Fa “ As in ) Sn N 498 i ; Er 4 vw 89 A £ er & A] X EZ F- - ] ML — ea ZEITSCHRIFT DER VEREINIGUNG FÜR KULTUR, HEIMATKUNDE UND GESCHICHTE IM GÖHLTAL Nr. 88 — August 2011
Im Göhltal ZEITSCHRIFT DER VEREINIGUNG FÜR KULTUR, HEIMATKUNDE UND GESCHICHTE IM GÖHLTAL Nr. 88 August 2011 Veröffentlicht mit der Unterstützung des Kulturamtes der deutschsprachigen Gemeinschaft
+ Vorsitzender: Herbert Lennertz, Stadionstraße 3, 4721 Neu-Moresnet. Sekretariat: Maxstraße 9, 4721 Neu-Moresnet, Tel. 087/65.75.04. Lektor: Alfred Bertha, Bahnhofstraße 33, 4728 Hergenrath. Kassierer: Alfred Bertha, Bahnhofstraße 33, 4728 Hergenrath. Postscheckkonto Nr. 000-0191053-60 Fortis: IBAN BE57 2480 0688 7535 - BIC: GEBABEBB Konto BRD: Aachener Bank: DE95 3906 0180 0821 3630 12 - BIC: GENODED1AAC Die Beiträge verpflichten nur die Verfasser. Alle Rechte vorbehalten Druck.: Aldenhoff, Gemmenich - 087-78 61 13.
3 Inhaltsverzeichnis Pierre Corda Zum Umschlagbild: 5 Walhorn De Liverlo und d’Ogier in Walhorn Albert Janclaes Zur Geschichte des «Stumpfen Kreuzes» 16 Walhorn Erwin Bruch Ein alter Grenzstein am Hohnbach 38 Neu-Moresnet Alfred Bertha Brigida, Antonius und 43 Hergenrath andere volkstümliche Heilige M.-Th. Weinert Das alte Fräulein Humpala 70 Aachen-Forst Erwin Bruch Die Vorfahren der Familie Jungbluth 71 Neu-Moresnet aus Walhorn Henri Beckers Wöet met «L-M» 76 Kelmis Alfred Bertha Aus einem Kelmiser Familienbuch 80 Hergenrath Joseph Langohr Die Familie Langohr in Vergangenheit 95 Gemmenich und Gegenwart im Land der 3 Grenzen
E* MY _ eindsioxıevelladnl ; 2 :blidgsidsanmU) maXX 85100 srısi9 MOisW at 19130'b bau oltavi.1 CI MOodieW N öl «2e5001Ä nolqmm2» aab sldoidoza0 uN “e9RlonEl madlA E N modlisW Il 8E oednAOH tie olesner) Talle nid dena mv, ; EA tonzs10M-usVi E% bas-2uiaoın A ‚ebignd adtısa beitlA ; 5aHish orlbilmiizloy atsbhas diene 3 oT - BIsqmuH nislußtE sils 2eCT YanisW ‚AT-M E K I 1017-099 A I uldanul silims‘116b osalehoV aid dam& niwıg « MOAleW aus janasıoM-u97 E rsitzender: Herbert Lennertz, SE SEE Morten dos insH a Sekretariat: Maxstraße 9,4721 Neu-Moresaet, Tel. 087/65.75.04 zimls3 m. Lektor: Alfred Bertha, Buhnbofstraße 33, 4728 Hergenrath . Kassieter: Alfred Bertha, Bahnhofstraße 23, 4728 Hergenrath, Postscheckkonto Nr. 000-0191053-60 . ' Gets: IBAN wlan asia cam BT betilA Konto BRD Auchener Bimk: DES 39060180 0821 3630:12: BIC: ENDE ‚77 Die Beiträge verpflichten nur die Verfasser. S 4 ze Be N ni’ogas] silime sid ıdoansI dqazol nn „WEDER Dar heneRSO bau Adoinsmma0 E SEN
5 Zum Umschlagbild von Pierre Corda Das Umschlagbild zeigt das Innere der Raerener Pfarrkirche. In sei- nem Aufbau ist der Hauptaltar dem Altar der Eupener St. Nikolaus- Pfarrkirche nachempfunden. Der abschließende Segmentgiebel trägt zwei Wappen, und zwar (links) das Wappen der Familie Liverlo und rechts das Wappen Ogier. Wir möchten hier etwas näher auf die Familie Liverlo-Ogier eingehen. In „Raeren und die Raerener im Wandel der Zeiten“! hat Viktor Gie- len anhand der ihm vorliegenden Raerener Pfarrarchive die Geschichte der Raerener St. Nikolaus-Pfarrkirche nachgezeichnet. Der 1719-1728 errichtete Bau wurde 1846-47 erheblich vergrößert und erhielt damals sein heutiges Aussehen. Zur Inneneinrichtung der neuen Kirche schreibt Gielen (Raeren und die Raerener..., S. 85): „Im Jahre 1697 erhielt der Aachener Schreinermeister Derich Schwartz den Auftrag, einen Altar mit Schnitzwerk für die Raerener Kirche zum Preise von 90 Reichstalern zu liefern. Es ist möglich, dass es sich dabei um den jetzigen Altar handelt, der in der neuen Kirche ebenfalls Verwendung fand. Im Altargiebel befinden sich die Wappen der Familien d’Ogier und de Liverlo, der damaligen Besitzer von Hof Möris.“ Die Familienwappen Ogier und Liverlo im Ziergiebel des Hauptal- tares legen den Schluss nahe, dass die Familie Liverlo-Ogier sich diese Ehre durch eine substanzielle Spende zum Bau des Altares erkauft hat. Auch in den Aufzeichnungen des Raerener Pfarrers Aegidius Mom- ber (Pfr. von 1698-1728) findet sich ein vielsagender Hinweis auf die damaligen Besitzer von Haus Möris. Pfarrer Momber berichtet nämlich, am 16. Oktober 1719 sei man nach einem feierlichen Amt zum Hl. Geist unter dem Geläut der Glocken in Prozession nach draußen gezogen, um die Grundsteinlegung des neuen Gotteshauses vorzunehmen. Dazu schreibt der Pfarrer: „Es legten die ersten Steine die Frau von Liverlo, unsere gnädige Herrin dieser Bank, ihr Herr Sohn, Kanonikus an der Kirche St. Jean in Lüttich, und ihre Tochter. Auf jedem Stein war der Name JESUS ausgehauen. !_ Markus-Vlg., Eupen, 2. erweiterte Auflage 1976, 5. 82 ff.
6 Die drei Steine wurden wieder herausgenommen und sollen später von außen in die Kirchenmauer eingefügt werden.‘ E Im Zusammenhang mit der Bank und Herrschaft Walhorn werden einzelne Namen immer wieder genannt. Dazu gehören die Schuyl, die ihren Wohnsitz auf Schloss Crapoel genommen hatten. Den Namen Liverlo fanden wir bisher in der heimatkundlichen Literatur nur selten erwähnt. Begeben wir uns auf Spurensuche! Wir folgen einem Hinweis meines ehemaligen Lehrers Albert Jaques, der nach dem Kriege in Walhorn tätig war und später in seine Heimat zurückging, um dort seinen Lebensabend zu verbringen. Seine Heimat, das war das „Areler Land“ mit Arlon, Habaye, Hachy... Zu letztgenannter Gemeinde gehörten neben Hachy die Orte Fouches und Sampont. Bei den 1977 vorgenommenen Gemeindefusionen wur- de Hachy Arlon zugeteilt, während Fouches und Sampont nach Habay eingemeindet wurden. Lehrer Jaques wusste, dass sich in Fouches in einem Turmstumpf der früheren Dorfkirche ein Wappenstein befand und eine Inschrifttafel die Namen der Stifter dieses Gotteshauses nannte: Walter de Liverlo und dessen Ehefrau Marie d’Ogier. Er wusste auch, dass der genannte Wal- ter von Liverlo Herr von Walhorn gewesen war. Dieses findet sich bestätigt durch die 1837 veröffentlichte „Histo- risch-topographische Beschreibung des Kreises Eupen“, wo der be- kannte Aachener Geschichtsforscher Christian Quix unter „Walhorn“ schreibt: „Im Jahre 1727 besaßen die Herrschaft Walhorn der Herr von Liverlo, des Hl. Römischen Reichs Ritter, und die Frau Wwe des Ritters de Thier, im Jahre 1771 aber der Domherr in Lüttich, Herr de Thier, und die edele Dame Ferdinanda von Liverlo; der Vogt-Maier, von Hauzeur, aber die Jagd und Fischerei.“? Hermann Wirtz widmet in seinem 1936 veröffentlichten „Eupener Land“ auch einige Zeilen der Raerener Gemeindeversammlung in vor- französischer Zeit. Stimmberechtigt waren die Geistlichkeit (vertreten ? Zu den Herrschaftsrechten des Herrn von Walhorn gehörte u. a. das Recht der Ernen- nung der Mitglieder des Schöffengerichtes, das Recht, Geldstrafen einzuziehen, das Recht der Kaninchen- und Kranichjagd, (droit de garenne, dr. de gruerie), der Fisch- fang, das Kündigungsrecht und das Recht der Toten Hand ‚, d. h. dass der Herr der Herrschaft im Sterbefall eines Leibeigenen das Recht hatte, aus dem Nachlass des Toten das beste Stück Vieh oder das beste Gewand an sich zu nehmen. Diese Besitz- wechselabgabe wurde häufig durch Zahlung einer entsprechenden Summe Geldes abgelöst.
7 durch den Abt des Klosters Brandenburg), der Adel (zahlreiche adlige Familien folgten sich im Laufe der Zeit als Besitzer von Burgen und Herrenhäusern) und die „gemeyne Naburen“ (das gewöhnliche Volk), d. h. sämtliche Einwohner, die mindestens 8 Stüber Grundsteuern zahlten. Als adlige Familien nennt Wirtz in dem Zusammenhang die von Schwarzenberg, d’Ogier, de Liverlo, de Hauzeur, de Thier, de Flamige und Wicherding. Die Wappen Liverlo/Ogier in der Raerener Pfarrkirche und die Nen- nung von Frau de Liverlo bei der Grundsteinlegung der Kirche i. J. 1719 weisen auf eine besonders enge Beziehung dieser Familie zu Raeren hin. Was hat es damit auf sich? In der Stadtgeschichte von Lüttich hat die Familie de/von Liverlo im 17. und 18. Jahrhundert eine nicht unbedeutende Rolle gespielt und sich auch als Förderer von Kunst und Wissenschaft hervor getan. Lambert de Liverlo, in der Maasstadt geboren und getauft am 2. No- vember 1621, studierte in Löwen, Orleans und Reims. An letztgenann- ter Universität erwarb er den Doktortitel in Rechtswissenschaften. 1646 wurde er Mitglied des Kapitels der St. Lambertus-Kathedrale, 1658 Propst der Abteikirche von Fosses, 1670 Erzdiakon von Hasba- nien. Seine: Sympathien für Frankreich machten ihn in den Augen der Gegner Ludwigs XIV. verdächtig. Als Gefangenen brachten ihn die Al- liierten nach Maastricht, wo er am 29. September 1693 starb?. Kommen wir zurück zu den Angaben von Lehrer Jaques und sehen wir uns das Innere des schon erwähnten Turmstumpfes in Fouches an. Eine Gedenktafel nennt die Namen der Stifter. Sie hat folgenden Wortlaut: „NOBLE ET GENEREUX SEIGNEUR MESSIRE WALTHERE DE LIVERLO CHEVALIER DU ST EMPIRE ROMAIN SEIGNEUR DU CHEF BAN DE WALHORN CONSEILLER DE SON ALTESSE EVEQUE ET PRINCE DE LIEGE ANCIEN BOURGEMRE ET NOBLE DAME MARIE D’OGIER, SON EPOUSE ONT BATIS CETTE EGLISE ANNO 1735” 3 Biographie Nationale, Bd. 12, Sp. 296 Daris, J., Histoire du dioc&se et de la principaut& de Liege pendant le 17° s. , S. 46, 70,92 u. 231
8 Zu Deutsch: Der edle und großherzige Herr Walter von Liverlo Ritter des Hl. Römischen Reiches, Herr der Hochbank Walhorn, Berater Seiner Hoheit des Fürsten und Bischofs von Lüttich, ehemaliger Bürgermeister, und die edle Dame Marie von Ogier, seine Ehefrau, haben diese Kirche erbaut i. J. 1735. 4 ud ai 22H BR 2 SU a N) es DV a 8 ie Ka A Der Turmstumpf in Fusch/Fouches EN ST 5 nn NAD (MU FDATLIERDU ANTENNEN 2 WAT ARNKILES RR 7 A Fr SO Die Gedenktafel mit den Stifternamen
9 In dem kleinen sakralen Raum finden wir auch die Wappen der Stifter wieder. 0 Ku! da 5 Bo CS f } A m NV E 4 x ; Cd Das Allianzwappen Liverlo-Ogier in Fouches Liverlo: Ein ovaler Schild wird in vier Felder aufgeteilt. Das (vom Betrachter aus gesehen) linke obere Viertel wird mit dem rechten unte- ren Viertel durch einen Querbalken verbunden. Ogier: Stamm und Arme eines Kreuzes (von Savoie) vierteln den ovalen Schild. Die beiden oberen Viertel tragen (vom Betrachter aus gesehen) links eine Sonne, rechts einen Halbmond, in den beiden unte- ren Vierteln jeweils einen Stern. Es handelt sich in Fouches um die Wappen, die wir auch in Raeren am Giebelaufsatz des Hauptaltares finden. Auf welchem Wege die Familie de Liverlo in den Besitz der Bank Walhorn gekommen ist, ist nicht leicht nachzuvollziehen. Die von Freifrau von Coels bearbeiteten Lehnsregister der Props- teilichen Mannkammer des Aachener Marienstiftes geben uns jedoch wichtige Hinweise. Dabei erweist sich besonders die finanzielle Lage der vormaligen Bankherren, der Familie Schuyl, als ausschlaggebend. Beschränken wir uns auf das Wesentliche. Das 17. Jahrhundert war durch viele kriegerische Ereignisse verhee- rend für unser Land. Ständige Truppendurchzüge brachten die einzel- nen Bankorte an den Rand des Ruins.
10 Eine Summe von 24.000 Gulden Maastrichter Währung hatten die Gemeinden Walhorn, Kettenis, Merols und Rabotraedt 1654 vom Re- gierungsberater und Vorsitzenden des Rechnungshofes Gueldern, Frederic Beyens, geliehen und als Sicherheit hatte der Herr von Wal- horn, Arnold Thierry Schuyl, seine Herrschaft Walhorn gestellt. Dazu die Hochbank von Houtain-le-Val und Sart-Dames-Avelines, das 170 Bunder große Gut Goumont (Waterloo), das Schloss Crapoel und die daran anklebenden Bauernhöfe, das Lehngut Riddersassen in Gemme- nich, den erst 1634 von der Stadt Aachen erworbenen „1000 Morgen- Wald“ in Raeren sowie weitere Gründe und Einkünfte. Mit Einverständnis des Königs hatte Arnold Schuyl die Orte Hauset und Eynatten aus seiner Herrschaft Walhorn ausgegliedert und am 18.’ August 1650 für 9000 Gulden Brabanter Währung dem Herrn Arnold Huyn von Amstenraedt, Besitzer des „Kleinen Hauses“ in Eynatten, verkauft. Nach dem Tode des Herrn von Amstenraedt (1663) ging die Herr- schaft Eynatten-Hauset an den Ehemann der Tochter Marie-Claire-An- ne, Gerard von Dieden Malatesta, Herrn von Hurwenen (Gueldern). Am 30.12.1658 erklärt Arnold Schuyl von Walhorn, Herr von Haulthain le Val und Sart-Dames-Avelines, mit seinen beiden ältesten Söhnen, Junker Arnold Dirick, Herrn von Walhorn, und Junker Her- mann, sowie deren Vormund Alexander de Straeten, Herrn von Gym- menich und Alensberg, von dem Herrn Hendryck Sewier, Kanoniker und „Camerarius‘‘ (Kämmerer = Schatzmeister) der Kollegiatkirche St. Servatius zu Maastricht, und dem Doktor Ogier zu Lüttich 16.000 Maastrichter Gulden empfangen zu haben, um die mit seinen Söhnen erworbenen Herrlichkeiten der Bank Walhorn und Eupen zu bezahlen. Von dem genannten Kapital ist eine jährliche Rente von 1000 Gulden zu zahlen. Als Sicherheit stellen Arnold Schuyl und seine Söhne die Herrlichkeiten Hautain le Val, Sart-Dames-Avelines, Haus und Güter zu Crapoel sowie die dem Alexander de Straeten gehörenden Herrlichkei- ten Gymmenich und Alensberg. Am 16. Januar 1659 verschuldet sich Arnoult Schuyl mit weiteren 2174 Reichstalern bei Leonard Römer dem Jungen und im gleichen Jah- re muss er noch zweimal seine Güter mit erheblichen Summen belasten. Gemeinsam mit den „Vorstehern und Geschworenen“ der Bankorte Walhorn, Kettenis, Rabotrath und Merols folgt am 4. Juni 1659 eine Anleihe von 24.800 Maastrichter Gulden, wofür jährlich 1550 Gl. als
ai Rente zu zahlen sind. Das adlige Haus Crapoel mit Pachthöfen und Gü- tern in den Dörfern Walhorn und Rabotrath müssen erneut als Sicherheit gestellt werden. Die finanzielle Schieflage der Familie Schuyl scheint ausweglos. Da die Schuldner sich zur Rückzahlung der geliehenen Gelder außer Stande sahen, veranlasste der Gläubiger Beyens den Verkauf der von Arnold-Dierick Schuyl als Sicherheit gestellten Güter. Beim öffentli- chen Verkauf der Herrschaft Walhorn, am 13. Juli 1665, ging dieselbe an den Herrn Gerard von Dieden Malatesta, der sie wieder mit der Herr- schaft Eynatten-Hauset verband. Da der Käufer die Kaufsumme nicht aufbringen konnte, sah er sich genötigt, einen größeren Kreditgeber zu suchen. Schon 1665 waren die Schuldner mit der Rückzahlung seit sechs Jah- ren in Verzug, während die Erben der Gläubiger, Charles Louis d’Ogier und dessen Bruder Henri-Herman-Eugene 1691 durch Urteilsspruch des Obersten Rates von Brabant den Verkauf der Bank Walhorn ver- anlassten. Am 19. September 1691 ging die Herrschaft Walhorn an die Brüder d’Ogier über. N PERS A. m NAQQ: VA SAY NE ZN 7 TEA SS % FOSDICH ; f \ Ran Y 5 | a a RZ N | fa AU N | 8 D ü < p % NG 7 DOOODUUY Den Übergang der Herrschaft Walhorn an die Familie Ogier dokumentiert auch ein Raerener Wappenkrug mit der Aufschrift „Domini Ogier von Walhorn“, dem Wappen Ogier und der Jahreszahl 1691. (Aus M. Kohnemann, Auflagen auf Raerener Steinzeug, S. 88)
12 Raeren oder Bouffioulx? Die Frage, ob der Wappenkrug der Ogier aus einer Raerener Töpfer- werkstatt stammt, wurde bislang nicht endgültig geklärt. Der Kanoniker Sewier in Maastricht, so schreibt Guy Poswyck in den „Delices du Duche de Limbourg“ (S. 389), scheint ein beträchtliches Vermögen besessen zu haben. Dazu gehörte der Raerener Hof Möris im Ortsteil Honien, unmittelbar vor der belgisch-deutschen Grenze ge- legen. = ned ar EEE EB A Na % EM ——— Ma N BEN EZ EI SZ SEES Roxy ESS] SEAL zu Zn TER IS ZZ A RA a SI 2 BES A - HUN SEE a Oz EN 2 SB S a SE ARE N SS 5° WW va ES Ni EEE SE tn z1 A N ni ar] A 3 Se SB. I 2823 3540 Aa Ss mE EEE A UL EN a We ZZ MA art ET N NE HN sa sn Zn FRI NELAEE AD ESSEN Stra En Ba SD EB CE EEE ED FA DD a EFT En BE SEITE FEST EEE aa ET EEE EEE A Das Haus Möris, auch Meurisse geschrieben, (Zeichnung von Guy Poswyck)
13 Diesen Hof hinterließ Sewier seiner Nichte Elisabeth, der Tochter seines Bruders Hermann Sewier. Diese Nichte heiratete Michel von Ogier, unter Fürstbischof Maxi- milian Heinrich von Bayern Arzt und Ratgeber am fürstbischöflichen Hof in Lüttich. Die Eheleute Michel Ogier und Elisabeth Sewier hatten zwei Söhne und zwei Töchter. Da die Söhne ohne Nachkommen starben, ging das Haus Möris an die beiden Töchter Marie-Dieudonnee und Isabelle von Ogier, von denen die Erstgenannte Walter von Liverlo und die Zweite Louis de Thier geheiratet hatte. Beide waren Altbürgermeister von Lüt- tich und nannten sich (durch Heirat) „Herren von Walhorn“‘. 1770 ist Möris im Besitz von Francois Arnold de Thier, einem Enkel des Louis de Thier, und Barbe Isabelle Ogier. Genannter Francois Arnold ist Kanoniker an St. Lambertus in Lüt- tich, hinterlässt folglich keine Nachkommen, so dass Möris an seinen Neffen, den Sohn seiner Schwester Dieudonn6ee de Thier, übergeht. Dieser Neffe, Jean Baptiste Joseph de Harenne, wurde Rechtsanwalt, verließ Lüttich in der Zeit der Französischen Revolution und ließ sich in Raeren auf Möris nieder. 1807 wurde er Bürgermeister von Raeren. In dieser Funktion wurde von Harenne 1815 durch die Preußen bestätigt. Nach dem Tode des Jean Baptiste de Harenne kam der Raerener Be- sitz an den Sohn Amand Pierre Benoit Joseph von Harenne, der zuerst Bürgermeister von Raeren, dann von Eupen und schließlich Landrat wurde. Sein Grabstein ist auf dem Eupener Friedhof erhalten. Inzwischen war eine neue Zeit angebrochen. Ogier, und de Liverlo gehörten der Vergangenheit an. Dass diese Familien einst tonangebend in Lüttich waren und auch in der Bank Walhorn das Sagen hatten, woll- ten wir in vorstehenden Zeilen kurz in Erinnerung rufen. Nachtrag Walter von Liverlo und seine Ehefrau Marie d’Ogier heirateten in Lüttich am 22. November 1687. Es war die Blütezeit der Barockkunst und die Stadt an der Maas hatte in Jean Delcour einen international be- kannten Bildhauer. An diesen wendeten sich die Eheleute Liverlo 1696 und erteilten ihm den Auftrag, in der Klosterkirche der Sepulchrinerin- nen (genannt „von den guten Kindern“) ein Grabmal de Liverlo-Ogier zu errichten. Jean Delcour entledigte sich dieses Auftrags mit Bravour. Leider ist von dem Grabmal nur das Unterteil erhalten. Es stellt die Grablegung
14 Christi dar und trägt folgende Inschrift: Christo sepulto Waltherus de Liverlo et Maria d’Ogier coniuges posuere 1696“, d. h. „Dem ins Grab gelegten Christus! Walther von Liverlo und seine Ehegattin Maria von Ogier ließen (dieses Denkmal) 1696 errichten.“ Weiheinschriften auf Grabsteinen kannten schon die alten Römer. In der Renaissance trifft man sie auch häufig auf christlichen Grabmälern, z. B. „D.O.M.‘“ (Deo Optimo Maximo - dem gnädigsten und erhabens- ten Gott“.) Ursprünglich befand sich das Grabmal, wie gesagt, in der Kloster- kirche der Sepulchrinerinnen. Diese Kirche wurde 1795 in den Revo- lutionswirren geschlossen und fiel im frühen 19. Jh. einem Brand zum Opfer. # Auch das inzwischen verloren gegangene Oberteil trug eine Weihein- schrift, und zwar: „Christo resurgenti resurrectionem exspectantes Wal- therus de Liverlo et Maria d’Ogier coniuges dedicant consecrantque‘““, d. h. in der Erwartung der Auferstehung widmen und weihen die Eheleute Walter von Liverlo und Maria von Ogier dem auferstandenen Christus (dieses Grabmal‘). Das Mäzenatentum der Liverlo ist geradezu sprichwörtlich geblieben und in Lüttich wird es in einem Atemzuge mit der Wohltätigkeit der Familie Surlet de Chockier und der Magnifizenz (Prachtliebe, Freige- bigkeit) der Familie Curtius genannt. Ey Ü SS 4) za f a {Ib EEE TA V Ar = AA On 2 Bean il Ba >” a A ES Das Grabmal Liverlo-Ogier in der Kathedrale von Lüttich
15 (A rn Au ® a & > R "N Y 4 | N A M AA KA EA 45 Aa ? {4 | & an ® Ö WW we 8 BB A rn Se Jean Delcour, Liegender Christus des Grabmals Liverlo-Ogier, Detail EEE FACE, A ON SE RES OT Se EEE ZLTIEONN WE Sa N ’ x EEE, << FG \V N v BE BESTEN & A Fade Ze y EN DOES . Er AZ . X Fi _ a a “ MS \O 1 9 F GEM ICH id De RU <a Wappen Hauzeur-de Liverlo (Kirchenbank Raeren)
17 Aus Viktor Gielens Buch über die „Mutterpfarre und Hochbank Wal- horn“ wusste ich inzwischen, dass Johann Stephan Heyendal in Astenet das Schloss Thor bewohnte und zu seiner Zeit Drossard der Bank Wal- hon gewesen war. n Han CAM EA . BT S MEN ES 13 7 AN f Dt 4 x 4 s E DE | f er $ ‚ Va 4 Das „stumpfe‘“ Kreuz im Walhorner Feld mit der Inschrift: «Stephanus Heiendal iuris consultus et ipse banni totius satrapa me posuit».
18 Ich konnte also davon ausgehen, dass Heyendal das fragliche Denk- mal 1737 auf ihm gehörendem Grund errichtet hatte. Doch niemand konnte mir verraten, wie und wann das Gelände mit dem Kreuz in den Besitz der Kerres gekommen war. Natürlich konnte auch niemand mir sagen, warum dieses Kreuz seinerzeit überhaupt errichtet worden war. Damit hatte sich mein Interesse für dieses Kreuz erst einmal erledigt. Dies änderte sich, als ich in den neunziger Jahren die Bekanntschaft des Ahnenforschers L&on Renardy aus Malmedy machte, der mir sei- nen beeindruckenden Stammbaum der Familie Renardy präsentierte, in dem auch meine Baelener Janclaes-Vorfahren eine Rolle spielten. Im Rahmen unseres Gedankenaustausches besichtigten wir auch mein El- ternhaus auf dem Walhorner Feld, wo die eingebauten Maueranker “J“ * = Janclaes und „K“ = Kerres sowie die Jahreszahl 1894 Auskunft über die Erbauer und die Bauvollendung gaben. Bei dieser Gelegenheit fiel der Blick von L&on Renardy auch auf das gegenüber befindliche von Drossard Heyendal errichtete Barockkreuz. Natürlich waren ihm die Heyendal ein Begriff und so war er erst recht daran interessiert zu erfahren, wie und wann der Übergang des Besitzes von Heyendal an die Familie Kerres stattgefunden haben könnte. Leider war ich zu dem Zeitpunkt noch nicht in der Lage, diese Frage zu beantworten. „Nun“, meinte L6on Renardy, „im Grunde gibt es ja nur zwei Mög- lichkeiten. Entweder haben die Kerres das Anwesen irgendwann von den Heyendal käuflich erworben oder sie sind durch Erbfolge in den Besitz gekommen. Die Antwort müsste also doch zu finden sein.“ Doch so einfach war die Suche letztlich dann doch nicht. Erst viele Jahre später verstand ich, welchen tiefen Einschnitt die Folgen des Wie- ner Kongresses für unsere Heimat bedeuteten. Die Jahrhunderte lange Geschichte des Herzogtums Limburg war zu Ende gegangen, jetzt ge- hörte unsere Heimat ungefragt zum Königreich Preußen. Jetzt bestimm- ten die Preußen, was geschichtlich für uns relevant zu sein hatte. Die Erinnerungen an die limburgische und Brüsseler Vergangenheit spielte im preußischen Geschichtsunterricht einfach keine Rolle mehr und so konnte es geschehen, dass wenige Jahre genügten, um im Bewusstsein der Menschen die über Jahrhunderte gewachsenen Verbindungen zu kappen. Dieser Bruch machte sich selbst bis in die Familien hinein be- merkbar.
19 MÜHSAME VERGANGENHEITSREKONSTRUKTION Im Jahre 1967 war ich Mitglied der Königlichen St. Stephanus-Schüt- zen von Walhorn geworden und hatte zwei Jahre später das Amt des Schriftführers übernommen. Zu meinen Aufgaben gehörte es auch, die Vereinschronik fortzuschreiben, denn irgendwann würde ja auch wie- der einmal ein Jubelfest zu organisieren sein. Mir wurden dazu die al- ten Protokoll- und Kassenbücher, seit der Gründung im Jahre 1810 (!), übergeben. Mehr war nicht vorhanden. Andererseits war mir an unserer Königskette eine Silberplakette mit der Jahreszahl 1706 aufgefallen und in dem im Jahr 1963 erschienenen Buch „Walhorn‘ von V. Gielen fand sich ein Hinweis auf einen Bank- vogelschuss des Jahres 1635, wobei Gielen anmerkt, dass die Tradition des Bankvogelschusses schon damals Jahrhunderte alt gewesen sein könnte. Außerdem berichtet Gielen ab dem Jahre 1721 von Streitereien zwischen den Schützen von Raeren, Neudorf und Kettenis einerseits und denen von Walhorn, Merols, Rabotrath und Astenet andererseits. Die Animositäten schwelen lange und münden im Jahre 1735 anläss- lich des Bankvogelschusses in eine große Schlägerei. Daraufhin wurde das Fest kurzerhand von Drossard Heyendal verboten. Heyendal be- schlagnahmte den zwei Pfund schweren Vogel „mit den drei penningen daran‘ und verwahrte ihn in seinem Haus (Schloss Thor) in Astenet. Als 1744 wieder einmal Krieg bevorstand, brachte Heyendal das Schüt- zensilber nebst anderen goldenen und silbernen Gegenständen seines Privatbesitzes nach Aachen in Sicherheit. Von dort aus gelangten die Pretiosen dann nach seinem Tode in den Besitz seiner Erben, die den Silbervogel dann den Schützen im Jahre 1810 wieder aushändigten. Unter Preußens Gloria begann nach dem Wiener Kongress eine neue Zeitrechnung und die stürmischen Ereignisse der Jahre 1706 bis 1735 spielten bald im Geschichtsbewusstsein der Menschen keine Rolle mehr. Sicher, für die Walhorner St. Stephanus-Schützen brach nun als lo- kale Schützengesellschaft ein neuer Geschichtsabschnitt an. Trotzdem waren nicht alle Verbindungen zur alten Bruderschaft der Bank Walhorn gekappt. Die neue lokale Schützengesellschaft durfte sich weiter mit der historischen Bank-Schützenkönigskette schmücken und übernahm auch den ihr im Jahre 1706 gegebenen Bezug auf St. Stephanus, den Schutzpatron der alten Mutterkirche. In jedem Falle waren die noch auftreibbaren Informationen aus der altlimburgischen Vergangenheit für mich als Schriftführer im Interesse
20 der Chronik Grund genug, nach den Quellen zu suchen, die dem Verein nicht mehr zur Verfügung standen, wohl aber im Pfarrarchiv zu finden sein mussten. Als das Jubelfest von 1986 immer näher rückte und ich hierzu eine möglichst umfassende Chronik der hiesigen Schützerei in Angriff neh- men wollte, bat ich den Küster Hubert Charlier, mir den Zugang zum Schrank des Pfarrarchivs im Pfarrhaus zu ermöglichen - was er freund- licherweise auch tat. Dort fand ich tatsächlich ein Bündel mit verschie- denen Teilnehmerlisten an den Bankvogelschüssen des 17. und begin- nenden 18. Jahrhunderts. Die so gewonnenen neuen Erkentnisse verarbeitete ich im Jahre 1984 in meinem Buch „Schützen in Ostbelgien“ und in der Vereinszeitschrift * von 1986. Als ich mich dann in Vorbereitung auf das Jubelfest von 2006 erneut daran machte, die alten Unterlagen zu studieren, fiel mir ins Auge, was mir bisher entgangen war. Dazu ist wichtig zu wissen, dass mittlerweile meine Eltern verstorben waren und ich von dieser Seite aus auf der Suche nach der Geschichte der KERRES war. Und so fiel mir diesmal auf, dass in den Teilnehmer- listen jener Zeit immer wieder auch der Name KERRES auftauchte. Allerdings in abweichenden Varianten wie KERIS, KERST, KERS oder KAIRS. Im Vergleich der Listen wurde aber schnell klar, dass es sich in allen Fällen um Mitglieder der gleichen Familie handelte. Die damali- gen Protokollführer hatten die Namen halt so niedergeschrieben, wie sie diese akustisch verstanden hatten. Während Stephan Kerres (* 1814 + 1897 ) der älteste bis dahin mir bekannte Kerres-Vorfahre war, konnte ich nun auf Kerres-Vorfahren verweisen, die hundert Jahre früher ihre Spuren hinterlassen und an- sehnliche Bauernhöfe bewirtschaftet hatten. Damit konnte ich meine Ahnentafel zwar immer noch nicht mit einem konkreten Kerres in Ver- bindung bringen, aber ich wusste nun, dass diese Kerres als Schützen- brüder zumindest lokal von gewisser Bedeutung gewesen sein mussten. Und sie waren Zeitgenossen von Drossard Heyendal. Also musste ich nach der möglichen Verbindung der Heyendal zu Kerres suchen. Bei Viktor Gielen konnte ich nachlesen, dass der mächtige und rei- che Drossard Johann Stephan Heyendal im Jahre 1740 unverheiratet und kinderlos das Zeitliche gesegnet hatte. Folglich stellte sich mir die Frage, wer ihn seinerzeit beerbte. Männliche Kandidaten waren nicht in Sicht, denn die hatten sich für den Priesterstand entschieden und lebten
20 im Kloster Rolduc. Gut möglich, dass sie mit Barbeträgen bedacht wor- den waren, aber als Erben der Liegenschaften traten sie nicht in Erschei- nung. Also nahm ich an, dass das Erbe an weibliche Familienmitglieder übergegangen war. Doch hier war die Suche deshalb recht schwierig, weil deren Spuren als verheiratete Frauen nicht so ohne weiteres zu erkennen waren. . Schließlich fand ich aber heraus, dass das Drossard-Heyendal-Erbe an die Nachkommen zweier Heyendal-Töchter fiel, die, soviel ich weiß, Tanten des Drossards gewesen waren und mit ihren Familien als Päch- ter die beiden fraglichen Güter bewirtschafteten. So dürfte die Familie Birven-Heyendal in Astenet auf Schloss Thor für die Landwirtschaft und die Getreidemühle verantwortlich gewesen sein. Neben der Landwirtschaft und der Getreidemühle erbte diese Familie auch das Schloss. Später ging dieser Besitz dann von Birven auf die Erben Lambertz über. Der vorletzte Besitzer, Friedrich Lambertz, verlor übrigens bei ei- nem schrecklichen Unfall im Jahre 1938 in der Mühle beide Arme. Die Mühle wurde daraufhin der Familie Heuschen und die Landwirtschaft der Familie Dautzenherg verpachtet. Gertrud Radermacher, die Gattin des verunglückten Eigentümers, eröffnete daraufhin ein Restaurant, welches später zu einem Hotel aus- gebaut wurde. Später übernahm dann mein Schulkamerad Emil Lambertz den Be- trieb. Weil aber seine Kinder kein Interesse mehr für das Anwesen zeigten, verkaufte Emil das Anwesen Mitte der neunziger Jahre. Als Romantik- Hotel-Restaurant bemühen sich die neuen Besitzer seitdem mit einer ausgezeichneten französischen Küche um das Wohl der Gäste. Pächter des Walhorner „Koetshofes‘“ mit seinen ausgedehnten Acker- flächen von Walhorn (Dorfzentrum) bis hoch zum Walhorner Feld war das Ehepaar Antonius Kerst (!) und Angela (Engel) Heyendal. Antonius Kerst, dessen Grabstein sich bis heute an der Südwand der Walhorner Pfarrkirche befindet, war 1646 geboren und hatte sich am 19. November 1661 mit der am 3. Juni 1644 geborenen Engel Heyendal vermählt. Leider verstarb Antonius Kerst bereits am 8. September 1670. Aber das Ehepaar hatte mit Philip Kerres, zu dem mir bisher leider keine Le- bensdaten bekannt sind, zumindest einen namentlich bekannten Erben.
22 Damit hatte ich aber endlich die bisher fehlende Verbindung Heyen- dal - Kerres gefunden. Engel Heyendal vermählte sich übrigens in zweiter Ehe mit Leon- hard Timmermann, bekam mit ihm auch mindestens einen Sohn namens Peter, der ein Vorfahre des Hauseter Journalisten Willy Timmermann gewesen sein dürfte. Da Engel Heyendal im Jahre 1739, also ein Jahr vor dem Drossard verstarb, kann sie nicht seine Erbin gewesen sein, wohl aber ihr Sohn Philip Kerres. Mit Sicherheit aber ihr Enkel Maxenti Kerres, der am 27. März 1715 geboren wurde und sich am 19. August 1750 mit Maria- Katharina Emonts-Driesch vermählte. Sein Erbe wurde später der am 27. November 1758 geborene Matthias Wilhelm Kerres, der die am 5. Februar 1760 geborene Maria Magdalena Fraipont heiratete. Sein Erbe war Arnold Kerres, der am 25. August 1778 geboren wurde und am 24. März 1836 verstarb. Er war verheiratet mit der 1779 geborenen Margaretha Janssen, die im Jahre 1847 verstarb. Nachdem sich mir die Verbindung von Engel Heyendal mit Anton Kerst eröffnet hatte, war ich über die Angaben der Heyendal-Genealo- gie nunmehr in die Lage versetzt worden, jene vier fehlenden Besitzer- Generationen zu rekonstruieren, die mich bisher von dem bereits be- kannten Vorfahren Johann Stephan Kerres und seiner Gattin Philipine Catherine Du Bois de Luchet trennten. Noch ein Wort zum kaum noch bekannten, aber in alten Unterlagen erwähnten „Koetshof*. Dieses Gebäude befand sich gegenüber der süd- lichen Kirchenfassade zwischen dem so genannten Königshof der Fa- milie Louvens (später Vaessen) und dem historischen „Wijnhuis Lim- burger Hof“ der Familie Stickelmann, später Nyns. Irgendwann, Ende des 18. oder Anfang des 19. Jahrhunderts, ersetz- ten die Kerres das Haupthaus durch ein neues repräsentatives Gebäude. Von den Nebengebäuden des Koetshofes blieb nur eine Scheune erhal- ten, deren vermauerte Fenster noch heute erkennbar sind. Machtarroganz Wie ich eingangs bereits darlegte, habe ich für das fragliche barocke Steinkreuz die Bezeichnung „Sühnekreuz‘“ gewählt, weil ich fand, dass der Drossard hierzu seine Gründe gehabt haben dürfte. Was konnte ihn veranlasst haben, auf dem damals noch unbebauten Walhorner Feld, an der Grenze zu Kettenis ein so aufwendig gestaltetes Monument zu errichten? Wohl wissend, dass ich die folgenden Erklä- rungen ‚nicht unbedingt beweisen kann, bin ich dennoch davon über-
23 zeugt, dass die Ereignisse von 1706 bis 1737, alles in allem, genügend Anlass zur Sühne geboten haben dürften. Bekannt ist, dass Walhorn 1635 von der Pest heimgesucht wurde, die vielen Menschen den Tod brachte. Auf dem bekannten Walhorn- Gemälde von Valentin Klotz, welches (im Auftrage der Heyendal?) zu jener Zeit geschaffen wurde und sich heute im Göhltalmuseum befindet, kann man im Hintergrund, also im Hornbachtal nördlich der Kirche, zahlreiche Gebäude erkennen, von denen heute keine Spuren mehr er- kennbar sind. Das wegen des fruchtbaren Bodens im Gegensatz zu Raeren oder Kettenis nur mäßig mit Ackerern bewohnte Dorf muss als Folge von Pest und Krieg ziemlich entvölkert gewesen sein. Als Konsequenz war die vor Ort residierende Bankverwaltung bald hoch verschuldet. Die Auflegung eines Wirtschaftsförderungsprogrammes muss also das Gebot der Stunde gewesen sein. Vor allem wurden tatkräftige Neu- siedler gebraucht, die die Felder wieder zum Blühen und Gedeihen füh- ren sollten. Angeblich sollen so auch die Kerres, ein Vater mit sechs kräftigen Söhnen, auf Anregung der österreichischen Habsburger, von Österreich kommend, hier eingewandert sein, um sich der Aufgabe der Rekultivie- rung anzunehmen. Sicher, unsere Heimat gehörte zu jener Zeit noch zum Königreich der spanischen Habsburger, aber ich könnte mir vorstellen, dass die Öster- reicher von ihren spanischen Verwandten auf den hiesigen Siedlerbe- darf aufmerksam gemacht worden sind. Wie auch immer, fest steht, dass es Ende des 17. Jahrhunderts mit Walhorn wieder aufwärts ging. Dies dürfte vor allem auch dem schwer- reichen Johann Arnold van Dieden-Malatesta zu verdanken gewesen sein, der von 1682 bis 1690 und von 1702 bis zu seinem Tode im Jahre 1716 das Amt des Drossards bekleidete. Er tat alles, um Walhorns Stel- lung innerhalb der Bank aufzuwerten. Seine Initiative dürfte auch zur Umbenennung der Bankschützen geführt haben. In einer Urkunde vom 30. November 1441 werden sie als Nutznießer eines Pachtzinses unter der ursprünglichen Bezeichnung „Bruderschaft zu Walhorn van onser lieven vrouwen end sinter Clais“ erwähnt. Allgemein hatte sich aber längst der Begriff „Schütten van Walhorn“ eingebürgert.
24 Die Tatsache, dass die Schützen der Bank im Jahre 1706 nach Ste- phanus, dem Schutzpatron der hiesigen „Mutterpfarrkirche‘“ umbenannt wurden, macht deutlich, wie sehr den Verantwortlichen an der Aufwer- tung Walhorns gelegen war. Darüber, wie dies in den Quartieren Raeren, Neudorf und Kettenis aufgenommen wurde, darf man sich so seine Gedanken machen. Im Jahre 1711 bekam Walhorn mit Heinrich Henuse einen neuen Pfarrer. Eine gute Entscheidung war das nicht, denn der in Wonck bei Vise geborene Priester war offenbar unfähig, sich in der Sprache der ihm anvertrauten Pfarre verständlich zu machen. Seine in flämischer Sprache gehaltenen Predigten wurden von den Kirchgängern nicht verstanden. Entsprechend dürfte sich seine Beliebtheit in Grenzen ge- halten haben. Nach dem Tode von Drossard Johann Arnold van Dieden-Malatesta bekleidete Josse Reinhard Wilhelm Reul von 1716 bis 1722 das Amt des Drossards. Von ihm erfahren wir nur insofern etwas, dass auffälli- gerweise kaum etwas von ihm überliefert wurde. Dabei kam es in seiner Amtszeit zu einigen Merkwürdigkeiten und ich frage mich, ob nicht sein Nachfolger, Drossard Johann Stephan Heyendal, ab 1722 hier korrigierend eingegriffen hat. Was war passiert ? Im Jahre 1717 war der Schultheiß Heinrich Hagen (Haghen) Schüt- zenkönig der Bank geworden. Gut, als Gerichtsvollzieher dürfte er nicht zu den Symphathieträgern der Region gehört haben. Aber Schützenkö- nig ist nun mal Schützenkönig. Als Heinrich Hagen auch im Folgejahr 1718 den Vogel von der Stange holte, wird dies noch kein Problem dar- gestellt haben. Trotzdem wurden im Hintergrund ab jetzt offenbar eifrig Fäden gesponnen. Denn, wenn Heinrich Hagen der „Goldene Schuss“ noch einmal gelingen sollte, hätten die Bankschützen einen „Kaiser“ vorweisen können. Nicht unerheblich war, dass sein Vater Johann Hagen nicht nur Schultheiß der Bank, sondern auch mit Anna Catherina Heyendal verheiratet war, einer Tante des Johann Stephan Heyendal. Die Ha- gen gehörten also zur Familie der Heyendal. Und die Heyendal hatten, was Walhorn betraf, höchst ehrgeizige Ziele. Eine gewisse Rolle dürfte auch immer noch die Umbenennung der Bankschützen gespielt haben, die ja erst elf Jahre zurück lag. Die Mög- lichkeit, die St. Stephanus-Bankschützen mit einem „Kaiser“ aufzuwer- ten, dürfte ziemlich verlockend gewesen sein.
25 Und so wurde dann das Projekt „Schützenkaiser‘“ von den Verant- wortlichen klammheimlich, aber zielstrebig, in Angriff genommen. Dazu muss man wissen, dass der silberne Königsvogel vom Prin- zip her ein Wanderpreis ist, der in den Besitz des glücklichen Schützen übergeht, wenn dieser ihn dreimal in Folge errungen hat... Der entscheidende Bankvogelschuss von 1719 war für den 21. Mai angesetzt und es kam, wie es kommen sollte. Heinrich Hagen schoss zum dritten Mal in Folge den Vogel von der Stange, war nun Schützen- kaiser und durfte den bisherigen Silbervogel jetzt sein Eigen nennen. Wie sicher sich die Verantwortlichen ihrer Sache waren, belegt die Tatsache, dass der Schießstand im Vorfeld umfassend erneuert worden war. Mit Datum vom 13. Mai 1719 wurden den vereidigten Finanzbe- amten dieser Bank Kosten in Höhe von 85 Gulden und 2 Stüber für Holzwerk, Eisenwerk, neue Vogelstange und Unterstand in Rechnung gestellt. Mit Schreiben vom 3. Juni 1719 (13 Tage nach dem Vogelschuss) schlüsselte der Gerichtsschreiber Heinrich Heyendal diese Kosten wie folgt für die einzelnen Quartiere der Bank auf: Walhorn........ : 7 Gulden, 4 Stüber, 2 Schilling Merols.......... : 3 Gulden, 15 Stüber, 2 Schilling Rabotrath...... : 1 Gulden, 17 Stüber, 2 Schilling Kettenis......... : 12 Gulden, 12 Stüber, 3 Schilling Astenet.......... : 5 Gulden, 0 Stüber, 3 Schilling Hergenrath.....: 3 Gulden, 10 Stüber, 3 Schilling Eynatten........ : 12 Gulden, 14 Stüber, 2 Schilling Hauset........... : 6 Gulden, 0 Stüber, 3 Schilling Raeren........... : 15 Gulden, 18 Stüber, 0 Schilling Neudorf......... : 12 Gulden, 2 Stüber, 0 Schilling Es ist wohl nicht davon auszugehen, dass diese Kosten groß kritisiert worden sind, denn schließlich stand den Bankschützen nun auch eine verbesserte Infrastruktur zur Verfügung. Doch es gab noch eine andere Abrechnung, nämlich die anteilige Kostenberechnung für die Anschaffung des neuen silbernen Königsvo- gels. Zwar fehlt uns eine ähnliche Aufschlüsselung wie oben, aber dem Rechnungsbuch des Collectors (Einnehmers) Smits (oder Smets) des Quartiers Kettenis kann man entnehmen, dass sich Kettenis mit 11 Gul- den und 17 Stüber an den Gesamtkosten von 20 Pattacons zu beteiligen hatte. Hervorzuheben ist, dass der Ketteniser Collector diese Information bereits am 8. Mai 1719 in seinem Rechnungsbuch notieren konnte. Also
26 ganze 12 Tage vor dem entscheidenden Vogelschuss vom 21. Mai! Da- mit ist eindeutig nachgewiesen, dass die Kaiserwürde von Heinrich Ha- gen im Vorfeld manipuliert war. Dies konnte natürlich nicht verborgen bleiben. Entsprechend gnaden- los dürften die Kritiken vor allem von Ketteniser Seite gewesen sein. Doch die Autoren dieser Machenschaften hatten vorgesorgt. Nur fünf Tage nach dem denkwürdig manipulierten Vogelschuss prä- sentierten sie ihren Schützen ein neues (?) Regelwerk zum zukünftigen Prozedere des Vogelschusses. Gegen die einzelnen Paragraphen ist im Prinzip nichts zu sagen. Auf- fällig sind jedoch die ganz konkreten Strafandrohungen bei Missach- tung der Vorgaben. Ü Die weitere Entwicklung kann man sich leicht vorstellen. Je intensiver eine Angelegenheit durch Paragraphen und Strafan- drohungen reguliert wird, desto mehr Gelegenheiten ergeben sich, zur Freude der Juristen, dagegen zu verstoßen und verklagt zu werden. Als die Schützen sich am 12. Mai 1720 auf dem Belvener Berg tra- fen, um den Schießstand für den bevorstehenden Vogelschuss zu rich- ten, erhitzten sich in Anwesenheit des Schützenkaisers Heinrich Hagen die Gemüter plötzlich an der Frage, ob es grundsätzlich dabei bleiben müsse, dass das Seelenamt mit dem neuen König wie bisher in der Mut- terkirche von Walhorn abgehalten werden müsse. Vor allem jene aus Raeren und Kettenis verlangten, dass das Seelenamt zukünftig in ihrer Kirche abzuhalten sei, wenn einer aus ihren Reihen die Königswürde erringen sollte. Dieser Disput macht deutlich, wie stark sich das Selbstbewusstsein der Filialdörfer zum Nachteil von Walhorn entwickelt hatte. Heinrich Hagen, obwohl Ketteniser, stellte sich eindeutig auf die Sei- te Walhorns. Noch am gleichen Nachmittag ersuchte er schriftlich den Drossard Reul, für den folgenden Tag, morgens um 8 Uhr, die Schützenmeister zur Klärung dieser Frage zu laden. Diese Versammlung findet auch statt und wie immer, wenn sich Ju- risten einmischen, kommt es zu einem faulen Kompromiss. Der Bank- vogelschuss findet 1720 nicht statt. Am 25. Mai 1721 traf man sich dann auf dem Belvener Berg zum nächsten Bankvogelschuss. Bevor man jedoch beginnen konnte, wurde zunächst die immer noch
2% offene Frage bezüglich des Veranstaltungsortes des Seelenamtes mit dem neuen König diskutiert. In einem Memorandum wurde schließlich festgehalten, dass für dieses Mal das Seelenamt in der Heimatpfarrkirche des neuen Königs stattfinden solle. Diese Entscheidung beinhalte jedoch keinen Rechtsan- spruch für die Zukunft. Franz-Michael Graf de Berghe de Trips von Schloss Merols wurde der neue König. Die Walhorn-Fraktion jubilierte und natürlich fand das Seelenamt am folgenden Tag in der Mutter-Pfarrkirche von Walhorn statt. Anschlie- Bßend der festliche Frühschoppen. Doch die Oppositionellen blieben der Veranstaltung fern und ver- stießen damit gegen das ihnen aufgezwungene Regelwerk. Das sollte Folgen haben. Noch während des Frühschoppens unterzeichneten die führenden Vertreter der Schützen auf der Grundlage des neuen Regelwerkes fol- gendes Strafprotokoll : „Zur Erinnerung (an) die jene, die Anno 1719 ihren Mitgliedsbeitrag der St. Stephanus-Bruderschalt & Anno 1721 weder den 25. Mai nicht erschienen sind, noch auf dem Seelenamt“. Sr. W. Emonts. Schützenmeister, Wilhelmus Wilt, Kettenis Fryn Fryns, Merols, Jan Kalf, Merols, Jan Jaegz, Raeren, Peeter Schoif, Raeren, Tonis Weerts, Merols, Willem Becker, Astenet und Ge- wirt Jaegz, Neudorf, erhielten eine Strafe von jeweils 5 Gulden. Diejenigen, die den 26. Mai ohne legitimen Grund oder Entschuldi- gung nicht zum Seelenamt erschienen sind, wurden mit einer Strafe von 2 Gulden und 10 Stüber belegt. Es waren: - aus Raeren: Laurent Crott, Hopert Hompisch und Arnold Smets, - aus Merols: Willem Mennicken Junior, Jan Mennicken und Lennert Keursgen So geschehen am 26. Mai 1721 „Aus welchen beschlossenen Strafen der oben genannte Capitain und die ihn begleitenden Schützen sollen bezahlt werden.....“ Unterzeichnende P.M. De Trips (König), H. Hagen (Capitain), Willem Hansen, E. Kan- nebecker, Lennaert Mennicken, Emont Croppenberg. Der unbeliebte, weil „konstruierte“ Kaiser, am Ende gar verhasster Schultheiß und Gerichtsvollzieher Heinrich Hagen, selber auch noch
28 Capitain der Schützen, machte sich nun auf den Weg, die beschlosse- nen Strafen einzutreiben. In seiner Tasche trug er aber nicht nur den oben zitierten Beschluss des Schützenvorstandes. Sollte dieser nämlich nichts fruchten, dann sollte es wirklich ernst werden. Hagen hatte noch einen Zettel in der Hinterhand. Dieser Zettel war nichts anderes, als ein hochoffizieller Befehl, datiert auf den 26. Mai 1721, demzufolge sich sträubende Schuldner am 20. Juni „op de Halle“ zu verantworten hatten. So ausgerüstet konnte Hagen aus einem Vergehen leicht eine Strafsache machen. Begleitet von je drei Schützen aus Raeren und Kettenis sowie einem aus Walhorn unter dem Kommando von Capitain Hausmann, machte sich Heinrich Hagen auf den Weg. | Leider wissen wir nicht, wie erfolgreich die Strafexpedition vom 26. Mai 1721 war, noch ist uns bekannt, ob es, wie angedroht, am 20. Juni 1721 auf der Halle zu einem Gerichtstermin kam. Aus den „Notices historiques‘“ von Guillaume Grondal erfahren wir : “_.. Heinrich Hagen, der Einnehmer von Walhorn, wurde am 11. Sep- tember 1721 ermordet.“ Das Verbrechen, verübt zwischen Eupen und Kettenis, „blieb von ei- nem tiefen Mysterium umhüllt...‘“ Zunächst fällt auf, dass Pfarrer Viktor Gielen dieses hochdramatische Ereignis mit keinem Wort erwähnt und sich offenbar auch sonst keiner die Mühe gemacht hat, diesen Mord aufzuklären. Ein Mysterium ist er aus heutiger Sicht meiner Meinung nach aber nicht mehr. Ich gehe wohl nicht fehl in der Annahme, dass der Mord vom 11. September mit der Strafexpedition vom 26. Mai und eventuell noch mit dem möglichen Gerichtsverfahren vom 20. Juni in Verbindung zu brin- gen ist. Natürlich rechtfertigten die verhängten Strafen keinen Mord. Wenn jedoch Wut über die Höhe der Strafe oder deren als ungerecht empfundene Konsequenzen ins Spiel kommen, senkt sich die Hemm- schwelle für eine solche Tat. Wenn sich der Hass dann noch auf eine bestimmte Person fokussiert, dann kann es durchaus kritisch werden. In den Augen der Oppositionellen war Hagen in Zusammenhang mit seiner konstruierten Kaiserwürde ein Betrüger und schlimmer noch, ein Verräter an den Interessen von Kettenis. Werfen wir noch einmal einen Blick auf die Namenliste der zu sank- tionierenden Personen. Meiner Meinung nach hatten die sechs Kame- raden der zweiten Gruppe wegen der verhältnismäßig geringen Strafe
29 kaum Veranlassung, Hagen nach dem Leben zu trachten. Anders die neun Kameraden der ersten Gruppe, denn von ihnen wurde mehr als das Dop- pelte verlangt. Jeder von ihnen hätte der Mörder sein können: doch nur einer stammte, wie der Ermordete, aus Kettenis; nämlich Wilhelmus Wilt. Doch warum wurde der Mörder damals nicht gefunden ? Gut möglich, dass die Bankoberen den gleichen Verdacht hatten, doch wie sollten sie ihn beweisen? Und was hätte gedroht, wenn man den Täter hätte überführen können? Sie hätten ihn am Galgen auf dem Johberg richten müssen. Dies hätte mit Sicherheit eine Revolution und viele weitere Opfer bedeutet. Nein, der Mörder durfte einfach nicht ge- funden werden! Ein neuer Drossard Auffällig ist, wie sang- und klanglos der Drossard Jobst Reinhard Wilhelm Reul (1716 -1722) durch den Drossard Johann Stephan Heyen- dal (1722-1740) ersetzt wurde. Über die Hintergründe, warum Reul sei- nen Stuhl räumen musste, erfahren wir nichts, weder bei Grondal noch bei Gielen. Unmittelbar nach seiner Ernennung zum Drossard dürfte sich Johann Stephan Heyendal gemeinsam mit Pfarrer Heinrich Henuse in Rolduc mit dem Abt Nikolaus Heyendal hinsichtlich der einzuschlagenden Po- litik beraten haben. Zur Sprache dürfte auch die „vorläufige“ Regelung von 1721 gekom- men sein, derzufolge das Seelenamt der Schützen anlässlich der fei- erlichen Proklamation des neuen Königs auch in dessen Heimatkirche und nicht zwingend in der Mutter-Pfarrkirche von Walhorn stattfinden konnte. Zu guter Letzt wird man eingesehen haben, dass man diese Entschei- dung wohl nicht mehr rückgängig machen konnte. Und tatsächlich schreibt H. Hirtz am 13. Januar 1940 in der Beilage zur Zeitung „Eupener Land“, dass bis zum Jahre 1722 alle umliegen- den Dörfer zu selbständigen Pfarreien mit eigenen Pfarrkirchen erhoben worden waren‘. Doch vor Ort war man sich darin einig, dass Walhorn immer noch das Zentrum der gleichnamigen Bank war - und dies galt es nach außen sichtbar zu untermauern. Damals, irgendwann im Sommer 1722, muss dann die Entscheidung zur demonstrativen baulichen Vergrößerung der * Walhorner Pfarrkirche gefallen sein. '_ Eine Urkunde zur Pfarrerhebung liegt nur für Kettenis vor.
30 Mit dem Steinmaterial der niedergelegten Burgruine wurde die bishe- rige Kirche mit Lang- und Querhaus in den Jahren 1723 bis 1725 in eine doppelt so große dreischiffige Hallenkirche umgebaut. Ob dazu ein tatsächlicher Bedarf vorhanden war, darf bezweifelt werden, denn schließlich hatten sich die Filialdörfer im Laufe der Zeit eigene Kirchen errichtet, weil die Gläubigen nicht mehr bereit waren, bei jedem Wind und Wetter den Gottesdienst in Walhorn zu besuchen. Natürlich kostete das Vorhaben auch bares Geld und die Bauinitia- toren gingen wie selbstverständlich davon aus, dass die Lasten von der gesamten Bank getragen werden sollten. Jeder wird sich leicht vorstel- len können, wieviel böses Blut das selbstherrliche Vorgehen Walhorns vor allem in Raeren und Kettenis mit sich brachte. } Es kann daher nicht verwundern, dass der Bankvogelschuss von 1724 von Animositäten und gegenseitigen Verunglimpfungen getrübt wurde, wie man zwischen den Zeilen der entsprechenden Vogelschussprotokol- le herauslesen kann. Als Folge davon fand in den nächsten Jahren kein Bankvogelschuss mehr statt. Die demonstrative Vergrößerung der Walhorner Mutter-Pfarrkirche brachte meinen Erkenntnissen zufolge dennoch nicht den gewünschten Effekt. Im Gegenteil. Die Tatsache, dass der am 13. Juni 1728 gewählte Pfarrer Tilmann Ganser von Raeren z.B. bereits am 25. August die Bruderschaft vom Hl. Sebastianus gründete, mag dies unterstreichen. Drossard Heyendal und Pfarrer Henuse mussten hilflos zusehen, wie sich in Raeren eine unabhängige lokale Schützenbruderschaft um die eigene Pfarrkirche scharte. Sieben Jahre lang schweigen die Unterlagen des Pfarrarchivs. Für das Jahr 1735 macht Viktor Gielen in seinem Walhorn-Buch fol- gende Feststellung: „... Im Jahre 1735 endete das Bankvogelschießen mit einer großen Schlägerei, worauf das Fest vom damaligen Drossard Heyendal kurzerhand verboten wurde.“ Diese Feststellung kann meiner Meinung nach nur zum Teil stim- men, denn wir wissen ja, dass der letzte Bankvogelschuss im Jahre 1724 stattfand. Es scheint mir deshalb unwahrscheinlich, dass 11 Jahre später noch einmal zu einem Bankvogelschuss geladen worden sein soll. In den Unterlagen fanden sich jedenfalls keine Spuren und auch Gielens Aussage ist mehr als dürftig. Deutlich ergiebiger sind da die Aussagen des bereits zitierten Autors H. Hirtz in der Beilage zur Zeitung „Eupener Land“ vom 13. Januar 1940.
31 Hirtz führt aus, dass im Jahre 1705 mit Erlaubnis der Landesbehör- den die Wälder der Bank Walhorn unter die einzelnen Dörfern der Bank aufgeteilt wurden, was natürlich eine Schwächung der Walhorner Vor- machtstellung zur Folge hatte. Anmerkung: Die alteingesessenen Familien Schuyl, Heyendal und Hagen kontern 1706 mit der juristisch fragwürdigen Umbenennung der historischen Bankbruderschaft. Anmerkung: Der Drossard Johann Stephan Heyendal, der Abt Nikolaus Heyendal und der wegen seiner mangelhaften hiesigen Sprachkenntnisse unbe- liebte Pfarrer Heinrich Henuse kontern mit dem Willkürakt eines über- dimensionierten Kirchenumbaues. H. Hirtz führt aus, dass die Bankverwaltung seit dem Jahre 1730 mit Kettenis in gerichtlichem Streit liegt, weil sich die Ketteniser in der Forstverwaltung nicht an die alten Bestimmungen halten wollten. Anmerkung: Nach dem Motto: ‚, Walhorn gegen den Rest der Welt“ kämpfen der Drossard und die Bankverwaltung unter Missachtung der 1705 von den Landesbehörden erlassenen Vorgaben um überlebte Rechte und Privi- legien, ohne zu erkennen, dass sich die Rahmenbedingungen längst zu ihren Ungunsten verändert haben. H. Hirtz führt weiter aus, dass die Ketteniser im Jahre 1735 einen langen Prozess, bei dem es um die Finanzierung der neuen Straße von Eupen über Kettenis nach Aachen ging, gegenüber allen anderen Orten der Bank gewinnen. Einige der Dörfer sehen sich sogar gezwungen, die Ketteniser um Ausstand der Zahlungen zu bitten. Anmerkung: Neue Zeiten benötigen neue, moderne Verkehrswege. Diese neue Straße würde heute niemand mehr missen wollen, doch damals verwei- gerten die angrenzenden Dörfer eine angemessene finanzielle Beteili- gung. Viele Orte der Bank stehen plötzlich bei den Kettenisern in der Schuld. Kein Wunder, dass innerhalb der Bank Walhorn die Zeichen auf Sturm stehen. Für große Streitigkeiten gab es eigentlich seit dem Jahre 1706 genü- gend Gründe, doch keiner der Heimatkundler konnte uns bisher über- zeugend sagen, wann und wo es angeblich zu der großen Schlägerei gekommen sein könnte.
32 So wie Gielen die große Schlägerei mit den Schützen in Verbindung brachte, kann es wohl kaum gewesen sein. Ich halte sogar selbst das angebliche Verbot des Bankvogelschusses durch Drossard Heyendal deshalb für wenig wahrscheinlich, weil ich hierzu keinen schriftlichen Nachweis finden konnte. H. Hirtz hat meiner Meinung nach überzeugend den Autoritätsverlust der Bankverwaltung ab 1706 geschildert. Bei den sich häufenden Zwis- tigkeiten und Animositäten könnte der jährliche Bankvogelschuss na- türlich die Plattform für Auseinandersetzungen deshalb geboten haben, weil es sich um die herausragende Veranstaltung im Jahresverlauf ge- handelt hat. Den Bankschützen jedoch die Schuld am Zusammenbruch der Einheit der Bank zu unterstellen, scheint mir ziemlich abwegig zu sein. Wieso Gielen das Ende des Bankvogelschusses mit einer großen Schlägerei im Jahre 1735 in Verbindung brachte, wissen wir in Wirk- lichkeit bis heute nicht. Unsere Vereinsvorfahren vermuteten in ihrer Jubelfestschrift aus dem Jahre 1956, dass es die Schlägerei vielmehr 1721 oder 1722 in Zusam- menhang mit dem Mord an Heinrich Hagen gegeben haben könnte. Wenn dem so war, zog dies aber weder das Verbot des Bankvogel- schusses noch die Beschlagnahme des Königssilbers nach sich, denn im Jahre 1723 errang Peter Mencken ja noch die Königswürde. Nachweisbar für das Jahr 1724 ist außerdem der Schützenkönig M. W. Lamberts. Nachgewiesen ist auch der Versuch im Jahre 1725, noch einen Bankvogelschuss zu veranstalten, der dann aber leider ins Wasser fiel. Danach hat es allerdings keinen weiteren Versuch mehr gegeben. Demnach fand der letzte Bankvogelschuss im Jahre 1724 statt. Infolgedessen teile ich die Meinung von H. Hirtz, wenn er feststellt: „... Der Drossard Heyendal mochte erkennen, dass das Fest ein über- lebter und praktisch fast wertloser Brauch ( geworden ) war...‘ Also nahm Heyendal das Königssilber, vielleicht in Erwartung bes- serer Zeiten, in Verwahrung. An der juristischen Daseinsberechtigung der Bankschützen änderte diese Entwicklung bis zum Ende des “Alten Regimes“ jedoch nichts. Noch ein Mord ! Wir schreiben das Jahr 1737. Pfarrer Heinrich Henuse hat im Vorjahr sein silbernes Dienstjubilä- um feiern können.
33 Dass dies angesichts der Vorkommnisse und der angespannten Lage nicht sonderlich feierlich ausgefallen sein kann, lässt sich denken. Zwar hatte er sicher immer nur das Beste für Walhorn im Auge ge- habt, doch gut gemeint, ist bekanntlich nicht immer auch gut getan. Jetzt, wo er das Alter zu spüren begann, entschloss er sich, die von seinem Vorgänger geerbte „alte Pastorat‘““ mit angeschlossener Land- wirtschaft zu verkaufen, um mit dem Erlös das im Jahre 1672 durch Brand zerstörte eigentliche Pfarrhaus vergrößert wieder aufzubauen. Den Verkaufserlös verwahrte er derweil noch in seinem bisherigen Wohnhaus, das er gemeinsam mit seinem Kaplan Charlier sowie einem Knecht und einer Magd bewohnte. Im Juli 1737 wohnten auch noch eine Nichte und ein Neffe bei ihm - und auf dem Speicher waren die so- eben verpflichteten Bauhandwerker untergebracht. Insgesamt, so wird überliefert, etwa 15 Personen. Umso erstaunlicher ist, dass keiner den Einbruch bemerkte, der sich in der Nacht vom 3. auf den 4. August 1737 ereignete. Am nächsten Morgen musste Pfarrer Henuse jedenfalls den Verlust seiner gesamten Barschaft feststellen. Dies konnte nur das Werk der berüchtigten „Bockreiter-Ausgabee‘“ gewesen sein, die in jener Zeit be- reits die Kirchen von Baesweiler, Eigelshoven, Merkstein, Amstenrath. Klimmen, Hoensbroeck, Schasberg, Brunsum und Meeuwen, sowie das Rekollektinnenkloster auf dem Eupener Heidberg und die Pfarrhäuser von Afden, Marienberg und Schaesberg heimgesucht hatte. Die Ausgabee war also offenbar auf die Beraubung kirchlicher Einrichtungen spezia- lisiert. Dass Henuse ausgerechnet zu einem Zeitpunkt beraubt wurde, als er einen besonders hohen Geldbetrag aufbewahrte, könnte man deshalb noch als bösen Zufall abtun. Dass die Räuber aber so geräuschlos vor- gehen konnten, dass ihr Tun angeblich von niemandem bemerkt wurde, lässt mich vermuten, dass die Räuber bestens über die Örtlichkeiten und über das Versteck des Geldes informiert waren. Ich frage mich deshalb, ob Henuse nicht das Opfer eines Verrates aus dem eigenen Umfeld geworden ist - denn sonderlich beliebt war der Priester ja bekanntlich nicht. Doch Pfarrer Henuse war nicht bereit, den Räubern ihre Beute so einfach zu überlassen. Unverständlich ist nur, weshalb er die Schützen nicht alarmierte. und um Unterstützung bat. Könnte dies eventuell da- rauf hinweisen, wie schwer das Verhältnis des Pfarrers zu den Bank- schützen belastet war?
34 Von dem Raub und den folgenden Ereignissen erfahren wir sowieso nur etwas aus den Aufzeichnungen seines Nachfolgers. Dieser notierte später die Ereignisse in der Pfarrchronik, woraus Vik- tor Gielen in seinem Buch „Walhorn“ wie folgt zitierte : Der Pfarrer machte sich leichtsinnigerweise nur mit seinen eigenen Leuten auf die Verfolgung der Ausgabee und landete schließlich in Meche- len bei Wittem. Beim dortigen Pfarrer verbringt er mit seinem Knecht Jan Palmers die Nacht, um sich am nächsten Morgen trotz der eindringlichen War- nungen seines Wittemer Amtsbruders auf den Weg „in die Höhle der Löwen“ zu machen. Das weitläufige Mergelhöhlen-Labyrinth der Gegend bot der Ausgabee‘ ein hervorragendes Versteck, welches über Tag nur von einer kleinen Wache beaufsichtigt wurde, die sich schlafend stellte, als der Pfarrer und Jan Palmers sich näherten. Diese Expedition endete für beide höchst dramatisch. Beim Zusammentreffen mit den Räubern wird Henuse von einer Ge- wehrkugel tödlich getroffen, sein Knecht schwer verletzt. Gutgesinnte Frauen der Gegend bargen den Leichnam des Priesters und versorgten den blutenden Knecht. Der Pfarrer von Mechelen ließ die schreckliche Nachricht per Bo- ten den Walhornern überbringen. Am 7. August holten diese dann den Leichnam in Mechelen ab und beerdigten ihn am 8. August 1737 unmit- telbar vor den Stufen des Hauptaltares. Für Jan Palmers sollte es noch einige Monate dauern, bis er soweit transportfähig war, dass die Mechelner ihn, auf einem Karren liegend, zurück nach Walhorn bringen konnten. Seine Beine und Füße blieben zwar gelähmt, aber er lebte von seiner Hände Arbeit noch bis zum 20. Februar 1753. Wenn man die Ereignisse von 1706 bis 1737 im Zusammenhang be- trachtet, wird deutlich, wie verbissen die Verantwortlichen ihre Ziele zur Aufwertung Walhorns unter Missachtung der Empfindlichkeiten der Menschen in den Filialdörfern, hier vor allem in Raeren und Kettenis. verfolgt haben. Man wollte einfach nicht wahrhaben. dass sich das alte Gesellschafts- system überlebt hatte und sich allmählich dem Ende näherte, was sich einige Jahrzehnte später mit dem Ausbruch der Französischen Revolu- tion und dem Untergang des Feudalsystems manifestierte.
85 Ich denke, dass Johann Stephan Heyendal am Ende seines Lebens, drei Jahre vor seinem Tod, zu Einsichten gekommen ist, die ihn dazu veranlassten, im Jahre 1737 das von mir als „Sühnekreuz“ bezeichnete Monument auf dem Walhorner Feld zu errichten. Zwei Jahre später leg- te er das Amt als Drossard der Bank Walhorn nieder. Ihm folgte von 1739 bis 1750 der auf Schloss Crapoel wohnende Leonard Joseph Poswik. Dann, von 1751 bis 1780, der Arzt Johann Lambert Rasquin von Schloss Weims und von 1780 bis 1794 Matthias Joseph Thimus. Er war der letzte Drossard der Hochbank Walhorn. Wie das Heyendal- Kreuz stumpf wurde Anlässlich der letzten Restaurierung durch die Gemeinde Lontzen er- schien am 7. März 2002 im Grenz-Echo ein Beitrag von Leo Kever, der darauf hinwies, dass dieses Denkmal einst deshalb „Stumpfes Kreuz“ genannt worden war, weil lange Zeit der obere Teil fehlte und der So- Cckel einsam und ohne Zweckbestimmung in der Landschaft stand. Doch nähere Einzelheiten konnte Leo Kever mir auf meine Anfrage hin nicht berichten. Fündig wurde ich aber bei einer gründlichen Analyse der Aufzeich- nungen von Caspar Scheen, die ich im Jahre 2007 mit erklärenden Kom- mentaren versehen veröffentlichte. Obwohl diese Texte im Laufe des 20. Jahrhunderts bereits mehrfach, allerdings ohne gründliche Analyse, veröffentlicht worden waren und auch von verschiedenen Heimatkund- lern immer wieder zitiert wurden, hatten die Hinweise zum „Stumpfen Kreuz“ offenbar niemanden zu weiterreichenden Recherchen angeregt. So konnte es geschehen, dass die Information, der obere Teil sei von den französischen Revolutionstruppen vom Sockel gestoßen worden, bisher völlig unbeachtet geblieben war. Inzwischen kann ich hierzu Ross und Reiter nennen. Ich glaube sogar den Tag und die Stunde zu kennen, wo dies geschah. Um die Hintergründe dieser Tat besser zu verstehen, müssen wir kurz in die große Politik und Geschichte einsteigen. Den Anfang machte die Französische Revolution mit der Erstürmung der Bastille am 14. Juli 1789, die im weiteren Verlauf 1792 zum Ein- marsch der Truppen Österreichs und Preußens in Frankreich führte. Dies wiederum hatte eine Radikalisierung der französischen Bür- gerkriegstruppen zur Folge, was seinerseits am 10. August 1792 zur so genannten „Zweiten Revolution“ führte, in deren Verlauf die Truppen Österreichs und Preußens bis jenseits des Rheins zurückgedrängt wer- den konnten.
36 Dabei wurde Eupen am 17. Dezember 1792 gegen 15 Uhr kampflos von den französischen Revolutionstruppen eingenommen, was jedoch für unsere Heimat deshalb noch keine dramatischen Konsequenzen zur Folge hatte, weil zu diesem Zeitpunkt das Limburger Land zwar besetzt, aber noch nicht annektiert worden war. In Frankreich ging man härter zur Sache. Am 21. Januar 1793 richteten die Franzosen ihren König Louis XVI. mit dem Fallbeil. Dies führte dazu, dass nun England, Holland, Spanien, Neapel und das Deutsche Reich in den so genannten „Ersten Koaliti- onskrieg‘“ gegen Frankreich eintraten, in dessen Verlauf die Franzosen kurzzeitig wieder aus dem Limburger Land verdrängt wurden. Die Wut der Revolutionstruppen wurde so natürlich weiter angeheizt. Am 16. Oktober 1793 wurde dann auch Königin Marie-Antoinette, eine gebür- tige Habsburgerin, hingerichtet und am 7. November 1793 per Dekret des Konvents das Christentum abgeschafft und eine neue Zeitrechnung eingeführt. So angestachelt, gelang es den Franzosen sogar, die vereinigten Geg- ner zurückzudrängen. Am Samstag, dem 22. September 1794, mussten sich die letzten österreichischen Wachen aus Walhorn zurückziehen. Am Sonntag, dem 23. September 1794, erschien morgens um 8 Uhr eine erste, 200 Mann starke französische Vorhut (Picket) vor Ort. Am Montag, dem 24. und Dienstag, dem 25. September 1794 richtete sich eine französische Armee von 1600 Mann auf dem Walhorner Feld ein. Am Mittwoch, dem 26. September 1794, gab der kommandierende französische General Lef&vre gegen 10 Uhr „Grünes Licht“ für eine 24-stündige verheerende Verwüstung und Plünderung des Walhorner Landes. Die „aufgedrehten‘ französischen Landser stürmten nun bergab in Richtung Dorf. Als erstes erreichten sie das Heyendal-Kreuz, welches folglich am 26. September 1794 kurz nach 10 Uhr vormittags von den hasserfüllten französischen Soldaten umgestürzt wurde. Das damals noch völlig unbewohnte Walhorner Feld lag für damalige Verhältnisse ziemlich weit vom Ortskern entfernt. Es war Ende Sep- tember, die Ernte war längst eingebracht und bald dürfte der Schnee die Szenerie überdeckt haben. Abgesehen vielleicht von den damaligen Grundstückseigentümern, dem Ehepaar Arnold Kerres und Margarethe Jansen, werden die Wal- horner selber möglicherweise erst im folgenden Frühjahr die Verstüm- melung des Kreuzes bemerkt haben.
37 Das Oberteil befand sich nicht mehr auf seinem Sockel und lag dazu noch hinter der Hecke unter Gras und Gestrüpp versteckt. Aus den Au- gen, aus dem Sinn ! Heyendals Barockkreuz war also „stumpf“ geworden und so kann es nicht verwundern, dass die umgebende Flur in den 27 Jahren bis zur Restaurierung im Jahre 1821 von den Walhornern „am stumpfen Kreuz“ genannt wurde. Doch warum dauerte es über ein Vierteljahrhundert, bis dieses Denk- mal erstmals restauriert wurde? Nun, die Eigentümer werden sich an- gesichts der aufgeheizten und anhaltenden Präsenz der Franzosen mit guten Gründen gehütet haben, hier restaurierend einzugreifen. Auch als sich die politische Lage unter Napoleon soweit entspannt hatte, dass Pfarrer Klausener am 16. Mai 1802 erstmals wieder eine Messe in der Kirche feiern konnte, dürften sich meine Vorfahren noch längst nicht zum Handeln gedrängt gesehen haben. Und tatsächlich: bei Caspar Scheen können wir nachlesen, dass den Walhornern noch im Jahre 1813 beim endgültigen Rückzug der Franzo- sen quälende Lasten aufgebürdet worden waren. Zwar hatte man bereits um 1809 mit Restaurierungsarbeiten an und in der Pfarrkirche begon- nen, doch wer, außer den Eigentümern, sollte sich um diese Zeit um die Restaurierung des Kreuzes gekümmert haben? Doch dann, endlich, im Jahre 1821, wurde gehandelt. Der Eigentümer Arnold Kerres war 43 Jahre alt. Er hätte also moti- viert gewesen sein können, um die Restaurierung in Auftrag zu geben. Möglicherweise ist er hierzu vom damaligen Pfarrer Werner Maehren und/oder vom damaligen Bürgermeister Johann Wilhelm Van den Daele animiert und aufgefordert worden. Vielleicht hat Arnold Kerres aber auch darauf gewartet, bis der Bür- germeister bzw. die Gemeinde die Finanzierung der Beseitigung dieser „Kriegsschäden“ bei den Rechtsnachfolgern der Franzosen, der Preußi- schen Regierung, geltend gemacht hatten. Die Beantwortung dieser Frage könnte eventuell im Gemeinde- oder Staatsarchiv zu finden sein.
38 Ein alter Grenzstein am Hohnbach von Erwin Bruch Da unsere Gegend durch alte Grenzen durchzogen wird, die ihren Verlauf des Öfteren geändert haben, finden wir heute noch alte Grenz- steine als stumme Zeugen der wechselvollen Geschichte. Unter diesen Grenzsteinen erwähnt Albert Creutz in seinem letzten Werk (Gedenk- steine und Wegekreuze in Lontzen-Herbesthal-Walhorn, Helios Verlag, 2010) deren zwei, die wohl während der französischen Zeit aufgestellt worden sind. In diesem Beitrag soll ein dritter Grenzstein vorgestellt. werden. Zuerst aber einige Anmerkungen zu den beiden bereits erwähnten Grenzsteinen. Der erste Grenzstein befindet sich in Lontzen, in der Nähe des „Oberstenbusch-Hof“, Grünstraße 59. Der Grenzstein trägt auf einer Seite die Inschrift „6 HC“ für: Grenzstein Nr. 6 von Henri-Chapelle. Auf der anderen Seite ist nur noch „M“ für Montzen zu lesen. Die- ser Grenzstein kennzeichnet die alte Grenze zwischen Heistern, das zu Henri-Chapelle gehörte, und Grünstraße, das zu Montzen gehörte. Nach dem Wiener Kongress wurde die Grenze zwischen Preußen und den Vereinigten Niederlanden entlang der jetzigen Nationalstraße 3 ver- legt, und die Ortsteile Heistern und Grünstraße Lontzen zugeschlagen. Dieser Grenzstein muss folglich spätestens aus der französischen Zeit stammen. Der zweite Grenzstein ist leider verschollen. Er befand sich am Fuß des Schmalgraf-Kapellchens und trug auf einer Seite die Inschrift „L 3“, und auf der anderen „M 16“. Vor der französischen Zeit verlief wohl hier die Grenze zwischen den Quartieren Montzen und Moresnet der Bank Montzen. Solch eine Grenze wäre auch wohl kaum ein Grund für die Aufstellung eines Grenzsteines gewesen. Nach der französischen Zeit verlief hier die Grenzen zwischen Lontzen und Preußisch-Mores- net. Der Grenzstein kann also aus keiner dieser beiden Epochen sein. Er kann folglich nur aus der französischen Zeit sein, und die Grenze zwischen Lontzen und Montzen oder Moresnet kennzeichnen. Dies würde aber auch bedeuten, dass es in der französischen Zeit bereits zu einer ersten Anpassung der Grenze zwischen diesen beiden Gemeinden gekommen war, was dann wohl auch ein berechtigter Grund war, neue Grenzsteine aufzustellen.
41 CR A FON Dieser Grenzstein San CA OS steht am drei Gemein- x DE =) SP den-Eck Hergenrath ST — Lontzen — Moresnet m E 3 m während der französi- PA „schen Zeit. Davor liefen En . WR GP hier die Grenzen der kA . il Banken Walhorn und 5 De EEE Montzen mit der der E VE ie Herrlichkeit Lontzen zu- EL eS mi Zn Dh sammen. Danach wurde EL a Moresnet durch Preu- DE Fr Bisch-Moresnet ersetzt. / BE SA Dreikantensteine zur DD > Bezeichnung des Grenz- WE punktes für drei Gemein- EEE e den gehören zumeist der Bild 3 mit der Inschrift L 4 preußischen Zeit (nach NA 1815) an. Ein solcher Su WET AM Stein ist auch noch neben DA Lan ZT 5 dem so genannten „Ge- EEE EN nagelten Stein“ in Peter- £ 5 e. Sn Dan — gensfeld, am Grenzstein } ) SS ABM D-B 891, erhalten. Dort | e ist er den drei Gemein- \ U den R(aeren), W(alheim) } E MM und R(oetgen) zuge- _- ordnet. (S. dazu: Ma- xl renberg, G., Preußische 8 | Meilensteine im Aache- 4 ner Raum, Rheinische AS Heimatpflege Bd. 24, Se Nr. 1428: 267271): Ob 4 unser Dreikantenstein ud am Lontzener Bach der X el Franzosenzeit angehört, 7 NUM möchten wir als offene 3 Frage im Raum stehen BEN lassen. Bild 4 mit der Inschrift M 15
42 Die Inschrift „H 29“ befindet sich auf der Hergenrath zugewandten Seite. Da die von dieser Seite aus gesehene linke Kante des Steins abge- brochen ist, ist der Buchstabe „H“ nicht ganz erhalten. Die „29“ bedeu- tet wohl, dass dies der 29. Grenzstein von Hergenrath ist. Da die west- liche Grenze von Hergenrath durch den Hohnbach, die Göhl und den Tüljebach gebildet wird, werden die anderen 28 Grenzsteine entlang den anderen Grenzen der Gemeinde Hergenrath gestanden haben. Bei der Betrachtung des Grenzsteines fällt auch auf, dass die „H“ einerseits, und die „29“ andererseits, wohl durch zwei verschiedene Steinmetze eingemeißelt worden sind. Die Inschrift „L 4“ befindet sich auf der Lontzen zugewandten Seite. Entgegen den beiden anderen Seiten, erscheint die Lontzener Seite sehr‘ rau. Die „L‘ und die „4“ weisen keine deutlichen Unterschiede auf, wie auf der Seite für Hergenrath. Bedingt durch die Markierungen „L 3“ auf Schmalgraf und „L 4“ hier, und „M 15“ hier und „M 16“ auf Schmalgraf, wird wohl kein Grenz- stein zwischen diesen beiden Stellen gestanden haben. Da die Gren- ze zwischen diesen beiden Grenzsteinen größtenteils durch einen im Gelände eingeschnittenen Fußweg verläuft, war dies wohl auch nicht erforderlich. Die Inschrift „M 15“ befindet sich auf der Moresnet zugewandten Seite. Hier fällt auf, dass „M 1“ einerseits, und „5“ andererseits, wohl durch zwei verschiedene Steinmetze eingemeißelt worden sind. Der geschützten Lage verdankt dieser Grenzstein wohl, dass er erhal- ten geblieben ist.
43 Brigida, Antonius und andere volkstümliche Heilige von Alfred Bertha Unsere Vorfahren kannten für fast alle Krankheiten einen Heiligen, den sie um Hilfe bitten konnten. Das Spektrum reichte von den Kin- derkrankheiten wie Keuchhusten (St. Salmanus) und Krampfanfällen (St. Ghislain) bis zur Erfüllung des Kinderwunsches, Augenleiden (St. Odilia), Pest (St. Rochus) und Cholera. Auch die Krankheiten des Viehes versuchte man, durch Gebet und andere fromme Praktiken abzuwenden bzw. zu heilen. Angesichts der Rolle, die dem Milchvieh und dem Schwein in der Sicherstellung der täglichen Ernährung zukam, ist es nicht verwunderlich, dass die heilige Brigida und der hl. Antonius eine Spitzenstellung unter den Heiligen des ländlichen Raumes einnahmen. Von der Brigida-Verehrung zeugen nicht nur zahlreiche Statuen in den Kirchen, sondern auch dieser Heiligen geweihte Kapellen. Über die heilige Brigida besitzen wir praktisch kaum historisch ge- sicherte Fakten. Nach der christlichen Tradition soll sie in Irland ge- boren sein und um 450 in Kildara (bei Dublin) ein Kloster gegründet haben, wo sie sich mit landwirtschaftlichen Arbeiten beschäftigte und zahlreiche Wunder verrichtete. Durch Vorhalten eines Strohkreuzes soll sie einen Ungläubigen bekehrt haben; ein trockenes Brett trieb wieder aus, die Milch einer einzigen Kuh sowie die Butter vermehrten sich auf wundersame Weise... Das Biographisch-Bibliographische Kirchenlexikon von Friedrich Wilh. Bautz (Bd. I, Spalten 749-750) gibt als Lebensdaten von Brigi- da 453-523 an. Geboren wurde sie demnach in Fochart Muirthemne (Leinster); sie starb am 1.2.523. Mit 14 Jahren sei Brigida Nonne ge- worden und durch ungewöhnliche Frömmigkeit und Wohltätigkeit bald zu großem Ruf und Einfluss gelangt. Ihre erste Klostergründung war Kildare, ursprünglich ein keltisches Heiligtum, das mit Brigida zum Kloster wurde. Darauf folgten noch mehrere andere. Brigida wird als „Muttergottes in Irland“ (Maria Hibernorum) verehrt. Ihr Tag ist der 1. Februar. Einer Untersuchung eines Professors der Universität von Dublin zu- folge wäre die hl. Brigida nichts anderes als die in christlichem Ge-
44 wande daher kommende keltische Muttergöttin Briganti, Göttin der Fruchtbarkeit und Mutter aller Götter, an die noch einige Volksbräuche in Irland erinnern. In der Neujahrsnacht streift Brigida durch die Felder, segnet Getreidesaat und Kartoffeln sowie von den Frauen angebrach- te Stoffstreifen, die als Talismane vor Sterilität bei Mensch und Tier schützen und die Niederkunft erleichtern sollen. Halsbänder aus Binsen begünstigen die Milchproduktion beim Vieh und beschützen neu gebo- rene Lämmer. Strohkreuze erhöhen die Fruchtbarkeit bei Menschen und Pflanzen... Ale U u Ü ; a EA ZN A 7 SAD BE DE : 7 DEN Die hl. Brigida als Äbtissin (St. Pankratius, Konzen)
45 Der Name Birgit/Brigid ist indoeuropäischen Ursprungs und bedeu- tet „Hoheit“ oder „Erhabenheit‘. Die heidnische Göttin war die Schutz- patronin der Dichtenden, der Heilenden und der Schmiede. In der keltischen Mythologie besaß Birgit viele der Eigenschaften, die der „Magna Mater‘ der „Großen Mutter‘, zugeschrieben werden. Sie ist die Beschützerin der Familie und des Familienbesitzes. Dazu gehören Haus, Vieh und Ernte. Sie hat aber auch die Macht, dies alles zu vernichten! In der Form von Wasser (Flüssen, Bächen) hielt sie das Land fruchtbar. Ihr geweihte Quellen haben Heilkraft. Als Beschützerin der Familie stand sie den Frauen während der Geburt bei und beschützte die Kinder. Alljährlich regte Birgit nach der Starre des Winters die Natur wieder zu neuem Leben an... Irische Mönche brachten die Brigida-Verehrung schon im 7. Jh. nach Fosses-la-Ville (unweit Namür), wo sie auf einer Anhöhe eine erste Bri- gida-Kapelle errichteten und wo die Verehrung der irischen Heiligen bis in unsere Tage anhält. So strömen alljährlich am ersten Maisonntag die Pilger dorthin, umkreisen drei Mal die Kapelle und lassen mitgebrachte Haselnussruten segnen. Diese „Baguettes di Sinte Briye“ bringen sie zu Hause im Stall an, um krankes Vieh zu heilen bzw. Krankheiten vom Vieh fernzuhalten. Auch in anderen europäischen Ländern erfreut sich die hl. Brigida einer großen Verehrung, die von Schottland bis Portugal reicht. Im Heimatkalender des Kreises Euskirchen 2004 ist Gudrun No- sitschka der Verbreitung der Brigida-Verehrung in der Eifel nachge- gangen. Sie zeigt, dass der Brigida-Kult manchmal älter ist als die der Heiligen geweihten Kirchen und Betstätten. In der Allerheiligenlitanei des Münstereifeler Stiftes wird Brigida schon im 15. Jh. angerufen. In manchen Orten geht die Verehrung dieser Heiligen auf das Ende des Dreißigjährigen Krieges zurück (Blumenthal, Untermaubach), ander- wärts auf verheerende Viehseuchen gegen Ende des 19. Jahrhunderts, so z. B. in Holzem b. Effelsberg, wo eine Maternus-Kapelle bestand. Die Verehrung dieses Heiligen war allerdings so stark zurückgegangen, dass man 1897 eine neue Kapelle baute, die der hl. Brigida geweiht wurde. „Für Maternus bezahlte niemand mehr Messen“, so die Autorin. Wie die Brigida-Verehrung in die Eifel und an den Niederrhein ge- kommen ist, bleibt eine offene Frage. Ebenso wenig können wir eine Antwort darauf geben, wann die Verehrung der irischen Nonne mit der Kuh (bzw. dem Schaf) im Walhorner Land eingesetzt hat. In der Wal-
47 EEE KR A HIrS A) A Al 5 a“ BO SC a Die heutige Brigida-Kapelle auf Merols stammt aus dem Jahre 1749 und ersetzt einen Vorgängerbau. 5 3 RR 5 8 a8 ®& 2 a MAN 5 DO A 5: E iM Ir SE * ı A A BO A | KO | EB | Es US | 1 . Das Innere der Kapelle. G Rechts die Statue der hl. Brigida
48 4 VD } DE | E de WARE A X A WE, e HEN (EN ER NS dl BA ZZ A A VE BZ EEE N = 7 A Bin N - EEE os Kn a a SO“ On } a Gi. SETS En ET A Nr Pan Die 1711 errichtete, 1722 und 1907 erweiterte Berlotter Kapelle steht zwar unter dem Patronat der hl. Familie, ist jedoch vor allem durch die Brigida- Verehrung bekannt. Die Brigida-Statue in Berlotte ist ein Werk des Raerener Bildhauers Leonard Mennicken, Letztere ist eine der heiligen Familie und dem Leiden Christi geweih- te Kapelle, doch hat sich die Brigida-Verehrung als stärker erwiesen. Aus der Eynattener Pfarrgeschichte wissen wir, dass der aus dieser Pfarre stammende Aachener Kanoniker Wilhelm Wildt sich großzügig an der Ausstattung des 1707-1710 erfolgten Kirchenneubaus beteiligt hat. 1710 wurden 3 Altäre angeschafft; den der Jungfrau Maria geweihten rechten Seitenaltar schenkte der genannte Kanoniker. Zudem trug er zur weiteren Ausstattung mit Paramenten, Leinwand, Geräten und anderem bei. Darüber hinaus errichtete er eine Bruderschaft vom Leiden unseres Herrn Jesus Christus und in Berlotte ließ er eine Kapelle bauen und da- neben 7 Stationsbilder errichten.
50 die auf drei Jahre begrenzte Erlaubnis, in genannter Kapelle auf einem gesegneten „lapis portatilis“ (altare portatile/ tragbaren Altarstein) an gewissen, vom Pfarrer zu bestimmenden Festtagen, die Messe zu lesen bzw. lesen zu lassen. Voraussetzung ist, dass der Pfarrer vorher fest- gestellt hat, dass die Kapelle gehörig nach den liturgischen Anordnun- gen eingerichtet und mit den notwendigen Geräten versehen ist. Dabei bleiben die Rechte der Eynattener Pfarrkirche und alle anderen unge- schmälert. Die Erlaubnis gilt ausschließlich für die durch den Pfarrer festzusetzenden Feiertage und untersagt jedes Binieren. In den Jahren 1751 und 1754 wurde diese Erlaubnis um jeweils drei Jahre verlängert. Wir dürfen davon ausgehen, dass der Antrag auf Genehmigung zum Feiern der Messe in der Berlotter Kapelle an bestimmten Feiertagen vom damaligen Pfarrer von Eynatten und Hauset, Arnold Bounie (1747- 1753) ausgegangen ist. An welchen Festtagen in der Folgezeit die hl. Messe in Berlotte ge- feiert worden ist, können wir mangels Unterlagen nicht sagen; auch nicht, ob e& nach 1757 weitere Verlängerungen besagter Erlaubnis ge- geben hat. In der bischöflichen Urkunde von 1748 werden die in der Nähe der Kapelle stehenden Relieftafeln erwähnt als „septem stationes eandem passionem Domini nostri repraesentantes‘““, d. h. sieben Bilder (Stati- onen), die das Leiden unseres Herrn darstellen“. Dies entspricht aber nicht den Tatsachen, da besagte Relieftafeln die sieben Schmerzen Ma- riens illustrieren, d. h. die Weissagung Simeons, die Flucht nach Ägyp- ten, Jesus im Tempel, Jesus begegnet seiner Mutter auf dem Weg nach Golgotha, Maria unter dem Kreuze, die Kreuzabnahme und die Grab- legung Jesu). Die heutigen Relieftafeln sind, wie man inzwischen nachgewiesen hat, aus dem Jahre 1873. Trugen die Vorgänger Darstellungen des Lei- dens Christi, wie in der bischöflichen Urkunde erwähnt wird? Wir ha- ben eben schon gesehen, dass der Kanoniker Wildt eine Bruderschaft vom Leiden Jesu Christi gegründet hat. Die dazu passenden Stationsbil- der könnten 1873 durch die heutigen ersetzt worden sein. Im Zusammenhang mit der Kapelle auf Berlott stellt sich des Weite- ren die Frage, wann die Brigida- Verehrung dort eingesetzt hat. Dass die Kapelle zu Ehren der hl. Familie und der Leiden Christi erbaut wurde, findet sich noch ausdrücklich bestätigt in einem Schreiben des Land- dechanten Vincken an das Kölner Generalvikariat vom 3.4.1845. Der
31 Eynattener Pfarrer Krichels hatte sich am 16.3.1845 an Köln mit der Bitte gewandt, dem Kirchenvorstand von Eynatten den Erwerb einer der Gemeinde gehörenden Wiese zu erlauben. Nirchenkaliender, Söonutag, 2. Februar, Sonntag Septuagefima, Som: täglides Svangelium von der Berufung in den Weinberg, Matth. 20, 1—16, { Sn St. Nitolau3:;. Morgen '/,8 Uhr gemeinfhaftliche Communiox des IJünglings-Bereins, 10 Uhr Hochamt nad): her Kergenweihe und üroaefon; . Zen 8 Uhr Bes: per und Blafiusfegen, 6 Uhr Bruderfchaftz-Andacht zum -D. - unbefledten Herzen Mariä für die Bekehrung der Sünder. Sn St. Jojeph; Mörgenz 10 Uhr Hochamt mit Kerzen: weihe, Nachmittags 27/, Uhr Chriftenlehre, 3 Uhr Rofen: Franzbruberjdaft mit Brozeffion durd die Kirde, 6 Uhr geftiftete Andacht für die Abgejtorbenen und BEE In der Kirhe auf dent Haidberg: Nachmittag 1/5 Uhr Herz:Sefu-Andacht. . K Zonlag, 3. Februar. Veit der Meinigung der allerfel. Sungfraur Maria. — St, Blafius, Bifchof von Sebafte und Mart., (+ 816), — St. Anzgarius, Bijdhof von Bremen und Hamburg (f 865), ss 7 _ Eriheilung de3 BlafiuZ Segen in allen Kirchen, 3 Dienftag, 4. Februar, St, Andreas Corfini, DBildof, (+ 1373). — St, MhabanuS, Srabifchof von Mainz, (+ 856), Ga 5. Februar, St, Agatha, -Igfr. und Mark, . Donnerffag, 6. Februar. St, Titus, Schiller de8 Heil, MNpoftel8 Paulus und Bijchof von Greta, (F.98). — St, Dorothea, - Igfr. und Mart., (+ 304). — St, Amandus, Bijdof von Maeftricht, (+ 675) und BedashusWiichof von Drlean8, (+ 590). C c 3 A Su St. Nikolaus fakramentali{HeS Hochamt, - . DSireifag, 7. Februar. St. Romualdus, Wbt und Stifter de3 Camaldulenjer-Orden3 (+ 1027); — St. Richard, Kös nig von Sngland, (+ 722). MEN A 7 Sebruar 1878 Sterbetag des Hl. BVater3 MinzZ IX; Herz:Sefw-Anbadt in St. Nicolaus 8 Uhr, in St, Jofeph 6 Uhr, in der Werthkapelle 1/45 Uhr, in der Kapuziners Hofterfirhe 5 Uhr, bei den Franziskanerinnen 6 Uhr, in der Berglapelle 7 Uhr. £ 5 Samftag, 8. Februar. St, IohanneS von Matha, Stife der des OrdenZ von der Srlöfung der Gefangenen, (+ 1213). Sn den Pfarrkirchen Salve-Andacht, 5 DaZ Felt der Hl. BYrigita, Patronin gegen VBiehfeudhen wird in der Kapelle zu Berlotte Bfarre Eynatten, am WMons fag, den 3, Februar gefeiert. Daz Hochamt mit’ Feftpres bigt beginnt um 10 Uhr, S . & Diese Anzeige im sog. Kirchenkalender vom 22.1.1890 verweist auf die Brigidafeier in Berlotte, die auf Montag, den 3. Februar 1890 festgelegt wurde.
32 Nachdem der Kölner Generalkvikar Iven beim Landdechanten in Eupen um nähere Erläuterungen in dieser Angelegenheit gebeten hat- te, fasste der Dechant die Ergebnisse seiner Nachforschungen wie folgt zusammen: „Die Kapelle zu Berlott, einem großen, eine halbe Stunde von Eynat- ten entfernt gelegenen Dorfe, 1722 zur Ehre der h. Familie und des Lei- dens Jesu Christi erbaut, dient zur öffentlichen Andacht der Gläubigen und wurde bisher von der Gemeinde unterhalten. Von jeher ist in derselben mit einer Glocke morgens, mittags und abends geläutet worden. Der diesen Dienst unentgeltlich leistende Mann ist gestorben und der jetzt dafür angestellte wird von freiwilligen Beiträgen der Einwohner von Berlott bezahlt. $ Da dieses Einkommen aber nicht zuverlässig ist, so will der Kirchen- vorstand dem Glöckner die genannte Wiese, 125 Ruthen, 90 Fuß groß, welche zu einem jährlichen Einkommen von 3 Thaler, 15 Sgr (Silber- groschen) verpachtet ist, zur Benutzung als Remuneration überweisen, wenn die Gemeinde dieselbe an den Kirchen-Vorstand abtreten wolle...‘ Das Generalvikariat gab sein Einverständnis dazu, die „alte Baum- schule“ (so die Flurbezeichnung der Wiese) als Entgelt für den Glöck- ner zu übernehmen, der dann „in der Kapelle zu Berlotte morgens, mit- tags und abends das gewöhnliche Zeichen mit der Glocke geben soll“. War das morgendliche Läuten das Zeichen zur Messfeier? Häufig fand früher ein reger Austausch zwischen den Nachbarorten mit einem bestimmten Heiligenkult statt. Um nur den engeren Raum von Walhorn zu nennen, so kamen viele alljährlich aus den Nachbar- dörfern Hauset und Merols zum Antoniusfest nach Walhorn (17. Janu- ar). Die Walhorner Landwirte gingen ihrerseits nach Hauset, wo die hl. Genoveva verehrt wird; Hauseter und Walhorner trafen sich in Merols am Tag der hl. Brigida (1. Februar). Solche Patronatsfeste wurden im bäuerlichen Milieu Anlass für Familientreffen und Kirmesfeiern. Ob die Brigidafeier in Merols ursprünglich auch mit einer Messfeier und Pre- digt verbunden war, ist nicht belegt. Im Korrespondenzblatt des Kreises Eupen finden sich solche Hinweise alljährlich in dem wöchentlich von der Zeitung veröffentlichten „Kirchenkalender“. Die Feier war verbun- den mit der Weihe des Brigida-Wassers und der Brigida-Kerzen. Es überrascht, dass Walhorn zwar ein Kirchenfenster mit einer Brigi- da-Darstellung besitzt, die Heilige aber hier keine besondere Verehrung erfuhr.
53 => 15 | £ % ni al N rt AR VE NSS “1 Ze | DVB X: nt (Sin van er alu AU A478 ; 1 | (WU a PR | Si \ar* DZ ve. SA LADEN j =. W A D> | > "a. Ein Kirchenfenster in Grüfflingen zeigt Brigida als Bäuerin beim Wasserschleppen.
54 Auch in dem Eifelstädtchen Prüm hat die alljährlich stattfindende Brigida-Wallfahrt einen festen Platz im Kalender der umliegenden Orte, die am 1. Februar zur Salvator-Basilika ziehen, um die hl. Brigida dort zu verehren. Auf belgischer Seite genießt die Heilige eine besondere Verehrung in Elsenborn, wo früher zum Brigida-Tag immer viele Pil- ger aus Kalterherberg erschienen. Auch in Möderscheid war Brigida eine besonders verehrte Schutzheilige. In Lanzerath (bei Manderfeld) ist Brigida erste Pfarrpatronin und besonders bei Unfruchtbarkeit des Viehs wird sie gerne angerufen — was meist mit einer Opfergabe ver- bunden war... Da Brigida in Irland ein Kloster gründete, wird sie häufig als Äbtis- ( sin mit Krummstab dargestellt. So z. B. in der St. Pankratius-Pfarrkir- che zu Konzen. Wir sehen sie aber auch als Bäuerin, so in Walhorn oder in Grüfflingen. Die Heilige aus Irland ist vor etwa 30 Jahren aus der Liste der in der gesamten katholischen Kirche anerkannten Heiligen gestrichen worden. Nur noch regional sollen solche Heiligen ihre Bedeutung haben. Im Grenz-Echo vom 31. Januar 1948 fand sich ein nicht signierter Beitrag zur Brigida-Verehrung. Der Autor weiß zu berichten, dass die Reliquien der irischen Heiligen größtenteils ins Elsass gebracht wor- den seien und die Verehrung der hl. Brigida sich dort verbreitet habe, „weniger in unserer Gegend“. Wenn die Heilige auch als Patronin des Geflügels gelte, so habe das Volk sie zur Beschützerin des Rindviehs erhoben und unter dem Einfluss von Lütticher Künstlern werde sie (wie z. B. in Elsenborn und Raeren-Pfad) von einer Kuh begleitet dargestellt. „Die bekannteste Kultstätte der hl. Brigida“, so der Autor, ist „Clouse bei Aubel. Dorthin wallfahren soviele Bauern aus dem deutschen Sprachgebiet, dass beim Gottesdienst des Festtages deutsch gepredigt wird. Die Verehrung in Merols-Raerenpfad in einer Kapelle des 17. Jahrhunderts ist heute wieder auf Anregung des jetzigen Walhorner Pas- tors, der eine Reliquie beschaffte und 1936 ein neues Amt mit Predigt zu ihren Ehren einrichtete, und unter dem Druck der Rindviehseuche um 1937 sehr eifrig. Die Anrufung erfolgt hauptsächlich für das Rindvieh; auf Befragung antwortete ein in der Nähe wohnender Bauer, das Geflü- gel könne man ja miteinschließen. In der Oktav des Brigidafestes wird an der Kapelle eine neuntägige Andacht gehalten. Aber auch an anderen Festtagen versammeln sich viele Leute dort zum Gebet, wobei einer aus dem Volke vorbetet.
SS 1937 fand sogar auf Veranlassung des Landwirtschaftlichen Vereins von Eupen aus unter Beteiligung des Dechanten eine Wallfahrt dorthin statt, die trotz schlechtesten Wetters überaus viele Teilnehmer aufwies. In Eynatten-Berlott ist Brigida zweite Patronin der Kapelle, sicher erst seit geraumer Zeit nach der Gründung im Jahre 1711. Die Vereh- rung ist alt. Am Festtage erscheinen zum feierlichen Amt mit Festpre- digt sehr viele Bauern aus der näheren Umgebung, auch aus Raeren; der zuständige Pastor segnet Wasser für das Vieh, weil das Volk es so will. In Kettenis wünschen die Bauern neuerdings eine Statue der Nothel- ferin und nur die Unmöglichkeit, sie in der Kirche passend aufzustel- len, hat die Anschaffung verhindert. Am Festtage bestellt der Landwirt- schaftliche Verein ein Hochamt. Viele Bauern wallfahren für sich nach Raerenpfad.‘“ Im Dürrejahr 1976 feierte der Verein ehemaliger Landwirtschafts- schüler sein fünfzigjähriges Bestehen. In der aus diesem Anlass ver- fassten Festschrift findet sich aus der Feder von Herrn Alban Curnel, damals Lehrer an der Städtischen Technischen Schule in Eupen, eine längere Abhandlung über die Entwicklung der Landwirtschaft im Eu- pener Land. Der Autor erwähnt darin auch die Trockenperiode im Jahre 1976, die den Vorsitzenden des Vereins (A. Nyssen) dazu bewog, seine Berufsgenossen zu einer gemeinsamen Fußwallfahrt zur Brigida-Kapel- le in Merols aufzurufen. Zu der am 8. Juli 1976 von der Klosterkirche in Eupen abgehenden Prozession kamen nicht weniger als 350 Personen. Dechant Geelen erinnerte die Teilnehmer daran, dass „Beten niemals vergebens sei“. Einige Tage nach dieser Bittprozession kam der langer- sehnte Regen... ok Die Fortschritte der Veterinärmedizin haben die Heiligenverehrung im ländlichen Raum ganz allgemein stark zurückgedrängt. Neben Bri- gida ist vor allem der hl. Antonius ein “Opfer‘ dieser Entwicklung ge- worden. Als „Bauernheiliger“ beschützte er vor allem die Schweine. In unserem engeren Raum wurde der Heilige besonders in Raeren und in Walhorn verehrt. Im „Kirchenkalender“, einer allwöchentlich im Korrespondenzblatt des Kreises Eupen erscheinenden Rubrik, fand sich alljährlich in der Woche des 17. Januar der Hinweis: „17. Januar. St. An- tonius, Abt und Einsiedler (+ 358). Kirchenfest zu Raeren und Walhorn mit feierlichem Hochamt und Festpredigt.‘“
57 Die Darstellungen zeigen den Heiligen meist als Einsiedler oder als Abt. Zu seinen Attributen gehören die Bettlerglocke am Stab (meist in T-Form) und das Schwein zu seinen Füßen. Die Glocke wurde auch als Bettlerglocke von Ordensbrüdern genutzt, um sich beim Einsammeln von Gaben bemerkbar zu machen. —_. EEE EIS £ } Mn ES AN BIN ES Aa a GA SE Bm 7 DEN a N A NAT A 6 VEN LA DL ZZ 5 SZ De Ds SEAN ES N E ED ZEN (lm KA EHESTEN SZ SS NN % EZ ZT YO # N) 7 2/8. DATA Ti ED ENGE ES HESS. AD Die Darstellung links, aus einem „Leben der Antonius-Statue in Walhorn. Heiligen“ (19, Jh.), zeigt den Eremiten mit Sie steht heute in der Kapelle am Stab und Schwein. Der Teufel (links im Bild) Lindchen und wird zur Antonius- versucht, ihn von seinen frommen Gebets- feier in die Pfarrkirche gebracht. übungen abzulenken. Jenseits des Venns finden sich zahlreiche weitere Orte, in denen An- tonius eine besondere Verehrung genießt. So in Crombach, Maspelt und Lengeler. Amel besitzt eine Antonius-Fahne. Gab es hier vielleicht eine Bruderschaft unter dem Patronat dieses Heiligen? Wie erklärt sich die Bezeichnung „Antoniushäuschen“ für ein kleines, in der Nähe der Kir- che stehendes Gebäude, in dem heute das Wurzelmuseum untergebracht ist? Diente es der Schweinehaltung?
58 Westlich von Eupen erwähnen wir La Clouse b. Aubel und Moresnet. Der in Kome (heute Kema) bei Heraclea (Oberägypten) im Jahre 251 als Sohn reicher christlicher Eltern geborene Antonius ging in der Nach- folge Jesu so weit, dass er seinen gesamten Besitz verkaufte und in ra- dikaler Abgeschiedenheit ein Einsiedlerdasein in der ägyptischen Wüs- te führte. Hier soll er nach der Überlieferung schweren Versuchungen ausgesetzt worden sein. Der Teufel erschien ihm in Gestalt einer oder mehrerer schöner Frauen. Er wurde mit Krallen, Zähnen und Hörnern verwundet, zu Boden geworfen, an den Haaren gerissen, in die Lüfte gehoben... c Nach zwanzigjähriger Abgeschiedenheit sammelte er die ersten Jün- ger um sich, es bildeten sich kleine Unterkünfte und Einsiedeleien. So wurde Antonius zum Vater einer Form des Mönchtums, die im Gegen- satz zur Regel des hl. Benedikt auf Askese und Zurückgezogenheit be- ruht. Wie volkstümlich der hl. Antonius war, zeigt nicht nur die starke Verbreitung des Vornamens Anton unter all seinen Formen (Tünnes, Thönnes...). Davon zeugen auch die vielen Berufsgruppen, die ihn zum Schutzpatron hatten: die Schweinehirten, die Bürsten-, Korb- und Handschuhmacher, Weber, Metzger, Zuckerbäcker, Bauern, Totengrä- ber! Angerufen wurde er gegen Feuersnot, Hautkrankheiten, Lepra, Pest, Syphilis und Krankheiten der Haustiere, vor allem der Schweine. Auch manche Bauernregel weist darauf hin, dass dem hl. Antonius eine große Bedeutung beigemessen wurde. So heißt es: „Wenn Antoni die Luft ist klar, gibt’s bestimmt ein trocknes Jahr. Große Kälte am Antoniustag Manchmal nicht lange halten mag.“ Antonius mit dem weißen Bart, regnet’s nicht, er mit dem Schnee nicht spart.“ Um Antonius nehmen die Tage zu Um eine kleine Mönchesruh.‘
59 Die Verehrung des hl. Antonius, dem man den Beinamen „der Große‘ gegeben hat, begann schon im 5. Jahrhundert. Seine Reliquien wurden nach Alexandria überführt, kamen 635 nach Konstantinopel, dann um das Jahr 1000 nach Südfrankreich, 1491 nach Arles und ins Stamm- kloster des Ordens der Antoniter in St Antoine zwischen Grenoble und Valence. Einen regen Aufschwung erfuhr die Verehrung dieses Heiligen im Westen vor allem nach der Gründung des Antoniter-Ordens im Jahre 1059 in Saint Didier de 1a Motte in Südfrankreich. Im Osten wird be- sonders der Mönchsvater, im Westen mehr der Wunderheiler geschätzt. Das Schwein wird häufig als Symbol für die Versuchungen gedeutet. In Wirklichkeit hat es seinen Ursprung darin, dass der Antoniterorden be- vorzugt Schweine hielt, die er als Gottesgeschöpfe aber frei laufen ließ. Gelegentlich wird Antonius auch als Nothelfer angerufen; er gehört jedoch nicht wirklich zu den (14) Nothelfern, gilt aber mit Quirinus, Cornelius und Hubertus als einer der „vier heiligen Marschälle“. In Italien wurde der Gedenktag des hl. Antonius als Volksfest began- gen. Die Tiere durften nicht arbeiten, auch vornehme Herren mussten deshalb zu Fuß gehen. In Österreich wurde an seinem Gedenktag Be- dürftigen das Fleisch der „Antoniusschweine‘“‘ geschenkt. (S. Heiligen- lexikon). „Wikipedia“ weiß zu „Antonius dem Großen“ und dem Antoniter- Orden darüber hinaus, dass man anlässlich einer Ende des 11. Jahrhun- derts auftretenden, „Antoniusfeuer“ genannten Seuche, die man später als Vergiftung durch Mutterkorn identifizierte, Zuflucht bei den Reli- quien des Heiligen suchte. Der daraufhin gegründete Antoniter-Orden verbreitete sich im Dienste der Krankenpflege während des Mittelalters in ganz Europa. Nach einer Blütezeit im Spätmittelalter erlitt der Or- den mit der beginnenden Neuzeit und der Reformation einen Nieder- gang und wurde aufgelöst. Der Orden hatte das Recht, das so genannte Antoniusschwein zur Mast im Dorf auf Kosten der Allgemeinheit frei herumlaufen zu lassen. So wurde Antonius der Große im süddeutsch- Österreichischen Raum auch bekannt als Sau- oder Fackentoni, in West- deutschland als Swinetünnes oder Fickeltünnes.“ Wenn mit der Brigida-Verehrung die Segnung des Brigidawassers verbunden ist, so kennt die Antonius-Verehrung zusätzlich zur Was- serweihe die Segnung des Antonius-Brotes, das früher den Menschen als Heilmittel gegen das Antoniusfeuer galt. Das Brot kann auch in der Form von Waffeln den Gläubigen gereicht werden.
61 In Walhorn fand die Antonius-Verehrung ihren Ausdruck auch bei einem 1835 durch A. Gaulard in Kornelimünster vorgenommenen Glo- ckenguss. Die damals gegossene Glocke erhielt eine lateinische In- schrift, die in deutscher Übersetzung lautet: „Ich wurde gegossen aus dem frommen Opfersinn der Walhorner Pfarrkinder zu Ehren des hl. Abtes Antonius unter Pfarrer W. Maehren und Bürgermeister Vanden- dale.‘“ Auf der Gegenseite trägt die Glocke das Bildnis eines stehenden Abtes mit Stab. In den Kriegsjahren wurde die Antonius-Glocke zum Einschmelzen nach Hamburg verfrachtet, konnte aber nach Kriegsende unbeschädigt wiedergefunden werden. Schüßengefellfchaft zu Walborn, ‘ Del, Oelegenbeit Der Siesfährigen Antonius: % ATE EN : feier wird Montag den 17. Zanuar Großes Preis:Vogelfchiefen, Preisvogelfhuß am Sreitag den 17. Januar er, frattfinden, wozu Freunde und Liebhaber ergebenft für einen MilcHkühler, welcher auf der Testen einladet Der Vorftand, Viehausftelung Ca Kc Ada che OR KORAN TA SAUER A 0 ‘, wozu ergebenft einlal Antoniusteft in Walhorn, ad & Montag den 17. Zanuar 1876, BE der biefigen Schügengefellfchaft, A E . Antoniusfeft zu Walhorn. SS a 1 X Freitag‘ den, 17. Januar 1879, Bwijgenpaufen . werden von einer beliebten pP Komikergefeljhaft ausgefüllt. ER BALL > Eutree 5 Sgr. Damen frei i Änladet Zu reger En Ca ein 190 TEEN WW. Simons. ofebb Liermänn, | UNE FÜ MP SUSE U U En ‚Lofal in Walborn, Bei Gelegenheit des Antoniusfefes. m des St, Antonins-Fefles am B EL & findet Freitag den 17, d. M, Abends wozu ergebenft einfadet fadk, wozu freundliehft einladet NS. Simons, in Waldowm, An 5. B. Wild Strang. Antoniusfest in Walhorn mit Kirmestreiben (K.-Bl. 15.1.1876 u. 15.1.1879) St, Stephanus - Schüßen - Sefelfchaf in Walhorn.' Zur Nachfeier der St, Antonius-Alries, Sonntag den 18. Januar SEN 2 8.2 Vreis-BVogelfchießen,. wozu Hierdurch einladet. Der Borfiand Die „Nachkirmes“ belebten die Stephanus-Schützen mit einem Preis- Vogelschießen. (K.-Bl. 14.1.1880)
63 Ge Antoninäfeß jun Wale. Gefang-Yerein „Cnerilin“, Walhorn. | Sm nd de A Freitag den 17, Januar 1913 (Antonius-Kirmes), S B A % %; abend8 S Uhr wozu freundlichft einladet‘ ö im Lotale des Deren Alb, Shumaher und unter Mitwirkung des wohl, . WW. Simons. Harmonie - Musik- Vereins nn > q+ 8 WER 30 Siifiungsfelt Kriegerverein in Walhorn. 4 AO a Akne en Gefang, tomijhen Vorträgen und Theater, wird der ergenrather Männer-Gefang- KM OR EEO Berein unter Leitung ihres Dirigenten Fügungen und Führungen. Herrn Breütk im CE Dei Religiöfes, Schaufpiel in 4 Alten von Madermacher. X Seren WB, Strang ein Da EEE N Doral- und Infrümental-Coucert Der verhängnisvolle Orden. mit Uhenter Oefamtfpiel für 6 Perfgnen. abhalten. 4 ET But Auffügrung Kommen: Der Minnesänger. 1. Mufjitküc. ® Große Oyereite von Molmendier. 2 ( Das -Deutfche Lieb . vo. Kaliwoda, =—=— Karten Im Vorverkauf 50 PIg. a Person. ——=> “\ Der Bald»... w; Huefer, An der Kaffe 75 Big. & Perfon! 3. Mufitküd, (&8 Tadel ergebenft ein Der Vorstand. 4. Eine verfolgte Unschuld. NB. Die Herren Ehrene und inaftiven Mitglieder find mit ifren - — Boffe mit -Gejang, Damen freundligit eingeladen. Mufik in 1 Act von Pohl und Sanger. BE Na dem Konzerie: WE ) ) 5. Mufitftüd. A Grosser Fest-Ball. O(Bbebdgelt es Marine BD MB 0 Dann ARE mehren 3 nie man AST Antonius-Fest zu Walhorn... d fl Gelegenfeit des diesjährigen Antoniusfeites Nachher BALL. FF“ 3 ea. 17. Januar 1918 Kaffendifnung 6 Uhr, Anfang 127 Uhr, nf m bar Bu vet zadleidem Bald That in Großer Fel-Ball, er Borftand. z S LKLTLLLTLFE) WEN ap: Karl Stokolmann. Auf Einladung des Kriegervereins Die Anzeigen im Korrespondenzblatt gastierte der Hergenrather zeigen, dass über viele Jahrzehnte das Männergesangverein zum Antoniusfest in Walhorn als „Kirmes“ Antoniusfest 1880 in Walhorn. gefeiert wurde. Der Gesangverein „Cäcilia“ (K.-Bl. 14.1.1880) fejerte an diesem Tage sein Stiftungsfest im „Timmermann’schen Lokale‘ (Haus Harna) mit Konzert und Theater sowie anschließendem Tanz. Auch im einige Schritte weiter liegenden Lokal Simons (heute Palomino) wurde zur Antoniuskirmes zum Tanz aufgespielt.
64 Leonard und Isidor Wenn auch Brigida und Antonius die bei weitem beliebtesten Heili- gen des Walhorner Landes waren, so waren sie doch nicht die einzigen, bei denen unsere Vorfahren Hilfe suchten. Besonders erwähnen wollen wir in diesem Zusammenhang den hl. Leonard, der vor allem in Bayern gegen Krankheiten des Viehes ange- rufen wird. Die so genannten Leonardi-Ritte sind dort Tradition. Im Eupener Land genoss der heilige Leonard (6. November) eine be- sondere Verehrung in Eynatten, Die dortige Kirche hatte 1894 eine Leo- nardusreliquie erhalten und der örtliche Leonardus-Verein hatte dem Gotteshaus eine Statue des Heiligen geschenkt. ; In einer Zeitungsnotiz zum Leonardfest in Eynatten drückt der Kor- respondent den Wunsch aus, es möchten doch „wie in früheren Jahren, am Festtag die Pilger von Nah und Fern zahlreich unser Gotteshaus be- suchen, um dem hl. Leonard vertrauensvoll ihre Anliegen vorzutragen“‘. Inzwischen ist die Leonard-Verehrung in Eynatten nur noch Erinne- rung. Ein in unserer Gegend ebenfalls weniger bekannter Bauernheiliger ist Isidor. Um ihn von dem berühmten Bischof und Gelehrten Isidor von Sevilla zu unterscheiden, wird er nach seinem Herkunftsorte mit „von Madrid“ bezeichnet. Mit seinem Ochsengespann verdiente sich Isidor seinen Lebensun- terhalt mit Feldarbeiten bei einem Großgrundbesitzer. Da er jedoch auf den täglichen Besuch der Messe nicht verzichten wollte, ließ er Pflug und Ochsen während der Messezeit allein auf dem Felde, was einige Nachbarn dazu veranlasste, den frommen Mann beim Gutsherrn anzu- schwärzen. Isidor verbringe zuviel Zeit in der Kirche und verrichte des- halb weniger als die Hälfte der dem Grundherrn geschuldeten Arbeit. Daraufhin machte der Grundherr seinem Dienstmann grobe Vorwür- fe, auf die Isidor nur mit dem Hinweis antwortete, der Herr könne seine Arbeit abschätzen und wenn er zu wenig geleistet habe, werde er den vermeintlichen Nachteil vergüten. Um sich nun selber zu überzeugen, was es mit dem Zeitversäumnis auf sich habe, versteckte der Gutsherr sich unweit des Weges, den Isi- dor bei der Rückkehr aus der Kirche nehmen musste. Als Isidor sich näherte, ging der Herr zu dem Acker, der zu pflügen war. Da sah er jedoch plötzlich zwei weitere angespannte Pflüge, zu jeder Seite von Isidor einen, und bei jedem Gespann einen weiß gekleideten Jüngling.
65 Wie er nun näher darauf zuging und genauer untersuchen wollte, was auf dem Felde vorging, waren die bemerkten Ochsengespanne plötzlich verschwunden! Der Gutsherr erkannte das Übernatürliche des Geschehens und fragte den Diener Gottes um eine Erklärung dieser Erscheinung. Isidor erklär- te jedoch, er habe weder jemanden zur Aushilfe bestellt, noch jemanden gesehen. Im Übrigen rufe er bei seinem Tun und Lassen fortwährend Gott um Beistand an. Der Gutsherr erkannte die Gnade Gottes, die auf seinem Diener Isi- dor ruhte, und sagte: „Von nun an will ich nicht mehr auf das Gerede der Menschen hören und überlasse meinen ganzen Besitz deiner Aufsicht. Du magst darin schalten und walten nach Gutdünken.“ Isidor, dessen Festtag am 15. Mai begangen wird, hat im Eupener Land keine besondere Verehrung genossen. Auch Darstellungen dieses Heiligen - wie in Hergenrath und Kettenis - sind Ausnahmen. Als für die notwendigen Ausbesserungen der durch Kriegseinwir- kungen stark beschädigten Fenster der Hergenrather Pfarrkirche das farblich passende Glas fehlte, machte der Lütticher Glasmaler Biolley den Vorschlag, Medaillons aus modernem Glas in die Fenster einzuset- zen und das so frei gewordene Glas für die Reparaturen zu verwenden. Die von Biolley hergestellten Medaillons zeigen an der Südseite Christus als „Rex mundi“ (König der Welt), die hl. Nikolaus und Anto- nius von Padua sowie — auf der Empore — die hl. Cäcilia. Die Nordseite zeigt Jesus im Tempel, die Krönung Mariens, die hl. Josef und Judas Thaddäus sowie (auf der Empore) den hl. Isidor. Darge- stellt wird dieser als Landwirt im blauen Arbeitskittel mit rotem Hals- tuch. In der Linken hält er eine zweizinkige Gabel, die Rechte legt er um den Nacken eines Horntiers. Es ist nicht ersichtlich, was bei der Auswahl der Bildmotive für die Medaillons ausschlaggebend gewesen ist. Wir vermuten, dass die Repa- raturen der Fenster durch freiwillige Spenden möglich geworden sind. Eine Schadensregelung über das Konto der Kriegsschäden hätte längere Zeit in Anspruch genommen. Die Spender haben sehr wahrscheinlich ein Wort bei der Motivwahl mitreden dürfen. Cäcilia weist auf den Kir- chenchor als Spender hin, Isidor auf eine bäuerliche Familie mit einer besonderen Verehrung für diesen Heiligen, dessen Namen in den Tauf- registern unserer Gegend nur selten zu finden ist.
66 X VECGEDNS N 4% NO ( * € ) | \ 5 $ x 4 {4} 7 & A | A al 9 nz A 5 ) ia X 6 , ZA Zi A N f *o). 7) | k VY wa% SE) An WW AN ZE SS — ae w/ fi a Isidor-Medaillon in Hergenrath In den uns zur Verfügung stehenden Verkündigungsbüchern von Pfarrer Kirch wird für den 18. Mai 1952 das sonntägliche Hochamt, das üblicherweise in „besonderer Meinung der Pfarre“ gefeiert wurde, an- gekündigt als „Hochamt zu Ehren des hl. Isidorus, für die lebenden und verstorbenen Mitglieder der Bauerngilde‘“. Auf diesen Sonntag folgten die drei so genannten Bitttage mit den Bittprozessionen. Der Eintrag des Pfarrers zeigt uns, dass die Hergenrather Bauerngilde den hl. Isidor als ihren besonderen Schutzpatron angesehen hat. Es ist durchaus vorstellbar, dass das Kirchenfenster von der Gilde gespendet worden ist. In Kettenis wurde ein Kirchenfenster mit der Isidor-Darstellung 1936 durch die „Landwirtschaftliche Jugendvereinigung“ gestiftet.
69 In einer kurzen Zeitungsnotiz im Grenz-Echo vom 20.10.1948 wird zu dieser Heiligenverehrung gesagt, in Lontzen-Busch finde am Festta- ge des hl. Wendelin (20. Oktober) ein Hochamt statt. „Bauern aus der Umgegend kommen dorthin und beten für ihr Vieh; und vor etwa 10 Jahren schenkten unbekannte Private für die Lontzener Pfarrkirche ein neues Fenster mit dem Bild des Heiligen“, so der Grenz-Echo-Mitar- beiter, der zu St. Wendelin auch zu berichten weiß, dass dieser Heilige anderswo der Patron von landwirtschaftlichen Vereinen sei; auch in Ey- natten habe man ihn dazu bestellt. Das 1974 von Jean-Jacques Bolly zusammengestellte und durch das IRPA (Institut Royal du Patrimoine Artistique) herausgegebene Ver- zeichnis der kirchlichen Kunstdenkmäler der Provinz Lüttich, Kanton Eupen, gibt auf S. 33-34 eine Beschreibung des Schnitzaltares von Lontzen-Busch und vermerkt dazu eine „huche‘“ (Kasten, Truhe) mit der Darstellung von St. Anna, die Maria das Lesen lehrt, und St. Wen- delin. Als gerahmtes Bild hängt eine solche Darstellung heute in der Kapel- le über dem Ausgang. Brigida, Antonius, Leonard, Isidor, Wendelin... Die Liste der Bauern- heiligen könnte ohne Zweifel verlängert werden. Das 20. Jahrhundert hat viele Erinnerungen ausgelöscht. Die landwirtschaftlichen Vereine, die eine besondere Verehrung für den einen oder anderen Schutzpatron auf ihre Fahne geschrieben hatten, haben sich aufgelöst. Vielleicht kann der eine oder andere Leser noch etwas dazu sagen!
70 Das alte Fräulein Humpala von Maria Theresia Weinert Das alte Fräulein Humpala hat einen kleinen Hund. Sie ruft ihn „Poldi“, ohne ihn da wär sie nicht gesund. Der Poldi bellt, wenn jemand kommt, er holt die Zeitung und, 6 wenn Humpala spazieren geht, trägt er den Schirm im Mund. Kommt man im Dunkeln mal nach Haus, Humpala ist verwirrt, der Poldi aber kennt sich aus, er hat sich nie geirrt. An jeder Ampel bleibt er stehn und wartet auf das Grün, er weiß, er muss das Fräulein nun eilig hinüberziehn. Fürwahr: Ein ritterlicher Hund! Noch nie bekam er Hiebe, sein Name hat auch einen Grund, er klingt dem Fräulein hold, denn „Poldi“ oder „Leopold‘* hieß ihre Jugendliebe...
A Die Vorfahren der Familie Jungbluth aus Walhorn von Erwin Bruch Die in Walhorn und Umgebung weit verbreitete Familie Jungbluth stammt ab von dem Ehepaar Johann Theodor Jungbluth (1763-1846) und Johanna Maria Kohl (1769-1847). Er war Wirt mit Poststelle, Bä- cker, Organist und Küster in Walhorn'. Er war ebenfalls einer der Grün- der der Schützen von Walhorn im Jahre 1810°. Obwohl als Geburtsort von Johann Theodor Jungbluth stets Moresnet genannt wird, und in der Heiratsurkunde vom 27.9.1790 in Walhorn seine Eltern genannt wer- den, ist seine Taufe in Moresnet auf Anhieb nicht zu finden. Seine Eltern waren Heinrich Jungbluth, gestorben am 25.11.1806 in Astenet (Reu- lenhaus), und Maria Elisabeth Radermecker, gestorben am 15.1.1812, ebenfalls in Astenet (Reulenhaus). Unter den Geschwistern von Johann Theodor Jungbluth in Walhorn findet man auch eine Schwester Catharina Elisabeth Jungbluth, die mit Jan Steven Heudt aus Lontzen verheiratet war. Deren Tochter Maria Catharina Heudt heiratete am 18.9.1808 in Walhorn Alexander Tossaint. Bei dieser Gelegenheit zeichnet der Pfarrer den nachstehenden Stamm- baum in das Kirchenbuch. Dieser Stammbaum zeigt, dass beide, Braut und Bräutigam, Urenkel aus den beiden Ehen von Catharina Hanssen sind. Hier erfahren wir auch, die Namen der Großeltern von Johann Theo- dor Jungbluth. Es sind Reiner Jungbluth und Maria Catharina Hanssen. Die Vorfahren von Johann Theodor Jungbluth blieben bis jetzt in den Kirchenbüchern unentdeckt, weil sie dort unter dem Namen Blot, Bloed oder ähnlich geschrieben wurden. Zu allem Überfluss wurde der Famili- enname auch noch oft mit einem kleinen „b“ geschrieben, das dann mit einem großen „C“ leicht zu verwechseln ist, wie die beiden folgenden Auszüge aus dem Kirchenbuch von Montzen zeigen. Mit den großen „C“ glaubt man es mit der Familie Clot oder Cloed zu tun zu haben, die ja auch in Montzen und Umgebung verbreitet ist. 1 Walhorn im Herzogtum Limburg, Albert Janclaes, 2001, S. 84. 2 Chronik des Joannes Casparius Scheen, Verkehrs- und Verschönerungsverein Wal- horn, 2004, St. 95.
DZ [23 NE EEE A es EN Daria Ch: Kan SR ME u 8017 MM. COoOnPaksdarn JO SWEET Ag ER (m mn a Bi Alb Mal Tl WEM AO A SOLAR Aeinerunk Jmabtdt ex qleibu nal fan ben Adema fl 209060 AR A ANNO N AK A U a ee En ME A DR DA RO S 2 AL De e SR Bild 1: der Stammbaum im Walhorner Kirchenbuch Bild 2: Bild 3: Eintrag der Taufe Eintrag der Taufe von Jehenna gertrüydt bloett von Hans Heindrich bloot Das Bild 2 zeigt den Eintrag der Taufe von Jehenna gertrüydt bloett am 1. 7bris (September) 1717 als Tochter von Renier bloet und catarina Hanssen, mit den Paten lambert francen und gertrüytt bloett, in Mont- zen. Das Bild 3 zeigt den Eintrag der Taufe von Hans Heindrich bloot am 15 xbris (Dezember) 1720 als Sohn von Renerus bloott und catrina Hanssen, mit den Paten Joannis cnops und maria tossaint.
73 Wie in Montzen, so werden auch im Kirchenbuch von Moresnet die Namen Blut und ähnliche des Öfteren mit einem kleinen „b“ geschrie- ben. Auf Grundlage dieser Erkenntnis, ergibt dies folgenden Stamm- baum der Familie Jungbluth, der hier auszugsweise dargestellt ist. I Renerus BLODT, gest. 4.5.1758 in Moresnet, er heiratete am 4.8.1716 in Montzen Catrina HANSSEN, Kinder: 1) Jehenna Gertruydt, get. 1.9.1717 in Montzen, sie heiratete am 29.1.1742 in Moresnet Petrus HERMES, get. 30.3.1720 in Mores- net, gest. 3.5.1808 in Moresnet, Sohn von Nicolaus Hermens und Catharina Smets, sie hatten 9 Kinder 2) Hans Heindrich, siehe II II Hans Heinrich BLOED, get. 15.12.1720 in Montzen, gest. 25.11.1806 in Astenet Reulenhaus, er heiratete in erster Ehe am 10.10.1749 in Moresnet Maria KOCKART, gest. 23.12.1757 in Montzen?, Tochter von Gerardus Kokaerts und Maria Malmede- er, er heiratete in zweiter Ehe am 6.1.1760 in Moresnet Maria Elisabeth RADERMECKER, get. 26.5.1729 in Montzen, gest. 15.1.1812 in Walhorn Reulenhaus, Tochter von Theodorus Ra- dermecker und Elisabeth Vaessen, im Einwohnerverzeichnis von Walhorn von 1779* mit 2 Söhnen und 3 Töchtern, und von 1788 mit 2 Kindern, aus beiden Ehen insgesamt 12 Kinder, darunter: 1) Die bereits erwähnte Catharina Elisabeth, die verheiratet war mit Jan Steven HEUDT aus Lontzen, und deren Tochter Maria Catharina, die mit Alexander TOSSAINT verheiratet war. 2) Johann Theodor, siehe III III Johann Theodor JUNGBLUTH, get. 13.2.1763 in Moresnet, gest. 25.11.1846 in Walhorn, er heiratete am 27.9.1790 in Walhorn Jo- hanna Maria KOHL, get. 17.10.1769 in Montzen, gest. 29.5.1847 in Walhorn, Tochter von Jacob Cool und Eva Maria Nicol, sie hat- ten 9 Kinder, darunter: 1) Johann Heinrich, siehe IVa 2) Johann Theodor, siehe IVb 3 Bei diesem Eintrag wird Heinrich Bloet als «villicus in Eycken» genannt. * Einwohnerverzeichnisse von Walhorn in: Catalogus inscriptorum confraternitati sub titulo adorationis perpetuae, S.S. Sacramenti, Walhorner Pfarrarchiv, Ausgabe 564, Staatsarchiv Eupen.
75 Hier folgt noch die Ahnentafel von Johann Heinrich Jungbluth (IVa): 1) Johann Heinrich JUNGBLUTNH, geb. 26.5.1796 in Walhorn, gest. 24.9.1885 in Walhorn 2) Johann Theodor JUNGBLUTH, get. 13.2.1763 in Moresnet, gest. 25.11.1846 in Walhorn, er heiratete am 27.9.1790 in Walhorn 3) Johanna Maria KOHL, get. 17.10.1769 in Montzen, gest. 29.5.1847 in Walhorn 4) Hans Heinrich BLOED, get. 15.12.1720 in Montzen, gest. 25.11.1806 in Astenet (Reulenhaus), er heiratete in zweiter Ehe am 6.1.1760 in Moresnet 5) Maria Elisabeth RADERMECKER, get. 26.5.1729 in Montzen, gest. 15.1.1812 in Walhorn (Reulenhaus) 6) Jacob COOL, get. 1.4.1735 in Moresnet, gest. 15.3.1827 in Mont- zen, er heiratete am 10.1.1769 in Moresnet 7) Eva Maria NICOL, get. 11.4.1730 in Hombourg, gest. 1.8.1795 in Astenet 8) Renier BLOED, gest. 4.5.1758 in Moresnet, er heiratete am 4.8.1716 in Montzen 9) Catharina HANSSEN 10) Theodorus RADERMECKER, get. 22.11.1700 in Montzen, gest. 7.4.1758 in Montzen, er heiratete am 23.9.1725 in Montzen = 11) Elisabeth VAESSEN, get. 12.8.1700 in Montzen, gest. 9.4.1758 in Montzen 12) Edmund KAEL, get. 1.9.1694 in Moresnet 13) Maria NYSSEN, gest. 28.1.1774 in Montzen 14) Renerus NICOLL, Pächter ten Hoeff in Hombourg, gest. 18.2.1733 in Hombourg, er heiratete am 19.1.1718 in Hombourg 15) Joa FRANSSEN, get. 31.12.1697 in Hombourg 20) Dirich RAERMECKER 21) Maria SCHOUWERIANS, gest. 3.2.1743 in Montzen 22) Symont VAESSEN 23) Leisbett ARRETS 24) Thys KOEL, gest. 26.3.1695 in Moresnet 25) Elisabeth PALM 28) Servatius NICOL, get. 16.5.1645 in Hombourg, gest. 23.6.1717 in Hombourg 29) Maria CUYPERS, gest. 28.1.1697 in Hombourg 30) Franciscus FRANSSEN, er heiratete am 9.2.1697 in Hombourg 31) Maria ERNST 56) Jacobus NICOL 57) Eva
76 .. PA WOET MET «L-M» va Henri Beckers, Kelemes 1ää her (hinter einer Daueraufgabe) dat &s e Joor lää Laachduv Vogel, Lachtaube Lääschhoohn Vogel, Legehenne lääjerhäng Adv. mit leeren Händen jank n&6t lääjerhängs laarifaari Unsinn, leeres Gerede vertell jenge laarifaari K laatbedaad aus dem Niederl. langsam von Begriff, begriffsstutzig Labang (e) Herumtreiberin, unterwegs, nicht zu Hause sein Labbes Lümmel Ladeschwengel abfällig für Verkäufer Ladje hinten offener Pantoffel | Utt en Ladje kippe Lakretzdokter Arzt (abfällig) Lakretzwater Lakritzsaft lampesche lampesche Hahn, eifersüchtiger, verschlagener Mensch Lampett Wasserkanne Lankpuueht Insekt,Weberknecht (Spinnenart) langspeäsche sich vorbeizwängen läpesch vorlaut, wichtig machen sEch läpesch maake Lappekriemer abfällig für Tuchhändler L66&mkleäner abfällig für Pliesterer L6&jedecker Dachdecker : L6E&jemöp Lügner, verlogener Mensch L6&&nzezupp Linsensuppe LEjepong Obst, Birnensorte L6Ejjerevlaam Fladen mit ungebackenem Teigstreife Lenksklau Linksfuß, Linkshänder,ungeschickte Person Lötsch Litze, Borte am Saum Levaij sehr alt für Landstraße (Pavei)
TFT. Levite aus dem Alten Testament Eine Rüge erteilen Jmdn de Levite läese Liinte&&ke ein Mal, eine Narbe Liiseaij Ei ohne Kalkschale,Windei (zu liis) Liiverkoch Lebkuchenbäcker Lingeweäver Leineweber Linjesmän aus dem Fußball: Assistent, Linienrichter LöS8hder, Lüehder Gerber Löjsche Ohren Eng ater jen Löjsche krieje Lomelekriemer Altwarenhändler Löö1ö dummer Mensch, Tölpel lööpesch läufig, brünstig Lööres großgewachsener Junge (gutmütig) Lööt Hülse, Schote Äetzelööt, Bonnelööt Lööv eine Hutkrempe löuele Unsinn reden bröösele Loomätzmadamm Pfandleiherin = Lower Vogel, eine Lerche Ausdr.: de Lower stijje „es wird schön ,, Lowerblatt Gewürz, Loorbeerblatt Lühtwöremke Insekt, Glühwürmchen Lümäng sich schön anziehen zEch ijene Lümäng wärepe Lüpäng Blume, eine Lupine Lüster aus dem franz. ein Kronleuchter Lüühtemaan Nachtwächter Lutschstang Zuckerstange Määr Tier, eine Stute (weibl.Pferd) 5 Maatwiiv I. Marktfrau, 2. Schimpfw. Klatschtante majele mischen Majerang Gemisch, Mixtur Wat haste vör Majerang op ne Tälder? Maijkoov (scherzh.) jemanden in den Mai schicken seltener als Aprilscherz Maijkruut Waldmeister
78 Makadoores Held, Matador da späält at werem dr Makadoores Makaijsväref Kaseinfarbe Ma-ki-jaaj franz. Schminke (maquillage), Make-up malatsch flatsch, matschig dr Schniie schmelt en es malatsch malech Adı. je oder jeder malöröös (franz. malheureux) schade, schlimm, traurig Dat es malöröös Mamaskengk Muttersöhnchen Dat es e Mamaskengk Mandoliin Musikinstrument, eine Mandoline } mäng (präd), etwas los. Wat es hej mär mäng? manjoove futtern, essen. Jet et jJätt te manjoove? Manslüj allgemein f. Männer Mardjü Fluchwort (aus dem Französ.) Märekef Vogel, Markolf, Eichelhäher Marlutsch übermäßig dicke weibl. Person En dike Marlutsch Marölsche erfundene Lüge Marölsche vertelle maruede hungersschwach. Maruede va Honger Maschepän Marzipan Meälemaan (Vogel), Amselmännchen M&6gsterjaan (niederl), befehlshaberischer Mensch M66€jerot Majoran meeläves zufällig meeläves neet nie und nimmer, unglaublich! Meelker sehr alt für männlichen Hering Möspel (wilde Frucht), Mispel Megstat Missetat metpiipe passiv mitrauchen Missäl (Messbuch), Missale milldiü (Fluch, französ.) potztausend! Mim Kosename für Katze Mimmel (Frucht), Johannisbeere (auch: Wimmel) Minschesspe€l Gedränge, Menschenmenge Mirabäll (Frucht), Pflaume, Mirabelle mofele tüchtig essen
79 Mögep6&6s (Mög = Mücke, pees= Harn), ein nichts, etwas Geringfügiges. Dat &s mär ene Mögepe6s. möle sich schlagen Se hauwe s6ch jemölt molest&&re verletzen, beschädigen, unsanft behandeln Möndel Mündel Ech ben dinge Vörmond än dow mii Möndel Mooneka Musikinstrument, Ziehharmonika Moonekasdöör Falttüre Mäöntel Teil des Pferdegeschirrs, Kopfgestell (Halfter) möpse stehlen, entwenden, mopsen Dä hat mech bemöpst Moreks anspruchsvolle schwere körperliche Arbeit (vgl. Murks = unordentliche Arbeit) Bajeere &s Moreks Mottekruut Gewürz, Wermut Mowevriiver (unangenehmer) Schmeichler, Speichellecker Muffkopp ständig schlecht gelaunter Mensch Mukefuk sehr dünner Kaffee F Die schödde är Mukefuk op Muketuke (Schimpfwort), Tölpel Dat €s vielleich e Muketuke! Mullejan Maulheld (Mullefluppes, Mullethiss) Mullewiiv (Schimpfwort), Klatschbase, Klatschweib müskestel mäuschenstill Op 6&mol wor et müskestel Mutschke zärtliche Bezeichnung für Kälbchen Muulber Himbeere Muuze Schmalzgebäck, (O„Puffele‘‘), Krapfen
80 Aus einem Kelmiser Familienbuch von Alfred Bertha Vorbemerkung Die nachstehenden Notizen wurden uns in einer Abschrift ohne Angabe der Herkunft überlassen. Da sie neben den genealogischen Details zur Familie Mostert auch viele Aspekte des täglichen Lebens im ehemaligen neutralen Gebiet von Moresnet und den umliegenden Orten berühren, dürften sie bei manchen Lesern dieser Zeitschrift auf Interesse stoßen. Die ersten Aufzeichnungen beginnen 1835/1836 und sind aus der Feder von Johann Gerard Mostert, der 1805 in Kelmis geboren war als Sohn von Johann Nicolas Mostert und Johanna Catharina Cann (Caen). Er heiratete 1835 in Montzen, wohnte aber 1836-1840 in Gemmenich, 1842-43 in Montzen, 1846 in Moresnet, 1858 in Kelmis. Er starb 1870. Die Aufzeichnungen führte sodann der Sohn Joseph weiter und nach diesem zuletzt der gleichnamige Enkel. Die letzte Eintragung (am 3. September 1914) vermerkt die Wahl des Kardinals della Chiesa zum Papst (Benedikt XV.), erwähnt aber mit keinem Wort die durch den Kriegsausbruch schon seit Anfang August 1914 total veränderte weltpolitische Lage. An der Rechtschreibung wurden zur besseren Lesbarkeit kleinere Korrekturen vorgenommen. Zudem haben wir einige Erläuterungen hinzugefügt. Über Familien Gegenstände des J. G. Mostert Ich, Johann Gerard Mostert, wurde zu Kelmis am 23. Februar 1805 geboren und hielte meine erste Communion 1818 in Moresnet und auch gefirmt das nemliche Jahr. Und verheirathet mich zu Montzen mit der Anna Maria Josephina Hubertina Magdalena Hoeschen, Dienstag den 8. September 1835 um 5 Uhr nachmittags. Sie wurde geboren zu Moresnet den 4. Mei 1815. Wir zeugten Erstens wurde am Montag den 9. Mei 1836 zu Gümminich (= Gemmenich) um ein Uhr nachmittags geboren der Nicola Joseph Hubertus, ist getauft
81 von J(ohann) Deodor Laurent'. Taufpate sind J. Nicola Mostert und Maria Josephina Gertrudi Hoeschen. Ist gestorben Samstag den 28. Juli (?) 1836 um 8 Uhr Morgens zu Güminich. Zweitens Wurde am Samstag den 22 April 1837 zu Güminich um halb ein Uhr des Nachts geboren der Johann Hubert Joseph getauft von J. D. Laurent; seine Taufpaten sind Nicola Joseph Mostert und Maria Josephina Gertrudi Hoeschen. Hat geheiratet am 11 Aus. 1862. Drittens Wurde am Sonntag den 24 Februar 1839 zu Gümminich um halb zwölf Uhr vormittags geboren die Maria Josephina Hubertina, ist getauft von J. D. Laurent. Die Taufpaten sind Franciskus Wilhelmus Hoeschen und Maria Josepha Mostert. Es hat geheiratet im September 1869. Gestorben am 6. November 1911 in Moresnet, abends 6 Uhr. Viertens Wurde am Montag den 2. November 1840 zu Gümminich um 2 Uhr des Nachts geboren der Hubert Joseph Deodorus, ist getauft von J. D. Laurent; die Taufpaten sind Johann Deodorus Mostert und Maria Magdalena Hoeschen. Hat sich geheiratet am 3 Feb. 18... mit Maria Magdalena Hanszen, gestorben am 2. September 1866 zu Dison um 12 Uhr mittags. Fr Fünftes Kind Wurde am Freitag den 14. October 1842 zu Montzen um 6 Uhr nachmittags geboren die Maria Theresia Hubertina, ist getauft von Pfarrer Merkelbach. Seine Tauftpaten sind Hubertus Joseph Hoeschen und Anna Maria Barbara Puns. Ist zu Kelmis gestorben Montag, den 15. Juni 1846 um acht Uhr des Morgens. ! Johann Theodor Laurent, geb. in Aachen am 6. Juli 1804, hatte einen luxemburgischen Vater (aus Marnach) und eine Aachener Mutter. Er studierte in Bonn und in Lüttich und wurde am 14. März 1829 in Namür zum Priester geweiht. Von 1829-1835 wirkte er als Kaplan in Heerlen. Am 25. März 1835 ernannte ihn der Bischof von Lüttich zum Pfarrer von Gemmenich. Von hier aus verfolgte er aufmerksam die Kirchenpolitik der preußischen Regierung. Zum Bischof geweiht wird er am 27. Dezember 1839 in Lüttich. Es folgte die Er- nennung zum Apostolischen Vikar von Hamburg und Dänemark; der Widerstand der preußischen Regierung machte es Laurent jedoch unmöglich, sein Amt anzutreten. Der Vatikan fand jedoch ein neues Wirkungsfeld für den noch jungen Bischof und entsandte ihn am 1. Dezember 1841 als Apostolischen Vikar ins Großherzogtum Luxemburg, wo er bis 1848 tätig war, dann aber wegen ständiger Reibereien mit der liberal eingestellten Regierung sein Amt niederlegte. Er zog sich in seine Heimatstadt Aachen zurück, wo er noch lange segensreich wirkte.
82 Sechstens Wurde am Samstag vormittags um 11 Uhr den 4 November 1843 zu Montzen geboren die Maria Catrina Hubertina, ist getauft von Pfarrer Merkelbach. Seine Taufpaten sind Johann Joseph Dahlen und Maria Catrina Mostert. Geheiratet mit Jos. Haske. Gestorben am 22. Februar, samstags, nachmittags, 1890. Siebentens Wurde am Freitag den 27. Februar 1846 zu Moresnet um 3 Uhr Morgens geboren die Maria Magdelena Hubertina ist getauft von P. J. Schmetz. Taufpaten sind Johann Paulus Mostert und Maria Magdalena Hoeschen. Gestorben am 25. Juni 1880 um (?) Uhr morgens in Kelmis. Achtens ; Wurde am Donnerstag den 21. Dezember 1848 um 8 Uhr des Abends geboren zu Kelmis Maria Teresia Hubertina, getauft von P. J. Schmetz. Seine Taufpaten sind J. Henricus Scheen und Maria Teresia Hoeschen. - Ist zu Kelmis gestorben Samstag den 11. Januar 1851 um 3 1/2 Uhr des Morgens. Neuntens Wurde am Samstag den 1. Mertz 1851 zu Kelmis um 7 Uhr des Abends geboren die Maria Johanna Cornelia Hubertina, ist getauft von P. J. Schmetz; seine Taufpaten sind Johann Cornelius Hubertus Mostert und Maria Johanna Hoeschen. Gestorben Dienstag, den 28 Februar, abends um 11 Uhr zu Kelmis 1856. Zehntens Wurde am Sonntag den 1. Mai 1853 zu Kelmis um 4 Uhr des Morgens geboren die Maria Hubertina Gertrudi, ist getauft von P. Schmetz Seine Taufpaten sind Hendrich Joseph Dahlen und Maria Gertrudis Mostert. Es ist zu Kelmis gestorben Mittwoch den 30. Mei 1855 um 5 1/4 Uhr des Morgens Maria Hubertina Gertrudis Mostert. Elftens Wurde am Dienstag den 24. Juli 1855 zu Kelmis um 10 Uhr abends geboren der Peter Hubert, ist getauft von P. J. Schmetz. Seine Taufpaten sind Peter Joseph Schillings und Maria Barbara Wauters. Verheiratet mit Sophia Bonselet. Zwölftens Wurde am Mittwoch den 14. April 1858 zu Kelmis um 9 Uhr abends geboren die Maria Hubertina, ist getauft von P. J. Schmetz zu Moresnet. Seine Taufpaten sind Bartolomeus Kohl und die Schwester Maria
83 Josephina Hubertina Mostert. Geheiratet mit Peter Dütz. Gestorben am 10. Juli 1883 um 9 Uhr Morgens in Kelmis. Sterbefälle Mein Vater, Gerhard Mostert, starb am 11. August 1870 donnerstags um 9 Uhr morgens zu Kelmis auf Krickelstein und wurde begraben sonntags nach der Vesper, den 14. August 1870. Und der feierliche Leichendienst geschah am 20. August 1870 um 8 Uhr morgens in Kelmis mit drei Geistlichen. Am 12. September 1871 war das erste Jahrgedächtnis meines seligen Vaters, geschrieben Jos. Mostert (Sohn) Meine Mutter Hubertina Heuschen, Frau Willem Ger. Mostert, starb am 15. April 1898, freitags morgens 6. Uhr, wurde begraben Sonntag, den 17. April 1898, nachmittags um 5 Uhr. Leichendienst war Freitag den 22. April. Begraben auf dem neuen Kirchhof an dieser Seite vor dem Leichenhaus, links am Wege, zweite Reihe von oben, 3. Grab. Meine Mutter Johanna Cathrina Cann starb zu Hergenrath Mittwoch den 15 Mertz um halb ein Uhr des Nachts 1837. Wurde geboren im Jahr 1780. Mein Vater Johann Nicola Mostert starb zu Hergenrath Mittwoch den 17. Februar 1841, um 4 Uhr und 10 Minuten morgens. Wurde geboren den 31. August 1772. Und seine beiden halbe Brüder Deodorus Mostert starb den 24. October 1843 abends um 8 Uhr. Und Paulus Mostert starb den 11. October 1852 gegen 1/2 9 Uhr abends im Alter von 66 Jahren. Meine Schwägerin Maria Teresia Mostert geborene Leonards starb am Donnerstag um 11 Uhr vormittags den 8. April 1858. Und mein Bruder N. J. Mostert starb am Freitag morgens um 6 Uhr den 7. Dezember 1860 und liegt zu Hergenrath begraben vor das 5. Kreutz von der Station (= Kreuzweg) nach die Kirche zu gerechnet. (geschrieben von Gerhard Mostert) Mein Vetter Johann Gerhard Joseph Hermens, Organist zu Moresnet, starb am 25. Februar im Alter von 56 Jahr. Mein Großvater Franz Heuschen starb Montag den 6. Januar 1875 zwischen 3 und 4 Uhr nachmittags zu Montzen; begraben am 9. Januar 1875 in Montzen (geschrieben Jos. Mostert, Enkel 1875). Meine Großmutter Maria Josephina Gertrudis Van der Heiden, Frau von Franz Höeschen, starb am 5. Juli 1866 abends 11 Uhr in Montzen. (geschrieben Jos. Mostert (Enkel)).
84 Cornelius Hubert Mostert Bürgermeister der Gemeinde Hergenrath und Hauset starb am 4. August 1887 im Alter von 67 Jahren. Er ist begraben in Hergenrath an der N° 149 am 8. August 1887. Das Söhnchen Jos. von meiner Tochter Maria wurde geboren am 2. Juli 1888 in Kelmis, gestorben etliche Monate alt. Meine Schwiegermutter, Johanna Maria Stütgens geborene Pauly, ist gestorben am 3. Märtz 1890 zu Baelen im Alter von 81 Jahren. Mein Schwiegervater Lorentz Stütgens war Küster in Hergenrath, gestorben, das Jahr ist mir unbekannt. Ich, J. G. Mostert, wurde in die Bruderschaft vom Lebendigen Rosenkranz eingeschrieben am 31. Juli 1864. 7 Ich habe meine erste hl. Communion zu Moresnet am 30. Juni 1816 gehalten und auch gefirmt des Jahres im Herbst. Ich, Jos. Mostert, hab meine erste h. Communion gehalten in Moresnet am 22. Juni 1848 (vom Pastor P. Jos. Schmetz), gefirmt im Jahr 1850 in Aubel durch Bischof van Bommel aus Lüttich. Meine Tochter Anna Maria Mostert hielt ihre erste h. Communion in Kelmis am 21. Mai 1876 vom Pastor Renardy (dritter Pfarrer von hier). Meine Tochter Hubertina Philomena Mostert hielt ihre erste h. Communion in Kelmis am 26. Mai 1878 (vom Pastor Renardy), wurde gefirmt von Victor Joseph Doutreloux, Bischof von Lüttich, am 18. Oktober 1880. Am 17. und 18. Oktober 1881 wurden in Baelen 1900 Kinder aus Eupen gefirmt vom hochwürdigsten Bischof von Lüttich Viktor Doutreloux. Und am 22. Oktober 1881 wurde die neue Kirche in Welkenrath eingeweiht vom oben genannten Bischof. Am 31. März 1882 wurde der Bürgermeister J. Kohl, welcher etwa 23 Jahre Bürgermeister für Neutral- und Preußisch-Moresnet gewesen, durch die zwei Kommissare von Eupen und Verviers abgesezt. Und Herr Bilharz (Direktor) als neuer Bürgermeister am 1. April 1882 abends gegen 7 Uhr feierlich von der ganzen Gemeinde und allen Vereinen (11 bis 12 an der Zahl) eingeführt: Fackelzug, Böllerschüsse, Illumination, Bengalisches Feuerwerk und das ganze Dorf beflaggt. Der Winter von 1881 auf 1882 war so gelind, dass wir bloß zwei bis drei Tage etwas Schnee gesehen haben (wenig Frost). Verschiedenes Am 23. Mei 1869 habe ich reife Kirschen gegessen. Der Johann Hubert, Sohn von Magdalena Mostert, wurde geboren am 17. April 1873 zu Dolhain/Baelen.
85 Am 7. Juni 1874 bin ich Jos. Mostert in die Schützen-Gesellschaft vom h. Hubertus in Kelmis eingetreten. Am 21. Mai 1878 ist der hochwürdige Herr Dückarts (= Duyckaerts), gewesener Kaplan in Hodimont, als Kaplan hier in Kelmis eingetreten. Sonntags, am 17. Oktober 1880, wurde unser Hochwürdigster Herr Bischof Victor Joseph Doutreloux aus Lüttich auf der Geul-Brücke hier in Kelmis mit einem großartigen Fackelzug, woran sich alle Gesellschaften und Vereine von hier beteiligten, abgeholt. Des Abends um 7 Uhr und am 18. Oktober d. J. spendete er unseren Kindern, wie auch denen der benachbarten Pfarreien Montzen, Bleiberg, Sippenaeken, Gemmenich, Moresnet, Hergenrath und Hauset das heilige Sakrament der Firmung?. Im Anfang April 1881 ist die große Kirchen-Uhr in Hergenrath in dem Kirchturm aufgestellt worden. Die Stationen (= Kreuzweg) in der Kapelle zu Moresnet sind aufgehängt worden im März 1881. In Moresnet starb am 27. September 1881 der hochwürdige Jubilar- Priester Peter Jos. Schmetz im 74. Jahre seines Alters und im 45. Jahr als Priester. Am21. Mai 1882 waren es fünfzig Jahre, dass die Aachener Prozession aus der Pfarre St. Jakob in Moresnet am Eicksken war. Vom 16. auf den 17. Juni 1882 hat es gefroren, dass ganze Distrikte Kartoffeln, Bohnen und was den Frost nicht vertragen kann befroren war. Am 16. Juni 1883 wurde der hochwürdige Herr Doutreloux, Bischof von Lüttich, hier in Kelmis festlich empfangen durch Herrn Bürgermeister Bilharz. Die Altenberger Musik-Kapelle, die Hubertus Schützen-Gesellschaft, die Sebastianus-Schützengesellschaft, sowie der Kriegerverein und der Gemeinderat waren begleitet von 41 Reitern zu Pferd. Am 17. Juni spendete der Hochwürdigste den Kindern von hier, Lontzen und Hergenrath die h. Firmung. Des Nachmittags besuchte er die Gnadenkapelle zu Moresnet. Am 18. Juni wurden die Pfarreien Bleyberg, ? Sehr eigenartig ist bei dieser Firmreise, dass der Bischof von Lüttich auch auf dem Gebiet des Erzbistums Köln (Hergenrath, Hauset, Lontzen) tätig wurde. Auch einige Jahre später, 1883, ist es wieder der Bischof von Lüttich, der in Hergenrath und Hauset die Firmung spendet. Bietet der sog. Kulturkampf zwischen der preußischen Regierung und der katholischen Kirche (1874 - 1885) eine Erklärung für die Hilfe aus Lüttich? Der Kölner Erzbischof Paulus Melchers war 1876 durch den preußischen Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten amtsenthoben worden. Etwa 10 Jahre lebte er in den Niederlanden im Exil im Kapuzinerkloster in Maastricht. Erst nach Beendigung des Kulturkampfes verzichtete Melchers auf das Erzbistum Köln. Bleyberg bildete keine eigene Gemeinde und auch keine Pfarre, sondern gehörte pfarrlich zu den umliegenden Orten Montzen, Gemmenich und Homburg.
86 Gemmenich, Montzen, Moresnet, Sippenaeken und Rötgen gefirmt; des nachmittags um viertel vor fünf Uhr kehrte seine Hochwürden wieder zurück nach Lüttich. Am 26. August 1883 um ein Uhr Mittags kamen schon 60 bis 70 Stück Wildgänse hier über Kelmis und zogen auf Süden zu. Der Sommer von 1883 war sehr schlecht, denn vom 2. Juli an hat es fast alle Tage geregnet. Die letzte große Leiche auf dem alten Kirchhof war das Mädchen von Barth, 17 Jahre alt. Das letzte Kind war von Leonard Debie, einem Arbeiter in der Wäsche (Januar 1884). Am 15. April 1883 war ein feierliches Hochamt am St Joseph-Altar hier in Kelmis, weil der große Chor und Altar restauriert und der St . Joseph -Altar vergoldet worden war. | Sonntags den 21. August 1881 hat der erste Gottesdienst in der neuen Kirche in St. Jakob in Aachen stattgefunden. Die große Kirchenuhr in Hergenrath, welche anfangs April 1881 da angekommen, hat gekostet 1400 Mark. Am 13. April 1883 habe ich die kleine Eisenbahn von Vosije nach Altenberg fertig gemacht‘. Am 12. September 1871 war das erste Jahrgedächtnis meines seligen Vaters, geschrieben Jos: Mostert (Sohn) Am 1. Juni 1883 ist der Herr Kaplan Dükertz von hier als Pfarrer nach Xhendelesse bei Herve abgegangen. Und am 1. Juni 1883 ist der neu geweihte Herr G. Gijesen gebürtig aus Aachen, hier in Kelmis als Kaplan eingetreten. Im Oktober 1879 ist die zweite Vergrößerung der Muttergotteskapelle in Moresnet (nämlich Schiff und Chor) fertig geworden und im Mai 1880 ist die alte Kapelle, welche in der neuen stand, abgebrochen worden. Am 28. Juni 1880 hat man begonnen mit der Kirchenmalerei hier in Kelmis; sie ist fertig geworden Anfang November dieses Jahres. Der Dombau zu Köln ist fertig geworden und durch Kaiser Wilhelm den Ersten von Deutschland der letzte Stein auf dem nördlichen Turm gelegt worden am 16. Oktober 1880. Am 21. Dezember 1880 stürzte auf der Rheinischen Eisenbahn am Breitenstein (zwischen Aachen und Astenet) der ca. 10 m hohe Eisenbahndamm in wenigen Augenblicken auf eine Länge von ungefähr ? Es handelt sich um die kleine Feldbahn, die das Zinkerz der Grube Fossey («Vos-ije») nach Kelmis zu den Werksanlagen der Vieille-Montagne brachte. Der Stollenausgang befand sich an der Hammermühle
87 300 m in den Teich und in die Wiese von Breitenstein sowie auf die Köln-Lütticher Staatsstraße“. Der Kaplan Bienefeld aus Hergenrath trat am 4. Juni seine zehntägige Festungshaft auf Ehrenbreitstein bei Koblenz an, welche gewisse Einwohner aus Hergenrath bei einer «Armen-Seele-Predigt» auf dem Kirchhof ihm «angeschield» hatten. (Aus der Hergenrather Pfarrgeschichte wissen wir, dass Vikar Bienefeld in seiner Predigt am Allerseelentag auf dem Hergenrather Friedhof den Selbstmord aus christlicher Sicht verurteilt hat, was ein Gerichtsverfahren und eine Festungshaftstrafe zur Folge hatte.) Am Sonntag dem 24. August 1879 starb Theodor de Montpellier, Bischof von Lüttich im 73. Jahre seines Lebens und im 27. seines bischöflichen Amtes. Er war der 85. Bischof von Lüttich. Am 28. September 1879 sind die neuen Stationen in der Kirche hier in Kelmis eingesegnet von einem Franzißkanerpater vom Eichsgen in Moresnet. Im Jahre 1881 war wieder ein Jubiläum für das Heil der Kirche vom April bis Dezember. ‚Papst-Feste. Der Nachfolger des heiligen Vaters Pius des IX. ist am 20. Februar 1878 des Nachmittags um halb zwei Uhr von der St Peters-Kirche in Rom unter dem Namen (Leo der XIII.) ausgerufen worden. Ein Jahr nach der Thronbesteigung des Papstes (Leo XIII.) war ein Jubiläum für die ganze Christenheit, angefangen am 2. März und endiget am 31. Mai 1879. Um den Ablaß zu verdienen, war vorgeschrieben. 1. Ein Tag Fasten 2. Ein Almosen geben 3. Sechsmal die Pfarrkirche besuchen und jedesmal 5 Vater unser beten. (Am 13. Juli 1873 dagewesen J. Mostert) Die Mauer (oder Damm) des Wasserbehälters von Verviers (bei Go6e) hat auf einer Höhe von ungefähr 20 m eine Dicke von im Durchschnitt noch 60 Schritt. Dieses Mauerwerk ist angefangen im Jahre 1866. Im August 1875 hat man das Wasser darin gelassen. * Dieser Dammsturz geschah nachmittags gegen 14,30 Uhr, nachdem erst ganz kurz zuvor noch zwei Eisenbahnzüge die Unglücksstelle passiert hatten. Der Verkehr auf der Eisenbahn und der Staatsstraße wurde bis zur Wiederherstellung vollständig unter- brochen. Erst am 31. Dezember 1880 war die Rheinische Eisenbahn am Breitenstein wieder in Fahrtrichtung Aachen-Astenet befahrbar.
88 Die Vergrößerung des Kirch-Hofs in Hergenrath geschah im Monat Mai 1878. Die Nummersteine auf demselben sind gesetzt im Monat Juni desselben Jahres. Am 2. August 1878 Freitags nachmittags 2 Uhr ist der neue Hahn in Hergenrath auf’m Kirchturm gesetzt worden (Kosten 400 Mark). Am 28. Juli 1878 ist der große Wasserbehälter an der Gileppe bei Goe durch den König Leopold II. von Belgien eröffnet worden. Am 7. April 1878 hat uns unser hochwürdiger Herr Kaplan J. Lacroix verlassen, um als Pfarrer in Bas-Oha bei Namur einzutreten. Er war seit seiner Priesterweihe 1868, als Vikar hier in Kelmis (Gott segne sein Andenken). Am 16. April 1879 ist der Toten-Wagen von Walhorn, das erste Mal’ gebraucht worden. Die Leiche war ein Bahnwärter bei Astenet Namens Peter Peters. Am 27. April 1879 wurde die neuen Fahne der Hubertus-Schützen- Gesellschaft feierlich durch den Herrn Pastor Renardi eingesegnet, wobei sich drei Gesellschaften beteiligten, nämlich die Barbara Gesellschaft von hier, die Gesellschaft von Hergenrath Martinus, die Hubertus Gesellschaft aus Lontzen. Am2. Oktober 1876 ist der große neue Altar am Eikschen in Moresnet angekommen; kostet 600 Thaler, oder 2200 und 50 fr. Am 3. Februar 1877 sind die Aufsätze an den Vesper Stühlen im Chor hier in Kelmis aufgestellt worden. Am 19. Mai 1877 ist der Telegraf von Preußisch Moresnet auf Hasard in Kelmis in Tätigkeit gesetzt worden. Am 21. Mai 1877 war das große Bischof-Jubilar Fest Papst Pius des Neunten, wobei eine allgemeine Illumination abends in ganz. Belgien und besonders hier in Kelmis stattfand. Sonntag den 23. Sept. 1877 abends 6 Uhr wurde der hochwürdige Bischoff Victor Joseph Doutreloux aus Lüttich feierlich auf der Geulbrücke mit Musik, den beiden Schützengesellschaften und dem Joseph-Verein abgeholt und am 24 Sept. um 7 Uhr morgens hielt Er seine h. Messe, worin er bei 1000 Mann kommunizierte und nach der h. Messe spendete er den Kindern aus dieser Pfarre die h. Firmung, darnach den h. Segen und zuletzt prozeßionsweiße zum Kirchhofe, wobei noch 14 andere Priester waren, danach war Kirchenvisitation. Ein so schönes Fest hat Kelmis vorhin noch nicht erlebt. Die Straßenbeleuchtung hier in Kelmis hat ihren Anfang genommen am 8. November 1877. Am 31. Dezember 1880 war die Rheinische Eisenbahn am Breitenstein wieder befahrbar (von Aachen nach Astenet).
89 Am 5. Mai 1875 Mittags halb zwölf Uhr schlug der Blitz beinahe die hälfte vom Kirchtuhrmspitze hier in Kelmis hinunter das heist bloß die Schiefer und Bretter. Am 17. Juli 1875 sind die Kinder von 7 Pfarren nämlich von Kelmis, Moresnet, Montzen, Homburg, Sipenacken, Blijberg und Gemmenich hier in Kelmis (für‘s erste mal) gefirmt worden vom Hochwürde Bischof von Lüttich, Theodor, Alexis, Joseph de Montpelier wobei auch der Bischof Laurent aus Aachen zugegen war. Am 25. Juli 1875 sind die zwei Bilder (vorstehlen das hl Hertz Jesus und Hl Herz Maria) im Chor aufgestelt worden in unsere Pfarrkirche hier in Kelmis Am 21. August 1875 sind die zwei neue Beichtstuhl in der Kirche hier in Kelmis aufgestelt worden. Sontags den 28. August 1875 Elf Uhr vormitag ist die Kirchthurmspitze hier in Kelmis welcher am 5 Mai 1875 vom Blitze beschäticht wurde, wieder fertig geworden, (kosten war 800 Thaler oder 3000 frs,) Im Jahre 1875 war das große Jubileums=Jahr welches alle 25 Jahre gehalten wird, bei dieser Gelechenheit war hier in Kelmis eine zehn tägliche Mission vom 24. Oktober bies am 2. November : (gehalten von drei Erw: Redemptoristen Pater‘s). Ende Sommer 1875 haben sich die Franziskus Paters am Eisken, bei Moresnet angesiedeld. Der Blitzableiter an der Kirche hier in Kelmis ist angeschlachen worde am 18-19 Mai 1876. Am 1 August 1876 hat die deusche Post auf preusisch Moresnet ihren Anfang genommen. Am 17. Oktober 1873 Freitags um 2 Uhr Nachmitags ist das Kreutz auf der neuen Kirchthurm hier in Kelmis aufgeflantz worden (ohne Hann) Ein viertelstund vor die aufflanzung hab ich Joseph Mostert mit meinen zwei Füße gradauf, auf die große Bulle (oder Knopf) gestanden... Am 13. November 1873 ist der Hahn aufm neuen Kirchturm hier in Kelmis aufgepflanzt worden. Am 24. Dezember ist die neue Kirchturmspitze hier in Kelmis fertig. geworden.(1873). Am29. Juli 1874 ist Herrn J. Dahlen als Pfarrer in Belgisch=Moresnet feierlich installiert (eingeführt) worden. Am 18. April 1875 ist der neue Kronleuchter angekommen und im großen Chor (Mittelschiff) hier in Kelmis aufgehängt worden. Am 12 Juni 1873 war der Canton Limburg prozesionsweise am Eikschen in Moresnet wo von mehreren Geistlichen ein feierliches mußikalisches Hochamt im Freien gehalten wurde.
90 Am 22. Juni 1873 war die größte Prozession am Eikschen in Moresnet, die jemals dagewesen ist, nämlich alle Katholische beiderlei Geschlechts mit ihren Fahnen aus Aachen, wohl 14000 bis 15000 Mann. Es wurde eine Messe gelessen und Predigt im Freien gehalten. Diese Prozesion hat eine Kerze geschenkt von 27 Fuß Länge und 83 Kilo schwer zum Andenken an Papst Pius IX. Am 20. Juli 1873 war die Prozesion aus der deutschen Gemeinde von Verviers am Eikschen in Moresnet (zur Befreiung des H. Vaters Pius IX). Im April 1875 sind die kristallenen Kronleuchter in der Kirche gekommen. Im Jahre 1873 ist die Selters=Wasser Fabrik auf Preußisch -Moresnet angelegt worden. j Am 11. Mai 1873 ist das große Christusbild am Eikschen in Moresnet eingesegnet und am nämlichen Tage wurde die neue Vorkapelle eingesegnet. Am29. Mai 1873 waren allen Pfarren des Canton Aubel Prozesionsweise mit drei Dechanten, und Herrn Warblings Generalvikar der Diözese Lüttich und etwa 30 Priester an der Kapelle zu Moresnet zugegen, wobei ein feierliches Hochamt von dem Herrn Pfarrer Nijssen aus Gemmenich celebriert wurde.Der Dechant von Aubel, der Dechant von Limburg und der Pfarrer von St. Martins-Vuren dienten. Am 1. September ist das Telegraphen-Bureau von Bleijberg nach Welkenraht eröffnet worden. Am 1. Oktober 1871 ist der Telegraf von Altenberg (Kelmis) eröffnet worden nach Welkenrath und Bleijberg. Am 25. Juli 1872 ist die Eisenbahn von Aachen nach Bleiberg für das Publikum eröffnet worden. Am 16. Februar 1873, nachmittags in der Vesper, ist die neue Orgel in Hergenrath dem Gottesdienst übergeben worden und am 17. Februar 1873 hat die neue Orgel die erste Messe gespielt (eine Engelmesse für das Kind von Jos. Thielen und Wilhelmine Stütgens, ein Knäbchen von 5 Jahren). Am 17. Märtz 1871 um 10 Uhr Morgens ist daa erste mal mit die drei neuen Glocke in der Kirche hier in Kelmis geläudet worde. Im Februar 1871 ist den Frieden geschloßen worden zwischen Preußen und Frankreich. Am 222. Märtz 1871 ist das Friedens Andenken unter der Evangelische Kirche auf Preußisch=Moresnet des Abens 7 Uhr feierlich angebracht (?) worde. Den ersten Todte der mit unsere drei neue Glocke beläutet ist worde war Joh. Frank am 30. Märtz 1871.
91 Am 16. 17. und 1 Juni 1871 ist das 25 Jahre=Papst Pius des IX feierlich in der ganze Christenheit gefeiert worden und des Abens mit große Illumination. Am 14. Sept. 1870 hat die erste Lokomotiefe zwische Welkenrath und Bleiberg gefahren und am 22 Sept 1870 ist der erste verunglückt auf dieser Eisenbahn nämlich ein Bein und ein Arm ab (aus Gemmenich) Am 2. Märtz 1871 Nachmitags 2 Uhr ist die Altenberger Eisenbahn feierlich eröfnet worden durch dem Hernn St Paul de Saijee. Altenberger O General=Direktor von Angeleur. Das Essen fand staht im Schützenlokal. Am 19. Juni 1873 wurde der neue Kirchthurm Kelmis zu 1000 700 Thaler verausgabt (nach Euppen) Den Pfahrer Langhor von Kelmis abgegangen am 28 Septem 1869. Und den Pfahrer Renardi ingeführt am 12 October 1869 Den Armebeutel in der Kirche zu Kelmis angefangen am 5 Septem 1869. Mein Sohn Peter Hubert Mostert hat aufm Altenberg am die Schreinnerrei angetan den 14 Febr 1860. Am 16 August 1870 sind die ersten drei neue gußstahlene Glocken in Kelmis angekommen und am 28 Aug 1870 Sontags um 4 Uhr Nachmitags feierlich von Pastor J. Schmetz aus Moresnet geweihet worden. Die erste Glocke hat geläutet vom Thurme herab am 9 September 1870 Abens 7 Uhr. Die Midele Glocke hat geläutet das erste mal für die Frau Hackens (Küster) welge gestorben war. Meine Schwiegermutter Maria Josephina Gertraudis Van der Heiden Frau von Frantz. Hoeschen starb am 5 Juli 1866 Abens 11 Uhr in Montzen. Am 1. Dezember 1867 wurde die Untere Stattue der Schöne Finster der Kirche zu Kelmis vom Wind zerbrochen im Monat drannach wieder vom Wind zerbrochen. Ihm Jahr 1868 wahr Ostertag den ganzen Tag mit Schnee besetz und Ostermontag dem 13 April eine sehr hohe Schnee gefalle. Ihm Jahr 1868 den 25 Meij ist den Neue Kantzel oder Predigstuhl zu Kelmis erreicht. Im Jahr 1870 den 11 Dezember ist in der Pfarr Kirche hier in Kelmis der Männerverein eingeführt worden. Im Jahr 1864 ist die neue Pastorat an der evangelischen Kirche gebaut worden.
92 Nachricht über die Einweihung der Kirche zu Kelmis 1865 Am 3. October 1865 wurde unsere Neue Kirche feierlich eingeweiht durch den Bischoft Monpelier von Lüttich und den Bischof Deodor Laurent von Aachen mit großer (...) unter Regierung der Pastor Fleimens (=Flemings) und Vicar Siegers und Bürgermeister Kohl. Der Kirchablaß 1 Jahr u. 8 Tage und danach 40 Tage. Der Erste dann gestorben ist ein Kind Maria Cathrina Lemaire und ein Großer (=Erwachsener) ist Johann Mathias Laschet, 82 Jahr alt, und meine Eltern Jahrmesse darin gehalten den 30 Octr. 1865. Die Jübiläen darin angefangen 1 Decbr. 1865 für die Drangsääle der Welt oder des Glaubens mit einer Mision von 3. bis 13 Decbr; am 10. wurde das Missions Kreuz errichtet und hat gekostet (??) Nachricht über den großen Kirchenbau zu Kelmis. Am 8. Juli 1858 wurde der Kirchplatz zum ersten Male abgemessen und die Kirchpforte lag der Schule gegenüber. Wieder abgemessen 15. Mei 1862. Und nachher wieder abgemessen durch den Herrn Phapf und Gerhard Mostert am 6 Septem. 1862 und danach am 9 Septem. sind die Fundamente angefangen und am 7. Octob 1862 hat Karl Schönauen den ersten Stein an der nördlichen Turmecke gelegt. Und im Jahr 1864 Anfang des Jahres wurde das Dach des Kirchenschiffs fertig. Am 18. Mei 1863 war die große Feierlichkeit über die Stein- oder Dokumente-Legung hinter dem großen Altar im Chor (?) durch den Herrn Dechant Klausener von Herve und die Direktion des Altenbergs, Herrn De Sincay und die Herren Bürgermeister Herr Kohl von Kelmis und Mostert von Hergenrath, wie auch unser Pastor Flemmincks und Vikarius Siegers. (=Segers). Danach den Chor auf Fensterhöhe aufgebaut und wieder abgerissen und 9 Fuß länger gebaut. Am 1. October 1864 wurde das Mauerwerk des neuen Kirchturms fertig. Im Jahr 1865 wurde das Dach des Turms im Octr. fertig. Und das Kreuz darauf ist hoch 15 Fuß und die Arme jeder lang 6 Fuß. Der Hahn darauf ist lang mit Kopf und Schwanz 1 Meter 6 Centimeter, die Höhe ist 1 Meter 13 Centimeter mit Kopf und Beinen und wiegt 14 Kilo, ist dick 32 Centimeter; das Kreuz ist errichtet worden am 18 Augs. 1865 gegen 4 Uhr nachmittags zum Kirchturm die Kirche soll kosten 2880 Thlr. Am 5. August 1869 sind die neuen Vesper-Stühle zu Kelmis in der Kirche gekommen.
93 Die Eisenbahn-Steigung von Aachen bis Herbesthal. Von Aachen bis Ronheide ist 175 Fuß, 7 Zoll. Von Ronheide bis Herbesthal ist 31 Fuß, 4 Zoll. Also sind insgesamt 206 Fuß, 11 Zoll oder 62 Meter, 48 Centimeter. Für Dachpfannen von Belgien und Wallederheide (Walhorner Heide?), die Latze auf 25 lunte oder 8 1/2 Dumm (Maßangabe?). Die Aachen-Lütticher Geulbrück zu Kelmis ist fertig 1750, wie auch das Galmei-Magazin mit zwei Stein... und sind fertig 1816 nahmen ihren Anfang. Am 10. Mai 1873 morgens 8 Uhr zersprang das zweite Pulvermagazin. Zu Moresnet wurde der neue Kirchthurm angefangen im Jahr 1864 und beendet im Jahr 1865. Die 2 neuen Glocken darin sind getauft am 29. Juni 1865 unter Pastor Schmitz u. Bürgermeister Schmetz. Zu Montzen den Kirchthurm neu angetan 1866 und beendig am Froleichenamstag den 31 Mei den ersten Stein gelegt und mit Ende des Jahrs 1867 fertig. Die Glocke darin gehängt am 24. Mertz 1868. Ostertag fählt jedes Jahr nach dem 22. Mertz den ersten Sonntag im vollen Licht. Ich G. Mostert in die St Josepths Bruderschaft eingeschrieben am 13. September 1868. Am 16. Februar 1873 ist die neue Orgel hier in Kelmis dem Gottesdienst übergeben worden. Zu Aachen die neue Redemptoristen Kirche ist eingeweihet am 8. Octr 1865 vom Bischof Baudri von Köln. Am 28. Mertz 1857 zersprang das Bergpulvermagazin. Das Jahr 1866 ist ein unglücklich Jahr gewesen; der große preußische Krieg, die Cholera und die Rindviehe Krankheit geherscht. Im Jahr 1868 den 7. Dezember Morgens 4 1/2 Uhr ist unser Kirchthurm zu Kelmis vom Wind abgefallen. Und im Jahr 1869 den 12. auf 13. Februar so großer Wind, dass viele Bäume umgefallen und viele Häuser berschädigt sind. Auf Christtag den 25. Dezember 1872 hat die neue große Orgel in Kelmis das erstemal öffentlich gespielt. Am27. Januar 1867 habe ich die 75 Thlr von meinem Haus an Madame Fisette zu Eupen abgelegt (= abbezahlt). Die Ehefrau von Dohrmans (Protestantin) wurde zu Kelmis am 22. Dezember 1867 katholisch getauft. Das Jahr 1863 wurde das Altenberger Casino, das Haus am Dörchen von Wermister und von Montzen neu bis Februar 1864 vertig.
94 Die Weihung der Kirche zu Hergenrath am 6. Juli 1868 zu Eupen die Nonnenkirche 8. Juli 1868 zu Eupen Haaskirche 9. Juli 1868 zu Gospert am 12. Juli 1868. Die Neue Orgel zu Moresnet verfertig am 1. October 1869. Am 29. Juni 1873 war das 25 Järliges Jubiläum des Herren Obeninginieur Braun (als Obeninchineur des Altenbergs). Am 6. Mertz 1867 wurde die Stationen in der Kirche zu Kelmis errichtet. Am 17. Mertz 1867 wurde den Josephs Altar zu Kelmis den Kirche errichtet. Am 7. September 1867 ist der Große Altar zu Kelmis errichtet. Der Mutter Gottes Altar wurde errichtet am 21. Dez. 1866. f (Schluss folgt)
95 Die Familie Langohr in Vergangenheit und Gegenwart im Land der 3 Grenzen von Joseph Langohr Das Haus Nr. 46 am Gemeindeplatz in Montzen hat für unsere Fa- milie eine ganz besondere Bedeutung, ist es doch die Wiege des Autors dieser Zeilen. Hier hat er oft seinen Onkel Pierre Langohr besucht. Die- ser war ein „lebendes Gedächtnis der Region‘, und er hat unser Wissen um die Ortsgeschichte bedeutend bereichert. 1953 kaufte Pierre Langohr das Haus, das er in den folgenden Jahren vom Erdgeschoss bis zu den Mansardenräumen unter dem Dach zu ei- nem wahren Familienmuseum ausbaute. Pierre Langohr hatte die Gabe, die gewöhnlichsten Dinge des Alltags ins rechte Licht zu rücken und die Vergangenheit wieder lebendig wer- den zu lassen. In den folgenden Zeilen (die französische Textfassung haben wir et- was gestrafft), geht er den Ursprüngen des Hauses und unserer Familie nach und macht gleich zu Anfang die Feststellung: „Nous n’en connais- sons pas l’origine!“ (Die Anfänge sind uns nicht bekannt.) Dennoch hat Pierre Langohr sehr viele interessante Details über das Haus und seine Bewohner zusammengetragen. Schon 1826 wurde in dem Haus Nr. 46 ein Geschäft betrieben. Ein Brief des damaligen Geschäftsinhabers, eines Herrn Snock, gerichtet an den Geschäftsmann Constant van Zuylen, erwähnt eine durch die Post- kutsche zu überbringende Kaffeelieferung. 1844 übergibt Jeanne Barbe Snock das Montzener Geschäft ihrer Nichte Catherine Jeghers, Ehefrau von Renier Fayen. Letzterer führte eine Verzollungsagentur am Weißen Haus, an der einzigen Fernstraße Paris-Brüssel-Aachen-Köln. Nach Eröffnung der Eisenbahnstrecke Köln-Antwerpen hätte Re- nier Fayen seine Agentur nach Herbesthal verlegen müssen, hatte es aber vorgezogen, das Geschäft der Tante Snock zu übernehmen. Diesen Dorfladen kann man getrost für die damalige Zeit als „Super-Markt“ be- zeichnen. Renier Fayen besaß daneben noch 2 Bauernhöfe in Clermont.
96 = 33 Pe x BE (es er NT a er ‚5 SF "A AI Yes 7 EN „Ma add DUO mp ‚8 De 8 öl Das Stammhaus Langohr in Montzen. Auf der Türschwelle Alphonse Langohr. Die schöne alte Ansicht des Hauses trägt gut sichtbar den Namen Langohr-Fayen. Renier Fayen ließ an dem Bau aus dem 18. Jh. umfangreiche Arbei- ten durchführen, hatte das Haus doch, wie damals oft festzustellen, im Erdgeschoss mehrere Niveaus, die nun ausgeglichen wurden. Der Eingangsflur nahm beiderseits Warenregale auf. Rechts des Flu- res war ein großer Raum, der die ganze Breite des Hauses einnahm. Die Einrichtung war aus schönem Eichenholz. Nahrungsmittel und Textilien füllten die Regale, daneben Kurzwaren und Strickwolle, Konfektion, Regenschirme, Porzellan, Eisenwaren und Petroleum (bis 1940). Links des Flures, zum Platz hin, erst ein großer Raum, dahinter das „Stüfke“, d. h. ein Aufenthaltsraum. Folgen wir Pierre Langohr bei seiner Beschreibung. Hinter der zweiflügeligen Eingangstür (bei schönem Wetter blieb sie offen) stand links ein Ständer mit Wachstuchen, daneben ein großes, bis zur Decke reichendes Regal mit flämischer Leinwand, Baumwoll- und flauschigem Bibertuch. Zu oberst lagen Decken. Auch die rechte Flurwand wurde von Regalen eingenommen. Darü- ber, in geschlossenen Vitrinenschränken, die alkoholischen Getränke, Schnaps und Liköre. In dem unteren Bereich des Regals standen Holzschuhe.
Sl Gängige Eisenwaren, Porzellan und Nachtgeschirre fand man am Ende des Flures. Hier sollte man wissen, dass bis 1950 die überwiegende Anzahl der Häuser, wenn nicht 95 %, ohne Badezimmer noch WC waren! So gab es für jedes Bett einen Nachttopf. In der Mitte der rechten Flurwand befand sich die Tür zum Verkaufs- raum, wo zur Linken ein großes Regal mit Kisten ins Auge fiel. Diese enthielten (jeweils getrocknet) Pflaumen, Rosinen, Apfelscheiben etc. und nicht nur Kinder griffen sich gerne die eine oder andere getrocknete Frucht. Weine, Öl und Essig standen auf dem obersten Regalbrett. Daneben eine mindestens 2 m große Antoniusstatue mit 2 Kerzenleuchtern aus Zinn. Die beiden Kerzen habe ich oft brennen sehen, und zwar immer dann, wenn dringender Geldbedarf herrschte. Unter den Weinen waren Flaschen aus Porto und Lissabon, die der Vetter Fayen aus Verviers besorgte. Das Petroleum lag in einem Tank im Keller und wurde mit einer Pumpe ins Erdgeschoss befördert. Der Verkauf an Lampenöl war im 19. und 20. Jahrhundert beträchtlich. Ich habe die letzten Öl-Kunden noch gekannt: Es waren die Familie Aldenhoff von Te Berg und die Landwir- te, die Öl für ihre Stallbeleuchtung brauchten. Neben dem Fenster der Rückfront befand sich ein emailliertes Me- tallbecken für die Handwäsche, rechts neben dem Fenster Putzmittel, Putzlappen und Bürsten. Man sah Behälter mit Trockengemüse und Produkten zum Abwie- gen, zwei Regale mit Dosen voller Bonbons, Nik-Nak mit und ohne Zucker und Biskuits mit Zuckerguss in allen Farben von De Beukelaer und Parein. Daneben Schokoladenriegel von Jacques und Aiglon, Ta- felschokolade von Meurisse und Rubis... Auf dem obersten Regalbrett standen herrlich aussehende kleine Fässchen mit Inhaltsangabe: Perlsa- go (als Suppeneinlage),Tapioka, Teigwaren etc. Die Abteilung Kurzwaren bot in vielen kleinen Schubladen alles, was man zum Nähen benötigte. In einem Regal lagen Röcke und Schürzen, neben weiß und rot karierten Tüchern zum Seihen der Milch. In einem anderen modisches Zubehör, wie z. B. Regenschirme. Zur Straßenseite hatte der Verkaufsraum zwei Fenster. Die Auslage bestand in Textilien und Lebensmitteln.
98 } Zwischen beiden Fenstern ein weiteres Regal. Hier lagen Hemdkra- gen für Männer, Manschetten, Dosen mit Spitzen... Rechts neben der Ladentür stand ein großes Regal mit Kamelhaar- pantoffeln und speziellen Ledereinlagen für Holzschuhe. Sie hatten Pantoffelform und waren, vom Material her gesehen, vergleichbar un- serem Fensterleder. Daneben, in einem großen Regal, Schürzen, Wollpullover, Westen, Schals und Herrenhemden. Von Letzteren eine oder 2 Dosen je Kragen- weite. Die Theke war aus Eiche; eine weiße Marmorplatte deckte einen Teil ab. Eigentümerin dieses Ladens war die Wwe Jeghers, die auch noch einen Bauernhof (Belven) besaß. A < A SB VL Anna Fayen und Wilhelm Eduard Langohr Seit 1862 führte sie das Geschäft gemeinsam mit ihrer Tochter Anna Fayen, die 1868 Edouard Langohr heiratete. Edouard Fayen starb 1888. Das Geschäft erlaubte es der Witwe, ihren Kindern eine gediegene Ausbildung zu finanzieren.
99 2. Die tiefe Verwurzelung der Familie Langohr im Herzogtum Limburg‘ Wie kann unsere Familie zurückverfolgt werden? Die Rekonstruktion der Familiengeschichte hängt weitgehend von dem Zustand der heute noch verfügbaren Archive ab, und der Zugang dazu ist oft schwierig, da sie im Laufe der Zeiten Kriege, Feuersbrünste und Zerstörungen jedweder Art erlitten haben. Die ältesten Dokumente sind die von Priestern geführten Register der Pfarrkirchen, die in Folianten die Taufen, Trauungen und Sterbefäl- le der Pfarrkinder aufgezeichnet haben. Diese Pfarrregister attestieren den Empfang der Sakramente von Taufe, Heirat und letzter Ölung. Sie wurden je nach Pfarrer und Periode in sehr unterschiedlicher Form ge- führt und redigiert. Weder werden die Abstammungen jeweils eindeu- tig zugeordnet, noch werden die Familiennamen korrekt aufgezeichnet. Tatsächlich zeugt die Rechtschreibung in jenen Zeiten von viel Fantasie und die betroffenen Personen waren in den meisten Fällen Analphabe- ten, konnten also die nötigen Korrekturen nicht beitragen. Nach der durch den Reformator Martin Luther ausgelösten Spaltung der katholischen Kirche rief Papst Paul III. 1545 das Konzil von Trient zusammen. Mit mehreren Unterbrechungen tagten die Bischöfe bis zum 14.12.1563; an diesem Tag unterzeichneten sie die letzten Beschlüsse. Das Konzil von Trient entschied unter anderem, dass jeder Pfarrer gehalten war, drei Register zu führen, nämlich ein Tauf-, ein Heirats- und ein Sterberegister. Die Gründe hierfür sind einsehbar. Die Kirche gewinnt einen grö- Beren Überblick, mehr Ordnung in ihrem Verwaltungssystem und eine bessere Kontrolle über die Bevölkerung. Gleichzeitig war es ein Mittel zu erfassen, wer noch zur katholischen Kirche gehörte. Parallel dazu führte die protestantische Kirche ähnliche Register ein. Die ersten Taufregister in unserem Gebiet finden sich in Charneux (1568), Verviers (1573), Lüttich (1575), Heerlen (1588), Clermont (1598), Thimister (1611), Baelen (1612), Moresnet (1615), Henri-Cha- pelle (1615), Mortier (1618), Aubel und St. Martens Voeren/Fouron St Martin (1626). Der Name Langohr wird hier unter verschiedenen Formen gefunden, so Lankers, Lankors, Langors, Langohr. Aus dem Französischen von Georg Mennicken
100 Die Übertragung ins Französische bringt die fehlerhafte Schreibung Langhor mit sich, was oft genug verwaltungstechnischen Ärger verur- sacht. Es muss gesagt werden, dass nur wenige Register aus der Zeit vor 1630 gefunden werden. Da Latein die Sprache der Kirche war, sind die Kirchenbücher meist auch lateinisch redigiert. Französisch verfasste Eintragungen sind selten, und wenn, dann in einem recht phantasievol- len Französisch. Während der Französischen Revolution geraten unsere Provinzen unter französische Besatzung, zunächst von September 1792 bis März 1793, dann ein zweites Mal von 1794 bis 1814. Die französischen Be- satzer beauftragen am 20. September 1792 durch Dekret der Republik die Zivilbeamten mit der Führung der Pfarrregister. Die Pfarrer ihrer- seits werden aufgefordert, die in den Pfarrhäusern vorhandenen Regis- ter den Kommunen zu übergeben. Nach 1796 bestanden also zwei Arten von Registern: die kirchlichen und die zivilen. In manchen Fällen weigerten sich die Pfarrer, die oben erwähnten Sakramente schriftlich zu legitimieren. Zwischen 1796 und 1804 findet man häufig eine erhebliche Diskordanz zwischen den beiden Register- arten. Um die Kontrolle über die Militärpflichtigkeit der jungen Männer unmöglich zu machen, wurden auch verschiedentlich Namen aus den Taufregistern gelöscht! Nur jene Akten, die älter als ein Jahrhundert sind, können in den Ar- chiven konsultiert werde. Unsere Arbeit ist vor allem der Erforschung unserer Wurzeln gewid- met. Beginnen wir also gemeinsam unsere Reise durch die Zeit. Der Stammbaum: Die ersten 250 Jahre Es ist der 25. Oktober 1701. Wir befinden uns in Brunsum und woh- nen der Hochzeit von Arnold Lankers und Katharina Gerkens bei. Brun- sum liegt heute im niederländischen Limburg. Bis zur Französischen Revolution gehörte es zur Seigneurie (Herrschaft) Fauquemont (Val- kenburg) im Herzogtum Limburg. Die Steuern, die schon damals für die bäuerlichen Gemeinden sehr hoch waren, wurden weiter erhöht durch die kriegerischen Auseinan- dersetzungen, und die waren in jener Zeit wirklich zahlreich. Das Her-
101 zogtum Limburg war ein Ort von hoher strategischer Bedeutung sowohl für die Niederlande wie für Frankreich und verschiedene andere Län- der, die deutsche Angriffe befürchten konnten. Seit 1556 ist das Herzogtum unter Philipp II., dem Sohn Karls V., spanisch. 1577 wird Limburg von den Protestanten, unterstützt von den Hol- ländern, eingenommen. Im folgenden Jahre nehmen die Spanier die Stadt wieder ein. 1632 fällt sie wieder den Holländern in die Hände. 1635 kommen die Spanier zurück, werden aber 1675 von den Franzosen vertrieben, die ihrerseits jedoch nur bis 1678 bleiben. Bis 1701 domi- nieren nun wieder die Spanier... Während des so genannten spanischen Erbfolgekrieges besetzen die Franzosen wieder die Festungsstadt. Die Spanier, die ständig in Geldnot waren (die zahlreichen Kriege verschlangen Unsummen), verkauften im Herzogtum Grundherrschaf- ten. Die schlecht besoldeten Truppen überlebten durch Diebstahl und Plünderungen, erpressten bei den Bauersleut’ Geflügel , Rindvieh und Bares. Die Belagerung des Herzogtums Limburg durch die Truppen Lud- wigs XIV. im Jahre 1675 sollte noch schlimmer als alles bisher da Ge- wesene sein. Die französischen Truppen nehmen Bilstain mit rund 6000 Mann ein. Bis 1678 bleibt das Herzogtum französische, der französi- sche Kommandant aber bleibt in unserem Lande und verlangt hohe Ent- schädigungssummen, bevor er das Land verlässt. Die Gemeinde Montzen ist von den französischen Forderungen am härtesten betroffen. 1684 marschieren erneut französische Truppen durch das Herzogtum Limburg. Nach der Einnahme Luxemburgs sind sie auf dem Wege nach Trier. Bei dieser Gelegenheit verlässt der Kommandant unsere Region, um zu seinen Truppen in Deutschland zu stoßen — für die Einheimi- schen wahrlich eine Erleichterung! Wir sind in einer Zeit großer sozialer Unterschiede. Lehnsherren, Bauern und Tagelöhner bestimmen das gesellschaftliche Gefüge. Wenn der Boden eine gute Ernte brachte und wenn man nicht von durchzie- henden regulären oder vagabundierenden Soldaten ausgeplündert wur- de, konnten alle überleben. Der Zustand allgemeiner Armut wurde ver- standen als gottgewollt und normal. In dieser Epoche von Wirrnis und Unruhen lebte nun unser Paar Ar- nold Lankers und Katharina Gerkens. Am 5. August 1702 wurde ihnen ein Sohn, Petrus Langors, geboren.
102 1703 nahm der Herzog von Malborough die Stadt Limburg ein. Dies stellte sich für die Bevölkerung als Segen heraus. Es beginnt eine Pe- riode wirtschaftlichen Aufschwungs, geprägt von der Urbarmachung und der Anlage ausgedehnter Wiesen für die Rinderzucht, aber auch von nachhaltiger Entwicklung des Ackerbaus. Es ist die Periode, in der große Familien gegründet werden können, da sich die Zeiten beruhigt haben. Petrus Langors heiratet am 7. Februar 1753 Anna Katharina Mols. Sie ist 23, er 51 Jahre alt. Das Paar hat eine zahlreiche Kinderschar, alle in Brunsum geboren, und zwar: E - Maria Margaretha, *17.07.1754 - Johann Arnold, * 29.01.1756 - Severin, * 01.07.1758 - Peter Joseph, *28.07.1761 - Maria Johanna, *14.01.1767 - Ida, *08.05.1769 - Maria Elisabeth,*03.11.1771 - Johann, *17.06.1775 Mit Johann Arnold Langors setzen wir unsere Geschichte fort. Er hei- ratete am 28.06.1784 in Herzogenrath-Afden Anna Theresia Custers. Der junge Ehemann arbeitet als Bäcker in Afden, Auf der Leik Nr. 32. Das Haus mit Toreinfahrt besteht heute nicht mehr. Das Ehepaar Langors-Custers gründet eine recht. große Familie, und zwar: - Maria Gertrud *14.01.1786 - Johann Peter, *29.03.1787 - Johann Nikolaus, *07.03.1787 - Johann Leonard,* 09.03.1793 - Ein Sohn + 10.03.1793 - Maria Gertrud, *01.01.1797 - Johann Ludwig, *01.01.1797 - Anna Maria, *02.11.1799 Johann Leonard Langohr, geboren am 09.03.1793, wird am 08.04.1826 in Aachen (St. Michael) Anna Maria Merkelbach aus Vo- erendael heiraten. Das Ehepaar lässt sich in Kohlscheid nieder und gründet dort eine Bäckerei. Drei Kinder werden dort geboren:
103 - Maria Anna Katharina, *21.01.1827 - Wilhelm Eduard, *04.08.1828 - Maria Anna Theresia,* 22.12.1831 Johann Leonard Langohr verstirbt am 27.12.1831 in Herzogenrath im Alter von 38 Jahren, fünf Tage nach der Geburt seines dritten Kindes. Wilhelm Eduard Langohr Auf Maria Theresia folgte als Herrscher über unsere Provinzen Jo- seph II. Er ist wesentlich strenger und nach und nach wächst der Wi- derstand. Die Ruhe wird 1788 gebrochen; schlechte Ernten tragen zum Volkszorn bei. Im Oktober 1789 bricht die Brabantische Revolution aus. Im Januar 1790 vertreiben die Aufständischen die Österreicher aus unseren Gren- zen, die „Vereinigten Staaten von Belgien“ werden ausgerufen. Im Dezember 1790 kommen die Österreicher mit einer großen Streit- macht wieder, aber Ludwig XVI. erklärt 1792 Österreich den Krieg und bringt unsere Provinzen in seine Gewalt. Im März 1793 greifen die Österreicher erneut an, aber im Juni 1794 stellen sich ihnen die Franzosen entgegen und gewinnen den Krieg. Diese Kriegswirren führen zu besonderen Maßnahmen der Besatzer: Versammlungen von mehr als drei Personen sind verboten, sonst erfolgt die Verhaftung wegen Rebellion. Das Brot ist teuer, im Oktober 1794 rafft zudem ein epidemisches Fieber ein Viertel der Bevölkerung dahin. Der Winter 1795 ist sehr lang. Um ein Stück Brot bettelnd ziehen die Bauern von Tür zu Tür. Die tägliche Mahlzeit besteht bestenfalls aus Buchweizenbrei mit ein wenig Milch. Die sozialen Klassen lösen sich auf. Bald sind Arm und Reich am selben Punkt angekommen. Die Felder sind geplündert, die Häuser von den Soldaten ausgeraubt. Am 6. November 1795 verwüstet ein Orkan unsere Gegend. 1798 erheben sich die Belgier aus dem Kanton Aubel. Im Roten Busch bei Remersdael kommt es im folgenden Jahr zu einem blutigen Zusammen- stoß zwischen schlecht bewaffneten Bauern und französischen Gendar- men. Drei Tote bleiben auf Seiten der aufständischen Limburger auf dem Schlachtfeld zurück. Vier Gefangene werden in Lüttich hingerich- tet. Der Sommer des Jahres 1800 ist sehr, sehr heiß. Alle Felder sind unter der Sonne verdorrt. Im September konnte man auf den Wiesen
104 Frühlingsblumen pflücken. Hinzu kam eine sehr ansteckende Diphterie- Epidemie, die große Teile der gesundheitlich geschwächten Bevölke- rung dahinrafft. Am 9. November 1800 deckt ein verheerender Sturm die Dächer der Häuser ab und zerstört die Scheunen. 1801 wird eine erste allgemeine Pockenimpfung durchgeführt; die Landbevölkerung lebt nur von einem dünnen Süppchen aus Knochen- mehl. 1803 wird die Bevölkerung von einer aus Ägypten eingeschleppten Augenkrankheit befallen. Erst 1815, nach dem Wiener Kongress, wird eine Belgien und die Niederlande umfassende Nation ins Leben gerufen. Sie wird durch eine „Grondwet“, ein Grundgesetz definiert, das jedoch nicht die Sprachun- terschiede sowie die verschiedenen Religionen und Mentalitäten der beiden Volksgruppen berücksichtigt. Wilhelm [I., regiert als Alleinherrscher und stützt sich dabei auf die napoleonischen Prinzipien, die allerdings in unserem Lande nicht sehr geschätzt wurden. Johann Leonard Langohr stirbt am 27. Dezember 1831 in Herzogen- rath. 1830 war in Brüssel eine Revolution ausgebrochen. Die Holländer waren vertrieben worden und die Belgier hatten ihren eigenen unabhän- gigen Staat gegründet. 3. Von Rolduc nach Montzen Der am 04.08.1828 in Herzogenrath geborene Wilhelm Eduard Lang- ohr begründete 1851 die Familie Langohr im Montzener Land. In Rol- duc war er zur Schule gegangen. Flechten wir hier ein paar Worte zu der Augustinerabtei Rolduc ein. Diese wurde 1104 in der Nähe von Kerkrade und Herzogenrath ge- gründet. Dieser Landstrich gehörte zwar zur Diözese Lüttich und der Abt von Rolduc wurde vom Bischof von Lüttich ernannt, doch die Abtei unterlag nicht der Jurisdiktion Lüttichs. Das herrliche Bauwerk liegt in einem schönen Wiesengrunde und verdiente wohl eine ausführliche Beschreibung?. Unter den verschiedenen Äbten halten wir die Namen von Winand Lamberti, Nikolaus Heyendal und Johann-Joseph Hagen fest, die alle ? Wir verweisen auf Joep Offermans, „De abdij Kloosterrade — Rolduc 1104-1830“. Millpress, Rotterdam, 2003
105 aus dem Raum Astenet-Walhorn stammten. Der letzte Abt von Rolduc war Jacques Joseph Chaineux aus Henri-Chapelle, ein Nachkomme der dortigen Familie Jeghers. Er wurde 1779 als Abt eingesetzt. Er war ein Mann von großer Intelligenz, der unter anderem große Fortschritte in der Kunst der Kohleförderung machte. Die Abtei besaß reiche Kohlen- bergwerke in der Umgebung von Kerkrade; deren Zukunft wurde durch Wassereinbrüche gefährdet. Der Abt Chaineux ließ beachtliche und kostspielige Arbeiten durchführen, die zunächst aber keinerlei Erfolg mit sich brachten, aber in seiner ruhigen Zuversicht ließ er sich nicht entmutigen, und schließlich wurden seine Bemühungen von Erfolg ge- krönt. Als die Stürme der Revolution auch über „Belgien“ zogen, gaben die Augustinermönche ihr geliebtes Kloster auf. Einige versteckten sich in der Umgebung, andere folgten dem Abt Chaineux ins Exil. Begleitet von seinem Landsmann Cruyder zog sich Chaineux nach Hamburg zurück, wo er wenige Jahre später, am 9. Juli 1800, verstarb. Es soll noch vermerkt werden, dass der Mönch Cruyder nach sei- ner Rückkehr in unser Land die Fenster der Seitenschiffe der Kirche von Henri-Chapelle erneuern ließ. Diese Fenster befanden sich dann in der Veranda des Schulgebäudes von Montzen, wo die Familie Langohr wohnte, bevor die Veranda von Familie Pierre Schmitz umgebaut wurde. Wenn wir hier auf einige Besonderheiten von Rolduc eingegangen sind, dann auch deshalb, weil Jean Nyssen, Pfarrer in Montzen, von 1832-1839 dort Lehrer gewesen war. In jenen Jahren war das heutige Niederländisch-Limburg belgisch und die ehemalige Abtei von Rolduc hatte vom Bischof von Lüttich als so genanntes kleines Seminar eine neue Bestimmung erhalten. Aber Rolduc war in jener Zeit nicht nur bischöfliches Gymnasium, das Jungen ab dem 12. Lebensjahr aufnahm, „wenn diese eine gewisse Neigung zum geistlichen Stand zeigten“. Vor allem zukünftige Priester- amtskandidaten sollte Rolduc also hervorbringen. Daneben bildete die Einrichtung aber auch Grundschullehrer aus. 1843 wurde das „kleine Seminar“ nach St. Truiden verlegt. Wilhelm Eduard Langohr war in Rolduc zur Schule gegangen und hatte dort das Lehrerdiplom erworben. Der genannte Pfarrer Jean Nys- sen kannte also den jungen Lehrer, der mit der Empfehlung des Pfar- rers zum „Schulmeister‘‘ der Knabenschule in Montzen berufen wurde. Langohr, damals noch in Herzogenrath wohnhaft, war 23 Jahre alt. In Montzen war Langohr der Lehrer von Anna Fayen, der Tochter von Catherine geb. Jeghers, und Renier Fayen.
106 Es war der Beginn einer schönen Liebesgeschichte, auch dokumen- tiert in einem Liebesgedicht vom 26. Juli 1868, das Eduard Langohr, unser Urgroßvater, für seine angebetete Anna Fayen, unsere Urgroß- mutter, schrieb. „Vivat Anna“ Wen’ge Jahre sind verstrichen, sah ein Veilchen ich erblüh’n, ist dem Aug’ nicht mehr entwichen tat seitdem mein Herz erglüh’n. Täuschend Farbenspiel und Schimmer sind nicht meines Veilchens Zier, off’ne Plätze schmückt es nimmer, weckt auch nicht die eit’le Gier. Arglos ist es und bescheiden, blühet still in trautem Kreis und erquickt mit süßen Freuden den, der es zu schätzen weiß. Möcht es pflanzen nur im Garten, blüht’s ja schon in meiner Brust, möcht es pflegen, sorglich warten, ihr und mir zur sel’gen Lust. Holde Blume, Gott verleihe Sonn und Regen dir zur Zeit; dufte, blüh’ und recht gedeihe Ihm zur Ehr und Herrlichkeit. Kennst Du, Anna, sage, Beste, Dieses Bild, so wert, so lieb? Halte Dir’s zum Namensfeste, rein und edel war mein Trieb. Schenk’ der Herr Dir frohe Tage, Frieden, Freud’ und heitern Sinn, frei von Kummer, Harm und Plage } fließe sanft Dein Leben hin!
107 In des Alters fernsten Jahren, wenn des Lebens Sonne sinkt, dann wirst Du den Trost erfahren, den gottsel’ger Wandel bringt. Meinen Wunsch genehm’ge, Teure, quillt ja aus des Herzens Grund, still vergnügt dein Fest ich fei’re Dir allein und Gott sei’s kund. Ach, mir fehlt das Angebinde! Nicht ein Sträußchen, fein und zart, nicht den bunten Kranz ich winde, Anna, Dir schenkt sich Eduard. (Montzen, den 26. Juli 1868) Die Familie Eduard Langohr und Anna Fayen Die Eheleute Langohr-Fayen sollten eine zahlreiche Nachkommen- schaft haben: 1. Renier. Er wurde Priester. 2. Joseph, Dr. in „philosophie et lettres‘“ (Geisteswissenschaften) 3. Anna, Ordensschwester 4. Ernest, Priester 5. Stephanie, heiratet den Bäcker- und Konditormeister Leonard Schifflers in Aachen 6. Alphonse, übernimmt das Geschäft in Montzen, wo er auch ein Versicherungsbüro und eine Zweigstelle der Bank von Aubel führt. 7. Louis, heiratet Gretchen Franck; sie führen ein Geschäft in Aa- chen. 8. Edmond, heiratet den Welkenraedter Arzt de Telders, der nach 1945 die Leitung der psychiatrischen Klinik Ruyff übernimmt. 9. Marie, Lehrerin, verheiratet mit Maurice Coppiters aus Antwer- pen. 10. Dieser Liste müssen noch fünf weitere Kinder hinzugefügt wer- den, die im Kindesalter starben. Der Lehrer Langohr kam 1850 nach Montzen, wo er 1851 seine defi- nitive Ernennung erhielt.. In der Folge wird er zum Schulinspektor des
108 Kantons Aubel ernannt. In dieser Funktion blieb er bis 1879, d. h. bis zum Ausbruch des so genannten Schulkampfes. Eduard Langohr reicht seine Demission ein, verbindet durch einen Neubau das Haus Langohr und die bestehenden Schulgebäude und unterrichtet die schulentlasse- nen Jugendlichen... Nach Beilegung des Konfliktes zwischen Regie- rung und Kirche wird Langohr wieder als Inspektor eingesetzt, jedoch in Wavre. Er stirbt am 13. November 1888. Anna Feyen hatte am 25.1.1862 durch Schenkungsakt ihrer Mutter Catherine Fayen-Jeghers die Leitung des Geschäftes im Hause Langohr übernommen. Durch Teilungsakt vom 30. Mai 1899 wurde sie Besitze- rin des Hauses Langohr. r Am 21. April 1921 verkauft Anna Langohr-Fayen das Haus an ihren Sohn Alphonse, der mit St&phanie Mombeek aus Tamines verheiratet war. Dieses Ehepaar hatte eine recht zahlreiche Familie mit nicht weni- ger als 16 Kindern: 1. Edouard verh. Rose Lejeune 2. Marcelle, verh. Alfred Hanssen, Veterinär in Begisch-Kongo 3. Anna, verst. im Alter von 3 Monaten 4. L6on, verh. Alice Lecoste 5. Ernest, verh. Netta Jennes 6. Louise, verh. August Jezeirski 7. Etienne, verh. Jacqueline Jennes, übernimmt das Geschäft und die Versicherungsagentur, Bürgermeister 8. Antoinette verh. Charles Juncker 9. Albert, Ordensbruder bei den Weißen Vätern 10. Elise, Ordensschwester (Filles de la Croix) 11. Alphonse verh. Angö@le Schillings 12. Gaston verh. Elisabeth Grolaux 13. Marguerite verh. 1. Georges Schmit, 2. Jean Goblet 14. Pierre verh. Suzanne Danthine 15. Marie, erst Lehrerin, dann Ordensschwester bei den Filles de la Croix 16. Paul verh. Therese Grolaux Der an Nummer 14 stehende Pierre Langohr kaufte das Haus 1953. Von 1947 bis 1966 war es als Mietshaus genutzt. Hier wohnten sukzes- sive der Notar Xhaflaire, Dr. Doum, Gaston und Lily Langohr, Familie Deviets und Familie Fassbinder.