I S Shltal Landschaft im Grenzraum Nordostbelgiens BB Emnalten Herenines ZA EEE A Kirch CH THOM. > m SM ;„ - 5 210 5 — Gl u a 7 ne “ae an ET. a A ME VEN Ken ZZ ZEITSCHRIFT DER VEREINIGUNG FÜR KULTUR, HEIMATKUNDE UND GESCHICHTE IM GÖHLTAL Nr. 78 — August 2006
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Im Göhltal ZEITSCHRIFT DER VEREINIGUNG FÜR KULTUR, HEIMATKUNDE UND GESCHICHTE IM GÖHLTAL Nr. 78 August 2006 Veröffentlicht mit der Unterstützung des Kulturamtes der deutschsprachigen Gemeinschaft
Vorsitzender: Herbert Lennertz, Stadionstraße 3, 4721 Neu-Moresnet. Sekretariat: Maxstraße 9, 4721 Neu-Moresnet, Tel. 087/65.75.04. Lektor: Alfred Bertha, Bahnhofstraße 33, 4728 Hergenrath. Kassierer: Alfred Bertha, Bahnhofstraße 33, 4728 Hergenrath. Postscheckkonto Nr. 000-0191053-60. Fortis Bank: 248-0068875-35 Konto NL: AMRO-BANK: 46.37.00.090 Vaals/L Konto BRD: Aachener Bank: 821 363 012 (BLZ 390 601 80) Die Beiträge verpflichten nur die Verfasser. Alle Rechte vorbehalten Druck.: Aldenhoff, Gemmenich - 087-78 61 13.
5 Das Haus Smets in Eynatten von Alfred Bertha Zu den markantesten Bauten im Eynattener Dorfkern gehört unbestritten das Haus Smets, das 1920 in den Besitz des Notars L£&on Trouet überging und seitdem auch häufig Haus Trouet genannt wird. Notar L6&on Trouet wurde 1944 durch die Gestapo verhaftet und umgebracht. Die einzige noch Überlebende der Familie ist die Tochter Marie-Louise Trouet, die sich 1999 entschlossen hat, das Eynattener Herrenhaus in eine Stiftung einzubringen, damit dort eine Wohnstätte für ältere Menschen eingerichtet werde. Diese Idee wurde vom zuständigen Gemeinschaftsminister Hans Niessen begeistert aufgenommen und nach zweijähriger Vorbereitungszeit konnte am 27.6.2001 die Schenkung notariell beurkundet werden. So sollte das Haus Smets/Trouet in absehbarer Zeit einer neuen sozialen Bestimmung zugeführt und gleichzeitig der Erhalt dieses schönen Baues gesichert werden. In der Folgezeit erhielt der anfängliche Optimismus einen unvorhergesehenen Dämpfer. Die bisherige Eigentümerin war nämlich mit dem Vorgehen der anderen Vertragspartner nicht einverstanden und wollte das Projekt folglich nicht weiter unterstützen... Angesichts des weiter fortschreitenden Verfalls des Hauses und des unmittelbar daneben liegenden Hofes «Leuff» sah sich die Gemeinde Raeren zum Handeln gezwungen. Die von ihr als «Projektautor» designierte gemeinnnützige Wohnungsbaugenossenschaft «Nosbau» reichte «im öffentlichen Interesse» eine Enteignungsklage ein, der am 13.5.2005 stattgegeben wurde. Die Planungen sehen für die nächsten Jahre in drei Bauphasen den Bau von 21 Wohneinheiten vor; in einer ersten, finanziell schon abgesicherten Phase, werden in den ehemaligen an den Kirchplatz grenzenden Stallungen des Hofes «Leuff» zehn Sozialwohnungen entstehen. ok Wir wollen diese Entwicklung im Dossier Smets/Trouet zum Anlass nehmen, kurz auf die Besitzerfolge dieses imposanten Hauses an der Eupener Straße einzugehen. Bis ins frühe 17. Jahrhundert konnte Guillaume Grondal die Familie Smets in der Herrschaft Lontzen bzw. der Bank Montzen zurück-
6 verfolgen, wo Edmund Smets als Schöffe belegt und am 4.3.1625 gestorben ist. Sein Enkel Wilhelm Smets, geb. 1605, heiratete 1643 Gertrud Rarmecker, die Tochter des Jan Rarmecker, vom «Hof» in Kelmis. Er starb am 22.3.1692. Dessen Sohn Johann Sigismund Smets, geb. am 30.12.1649, heiratete am 5.8.1685 Regina Wildt aus Eynatten. Diese war die Tochter des Eynattener Bürgermeisters Johann Wildt und der Gertrud Meessen. Ihr Bruder Wilhelm Wildt war Kanoniker am Aachener Marienstift. Johann Sigismund Smets starb in Eynatten am 22. Januar 1729, Gertrud Meessen starb am 10.1.1733. Das Ehepaar Smets-Meessen wohnte anfangs in Astenet, siedelte aber * nach dem Tode des Bürgermeisters Wildt (21.6.1695) nach Eynatten über. Von ihren sechs Kindern entschlossen sich drei für den geistlichen Stand: -Hubert, geb. in Astenet am 3.11.1688, trat in den Karmel in Aachen ein. Er starb 1717. -Johann, geb. in Astenet am 29.1.1691, war Franziskaner in Kempen, wo er am 3.5.1729 starb; -Nikolaus Jakob, geb. in Eynatten am 25.3. 1699, erhielt 1722 von seinem Onkel Wilhelm Wildt die Kanoniker-Pfründe am Aachener Marienstift. Er starb am 20.3.1778. Ein weiterer Sohn, Franz Sigismund, geb. am 20.4.1693, studierte Jura in Löwen, fungierte dann erst als Rechtsanwalt in Lüttich, anschließend in Aachen, wurde am 18. Juni 1738 zum Schöffen (= Rich- ter) am Obersten Limburger Gerichtshof ernannt. Am 18.4.1747 wurde ihm das Amt des Einnehmers für die Stände des Adels und der Geistlichkeit im Herzogtum Limburg übertragen. Als Sicherheit stellte Smets die Hälfte seines Elternhauses und zwei in Eynatten gelegene Höfe (vermutlich die «Leuff» und den «Bouw»/Bau). Zudem stellten sich sein Bruder, der Kanoniker Nikolaus Jakob Smets, sowie sein Vetter Johann Wilhelm Wildt als Bürgen. Franz Sigismund Smets starb in Eynatten am 12.12.1764. Aus seiner Ehe mit Elisabeth Massart aus Lüttich, deren drei Brüder als Kanoniker ULF in Aachen wirkten, gingen u. a. drei Söhne hervor, und zwar -Johann Nikolaus Jakob, geb. 1729; -Erasmus Dionysius Philipp, geb. 1731, Kanoniker an Saint Hadelin
7 in Vise, wo er am 25.12.1759 starb. Er wurde am 28.12.1759 in der Kirche in Eynatten beigesetzt; -Franz Sigismund, geb. 1733, der ins Franziskanerkloster in Wenau (Jülich) eintrat und dort 1771 starb. Der erstgenannte Johann Nikolaus Jakob studierte Rechts- wissenschaften in Löwen und folgte seinem Vater 1758 im Amt des Steuereinnehmers für Adel und Geistlichkeit. Auch für seinen Neffen verbürgte sich der Aachener Kanoniker Smets und stellte seine Besitztümer als Sicherheit, u. a. das Joostenlehen in Lontzen, das er 1734 erstanden hatte, während der ältere Bruder Erasmus Dionysius Philipp mit seinem Erbteil für den Einnehmer bürgte. Johann Nikolaus Jakob Smets hatte eine zahlreiche Familie. Von den 14 Kindern seien hier drei Söhne erwähnt: -Johann Franz Joseph Xaver, geb. am 18. Okt. 1759, Kanoniker am Aachener Marienstift von 1803 bis zu seinem Tode, am 19.1.1818. -Peter Gaspard Joseph, geb. 2.12.1760, Kapitän in kaiserlichen Diensten, gefallen 1796 bei der Belagerung von Mantua. -Johann Nikolaus Jakob Wilhelm, geb. in Reval (Estland) am 15.9.1796, gest. in Aachen am 14.10.1848. Er war der letzte männliche Vertreter der Eynattener Familie Smets. Johann Sigismund Smets hatte, wie oben erwähnt, Regina Wildt, die Tochter des Eynattener Bürgermeisters Johann Wildt, geheiratet. Die Familie Wildt besaß im Herzen von Eynatten, südlich der Kirche, ein Wohnhaus und zwei Bauernhöfe, nämlich die Leuff und den Bouw (Bau). Der 1693 geborene spätere Einnehmer Franz Smets, der in die Familie des Lütticher Fiskal-Anwaltes Jean Massart eingeheiratet hatte, bewohnte dieses Haus neben der Kirche. Auch sein Sohn und Nachfolger im Amt des Einnehmers, der 1729 geborene Nikolaus Jakob Smets, bewohnte dieses Haus, das er (etwa 1770) zu dem herrschaftlichen Landhaus, das wir heute kennen, umbauen ließ. Dabei blieb nur der linke Flügel des Vorgängerbaus erhalten. Im Keller des Hauses Smets befindet sich noch ein aus diesem Vorgängerbau stammender Türsturz mit der Jahreszahl 1658. Waren es, wie Guillaume Grondal vermutete, die durch den Umbau/Neubau verursachten Kosten, die den Einnehmer Smets dazu verleiteten, Gelder aus seinem Einnehmer- amt zu veruntreuen? Am 3.4.1773 sah er sich gezwungen, durch notariellen Akt (Notar Nik. Bounie) sein Amt an den Walhorner Schöffen Arnold Schmetz abzutreten. Letzterer stellte als Bürgschaft seine zu
8 Eynatten, Walhorn und Kettenis gelegenen Güter sowie einige auf den Höfen Steinkaul und Raaf lastende Hypotheken. Am 2. September 1776 wurden die Güter des Ex-Einnehmers Smets und die seines für ihn bürgenden Onkels, des Kanonikers Smets, beschlagnahmt. Am 20. Januar 1777 kam es zum öffentlichen Verkauf derselben. Hierbei ging das Herrenhaus mit den beiden Höfen Leuff und Bouw für die Summe von 40.000 Gulden an den Schöffen Arnold Schmetz. Der Kaufpreis blieb als Hypothek zu 3,5% auf den gekauften Immobilien sowie dem übrigen Besitz des Käufers lasten, d. h. auf den Höfen Thorentgen (Türmchen) und Hochstraße in Kettenis, einem Hof in, Walhorn, dem Gut Windmühle in Eynatten sowie den beiden Hypotheken auf Steinkaul und Raaf. Nach Schließung der Kontenbücher des Ex-Einnehmers J. N. J. Smets stellte man einen Fehlbetrag von 37.574 Gulden fest, zu dessen Begleichung der neue Einnehmer gerichtlich verpflichtet wurde. ok Durch Heirat war das Haus Smets von der alten Eynattener Familie Wildt an die Familie Smets übergegangen, in deren Besitz es rund 80 Jahre blieb, ehe es 1777 durch Kauf an die Familie Schmetz überging. Der neue Besitzer, Arnold Schmetz, war geboren in Lontzen am 31. Mai 1720. Er verstarb in Eynatten am 1. Januar 1807. Auf dem alten Friedhofsgelände an der Kirche ist sein Grabstein erhalten. Die Grabinschrift teilt uns folgende Einzelheiten zum Leben des Verstorbenen mit: «HIERVOR LIEGT BEGRABEN DER WOHLGEBORENE HERR ARNOLD SCHMETZ IN SEINEM LEBEN SCHOEFFEN DER BANK WALHORN UND EMPFÄNGER DER STAATEN VON LIMBURG. ER STARB DEN 1. JANUAR 1807 87 JAHRE ALT UND DIE WOHLGEBORENE FRAU MARIA CATHARINA SCHMETZ GEBORENE PAEL. SIE STARB DEN 1. FEBRUAR 1812 77 JAHRE ALT IM 34. IHRES EHE UND IM 5. IHRES WITTWE STANDS»
9 In seiner Eynatten-Monographie (Dison, 1962, S. 89-90) hat der verdienstvolle Heimatforscher Guillaume Grondal die Lebensstationen des Schöffen Arnold Schmetz nachgezeichnet und folgende Daten festgehalten: Die Eltern, Paul Schmetz und Elisabeth Reep, waren erst in Lontzen ansässig, wo auch alle sechs Kinder dieser Eheleute geboren wurden. In Eynatten übernahmen sie (wann, ist unklar) das Gut Neuenhof, das sie 1742 erwarben. Durch Kauf kamen sie auch in den Besitz von Stester, das sie 1760 durch einen Neubau ersetzten. Hier starb Paul Schmetz am 5. März 1768. Da dem Besitzer von Neuenhof das Recht auf eine Beisetzung in der Kirche zustand, erhielt der Verstorbene seine letzte Ruhestätte in der Eynattener Pfarrkirche hinter dem Marienaltar. Am 16. August 1753 heiratete Arnold Schmetz in Eynatten in erster Ehe Anna Maria Roemer, nach deren Tode er eine zweite Ehe einging, und zwar mit Maria Catharina Pael aus Eilendorf. Die Trauung fand am 23. Mai 1774 in der Karmeliterkirche in Aachen statt. Arnold Schmetz wohnte damals in Kettenis. Von 1754 an begegnen wir ihm als Schöffen der Hochbank Walhorn. Wie er zum Einnehmer und zum Eigentümer des Hauses Smets und der Höfe Leuff und Bouw wurde, haben wir oben dargelegt. Aber er muss, wie gesagt, 1779 auch für Veruntreuungen seines Vorgängers aufkommen. Stester und Panneschopp sind 1779 ebenfalls Eigentum von Arnold Schmetz. Grondal vermutet, dass Arnold Schmetz in zweiter Ehe eine vermögende Frau geheiratet hat. Durch eine kluge und umsichtige Vermögensverwaltung vergrößerten die Eheleute Schmetz-Pael ihren Besitz durch weitere Güter, so Steinkaul, Raaf und Vogelsang. Seinem Neffen und Patenkind Arnold Schmetz, dem Sohn seines Bruders Christian, sicherte der Schöffe 1769 durch eine Schenkung den Zugang zum Priestertum. Arnold Schmetz wirkte erst als Kaplan in Kettenis, dann als Pfarrer in Hergenrath. Er ertrank am 24. August 1813 in einem Pfuhl auf Gemehret und wurde in Baelen beigesetzt. Arnold Schmetz und Maria Catharina Pael waren, wie wir gesehen haben, sehr vermögend, blieben aber kinderlos. Nach dem Tode der Witwe Schmetz erbte die Nichte Maria Helena Pael (1767-1832) die Liegenschaften. Sie war verheiratet mit dem aus Maastricht stammenden Jacob Andreas Coenen (1763-1842), der durch die Sterbeurkunde als Sohn der Eheleute Johann Coenen und Mechtilda Brauers ausgewiesen
10 wird. Maria Helena Pael starb an Lungenversagen im Spital in Aachen im Alter von 64 Jahren, am 8.5.1832. Am 11.5.1832 wurde sie auf dem Eynattener Friedhof beigesetzt. Aus der Ehe Coenen-Pael gingen ein Sohn, J. Mathias J. Coenen, und zwei Töchter, Maria Theresia (verh. van Meeuwen) und Maria Catharina, hervor. Letztere heiratete Friedrich Christian Hertzog aus Aachen. Deren Sohn Adolf Hertzog, beigeordneter Bürgermeister von Aachen, besaß das Haus Smets bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Im Zuge der danach folgenden Beschlagnahmungen deutschen Eigentums im neubelgischen Gebiet von Eupen-Malmedy verlor die Familie Hertzog das Haus Smets, das 1920 von der Sequesterverwaltung verkauft und von dem Eupener Notar L6&on Trouet erstanden wurde. 4 Der vorgenannte Jacob Andreas Coenen, der am 18. Mai 1842 in Eynatten im Alter von 79 Jahren verstarb, muss bei der Verwaltung sei- nes Besitzes eine glückliche Hand gehabt haben. Nach seinem Tode ließen die Kinder fast das gesamte Vermögen öffentlich versteigern. Die Verkaufsanzeigen im Korrespondenzblatt des Kreises Eupen erlauben es uns, eine Vorstellung von dem durch Coenen angehäuften Besitz zu gewinnen. Unter dem Titel «Großer Mobilar-Verkauf» brachte das Blatt am 22.7.1842 folgende Anzeige (in damaliger Schreibweise): Auf Anstehen der Erben des zu Eynatten verstorbenen Rentners, Herrn J. A. Coenen, sollen am Montag, den 25., Dienstag, den 26., Mittwoch den 27. und Donnerstag, den 28. Juli c., jedes Mal um 9 Uhr Morgens, in dem Sterbehause A) Sämmtliche Mobilien, bestehend in: mehreren Pendulen mit Vasen, zwei Hausuhren, Secretaire, Kommoden, Spiegel, Schränke, Tische, Stühle, mehreren werthvollen Kupferstichen und Gemälden, Porzellan, Gläsern, 10 Betten mit Zubehör, einer Leinwand-Mandel, 12 Oefen, 2 Fournaisen, worunter eine ganz neue, vielem Kupfer und Zinn, vielen Bütten und Fässern, worunter Regen- und 3 Fuderfässer, einem neuen Butterfasse, einem großen geschliffenen steinernen Mörser, 4 schönen Steinen zum Farbereiben, worunter ein ganz großer, 2 Marmorblöcke unbearbeitet; dann mehrere tausend Pfund altes Eisen, Blei und Kupfer, worunter noch ganz neue Schlösser, etc. etc. B) Eine große Parthie seit 15 Jahren zu Schreiner-Arbeiten geschnittenes Kirsch-, Nussbaum-, Ulmen-, Eschen-, Eichen-, etc.- Holz, eingetheilt in 30 Loose; dann eine Parthie Faßbinderholz,
11 auch in mehrere Loose eingetheilt, zwei neue Treppen, drei Hobelbänke und vieles Schreinergeräthe, vieles Brennholz, alle zum Betriebe eines Steinbruchs nöthigen Geschirre von Eisen, 8 Ahm zehn Jahre alter Apfel-Essig, circa 1000 Pfund Apfelsyrop, etc. C) Vier Pferde nebst Geschirren, 1 Karre mit breiten vierzölligen Rädern, neu, 2 Schlagkarren, 1 Chaise, 1 Coupee-Wagen mit Geschirren, beide neu, 2 Pflüge, Eggen, Wellen, worunter eine steinerne, viele blaue und eine Parthie Beleg-Steine, Ketten, 120 Faß Hafer, eine große Parthie Stroh, 2 große kupferne Braukessel, eine Essig-Presse, eine Syrop-Presse etc. etc. D) Eine Orangerie von circa 1500 Töpfen; eine Baumschule enthaltend 1400 junge veredelte Obstbäume, in viele Loose eingetheilt; (diese Bäume können bis zum Herbste stehen bleiben) öffentlich meistbietend auf Kredit, gegen Bürgschaft, verkauft werden. Am ersten und zweiten Tage werden die sub A bezeichneten Hausmobilien, am dritten Tage, den 27. Juli, das sub B angeführte Holz etc. und am vierten Tage, den 28 Juli, Morgens die sub C benannten Pferde etc. und Nachmittags die sub D benannten Gegenstände etc. zum Verkaufe ausgestellt werden.» Aus dieser Aufstellung geht hervor, dass Coenen eine größere Schreinerei und Stellmacherei und wohl auch Fassbinderei betrieben hat. (In einer Anzeige vom 3.5.1833 bietet er «Buchen-, Birnbaum-, Apfel- und Kirschbaumbretter, von jeder Gattung mehrere 1000 Fuß sowie 100 Bäume beschlagen zu Bauholz und Hausmobilien vielfacher Art» zum Verkauf). Daneben stellte er Apfelsirup und Apfelessig her, hatte einen frostsicheren Wintergarten mit Blumen und eine Baumschule mit veredelten Obstbäumen. Aus seinem Steinbruch lieferte er Blausteine und Belegplatten. Die Landwirtschaft scheint ganz auf Ackerbau ausgerichtet gewesen zu sein, denn es fehlt jeglicher sonst übliche Hinweis auf «Kellergeräte» zur Herstellung von Butter und Käse. Das Korrespondenzblatt vom 16.9.1842 kündete einen weiteren Verkauf aus dem Nachlass Coenen an, bestehend aus a) 4 Evangelisten, gemalt in den Jahren 1604, 1605, 1606 und 1607, von Georg Geldorp; b) 230 Gemälden, «welche sich auf einem Speicher vorgefunden, und worunter sich nach dem Urtheile eines Sachverständigen sehr wertvolle befinden», dann c) mehreren guten Kupferstichen.
12 Auch mehrere kleine Güter und Häuser aus dem Nachlass des J. A. Coenen wurden von den Erben verkauft. Im Korrespondenzblatt finden sich eine Reihe von Anzeigen dieser Art. Zum Nachlass Coenen gehörten demnach - das Gut Haabenden (Hardbend) in Eynatten, 24 Morgen groß. 1854 steht dasselbe erneut zu verkaufen. Es war damals im Besitz des Johann Wilhelm Renardy und es heißt vom «Hardbend», es sei «ein fast neu erbautes Haus». - das Gut Hasenbend auf Lichtenbusch, groß 26 Morgen und 57 Ruten; - das Gut Gass in Eynatten, groß 19 Morgen; - die sog. alte Schmiede in Eynatten, groß 90 Ruten - eine Wiese genannt «Doodleger», 4 Morgen groß; 4 - ein kleines Gut auf Schimmerich (Kettenis), 7 Morgen - im Thal in Kettenis, Wiese, Garten, Haus und Viehweide, 7 Morgen, 49 Ruten - auf Prester (Hauset), das Gut «Prester», 7 Morgen, 165 Ruten - zwei Wiesen «Heide» genannt, 15 Morgen - 4 Morgen Ackerland in der Gemeinde Walheim Die Erben Coenen trennten sich aber nicht vom gesamten Immobilienbesitz des verstorbenen Jacob Andreas Coenen. So sehen wir aus verschiedenen Anzeigen im Korrespondenzblatt, dass sie das eine oder andere Gut verpachten. Eines der schönsten Pachtobjekte war die «Leuff» (bzw. der «Leufferhof» in Eynatten, unmittelbar neben dem Hause Smetz/Trouet gelegen. «In der Leuf» nannte man den Hof damals. Er enthielt 21 Morgen Weiden, 29 Morgen Wiesen, 47 Morgen Ackerland, «alle erster Klasse». In einer Anzeige vom 25. August 1843 wird darauf hingewiesen, dass die Leuff «zur Ausspannung und Wirtschaft besonders vorteilhaft gelegen» sei , wozu das Haus auch bis dahin benutzt werde. Es besitze geräumige Stallungen für 24 bis 30 Pferde. Die Schenkwirtschaft wurde 1833 vom Wirte Janssen und 1842 vom Wirte Simons betrieben. 1835 hatte J. A. Coenen von Johann Aloys Wertz das Gut «Pütz» in Eynatten erworben. Dieses war damals rund 70 Morgen groß und enthielt, wie am 5.10.1838 im Korrespondenzblatt aufgezählt wird, «ein großes Ökonomie-Gebäude, anhabend große Zimmer, große‘ Kuh- und Pferdeställe, trockene Keller, Garten nebst 100 und mehrere Morgen Wiesen und Ackerland von der besten Qualität und Kultur-Zustande». Da sich auf diese Anzeige kein Pächter fand, inserierte Coenen erneut am 8.2.1839 und wies auf die gute Lage des «Pütz» an der Einmündung
13 des neu angelegten Verbindungsweges von Raeren nach Eynatten hin. Das Haus eigne sich vorzüglich zu einer Gastwirtschaft und wegen sei- nes vielen und guten Wassers auch zur Anlage einer Brauerei und Brennerei. ® Eynatten Gut Le ] 7 & | FUN \ FF” ER KA ME „a € SEE Ka a A a= | Da (Sara N BE ma ZA SS ER 1 A Das Gut «Leuff» (alte Ansichtskarte) 7 A A ZEN { EA ES) AAN N | 8 N Wi HI RT 5 ER A « BIN AN Bl DO aa N MID s AR er NZ ZN \D \ EB a D A 5 DR SS LE \ MN ST AZ al We SA! = AD AWIA VI 13 5 CO AS A K 5 ; 5 Da AA NN 8 Sa { A AN SA A N WE ‘ Ve WA AT AN Ab Das Gut Leuff war 1843 «Ausspannung und Wirtschaft». Nach Umbau werden in absehbarer Zeit 10 Sozialwohnungen entstehen.
14 Nach dem Tode von Jacob Andreas Coenen kam der «Pütz» in den Besitz der Tochter Maria Theresia (1805-1882), verheiratet mit Th. van Meeuwen, der «das sehr geräumige Haus mit Stallungen, Remisen und sonstigen Zubehörungen, wie auch 37 Morgen, 152 Ruten nahe dabei gelegene, meistens in Wiesen bestehende Grundgüter» zum Pachten anbot. Etwa 150 Jahre lang wurde der «Pütz» als Wirtschaft unter dem Namen «Zur Post» betrieben und war über mehrere Generationen mit den Namen von Agris, Dobbelstein-von Agris und Korvers-Dobbelstein verbunden. 1987 wurde das Haus zum Kaufhaus (Schaus u. Kockarts) umgebaut. *« Gasthof zur Post ,, e Gruss aus Eynatten ZZ AN ED X Pe BE N pe DE Ze Gis X A er || ASTHOF ZUR Post {Ob T ML m DAN EB A a $ SS ‘a f _. „a a0 U "En mn bus SEA MS Sen A Et BL A A SE ER Um die Jahrhundertwende war der «Pütz» Eigentum des Johann von Agris, der im Adressbuch von 1902 als «Postagent, Land- und Gastwirt» geführt wird. Das Adressbuch von 1927 nennt das «Hotel zur Post» der Familie Gerh. Dobbelstein-von Agris. Im Bild, mit dem Giebel zur Lichtenbuscher Straße, das Anwesen «Winkel», das 1980 abgerissen wurde. Unmittelbar neben dem «Pütz» befand sich ein weiteres Haus, das dem J. A. Coenen gehört hatte. Es war bekannt unter dem Namen «Winkel». Eine Anzeige im Korrespondenzblatt vom 28.2.1840 beschreibt den «Winkel» wie folgt: «...zu Eynatten an der Landstraße von Aachen nach Verviers und eben so nahe an dem neuen Weg nach Raeren gelegen, ganz neu erbautes Haus, der «Winkel» genannt, enthält
15 6 Zimmer, Keller und Speicher, anhabend Wiese und Ackerland, 50 ad 60 Morgen». Auch diesmal findet sich nicht auf Anhieb ein Pachtliebhaber, so dass Coenen das Objekt am 2.4.1841 erneut anbietet: «Ein ganz neu erbautes Haus, gen. Winkel, steht zu verpachten. Dasselbe enthält 6 Zimmer, Küche, Keller, Speicher, nebst einem großen Nebengebäude, mit einem großen Brunnen versehen. Auch kann demselben für 6-7 Kühe Land beigefügt werden. Dieses Haus ist wegen seiner gesunden Lage besonders zur Brauerei geeignet.» an DS WE ® SWS 2 iM) EL HE BEZ aA 2 EM mar a N SA Zi 91 | A Mn A % I | ai Ss «Pütz» und «Winkel» haben ihr Aussehen verändert... (Photo 2006) Auch diese Immobilie befindet sich 1844 im Besitz der Familie van Meeuwen-Coenen. Zum weiteren Besitz von Jacob Andreas Coenen gehörte das Gut «Langstraße» in Eupen, 44 Morgen groß, das weiterhin Pachtgut blieb. Der «Winkel» besteht heute nicht mehr. Er lag an der Lichtenbuscher Straße, wo sich heute die AXA-Bank befindet. In der Gemeinde Walhorn besaß Coenen ebenfalls ein Gut, das etwa 45 Morgen groß war; davon war ein Viertel als Ackerland genutzt. Es sollte am 27. Dezember 1842 auf Anstehen der Kinder öffentlich verkauft werden. Dabei wird in der Verkaufsanzeige besonders darauf hingewiesen, dass das zum Gut gehörige Haus massiv in Stein erbaut,
16 Ü A (| SB JE Sn . RE iM 3 Das Herrenhaus im Zentrum von Eynatten präsentiert sich in einem ziemlich verwahrlosten Zustand. (Foto 2006) dicht an der Kirche gelegen und zu jedem Geschäfte, besonders zur Schenkwirtschaft, geeignet sei. ok Mit der Geschichte des Hauses Smets/Trouet verbindet sich, wie man aus vorstehenden Angaben sieht, diejenige vieler anderer Güter und Höfe des Eynattener Raumes, die hier jedoch nur gestreift werden konnten. Quellen: - Grondal, G., Les Communes du Canton d’Eupen, Eynatten, Bd. 49 des Bulletin de la Societe Vervietoise d’Archeologie et d’Histoire, Dison, 1962, S. 60 - Korrespondenz-Blatt des Kreises Eupen.
17 Et es alles mä jelennt Alles, wat de has erworbe, dat blitt tröck, wenn dow jestorve. Jeng Ihr, jee Jlöck än och jee Jeld, Neks nemms de met hej van de Welt. Et es alles mä jelennt, wue de dech has vör jeschennt . Dow moss alles werrem jääve, wenn verbej ens es die Lääve. Alles lötts de, Leed of Jlöck, alles 1ötts de onde tröck. Alles wat de hotts en et Lääve, Es dech mä op Tiit jejääve. Et es alles mä jelennt, wue de dech has vör jeschennt . Dow moss alles werrem jääve, wenn verbej ens es die Lääve. Wat dow jeschaffe en jewosst, Ervöllde ömmer dech met Loss. Verjäet wat alles dow besäete, Schliet de Owwe än verjäete. Et es alles mä jelennt, wue de dech has vör jeschennt . Dow moss alles werrem jääve, wenn verbej ens es die Lääve. E vrue Lääve, janz rösch schaffe, ersett et Towwe än et Raffe. Lääf janz vrue än voller Jlöck, alles blitt doch ens tröck. Et es alles mä jelennt, wue de dech has vör jeschennt. Dow moss alles werrem jääve, wenn verbej ens es die Lääve.
18 Es am Eng da alles jedue En dow moss va hej onde jue, Denk vörher dra, wenn och janz heusch, et letzte Hemme hat jeng Taisch. Et es alles mä jelennt, wue de dech has vör jeschennt . Dow moss alles werrem jääve, wenn verbej ens es die Lääve. Dow wätts vör dinge Herrjott stue, wie de koems janz nacks än blues. Alles wat de has besäete, . kanns de oove now verjäete. Et es alles mä jelennt, wue de dech has vör jeschennt . Dow moss alles werrem jääve, wenn verbej ens es die Lääve. Vleks kriss de oove ääl e paar Väre, Dongs de onde dech jot vööre; Vleks och noch en schönn Schalmei, da kanns de trööte op en Hemmelswej. Dat va onde wor jelennt, wue de dech has vör jeschennt. Dow moss alles werrem jääve, wenn verbej ens es die Lääve. Me vrott dech, wat de hötts könne due, En och, wat de has jedue. Da säss de: «Et wor alles mä jelennt, wuvöör ech mech esue hau jeschennt. Now, wue es am Eng mi Lääve, mott ech alles werrem jääve!» Jakob Langohr
19 Die Familie Beelen und der Hergenrather Hof «Bertolf» von B. Villeneuve de Janti Die Lehensregister der propsteilichen Mannkammer des Aachener Marienstiftes erlauben es uns, die Geschichte des Hofes Bertolf bis ins Jahr 1441 zurück zu verfolgen. Der «Hof zu Hergenrath», wie er in den Lehensregistern genannt wird, kam am 31. Januar 1441 über Ulrich van Kettenis, Ehemann der Lyse van der Merkatzen, an deren Sohn aus erster Ehe, Johannes van Nudorp. (Lyse van der Merkatzen war dreimal verheiratet, und zwar in erster Ehe mit N. van Nudorp, in 2. Ehe mit Ulrich van Kettenis und in 3. Ehe mit Diederich van Herve). Nese van Kettenysse, eine Schwester des genannten Ulrich, die nach dessen Tod die Hälfte des Hofes zu Hergenrath empfängt, übergibt diesen Anteil ihrem Sohn Coenrait/Konrad van Wailhaeren/Walhorn und Johan van Boesdail/Beusdael) und seinen Miterben. Die andere Hälfte des Hofes ist Eigentum des Johann van Nudorp, der sie 1458 seinem Schwager, dem Clais/Claes Kemp, Priester und Kaplan der Liebfrauenkirche zu Aachen, überlässt. Von diesem geht der halbe Hof 1460 in den Besitz des Johann Bertholff des Älteren über, während die andere Hälfte, die 1454 durch Coinrait van Wailhaeren und Johan van Boisdail den Gebrüdern Poleyn, Johan und Zanders van Kettenysse überlassen wurde, weiterhin in deren Besitz ist. Johann Bertholff gehörte einer Aachener Patrizierfamilie an. Er war Schöffe von Aachen von 1462-1510, ein Amt, das auch schon sein Vater, sein Großvater und sein Urgroßvater innegehabt hatten. Auf ihn geht das so genannte Hergenrather Lehen in Aachen zurück, eine Häusergruppe, die Johann Bertholff von der Familie Beissel erwarb und die nach dem Tode seines Enkels Hermann an die Stadt überging. Von den beiden Söhnen Johann Bertholffs und der Agnes Polleyn von Kettenis erbte der eine, Simon, das Gut Belven. Er wurde zum Stammherr der «Bertolff von Belven». Der zweite, Jakob, kam in den Besitz des Hergenrather Lehens; seine Nachkommen nannten sich «Bertholff von Hergenrath». 1562 geht der Hof zu Hergenrath durch Erbwechsel von Johann Bertholff auf Peter Schardinel und dessen Ehefrau Marie über. Diese verkaufen das Anwesen 1567 an Lambrecht Beeil van Embach/Imbach.
20 In der folgenden Generation wird der Hof «Heinrich Beylens Hof» genannt (1581); 1631 heißt er «Beelen Hof». Mit dem Namen der Familie Beelen bleibt der Hergenrather Hof bis ins frühe 19. Jahrhundert verbunden. Im Folgenden wollen wir etwas näher auf diese Familie eingehen und die verschiedenen Zweige derselben vorstellen. Der Klarheit halber fügen wir Ordnungszahlen an. Der erste uns bekannte Träger des Namens Beelen ist Lambert I. von Beelen, der um 1390-1400 geboren sein dürfte. Wahrscheinlich ist er derjenige Beelen, der im Zusammenhang mit dem Adelsbrief der Beelen- Bertholff vom 2. August 1773 als Abgesandter des Adels bei der Einsetzung des Ordens vom Goldenen Vlies durch Philipp den Guten, Herzog von Burgund, im Jahre 1429 erwähnt wird. ; Dessen Sohn, genannt Junker Hein Beelen von Nereth, ist 1425/1430 geboren. Die Bezeichnung «von Nereth» deutet darauf hin, dass er in diesem bei Baelen gelegenen Weiler ein Rittergut besaß. Er heiratete 1458 die verwitwete Maria von Eys gen. Beusdael. In der nächsten Generation führt Johann I. v. Beelen, Sohn des Vorherigen, die Familie weiter. Geboren war er um 1460. Er war Schöffe von Henri-Chapelle und starb in Aachen, wohin er sich wegen der unruhigen Zeiten zurück gezogen hatte. Diese Unruhen sind wahrscheinlich auf die Religionswirren des 16. Jahrhunderts zurückzuführen. Johann I. von Beelen hatte Maria Agnes Bertholff geheiratet. Diese war — so nehmen wir an — die Tochter des Jakob I. Bertholff, eines natürlichen Sohnes von Merten Bertholff und Begründers der Bertholff von Hergenrath. Lambert von Beelen, («Lambrecht Beel van Embach») vermutlich der Sohn des genannten Johann I. von Beelen, besaß wohl ein Lehen zu Imbach (Henri-Chapelle). Mit ihm beginnt die Linie der «Beelen- Bertholff». Er kauft nämlich am 26.7.1567 von den Eheleuten Peter Schardinel und Maria Bertholff deren Familienlehen Bertholff. Die Beelen nannten sich fortan «Herren von Bertholff». Hein Beelen «auf Imbach und Bertholff» bzw. «Heyn Belen van Hergenraet», Sohn des Vorhergehenden, wurde geboren am 10.11.1542. 1565 ist er als Schöffe von Henri-Chapelle belegt. In erster Ehe hatte er 1563 Catherine Kloecker aus Baelen geheiratet; diese erlag 1578 mit ihren 4 Töchtern einer ansteckenden Krankheit. Im folgenden Jahre heiratete Hein Beelen Anne Pelsser aus Henri-Chapelle, die Tochter des dortigen Schöffen Nicolas Pelsser. Diese starb am 18.2.1601.
28 Aus der ersten Ehe überlebten die Söhne Lambert II. und Nicolas/ Claes von Beel(en). Aus der zweiten Ehe stammten weitere sechs Kinder, darunter - Hein III. von Beelen, geboren am 12.3.1581, verheiratet mit N. von Gülpen. Diese Eheleute hatten einen Sohn, Hein IV., der Anna von Dobbelstein (von der Eyneburg) heiratete, womit eine verwandt- schaftliche Bindung zwischen den von Beelen-Bertholff und den Burgherren der Eyneburg entstand. - Johann II. von Beelen-Bertholff, geboren im September 1589, Bürgermeister von Aachen im Jahre 1639. Starb kinderlos. - Elisabeth, die in erster Ehe N. Kannartz und in zweiter Ehe Frie- drich von Hagen heiratete. Von dieser Tochter Elisabeth und ihren zwei Ehemännern befand sich ein schöner Grabstein mit den Wappen Kannartz, Beelen, Styverts, Ballarmee, Hagen, Roist, Brandenburg und Neuraet/Nereth in der Walhorner Kirche. Der oben genannte Nicolas/Claes Beel, Sohn des Hein Beel und der Katharina Kloecker, Herr von Bertholff, relevierte das Lehen seines Vaters im Jahre 1628. Er war, gemeinsam mit der Familie Dobbelstein von der Eyneburg, maßgeblich am Neubau der Hergenrather Kirche (1619) beteiligt. Gemeinsam mit dem Herrn von Dobbelstein stiftete er die Kanzel für diese Kirche, deren Rendant er etwa 30 Jahre lang war. Die Kanzel zeigt das Wappen der beiden Familien. Auch bekleidete Claes Beelen ein Schöffenamt in Walhorn sowie in der Herrschaft Hergenrath. Claes Beelen starb ohne Nachkommen am 1. Januar 1651. Seine Güter gingen an seinen Neffen Johann Beelen, Sohn des Lambert II., geboren am 29. November 1622, der das Lehen am 19.8.1651 als Universalerbe seines Oheims (laut Testament) relevierte. Vorgenannter Lambert II. mit dem Beinamen «der Reiche», der Bruder des Claes Beelen, heiratete 1616/1618 Danielle de Meuth genannt Donraet. Aus dieser Ehe gingen hervor: - Heinrich, geboren am 14.3.1620, Junker, Offizier im Regiment Piccolomini, gefallen in der Schlacht von Diedenhofen/Thionville (Lothringen) am 7. Juni 1639, beigesetzt in St. Foillan in Aachen. Keine Nachkommen. - Johann II. von Beelen, geboren am 29.11.1622, Junker, Herr von Bertholff, Generaleinnehmer der Provinz Limburg und Richter der Zollkammer. Er heiratete in erster Ehe in Aachen am 13.7.1652 Catharina Reul, gestorben am 12.4.1658, Tochter des Asteneter Schlossherrn Reiner Reul. In zweiter Ehe heiratete Johann Beelen am 28.5.1659 Maria
22 Catharina Braumann, Tochter des Aachener Schöffen Karl Braumann, der als Kommandeur des Ritterordens der Malteser auf Malta verstarb. Johann Beelen war Schöffe von Walhorn sowie Meier der Herrschaft Moresnet und der Grundherrschaft Hergenrath. Aus der ersten Ehe hatte Johann Beelen keine, aus der zweiten Ehe jedoch 9 Kinder, und zwar: 1. Maria Cäcilia, geboren am 12.5.1660, Kanonisse/Chorfrau im adligen St. Leonard-Stift der Nonnen vom heiligen Grab in Aachen; die Eltern übertragen ihrer Tochter bei deren Klostereintritt als Mitgift eine Rente von 30 Rtlr., die mit 600 Rtlr. abgelöst werden kann. Als Sicherheit stellen sie ihre Güter in Aachen und Limburg (Coels, S. 267). 2. Catharina Elisabeth, geboren am 23.1.1662, ledig; G 3. Anna Isabella, geboren am 1.8.1663, ledig; 4. Johann Carl, geboren am 8.8.1665, gest. am 17.7.1680; 5. Philipp Lambert, s. unten ; 6. Anna Clara, geboren am. 15.11.1668, ledig; 7. Johann Albert, geb. am 15.5.1670, Kanoniker des Jülicher Stiftes, apostolischer Protonotar. Dieser Kanoniker relevierte das Lehen Bertholff am 13.3.1721. Es umfasste das Schloss mit den Nebengebäuden, Wassergräben, Weihern, Garten, Obstgarten und Ländereien in einer Gesamtfläche von 13 Bundern, 163 Ruten (Coels, S. 268). Wahrscheinlich war es auch Johann Albert von Beelen-Bertholff, der die heute noch stehenden Wirtschaftsgebäude errichten ließ, wo ein Türsturz im nordöstlichen Flügel die Jahreszahl 1733 und ein Keilstein an der Innenseite der Hofeinfahrt einen Kelch trägt. 8. Margaretha Ludgardis, geb. am 12.12.1672, gest. Ende Dezember 1672. 9. Theodor Nicolaus, geb. am 11.10.1676, gest. am 28.10.1718, ledig. Erhebung in den Freiherrenstand Der unter Nr. 5 genannte Philipp Lambert von Beelen-Bertholff wurde nach seinem Tode rückwirkend als erster Beelen geadelt und in den Freiherrenstand (Baron) erhoben. Das Adelspatent wurde durch Maria- Theresia am 2. August 1773 ausgestellt für den Sohn des Philipp Lam- bert, Johann Albert von Beelen-Bertholff, doch mit Rückwirkung auf den am 10.2.1710 gestorbenen Vater. Dieser war geboren am 14.6.1667 und, wie alle Beelen vor ihm, zählte er zum Stand der Landedelleute, der so genannten Junker («&cuyer»). Die vielen Ämter dieses Mannes
23 zeigen, in welch hohem Ansehen er gestanden hat. Er nannte sich Rat und General-Auditor der Provinz Limburg, Abgeordneter des Kreis- Reichstages, Erster Berater des Aachener Kaiserstuhls, Hoher Drossard und «Leutnant» der Lehen des Herzogtums Limburg, Syndikus des Deutschordens, Schöffe und Richter der Zollkammer sowie Berater mehrerer Fürsten. Philipp Lambert von Beelen-Bertholff hatte an der 1655 gegründeten Universität Duisburg studiert, wo sich sein Name unter dem 31.07.1686 findet: «Philippus Lambertus Beelen, Aquensis, anno 1686, die 31 Julii 1685/86». Es scheint sich um den Tag des Studienabschlusses zu handeln. (Die Universität Duisburg wurde 1806 aufgehoben). Verheiratet war Philipp Lambert von Beelen mit Marie Waltere de Gevelmans, Tochter des Jean Waltere, der Berater des Kurfürsten von Köln war, und der Maria Sibylla Henriquez von Streversdorf. Die Eheleute Beelen-Gevelmans hatten fünf Kinder, nämlich 1. Johann Albert, der Stammvater des älteren Zweiges wird (s. unten) 2. Frederik Wilhelm Constant 3. Marie, Ehefrau des N. de Cullere, Ingolstadt 4. Martin Hermann, Kanoniker in Jülich 5. Maximilian Joseph, Stammvater des jüngeren Zweiges. Im genannten Adelsbrief vom 2.8.1773 schreibt Kaiserin Maria- Theresia einleitend, es sei ihr seitens ihres lieben und getreuen Edelmannes Albert von Beelen-Bertholff untertänigst dargelegt worden, dass er, wie seine Vorfahren, seit 1715 in Diensten ihres Hohen Hauses stehe, als Leutnant, Kapitän, Oberst und Generalauditor in den Niederlanden, wie auch als Ratgeber des verstorbenen Kaisers und Königs Karl VI., ihres sehr lieben und sehr verehrten Vaters und Herrn glorreichen Andenkens. Auch hatte Johann Albert von Beelen-Bertholff die Kaiserin darauf hingewiesen, dass er 1724 Jeanne Charlotte de Mahieu, die Tochter des Antoine L6on de Mahieu, Herrn von Warelles geheiratet hatte; dass sein ältester aus dieser Ehe hervorgegangener Sohn Frederic Eugene im Jahre 1759 Jeanne-Marie-Ther&se de Castro y Toledo, Tochter des Edelmannes Francois-Joseph, Herrn von Villers, P&ruwez und Puyvelde geheiratet habe; dass es sein sehnlichster Wunsch sei, seine Nachkommen dazu zu bewegen, nach dem Beispiel ihrer Vorfahren Diensteifer, Treue und Anhänglichkeit gegenüber dem Hohen Hause zu zeigen; dass er deshalb unterwürfigst bitte, ihn mit Rückwirkung auf seinen Vater Philipp-Lam- bert mit dem Titel «Baron» zu ehren, diese Ehre aber auch auf die
24 (en de Son em Da Seelen. Bertfolt? ae vr | petroachif San Sn Lese Züihppe. EA ler iD | | Neelen. en hol mat auff Set fand ee} \De/cendant be Cum Ct De Laute 7 AES ehe | | eihe de Pr Yiage Verben Ögne Ditecte, et | | le jA S Lane De Bimegenitu, Maond Ct-Baton) H 200; (CE Dong et Ber meHOnT, que Leit CASES | | Descendand Beim el de Pautie Sete Cmme } Dir CH PpHIIERT Ch Ppourtond fpoeter Ce Prieme- (Che 2e Aaton De AS Aom, ef Papa ligued Dar | tell Prse ef DZ Heute Ge DZ Free VeROn tn \Comlenir, Obja ach Je O4 & acquebir VS WIE (Domina Yröm ef obliMance AUS. ZB Mate G ont] | 260.0 örefen Fa at Las, (a tasbne. Corse Arad ae. SEI Apen dancel et Daoendanceg, Kaufeurd, (Zeit hen Kevenud 2b ZtLEtlend en Qi, / vn N Citre, Porn Bretsinence de ÄMattor:nie, eur fretmeltond, De InEme qua eur nd Ben | 2 e/cemndand gi fmes bes eme Dibeete, Cniteie |Z CH, de gehen ont BE ga Latte et | 1AUamEn Yafdn De e Äabohnie, y Zr inter. | Am Lelles aefaed Certet et Minen ieh Sibd | | et Abe Miond que bon Cat de Kia, feuer efuder A Tamait, CHR EH-L2uhd Bfng ek Delcen= 1 Ausgabe fe Arnd, Sehen Pordze DE Bine Ent tt@ de. | | Cole Ora han Lh Baonzui2, Aindt Sue Dad Dei) ; Auszug aus dem Adelsbrief .
25 Zei WO F nd a IC 6 SL (I m EA Di „> ED VB TEEN Dr N Hr fa Dr WS AN EA ES NE IRA We; (I) 7 zz << Y a | e Pam Tran, Dr. Jär: , SIEB Wachen 1,5 1700 [RIO S4/204] Wappen des posthum in den Freiherrenstand erhobenen Philipp Lambert von Beelen-Bertholff Erstgeborenen beiderlei Geschlechts zu übertragen, wenn diese in direkter Linie aus einem ehelichen Verhältnis hervorgegangen sind bzw. hervorgehen. Der Antragsteller Johann Albert von Beelen-Bertholff hatte sich in Brüssel von den kaiserlichen Ratgebern Joseph-Antoine-Albert Jaerens und Gilles Gabriel Labiniau nach Vorlage authentischer Dokumente bescheinigen lassen, dass daraus hervorgehe, dass die Famile Beelen seit etwa 300 Jahren in den Niederlanden «noble et florissante» (blühender Adel) sei und mehrere hervorragende und tapfere Offiziere und andere Männer gestellt habe, die sowohl im zivilen wie im militärischen und kirchlichen Bereich die herausragendsten Ämter im Dienste der Hohen Herrscher der Niederlande ausgeübt haben. Die Ratgeber stellen ebenfalls fest, dass auch die nächsten Anverwandten dieser Familie (dem kaiserlichen Hause) gedient haben u. a. als Feldherren, Gouverneure von Städten und Festungen, Colonel, Major, Kapitän, Bailli, Ratgeber beim Hof von Brabant und im Finanzrat,
26 | 3 E A S WS ee $ A JE S ; | Ca ° 3 Ka A 3 (OO 5 . A a A} Me Wappen des Johan Albert von Beelen-Bertholff (Zeichnung im Adelsbrief) Vorsitzender des Rates von Flandern, Minister in Regensburg, als Abgesandte in den ehrenwertesten Funktionen des Adelsstandes, so. z.B. bei gewissen Einweihungsfeierlichkeiten unserer Herrscher, bei der Einsetzung des Ordens vom Goldenen Vlies in Brügge im Jahre 1429 durch Philipp den Guten, Herzog von Burgund und Graf von Flandern, als Maitre d’hötel der Erzherzöge Albert und Isabella und des Herzogs von Parma.... Des weiteren erklären die beiden kaiserlichen Ratgeber, dass die Familie Beelen stets nur mit alten Rittersfamilien eheliche Bindungen eingegangen sei, so dass man sie verbunden finde mit den Familien der Dobbelstein von Eynenburg, Gulpen, von Mahieu, v. Neve, Steelandt, Bellarm&e, de Castro, Bayart de Gantau, Beaufort, Herthoghe, Villers de Bomal, Luna Zerzanders, Montmerenci, Pottelsberghe, Neverle, Le Poivre, van Mechelen. alla Mit dem Freiherrn Philipp Lambert von Beelen nimmt die Familien- geschichte, wie angedeutet, eine zweifache Ausrichtung. Der «ältere» Zweig geht auf den Sohn Jean Albert zurück, während der «jüngere» Zweig sich vom jüngsten Sohn, nämlich Maximilian Joseph, ableitet.
27 Der ältere Zweig Dieser spaltet sich in der auf Johann Albert folgenden Generation in vier Zweige auf, und zwar: - den amerikanischen - den flämischen - den österreichischen und - den Mechelener Zweig Der an zweiter Stelle genannte Frederik Wilhelm Constant von Beelen- Bertholff, geboren in Aachen am 28.8.1707 und dort verstorben am 15.4.1766, war Rechtsanwalt am Brabanter Oberhof und heiratete am 21.11.1734 in Brüssel Euge&nie Marie Therese de Mahieu, die Tochter des Bürgermeisters von Ath und Herrn von Warelles, Antoine L&on de Mahieu. 1738 war der Junker Frederik Wilhelm Constant von Beelen- Bertholff Schöffe in Aachen, wenig später wurde er dort Bürgermeister. Er hinterließ drei Töchter: - Marie Therese Louise Caroline, geb. in Brüssel am 24.10.1742; - Marie Jeanne Eugenie Angelique, geb. am 16.2.1746 in Brüssel, Ordensschwester bei den Coelestinen (Weißen Frauen) in Aachen; - eine weitere Tochter (Namen nicht erwähnt), die ebenfalls bei den Coelestinen eingetreten war. Johann Albert (auch Albrecht), Freiherr von Beelen-Bertholff Er erbte die Güter seines gleichnamigen Onkels, des Kanonikers, den wir schon als vermutlichen Erbauer der Wirtschaftsgebäude des Hergenrather Hofes genannt haben. Der Neffe machte eine glänzende Karriere in Armee und Verwaltung. Aus einer ersten Ehe mit Marie Jeanne Catherine Charlotte de Mahieu, die er 1725 in Brüssel geheiratet hatte, stammten fünf Kinder. Nach dem frühen Tode seiner Gattin, am 5. September 1733, heiratete der Herr von Beelen am 20.4.1737 in St. Gudula in Brüssel Anne Catherine d’Ansillon, geb. in Brüssel am 5.11.1703, Witwe (seit 8.2.1735) von Ferdinand Jakob Ringler, Gerichtsrat und später Steueranwalt am Brabanter Hof. Jean Albert von Beelen-Bertholff und seine (zweite) Ehefrau haben wohl längere Zeit auf ihrem Hergenrather Landhaus Bertholff zugebracht. Wie anders erklärt sich die ihnen vorbehaltene und mit ihrem Doppelwappen versehene Kirchenbank?
28 Durch Ernennungsurkunde vom 23.12.1737 wurde der 1715 in die Österreichische Armee eingetretene Johann Albert von Beelen zum Generalauditor der kaiserlichen Truppen in den Niederlanden und zum Berater Kaiser Karls VI. ernannt. Prinz Karl von Lothringen, Generalgouverneur der belgischen Provinzen des Habsburger Imperiums, ernannte Johann Albert von Beelen-Bertholff am 1. Juli 1749 zum Bevollmächtigten (= Kommissar) der Provinz Limburg, betraute ihn mit der Leitung der Polizei und beauftragte ihn, die Einhaltung der Verordnungen bzgl. der Verwaltung und der Verteilung der Steuerlasten zu überwachen. In der Armee hatte sich der Herr von Beelen-Bertholff vom Leutnant zum Kapitän und Oberst hochgedient. Wie schon gesagt, wurde er am 2. . August 1773 mit posthumer Wirkung auf seinen Vater in den Freiherrenstand erhoben. Er starb nur wenige Tage später, am 6.8.1773. Zwei Jahre vorher, 1771, hatten Johann Albert von Beelen-Bertholff und seine zweite Ehefrau das Lehen Bertholff mit allem, was dazu gehörte, sowie den Hof «Gillisheide» ihrem Sohn Maximilian Albert Joseph gegen eine Leibrente für sich selber und einen finanziellen Ausgleich für die anderen Kinder übertragen. Ob damit eine frühere, vor Notar Nicolaus Bounie am 21.3.1766 getroffene Erbschaftsregelung hinfällig wurde, ist nicht festzustellen. Damals hatten die Eheleute Beelen-Ansillon den beiden Söhnen aus erster Ehe, Frederic Eugene und Nicolas Ignace, eine Summe von 25.000 Florins als Hinter- lassenschaft überschrieben. Der neue Herr von Bertholff ließ das Lehen am 6. Juni 1771 durch den Meier von Lontzen, Wilhelm Dobbelstein, relevieren. Anne Catherine d’Ansillon war die Tochter von Francois d’Ansillon, Herrn der Stadt und Freiherrschaft Wavre, de la Pierre und de la Gaite€, Ritter des (Hl.) Römischen Reiches, gestorben im Jahre 1738 und beigesetzt im Chor der Pfarrkirche von Wavre, und dessen Ehefrau Marie Catherine Fenas. Aus der ersten Ehe des Freiherrn Johann Albert von Beelen-Bertholff stammten fünf Kinder: T 1. Hermann Francois Marie, geb. in Brüssel, getauft am 13.7.1726, «Ecuyer»/Junker, gestorben in der Pfarre St. Gudula am 6.1.1730. 2. Marie Rose Antoinette, getauft in St. Gudula am 13.6.1727, Klosterschwester bei den «Dames de Lorraine» in Brüssel, dort gestorben am 8.9.1809. 3. Frederic Eugene Francois, Gründer eines ersten «älteren Zweiges», s. unten.
29 4. Nicolas Ferdinand Antoine Ignace, Günder eines zweiten «älteren Zweiges», s. unten. 5. Eleonore Rose Joseph Albertine Hyacinthe, geboren in Brüssel am 5. Juli 1732, getauft in St. Gudula am 25. Juli 1732, jung gestorben. Aus der zweiten Ehe des Barons Johann Albert von Beelen-Bertholff mit Anne Catherine d’Ansillon stammten ebenfalls fünf Kinder, und ZWar: - Maximilian Jean Albert Joseph (Begründer eines dritten Stammes) - Frederic Guillaume Joseph, getauft in Notre-Dame de la Chapelle (Brüssel), am 9.7.1740, Kreuzherr in Köln ; - Anne Francoise Rosalie, Zwillingsschwester des Vorhergehenden, jung gestorben; - Jean Albert Joseph, geb. am 17.8.1741, im Kindesalter gestorben; - Michel Charles Francois Joseph (Begründer eines vierten Stammes, s. unten). Die Beelen-Bertholff in Amerika, direkte Nachfahren des Barons Johann Albert von Beelen-Bertholff Seit dem Adelsbrief vom 2. August 1773, durch den die Beelen in den Freiherrenstand erhoben worden waren, hatte sich für den älteren Zweig die Benennung «von Beelen-Bertholff» eingebürgert, während es beim jüngeren Zweig der Familie bei der Bezeichnung «Beelen» blieb. Frederic Eugene Francois, 3. Baron von Beelen-Bertholff Der am 29. Juni 1729 als.drittes Kind des Johann Albert von Beelen- Bertholff in St. Gudula in Brüssel getaufte Frederic Eugene Francois heiratete am 18.7.1759 in St. Niklaas-Waes (Westflandern) die dort am 28.10.1731 geborene Marie Therese de Castro y Toledo, die Tochter des Herrn von Villers, Perwin/Pe&ruwez, Puyvelde, Velde, Overhem und Schöffen von Waes. Am 13.8.1760 wird der Baron von Beelen-Bertholff als Sekretär des Rates von Brabant vereidigt. Es folgte die wichtige Funktion des Gref- fiers (Sekretärs) des Domänen- und Finanzrates, den man häufig (vor allem bezüglich des Zollwesens und der Handelskontrollen) mit einem wirklichen Finanzministerium verglichen hat. Man muss daran erinnern, dass Kaiser Karl VI., der Vater Maria-Theresias, die Grundlagen einer groß angelegten Wirtschaftspolitik gelegt hatte. 1722 hatte er die «Com-
30 pagnie des Indes Imperiale et Royale» (Kaiserlich-Königliche Indien- Kompanie) gegründet, die vor allem als «Ostender Kompanie» bekannt ist. Diese bestand zwar nur von 1722 bis 1731, hatte in dieser Zeit aber große Erfolge im Handel mit Indien und China und konnte erfolgreich das englische Handelsmonopol durchbrechen. Im März 1731 sah sich der Kaiser jedoch als Gegenleistung für die seitens England erforderliche Anerkennung der «Pragmatischen Sanktion» zur Auflösung dieser Handelsgesellschaft gezwungen. Diese Anerkennung sicherte Maria Theresia die Nachfolge auf den kaiserlichen Thron. Die «Ostender Kompanie» hatte ganz erhebliche Geldmittel in die Staatskasse gespült und dem Kaiser gezeigt, welche Bedeutung die‘ Handelsströme für dieselbe besaßen. Diese Erkenntnis führte zum progressiven Aufbau einer darauf ausgerichteten Verwaltung unter der Leitung des Barons von Beelen-Bertholff. Die notwendigen Kontrollen der Fluss-Schiff-Fahrt und des Zugangs zu den großen Häfen (vor allem Antwerpen) gestalteten sich manchmal recht schwierig, da es häufig zu Meinungsverschiedenheiten mit den Schiffern kam und der Baron von Beelen-Bertholff seinen Zollkontrolleuren ganz konkrete Anweisungen bei Verdachtsmomenten auf Unterschlagungen geben musste. So verlangte er z. B. im Spätherbst 1764 eine genaue Auflistung der Schiffe und der Frachtgüter am Kontrollpunkt Navagne an der Maas. ..»ä com- bien se monte le chargement de chaque bateau de diff&rente sorte, dans les divers especes, avec les marchandises qui passent le plus commun&- ment, tels que les fers, les ardoises, pierres, houille.” Seine Tätigkeit im Domänen- und Finanzrat hatte den Baron von Beelen-Bertholff als fähigen Wirtschaftsfachmann ausgewiesen und auf andere, höhere Aufgaben, vorbereitet. Wie hoch seine Besoldung in jenen Jahren ausfiel, ist nicht belegt. Er muss jedoch über größere Geldmittel verfügt haben, denn 1768 erwarb er unweit von Antwerpen in Maria-ter-Heide, (zwischen Ekeren und Braschaat) ein Grundstück von 2.200 ha, wo er um 1770 mit dem Bau eines Schlosses begann. Dieses war als «Beelenhof» bekannt. 1772 wird er als «kasteelheer» /Schlossherr in Maria-ter-Heide genannt. Das eigentliche Schloss wurde im Krieg zerstört, aber unter Wahrung des äußeren Erscheinungsbildes wieder aufgebaut. Der Familienchronik der Familie Janti entnehmen wir, dass am 7. Januar 1777 Charles Francois Maurice de Janti in der Schlosskapelle von Beelenhof in Ekeren die Tochter des Schlossherrn Frederic Eugene
31 von Beelen-Bertholff, Therese Eugenie Francoise, Baronin von Beelen- Bertholff, geheiratet hat. Wir wissen auch, dass der Schlossherr von Beelen-Bertholff 1780 auf seinem Grund eine weitere Kapelle errichten ließ. BE ‚FAN An = ZN Z E SS YA ACE ET. En A 3 RM] EA HN MN SUN ÖL 2008 M zn Der Beelenhof in Maria-ter-Heide Therese Eugenie Francoise war das älteste Kind des Barons von Beelen-Bertholff. Sie war geboren in Brüssel und dort in der Kirche St. Nicolas getauft worden am 9. August 1760. Sie heiratete den ebenfalls in Brüssel geborenen Charles Francois Maurice de Janti, Herrn von Bonines (1744-1818), und starb in Brüssel am 11. Januar 1818. Eine zweite Tochter, Therese Eugenie, trug nach dem Tode ihres Vaters den Titel Baronin von Beelen-Bertholff. Eine dritte Tochter, Philippine Josephine Marie, getauft in Brüssel am 23. Januar 1762, heiratete 1781 Edouard de Dorlodot aus Charleroi. Es folgten weitere zwei Söhne und zwei Töchter, nämlich: Sophie Louise, getauft in Notre-Dame de Finisterre (Brüssel, Rue Neuve) am 15. Januar 1767, gestorben am 6. Oktober desselben Jahres; Francois Eugene, getauft in Notre-Dame de Finisterre am 18.2.1768, Lizenziat in Rechtswissenschaften (4. Juli 1783), ledig gestorben in den Vereinigten Staaten; Constantin Antoine, geboren am 9. Juni 1770 (s. unten) Cle&mence Augustine Therese, getauft in Notre-Dame de Finisterre am 9. August 1771, unverheiratet (?) gestorben.
32 Leben des Frederic Eugene und dessen Nachkommen in den USA ea ES a £ EN 2m SZ 3 E: Wr. 9 3 HN a A VS SS E % U > bh A SD v 8 “AS m} A | E 8 u “ Frederick Eugene, 3. Baron von Beelen-Bertholff (1729 - 1805) Frederic Eugene von Beelen Bertholff ist der Begründer des amerikanischen Zweiges dieser Familie. Als «Conseiller au Commerce» wurde er 1783 von der Regierung der Österreichischen Niederlande mit einer (Wirtschafts-) Mission in die Vereinigten Staaten betraut. Er sollte den Abschluss eines Handelsabkommens zwischen den Vereinigten Staaten und dem Österreichischen Kaiserreich vorbereiten. Im «Mus$&e de la Dentelle» (Spitzenmuseum) in Marche-en-Ardenne (unweit Givet) kann man erfahren, dass der Baron 1784 die Spitzen aus Marche in die Vereinigten Staaten einführte und dass diese Spitzenware in Philadelphia trotz großer Mengen französischer, fast gleichartiger Spitzen, starken Absatz fand.
33 Nach der Unterzeichnung des Handelsabkommens blieb Baron Fre- d&ric Eugene Francois von Beelen-Bertholff in den Vereinigten Staaten als ständiger Vertreter (Resident permanent) des Kaisers beim amerikanischen Kongress. Sowohl in der österreichischen Nationalbibliothek wie in der Bibliothek der «Historical Society of Pennsylvania» finden sich zahlreiche Briefe und Aufzeichnungen des Barons von Beelen-Bertholff aus den Jahren 1785-1788, die zeigen, dass der Baron die Geschehnisse in Amerika aus nächster Nähe verfolgte. So finden sich Informationen zur Politik Spaniens hinsichtlich der Schiff-Fahrt auf dem Mississipi, zur Einnahme der Forts von Niagara, Oswego und Detroit durch die Engländer, zu den Friedensverträgen mit den Indianern, den diplomatischen Missionen von John Adams und Thomas Jefferson in Frankreich und England etc. Die amerikanischen Unterlagen enthalten auch die Korrespondenz von Joseph Gazzam mit John Jay und anderen Diplomaten, die über die diplomatischen Aktivitäten des Barons berichtet und Einzelheiten über dessen Abstammung gibt (Quelle: Google «general eugene beelen»). Eine familiengeschichtliche Veröffentlichung aus dem Jahre 1894 («The history of the Gazzam Family») aus der Feder von A. Beelen Mackenzie enthält weitere interessante Details zum Baron von Beelen und dessen Wirken in den Vereinigten Staaten. Der Baron hatte sich nach Amerika begeben in Begleitung seiner Ehefrau (Marie Therese de Castro y Toledo) und des einzigen Sohnes, Constantin Antoine de Beelen Bertholff, wo er von 1783 bis 1787 als ständiger Vertreter der österreichischen Regierung fungierte. Die Gazzam-Chronik berichtet, im Jahre 1787 sei der Baron nach Europa zurückgerufen worden, was ihm jedoch wegen der politischen Unruhen nicht möglich gewesen sei. Daraufhin seien seine Besitztümer durch die Regierung beschlagnahmt worden. Frederic Eugene von Beelen Bertholff habe wahrscheinlich aus diesem Grunde beschlossen, in den Vereinigten Staaten zu bleiben. Er hatte in Philadelphia gelebt, war dann in der Grafschaft Chester im Staate Pennsylvanien ansässig geworden, unweit des heutigen Bahnhofs von Honeybrook, wo er sich ein imposantes Haus hatte bauen lassen, das unter dem Namen «Das Schloss» bekannt wurde. Später verkaufte er dieses wieder und nahm Wohnung in York, wo er größeren Grundbesitz erwarb.
34 Die Eheleute Beelen-de Castro y Toledo starben in York, wo ihre sterblichen Überreste auf einem Friedhof am Ufer des Conawago ruhen. Ein imposantes Grabdenkmal markiert(e) die Ruhestätte. Soweit die Details aus den Gazzam-Aufzeichnungen. Der Autor war ein Nachkömmling des Constantin Antoine von Beelen-Bertholff. Wenn es heißt, der Baron sei 1787 nach Europa zurückgerufen und anschließend enteignet worden, so unterliegt der Autor gewiss einem Irrtum. Es handelt sich unbezweifelt um Vorgänge, die in Zusammenhang mit der Französischen Revolution stehen. Die Revolutionäre, die die österrei- chischen Niederlande besetzt hatten (1792-93, 1794-1814) haben den Baron von Beelen als Emigranten eingestuft und folglich seine Besitztümer verstaatlicht. . Die konfiszierten Güter liegen im Süden der heutigen Niederlande, in Westflandern und in Limburg. Eine weitere Berichtigung muss in der Azzam-Chronik angebracht werden: Die Eheleute Beelen-Bertholff hatten neben dem schon genannten Sohn Constantin Antoine noch zwei in den Staaten geborene Kinder, und zwar Francois Eugene und Clemence. Nachdem der Baron das imposante auf den Grenzen der Grafschaften Chester und York gelegene «Schloss» verlassen hatte, kaufte er ein größeres Anwesen in der Stadt Hellam (Grafschaft York). Der Kaufakt vom 1. Februar 1798 gibt die Fläche mit etwa 70 ha an. Daraus geht hervor, dass der Baron auch in Amerika zu der wohlhabenderen Klasse gezählt werden musste. 1787 war er unter denjenigen, denen für den Besitz eines Pferdewagens («Phaeton») vom Staate York eine besondere Steuer auferlegt wurde. Vom 17. November 1795 liegt ein Verkaufsakt des Barons über einen Sklaven mit Namen Amos Michel vor, der für die Summe von 19 Pfund und 10 Schillingen in den Besitz von James Hamilton übergeht. In einem 1881 veröffentlichten «Biographical sketch of baron de Beelen» heißt es von dem Baron, dieser sei an Botanik interessiert gewesen und habe von Humphry Marschall Samen und Pflanzen zum Anbau bekommen. Die Überlieferung sagt, er sei aus seinem Heimatland geflohen und sein Silbergeschirr, sein chinesisches und französisches Porzellan und Spiegel hätten das Staunen und die Bewunderung aller kilometerweit in der Runde seines Wohnhauses bei Cambridge erregt. Schließlich scheiterten seine Unternehmungen und sein Besitz ging in andere Hände über.
35 Die Archive des «York Daily Record» enthalten für die Jahre 1804- 1805 u.a. folgende Notiz: «Der Baron von Beelen-Bertholff, ein angesehener Ausländer aus der Grafschaft der Niederlande in Europa stammend, fördert gegen Ende des 18. Jahrhunderts den Handel mit Amerika. Seine Tätigkeit wirkt sich vorteilhaft auf den Außenhandel zwischen Amerika und Europa aus. Der Baron und seine Gattin wurden Opfer einer ansteckenden Krankheit (vermutlich Gelbfieber). Er starb in York. Seine Leiche wurde bis vor die Eingangstüre zur Kapelle von Conewago gebracht, wo man sie einen ganzen Tag liegen ließ, da alle eine Ansteckung fürchteten. Schließlich ließ der örtliche Pfarrer, Father de Barth, von der Farm Lilly Hilfe holen. Zwei Schwarze kamen und halfen bei der Bestattung des angesehenen Mannes.» Im Internet finden wir unter «Church — History of Catholics in York County» zusätzliche Informationen. «Baron Beelen Bertholf Die Kirche St. Patrick in York kann sich eines angesehenen Laien rühmen, der lange in York ansässig war und eine gewisse geschichtliche Bedeutung erlangt hat. Als Josef II., Kaiser von Österreich und Sohn Maria-Theresias, die Schelde zu öffnen versuchte, (Anm.: Seit dem Frieden von Münster i. J. 1648 war der Antwerpener Hafen für Großhandelsschiffe gesperrt) beschloss er, den Handel zwischen Belgien und den Vereinigten Staaten aufzunehmen und bat zu diesem Zweck den Baron von Beelen-Bertholff, in Philadelphia ansässig zu werden, nicht als akkreditierter Vertreter, sondern als Beobachter und Berichterstatter. Nachdem der «Continental Congress» seine Sitzungen nach York verlegt hatte, zog auch der Baron dorthin und richtete sich dort bis zu seinem Lebensende sehr hübsch ein. Die lokale Überlieferung sagt, er habe auf großem Fuße gelebt. (Anm.: Der so genannte Kontinentalkongress, die Vertretung der 13 Kolonien, tagte in York vom 30.9.1777 bis 27.6.1778). Das Grab der Eheleute Beelen wurde 1850 beim Bau eines neuen Stadtviertels eingeebnet und die Marmorplatte im Innern der Kirche nahe dem Altar der seligsten Jungfrau gelegt. Darauf liest man: Zum Gedenken an Frederik E. F. Brn. von Beelen Bertolf, der aus diesem Leben schied am 5. April 1805 im Alter von 76 Jahren. Johanna Maria Theresia, seine Ehefrau, starb am 11. September 1804, im Alter von 72 Jahren. Mögen sie ruhen in Frieden.»
36 Man erzählt, als der Baron gestorben sei, habe eine ansteckende Krankheit in der Gegend geherrscht.» Constantin Antoine de Beelen Bertholff Der in Brüssel am 9. Juni 1770 getaufte Sohn des Barons Frederic Eugene kam 1783 mit seinen Eltern nach Amerika. Schon als junger Mann begann er sich unternehmerisch zu betätigen. Schon 1791 findet sich sein Name unter den Betreibern einer Gießerei «Anshutz, Beelen and Amberson Company». 1802 errichtet er zusammen mit einem Industriellen namens Denny eine Glasfabrik am Ohio. 1806 kauft er die nicht mehr in Betrieb stehenden Schiffswerften von Pittsburgh. Sein. unternehmerisches Geschick macht ihn zu einem wohlhabenden und angesehenen Bürger Pittsburghs, wo eine Straße nach ihm benannt wurde («Beelen Street»). 1810 errichtet er eine Eisengießerei, die 1813 als «De Beelen’s Fondry» genannt wird. a N ka, Y DS, Di DA 2 K8 we Der jüngste Sohn des Barons Frederick Eugene änderte seinen Namen in «Anton Beelen». 1814 wird er korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften von Pittsburgh.
37 Nach dem Tode seiner Frau, Elisabeth Antoinette Murphy, heiratete er ein zweites Mal. Aus der ersten Ehe stammten mehrere Kinder. Eine Tochter, Marie de Beelen, heiratete Dr. William Simpson aus Pittsburgh. Eine andere Tochter, Elisabeth Antoinette, heiratete Dr. Edward G. Gazzam. Aus der zweiten Ehe des Constantin Antoine de Beelen mit Anne Aiken stammten fünf Kinder, darunter ein Sohn mit Namen Frederik Antoine de Beelen, der am 12. April 1827 geboren war und während vieler Jahre in Brasilien lebte. Nach anderen Quellen war er Sekretär der Vertretung der Vereinigten Staaten in Chile, wo er eine spanisch- stämmige Chilenin geheiratet hat. Hier sei noch am Rande vermerkt, dass sich Frederic Antoine de Beelen Bertholff in Pittsburgh nur noch Anthony Beelen nannte. Der flämische Zweig der Familie Beelen Dieser flämische Zweig ging in direkter Linie von Baron Johann Al- bert von Beelen-Bertholff aus, dessen Sohn Nicolas Ferdinand Antoine Ignace von Beelen-Bertholff, Herr von Overhem, Velpe etc., in Brüssel geboren und dort in St. Gudula am 5.10.1730 getauft wurde. Er war «Procureur General du Limbourg et du Pays d’Outre Meuse» (stellvertretender Generalanwalt Limburgs und der Lande von Overmaas). Am 29. Mai 1760 heiratete Baron Nicolas von Beelen-Bertholff in St. Niklaas (Waes) Charlotte Caroline Eugene de Castro y Toledo, die älteste Schwester der Frau seines Bruders Frederic Eugene Francois, des Begründers der amerikanischen Linie. Die Eheleute hatten sieben Kinder: - Amelie Albertine Antoinette (1761-1787) ; - Francois Eugene (1762-1835), Herr von Puyvelde, starb unverheiratet in Waesmunster; - Catherine Louise Joseph (1764-1842), war verheiratet mit Charles Emmanuel Aim6€, Graf van der Meere, Baron von Jauche, Kämmerer König Willems I., Vorsitzender des Ritterordens Ostflanderns; - Antoine Frederic (1766-1853), starb unverheiratet in Brüssel; - Louis Ferdinand (1768- ), Leutnant im Regiment des Herzogs von Sachsen-Teschen, starb unverheiratet; - Charlotte Therese (*1771), jung gestorben; - Francois Alexandre Joseph, (*1773), jung gestorben.
38 Fünf der Kinder wurden in St. Gudula in Brüssel getauft, Catherine Louise Joseph und Antoine Frederic in Ste Catherine. Da die männlichen Nachkommen des Barons Nicolas von Beelen- Bertholff unverheiratet blieben bzw. jung starben, erlosch die Familie Beelen in Flandern. Der österreichische Zweig Über Maximilian Johann Albert Joseph von Beelen-Bertholff, das 6. Kind des Barons Johann Albert von Beelen-Bertholff, geht auch die österreichische Linie der Beelen direkt auf Letzteren zurück. Besagter Maximilian Johann Joseph Albert wurde getauft zu Brüssel - in Notre-Dame de la Chapelle am 6. Juli 1738. Auch er bekleidete nach seinem Studium in Duisburg wichtige Ämter in Staat und Regierung. Als Auditor und «Conseiller Maitre» beim Rechnungshof, Mitglied des Regierungsrates der «Belgischen Provinzen» (d. h. der Österreichischen Niederlande) verließ er unser Land beim Einmarsch der Franzosen und floh nach Österreich, wo er am 1. Juli 1798 verstarb. Am 9. November 1772 hatte Baron Maximilian die am 7. Juli 1750 in Brüssel geborene Marie Jeanne Joseph van Casteel geheiratet. Aus dieser Verbindung gingen acht Kinder hervor: 1. Maximilien Adrien Dominique, getauft in Notre-Dame de la Cha- pelle (Brüssel), am 6. November 1773. Diente 1789 als «enseigne» (Fähnrich) im Regiment Murray, starb vor 1808; 2. Eugene Frederic Albert Joseph (s. u.) ; 3. Jeanne Adelaide, getauft am 6. Juli 1776, gestorben vor 1808; 4. Therese Joseph, getauft am 18. Juni 1778, gestorben in Nettolitz (Böhmen) am 5.3.1802. Sie hatte den Baron von Puetani, Kapitän im Regiment von Spork und später Generalmajor, geheiratet; 5. Marie Catherine Joseph, geboren im Schloss zu Hergenrath (Bertholff) am 13. November 1779, heiratete 1806 Philippe Marie Fran- cois Ghislain, Baron von Pelichy, Oberst in kaiserlichen Diensten im Regiment von Württemberg, Träger des Eisernen Ordens und später Mitglied des Tiroler Ritterordens. Seine Karriere führte ihn als Kämmerer der «Kaiserlichen und Königlichen Apostolischen Majestät» an den Hof zu Wien. Die Ehefrau lebte noch 1838 in Wien; 6. Charles Bernard Joseph, getauft am 7. Juli 1783, jung gestorben; 7. Charles Joseph, getauft in St. Jacques sur Caudenberg am 6. April 1788. Offizier in österreichischen Diensten, gefallen in der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813;
39 8. Jean Albert Joseph, getauft am 1. Januar 1789, gestorben am 6. März 1789. Eug@ne Frederic Albert Joseph von Beelen-Bertholff Der als zweites Kind der Eheleute Beelen-van Casteel am 7. März 1775 in Notre-Dame de la Chapelle getaufte Sohn Eug&ne Frederic Al- bert Joseph wird 1813 als «Freiherr» bezeichnet. Auch er machte Karriere in der österreichischen Armee und brachte es 1823 zum Generalmajor. 1831 wird er als «Brigadier» in Italien genannt. Er heiratete am 16. Mai 1819 die aus Schlesien stammende Elisabeth von Jankwitz, (*1795), die 1869 noch lebte, während ihr Ehemann schon am 27. September 1838 in Wien verstorben war. Es sind uns keine Nachkommen dieser Eheleute bekannt. Der bekannte Historiker Guillaume Grondal hat in einer unveröffentlichten Monographie über Hergenrath eine Kurzbiographie des Barons Eug@ne Frederic eingefügt. Hier das Resultat seiner Nachforschungen (in Übersetzung): «Generalmajor Baron Eugene de Beelen-Bertholff Der berühmteste Vertreter des Geschlechtes, das während zwei Jahrhunderten das Schloss Bertholff besaß, ist der Baron Eugene Frede- ric Albert von Beelen-Bertholff, dessen glänzende Militärkarriere es verdient, aufgezeichnet zu werden. ...Seine Kindheit verbrachte er zum großen Teil im väterlichen Schloss in Hergenrath. 1794 trat er als Kadett ins Infanterie-Regiment des Grafen von Cler- fayt ein und wurde wenig später als Unterleutnant bei den Jägern zugelassen. Er tat sich besonders hervor bei den Rheinfeldzügen 1795- 1796, in Schaffhausen sowie in Bayern und Tirol 1797-1798. 1800 wurde er zum Leutnant ernannt und zeichnete sich besonders im Italienkrieg in der Schlacht von Caldiero (Provinz Verona) am 30. Oktober 1806 aus, wo die österreichischen Truppen unter dem Befehl des Erzherzogs Karl trotz heroischem Widerstand es nicht mehr schafften, den siegreichen Unternehmungen des französischen Marschalls Mas- sena Einhalt zu gebieten. Als durch den Frieden von Pressburg am 26.12.1805 (nach der Schlacht von Austerlitz) zwischen Napoleon I. und Kaiser Franz II.
40 vorübergehend Friede herrschte, widmete sich der Baron von Bertholff der bis dahin vernachlässigten militärischen Ausbildung und führte das Fechten mit dem Degen in die österreichische Armee ein, wodurch der Fußsoldat im offenen Felde gegen die Kavallerie antreten konnte. EN A 44 ; K En ) 4 N 6 HE A Bar HE E EA 4 al ; Sr 4 5 Zi EEE EST FEST zZ = E Das Portrait stellt nach der Überlieferung Eugene Frederic von Beelen-Bertholff dar. 1806 wurde der Baron zum «capitaine lieutenant» ernannt, als solcher diente er 1809 im Infanterie-Regiment des Grafen von Kaunitz und nahm am Feldzug jenes Jahres teil. 1812 ging er (im Alter von 37 Jahren!) in Pension. Seine militärische Karriere war damit aber noch nicht beendet, denn nachdem er Mitglied des Kriegsrats (conseil aulique de guerre) gewesen war, nahm er 1813 den aktiven Dienst wieder auf. .(Anm.: 1813 wird der» Major Freiherr Eugene Beelen de Bertholff» als Kommandant des
41 12. Jägerbataillons genannt. Damit unterstanden ihm 6 Kompanien zu je 166 Mann, d. h. 996 Mann und etwa 12-15 Offiziere). Er kämpfte mit den Österreichern im Süden Frankreichs, wurde «lieutenant colonel» (1821), Colonel/Oberst (1823) und schließlich Generalmajor in Italien. 1835 wurde der Freiherr von Beelen zum zweiten Male pensioniert. Er starb in Wien am 27. September 1838.» Am 16. Mai 1819 hatte er Elisabeth von Jankwitz aus dem österreichischen Schlesien geheiratet. Die Ehe blieb kinderlos. Der Mechelner Zweig Auch dieser wurde durch einen Sohn des Johann Albert, des zweiten Barons von Beelen-Bertholff, begründet. Der Mechelner Zweig geht aus von Michel, Charles, Francois de Paul, Joseph von Beelen-Bertholff, der am 1. Juli 1745 geboren und am 22. Juli 1745 in der Brüsseler Kirche St. Gudula oder in Notre-Dame de la Chapelle getauft wurde. Michel Charles von Beelen-Bertholff wurde 1767 zum Lizenziat der Rechte diplomiert, wurde Rechtsanwalt beim «Grand Conseil» von Mecheln, Oberdrossard des Landes von Mecheln und am 4. Juni 1775 «forestier» (Forstmeister) Seiner Majestät im Land von Arckel. Am 3. September 1776 wurde er zum «Conseiller Pensionnaire» der Stadt Mecheln und am 5. Februar 1788 zum «Amman» von Brüssel ernannt. Er heiratete am 3. Oktober 1775 in Mecheln Marie Lucr&ce Geraldine Corten de Thulden. Aus dieser Ehe gingen sechs Kinder hervor, vier Mädchen und zwei Jungen, die zwischen 1776 und 1785 geboren wurden. Die beiden Söhne, Eug@ene (*18.8.1777) und Jean Joseph Marie (*14.8.1781) haben keine weiteren Spuren hinterlassen. ook Der Vollständigkeit halber erwähnen wir nun noch den jüngsten Zweig der Beelen, der auf Philippe Lambert, den ersten Baron von Beelen-Bertholff, zurückgeht. Begründet wurde er durch Maximilian Joseph von Beelen, einen Sohn von Philipp Lambert und Bruder von Johann Albert von Beelen-Bertholff. Er diente als Oberleutnant im Regiment von Arberg und starb an den Folgen von Kriegsverletzungen in Brügge, wo er in der Kirche Saint Sauveur beerdigt wurde.
42 Aus der Ehe mit N. Delore (oder Dethove) gingen zwei Söhne hervor: Georg (s. u.) und Dominique. Letzterer war Offizier im Regiment de Ligne und fiel 1757 in der Schlacht von Hastenbeck. War unverheiratet. Der genannte Sohn Georg war Oberleutnant im Regiment de Ligne. In der Schlacht von Leuten, am 5.12.1757, (Sieg Friedrichs des Großen über die Österreicher) wurde er verwundet; im folgenden Jahre erlitt er einen Armbruch in der Schlacht von Hochkirch (südöstlich von Baut- zen, Sieg der Österreicher über Friedrich den Großen am 14.10.1758). Georg von Beelen heiratete (Name unbekannt) und hatte einen Sohn, Nicolas, Joseph, der ebenfalls als Leutnant im Regiment de Ligne diente. Ob dieser aus seiner Ehe mit Marie Therese Caroline Broers aus Tour- nai Nachkommen hatte, ist uns nicht bekannt. .
43 Charlemagne dans l’optique National-Socialiste par Alain Brose Le mythe et l’histoire de Charlemagne dans la propagande natio- nal-socialiste et dans la litterature allemande des annees trente ä la fin de la Seconde Guerre Mondiale. Plus de 1200 ans apr&s sa mort, Charlemagne demeure 1’un des plus grands souverains d’Europe. Les Francais, les Allemands et les Belges revendiquent cet empereur m€die&val comme le fondateur de leur nation. Pour les uns, c’est «l’empereur ä la barbe fleurie, pere de la France». Pour les autres, c’est le fondateur du Reich allemand enterre ä Aix-la-Chapelle. Pour les Belges enfin, le h&ro li&geois par excellence. De nos jours meme, certains voudraient voir en lui le fondateur de 1’Eu- rope. Les recherches historiques et les ouvrages de qualit& sur Charle- magne ne manquent pas. Et cet article n’a pas pour but d’apporter telle ou telle information biographique supple&mentaire. Non. Cet article a pour objectif de retracer 1’histoire du «mythe» de Charlemagne. En ef- fet, des la mort de ce dernier, c’est son mythe qui a commenc€ 3 vivre. De tout temps, des hommes ont cherche ä cautionner leur position poli- tique en s’appropriant le mythe «Charlemagne». Tous ceux qui r&vaient d’&tendre leur domination territoriale sur le continent europeen ont fait appel a celui-ci pour legitimer leurs pretentions. Maximilien d’Autriche et Napoleon Bonaparte n’en sont que les exemples les plus Eloquents. Le national-socialisme, mouvement pangermaniste voulant &tendre sur 1l’Europe la domination allemande, ne deroge pas ä la regle. Un pouvoir politique peut prendre exemple sur le passe et justi- fier gräce ä lui ses entreprises et ses pretentions. A 1l’inverse, il peut refuter des actes pass€s afin que ceux-ci ne se renouvellent pas. Dans cette constatation, une interrogation surgit instantane&ment. Les natio- naux-socialistes se sont-ils servis de Charlemagne comme d’un modele? Ont-ils vu en lui le premier Germain ä avoir etendu 1’h&gemonie alle- mande sur toute 1’Europe ? Ont-ils au contraire vu en lui un traitre, un «Sachsenschlächter», un «boucher des Saxons»? Charlemagne, dans sa personnalit€ et dans ses actes, pose un veritable defi ä tout nationalisme, qu’il soit allemand ou francais. Ce souverain aux origines germaniques
44 incontestables et de culture latine tout aussi averee a, d’une part cons- truit son empire sur le mythe et le modele de 1’Empire Romain, tout en promouvant d’autre part la conservation des chants Epiques germani- ques. Charles en outre, a use d’une certaine tol&rance, voire d’une bien- veillance envers les Juifs. Les nazis le lui ont-ils reproche? Canonise en 1165 3 l’initiative de Frederic Barberousse, Charlemagne passe pour le souverain chretien par excellence. Les nazis, adversaires du christia- nisme, cette religion aux origines bien trop juives a leurs yeux, ont-il cherch& ä occulter cet aspect? La position du NSDAP face ä Charlemagne Quelle &tait la position du NSDAP face au mythe et ä 1l’histoire de Charlemagne? Pour tout dire, le NSDAP n’en a pas. Nous avons pu constater qu’au sein du NSDAP regnait un veritable «chaos» ideologi- que. C’est peut-&tre d’ailleurs ce qui distingue le national-socialisme des autres fascismes, ce «vide» ideologique. En dehors de 1l’antisemi- tisme et de certains autres concepts, comme celui de «race», de «sang» et de «superiorite du sang allemand», le national-socialisme n’offre pas d’ideologie uniforme. Ainsi, nous avons de&couvert gräce au mythe de Charlemagne, des tensions, voire des oppositions entre les dignitaires du r&gime. Commengcons par ceux d’entre eux qui lui &taient les plus hostiles. Ainsi, Walter R. Darre, ministre du Reich pour 1’alimentation et l’agri- culture, n’a jamais cache son profond ressentiment pour Charles ä qui il reproche d’avoir conc&de des terres allemandes aux Slaves au cours de sa conqu&te de la Saxe. Darre qualifie Charlemagne de Sachsenschlächter dans de nombreux ouvrages, Heinrich Himmler, le Reichsführer-SS., en revanche, et quoi qu’en pensent certains historiens, n’a jamais qualifi£€ Charlemagne de «Sachsenschlächter». Par contre, Himmler glorifiait les Saxons, victi- mes du roi Franc. Au roi Charles, Himmler preferait, et de loin, voir en Widukind, son adversaire saxon, le he&ros allemand par excellence. Se- lon Joseph Ackermann, Himmler prenait le parti des Saxons pour des raisons pratiques: elles justifiaient sa politique anti-chretienne. Himmler rejetait le christianisme, cette religion juive prönant 1’amour, la piti€ et la douceur et qui &tait a l’oppose€ des valeurs soi-disant germaniques: l’he&roisme, la virilit&, le combat... A la suite d’une visite au champ du massacre de Verden an der Aller parait-il, Himmler, &mu, semble avoir
45 rapporte ä domicile un demi sac de terre de cette prairie sanctifige par le sang germain vers&€ en ces lieux'. Alfred Rosenberg, le «Beauftragter des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP», le charg€ de mission aupres du Führer pour la totalit& de la formation et 1’Education spirituelle et id&ologique du NSDAP, le veri- table th&oricien du nazisme tente de donner une base philosophique au nazisme dans son ouvrage Der Mythus des 20. Jahrhunderts. Rosen- berg est un fervent partisan du Deutschglaube, une €bauche de religion aux valeurs inverses ä celles du christianisme et concurrente de celle-ci. Rosenberg rejette la forme «romaine» de la religion chretienne et il im- pute a Charlemagne cette «perversion» du christianisme?. Tout comme Himmler, c’est en Widukind que Rosenberg voit le prototype du heros allemand. Rosenberg doit n&anmoins reconnaitre que racialement et psy- chologiquement parlant, Charles etait bien de type nordique, bien que Rosenberg restreigne la qualite du sang de celui-ci en le qualifiant de Rundschädel. Toutefois, il considere Hitler comme !’heritier politique de 1l’oeuvre de Charlemagne bien qu’il voie en Widukind son predeces- seur id&ologique. '- Josef ACKERMANN, Heinrich Himmler als Ideologe, Göttingen-Zurich-Francfort, 1970, p. 54-59. - Schreiben Astels an Wolff, 24. August 1937, Bundesarchiv NS. 19/176. Nous devons souligner cette &motion d’Himmler, qui passait a juste titre pour un &tre particuli&rement froid et inhumain, m&me aux yeux des autres dignitaires nazis,et ne jamais oublier que ce dernier inspectait les chambres ä gaz des diff&rents camps de concentration, muni d’un masque 3 gaz, lors du fonctionnement de celles-ci! ?_ Alfred ROSENBERG, Der Mythus des 20. Jahrhunderts. Eine Wertung der seelisch-geis- tigen Gestaltenkämpfe unserer Zeit, 24&me €d., Munich, 1934, p. 186, 191, 292, et p. 523. Cet ouvrage a connu un grand succ&s commercial. Des 1934, ä savoir, trois ans apres la premi@re parution de 1’ouvrage, ce dernier s’est vendu & plus de 113 000 exemplaires. * - Alfred ROSENBERG, Der Mythus des 20. Jahrhunderts, p. 186: Das lebendige Gleichnis des ersten abgeschlossenen Kompromisses ist das Schwert mit dem Kreuzgriff, ist der auf dem Schlachtross reitende Bischof. Ohne Frage überwog zuerst die Ritterehre; selbst ein Karl der Große hätte einen Pius IX. lachend abgewiesen*. Aber er hielt es für zweckmäßig, seine Würde durch die Religion heiligen zu lassen -ganz wie der Agyptische Pharao- und seine Herrschaft als von Gottes Gnaden stammend über die Völker zu verbünden; Kaiser und Papst waren also zunächst machtpolitisch Verbündete gegen die «edlen Sachsen», denen es -nach Goethe- zum Ruhm gereicht, dass sie das Christentum in der gebotenen Form gehasst haben. Widukind kämpfte zwar für sich, aber zugleich für die Freiheit aller nordischen Völker. Er unterlag; aber kein Zweifel darf heute mehr darüber bestehen, dass wir zu den Kräften stehen, die ihn leiteten und nicht zu denen, welchen Karl der Große zum Siege verhalf. * Das rassische Bild Karls des Großen ist in diesem Zusammenhang von Interesse: Karl war ein ausgesprochener Rundschädel mit dickem, kurzem Nacken, im Übrigen wohl nordischer Prägung, also ostisch-nordisch, nicht mehr selbstverständlich frei wie sein großer Gegner Widekind.
46 A l’inverse, d’autres membres du parti voient en Charlemagne une des plus grandes figures de l’histoire allemande. Otto Abetz, 1’ambassa- deur du Reich 3 Paris, qui aura un certaine influence sur la Belgique au debut de l’occupation, au cours d’une discussion avec Albrecht von Kessel, ambassadeur allemand ä Oslo, affirme que le massacre commis par Charlemagne ä Verden est comparable ä la Nuit des Longs Cou- teaux. Rappelons que celle-ci avait eut lieu le 30 juin 1934 et avait &li- mine Ernst Röhm et des centaines de S.A.*. Selon Abetz, Charlemagne aurait simplement r&tabli l’ordre en Allemagne et Ecrase des insurg&s pour les soumettre au Führerprinzip. Joseph Goebbels Egalement voit en Charlemagne le precurseur de la politique disciplinaire appliquee par le Führer. Il considere que Charle- * magne avait dü &tre ferme envers les Saxons afın d’assurer l’unit& entre tous les Allemands. Möeme s’il est regrettable pour Goebbels que Char- lemagne ait fait couler le sang allemand, cela Etait n&cessaire pour faire naitre 1’Etat allemand. Nous devons cependant rester prudents face ä l’opinion exprimee par Goebbels et rappeler combien les tensions au sein du parti Etaient tres fortes. Chacun cherchant 3 attirer 1’attention du Führer pour s’assurer son soutien, Goebbels plus que tout autre avait compris a quel point Hitler ne supportait pas qu’on le contredise. Aussi, beaucoup d’historiens actuels soulignent que Goebbels &vitait tant que possible d’avoir une opinion propre et tentait de fondre completement avec son Führer. Il existe ä Verden an der Aller, dans la region de Hanovre, un memorial ä ciel ouvert. Il s’agit d’un parc parcouru d’un sentier longe de part et d’autre de 4500 grosses pierres d’une taille de 1m ä 1,5m. Ce me&morial rend hommage aux 4500 Saxons ex&cutes ä Verden. Mais de- finissons d’abord ce qu’est un memorial. Comme son nom l’indique, il a pour but de conserver mat&riellement la me&moire. Un m&morial fige le souvenir. Il immortalise autant les hommes qui se sont souvenus, que le souvenir qu’ils voulaient transmettre°. Celui de Verden an der Aller est ä ciel ouvert. Le spectateur qui y entre est entoure de toutes parts par le memorial, il en devient une partie int&grante, il est «totalis&» par lui. L’individu disparait devant le souvenir materialise, devant 1’idee con- cretisee, devant 1’ideologie...Le concept du memorial de Verden n’est *- Albrecht von KESSEL, Verborgene Saat. Aufzeichnungen aus dem Widerstand 1933 bis 1945, Berlin-Francfort, 1992, p. 118-119. 5 - Jens MARQUART, Vom Blutbad zum Ratespiel. 4500 Steine dokumentieren Geschichte. Pilotstudie zum Thema 1992 «Denkmäler». Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten, Verden, 1992.
48 christianisme’. Charlemagne est pour eux une des figures les plus detes- tables de l’histoire allemande. Ils le qualifient de Sachsenschlächter, de boucher des Saxons ou de Metzgermeister, de maitre boucher. Le mas- sacre de Verden est pour eux un feiger Massenmord, un läche massacre de masse®. Alfred Rosenberg, Robert Ley, chef de 1l’organisation Kraft durch Freude, 1a «force par le travail», et chef d’Etat-major du NSDAP et B. Wollersdorf, le chef du district du NSDAP de Hanovre-Est, sou- tiennent que le sol de Verden est sacr€ et que la comm&moration des Saxons morts en ce lieu est indispensable. Ces milieux n&o-paiens ont joue un röle important dans l’agitation anti-ecclesiastique et anti-Chre- tienne des premi&res annees du Troisieme Reich. Mais l’intervention d’Hitler au Congres de Nuremberg de 1935 en faveur d’une histoire Etatique leur coupe tout Elan. A la suite de ce congrös, seule «1’adminis- tration Rosenberg» et la Ahnenerbe der SS, continueront encore ä hono- rer le chef saxon. La construction du Sachsenhain a debute€ en hiver 1934 sur les plans de Wilhelm Hübotter. Himmler est venu plusieurs fois inspecter personnellement le chantier. Il &tait toujours au courant de son Etat d’avan- cement gräce a son interm&diaire toujours sur place. Toutefois, malgre tous les efforts des donateurs, car le Reich n’a en effet pas vers le moindre Mark pour le memorial, il n’est pas devenu le premier sanctuaire de tous les Allemands tant d&sir& par Rosenberg et Himmler. L’interven- tion d’Hitler en faveur de Charlemagne en a retire la justification id&o- logique au courant favorable ä Widukind. Dorenavant, le me&morial n’&tait plus qu’un lieu de rencontre et de formation des groupes SS locaux. En 1939, les partisans du culte de Widukind parviennent toutefois ä creer un m&morial de Widukind ä Enger, ol ce dernier est enterr&. 7-G.E. LAMPRECHT, Julfeuer, dans Niedersachsen, 20, n°6, 1914-1915, p. 83, cite par Justus H. ULBRICHT, «Heil Dir, Wittekinds Stamm». Verden, der «Sachsenhain» und die Geschichte völkischer Religiosität in Deutschland, dans Heimatkalender für den Landkreis Verden, 1995, p. 92: Und einige Jahrhunderte später (776), da sprühten die Funkengarben des Julfeuers zu Ehren des kriegs- und sieglenkenden Allvaters Wuotan, da konnten die heimischen Barden singend erzählen von Saxlands Mut und Kraft, von einem glänzenden Siege über die Scharen des «aisken [sic !]Schlächters Karl», der ein Jahr zuvor die Ehresburg mit der Irminsul zerstört hatte. * _ Karl der Sachsenschlächter, dans Auf Vorposten, 3, fasc. 5, 1914, p. 114, cit& par Justus H. ULBRICHT, «Heil Dir, Wittekinds Stamm». Verden, der «Sachsenhain» und die Geschichte völkischer Religiosität in Deutschland, dans Heimatkalender für den Landkreis Verden, \995, p. 94. ? - Justus H. ULBRICHT, «Heil Dir, Wittekinds Stamm». Verden, der «Sachsenhain» und die Geschichte völkischer Religiosität in Deutschland, dans Heimatkalender für den Landkreis Verden, 1995, p. 93: Solange noch ein einziger Deutscher lebt, stirbt Widukind nicht. Tel est le slogan du monument de Widukind ä Enger mentionne€ par Ulbricht.
49 Deux manifestations aux dimensions megalomaniaques ont eu lieu a Verden. L’une le 22 juin 1934 pour 1l’ouverture des travaux'°, l’autre le 22 juin 1935 pour l’inauguration solennelle du me&morial!'. Justus H. 0 _ Alfted ROSENBERG, Widukind für immer das Symbol des heldenhaften Widerstandes. Reichsleiter Alfred Rosenberg weiht den Ehrenhain am Leutfeld bei Ver- den a.d. A. A. Engen i. M. 23. Juni, dans Völkischer Beobachter. Kampfblatt der natio- nal-sozialistischen Bewegung Großdeutschlands, n°176, Ausgabe A, Norddeutschland, Berlin 24-25 Juni, 1934, p.1-2. «Angesichts dieser wahrhaft grandiosen Tatsache erheben wir uns aber alle kleinlichen Wertungen, denken auch nicht daran, die Gestalt des Konigs Karl mit beleidigenden Worten kennzeichnen zu wollen; nicht destoweniger steht für das heutige Deutschland fest, dass wir alle innerlich nicht mehr auf der Seite des damaligen Frankenkönigs, sondern alle geschlossen auf der Seite des kämpfenden Niedersachsentums stehen. [...] Ermordung der 4500 Sachsen bei Verden an der Aller noch spätere Jahrhunderte mit Schaudern gesprochen haben. [...] 1000 Jahre später, Adolf Hitler als unmittelbarer Fortselzer des Werks Hermann des Cheruskers und des Herzogs Widukind. [...] Trotz allem aber ging der erbitterte Widerstand weiter, bis Karl auch noch vom Osten sich Kampfgenossen heranzog und ein Bündnis mit dem Führer der Slawen abschloss, um diese immer mehr in germanische Lande zu ziehen. [...] Heute reitet wie vor tausend Jahren wieder Herzog Widukind durch die Wälder und Täler Deutschlands, ruft uns zwar nicht zum kriegerischen Kampf, wohl aber zum Kampf um die innere Ausgestaltung, zum Kampf für die Überwindung aller Gegensätzlichkeiten innerhalb des deutschen Volkes, zum Kampf für ein Denken festverwurzelt in Blut und Boden. Das ist das große Vermächtnis, das wir zu hüten haben.» - Kurt JESERICH, Herzog Widukind unterlag im IX. Jahrhundert, im XX. hat er in Adolf Hitler gesiegt. Alfred Rosenberg auf dem Niedersachsentag in Engen, Verden, Wildeshausen und Braunschweig, dans Völkischer Beobachter, n°177, le mardi 28 juin, 1934: Über das mit Girlanden und Fahnen überreich geschmückte Verden an der Aller sinkt golden der Abend nieder.60.000 marschieren auf im Stadion, S.A., S.S., H.J., Jungvolk, Arbeitsdienst, Formationen der Wehrmacht, Bürger und Bauern der Weserlandschaft. Von hohen Masten wehen die Banner des Reiches, die Fahnen der deutschen Jugend. [...] Als Alfred Rosenberg endet, flammt es auf, rings um den Platz: 4500 Fackeln glühen für jene, die einst sterben mussten und die hier auferstehen in einem neuen Volk! [...] Wenn wir uns heute auf altem historischen Boden zusammenfinden zum Gedenken, jener Männer, die mit eiserner Kraft zur Erhaltung des deutschen Bodens und deutscher Gesinnung gekämpft haben, Widukind und Heinrich der Löwe, wenn wir uns das tiefe Bekenntnis zur deutschen Lebensordnung und zum deutschen Charakter abzulegen... [...] Männer, wie Widukind und Heinrich der Löwe sind uns heute die großen Rebellen gegen die Universalmonarchie des Heiligen Römischen Reiches. [...] Das dritte Reich ist somit nicht die Fortsetzung des Heiligen Römischen Reiches, sondern knüpft an [sic!] jene Rebellen, die damals aufstanden um Blut und Boden zu verteidigen. [...] Ihr Niedersachsen, so schloss der Minister, erhebt noch einmal die Hände, treu der Idee, treu der Fahne, treu dem Führer Adolf Hitler! Sieg Heil! [...] Niedersachsen wurde so zum Sprecher des jungen Deutschland, das in Widukind und Heinrich dem Löwen seinem Herzog huldigt, dem Führer Adolf Hitler!» " _ Reichsleiter Alfred Rosenberg und Reichsführer S.S. Himmler im «Sachsenhain», vor 25000 Volksgenossen, dans Völkische Beobachter. Kampfblatt der national- sozialistischen Bewegung Großdeutschlands, Norddeutsche Ausgabe, Ausgabe A, n. 174, Jg.48, 23 Juni 1935. Nous avons cherche dans les ecrits et les biographies de Baldur von Schirach (chef des Jeunesses Hitleriennes), nous n’avons pas trouve de mention aux rassemblements de Verden, - Kurt JESERICH, Herzog Widukind unterlag im IX. Jahrhundert, im XX. hat er in Adolf Hitler gesiegt: Damals fielen 4500 Köpfe, die sich nicht beugen wollten, heute recken sich Köpfe, die sich niemals beugen werden. [...] «Wir wissen, daß der Aufstand der Niedersachsen damals der Anfang zum Aufstieg des deutschen Volkes war. „Heil Herzog-Wittekind-Stamm!»
50 Ulbricht nous apprend que la participation des milliers de SS, de SA, de membre de la Jeunesse Hitl&rienne, de travailleurs volontaires, etc. a cette premiere manifestation n’&tait ni libre ni gratuite'*, Les nationaux- socialistes du Gau &taient oblig&s d’y assister et devaient me&me acheter une petite plaquette de participation. Dans ce contexte, reconnaissons- le, il n’est pas difficile de comprendre pourquoi il y a eu tant de partici- pants ä la premiere manifestation de Verden: ils y Etaient oblig&s. Cette manifestation Etait €&galement pour eux une facon d’affirmer leur ardeur politique en ce d&but de Troisieme Reich. D’ailleurs, pour la seconde manifestation en 1935, le nombre de participants chute. Des questions s’imposent. Hitler a-t-il completement ignore le: de&roulement des c&r&monies de Verden et notamment la premiere? Et s’il Etait informe de l’existence de ces c&r&monies, a-t-il simplement interdit aux partisans du mythe de Widukind d’attaquer la personne de Charlemagne afin de conserver l’integrite de 1’histoire allemande? Il n’y a aucune chance qu’”Hitler n’ait pas &t& informe de ces manifesta- tions. Des manifestations qui rassemblent 60 000 personnes en 1934 et 10 000 en 1935 ne peuvent passer inapercues. Si vraiment Adolf Hitler avait voulu prot&ger Charlemagne contre d’&ventuels detracteurs, il aurait sürement interdit la seconde manifestation. Il aurait €&galement interdit les attaques directes contre la personne de Charlemagne. Et gräce ä ces El&ments r&unis, nous pouvons tr&s sincerement douter de la since&rite de l’attachement d’Hitler pour Charlemagne. Nous croyons qu’Hitler n’a jamais voulu prendre la de&fense de personne, ä l’exception de sa propre personne et de ses int&rets. Nous ne pouvons pas non plus croire quHit- ler ait voulu de&fendre 1l’int&grite de 1’histoire allemande, sans quoi ja- mais aucun nazi n’aurait rejet& le Saint Empire Romain de la Nation Germanique. '? _ Justus H. ULBRICHT, «Heil Dir, Wittekinds Stamm». Verden, der «Sachsenhain» und die Geschichte völkischer Religiosität in Deutschland, dans Heimatkalender für den Landkreis Verden, 1996, p. 114: «Jeder Partei- und Volksgenosse in Ost-Hannover hat die Pflicht, an diesem Niedersachsentag am 23. Juni in Verden teilzunehmen und die Führenden Männer der Partei nud [sic !] (=und) des Staates bei ihren Ausführungen über Karl «den Sachsenschlächter» zu hören. [...] Niedersachsentag 1934 in Verden. Kein Verdener ohne Plakette!» Ulbricht precise: «Da der Vorverkauf dieser Plakette, die als Eintrittskarte für die Feierlichkeiten diente, von den Block- und Zellenleitern der Partei vorgenommen wurde, war in der Tat eine lückenlose Gesinnungsprüfung aller «Volksgenossen» gewährleistet.»
Sl Le Congres du NSDAP de 1935 Nous devons rapidement remarquer que Charlemagne n’apparait pas dans Mein Kampf, bien que cet ouvrage soit relativement riche en appels historiques. Deux mois et demi apr&s la seconde manifestation de Verden, le 16 septembre 1935, au cours du Congrös du Parti national- socialiste de Nuremberg, Hitler prend la d&fense de Charlemagne'?. Pour bien signifier le lien entre le Premier et le Troisieme Reich, Hitler avait fait r£aliser une copie de la cElebre €pee par Bernhard Witte qui lui fut '*_ Adolf HITLER, Der offizielle Bericht über den Verlauf des Reichsparteitags 1935. Der Parteitag der Freiheit, vom 10. bis 16. September 1935, Munick, 1935, p. 73-75: «Schlußrede des Führers auf dem Kongreß: «Aus dieser Tatsache können wir folgende Erkenntnis ableiten, daß nämlich die Zusammenfügung der Angehörigen der damaligen deutschen Stämme zu einer Nation nicht über den Weg einer bewußten oder gar gewollten Volkswerdung, sondern nur über den Weg einer aus anderen Absichten angestrebten Staatsbildung zu erreichen war. Das heißt also, die erste staatliche Zusammenfügung deutscher Menschen konnte nur über eine Vergewaltigung des völkischen Eigenlebens der einzelnen deutschen Stämme zustande kommen. Damit trat aber auch solange ein Gegensatz zwischen Staatsorganisation und individuellem Volkstum ein, also nicht die Deutschen von bewußten Angehörigen ihrer Stämme zu bewußten Angehörigen einer Nation wurden. Ein harter und für viele Jahrhunderte schmerzlicher Prozeß. Unzählige individuelle Fähigkeiten und Symbole sind ihm zum Opfer gefallen. Man kann sie im einzelnen vielleicht bedauern, aber man soll nicht die Geschichte verdammen, weil der Weg, der von Dutzenden deutscher Stämme zu einer einzigen Deutschen Nation führte, als mehr oder minder harte Vergewaltigung über Zehntausende und oft so wertvolle Gefallene und Traditionen ging und gehen mußte. Es ist daher auch falsch, zu wehklagen über die eigenreligiösen und eigenstaatlichen Opfer, die dieser Weg der deutschen Volkwerdung erforderte. Was in diesen Jahrhunderten fiel, es mußte fallen. Es ist auch nicht richtig, die inneren Beweggründe jener analysieren zu wollen, die uns als Gestalter der ersten größeren und großen deutschen Staatsgebilde in die Augen fallen und uns bekannt sind. Die Vorsehung, die wollte, daß aus den deutschen Stämmen ein Deutsches Volk wird, hat sich ihrer bedient, um diese Volkswerdung zu vollziehen. Wer will uns die innere Seele, ihre Gedanken und treibenden Kräfte jener großen germanischen Kaiser enthüllen oder gar analysieren, die mit hartem Schwert über die einzelnen Stammesschicksale hinweg nach einer größeren Zusammenfallung deutscher Menschen strebten! Und es ist weder Fügung der Vorsehung, daß sich ihnen Hilfe anboten, ohne sicherlich die germanische Staatengründung und damit die Voraussetzung zur deutschen Volkswerdung entweder überhaupt nicht gelungen wäre oder bestimmt nicht in dieser verhältnismäßig kurzen Zeit. Denn uns treten ja die Völker ins geschichtliche Blickfeld, wenn sie sich, und zwar als organisatorische Einheit, anschicken, den Zenit ihrer Kraft, ihres Lebensdranges und ihrer Lebensauswirkung zu erreichen. Die Dauer der vorausgegangenen Entwicklung bleibt meist verborgen. Ohne den Blick auf die antiken Staaten des Altertums und ohne die weltanschauliche Hilfe des Christentums würden seine germanischen Staatenbildungen zu jener Zeit denkbar gewesen sein. Das Schicksal Europas aber und der übrigen Welt wäre, soweit es sich um die weiße Rasse handelt, dann nicht ausdenkbar und heute jedenfalls nicht vorzustellen. Die Männer aber, die in diesem Prozeß geschichtliche Vollstrecker waren, handelten im Auftrag einer Vorsehung, die wollte, das wir Deutsche zu einem Volk wurden.»
52 remise au cours du Congres.'* Celle-ci se trouve de nos jours encore dans la grande salle de 1’hötel de ville d’Aix-la-Chapelle. Et devant des milliers de personnes r&unies Hitler rappelle que Charlemagne, en uni- fiant A lui ses «freres» saxons, avait pose les bases de 1’unit€ allemande. Cette premi&re unite ne pouvait cependant se r&aliser sans la violation des libert&s et des particularit&s des peuples. Le destin voulait que 1’Al- lemagne soit cr&&e. Ce qui est tombe aux cours des guerres de Saxe, ajoute Hitler, devait tomber. Charlemagne, conclut-il, avait cr&€ un Etat pangermanique. Par cette phrase, Hitler l&gitimait la suppression des Länder allemands. Elle justifie &galement son ambition ä rassembler tous les Germains de l’empire carolingien. Pour Hitler, Charles est un «grand empereur», et Hitler rejette les attaques port&es contre lui. Il” l’innocente au nom de 1’unit€ allemande et de la providence. Hitler pre- cise que rien en ce monde ne nait sans douleur. Par analogie, Hitler declare qu’autant les hommes sont enfantes dans la souffrance, autant les Etats ne peuvent s’unir sans pertes. Charlemagne aurait agi sous les ordres d’une providence qui voulait que les Allemands ne forment plus qu’un peuple. Hitler prend ensuite la d&fense du christianisme. Cette religion aurait joue un röle primordial pour la coh&sion du peuple alle- mand. C’est le christianisme qui aurait donne ä 1’Allemagne des institu- tions unificatrices. Hitler, dans ce discours, detruit 1’enti&ret€ des opi- nions defendues par Rosenberg et Himmler. Un detail d’importance ce- pendant doit &tre souligne: Hitler r£alise la prouesse de consacrer un discours sur Charlemagne sans nommer ce dernier! A la suite du congrös, le 26 septembre 1935, lors d’une r&union des Gauleiters a l’hötel de ville de Munich, dans une conversation, Hit- ler attaque le Deutschglaube et prend ä nouveau la d&fense de Charle- magne. Goebbels, dans son journal intime, assure qu’Hitler avait &t& limpide comme il ne l’avait jamais &t& encore, «presque prophetique» et '*- Joseph Goebbels ne mentionne cependant pas son opinion personnelle sur Charle- magne. Nous ne croyons pas que Goebbels ait et aurait exprime son opinion ä ce sujet. Goebbels en effet n’avait pas toujours e&te membre du NSDAP. Ce n’est qu’ä partir de 1922 qu’il s’est rallie ä Hitler. On decrit Goebbels comme un homme subjugue par son Führer. Goebbels se voulait ä ce point soumis ä son chef, qu’il tentait de concevoir un enfant par an pour honorer le programme de natalite d’Hitler. Les rivalites au sein du Parti nazi etaient ä ce point exacerbees que chacun tentait de discrediter l’autre pour Etre ä la droite du Führer. Dans ces conditions, nous sommes persuades que Goebbels gardait toujours ses opinions personnelles pour lui afın de ne jamais decevoir Hitler et % tomber en disgräce. Le siege du N.S.D.A.P. etait encore plus que partout en Allema- gne, le domaine de l’arbitraire. Une disgräce pouvait tomber pour un oui ou pour un non. Nous sommes convaincus que Goebbels a attendu qu”Hitler exprime son opinion sur Charlemagne pour acquiescer.
3 assure Etre d’accord avec lui «presque a 100%»'>. Goebbels affirme qu Hitler s’est attaque a Alfred Rosenberg et ä Julius Streicher, Gau- leiter de Franconie et Editeur du journal Der Stürmer, pour leurs con- ceptions non orthodoxes ä celles du parti'®. Le 15 novembre 1936 en outre, Goebbels rapporte le discours d’Hitler sur l’unit€ de 1’histoire de la veille. Hitler y a rejete les efforts de certains ä diminuer la valeur de l’histoire. Hitler considere que 1’histoire forme un tout et de cet ensem- ble est issu le peuple allemand. Charlemagne aussi y appartient. Ce qui s’est pass6€, ajoute le Führer, les Allemands doivent 1’accepter, ce qui va arriver, l’admettre. Toutes les tentatives pour creer l’unite du Reich &taient n&cessaires et bonnes. Goebbels de&crit, non sans delectation, l’image de Rosenberg, assis et silencieux sur sa chaise mais en rageant'”, Le 4 f&- vrier 1942, Hitler revient sur 1’unification de tous les Allemands par Charlemagne'®, Hitler pr&cise que l’unit& d’un Etat ne peut s’obtenir sans contrainte ni renoncement aux libertes individuelles. C’est gräce ä cette stricte organisation Etatique que Charles aurait fonde un empire qui m&me aprö@s sa mort pouvait encore porter le titre de Reich. Charles avait dot& ce Reich du meilleur de 1’Empire Romain, de telle sorte que pendant des si&cles, partout en Europe ce Reich &tait percu comme la continuation de 1’Empire Romain. Et au soir du 31 mars 1942, Hitler rappelle ä ses proches qu’il a interdit l’emploi de 1’€pithete Sachsenschlächter employe jusque lä, d’apres ses dires, par Himmler et '5 _ Comme le note Goebbels, le Völkischer Beobachter mentionne bien le passage d’Hitler ä l’hötel de ville de Munich mais le journal ne nous precise pas ce qui y fut discute. '6_ Ralph Georg REUTH, Joseph Goebbels Tagebücher, 1924-1945, t. 1ä V, Munich-Zurich, 1992, p. 1007-1008. «Mittags beim Führer. Er wendet sich bei Tisch scharf gegen die Bestrebungen, die deutsche Geschichte zu entwerten durch kleinliche Versuche, sie in gut oder böse zu spalten. Alles ist eine Einheit. Daraus ist das deutsche Volk geworden. Auch Karl der Große gehört zu uns. Was gewesen ist, müssen wir hinnehmen, was kommt gestalten. Nur keine vorgefaßte Meinungen. Und vor allem: alle Versuche zur Reichseinheit waren nötig und sind deshalb richtig. Rosenberg, gegen den das geht, sitzt stumm und grollend dabei.» 7 _ Henry PICKER, Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier 1941-1942, Stut- tgart, 1943. p.74, 173, 228, 230-321, 396, 418, 437, 478 et p. 496. ® _ Henry PICKER, Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier. Hitler wie er wirklich war, Stuttgart, 1977, p. 165: «Es müsse daher den Schwaben, die im Sinne des Kaisergedankens am reichstreusten gewesen seien, unsere höchste Achtung gelten. Lehenfürsten wie Heinrich den Löwen wegen ihres Ausderreihetanzens zu verherrlichen, hatte er nicht für richtig, denn sie hätten «ihre» Politik damals eindeutig gegen das Reich gemacht. Er habe deshalb auch Rosenberg gewarnt, die großen deutschen Kai- ser zugunsten von Eidbrüchigen zu lassen und einen Heroen wie Karl den Großen als Karl den «Sachsenschlächter» zu bezeichnen.»
54 d’autres encore. Le Führer rappelle avoir mis Rosenberg en garde de ne pas faire 1’Eloge des f£lons. Cette qualification est une idiotie aux yeux du Führer'*, Et il reproche a ces derniers de se fonder sur des historiens fort peu serieux. Henry Picker, l’&diteur des monologues, affirme qu’Hit- ler parlait toujours avec respect de Charlemagne*. Hitler f£licite en ef- fet Charles d’avoir pousse€ le Reich a 1’Quest, au Sud et ä 1’Est, et sur- tout d’avoir unifie les Germains. Charlemagne selon lui, aurait cr&€ un ensemble racial avec le Sud. Hitler note au passage qu’au Moyen Age, il n’y avait pas de politique impe&riale de 1’Est car les pre&occupations des souverains m&di&vaux Etaient de creer un espace racialement uniforme. Or les Lombards &taient selon lui tre&s proches racialement des Francs. L’Est par contre, n’&tait que tres partiellement couvert de populations > germaniques. Le journal prive de Goebbels rapporte le 29 mai 1942 les plans politiques concrets du Führer: agrandir le Reich a l’ensemble des Pays- Bas. La Belgique et la Hollande doivent &tre annex€s. Lors d’une con- versation avec le dirigeant nazi hollandais Mussert, Hitler a fait com- prendre ä ce dernier que toute tentative de r&sistance de la part de ces regions &tait inutile et sans importance. Au sujet de cette possible re&sis- tance, Hitler a precise que la Basse-Saxe aussi n’avait pas voulu des '” - Ralph Georg REUTH, Joseph Goebbels Tagebücher, 1924-1945, p. 392. «Was nun die Politik des Reiches anlangt, so hat der Führer ganz konkrete Pläne zur Erweiterung unserer Grenzen. Für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sowohl Belgien als Flandern als Brabant zu deutschen Reichsgauen gemacht werden. Auch die Niederlande dürfen kein eigenstaatliches Leben mehr führen. Er hat das bei seiner letzten Unterredung mit dem holländischen Nationalführer Mussert, der andere Ziele verfolgte, ganz klar und deutlich zum Ausdruck gebracht. Ob die Holländer dabei Widerstand leisten werden oder nicht, ist ziemlich unerheblich. Auch die Niedersachsen haben sich den Reichsplänen Karls des Großen nicht beugen wollen, und er musste sehr harte und grausame Mittel anwenden, um die Einheit des Reiches den niedersächsischen Hartköpfen gegenüber durchzusetzen. Es ist dabei ganz gleichgültig, ob später ein paar abwegige Geschichtsschreiber die Methode mit dem Ergebnis verwechseln. Ausschlaggebend ist, ob es uns zu unsererZeit nicht mehr gefährdet werden kann. Das ist das unverrückbare Ziel der Politik des Führers [...] Im übrigen stelle ich bei dieser Unterredung mit dem Führer wieder einmal fest, dass ich mich mit seinen Gedankengängen in einer fast hundertprozentigen Übereinstimmung befinde.» 2% _ Ralph Georg REUTH, Joseph Goebbels Tagebücher, p. 496-497: «1200 [sic!] Jahre sind vergangen seit der Geburt des Mannes, der zum ersten Mal in ganz großem Ausmaß unter Anlehnung vorgeschichtlicher und historischer Gegebenheiten die deutschen Stämme mit blutigen harten Kämpfen im Innern zusammenfaßte in einem gewaltigen Reich. [...] Es mußte Härte angewendet werden, um Härte schaffen zu können. Was damals für manchen den Verlust teuerster Überlieferungen und Traditionen bedeutete, war im großen gesehen nur die Formung eines Staatskörpers, der allein geeignet war, den Widerstand gegen den fortgesetzt aus Osten drängenden und drohenden Feind aufzubauen.»
55 projets de Reich de Charles et que celui-ci avait dü employer des moyens durs pour imposer 1l’unite& du Reich et contraindre les «t&tes dures» saxonnes. Goebbels, dans son journal marque son plein accord avec le Führer. Le 30 mai 1942 au Sportpalast de Berlin, devant la nouvelle g&- neration des officiers allemands r&unis, Hitler prononce un discours dont le texte a Ete &crit d’une seule piece, sans modification. Picker croit que pour cette raison, nous pouvons d&celer dans ce discours les concep- tions personnelles d’Hitler. Hitler defend dans ce discours que Charles est ä la base de la cr&ation de 1’Allemagne. Il est le premier unificateur des Allemands. Charles a dü employer la force car il n’en allait pas autrement. Dans ce discours, Hitler defend rigoureusement les me&mes idees qu’il a toujours defendues ä 1’Egard de Charlemagne. Il n’a pas change la moindre de ses opinions sur ce souverain medieval?!. Le jugement d’Hitler sur Charlemagne n’est pourtant pas si posi- tif qu’il n’y parait. Ainsi, le 7 juin 1942, Hitler s’exprime sur les rela- tions entre Charlemagne et 1’Eglise*. C’est depuis Charlemagne, selon Hitler et par l’intermediaire des femmes, que 1’Eglise a commence ä s’insinuer dans les affaires de 1’Etat. Et le 28 juin 1942, Hitler rappelle un &venement survenu au debut des annees trente. Franz Pfeffer von Salomon, le chef superieur des S.A. de 1926 ä 1930, est venu un jour se vanter aupres d’Hitler que son arbre genealogique remontait jusqu’äa Charlemagne. Hitler Iui a repondu sechement: «cela ne m’interesse pas!» Il est vrai aussi que le desinteret d’Hitler pour l’aristocratie vient de ses conceptions sur le «sang». Le Führer ne pouvait accepter la tradi- tion de consanguinite de rigueur chez la noblesse. C’est pourquoi, il s’en est desinteresse. Albert Speer note que le 20 avril 1943, ä l’occasion du cinquante- quatri&me anniversaire du Führer, Hitler a invit& Otto Saur et lui-me&me A un entretien prive dans son bureau“*, Hitler leur montre des esquisses ?_ Henry PICKER, Hitlers Tischgespräche, p. 396. ? _ Ralp Georg REUTH, Joseph Goebbels Tagebücher, 1924-1945, p. 392. Franz von Pfeffer von Salomon, capitaine pendant la premiere guerre mondiale, puis combattant dans un corps franc dans la Baltique, en Lituanie, en Haute Silesie et dans la Ruhr, est devenu Gauleiter du NSDAP de Westphalie des 1924. A partir de 1925, il devient Gauleiter de la Ruhr. Du 1 novembre 1926 au 29 aoüt 1930 il est le chef supe- rieur des SA. Et de 1932 ä 1941, il est d&put€ nazi au Reichstag. Picker nous signale la disgräce de von Pfeffer que Reuth, pourtant plus pre&cis, ne nous signale pas. 2 _ Albert SPEER, Spandauer Tagebücher, p. 99-100. %_ C’est en effet Albert Speer et le sculpteur Arno Breker qu’Hitler emmöne lors de sa visite matinale de Paris, ä la suite de la capitulation de la France.
56 de chars qu’il avait faites et se perd ensuite dans un long discours sur l’histoire et les grands hommes du passe. Tous ces hommes auraient force l’histoire par leur seule volonte. Albert Speer, que nous pouvons considerer comme un intime d’Hitler, pretend que pour Hitler, Charle- magne 6&tait la base fondamentale de ses propres plans de domination europEenne?°, Speer note qu’Hitler n’appreciait pourtant pas 1’histoire möedievale*, Speer ne peut se souvenir qu Hitler ait jamais mentionne les empereurs Saliens ou Hohenstaufen. Speer pre&cise en outre que Char- lemagne est le seul souverain dont Hitler parlait avec respect, mais seu- lement parce que 1l’empire de celui-ci offrait un stade preliminaire aux plans de domination europgenne du Führer. Hitler reprochait aux prin- ces f£&odaux d’avoir emp&che la cr£ation d’un Reich gigantesque?”. Se- ” lon lui, si ces derniers s’E&taient comport&s autrement, le Reich aurait ä present des dimensions Enormes. C’est parce que la Lombardie formait un ensemble racial avec 1’Allemagne, que 1’Italie avait toujours &t& une pre&occupation majeure dans la politique imperiale allemande. Albert Speer ajoute que le goüt d’Hitler pour !’histoire Etait surtout «romanti- que». Il y recherchait des h&ros, des mythes, non des faits?®. Pour finir, signalons qu Hitler a laiss€ fabriquer quatre-vingt SOoucou- pes par la manufacture de porcelaine de S&vre sur laquelle on pouvait voir sur une face la statue E&questre de Metz et sur l’autre face, on pou- vait lire: «IMPERIUM CAROLI MAGNI DIVISUM PER NEPOTES ANNO DCCCXLII DEFENDIT ADOLPHUS HITLER UNA CUM OMNI- BUS EUROPAE POPULIS ANNO MCMXLIII»". «L’empire de Charlemagne, divis€ par ses petits-enfants en 843 et refonde par Adolf Hitler avec le concours de tous les peuples d’Europe en 1943". Cette soucoupe a Et€ fabriquee pour &tre offerte en cadeau aux officiers des «L&gions des volontaires francais contre le bolchevisme», 2 _ Ibd., p. 99-100. 2% _ Henry PICKER, Hitlers Tischgespräche, p. 478-479. 2” _ Albert SPEER, op.cit., p. 99-100: «Seine Beziehung zur Geschichte war nur romantisch und zum Begriff der Helden orientiert, und er konnte nahezu in einem Satz Napoleon und Old Shatterhand nennen.» % Karl Ferdinand WERNER, Karl der Große in der Ideologie des Nationalsozialismus, Pa Voix du Nora du 14/15 juillet 1985. %» _ Konrad BARTHEL, Friedrich der Große in Hitlers Geschichtsbild, Wiesbaden, 1977 (Frankfurter Historische Vorträge, Heft 5), p. 22.
58 ment, Hitler pouvait voir en Charlemagne un chef implacable, celui qui a mate les r&voltes saxonnes. Gräce ä cet argument, Hitler pouvait y trouver une justification pour la mise au pas des Allemands et pour les bains de sang commis en Allemagne. Hitler avait parfaitement compris tout le parti qu’il pouvait tirer de Charlemagne contrairement aux autres nationaux-socialistes. Hitler sa- vait que prendre la d&fense de Charlemagne justifierait chacune de ses exigences politiques. En conclusion Les conceptions national-socialistes sur Charlemagne sont tout aussi ambigu&s que 1’approche religieuse de ce mouvement*”. La direc- tion du NSDAP semble avoir men€ une Realpolitik et s’&tre servie d’€16- ments unificateurs tels que Charlemagne et le christianisme. L’id&olo- gie, au contraire, les poussait plutöt A les rejeter. Au debut des annees trente, le national-socialisme avait besoin de se justifier en se placant dans la droite ligne de 1’histoire allemande. Et nous devons toujours avoir a l’esprit qu’il se definissait lui-me&me comme la conclusion de la dialectique historique allemande et mondiale. Plus personne aujourd’hui ne s’attaque au mythe de Charlema- gne. Pas pour des raisons politiques en tous cas. Par contre, certains autodidactes sont prets ä avancer des theses des plus saugrenues dans un but purement lucratif. Certains sont m&me pr&ts ä supprimer arbitrai- rement plusieurs si&cles d’histoire et voir en eux une des plus grandes supercheries de tous les temps... Et nous devons insister sur le fait que toutes les p&riodes de 1’histoire sont menac&es de la me&me mani&re. Ainsi l’Egyptologie, par exemple, ne compte plus ses «pyramidologues»... Tous ces ouvrages ne sont pas plus scientifiques que ne l’&taient le Mythus des 20. Jahrhunderts ou le Mein Kampf... Pour &tre honn6te enfin, 1’histoire sera toujours menac&e par de telles entreprises tant que l’esprit critique ne l’emportera pas sur les motiva- tions Economiques, politiques ou religieuses. Mais 1’int&r&t pour Char- lemagne, lui, ne s’est jamais Eteint. Le succ&s de la grande exposition d’Aix-la-Chapelle en 1965, de Paderborn en 1999, le Karlspreis, les + - Otto DIETRICH, 72 Jahre mit Hitler, Munich, 1955, p. 171. - Claus-Ekkehard BÄRSCH, Erlösung und Vernichtung. Dr. phil. Joseph Goebbels. Zur Psyche und Ideologie eines jungen Nationalsozialisten, 1923-1927, Munich, 1987, p- 400-401.
59 nombreuses mentions ä Charlemagne par la Communaute Europeenne montrent que Charlemagne n’est pas mort dans la memoire collective. Les regimes et les extr&mismes peuvent se succ&der, mais le souvenir de Charlemagne demeurera longtemps encore. Et pour 1’immense majorite des hommes et des femmes, le roi Charles sera toujours «le Grand»...
60 Auf dem Michelsberg (bei Münstereifel)” Sag mir, wo wir hingehen sollen ! Auf den Berg, zu dem alten Heiligtum! Schon Kelten und Römer hielten hier Wache, Ausschau in der Runde über die Berge der Eifel, blickten ins Weite a ; Zum Siebengebirge, A ' fir ahnten den Strom. vv - . Hier hinauf kam keiner, „= 1 x den sie sich wünschten. 1 | Hier stand ihre Wehr An zZ ? f A | gegen Feinde und böse Gewalten... A n Nahe den Wolken Die Wallfahrtskapelle auf dem Opferten sie ihren Göttern. Mh Dre Bargen sie auch die Besten der Toten? Wer weiß es? Nun hält die Wache St.Michael. Friedvoll leuchtet durch Baumgeäst das Weiß seiner Kapelle, überm Felsen erbaut vor Jahrhunderten. M.-Th. Weinert *Der 558 m hohe Michelsberg hat seinen Ursprung in vorchristlicher Zeit, in der er den Germanen als Gerichts- und Kultstätte diente. Auf dem Berg regierte Wotan, der im Mittelalter dem Gottesstreiter Michael weichen musste. Heute wird der Michelsberg gerne von Wallfahrern und Eifelwanderern besucht, die in der restaurierten Wallfahrtskapelle Erbauung finden oder den wunderschönen Rundblick vom Turm der Kirche genießen wollen...» (Eifelführer S. 558).
61 Simon Angeli, Pfarrer in Walhorn in schwerer Zeit von Walter Meven Das Jahr 1578 ist in die Geschichte unseres Gebietes als ein sehr unruhiges und unsicheres eingegangen. Die nördlichen Provinzen der Spanischen Niederlande hatten sich dem reformierten Glauben angeschlossen und unter der Führung des Prinzen Wilhelm von Oranien den Kampf um die Loslösung von Spanien aufgenommen. Was Kaiser Karl V. unter dem Begriff der «17 Provinzen» als eine Verwaltungseinheit zusammengeschlossen hatte, zerfiel nun sehr schnell. Die Spanier versuchten zwar mit allen Mitteln, das weitere Vordringen des Protestantismus zu verhindern, konnten aber letzten Endes nur die südlichen Provinzen der Niederlande «bei der Stange halten». In jener Zeit hatte Walhorn noch keinen residierenden Pfarrer. Die vom Aachener Marienstift ernannten Pfarrer ließen sich vor Ort von einem Kaplan vertreten. Der erste ständig in Walhorn anwesende Pfarrer war Wilhelm Voets (1635-1682). Auch wenn es sich bei der Pfarrstelle also hauptsächlich um eine Versorgung, d. h. materielle Absicherung des darauf ernannten Geistlichen handelte, so nahm dieser doch hoch offiziell von der Pfarre Besitz. Diese Besitznahme wurde sogar durch einen Notar urkundlich festgehalten. Ein solcher Fall trat 1578 ein. Der neue Pfarrer, Simon Angeli (nach anderer Lesart Agnelli oder auch Engel), Kanoniker des Aachener Münsterstiftes, hatte sich am 14. November 1578 mit einem Notar und mehreren Zeugen nach Walhorn begeben, um sich dort einführen zu lassen. Was er danach auf dem Rückweg nach Aachen erlebte, berichtet er am 24.11.1578 dem Probst des Aachener Marienstiftes, Heinrich von Vlatten, in bewegten Worten'. Gruß, ehrwürdiger und großherziger Wohltäter, den ich besonders achten und verehren muss! Da ich die vielfältigen und unzähligen Wohlaten, die mir und all den meinigen erwiesen wurden, nicht vergelten und würdigen Dank dafür ' Der Wortlaut des Schreibens wurde im lateinischen Original abgedruckt in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins, Bd. 3 und 4, S. 275-276).
62 abstatten kann (wie der berühmte Dichter singt), aber vor allem für die mir kürzlich übertragene Pfarrei in Walhorn, wonach ich gewiss sehnlichst verlangte, wenn doch nur die Kraft dazu meinem brennenden Wunsche entspräche, so bitte ich und bete inständigst, dass Euer Ehrwürden den Dank in Worten für gut aufnehme, bis dass ich etwas später durch ein Zeichen oder einen Ausdruck das Gefühl der dankbaren Erinnerung für eine so große Wohltat beweise. Alles ist bisher, Gott Lob! Ehrwürdiger Herr, nach Wunsch verlaufen, und dies dank der Hilfe und des Rates Ihres Confraters, des mir sehr geneigten Herrn Heinrich Doern. Nachdem er erreicht hatte, dass eine Verkündigung (proclamatio) genügte und die beiden anderen weggelassen wurden, und er weniger Unkosten als üblich für mich gemacht hatte, erhielt er auch die Investitur- Urkunde für den Abwesenden, so als ob ich anwesend gewesen wäre. Ich hätte nämlich selber in Lüttich erscheinen müssen, um mich der Prüfung zu stellen, worauf man wegen der gefährlichen Reise auf den Ratschlag von Herrn Doern hin verzichtete. Nachdem ich so im Besitz der Ernennungsurkunde war, habe ich mich alsbald mit dem Notar und anderen (Begleitern) nach Walhorn begeben, von wo ich nach erfolgter Besitznahme (der Pfarre) am 14. d. M. bei Einbruch der Dunkelheit das Vaterland wieder zu erreichen suchte. Sehr zu meinem Unglück! Nach einem erbärmlichen Verrat wurde ich nämlich unterwegs mit meinen sechs oder sieben Begleitern von holländischen Soldaten, die die Burg Raaf besetzt hatten, überfallen. Sie ergriffen mich und noch zwei andere, fesselten uns die Hände auf dem Rücken, quälten mich furchtbar und beraubten mich. Als sie jedoch meinen geschorenen Kopf sahen und ich immer wieder behauptete, der Sohn eines Bürgers zu sein, nahmen sie mir alles ab, ließen mich frei und entließen mich dank Gottes besonderer Hilfe unverletzt. Für meinen Wärter, den sie gefesselt zur Burg mitgenommen hatten, habe ich 11 Taler Lösegeld bezahlen müssen; unter der Folter aufgehängt musste er gezwungen und hängend zugeben, dass ich ein Pfarrer war, was er in meinem Beisein verneint hatte. Für den anderen (Gefangenen), der Notar und Kaplan unserer Kirche ist, forderten sie 25 Taler. = Herr Doern schreibt mir, die Seelsorge in Walhorn obliege mir vom kommenden Fest des hl. Johannes an. Ich habe dem Sekretär Eurer Hochwürden die Notariatsurkunde Eures Bruders, des Statthalters von Düren, übermittelt, für deren Anfertigung,
63 Eurem Auftrag gemäß, Ehrwürdiger Herr, (Herr) Lysgen dem Herrn Dekan von (St.) Adalbert einen Taler gezahlt hatte. Selbst habe ich für die Unterschrift nach Anweisung des Dekans von (St.) Adalbert dem Herrn Breuwer einen Goldgulden (florenum aureum) gegeben. Ich empfehle Euer Hochwürden dem dreifach guten und großen Gott und seiner allerliebsten Mutter, der Sie so lange wie möglich gesund und unversehrt bewahren und beschützen möge. Amen. In Eile, am 24. November 78. Ihr sehr ergebener und zu allen Opfern bereiter Diener Simon Angeli. ok Simon Angeli war nur kurze Zeit Pfarrer von Walhorn. Er starb schon 1579. Auch die auf Angeli folgenden Walhorner Pfarrer Hermann Francot (1579-1587) und Wilhelm Darimont (1604-1635) waren nicht residierende Pfarrer. Erst mit Wilhelm Voets (1635-1682) erhielt Walhorn einen ständig im Ort wohnenden Seelsorger.
67 Gegenstände benutzen dürfen: a) 6 versilberte Kerzenleuchter; b) 1 Schrank; c) die in der Kapelle befindlichen Bilder (wie die 12 Apostel und die 7 Schmerzen Mariens); 6. Die Patres behalten sich das Recht vor, die Kapelle nach den Regeln der christlichen Kunst auszuschmücken. Sollten politische Umstände sie an einer Weiterführung ihres Dienstes an der Kapelle hindern, so verpflichten sie sich, nur diejenigen Gegenstände mitzunehmen, die sie aus eigenen Mitteln angeschafft hätten. 7. Zwei Drittel der Einnahmen aus den Opferstöcken sowie der großen Votivkerzen zu Ehren der hl. Jungfrau Maria kommen der Kirchenfabrik zu, 1/3 der Kloster- gemeinschaft. 8. Die Patres verfügen frei über die Eremitage (Klause) und den anschließenden Garten. 9. Ohne das Einverständnis der Kirchenfabrik dürfen keine Änderungen an der Kapelle oder der Klause vorgenommen werden. 10. Dieser Vertrag tritt in Kraft am 1. Mai 1876, dem Tag der Übernahme der Seelsorge an der Kapelle durch die Patres. Le premier Pre Superieur de la communaut€e, Othmarius, acquit le 4 avril 1877 un terrain afın d’agrandir la chapelle et plus tard, en 1884, se construisit le couvent juste derri&re la chapelle. N ea A $ 8 A SAAL AM on < ] 4 TA ML BE 5 Han N B A ÄM [> “ 5 OO 0 VE ES A .* 4 U S A, En ‚ar Pe Ban“ Sr sn BP ET PN e Ancienne carte postale, illustrant la chapelle et le couvent des Pifres a la fin du 19‘ siecle. Moresnet: Kloster und Kapelle gegen Ende des 19. Jhs. Afin de concretiser le projet du Pere Ruiter, ä savoir 1’amenagement : d’un parc dote€ des 14 stations du chemin de croix selon les idees du fondateur St Francois d’Assise, le Pere Franciscain fut aide par Mon- sieur le baron F. Raiz von Trenz; il acquit un certain nombre de terrains et proceda ä des changes avec la Fabrique d’Eglise de Moresnet. Les travaux purent commencer en 1898, le Calvaire fut acheve en 1904.
Z1 Lorsque nous parcourons le chemin de croix entre la 2° et 3° station, sur notre gauche nous observons une immense fontaine en fonte; cette piece, memoire d’un temps pass6, se trouvait sur la place communale ä Montzen, elle fut offerte aux Franciscains par la commune de Montzen entre les deux guerres. HFC Bil % 8 % BP un A #0 A (8. ‘ A 3 N VB ns A ku SE vn“ BA SS A Ä MIRES 32 = n VE ve De LU ESS a Zn AA A KEN MENGE U Ri Ursprünglich befand sich diese beeindruckende Pumpe auf dem Gemeindeplatz in Montzen., Sie wurde den Franziskanern in den Zwischenkriegsjahren geschenkt. Un peu plus loin, lorsque nous nous arretons devant la 4° station, Nous sommes &merveilles par le magnifique ouvrage d’art en fer forge, r&alise par le Frere artiste Valenz Zimmermann. Le grillage comporte 3 parties: la premi&re contient les initiales J S en souvenir du bourgmestre Jean Schmets de Moresnet. Il fut un grand bienfaiteur du «Wallfahrtsort». Nous pouvons y lire Pro Deo et Patria, la deuxieme grille est illustree par le lion de la Belgique ainsi que de la devise « L’Union Fait la Force », la troisieme grille attire notre attention sur Deus Meus et Omnia.
73 Les deux cloches en bronze fournies ä Moresnet-Chapelle par la fon- derie Francois Sergeys de Louvain pesent respectivement 233 kg et 133 kg; elles ont coüte 40611 FB. Les cloches de Moresnet-Chapelle portent les inscriptions suivantes: Sacellum B.M.V sub Titulo Auxilii Christianorum in Moresnet 1953 + Monstra Te esse Matrem Voca peccatores - Audi oratores - Duc ad coelos viatores Ex munificentia Domini Joseph Jennes, patris spiritualis Conventus nostri + Sancte Francisce, ora pro nobis ! Laudate et benedicite Dominum Meum - Gratias agite et servite Ei Cum magna humilitate Ex munificentia incolarum hujus pagi Moresnet-Chapelle Administrationis civilis de Moresnet et aliorum Von den beiden Glocken ist die eine Maria, der Hilfe der Christen, geweiht („Zeige, dass du eine Mutter bist. Rufe die Sünder, erhöre die Betenden, führe die Reisenden zum Himmel“), während die andere auf den Namen des hl. Franziskus getauft wurde („Hl. Franziskus, bitte für uns! Lobet und preiset meinen Herrn. Danket Ihm und dienet Ihm in großer Demut“). En 1991, nous assisterons ä la pose de la premi&re pierre de la nou- velle chapelle mariale situge sur le cöte droit de la grande €glise.
75 de la commune de Plombieres. Hubert Bindels (president), Marc Bindels, Jose Jennes, Albert Langohr, Leon Schifflers, Joseph Meessen, Alexan- dre Gerkens, Peter Schorr, Bernardin Schröder sont membres de l’ A.S.B.L «Association des Peres Recollets Franciscains de Moresnet-Chapelle». Le Pöere Peter Schorr pose la premiere pierre de la nouvelle chapelle mariale dedige ä Notre-Dame Auxiliatrice, contigue ä l’ Eglise du pele- rinage de Moresnet-Chapelle. La conception et la realisation de cet Edi- ‚fice ont &te configes aux architectes Luc Lebeau et Manfred Lerho. «Que la gräce de Dieu descende sur tous ceux qui ont contribue ä la realisa- tion de cette chapelle, que gräce dl’ intercession, en 1750 pour la gue- rison de Peter Arnold Franck, alors äge de 9 ans, de la TS Vierge et Mere de Dieu, que nous venerons en ces lieux, sous le vocable de Augxiliatrice des chretiens, poursuive son action de soutien dans nos besoins spirituels et materiels, pour la gloire de la Sainte Trinite&, au nom du Pere, du Fils et du Saint Esprit. Amen.» BO SE WR a E:E . e Ü= Fr N ale SA 0 BEN £ FR BUNG Aka KA a A LA CM A "Pe E a Rz . —U————— S- Be EST La nouvelle chapelle mariale accolee ä 1’6glise de Moresnet-Chapelle. Die 1991 errichtete neue Marienkapelle
I ZB AT AE LSA OI A BA > 8 SS » ; - X | : << # En € Y ww 4 OR PS AN \ a | | { | A| in MM 5 "an | Hl HE I Ji {L ® A A BE 8 | MN en An. HE OH + A ; 7 A "ea a en | | { Sl 7 an 3 | } | { — km 1 a P8} iL = Ve 3 Ü ga A A, L’ancien couvent des Peres Franciscains ä Moresnet-Chapelle Das frühere Franziskanerkloster zu Moresnet Le 11 d&cembre 2005 se deroule ä Moresnet-Chapelle, une c&r&mo- nie de de&part de 1a communaut€ des P&res Franciscains, ceci sous la presidence de Monseigneur Aloys Jousten, Ev&que de Liege. C’est en presence d’une foule nombreuse que Mgr Jousten remercie la communaut&e franciscaine pour tout le travail accompli pendant ces quelque 130 ann&es &coul&ges, il precise que 1l’Evenement de ce jour n’est pas la fin d’une belle histoire, mais que dor£navant un nouveau chapitre commence a Moresnet-Chapelle et que tout reste comme avant avec une nouvelle &quipe de gestion. La c&r&monie se clöture par la pose d’une nouvelle plaque comm&morative appos&e au dos de la grande €glise en m&moire des Peres Franciscains.
79 La nouvelle &quipe mise en place pour continuer le travail de l’A.S.B.L creee en 1925 La nouvelle &quipe ainsi que les nouveaux statuts sont parus au mo- niteur en f&vrier 2006. Les membres de cette A.S.B.L sont : Monsieur le Doyen Joseph Baltus (president), Monsieur Joseph Langohr, professeur retraite (secretaire), Monsieur Joseph Meessen, employe retraite (tr&sorier), Monsieur Guido Döme, architecte de jardin, Monsieur Albert Langohr, courtier en assu- rances retrait&, Monsieur Michel Gans agronome retraite, Monsieur Jac- ques Krott, commissaire de police retraite&, Monsieur Ghislain Weickmans, assistant paroissial, Monsieur Werner Burtscheidt, ortho- pediste, Monsieur le Cure Benoit Sadzot. „a S, F = a ; Ku & U A CN A Le = JE kA > 5 Sn BE ww. KO Ken G 8 DEF : AR Membres de 1’A.S.B.L : Joseph Baltus, Michel Gans, Albert Langohr, Joseph Meessen, Joseph Langohr, Guido Döme, Jose Jennes, Jacques Krott (sont absents: Ghislain Weickmans, Benoit Sadzot et Werner Burtscheidt) Le conseil d’administration est compose des administrateurs suivants : MM Joseph Baltus (president), Joseph Langohr (secretaire) Joseph Meessen (tr£sorier), Albert Langohr, Guido Döme, Michel Gans. L’assembl&e Generale ou le Conseil d’Administration se r&unit cha- que premier jeudi du mois afın d’organiser le fonctionnement du site marial tout au long de l’annee et de veiller au bon de&roulement de la saison de p£lerinage. L’&quipe ainsi constituge est formee de 11membres ben&voles au ser- vice du Pe?lerinage Marial de Moresnet-Chapelle, chacun occupe une place specifique en fonction de ses aptitudes personnelles. Il est bien entendu que d’autres personnes offrent gratuitement leurs services ä 1’or- ganisation du culte de Marie Auxiliatrice. Sans toutes ces personnes, le pelerinage de Eiksken ne pourrait pas survivre !
80 Karolingisch-Fränkisch: Die plattdütsche Volkssprache im Aachener Dreiländereck Drs. Jean Frins MA Universität Groningen Der Öcher und der Vaalser könnten sich heutzutage nicht mehr verstehen, wenn sie sich im Platt zu unterhalten versuchten. Das behaupten Prof. Roeland van Hout von der Radboud Universität: Nimwegen und Dr. Georg Cornelissen vom Bonner Amt für Rheinische Landeskunde in der ersten diesjährigen Ausgabe der Zeitschrift Taal en Tongval. Aus unserer im Sommer 2003 angefangenen Untersuchung im euregionalen Dreieck Valkenburg- Stolberg-Eupen ergibt sich ein anderes Bild. Das Öcher Platt und die anderen Dialekte im Bereich des mittelalterlichen Herzogtums Limburg bilden zusammen die einzigartige karolingisch-fränkische Sprache, die bis heute durchaus eine grenzüberschreitende Einheit darstellt. Dieser Artikel bietet eine Übersicht unserer bisherigen Erhebungen und wirft zudem einen Blick in die regionalsprachliche Zukunft. Die ersten Medien, die Anfang 2005 über unsere Ergebnisse berichteten, nannten die von uns untersuchte Regionalsprache „Limburgisch“. Diese Bezeichnung war offenbar missverständlich. So mussten wir einen Redakteur der belgisch-limburgischen Zeitung Het belang van Limburg, der uns fragte, welche Orte westlich von Maastricht wir während unserer Arbeit besucht hätten, enttäuschen, indem wir darauf hinwiesen, dass wir lediglich den Südosten der niederländischen Provinz Limburg sowie die Bereiche Aachen und Eupen untersucht hatten. „Limburgisch“‘ ist daher wohl nicht der geeignete Name. Bereits in den sechziger Jahren wurde über alternative Bezeichnungen für die „plattdütsche‘“ Regionalsprache nachgedacht, und damals zeigte sich schon die Schwierigkeit dieser Aufgabe. Die deutsche Dialektologie sprach von Südniederfränkisch, in der niederländischen Literatur hieß es hingegen Ostniederfränkisch, was von der westlichen Lage des Niederländischen aus besser zutraf.
81 Leo Wintgens schlug eine neue Bezeichnung für die in seiner Grammatik beschriebene Sprache vor: Karolingisch-Fränkisch, nach Karl dem Großen (742-814), der, so Wintgens, „selbst bestrebt war, eine Grammatik seiner fränkischen Muttersprache in unserem Gebiet, das zum nächstliegenden Familienbesitz der fränkischen Karolinger gehörte, redigieren zu lassen“. Deshalb nennt Wintgens die Gebietssprache im Bereich der Reichsstadt Aachen, des Herzogtums Limburg und der Grafschaften Dalhem und Valkenburg sowie der Herrschaft Rolduc Karolingisch-Fränkisch. Dieser Name ist wertneutral, unpolitisch, unabhängig von geographisch begrenzten Räumen, Himmelsrichtungen oder etwa Flüssen und daher aus wissenschaftlicher Sicht vorzuziehen. Außerdem bezieht sich die Wintgens’sche Grammatik auf genau die Mundarten unseres Untersuchungsgebiets. Gerade diese Gegebenheit halten wir für den entscheidenden Grund, den Wintgens’schen Terminus aufzugreifen. Die nachstehende Tabelle zeigt die wichtigsten Orte des karolingisch-fränkischen Untersuchungsgebiets. niederländische Orte belgische Orte deutsche Orte Bocholtz Aubel Aachen Epen Battice Alsdorf Eysden Charneux Bardenberg Eygelshoven Dalhem Brand Eys Dison Breinig Gulpen Eupen Eilendorf Heerlen Eynatten Eschweiler Kerkrade Gemmenich Geilenkirchen Klimmen Grand-Rechain Herzogenrath Mechelen Hauset Horbach Mheer Henri-Chap. Kohlscheid Nieuwenhagen Hergenrath Kornelimünster Nijswiller Homburg Laurensberg Noorbeek Jul&mont Lemiers Palemig Kelmis Marienberg Rimburg Kettenis Merkstein Schaesberg Lambermont Palenberg Schin op Geul Limburg Richterich Simpelveld Membach Scherpenseel Slenaken Montzen Stolberg Ubach o. Worms Moresnet Übach
82 Vaals Raeren Walheim Valkenburg Remersdael Windhausen Vijlen Sinnich Würselen Voerendaal Sippenaeken Wahlwiller Teuven Wijlre Walhorn Wittem Welkenraedt Eine gemeinsame Geschichte Spätestens seit dem 12. Jahrhundert bildeten diese Orte als Herzogtum Limburg und dessen engstes Umfeld eine politische und wirtschaftliche Einheit. Diese Einheit förderte die Einführung einer tendenziell standardisierten limburgischen Schreibsprache. Eine der ältesten volkssprachlichen Originalurkunden aus dem gesamten rheinischen Raum ist in dieser Schreibsprache abgefasst. Diese Urkunde aus dem Jahre 1261 befindet sich heute im Aachener Stadtarchiv. Limburg erlebte zu dieser Zeit eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte, während der es auch den „einfachsten“ Bewohnern gut ging. Im 13. Jahrhundert entstanden wichtige literarische Werke. Dazu zählt das um 1220 in Aachen geschriebene Gedicht Karl und Galie, eine Bearbeitung einer französischen Chanson de geste. Da die Zahl der überlieferten limburgischen Werke aus dieser Epoche so begrenzt ist, bereichert dieses Gedicht den bekannten mittelhochdeutschen Wortschatz mit offensichtlich rein limburgischen Elementen. Nach der Schlacht bei Worringen (worüber gleich mehr) entstand zwischen 1291 und 1317 noch der große Roman von Heinric und Margriete von Limborch. Zurückgreifend auf historische Fakten schildert dieser Roman in zwölf Bänden die Erlebnisse der nach Konstantinopel entführten Herzogstochter Margriete, die von ihrem Bruder Heinric auf tapfere Weise gerettet wird. Der tötet dabei nach guter mittelalterlicher Art eigenhändig Tausende Muslime. Die Erzählung endet mit der Krönung Heinrics zum Kaiser von Konstantinopel. Im Jahre 1280 starb der letzte limburgische Herzog, Walram IV., und acht Jahre später hatte die Schlacht bei Worringen, einer Burg am Rhein unweit von Köln, wichtige Folgen für das Gebiet und seine Weiterentwicklung. Bei diesem entscheidenden Ereignis im limburgischen Erbfolgestreit verlor das Herzogtum nämlich seine Unabhängigkeit und kam an Brabant, das viel reicher und größer war,
83 und Limburg nur als Beutegebiet zu schätzen schien. Obwohl es dem Herzogtum - wie Yans 1938 gezeigt hat - bis ins 15. Jahrhundert wirtschaftlich nicht schlechter ging als vorher, konnte nur noch eine kleine Gruppe von privilegierten Adligen und Geistlichen von diesem Reichtum profitieren. Das kulturelle Leben beschränkte sich von nun an ausschließlich auf die Klöster und Abteien, wo die Volkssprache nicht verwendet wurde. Daran änderte sich nichts, als Limburg 1482 von den Habsburgern übernommen wurde. Es folgte ein ständiges Hin und Her zwischen den Niederlanden, Spanien und Österreich, wobei die limburgischen Grenzen jedesmal verlegt wurden. Erst um 1730 lehnte sich die Bevölkerung als „Bockreiter“ gegen die Ungerechtigkeit ihrer Herrscher auf. Von 1730 bis 1790 gehörten mindestens 1500 Männer, Frauen und Kinder zu den Ausgabeen. Von ihnen endeten mehr als 600 am Galgen. Die Behörden schlugen nämlich rücksichtslos zurück. Erst der Wiener Kongress bereitete 1815 durch die Einführung einer neuen staatlichen Organisation diesem Wirbel ein Ende. Aus diesem Zeitraum stammen auch die ersten überlieferten volksliterarischen Zeugnisse seit dem 14. Jahrhundert. Es handelt sich dabei um zwei Lieder, das eine geschrieben in Maastricht (Rei mer oet, wagel), das andere in Aachen (Ühr Hong). Aber auch diese neue Grenze bestand nicht lange. Nach der Revolution von 1830 verblieb das ehemalige Herzogtum Limburg größtenteils bei Belgien (Provinz Lüttich). Die definitive Grenze wurde jedoch erst 1839 festgelegt, als der nördliche Teil dem König der Niederlande als Kompensation für den Verzicht auf einen Teil Luxemburgs zugesprochen wurde. Im Lichte dieser ständigen politisch-gesellschaftlichen Änderungen ist es umso bemerkenswerter, dass sich die Regionalsprache in der Zwischenzeit nicht wesentlich änderte. Wintgens (1982) verglich eine Reihe schriftlicher Beispiele von rund 1500 mit den in den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts (u.a. von Welter 1933) gesammelten Daten (vergl. etwa Wintgens 1982: 303, 427) und schloss daraus, dass die Wortformen sich nicht geändert hatten. Und das, obgleich die Regionalsprache schon im 16. Jahrhundert zugunsten des Brabantischen aus den Gerichten, und im 17. Jahrhundert zugunsten des Hochdeutschen aus den Gottesdiensten verschwunden war (Wintgens 1982: 146ff). Mir scheint, als habe die Regionalsprache in der Turbulenz der zwischenliegenden Jahrhunderte die Rolle eines verbindenden und gleichzeitig konstanten Faktors gespielt, wo es im limburgischen Alltag
84 ansonsten nur wenig Konstanz gab. So sah das auch Welter (1938: 155): „Wenn (...) auch die heutige politische Situation an unserer Dreiländerecke tiefe Grenzgräben zieht, so gibt es doch ein deutliches Kennzeichen, das über die jungen Grenzbildungen und Entzweiungen hinweg auf alte Zusammenhänge weist: die Sprache und die Mundart.“ Obwohl öfters durch neue Grenzen voneinander getrennt und durch ständig wechselnde Herrscher mit ständig wechselnden Lebensbedingungen konfrontiert, konnten die Bewohner sich aufgrund ihrer Sprache immer miteinander verbunden fühlen. Frühere Untersuchungen Eine wichtige Grundlage für die Feststellung einer (neuen staats-) grenzüberschreitenden volkssprachlichen Einheit zu Beginn des 20. Jahrhunderts liefert die „Enquete-Willems‘“ (1885). Pieter Gaspard Huibrecht Willems (Maastricht 1840 — Leuven 1898) galt bereits mit 25 Jahren als angesehener Gelehrter — er wurde später u.a. Ehrendoktor der Universität Heidelberg. Willems hat 1885 nicht weniger als 347 Fragebogen in 337 verschiedene Dörfer und Städte im limburgischen Raum und den benachbarten Gebieten verschickt. Der Fragebogen war sehr umfangreich. Er enthielt Fragen zu 990 Substantiven und 313 Verben, zu denen Willems jeweils eine Reihe von Formen erbat. Er wollte mit Hilfe dieser Daten eine Laut-, Formen- und Wortlehre der fränkischen Mundarten erarbeiten. Goossens (1989: 9) hat berechnet, dass jeder Gewährsmann nicht weniger als 15.554 (sic!) Fragen zu beantworten hatte. Es dauerte in der Regel etwa fünf Jahre, bevor eine ausgefüllte Frageliste zurückgesandt wurde. Die Auswertung blieb unvollendet — und sie wäre es höchstwahrscheinlich auch dann geblieben, hätte Willems länger gelebt. Von den 347 verschickten Fragebogen sind aber nicht weniger als 342 erhalten geblieben und in der Mehrzahl komplett beantwortet worden. Für den Vergleich der heutigen Regionalsprache mit jener von vor Anfang des turbulenten 20. Jahrhunderts ist die „Enquete-Willems‘“ deshalb eine Informationsquelle von größter Bedeutung. So stellte Leonie Cornips fest, dass 1885 zumindest auf der Syntaxebene von einer grenzüberschreitenden, grammatikal vom Standardniederländischen und Hochdeutschen abweichenden Einheit des (südost-) limburgisch-rheinländischen Raumes auszugehen war (Cornips 1996b: 72f). Es würde zu weit führen, an dieser Stelle alle politischen und gesellschaftlichen Änderungen aufzulisten, womit sich die
85 Regionalsprache seitdem konfrontiert sah. Zwei Weltkriege, die sich permanent ändernde belgische Sprachgesetzgebung, die Zuwanderung Zehntausender nicht-limburgischer Bergleute nach Heerlen in den dreißiger Jahren und die Tatsache, dass wir in den heutigen drei beteiligten Staaten mit unterschiedlichen Hochsprachen im Unterricht zu rechnen haben, sind wohl einige der wichtigsten Gegebenheiten gewesen, mit denen sich die Regionalsprache konfrontiert sah. Dies konnte nicht ohne sprachliche Folgen bleiben. Der belgische Sprachwissenschaftler Cajot hat Anfang der siebziger Jahre angefangen, der Frage nachzugehen, inwiefern die heutigen Staatsgrenzen infolge dieser Entwicklungen auch Sprachgrenzen geworden sind. Cajots Veröffentlichungen tragen Namen wie Neue Sprachschranken im ‚Land ohne Grenzen’ ? (Cajot 1989) oder De Nederlands-Duitse staatsgrens als scheidingslijn tussen klanken, vormen en woordgeslachten (Cajot 1996). Für seine Dissertation fragte Cajot in jedem seiner 63 Untersuchungsorte durchschnittlich 3,5 Gewährsleute nach der dialektalen Bezeichnung von denselben 690 Begriffen. Er stellte fest, dass auch im äußersten südlimburgischen Osten immer mehr deutsche Realisationstypen durch hochniederländische verdrängt wurden und sich das gegenwärtige 50:50-Verhältnis wohl bald zugunsten des Niederländischen verschieben werde, weil die niederländischen Mundartsprecher sich bei neuen Wörtern stets für eine niederländische Form entschieden (Cajot 1990: 140). Unsere Untersuchung Unser Bestreben ist es, die sprachliche Dynamik dieses Gebietes zu skizzieren und dabei deutlich zu machen, woher die Entwicklungen kommen und wohin sie führen. Dieses Projekt wird momentan von fünf Wissenschaftlern betreut: Prof. Dr. Hermann Niebaum, Dr. Ron van Zonneveld und Drs. Mik van Es von der Universität Groningen sowie Prof. Dr. Leo Wintgens vom Montzener Sprachforschungszentrum und Dr. Leonie Cornips vom Meertens Institut Amsterdam. Bisher beurteilten 120 Mundartsprecher im Alter von 14 bis 87 Jahren Mundartsätze, die ihnen mündlich oder schriftlich angeboten wurden. Jeder Interessierte durfte eine Frageliste ausfüllen, vorausgesetzt, er sprach die Regionalsprache und wohnte im Dreieck Valkenburg- Eschweiler-Eupen. Die Gewährspersonen sollten angeben, ob ein Satz in der eigenen Mundart richtig oder falsch klingt und den Satz mit einer Note zwischen 1 (falsch, so sagt man es nie) und 5 (sehr üblich) bewerten.
86 Auch durften sie jeden Satz korrigieren. Die Buchstabierung wurde dabei nicht beachtet (uns war es gleichgültig, ob die Gewährsperson sich beim Schreiben etwa für jut, jot oder got entschied). In die neueste Frageliste wurden außerdem 30 Wörter aufgenommen, um somit der Frage nachzugehen, ob sich auf Wortebene inzwischen eine Standardisierung feststellen ließ. Wir betonen, dass vieles bisher aus zeitlichen Gründen nicht untersucht werden konnte und wir hoffen, unsere Arbeit noch mindestens zehn weitere Jahre fortzusetzen. Hypothese 1: Wortschatz (Lexik) In den letzten fünfzig Jahren fand in der karolingisch-fränkischen Lexik ein großer Wandel statt. Weijnen (1957) stellte bereits Änderungen auf der Wortebene fest, Kremer (1979) sprach von einem 40%igen Wandel im Wortschatz und Cornelissen (1994) befürchtete infolge der Änderungen sogar einen totalen Dialektverlust. Unsere erste zu beweisende Hypothese bezieht sich auf diese drei Studien und lautet: I. Die Lexik in den jeweiligen Dialekten wird sich a) immer mehr dem Wortschatz der unterschiedlichen Standard- sprachen anpassen. Dies hat u. a. mit dem Einfluss der Medien und der Unterrichtssprachen zu tun. b) Die meisten regionalen Formen, die Welter (1933, 1938) und Roukens (1937) auflisten, werden inzwischen durch hochsprachliche Formen ersetzt und den Teilnehmern mittleren Alters bereits unbekannt sein. c) Neue Wörter, etwa aus technischen Lebensbereichen, werden nicht mehr in die Regionalsprache übersetzt, sondern unverändert aus den Fachsprachen übernommen, wie Cajot (1989) bereits feststellte. Keine dieser Annahmen ist bisher bestätigt worden. Für jedes der dreißig von uns abgefragten Wörter gibt es mindestens eine Variante, mit der man sich im ganzen karolingisch-fränkischen Gebiet verständigen kann und dabei handelt es sich meistens um genau die Variante, die Welter und Roukens vor etwa siebzig Jahren auch aufzeichneten, wie etwa ate(r) für hinter, Boks für Hose, Jade für Garten, No(a)(b)ber für Nachbar, Ratt für Fahrrad, Spital für Krankenhaus, Zog für Eisenbahnzug, Vakans für Ferien und zösche für zwischen. Von einem Wörterverlust, geschweige denn einem totalen Dialektverlust, darf daher u. E. nicht gesprochen
87 werden. Allerdings sind einige Bezeichnungen sehr selten geworden. Dazu zählt Leähmkleäner, ein Wort, das aus jener alten Zeiten stammt, als in der Region noch die typischen Fachwerkhäuser erbaut wurden, bei denen Lehm (leähm) zwischen hölzernen Balken gestrichen (kleänt) wurde. Eine 86-jährige Aachenerin war die einzige Gewährsperson, die jenes Wort erwähnte. Bloetes, womit im Aachener Land ursprünglich ein Pflegeheim für Aussätzige bezeichnet wurde, ist dort in der gegenwärtigen Bedeutung von Krankenhaus nahezu aus der Umgangssprache verschwunden. Dies gilt auch für Balbutz (Friseur) und Soadeschdig (Samstag). Für die fünf modernen Wörter, die wir bisher abgefragt haben, versucht man zumindest regionalisierte Formen zu verwenden, anstatt die standardsprachlichen Wörter unverändert zu übernehmen. Ein Führerschein heißt also Führerschien und für Reißverschluss denkt man sich originelle Bezeichnungen aus, wie etwa Flatteroetsch, Zipper oder Rötsch. Hätten wir auf Wortebene einen Verlust festgestellt, dann hätte uns das dennoch nicht beunruhigt. Wir sind nämlich der Meinung, dass die Lexik als die Software einer Sprache aufgefasst werden kann. Eine Software ändert sich häufig. Wer sich den PC-Markt alle sechs Monate erneut ansieht, wird bemerken, dass wieder ganz neue, avanciertere Softwareprogramme erschienen sind. Diese lassen sich aber alle mit der unverändert gebliebenen Hardware der Computer verwenden. Diese Hardware steckt von Anfang an im Computer und wird bei fehlerfreiem Funktionieren nicht von neuerer Hardware ersetzt. Bei Sprache sieht das nicht anders aus. Sprecher installieren ihre „Wörtersoftware“ auf die „Satzbauhardware‘“. Wie eine bestimmte Software werden auch bestimmte Wörter weniger verwendet, sie gelten eines Tages als veraltet und verschwinden letztendlich, andere erfreuen sich plötzlich einer erneuten Popularität oder werden sogar erst neu erfunden. Sprecher können sich leicht dafür entscheiden, bestimmte Wörter vorzuziehen, wenn sie zu einer bestimmten Sprechergruppe gehören wollen. Anhand ihrer Wortwahl beweisen sie der Umgebung entweder, dass sie „mitmachen“ wollen und wissen, mit welchen Wörtern man dezent und integriert wirkt, oder sie grenzen sich stattdessen gewollt oder ungewollt aus. Wer von Senioren spricht, gehört zur ersten Gruppe, wer aber Kukidents oder Gruftis bevorzugt, verwendet Formen, die als jugendsprachliche Beispiele zu gelten haben. Es handelt sich hier um genau den gleichen Unterschied wie bei zwei PC-Besitzern, von denen
88 der eine angibt, täglich streaming online zu sein und massenhaft MP3s herunterzuladen, und der andere, mit Windows95 zu arbeiten. Wer Deutsch spricht, wird sich hingegen nicht dafür entscheiden, künftig einen Satzbau wie Ein ich Buch lese statt Ich lese ein Buch zu verwenden, weil eine solche Änderung einer vollkommen anderen Struktur entsprechen und die deutsche SVO-Reihenfolge (Subjekt-Verb- Objekt) umkrempeln würde. Es ist immer fraglich, ob eine neu erfundene bzw. eine aus einer anderen Sprache übernommene Satzstruktur überhaupt genügend mit den normalen, üblichen Satzstrukturen übereinstimmt, um von einer Mehrheit der Sprecher akzeptiert und übernommen zu werden. Es kommt dazu also darauf an, dass sich eine neue Konstruktion in die normale Struktur einordnen lässt. % Hypothese 2: Satzbau (Syntax) Unsere zweite Hypothese hängt mit dieser Voraussetzung zusammen und lautet: II. Die Syntax der Dialekte wird weitgehend unbeeinflusst bleiben, weil der Versuch, diese zu ändern, praktische Schwierigkeiten mit sich bringen würde. Wir erwarten daher, dass die regionalsprachlichen syntaktischen Merkmale, wie sie z. B. Willems (1885) hinsichtlich des Gebrauchs des Reflexivpronomens sich festgestellt hat, bis heute keiner Standardisierung unterlegen sind. So genannte middle constructions (auf Deutsch: Medial- oder Mittelkonstruktionen) spielten in unserer Untersuchung eine wichtige Rolle. Insgesamt 90 der 160 bisher abgefragten Sätze gehörten zu dieser Kategorie. Im Grunde handelt es sich bei Mittelkonstruktionen um aktivierte passive Sätze. Das Verb ist aktiv, das Subjekt (surface subject) ist eigentlich ein Objekt (notional object). Ein Beispiel kann dies erklären: Hochdeutsch Niederländisch Aktive Form Er verkauft Bücher Hij verkoopt boeken Medialform Das Buch verkauft Het boek verkoopt sich gut *zich goed Objekt in Subjektrolle Passive Form Das Buch wird verkauft Het boek wordt verkocht
89 Ein wichtiger Unterschied zwischen Niederländisch und Hochdeutsch steckt im Reflexivum zich/sich. In unserem Beispielsatz muss dieses im Hochdeutschen notwendigerweise vorhanden sein, im Niederländischen führt es aber zu einem ungrammatikalischen Satz (darauf deutet das sprachwissenschaftliche Zeichen * hin). Weiter sind im Niederländischen intransitive Verben in solchen Konstruktionen ausgeschlossen, im Hochdeutschen und im Karolingisch-Fränkischen können sowohl transitive wie intransitive Verben Mittelkonstruktionen bilden. Betrachtet man die Grammatik, dann gilt also: Niederländisch *Het rijdt zich goed op de autosnelweg Hochdeutsch *Es fährt sich gut auf der Autobahn Karolingisch-Fränkisch *’t Viert sich jot op de Autoban Die Mittelkonstruktion in diesem zweiten Beispiel ist eine andere als im ersten, und zwar wegen Het/Es/t, einem Wort, das sich, anders als Das Buch/Het boek, auf kein konkretes Element, keine konkrete Sache, bezieht. Das hat Folgen für die Benennung des Satzes. Während das erste Beispiel eine persönliche Mittelkonstruktion (personal middle) darstellt, handelt es sich beim zweiten um eine unpersönliche (impersonal middle). Beide gehören zu den plain middles. Sehen wir uns jetzt die erste von uns festgestellte Besonderheit in Bezug auf middles an: Im Karolingisch-Fränkischen können p/ain Mittelkonstruktionen gebildet werden ohne Adverb als Stellvertreter des nicht-explizitierten Agens, außer in den Fällen, wo das Subjekt handelnd auftritt. Der amerikanische Wissenschaftler Noam Chomsky hat 1965 behauptet, solche Konstruktionen seien nicht möglich. Das von ihm formulierte recoverability principle lautet nämlich: „no role may be deleted (...) unless there exists an over element through which the role is recoverable” . Bleibt die Agensposition also leer, dann muss es ein anderes Wort im Satz geben, mit dem die gestrichene Agensrolle wiedergegeben wird. Am häufigsten erscheint in solch einem Fall ein Adverb der Art und Weise. Diese Regel gilt sowohl für Niederländisch als auch für Hochdeutsch. In den folgenden, von uns untersuchten Sätzen gibt es aber kein Ersatzwort. Wo es eigentlich stehen müsste, steht jetzt LEER (für
90 Leerstelle). Dennoch wurden die Sätze ohne Probleme verstanden und für richtig gehalten: Dis Sjrieve üverzet sich LEER *Dieser Text übersetzt sich De Schlat ot sich LEER *Der Salat aß sich Dis Boch lie&s sich LEER *Dieses Buch liest sich ’t Boch lie&s sich ut LEER *Das Buch liest sich aus Über siebzig Prozent der Gewährspersonen interpretieren diese Mittelkonstruktionen offenbar wie folgt: Subjekt (Text, Salat, Buch) ist im positiven Sinne, also: gut, lecker, leicht (übersetzbar, essbar, lesbar). Sie brauchen das Adverb nicht, um diese positive Lesung zu erzielen. , Dies ist im Hochdeutschen und im Englischen nicht möglich, wohl aber im Französischen: Cette carotte se mange *Diese Möhre isst sich Sobald das Subjekt die beschriebene Handlung nicht erfährt, sondern selbst ausführt, darf das Adverb in karolingisch-fränkischen Mittelkonstruktionen nicht fehlen, wie aus den folgenden, von den Teilnehmern negativ bewerteten Testsätzen hervorgeht: * D’r Wagel varet sich LEER / Das Auto fuhr sich * De Fornöis verwermde sich LEER / Die Grillplatte heizte sich (auf) Mehrere Wissenschaftler (u.a. Fagan 1992) behaupten, eine Mittelkonstruktion mit einem Achievementverb (z. B. erkennen, finden, erreichen) sei in germanischen Sprachen ungrammatikalisch. Das Verb muss nämlich, um in einer Mittelkonstruktion zu erscheinen, eine Hand- lung wiedergeben, die während einer bestimmten Zeit einer Veränderung unterliegt. Das ist bei achievements nicht der Fall und daher gilt: Hochdeutsch *Mit der Bundesbahn kommt es sich leicht zur vorgesehenen Zeit an *Dieses Ziel erreicht sich nicht leicht Im Französischen dürfen achievement-Verben aber wohl in Mittelkonstruktionen erscheinen (Fagan 1992: 94): Französisch Pierre se reconnait ä son nez rouge Hochdeutsch *Pierre erkennt sich an seiner roten Nase
91 Dieser zwischensprachliche Vergleich bringt uns dazu, die folgende Hypothese aufzustellen: Karolingisch-Fränkisch stimmt hinsichtlich der in Mittelkonstruk- tionen erlaubten achievement-Verben mit der französischen Grammatik überein. Deshalb dürfen karolingisch-fränkische Mittelkonstruktionen achievement-Verben enthalten. In wievielen Orten dies tatsächlich der Fall sein wird, lässt sich im Moment noch nicht sagen. Unsere Gewährspersonen aus Gemmenich und Homburg standen den von uns abgefragten Achievement- Mittelkonstruktionen auf jeden Fall positiv gegenüber. Künftig wollen wir auch zwei für die Regionalsprache typische plain Mittelkonstruktionen untersuchen: Hochdeutsch (a) Das Bett schläft gut Ort Adverb der Art und Weise (b) Der Saal singt bequem Ort Adverb der Art und Weise (c) Die Tinte schreibt gut Instrument Adverb der Art und Weise Die grammatikalischen Subjekte Das Bett (a) und Der Saal (b) verweisen auf einen Ort (lateinisch /ocus), das grammatikalische Subjekt Die Tinte (c) verweist auf ein Instrument. Wegen dieser andersartigen Verweisungen spricht man bei (a) und (b) von einer lokationellen adjunct und in (c) von einer instrumentellen Mittelkonstruktion. Beide Konstruktionstypen müssen ein Adverb der Art und Weise (guf, beziehungsweise guf und bequem) enthalten. Dennoch sind sie nicht als völlig identische Konstruktionen zu betrachten. Cornips (1996b: 72) meint, bei diesen Mittelkonstruktionen handele es sich um zwei separate Typen, weil das grammatikalische Subjekt die Tinte in der instrumentellen Konstruktion (2c), im Gegensatz zum grammatikalischen Subjekt der beiden adjunct middles (2a) und (2b), als logisches Subjekt analysiert werden kann. Plain instrumentelle Mittelkonstruktionen seien auch im Englischen und Hochdeutschen grammatikalisch, anders als adjuncts, wie Cornips anhand folgender Beispiele illustriert (1996b: 64):
92 Instrumentelle Mittelkonstruktion Englisch This ink writes easily Hochdeutsch Diese Tinte schreibt gut Adjunct Mittelkonstruktion Englisch *This chair sits easily Hochdeutsch *Dieser Stuhl sitzt (sich) herrlich Willems (1885) stellte für das Gebiet östlich der Maas fest, dass dort auch die folgenden Formen von adjuncts mit Reflexiven benutzt wurden: * Dialekte östlich der Maas Das Bett schläft sich gut Der Saal singt sich bequem Wir möchten künftig der Frage nachgehen, ob und inwiefern sich diese Besonderheit inzwischen auch im karolingisch-fränkischen Sprachgebiet hat verbreiten können. Hypothese 3: Grenzüberschreitende Einheit Ludger Kremer und Hermann Niebaum haben 1990 nachgewiesen, dass sich die ehemals grenzüberschreitend einheitlichen Regionalsprachen in sieben westeuropäischen Grenzregionen in einer ziemlich aussichtslosen Lage befanden. Für die südjütischen Dialekte heißt es (Kremer und Niebaum 1990: 10): „Ihr Aussterben ist zu erwarten“‘, in der Grenzregion zwischen Dollart und Vechtegebiet gilt (Kremer und Niebaum 1990: 11), „daß das Dialektkontinuum sich im Prozess der Auflösung befindet‘. Positivere Feststellungen fehlen. Im saarländisch-lothringisch-luxemburgischen Grenzgebiet habe das Moselfränkische sich (Kremer und Niebaum 1990: 12) „infolge unterschiedlicher standardsprachlicher Überdachung auseinan- derentwickelt‘“. Die inzwischen entstandenen Unterschiede liegen dort sowohl auf pragmatischer Ebene wie im Sprachsystem. Am Oberrhein an der deutsch-französischen Grenze befinden sich heute „die beiden Sprachlandschaften ... nicht mehr wie früher in enger sprachlicher Gemeinschaft‘ (Kremer und Niebaum 1990: 12) und die sprachso- ziologische Position der niederländischen Dialekte Französisch-Flanderns
93 erscheint als so geschwächt, dass „der Autor [Hugo Ryckeboer, JF] innerhalb einiger Jahrzehnte den Zusammenfall von Staats- und Sprachgrenze erwartet“ (Kremer und Niebaum 1990: 13). Auch wir hatten im karolingisch-fränkischen Sprachgebiet damit gerechnet, dass infolge des unterschiedlichen hochsprachlichen Unterrichts und des hochsprachlichen Medieneinflusses die Staatsgrenze immer mehr eine Sprachgrenze bildet. An niederländischer Seite sieht man abends letztendlich Goede tijden, slechte tijden, an deutscher Seite Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Unsere dritte Hypothese hat damit zu tun und lautet: III. Dem von Willems im Jahre 1885 festgestellten Dialektkontinuum in unserem Untersuchungsgebiet entspricht heute kein Kommuni- kationskontinuum mehr, d. h. die deutsch-niederländisch-belgische Staatsgrenze bildet heute eine Bruchstelle in diesem Kontinuum. Dank der Ergebnisse hinsichtlich des Wortschatzes und Satzbaus wussten wir schon, dass von großen Unterschieden zwischen den drei Grenzgebieten nicht die Rede war. Mithilfe des Programms SPSS haben wir genau berechnen können, ob es signifikante Unterschiede zwischen den niederländischen Teilnehmern einerseits, und den deutschen und belgischen Teilnehmern andererseits gab. Eine geeignete, hieb- und stichfeste Methode, um dies zu überprüfen, bietet die Berechnung der Korrelationen zwischen den von den Niederländern einerseits und den Deutschen und Belgiern andererseits erteilten Bewertungen der unterschiedlichen Sätze. Für jeden Satz haben wir die Bewertungen durch den jeweiligen Teilnehmer auf der Skala von 1 bis 5 in das Programm eingegeben. Danach haben wir in SPSS die beiden Teilnehmergruppen miteinander korrelieren lassen. Laut Newbold (1984: 442) zeigt ein Korrelationskoeffizient p zwischen zwei Daten, inwiefern die wechselseitige lineare Verbindung dieser Daten sich als kräftig oder eher schwach bezeichnen lässt. Die Ziffern -1, 0 und 1 bilden Grenzen. Deshalb lautet die Grundregel: -1 dp d 1 Die Ergebnisse -1 und 1 sind Idealfälle: Bei einem p von -1 oder 1 ist die lineare Verbindung zwischen den Daten am kräftigsten. Bei -1 ist nämlich von einer perfekten negativen Verbindung die Rede und eine +1 stellt eine perfekte positive Verbindung dar. Je weiter sich p einem dieser beiden Grenzwerte nähert, desto stärker ist die wechselseitige Verbindung.
94 Falls p aber = 0 gibt es gar keine Beziehung zwischen den miteinander verglichenen Daten. Die von uns bei der oben geschilderten Berechnung festgestellte p- Matrix betrifft: deutsch/belgisch niederländisch deutsch/belgisch 0,2625 0,2571 niederländisch 0,2571 0,2793 Die Korrelation der totalen Matrix lautet: 0,2658. Diese scheint zwar auf den ersten Blick nicht überwältigend stark zu sein (denn sie liegt unter 0,30), da aber die Unterschiede in den Korrelationen sehr beschränkt sind, deuten sie dennoch auf eine Einheit hin. Die aufgrund historischer Gegebenheiten unterstellte (sprachliche) Einheit des Karolingisch- Fränkischen ist somit statistisch bewiesen. Die Staatsgrenze bildet bis heute tatsächlich keine Bruchstelle im jahrhundertealten sprachlichen Kontinuum. Diese Situation ist außergewöhnlich, weil, wie wir gesehen haben, keine andere westeuropäische Grenzregion über eine Regionalsprache verfügt, die sich bis heute grenzüberschreitend auf die gleiche Weise weiterentwickelt. Überall bildet eine relativ junge Staatsgrenze mittlerweile auch eine Sprachgrenze, die sich immer trennender auswirkt. Es gibt im Aachener Dreiländereck einen regen Grenzverkehr, bei dem sich Mundartsprecher aus den entferntesten Ecken des Sprachgebiets treffen und miteinander kommunizieren. Dies konnten wir aus den Antworten auf folgende Frage ermitteln: + Wie oft ungefähr kommen Sie in die Niederlande/die Bundesrepublik/ nach Belgien? Alle ... Monate Alle ... Wochen Fast alle 120 Gewährspersonen gaben an, mindestens einmal pro Woche die Grenze zu überqueren. Allerdings gaben die Deutschen und Belgier auch an, jenseits der Grenze nur selten Platt und fast immer Hochdeutsch zu sprechen. Auf die Frage: „Weshalb?“ antworteten die meisten, dass sie sich nicht darüber im klaren waren, dass sie sich im eigenen Dialekt jenseits der Grenze verständigen konnten und sie zweifelten daran, ob die ausländischen Gesprächspartner einen Kommunikationsversuch im Dialekt schätzen würden. Hier stellte sich
95 heraus, dass es eine „Grenze in den Köpfen“ gibt. Niederländer, Deutsche und Belgier sprechen zu Hause die gleiche Sprache. Sie arbeiten inzwischen in wichtigen Bereichen wie Verkehr, Infrastruktur, Arbeit, Unterricht und Handel intensiv zusammen, betrachten sich dabei aber als unterschiedliche Staatsbürger und sprechen beruflich fast ausschließlich die verschiedenen Hochsprachen, was einer optimalen Zusammenarbeit u. E. im Wege steht. Eine Euregio: Die Volkssprache macht es möglich Ohne etwa politisch-gesellschaftliche Änderungen, wie eine Aufteilung der heutigen niederländischen Provinz oder die Wiederherstellung des ehemaligen Herzogtums Limburg zu beabsichtigen, betonen wir, dass die Volkssprache die Rolle eines verbindenden Faktors spielen könnte. Sobald die Bewohner einsehen und feststellen, dass sie sich im Dialekt euregional verstehen und verständigen können, könnte ein euregionales Gefühl der gemeinsamen Identität und Verbundenheit auf der Basis geteilter historischer Wurzeln heranwachsen. Seit der Einführung der europäischen Sprachen-Charta sind alle Voraussetzungen dafür gegeben, eine euregionale Zusammenarbeit im sprachlichen Bereich anzufangen. Ein Versuch von politischer Seite ist aber bisher ausgeblieben. Diese Sprachen-Charta, die 1992 vom Europarat verabschiedet wurde, gründet auf der Überzeugung, dass die in vielen Ländern Europas vorhandene Zwei- oder Mehrsprachigkeit einen kulturellen Reichtum per se darstellt, der eine wichtige Grundbedingung für das Gemeinwohl bildet und zu durchaus besseren Lebensumständen führt. Ihr zweiter Teil ist von besonderer Bedeutung. Jeder Staat, der die Charta unterzeichnet und sich damit verpflichtet, die eigenen Regional- oder Minderheitssprachen nach bestem Vermögen zu schützen, muss die sieben Paragraphen dieses zweiten Teils auf jeden Fall akzeptieren bzw. in die Praxis umsetzen. Diese Paragraphen lauten: 1: Die Regional- oder Minderheitssprachen des Landes werden als Ausdruck kulturellen Reichtums betrachtet. 2: Der geographische Raum jeder Regional- oder Minderheitssprache wird respektiert. 3: Durchgreifende Maßnahmen zur Förderung solcher Sprachen sind erforderlich. 4: Der mündliche und schriftliche Gebrauch solcher Sprachen, sowohl in der Öffentlichkeit wie im Privatleben, muss gewährleistet werden.
96 5: Voraussetzungen für den Unterricht dieser Sprachen müssen geschaffen werden, dazu gehören auch Maßnahmen, die es Nichtsprechern ermöglichen, sich diese Sprachen anzueignen. 6: Das Studium und die Untersuchung dieser Sprachen an Universitäten oder ähnlichen Instituten müssen ermöglicht und unterstützt werden. 7: Dies gilt auch für den relevanten transnationalen Austausch von Wissenschaftlern. Im Jahre 1997 hat die niederländische Regierung die Regionalsprachen Nedersaksisch und Limburgisch im Sinne des zweiten Teils der Charta anerkannt. Der Provinz Limburg sowie verschiedenen Instanzen und Vereinen wird seitdem jährlich eine Geldsumme zur Verfügung gestellt; damit die sieben oben erwähnten Punkte tatsächlich in Anwendung gebracht werden können. Inzwischen kann dort von einem wahren Aufschwung der Regionalsprache gesprochen werden. Bei dieser Erfolgsgeschichte spielt auch ein psychologischer Effekt mit. Eine Sprache, die sogar auf europäischer Ebene Anerkennung genießt, darf man natürlich stolz hören lassen. Das Aachener Land, die DG und die belgische Provinz Limburg profitieren aber hiervon nicht, weil die Anerkennung nur für die niederländische Provinz gilt. Angesichts der heutigen regionalsprach- lichen Lage (Einheit!) wäre die gleiche Anerkennung aus sprachlicher Sicht nicht nur angemessen, sondern dürfte gerade in den erwähnten Regionen für den Spracherhalt besonders positive Folgen haben. So ist an deutscher Seite die Parole „Mit den Kindern kein Platt!“ stark verbreitet. In jeder Gruppe von 15 deutschen Mundartsprechern gab jeweils eine Gewährsperson an, mit den eigenen Kindern noch Mundart zu sprechen. Die mittlere Generation der ca. Vierzigjährigen orientiert ihre Sprechweise den eigenen Kindern gegenüber eindeutig am Standard. Die Regionalsprache wird häufig als fehlerhaftes Hochdeutsch betrachtet, oder gilt als die Sprache der Landwirte und Putzfrauen. Als H. Küsters 1986 in Alsdorf per Fragebogen die Dialektkompetenz bei 220 Schülern/-innen von Hauptschule und Gymnasien erhob, konnte er schon feststellen, dass nur 9% der Befragten auf die Frage „Kannst Du Platt sprechen?“ mit „ja‘ antworteten, und 49% mit „nein‘‘. In Belgien war die Situation jahrzehntelang nicht anders. Manche Einwohner der Eupener Region verbanden die sich ‚deutsch’ anhörende
97 Heimatsprache mit Krieg und Annexion, und haben sich seit Kriegsende häufig dafür entschieden, mit ihren Kindern Französisch zu sprechen. Im Falle einer Ehe mit einem Partner von außerhalb der Region wurden die Kinder auf Hochsprache erzogen. In vielen Häusern verstummte das plattdütsche Echo. Aber das Kulturministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft bemüht sich momentan stark um den Dialekt. Es gibt Veröffentlichungen im Platt, einen Wettbewerb für Jugendliche „3+“ und auch Mundartbühnen feiern wieder Erfolge. Mir wurde von Jugendlichen aus Gemmenich und Kelmis mitgeteilt, es gebe mittlerweile sogar Amateurbands, die sich trauen, ihre coolen Lieder im Platt zu singen. Die Heimatsprache wird mehr und mehr von jungen Eltern weitergegeben und kehrt allmählich in den öffentlichen Gebrauch zurück. Viel länger hätte diese Entwicklung nicht auf sich warten lassen dürfen, denn bereits 1979 stellte Nelde für Aubel fest, dass dort nur noch 15% der Einwohner Platt sprachen. Selber empfand ich dies vor kurzem, als ich in der Aubeler Abtei Val-Dieu auf Platt um ein Bier bat, und es erst bekam, nachdem ich meine Bitte auf Französisch wiederholt hatte. Schlusswort Die Entscheidung der niederländischen Regierung, sich 1997 bei der Anerkennung der Regionalsprache nur auf den niederländischen Teil des geographischen Bereichs „Limburg“ zu beschränken, ist aus sprachlicher Sicht ein Irrweg. Die euregionalen Politiker sollten sich auf diploma- tischem Wege dazu durchringen, ihre belgischen und deutschen Seiten zum gleichen sprachpolitischen Schritt - d h. zur Anerkennung der plattdütschen Sprache gemäß Teil II der Charta - zu bewegen. Eine gemeinsame euregionale Sprachpolitik könnte durchaus positive Folgen haben, sowohl für die Regionalsprache als für ein geteiltes euregionales Identitätsgefühl. Wappnen wir uns gleichzeitig gegen die Sirenentöne jener Sprachwissenschaftler, die, ohne mit den Mundartsprechern gesprochen zu haben, verkünden, die Staatsgrenze sei heute auch eine Sprachgrenze geworden. Verhindern wir als Mundartsprecher, Politiker und Sprach- wissenschaftler gemeinsam, dass im euregionalen Sprachenwald tatsächlich Kahlschlag stattfindet und eine hochsprachliche Monokultur entstehen kann. Erinnern wir uns an die Warnung des großen Sprachwissenschaftlers Winand Roukens und seien wir davon überzeugt, dass
98 „het verlies van onze volkstaal, van ons dialect betekent: het verlies van onze eigen geaardheid, van ons Limburger-zijn. (...) Instandhouding van onze Limburgse dialecten betekent mede instandhouding van het diepste wezen onzer Limburgse cultuur“ — Winand Roukens (1947: 18). Die Untersuchung von Frins und seinem Team wird fortgesetzt. Wer mitmachen möchte, kann sich bei Frins anmelden über Email: jeanfrins@yahoo.com oder telefonisch: 0031-640702515. Literatur - Börnsen, Wolfgang: Plattdeutsch im Deutschen Bundestag, Sankt-Augustin: Siegler Verlag, 2001, 79-80, 113-116. - Cajot, Jose: Neue Sprachschranken im ‘Land ohne Grenzen’? , Köln/Wien: Böhlau Verlag, Reihe Rheinisches Archiv Teil 121/I, 1989. - Cajot, Jose: Neue Sprachschranken im ‘Land ohne Grenzen’ ?, Köln/Wien: Böhlau Verlag, Reihe Rheinisches Archiv Teil 121/II: Karten und Tabellen, 1989b. - Cajot, Jose: „Neue Sprachgrenzbildung an der deutschen Staatsgrenze zu niederländisch-Ostlimburg, Ostbelgien und Luxemburg“, in: Kremer, Ludger und Hermann Niebaum: Grenzdialekte. Studien zur Entwicklung kontinentalwestgermanischer Dialektkontinua (Germanistische Linguistik 101-103), Hildesheim/Zürich/New York: Georg Olms Verlag, 1990, 125-152. - Cajot, Jos&: De Nederlands-Duitse staatsgrens als scheidingslijn tussen klanken, vormen en woordgeslachten, Hasselt: Vereniging voor Limburgse dialect- en naamkunde, 1996. - Cornips, Leonie: „De betrouwbaarheid van de schriftelijke dialect-enquete Willems (1885): de middel-constructie in de Limburgse dialecten”, in: GrammaIlTTT tijdschrift voor taalwetenschap, Jahrgang 5, 2, 61-76, 1996b. - Fagan, Sarah M.B.: The syntax and semantics of middle constructions — A study with special reference to German, Cambridge: Cambridge University Press, 1992. - Grin, Francois: Language Policy Evaluation and the European Charter for Regional or Minority Languages, Hampshire/New York: Palgrave Macmillan, 2003. - Janssens, Jozef (u.a.): Fragmenten van de Roman van Heinric en Margriete van Limborch, Antwerpse Studies over Nederlandse Literatuurgeschiedenis 6, Leuven: Uitgeverij Peeters, 2001. - Kremer, Ludger: Grenzmundarten und Mundartgrenzen — Teil I: Text, Köln/ Wien: Böhlau Verlag, 1979.
99 - Kremer, Ludger: Grenzmundarten und Mundartgrenzen + Teil II: Tabellen und Karten, Köln/Wien: Böhlau Verlag, 1979b. - Kremer, Ludger und Hermann Niebaum: „Zur Einführung: Grenzdialekte als Gradmesser des Sprachwandels‘“, in: Kremer, Ludger und Hermann Niebaum (Hrsg.): Grenzdialekte. Studien zur Entwicklung kontinental- westgermanischer Dialektkontinua (Germanistische Linguistik 101-103), Georg Olms Verlag Hildesheim/Zürich/New York, 1990, 7-21. - Lehnhardt, Helge: Os Heämetsproech I — Et es Hervs, Aachen: Thouet, 1987. - Nelde, Peter H.: „Zur volkssprachlichen Situation in einer germanisch- romanischen Übergangszone“, in: Deutsch als Muttersprache in Belgien — Forschungsberichte zur Gegenwartslage, Wiesbaden: Franz Steiner Verlag GmbH, 1979, 67-84. - Newbold, Paul: Statistics for business and economics Englewood Cliffs, New Jersey: Prentice-Hall International Inc., 1984. - Roukens, Win.: Wort- und Sachgeographie Südost-Niederlands und der umliegenden Gebiete — mit besonderer Berücksichtigung des Volkskundlichen, Nijmegen: N.V. Uitgevers-Mij. De Gelderlander, 1937. - Roukens, Win.: De taal der Limburgers als spiegel van volk, geschiedenis en cultuur, Nijmegen: Uitgeverij De Koepel, 1947. - Verdoodt, Albert: Zweisprachige Nachbarn — Die deutschen Hochsprach- und Mundartgruppen in Ost-Belgien, dem Elsaß, Ost-Lothringen und Luxemburg, Wien/Stuttgart: Wilhelm Braumüller — Universitäts- Verlagsbuchhandlung Ges. m.b.H., 1968. - Weijnen, A. und Fr. Van Coetsem: De rijksgrens tussen Belgi& en Nederland als taalgrens, Amsterdam: N.V. Noord-Hollandsche Uitgevers Maatschappij, 1957. - Welter, Wilhelm: Die niederfränkischen Mundarten im Nordosten der Provinz Lüttich, Den Haag: Martinus Nijhoff, 1933. - Welter, Wilhelm: Die Mundarten des Aachener Landes als Mittler zwischen Rhein und Maas, Bonn: Ludwig Röhrscheid Verlag, 1938. - Wintgens, Leo: Grundlagen der Sprachgeschichte im Bereich des Herzogtums Limburg — Beitrag zum Studium der Sprachlandschaft zwischen Maas und Rhein, Eupen: Grenz-Echo Verlag, 1982, - Wintgens, Leo: E? hat van os plat — Abriss einer Grammatik der germanischen Regionalsprache im Bereich des ehemaligen Herzogtums Limburg, Montzen: OBELIT, 3. Auflage 2001 (1. Auflage 1998). - Yans, Maurice: Histoire &conomique du Duche de Limbourg sous la Maison de Bourgogne — les fore@ts et les mines, Bruxelles : Palais des Academies, Tome XXXVIII (Lettres), 1938. - Zandt, Gertrud: Die Sprache von Karl und Galie — Eine Vorstudie, Assen : Van Gorcum&Comp. B.V., 1973 [ursprünglich Dissertation Universität von Amsterdam].
100 S. A. des Mines et Fonderies de Zinc de la Vieille Montagne - Aktien und Obligationen vom Altenberg in Kelmis - von Henri Beckers Die im Titel genannte Gesellschaft mit Sitz in Angleur bei Lüttich, die am Altenberge in Kelmis den Abbau betrieb, ist eng mit der Geschichte der Ortschaft Kelmis verbunden. «Kelme» ist das plattdeutsche Wort für Galmei als Zinksilikat (Zn,SiO,) und als Zinkspat (ZnCO,), das im heutigen Kelmis seit 1344 nachweislich ohne Unterbrechung abgebaut, wurde, zunächst im Tagebau, später im Tiefbau. Das nach entsprechender Aufbereitung gewonnene Zinkerz fand Verwendung in der Messing- produktion und Kupferschmiedekunst. Die abbauwürdige Schicht war 400-500 m lang und 100 - 150 m breit. Das Gebiet war ehemals im Besitz der Stadt Aachen; die Pacht für das Bergwerk wurde jährlich neu vergeben. Das Gebiet wurde 1439 durch Philipp den Guten, Herzog von Burgund, beschlagnahmt, dann als Pacht der Domäne der Burgunder, Spanier und Österreicher verliehen. Nach der österreichischen Zeit (1714- 1794) fiel die Region durch Annexion der habsburgischen Niederlande durch Frankreich 1795 an die Franzosen. Zum ersten Mal taucht nun im Zusammenhang mit dem Erzabbau der Name Moresnet auf; ebenso wurde die Grube Altenberg in Vieille Montagne umbenannt. Wegen eines Aufteilungsstreits beim Wiener Kongreß wurde das Grubengelände mit dem Umfeld - ca. 344 ha - 1816 zum neutralen Gebiet erklärt und in Neutral-Moresnet umbenannt. Durch den Versailler Vertrag gehört dieses Gebiet seit 1920 zu Belgien. Durch kaiserliches Dekret vom 24. März 1806 wurde die Konzession über das 8.500 ha große Grubengelände der Vieille Montagne des cala- mines du duche de Limbourg auf 50 Jahre gegen eine jährliche Abgabe von 40.500 F an den Lütticher Chemiker Jean Jacques Daniel Dony vergeben, der im März 1809 nach längeren Vorarbeiten in St. LE&onard bei Lüttich eine Zinkhütte nebst Walzwerk gründete und ein neues Walzzinkverfahren entwickelte. Schon im Juli 1809 konnte Dony in einem von ihm selbst entwickelten Ofentyp reines Zink ausgezeichneter Qualität herstellen. Donys Verfahren erhält noch im selben Jahre Patentschutz. Am 21.4.1810 wurde die Konzession auf Lebenszeit verlängert. Als die Lütticher Bergwerksgesellschaft Dony & Cie durch die hohen
101 SC £ es | SOCIETE ANONYME. SB | Cl ber 208 PAD SO A 5. LA VIEILLE-MONTAGNE. |‘ aa a0 a 5 | 7 Dixieme d’une Action primitive de Mille franes. A AAN ANNN 0 [ces A (8 FO DET SEC a AN Fe Pe WE A EEE NA LACH 1/10-Aktie aus dem Jahre 1853 Entwicklungskosten und schlechten Absatz ihrer Produkte 1813 in finanzielle Schwierigkeiten geriet, übernahm der Hauptgläubiger Hec- tor Chaulet, ein Pariser Bankier, einen Großteil der Ansprüche und wurde Miteigentümer des Unternehmens Dony; am 25. August des gleichen Jahres erwarb der Kaufmann Dominique Mosselman einen Großteil der Eigentumsrechte an Dony’s Anlagen in Kelmis und in St L&onard.. Mosselman wurde schließlich 1824 Alleininhaber der Zinkhütte. Es war Mosselmans Schwiegersohn Graf Charles Le Hon, der 1837 zusammen mit der «Banque de Belgique» und einigen weiteren Honoratioren die belgisch - französische S.A. des Mines et Fonderies de Zinc de la Vieille Montagne mit Sitz in Angleur gründete. Diese wurde bis zum Ersten Weltkrieg der Welt größter Zinkproduzent. Weitere Gruben wurden erschlossen; in Welkenraedt: St. Paul (1848- 1884), Dickenbosch (1867-1880) und Pandour (1887-1901); auf preußischer Seite Poppelsberg (Lontzen, 1851-1867), Schmalgraf (Neu- Moresnet, 1867-1932), Fossey (Walhorn, 1878-1923); sodann noch Eschbroich (1882-1931), Mützhagen (1899-1935), Lontzen (1900-1935) und Roer (1926-1938), alle drei auf Lontzener Gebiet. 1850 wurden 50.000 t Galmei gefördert, das teils an Ort und Stelle, teils in den Anlagen der Gesellschaft in Angleur bei Lüttich, in Essen- Borbeck und später in Oberhausen verhüttet wurde, was die 1871 eröffnete Bahnlinie Kelmis -Welkenraedt sehr förderte. In Neutral-Moresnet gab
104 es um 1860 14 Schmelzöfen, sechs Dampfmaschinen und seit 1850 die erste Erzwäsche. 1816 wurde mit 90 Personen gearbeitet, 1860 mit 1200; 1880 mit 1400, 1913 mit 528 und noch 1930 mit 548 Personen, wovon die Hälfte auf neutralem Boden wohnte. Bereits 1886 war die Hauptgrube wegen Erschöpfung der Vorkommen geschlossen worden. Die Erzaufbereitung arbeitete weiter mit Zulieferungen aus Belgien und Preußen, die zur Verhüttung nach Angleur verfrachtet wurden. 1913 lag die Produktion bei 1.039 t Bleierz, 61.212 t Zinkblende und 971 t Galmei. 1920 kam das Gebiet zu Belgien. Die Gesamtausbeute betrug schätzungsweise über 2 Mio t Zinkerz, davon wurden durch die Vieille Montagne (von 1837 bis 1884) 1.414.328 t gewonnen. 1926 wurde die 90jährige Konzession um weitere 40 Jahre verlängert! 1929 wurde mit dem Flottationsverfahren in Kelmis nochmals Zinkoxyd aus dem Abfallschlamm gewonnen. Dies führte jedoch nur zu einem kurzen Beschäftigungsaufschwung bis 1937. Der Betrieb am Altenberg wurde schließlich 1951 eingestellt. Kapital: Die Gesellschaft wurde, wie gesagt, 1837 gegründet mit einem Kapital von 7.000 000 bfr, das in 7.000 Aktien zu 1.000 bfr bestand. 1852 wurde eine Aufstockung um 200.000 bfr in 2.500 Aktien zu 80 bfr vorgenommen. 1861 eine weitere um 224.000 bfr (??) 1927 betrug das Gesellschaftskapital 24.000 000 bfr. in 20.000 Aktien Lit A zu 800 bfr. u. 10.000 Aktien Lit B zu 800 bfr. 1947: 24.000 000 bfr. Anleihen: 1920 60.000 000 bfr zu 6% in 60.000 Anteilen zu 1.000 bfr. 1928 100.000 000 bfr.zu 6% in 100.000 Anteilen . zu 1.000 bfr. Quelle: Jürgen Baral, Oberforstbach
105 D’r letste «ZEJES'» va Jömmelech Minge Gruesvader än Paat, B&ckesche Hary (Henri Beckers), jeboore d’r 15.2.1889 i Jömmelech, wor d’r letste «ZEJES» va St.Hubertus i Jömmelech. De metste auw Lüj könne s&ch noch a-di folklor&stesche Jestalt i-jen Kerk er&nnere. No d’r twäde Wältkre&ch bes avangs de sästejer Joore, alsue mie wi 20 Joor, dong minge Gruespap vor Anstand än Ordnong tiit de M&6&sse sörje. D’r «Schweizer», of wi mie als hondert Joor i Jömmelech jesaat, d’r «ZEJES», hauw als Vörbeld de Fijuur van de Schweizer-Gardiste. De Schweizer Jaarde woet i 1505 va Paps Julius der II. jejröndt vor höm i Rom te beschötze. Noch hüj es de Schweizer Jaarde de «Armee» van d’r Paps . De Kle&jer va d’r Zejes hant i mie wi voofhondert Joor jeändert. Avangs wor de «Montur» mie en Militäruniform, i- de letste Joorhonderte ieder en Form va j&stleche Kle6&jer. \ | N ) \ | 2 u 1 ( 4 a ; Ba „= __ Ad TS‘ 6 97 = \ JE Al "av X | Beckesche Hary (Henri Beckers), d’r letste «Zejes» va Jömmelech ' Zeje: sehr altes Wort für zeigen, anzeigen, anweisen ®
106 Minge Upa droor e Baret, ne schwatte Anzooch, en Schliep met de Klööre van et Bestom (jäl-rue), schwatte Lackschooh än en Scheffermötsch. I-jen Hand hool häe ene Staaf met en verjöldete Spetz än en rue Plüm (Quespel). Dä Staaf wor da och sie betste Stöck: Met dä Staaf z&chde häe a, wat passiede, dova d’r Naam ZEJES. Dä Naam es än blitt e-ne jans speziälle Naam ut et Jömmelecher- Platt. Ut «zeje» woet i honderte Joore d’r Naam «Zejes» a Plaatsch va «Schweizer». D’r Zejes sörjde dovör, dat i-jen Kerk bezondesch de KE&nger Respekt an Opmerksamk&6&t i-je Huuchamt hauwe. Vröjer wore de Kenger neet e-zue vörwitzech wi hüj. Manche Puute hauwe Flöp, wän d’r Zejes met sing gruete Jestalt, jraat wi-ene Pohl, d’r Meddeljank erop än eraf marschiiede. E zoor alles, mä e huet och alles. Mä e wor en bläv e-ne braave Maan. De Tiite ändere, &ngs de Vooft&cher Joore. Wi de Luurk&&ste opkaume än de Minsche wännejer no-jen Kerk jonge, waute övveral i-je Land de «Schweizer» met an met wännejer. Minge Gruesvader, dä e-ne jelööveje Minsch wor, hat met vööl Hatt an Levde di Roll utjevoolt. Minge Paat,Upa Hary, wor d’r letste ZEJES va Jömmelech. Henri Beckers, Kälmes Der letzte «Schweizer» der Pfarre Gemmenich von Henri Beckers Die älteren Einwohner von Gemmenich haben meinen Paten und Großvater Henri Beckers, geb. am 15.2.1889, noch als letzten «Schweizer» der Pfarrei St Hubertus zu Gemmenich gekannt. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis Anfang der 60er Jahre hatte mein Großvater für Ruhe und Ordnung, Anstand und Sicherheit in St. Hubertus zu sorgen. Sein Gewand war purpurfarben, die Schleife über seinem Anzug in den Farben des Bistums. Nun zu der Kleidung des «Zejes». In Wirklichkeit handelt es sich bei dem Gewand um den sogenannten «Schweizer», der seinen Ursprung in der «Schweizer Garde» hat und bereits im Jahr 1505 von Papst Julius II. zur eigenen Sicherheit und Ordnung im Palast in Rom geschaffen wurde. Die Kleidung war ursprünglich militärischer Art, wurde aber im Lauf
107 der Jahrhunderte mehr und mehr der geistlichen Kleidung angepasst. Dazu gehörten auch der talarartige lange Rock sowie Barett und der dem Pilgerstab ähnliche Stock. Zu früheren Zeiten trugen die «Schweizer» einen roten Frack, Kniehosen, weiße Strümpfe, Schnallenschuhe und als Kopfbedeckung (siehe Foto) einen sogenannten Schifferhut. Die Kleidung sollte beim Publikum einen entsprechenden Eindruck hinterlassen. Auch die Farben der Kleidung mussten denjenigen des Bistums entsprechen, also Rot und Gelb gehalten sein. In den fünfziger Jahren trug mein Großvater nur noch einen schwarzen Anzug mit einer rot-gelben Schleife, einem purpurfarbenen Barett, Stehkragen und hochglanzpoliertem spitzen Stab mit roter Quaste, schwarze Schuhe und als Unterbekleidung eine schwarze Hose. Schließlich hatte diese Tracht in weiteren Kirchen im ganzen Land Nachahmung gefunden. Der Schweizer half dem Pfarrer und die Aufgabe bestand darin, während der Gottesdienste und in den Prozessionen (siehe Foto) für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Der Hauptdienst des _ = 3 a a. # rd f a E fi k ü K FM CN . - x U a ‘ A & E DE. (8 BE A Di Ordnungsdienst des «Zejes» bei der Prozession «Schweizers» fand an Sonn-und Feiertagen statt. Der Dienst bestand im sogenannten «Wegbereiten» für den Pfarrer oder (bei ganz besonderen Anlässen) für den Bischof. Am Sonntag vor der Hochmesse wurde zunächst im Kapellengang Aufstellung genommen, dann erfolgte der Einzug durch den Mittelgang zum Hochaltar: Der Schweizer verneigte sich kurz zuvor und beendete damit seinen Wegbereiterdienst, um seinen
108 Ordnungs- und Aufsichtsaufgaben innerhalb der Kirche nachzukommen. Wurde die Predigt vom Pfarrer von der Kanzel aus gehalten, so führte der Schweizer den Prediger bis zur Kanzel und holte ihn nach Predigtende von dort wieder ab. Ansonsten wurde das Wort Gottes vom Ambo aus verkündet und gepredigt. Zu den sogenannten Nebendiensten des Schweizers, die meist in bürgerlicher Kleidung vorgenommen wurden, gehörten auch Führungsaufgaben innerhalb der Kirche. Der Schweizer achtete auch auf die Kleiderordnung. Männer oder Buben, die ihren Hut oder Mütze nicht rechtzeitig vor dem Betreten der Kirche abnahmen, wurden in höflicher Form auf die Sitte des Hutab- nehmens im Gotteshaus aufmerksam gemacht. Auch das Verzehren von Lebensmitteln während des Besuches der Kirche, wurde strengstens untersagt. Angst vor dem «Zejes» Mit seiner ehrwürdigen Haltung, seinem strengen Gesicht und seinem stets aufrechten Gang brachte mein Großvater alles mit, was man von einem Mann in dieser Position verlangen konnte. Eine Persönlichkeit, die in der St. Hubertus Kirche zu Gemmenich als volkstümliche Erschei- nung galt. Sein höfliches und entschiedenes Auftreten brachte ihm höchste Anerkennung. Allerdings verschaffte er sich durch seine bekannt strenge Aufsichtspflicht während der Schülergottesdienste in der Kirche eine Menge Respekt. Ja, es breitete sich sogar eine Art Angst unter den Schülern aus, denn der Mann mit dem Schifferhut sah und hörte alles. Zum Schluss noch ein eigenes Erlebnis mit meinem Großvater. Im Alter von 6 Jahren erhielt ich seitens meiner Mutter den Auftrag, zusammen mit meiner Oma das sonntägliche Hochamt in Gemmenich zu besuchen. Vorlaut wie ich war, zupfte ich beim Vorbeigehen meinen Großvater an seiner Uniform. Zu Hause angekommen, war es meiner Mutter sofort klar, dass ich, der ich meinen Großvater bewunderte, etwas zu weit gegangen war, worauf der Kirchgang mit einem tüchtigen Klaps auf den Hintern abgeschlossen wurde. Neben dem Dienst in der Kirche sorgten die Schweizer auch in den lokalen Prozessionen für Anstand und Ordnung und versahen nebenbei noch den Dienst des Brudermeisters. Zwei Jahrzehnte lang und bis ins hohe Alter versah mein Großvater Henri Beckers aus Gemmenich den Dienst des letzten «Schweizers» von St. Hubertus und dies alles nur «Gott zur Ehre».
109 Der Verkehrsverein der 3 Grenzen wurde 50 von Albert Stassen Im Land ohne Grenzen über die Grenzen hinweg die Hand ausstrecken: Dieses Ziel verfolgt seit nunmehr einem halben Jahrhundert der Verkehrsverein der Drei Grenzen. Für den derzeitigen Präsidenten der Vereinigung war das 50jährige Bestehen derselben der Anlass, Rückschau zu halten und die vergangenen fünf Jahrzehnte Revüe passieren zu lassen. Rechtzeitig zum 50. Jahrestag der Gründung, am 12.12.2005, legte der Präsident eine gut dokumentierte und illustrierte, 136 Seiten starke Festschrift vor, die den Werdegang und die Tätigkeiten des Verkehrsvereins nachzeichnet. Eine integrale Übersetzung des französisch verfassten Textes würde den Rahmen dieser Zeitschrift sprengen. Im Folgenden beschränken wir uns auf die Eckdaten. Bei dem Verkehrsverein der Drei Grenzen handelt es sich nicht um einen örtlichen Verein, sondern um eine regionale Vereinigung, die, ähnlich der Göhltalvereinigung, ihr Arbeitsfeld im Nordosten der Provinz Lüttich und speziell im Drei-Ländereck sieht. Als der Verein am 12. Dezember 1955 aus der Taufe gehoben wurde, bestand noch in keiner der angeschlossenen neun Gründergemeinden eine Vereinigung mit ähnlicher Zielsetzung. Solche den Tourismus fördernde Einrichtungen gab es allenfalls in den größeren Städten und den touristisch erschlossenen Ardennen. Dennoch bestanden, vor allem im Horeca-Sektor, gute Voraussetzungen für die Gründung eines Verkehrsvereins mit Schwerpunkt im Göhltal. In der Nähe der Bahnhöfe (Herbesthal, Bleyberg, Homburg, Raeren, Hergenrath...) sowie der Grenzübergänge (Gemmenich, Tülje, Eynatten, Hauset, De Planck, Moelingen...) waren Hotels und Gaststätten angesiedelt, die zum Teil auf eine lange Tradition zurückblicken konnten. Auch Moresnet-Kapelle verdient hier Erwähnung. Die Kunden dieser Häuser waren jedoch in den seltensten Fällen der Kategorie «Touristen» zuzuordnen. Es handelte sich meist um Geschäfts- und Handelsreisende. Der Fremdenverkehrsverband der Provinz Lüttich drängte auf die Gründung regionaler Verkehrsverbände, um das brachliegende Potential anzuregen und wirtschaftlich auszuschöpfen. Sieben Bürgermeister
110 (Montzen, Kelmis, Moresnet, Gemmenich, Homburg, Sippenaeken, Neu- Moresnet), zwei durch ihre jeweiligen Bürgermeister bevollmächtigte Vertreter (Remersdael, Teuven), ein Vertreter des Gaststättengewerbes (P. Vandegaar) und ein Berater (Ed. Laurent) bildeten am 12.12.1955 vor Notar Jean Xhaflaire in Montzen die zur Förderung des Tourismus notwendige Gesellschaft. Wie man sieht, gehörten diesem Gremium Vertreter der drei Spachgemeinschaften an. Teuven und Remersdael gehörten damals noch zur Provinz Lüttich. Gemeinsam hatten diese Gemeinden die frühere Zugehörigkeit zur Bank Montzen (bis 1794), aber vor allem den altlimburgischen Dialekt („Plattdütsch»), der im Alltag und in den zahlreichen Vereinen von Kelmis bis Teuven gebraucht wurde und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und der Besonderheit aufkommen ließ. Die Archive sagen nichts über die speziellen Umstände, die 1955 zur Gründung des Verkehrsvereins geführt haben. Aus dem Umstand, dass die Gründungsurkunde vor Notar Xhaflaire verfasst und besagter Notar zum ersten Vorsitzenden gewählt wurde, kann man vielleicht schließen, dass die Initiative zum entscheidenden Schritt von Xhaflaire ausgegangen ist. Schon die ersten Statuten legen als Ziel den «Schutz und die Förderung der touristischen Tätigkeiten auf örtlicher Basis sowie die bestmögliche Betreuung der Touristen» fest. Die inzwischen aktualisierten Satzungen nennen in einem acht-Punkte-Programm die dazu zu unternehmenden Schritte, und zwar: 1. den Schutz und die Aufwertung von Denkmälern, Landschaften, Kunstwerken und sonstigen Sehenswürdigkeiten; 2. den Schutz und die Aufwertung der handwerklichen Produkte, soweit sie zur Förderung des Tourismus beitragen; 3. die Erteilung von Auskünften touristischer Art, u. a. bezgl. der Beher- bergungsmöglichkeiten; 4. das Organisieren von Veranstaltungen, Festlichkeiten und Attraktionen aller Art, die zur Förderung der Ortschaften und der Region beitragen können; 5. die Aufstellung zweckdienlicher touristischer Beschilderungen; 6. die Werbetätigkeit mit Hilfe von Broschüren, Prospekten usw; 7. die Entwicklung aller sportlichen, kulturellen und folkloristischen Initiativen..., 8. den Erwerb von beweglichen und unbeweglichen Gütern, die zu ihrem Gesellschaftszweck nötig sind.
111 Die ersten Schritte der neuen Vereinigung waren wenig spektakulär. Abgesehen von einer Presserundfahrt am 12. April 1960 wurde vom Chronisten nichts Wesentliches für die Nachwelt festgehalten. Die Sprachengesetzgebung von 1963 führte zu einer administrativen Dreiteilung des Tätigkeitsgebietes des Verkehrsvereins der Drei Grenzen. Die Voer-Gemeinden wurden der Provinz Limburg zugeteilt, Kelmis und Neu-Moresnet dem deutschsprachigen Raum und im Gebiet von Welkenraedt-Montzen wurde die Dominanz des Französischen verankert. Diese Dreiteilung war nicht im Sinne des Verkehrsvereins, der beschloss, unbeschadet der neuen Sprachgesetzgebung «grenzüberschreitend» aktiv zu bleiben. In den nächsten Jahren, vor allem 1965-66, sah der Verkehrsverein die Zahl der angeschlossenen Gemeinden schnell zunehmen. Henri-Cha- pelle war der Vereinigung schon 1963 beigetreten. Es folgten Kelmis, Neu-Moresnet, Hauset, Hergenrath, Raeren und Walhorn. Eynatten, Kettenis, Lontzen und Welkenraedt blieben vorerst in Wartestellung... Bis 1972 waren dem Verkehrsverein der 3 Grenzen jedoch 18 Gemeinden beigetreten. Hatte man bis dahin gerne auf die Hilfe des VHP (Vesdre-Hoegne- Plateau) und des Fremdenverkehrsverbandes der Provinz Lüttich zurück gegriffen, so strebte der 1966 personell verjüngte Verwaltungsrat nun eine größere Autonomie an. Bald folgten erste konkrete Verwirk- lichungen: eine dreisprachige Wanderkarte des Dreigrenzenraumes (1967) wurde zu einem großen Erfolg. Gleichzeitig lief die Neugestaltung des Dreiländerpunktes und die Beschilderung der Spazierwege im Preuswald, wo die Pfadfindereinheit des Gemmenicher Kollegs unter der Führung von Herrn Joseph Langohr eingesetzt wurde. Am 9.5.1967 fand in Anwesenheit der drei Gouverneure der Provinzen Lüttich sowie Belgisch- und Niederländisch-Limburg die feierliche Einweihung des umgestalteten Areals am Dreiländereck statt. Auf niederländischer Seite wurde 1966 die «Mergellandroute» eröffnet; zwischen Epen und dem Dreiländereck wurden 600 ha Wald für die Spaziergänger erschlossen. 1970 wurden (mit staatlichen Beihilfen) weitere Wanderwege erschlossen, Parkplätze angelegt sowie Ruhebänke und Mülleimer angebracht. Es folgte die Herausgabe eines ausführlichen touristischen Prospekts in einer Stückzahl von 35.000 Exemplaren. Die frühen siebziger Jahre sind durch eine Vielzahl von touristischen Infrastrukturarbeiten geprägt, die seitens der zuständigen Behörden der
112 Provinz und des Zentralstaates intensiv gefördert wurden. Rastplätze, Grillhüten, Informationstafeln etc. konnten damals verwirklicht werden. 1977 gab sich der Verkehrsverein der 3 Grenzen einen neuen Präsidenten, der bis heute im Amt ist. Dieser sah den Schutz von Denkmälern und Landschaften als vordringlich an. Vor allem der Bau von großen Ferienanlagen (3-Grenzen-Park, Kon-Tiki, Vieux Moulin) sei problematisch, wenn sich diese Anlagen als Ghettos ohne Bezug zur örtlichen Geschäftswelt entwickelten... Ausführlich geht die Chronik auf die mit der «Vergemeinschaftung» verbundenen Probleme ein. 1984 entstand das Verkehrsamt der Ostkantone (VAO). Die damit verbundenen Fragestellungen und Probleme werden in der Chronik anhand der Korrespondenz und der Vesammlungsprotokolle eingehend dargelegt, wobei auch interne Grabenkämpfe zwischen dem Fremdenverkehrsverband der Provinz Lüttich und den angeschlossenen Verbänden nicht verschwiegen werden. Trotz mancher Unstimmigkeiten blieb der Verkehrsverein der 3 Grenzen jedoch in den Jahren 1984-1990 handlungsfähig und war bemüht, die touristische Infrastruktur weiter auszubauen. Neue Faltblätter der einzelnen Orte wurden angefertigt, die «Burgen-Route» ausgeschildert (1987), Informationsbüros eingerichtet. «In ruhigerem Fahrwasser» war der Verein in den 90er Jahren. Ein großformatiges Faltblatt mit ansprechenden Fotos und dreisprachigem Text (1991) wurde in 20.000 Exemplaren verwirklicht, erste «Ferien auf dem Bauernhof» angeboten, kleine Bodendenkmäler (z. B. die Grenzsteine des neutralen Gebietes von Moresnet) restauriert... In Gemmenich entstand ein Hotel mit Golfplatz (Mergelhof), am Dreiländereck ein neuer 50 m hoher Aussichtsturm... Alljährlich wurden die Informationen für den Besucher aktualisiert, so dass alles Wissenswerte über Sehenswürdigkeiten, Restaurants, Hotels und Pensionen, Jugendunterkünfte, Campingplätze etc im Überblick vorlag. Insgesamt eine stolze Bilanz! Am 14.9.2004 wurde die bisherige Arbeit des Verkehrsvereins der Drei Grenzen durch die Genehmigung, sich ab dem 50. Jahrestag der Gründung (12.12.2005) «königlich» zu nennen, honoriert und gekrönt.
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