I S Shltal Landschaft im Grenzraum Nordostbelgiens EZ ZZ » Zee") a A aa an SS A A ZZ ba SD OA Fo BMRMS ES A SE RAS ||| 1 [SS 2 LE > JE 2 A ZZ Zn Zi EEE EAN A Au EEE Zi A EEE BED ti BESETZEN ALLE ZZ oe ag EEE GENE a ZEITSCHRIFT DER VEREINIGUNG FÜR KULTUR, HEIMATKUNDE UND GESCHICHTE IM GÖHLTAL Nr. 73 — August 2003
Im Göhltal ZEITSCHRIFT DER VEREINIGUNG FÜR KULTUR, HEIMATKUNDE UND GESCHICHTE IM GÖHLTAL Nr; 73 August 2003 Veröffentlicht mit der Unterstützung des Kulturamtes der deutschsprachigen Gemeinschaft
Vorsitzender: Herbert Lennertz, Stadionstraße 3, 4721 Neu-Moresnet. Sekretariat: Maxstraße 9, 4721 Neu-Moresnet, Tel. 087/65.75.04. Lektor: Alfred Bertha, Bahnhofstraße 33, 4728 Hergenrath. Kassierer: Alfred Bertha, Bahnhofstraße 33, 4728 Hergenrath. Postscheckkonto Nr. 000-0191053-60. Fortis Bank: 248-0068875-35 Konto NL: AMRO-BANK: 46.37.00.090 Vaals/L Konto BRD: Aachener Bank: 821 363 012 (BLZ 390 601 80) Die Beiträge verpflichten nur die Verfasser. Alle Rechte vorbehalten Entwurf des Titelblattes: (+) Alfred Jansen, Moresnet-Kapelle. Druck.: Aldenhoff, Gemmenich - 087-78 61 13.
3 Inhaltsverzeichnis Alfred Jansen (+) Zum Umschlagbild: a Moresnet-Kapelle Das ehemalige Augustinerinnen-Stift von Sinnich Erwin Bruch Die Familie des Peter Lamberts, 10 Neu-Moresnet des Erbauers des „Alcazar“ in Eynatten Jacob Langohr Caterina va Siena 22 Bildchen Alfred Bertha Soldatenbriefe aus der 24 Hergenrath napoleonischen Zeit Willy Timmermann Kaffeegeschichte aus Hauset 38 Eupen Iwan Jungbluth Leonard Kohl genannt Nades: 40 Kelmis Ein urwüchsiger Karnevalist Joseph Lousberg Aubeck im Felde 46 Hombourg M.-Th. Weinert Rätselhaft 55 Aachen-Forst Alfred Bertha Einwohnerverzeichnisse der Pfarre 56 Hergenrath Walhorn aus dem 18. Jahrhundert (Teil 2: Astenet - Merols - Rabotrath) Henri Beckers Dat Dösske met de Püttchkere 94 Kelmis Iwan Jungbluth Die Königliche St. Paulus 95 Kelmis Schützengesellschaft Kelmis Didier Bonni Sanfter Tourismus im Göhltal 101
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a) Zum Umschlagbild Das ehemalige Augustinerinnen-Stift von Sinnich * von (+) Alfred Jansen Angelehnt an einen bewaldeten Berghang und inmitten eines prächtigen Parks, den die Gülpe durchfließt, an der Straße Sippenaeken- Teuven, dort, wo diese nach einem kurvenreichen Abstieg aus dem Wald von Beusdael das Tal der Gülpe erreicht, liegt rechter Hand etwas versteckt das ehemalige Kloster Sinnich. Der imposante, langgestreckte, zweigeschossige Bau unter Mansardendach mit siebzehn Achsen in der Vorderfront, von denen die drei mittleren mit dem Haupteingang im Risalit von je sieben Achsen symmetrisch flankiert werden, trägt die Handschrift des genialen Aachener Architekten Johann Jos. Couven, der ihn 1754 im Auftrag der damaligen Äbtissin Anna-Carolina von Berghe von Trips entwarf. Wie im Rhein-Maas-Gebiet bei repräsentativen Gebäuden üblich, besteht Sinnich aus heimischen Backsteinen, die horizontal durch einen hellen Kalksteinsockel sowie ein Kalksteinband über dem zweiten Geschoss gegliedert sind. Vertikal wird die lange Vorderfront durch Blausteinrahmen, die den Mittel- und zwei Eckrisalite von einander abheben, aufgelockert. Der Mittelrisalt wird bekrönt von einem mächtigen Ziergiebel unter geschwungenem Dach, den das Wappen der Bauherrin mit der Jahreszahl 1754 ziert. Das gleiche Wappen findet sich in der Stirnseite der großen zum Haupteingang führenden Freitreppe, hier mit der Jahreszahl 1756. Im Erdgeschoss befinden sich 8 große Räume, die ursprünglich der Äbtissin und ihren Gästen vorbehalten waren. Im Obergeschoss lagen der Kapitelsaal und die Räume der Schwestern. Im großen Klosterpark sprudelt die Quelle der seligen Maria (Fons Beatae Mariae), die der ganzen Anlage auch ihren Namen gegeben hat. Poswick beschreibt Sinnich wie folgt: „Durch ein schönes Portal führt eine Allee zu einem Hof. Links befanden sich die frühere Brauerei und die Krankenstation, heute Wohnhaus und Stallungen des Pächters des Bauernhofes. * Aus G. Poswick, G., Les Delices du Duche de Limbourg, Verviers 1951, S. 265-276
6 Rechts lagen die heute zum großen Teil abgerissenen Pferdeställe und Scheunen. Vor dem Besucher liegt die ehemalige Klosterkirche. Im Nordwesten des Turms erstreckte sich der Wohntrakt der Äbtissin und der Kanonissinnen, im Osten die Wohnung des Klostergeistlichen und die Unterkünfte des Dienstpersonals. Diese Gebäulichkeiten umschlossen einen kleinen Innenhof.“ j Von der ursprünglichen Anlage des Stiftes Sinnich, das für adlige Damen gedacht war, können wir uns heute nur noch schwer eine genaue Vorstellung machen. Es war eine im Viereck gebaute geschlossene Anlage, deren innen gelegener Kreuzgang den Friedhof der Schwestern umschloss. Der Ursprung dieses adligen Stifts geht auf das Jahr 1243 zurück, als den bis dahin in Rolduc/Herzogenrath ansässigen Augustinerinnen durch den Lütticher Fürstbischof Robert de Langres die Genehmigung erteilt wurde, im Tal der Gülpe ein neues Kloster zu errichten... In der limburgischen Herrschaft Rolduc hatte 1101 ein Kathe- dralpriester von Tournai, der Prämonstratenser Ailbert, eine Abtei- gründung vorgenommen, deren Kirche 1108 durch den Lütticher Bischof Otbert konsekriert wurde. Die Mönche dieser Abtei lebten seit 1139 nach der Regel des hl. Augustinus. Der Männerabtei folgte sehr bald ein Frauenkloster, von dem aus neue Gründungen ausgingen, nämlich in Marienthal (D) und in Schaarn bei Maastricht. Die drei Frauenklöster standen unter der Leitung des Abtes von Rolduc. Da diese Häuser sich sehr günstig entwickelten, suchte Abt Marsilius zu Beginn des 13. Jahrhunderts nach einem passenden Ort für eine Neugründung, wo alle Schwestern zusammen leben konnten. Das Kloster Rolduc verfügte über Grund und Boden in Teuven; so fiel die Wahl für das neue Damenstift auf diesen Ort. Ende 1243 konnten die Schwestern den Klosterneubau beziehen. Der Weiler besaß schon zwei Kapellen, die eine in Obsinnich, die andere in Niedersinnich (Sinnich). Eine eigene Kapelle erhielten die Schwestern erst gegen Ende des 13. Jahrhunderts. Diese nahm den südöstlichen Flügel des Priorats ein. Eingeweiht wurde sie im Jahre 1297. Es war ein langgestreckter Rechteckbau mit Tonnengewölbe in Holz und Westturm. In einer kleinen, der hl. Barbara geweihten Annexkapelle, befanden sich die Grabmäler der Herren von Beusdael. 1760 wurde die Klosterkirche auch für die Gläubigen der Umgebung zugänglich. Für sich behielten die Schwestern lediglich den Chorraum.
7 A | | ‚I SV DR 17 iM A 7 Der romanische Turm und Reste des Kirchenschiffes erinnern noch heute an die ehemalige Klosterkirche von Sinnich, (Foto A. Jansen) Während mehr als fünf Jahrhunderten erlebte das adlige Damenstift von Sinnich alle Höhen und Tiefen. Auf Zeiten des Wohlstands folgten solche der Armut und Not, auf religiösen Eifer Lockerung von Disziplin und Moral. Man weiß, dass es den vermögenden und selbstbewussten adligen Damen nicht immer leicht gefallen ist, sich in ein frommes Klosterleben zu fügen... Die Anwandlungen von Selbständigkeit und Freiheit wurden dadurch begünstigt, dass die Klosterfrauen beim Eintritt in die Gemeinschaft nur sehr beschränkte Gelübde ablegten. Sie verwalteten weiterhin ihr eigenes Vermögen und konnten auf Wunsch in ihre Familie zurückkehren. Wen wundert es, dass unter solchen Bedingungen die Klosterdisziplin sich lockerte? Eine Reform des Klosterlebens versuchte erstmals gegen Ende des 15. Jahrhunderts die aus Walhorn stammende Äbtissin Maria von Walhorn (1487-1508). Wie die „Annales Rodenses“ berichten, geschah dies auf Initiative des Abtes von Rolduc, der 1495 vier ursprünglich mit einer Klosterneugründung betraute Schwestern aus Holtzem bei Neuss nach Sinnich berief mit dem Auftrag, dort die herunter gekommene Klosterdisziplin zu erneuern. Die Nachfolgerin der Maria von Walhorn war die mit 25 Jahren zur Äbtissin gewählte Odilia von Ratloe. Diese führte nicht nur die
8 eingeleitete Reform energisch und zielstrebig weiter, sondern brachte das Kloster auch zu einer neuen wirtschaftlichen Blüte. Mit einer kurzen Unterbrechung führte sie das Kloster bis zu ihrem Tode im Jahre 1571. Sie erreichte das hohe Alter von 88 Jahren. Eine beachtenswerte Persönlichkeit war auch die Äbtissin Katharina von Golstein, 1644-1655. Sie widersetzte sich mit Erfolg den Versuchen des Herrn von Draeck, den Hof und die Herrschaft von Sinnich an sich zu reißen. Der von der Äbtissin eingeschaltete Brabanter Oberhof sprach dem Herrn von Teuven lediglich die Hochgerichtsbarkeit über Sinnich zu. Von 1676 bis 1712 stand Isabelle von Schwartzenberg der Abtei Sinnich vor. Fast ununterbrochene Kriege verheerten das Limburger Land und: Sinnich erlebte einen bedrohlichen Niedergang. Zeitweise sehen sich die Stiftsdamen sogar gezwungen, ihr Kloster an der Gülpe zu verlassen und in Aachen ein Refugium aufzusuchen. Als die Äbtissin Anna-Carolina von Berghe von Trips im Jahre 1747 die Leitung der Abtei übernahm, sah sie es als ihre vordringlichste Aufgabe an, die herunter gekommenen Baulichkeiten wieder in Stand zu setzen bzw. zu erneuern, die in den Wirren des 17. Jahrhunderts verloren gegangenen Einkünfte des Stiftes für die Zukunft zu sichern und die Klosterdisziplin wieder zu straffen. Unter Kaiser Joseph II., als die rein beschaulichen Orden aufgehoben wurden und auch Sinnich dieses Schicksal drohte, richteten sich die Schwestern an die Limburger Stände und legten dar, dass sie für die Bevölkerung von Nutzen seien. U. a. schrieben sie: „Das Kapitel von Sinnich war immer bestrebt, sich den Mitmenschen nützlich zu zeigen. Regelmäßig hat es Gottesdienst gefeiert, an dem auch die Anwohner teilnahmen. Die bedürftigen Familien der Nachbarschaft und Umgebung wurden durch bedeutende Zuwendungen unterstützt, besonders wenn sie im Falle von Krankheit keine anderen Einnahmen hatten. Den armen Kranken haben wir mancherlei Linderung verschafft durch Fleischsuppen, Kleidung, Wein, Medikamente, Wäsche usw. Während der Ruhrepidemie haben wir diese Zuwendungen noch erhöht, und wir sind entschlossen, es auch weiterhin zu tun...‘ Die Abtei Sinnich erlebte einen kurzen Gnadenaufschub. Letzte Äbtissin von Sinnich war Gertrude Francoise Heusch de la Zangrie. Bald brach die französische Revolution über unser Land herein und die Äbtissin musste sich mit ihren Mitschwestern im Dezember 1794 nach Köln zurückziehen. Am 19. Mai 1795 kehrten sie nach Sinnich
9 zurück, doch schon am 1. September 1796 wurden alle religiösen Orden durch Gesetz aufgehoben. Der Abteibesitz wurde durch den französischen Staat verkauft und durch den früheren Klostereinnehmer Karl Joseph Reul erworben. Nach dessen Tod geht Sinnich 1809 durch Kauf an Jakob-Ernst Soumagne, dessen Tochter Clementine die frühere Abtei im Jahre 1846 an Emmanual-Victor Coenegracht verkauft. Auf dem Erbwege kommt Sinnich an dessen Sohn Eugene Coenegracht, dessen Tochter Marie- Christine-Eugenie den Grafen Arnold de Secillon heiratete. Lionel de Secillon, letzter Bürgermeister von Teuven, trennte sich von dem alten Klosterbau, der nach einem zweiten Verkauf in den Besitz eines niederländischen Industriellen (Dassen) überging. Nach umfangreichen Arbeiten und Anlage eines großen Parks in den frühen 90er Jahren des letzten Jahrhunderts ist das ehemalige adlige Damenstift (leider) mehr und mehr hinter einer immer dichter werdenden Vegetation verdeckt. Quellen G. Poswick, a. a. O. Brouwers, D., Histoire du Chapitre Noble de Sinnich, Bulletin de la Societe vervietoise d’Archeologie et d’Histoire, 5, 1903 Cravatte, Ch., Regards sur le passe de la r&gion des Trois Frontieres: L’ancien prieure des chanoinesses nobles de Sinnich, in Le Courrier, 15. u. 16.2.1974 Ders., Das adlige Stift zu Sinnich, in Grenz-Echo, 9.2.1974 De Fossa, Paul-Andre, Chäteaux en terre vervietoise...Sinnich, une ancienne Abbaye de Dames, in Le Courrier, 8.4.1977 Dubois, F., Notes historiques sur Teuven, 0. J. Gielen, V., Das adlige Damenstift von Sinnich, in Im Göhltal, Nr. 46, 1990, S. 48 Ministerium der flämischen Gemeinschaft (Hrsg.), Bouwen door de eeuwen heen, S. 168-172, mit weiterführenden Literaturangaben.
10 Die Familie des Peter Lamberts, des Erbauers des „Alcazar‘‘ in Eynatten von Erwin Bruch Das imposante Herrenhaus an der Lichtenbuscher Straße Nr. 17 in Eynatten wird im Volksmund meist „Alcazar‘ genannt. Wann diese arabisch-spanische Bezeichnung (Alcazar = Burg, Schloss, Palast) für das schöne Bürgerhaus aufgekommen ist, lässt sich nicht mehr sagen, ist aber bezeichnend für den außergewöhnlich reich ausgestatteten Bau, dessen Erbauer die Eheleute Peter Lamberts und Maria Emonts waren; deren Initialen sich neben der Jahreszahl 1734 in einer Kartusche über der Haustüre befinden. Der Familienname LAMBERTS ist in Eynatten stark vertreten, und dies bereits mit dem Beginn der Kirchenbücher im Jahre 1676!. Obwohl Eynatten davor zur Mutterpfarre der Bank Walhorn, Sankt Stephanus in Walhorn, gehörte, deren Kirchenbücher Anfang des 17. Jahrhunderts beginnen, sind die weiteren Vorfahren der Eynattener Lamberts dort nicht zu finden. Es gibt zwei Zweige, die mit Friedrich (Fredericus) und Mathias LAMBERTS beginnen. Die zahlreichen Patenschaften zwischen den beiden Zweigen und die Namensgebungen lassen vermuten, dass es sich hier um Brüder handelt, deren Vater ebenfalls Friedrich hieß. In dieser Arbeit wollen wir uns für einen Teil der Nachkommen von Friedrich LAMBERTS interessieren, dessen Enkel Peter LAMBERTS den „Alcazar‘“ erbauen ließ. I Friedrich LAMBERTS. Er wird erwähnt in einem Protokoll der Schöffen von Walhorn vom 10.2.1671 als Schwiegersohn von Dietrich Peltzer, ist gest. am 7.4.1697 in Eynatten. Er heiratete in erster Ehe Elisabeth PELTZER, gest. 26.7.1680 in Eynatten, Tochter von Dietrich Peltzer, und in zweiter Ehe am 15.2.1681 in Eynatten (Zeugen/Z: Lambert Lennertz, Elisabeth Lennertz, Maria Friol), Anna Margaretha FRIOEL, gest. am 6.5.1706 in Eynatten. Die Taufen der Kinder aus erster Ehe sind weder in den Kirchenbüchern von Eynatten, noch in denen von Walhorn zu finden. Ohne Zweifel? gehört zu diesen Kindern der Eynattener Einnehmer Lambert LAMBERTS (siehe II). Zu der weiteren Nachkommenschaft aus erster Ehe gehört sehr wahrscheinlich auch Friedrich LAMBERTS
MM (1740-1805), der Pfarrer von Weiswampach war. Für die vielfach weitergegebene Überlieferung, er sei der Anführer des Klöppelkrieges gewesen, gibt es keine Beweise?. Aus zweiter Ehe findet man folgende Kinder in den Eynattener Kirchenbüchern: 1) Johanna Maria, get. 1.2.1682 in Eynatten (P(aten): Franciscus Wilhelm N. aus Brachel, Regina Wilt, Johanna Margaretha von Vlatten) 2) Paschasius, get. 17.4.1683 in Eynatten (P: Arnold Rotheut, Christina Brewer, Johann Gubbel) 3) Maria, get. 4.3.1685 in Eynatten (P: Petronella Wilf, Elisabeth Francquir, Lambert Peltzer) 4) Johann Joseph, get. 13.9.1686 in Eynatten (P: Johann Jakob Arnold von Vlatten, Maria Agnes de Hasquen) 5) Johann, get. 21.1.1691 in Eynatten (P: Mathias Beckers, Johanna Naedenoen) Diese Kinder findet man später nicht mehr in den Kirchenbüchern. II Lambert LAMBERTS, gest. 3.10.1726 in Eynatten, Königlicher Notar, Schöffe der Bank Walhorn, Einnehmer von Eynatten, Abgeordneter der Generalstaaten des Herzogtums Limburg“; erklärt am 22.8.1695, durch die Lüneburger Truppen Schäden in Höhe von 40 Pattacons erlitten zu haben®; er stiftete 1710 für die Pfarrkirche von Eynatten® eine neue Kanzel, die das Datum des 2.6.17107 trug. Dieser Lambert Lamberts heiratete am 27.6.1683 in Eynatten (Z: Leonard Barth, Wilhelm Lamberts, Hubert Lamberts, Elisabeth Lamberts, Anna Peucken) Catharina BARTH, gest. 15.10.1722 in Eynatten. Das Testament der Eheleute Lamberts-Barth wurde am 19.3.1722 durch die Schöffen der Bank Walhorn protokolliert. Diese beurkundeten auch 1729 die Erbteilung der Kinder: 1) Johann Friedrich®, get. 1.6.1684 in Eynatten (P: Johann Carolus de Dieden de Malatesta, Maria Elisabeth Lamberts, Johann Peltzer, Thecla, Ehefrau des Hubert Kurgen), gest. 29.1.1729 in Brüssel, beg. am 1.2.1729 in Brüssel (Ste. Anne), Bankier und Kaufmann in Brüssel, heiratete am 3.9.1721 in Brüssel/Ste. Gudule Barbe VAN SCHOOR (Z: Michel und Jean-Baptiste van Schoor, Vater und Onkel der Braut) get. 24.9.1701 in Brüssel (St. Nicolas, P: Jean Verreycken, Barbe van der Vinne), gest. 30.5.1774 in Brüssel, beg. 3.6.1774 in Brüssel (Ste. Gudule), Tochter von Michel van Schoor und Catherine Verreycken. Bei der Erbteilung seiner Eltern im Jahre 1729 war er tot, dabei werden erwähnt
12 seine Witwe Johanna Barbara van Schoor und sein unmündiger Sohn Joan Frederik Joseph Lamberts. Laut einem Protokoll der Schöffen von Walhorn vom 24.2.1744 war sie verheiratet in zweiter Ehe mit Joseph Wilhelm Helman, sie hatten 2 Kinder, die aber beide als Kleinkinder gestorben sind. 2) Elisabeth, get. 11.5.1686 in Eynatten (P: Peter Wilf, Christopherus Meessen, Margaretha von Vlatten, Maria , Ehefrau des Michael Kutgen), gest. 6.9.1693 in Eynatten 3) Peter, get. 28.3.1688 in Eynatten (P: Hubert Lamberts, Elisabeth Lamberts), siehe III 4) Catharina, get. 4.3.1691 in Eynatten (P: Sigismund de Lamboy, Elisabeth Moresnet, Ehefrau des Leonard Barth, Jan Wilt), gest. 25.6.1721 . in Kettenis, sie heiratete (dedi dimmissoriales für ihn nach Eynatten am 30.1.1711 in Kettenis) am 31.1.1711 in Eynatten (Z: Peter Lamberts, Maria Lamberts, Gerhard Müller) Mathias THISQUEN, Steuereinnehmer („Schatzheber“‘) von Kettenis, geb. ca. 1690, gest. 5.3.1764 in Kettenis, Sohn von Johann Thisquen und Gudula Burger?. Unter ihren Kindern waren Johann Thysquen, königlicher Notar, und Hubert Thysquen, Förster der königlichen Wälder. 5) Maria, get. 5.4.1693 in Eynatten (P: Gerhard Bardt, Maria Welter, Ehefrau des Mathy Lorent), gest. 6.8.1767 in Eynatten, heiratete in erster Ehe am 12.12.1711 in Eynatten (Z: Jakob Hausman, Gerhard Bardt, Barbara Müller, Catharina Schiffer) Peter CARDOLL, gest. 12.12.1744 in Eynatten, und in zweiter Ehe am 17.6.1746 in Eynatten (Z: Mathias Thisquen, Petronella Legyptien) Mathias BEYER. Laut einem Protokoll der Schöffen von Walhorn vom 12.3.1754 war sie Witwe des Schöffen Johann Beyer von Burtscheid; sie scheint keine Kinder gehabt zu haben. 6) Johanna Elisabeth, get. 26.4.1697 in Eynatten (P: Peter Havenith, Margaretha Frioel, Witwe des Friedrich Lamberts, Cecilia Kutgens, Ehefrau des Simon Gubbel), heiratete am 16.4.1723 in Eynatten (Z: Nicolaus Daelen, Bruder, Maria Gertrud Lamberts) Egidius DAELEN, get. 26.7.1695 in Baelen (P: Walram Dahll, Anna Elisabeth Pessers), Sohn von Walram Dahlen und Eva Maria Pesser, sie hatten mehrere Kinder, die in Baelen, Membach und Welkenraedt getauft wurden. 7) Anna Maria, get. 24.2.1699 in Eynatten (P: Friedrich Lamberts, Anna Maria de Dieden), über sie ist nichts Weiteres bekannt. 8) Maria Gertrud, get. 24.8.1702 in Eynatten (P: Maria Gertrud Schmitz, N. Gobler, Magister in Walhorn), sie heiratete am 9.2.1725 in Eynatten (Z: Sebastian Newlens, Agnes Theresia Daelen, Johanna
14 PA a (SS E ZA De aD SE Pe { A E 0 YA EZ EZ PP e VS Sn } AAN . BEE EEE EEE Al 8 ES EEE LE 1 EA CSA | HE Be CR | LE Kr ne 1] HS AL} LE va a BA Ahle ZZ BC a) BE DE BEN a WE SE Urne WW na Ca A 4° SM 0 Sa = Al Ds ES G- x 4 y Pe SM ah KR Se a WA a Ba ka Der „Alcazar‘“ in Eynatten, erbaut 1734, ein schönes Beispiel großbürgerlichen Wohnens im 18. Jahrhundert (Foto A. Bertha) der Schwägerschaft 4. Grades!?; sie heiratete am 31.12.1752?° in Eynatten (auch eingetragen in Kornelimünster am 7.7.1755, Z: Hyacinth Friedrich Lambrichs, Peter Lamberts) (Z: Nicolaus Lambrichs, Maria Lamberts, Maria Catharina Lamberts) Johann Peter Theodorus LAMBRICHS, get. 4.10.1714 in Kornelimünster, gest. 29.9.1781 in Eynatten, Witwer aus erster Ehe von Eva Offermans, Forstmeister der Abtei Kornelimünster, Sohn des Gerichtsschreibers Johann Paul Lambrix und Anna Maria Elisabeth Pagen, sie hatten 8 Kinder:
15 a) Charlotte Wilhelmina Maria Franziska, get. 9.10.1753 in Kornelimünster, gest. 15.1.1828, heiratete am 20.4.1793 Johann Aloys WERTZ, get. 5.1.1773 in Eynatten, Sohn von Cornelius Wertz und Johanna Maria Fober b) Peter Hyacinth Lambert, get. 23.3.1755 in Kornelimünster c) Anna Barbara Clara Petronella, get. 7.3.1757 in Kornelimünster, erbte den "Alcazar"; heiratete am 20.11.1778 in Kornelimünster (Z: Vikar Hubert Ernst, Wilhelma Lambrichs) Johann Arnold KESSEL, get. 8.5.1757, Sohn von Renerus Kessel und Margaretha Kutgen, Schöffe von Walhorn, Bürgermeister von Eynatten von 1794 bis 1796, und von 1801 bis 1806?!, verkaufte am 30.10.1839 den "Alcazar" an Franz Bosten ?2, En } WE 4 1 N de Ba RO a Sa S 25 LS A ku, EEE 1 as a 21 SD DC Mi SEN EEE OT an i sr. ER a RM A|. N EZ RE SS \ Y Auffallendes Schmiedewerk im Eingangsbereich des Hauses. Die kleine Kartusche über der Tür gibt die Initialen der Erbauer und die Jahreszahl 1734. (Foto A. Bertha)
16 Kinder: 1) Peter Renerus, geb. Klein Eynatten, get. 11.11.1779 in Eynatten (P: Mathias Lambrichs für Peter Theodor Lambrichs aus Kornelimünster, Margaretha Keutgen) 2) Barbara Isabella, get. 3.12.1781 in Eynatten (P: Barbara Isabella Lambrichs Wwe, geb. Lambertz, Renerus Kessel rector communitatis d'’Eynatten), sie heiratete am 17.4.1805 in Eynatten (Z: Johann Wilhelm Kessel, Maria Ludovica Grand Ry) Henri Joseph GRAND RY, Bürgermeister von Eynatten von 1806 bis 1809, Sohn von Nicolas Grand Ry und Maria Catharina Schwartzenberg. Kinder: S 3) Johann Wilhelm Hubert, get. 26.11.1785 in Eynatten (P: Johann Hennen Pastor in Hergenrath, Wilhelmine Charlotte Lambrichs) 4) Franz Leopold Joseph, get. 25.6.1788 in Eynatten (P: Mathias Joseph Lambertz aus Eupen, Maria Anna Leopoldine Lambrichs Witwe Cornelius Graff aus Stolberg), Bürgermeister von Woluw&-Saint-Lambert von 1816 bis 1819 5) Margaretha Caroline, get. 21.1.1791 in Eynatten (P: Mathias Cornelius Lambrichs, Maria Sibilla Römer, Ehefrau des Andreas Joseph Franssen) 6) Carl Ludwig Lambert, geb. op gen Treppchen, get. 25.5.1793 in Eynatten (P: Renerus Kessel für Lambert Hyacinth Lambrichs, Maria Anna Klein?3, Ehefrau des Friedrich Lambertz), Besitzer von 1812 bis 1829 des "Chäteau Malou" in Woluw&-Saint-Lambert, das er von seinem Onkel Lambert de Lamberts geerbt hatte.?+ d) Mathias Theodor Carl, get. 19.6.1759 in Kornelimünster e) Hyacinth Lambert, get. 21.4.1761 in Kornelimünster, Bürgermeister von Eynatten von 1800 bis 1802, er heiratete am 9.3.1799 in Eynatten (Z: Maximilian Leopold Bounie, Maria Catharina Bounie) Johanna Maria BOUNIE, get. 26.5.1766 in Hergenrath, Tochter von Nicolaus Bounie, Notar, Schöffe von Walhorn und Lontzen, und Catharina Maria Caen f) Mathias Carl Friedrich, get. 17.5.1763 in Kornelimünster g) Johann Nicolaus Jakob, get. 17.4.1767 in Eynatten (P: Johann Nicolaus Jakob Smets, Anna Catharina Birven Ehefrau Heyendall) h) Maria Theresia Theodora, get. 3.4.1770 in Eynatten (P: Carl Theodor Lambrichs, Maria Theresia Ahn für Maria Theresia Lambertz), gest. 7.4.1775 in Eynatten Y
17 2) Lambert, get. 25.9.1727 in Eynatten (P: Bartolomäus Aan, Barbara Lamberts, Ehefrau Schorn?>), gest. vor 1809, er wurde am 27.2.1769 durch Kaiserin Maria-Theresia geadelt, lebte in Brüssel. Beschreibung seines Wappens: "coupe: a) de gueules ä l'agneau passant d’argent: b) d’or ä trois trefles de sinople 2 et 1. Cgq. cour.: (trois fleurons). L.: d'argent et de gueules. C.: un mouton naissant d'argent. "26, laut seinem Adelsdiplom waren sein Vater und seine beiden Großväter Mitglieder der Generalstaaten des Herzogtums Limburg?7, er kaufte in Woluw&- Saint-Lambert das vorher den Jesuiten gehörende Anwesen "Speelgoet", das er 1776 durch ein kleines Schloss ersetzen lässt. Ein Stein in der Fassade des Schlosses trägt die Inschrift "Mr L. DE / LAMBERTS / EDIFICAVIT / MDCCLXXVI", (d. h. L. de Lamberts erbaute das Haus 1776), das Schloss ist heute bekannt unter dem Namen eines seiner späteren Besitzer als "Chäteau Malou"?8, Ob er Nachkommen hatte, ist nicht bekannt. 3) Carl Wilhelm Joseph, get. 19.2.1730 in Eynatten (P: Maria Lamberts, Carl Hermann Emonts), gest. 18.6.1752 in Eynatten 4) Johann Friedrich, get. 15.7.1732 in Eynatten (P: Aegidius Dalen, Margaretha Gast), über ihn ist nichts Weiteres bekannt. (em — WR PA a 8 F‘ 7 ET DT F 7227. 3 | HH: Lu d{T, a X BE 8} =. 3 Ef MM 188 Hm . ET Mr £ "SH Dh CN I 7 HE DE E N } 5. en Das „Chäteau Malou‘“ in Woluw&e-St-Lambert (Foto E. Bruch)
18 Sa A 9 2 252C°7°7H 7A? A v7 # na z - +5 BE - EN. A TE Der Stein des Erbauers am «Chäteau Malou» (Foto E. Bruch) } rg A } WR V 3 Sn f X JS |) SA UN TE KU Sn A W 1 L ® WW 8 A UN % ‚{ “ NA (3 f* x ; A 5 SS Ku ED. 1 Ba Komme A ne ER WE KO A EU ey TE 36 el ] Dr ESSEN Wappen des Lambert Lamberts nach dem Adelsbrief vom 27.2.1769 (Aus Armorial du Duche de Limbourg et des pays d’Outremeuse, Lens, 1947)
19 5) Maria Catharina Ida, get. 22.5.1736 in Eynatten (P: Nicolaus Noellens, Maria Ida Emons), gest. 20.10.1760 in Eynatten 6) Maria Theresia, get. 1.1.1739 in Eynatten (P: Johann Peter Tappers, Anna Magdalena Bertholf de Belven de Roederen) Soweit die Darstellung der Familie von Peter Lamberts. Mit dem Verkauf des Alcazars am 30.10.1839 an Franz Bosten verließ dieser jedoch nicht endgültig die Familie Lamberts, sondern wechselte in den Zweig des eingangs erwähnten Mathias Lamberts. Die folgende Aufstellung ergibt eine kurze Übersicht der verschiedenen Besitzer des Alcazars?? und die jeweilige Beziehung zur Familie Lamberts: 1. Peter Lamberts lässt 1734 den Alcazar erbauen. Er stirbt am 11.4.1762 in Eynatten. 2. Barbara Isabella Lamberts erbt den Alcazar von ihrem Vater. Sie heiratete Johann Peter Theodor Lambrichs. 3. Anna Barbara Clara Petronella Lambrichs erbte den Alcazar von ihren Eltern, sie heiratete Johann Arnold Kessel. Sie verkauften am 30.10.1839 den Alcazar an Franz Bosten. 4. Franz Bosten vererbte den Alcazar an seine Tochter Therese Bosten. 5. Therese Bosten war verheiratet mit Karl Ludwig Vecqueray®®; dessen Mutter war Maria Theresia Lambertine Lamberts. 6. Mathias Geron kauft den Alcazar am 30.7.1902 von den Erben der Eheleute Karl Ludwig Vecqueray und Therese Bosten. Die Eltern von Mathias Geron waren Wilhelm Geron und Anna Catharina Lamberts. 7. Nach dem Tode ihrer Eltern erben die beiden Töchter Catharina und Barbara Geron den Alcazar. Sie verkaufen ihn später. Etwas mehr als 100 Jahre, nachdem Peter Lamberts den Alcazar erbauen ließ, verkauft ihn seine Enkelin. Danach kommt er in den Besitz von Mitgliedern des anderen Stammes der Familie Lamberts in Eynatten. Wieder etwa 100 Jahre später verlässt er dann die weitverzweigte Familie Lamberts. Dem „Chäteau Malou‘ in Woluwe&-Saint-Lambert“ erging es nicht anders. Nachdem Lambert de Lamberts es 1776 hatte erbauen lassen, verkaufte es Karl Ludwig Lambert Kessel 1829 an Pierre Van Gobbelschroy, der während der holländischen Zeit mehrmals Minister war. Seinen jetzigen Namen „Chäteau Malou‘* verdankt das Schloss
20 seinem späteren Besitzer Jules Malou (1810-1886), der ebenfalls Minister war und später Vize-Gouverneur der Societ& Generale de Belgique?! wurde. !_ Die Verkartung der Eynattener Kirchenbücher wurde erstellt durch H. Tichelbäcker und wurde veröffentlicht auf der CD-Rom WGfF-2 der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde. 2 Insbesondere tragen die beiden ersten Kinder die Vornamen der Großeltern (Friedrich und Elisabeth). 3 Siehe: 1) Wämper Chronik, Fanfare Weiswampach, 1988; 2) Friedrich Lamberts, Pfarrer von Weiswampach 1765-1805, Jean Malget, in „De Cliärrwer Kanton“, 3/ 1998, S. 74-86. 4 Guillaume Grondal, Eynatten - Notices Historiques, 1962, S. 64. 5 Walter Meven, Die "Herrlichkeit" Eynatten, in „Im Göhltal“ Nr. 29, S. 39 bis 44, 1981 (in Eynatten am 17. und 18. August 1695 erlittene Schäden durch Lüneburger Truppen). 6 Joseph Becker, Eynatten, Veröffentlicht durch Erich Barth und Leo Kever, 1973, S. 14 & 109. 7 Guillaume Grondal, a. a. O., S. 13. 8 Siehe: 1) Jean-Henri de Crumpipen (1693-1769) et ses descendants - Annexe: La famille van Schoor, Baron Roland d’Anethan, L’Intermediaire des GEnealogistes, XLIX, N° 290, 2/1994, Seite 73 bis 90 ; 2) La Coll&giale des Saints Michel et Gudule - Table des anciennes €pitaphes, Michel P. Vanwelkenhuyzen, L’Intermediaire des Gen&alogistes, LI, N° 302, 2/1996, pages 82 a 103. 9 Sie heiratete in zweiter Ehe Heinrich Lamberts, der aber nicht zu dieser Familie gehört. Ihr Sohn Nikolaus Lamberts war Schultheiß der Bank Walhorn. 10 Für diesen Namen gibt es zahlreiche Schreibweisen in den Kirchenbüchern, zum Beispiel Nolens, Nuellens, Nullens... 11 Alfred Bertha, Ein Pachtvertrag über den Gutshof der Eyneburg, in „Im Göhltal“ Nr. 37,5.93 bis 95. 12. Vom Schicksal der Hergenrather Kirchenbücher, Walter Meven, Im Göhltal, Nr. 60, S. 38 bis 52. 13 Joseph Becker, a. a. O., S. 17. 14 Ebda, S. 87. 15 Guillaume Grondal, a.a.O., S. 64. 16 Bilder und Beschreibung des Hauses in Le Patrimoine Monumental de la Belgique, Wallonie, Tome 12-3, Pierre Mardaga Editeur, 1984, S. 1173-1175.
21 17 Guillaume Grondal, a.a.0. S. 64. 18 Luise Freiin von Coels von der Brügghen, Die Lehensregister der Propsteilichen Mannkammer des Aachener Marienstifts, Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde LII, 1952, S. 172. 19 Die Kölner Generalvikariatsprotokolle als personengeschichtliche Quelle für die Orte Eilendorf, Gressenich, Kornelimünster, Lohn, Schevenhütte, Stolberg, Vicht und Zweifall bis 1765, Genealogie ohne Grenzen, Nr. 46, S. 1226-1231. 20 Warum diese Heirat sowohl 1752 als 1755 eingetragen wurde, konnte bis jetzt nicht ergründet werden. 21 Guillaume Grondal, a. a. O., S. 64. 22 Ebda, S. 65. 23 Ihr Name ist im Kirchenbuch so angegeben, sie hieß jedoch Dahlen! 24 Le chäteau Malou, od !'histoire le dispute A la culture, M. Villeirs, Musge Communal de Woluw&-Saint-Lambert, journ&e du patrimoine du 13 septembre 1992. 25 Bis zur Klärung der Heirat seines Onkels Johann Friedrich Lamberts in Brüssel war diese Patin, ohne genaue Angaben zur Person ihres Ehemannes noch ihrer Herkunft, eine der vielen offenen Fragen, mit denen man in der Familienforschung regelmäßig konfrontiert wird. 26 Armorial du Duche de Limbourg et des pays d'Outremeuse, Lens, 1947. 27 Guillaume Grondal, a. a. O., S. 64. 28 Le chäteau Malou, Siehe Fußnote 24 29 Siehe auch: Grondal, a.a. O., S. 64. 30 Zur Familie Vecqueray, siehe Erwin Bruch, Die Familie Vecqueray in Eynatten, in "Im Göhltal" Nr. 55, 1994, S. 100 — 112. 31 Le chäteau Malou, 00 !'histoire le dispute A la culture, M. Villeirs, Musge Communal de Woluw&-Saint-Lambert, journee du patrimoine du 13 septembre 1992.
22 Caterina va Siena Astenet erob, do ob dä Kop, es e Kapellche, dat es ömmer op. Mänchenge, dä die Streck deet vaare, höllt do ens ä, vö6r „Daach“ te saare. Hej wät met e Jebättche, wat me jeliet, Caterina va Siena stell jeiet. Va a-jen Stroot do siss de et flimmere, ü die Käezkere, die va bännes schimmere. Et brennen er vööl bej hellem Daach, schinge och als Lech de janze Naat. Va Käezeschwaam die Steng belaat, van die Offere, die hej wäede braat, wue Dank än Rot se dönt hej brenge Än könne Truest do stellekens venge. Hej hange Kränzkere än Blomestrückskere Än och mänch Ruesekränzke e-je Hückske. Och hengt mänch Kengerbellche dra, beschötz se helleje Vrow va Siena! Ding Statue als Sennbeld steet, als Mahnong van die Einfachkeet. Schings a döön te saare, die brenge hönn Led, Minsch, denk an de Verjänglechkeet. Vö6öl Tafele hange met Dank än Jroß Va döön, die vonte hej der Truest. Wä van ding Aura es jevange, jestärkt än vrej va hej jejange. E die Kapellche, wie ech ming, do könnt me werrem bej de sing.
24 Soldatenbriefe aus der napoleonischen Zeit von Alfred Bertha Nach der Angliederung der ehemaligen habsburgischen Niederlande an Frankreich (1795) dauerte es noch einige Jahre, bis die ersten Zwangsaushebungen in den annektierten Gebieten stattfanden. 1799 war es dann soweit. Die Nationalversammlung hatte am 5. September 1798 durch ein Rekrutierungsgesetz die dazu notwendige legale Grundlage geschaffen. Fortan war der Militärdienst eine allgemeine” Verpflichtung, die alle Bürger männlichen Geschlechts im Alter von 20 Jahren persönlich betraf. Bis dahin hatten sich die Truppen hauptsächlich aus Freiwilligen rekrutiert. Jetzt wurde die Militärpflicht zur Regel. In Friedenszeiten war die Dauer auf fünf Jahre festgesetzt, in Kriegszeiten unbegrenzt. Als militärtauglich wurden nur kerngesunde junge Männer bezeichnet, die eine Körpergröße von mindestens 1,651 m (5 pieds, 1 pouce) auf- wiesen. Die ersten Rekruten unserer Gegend mussten einrücken. Die wenigsten zogen mit Begeisterung in den Krieg für Frankreich, das sich in den Jahren zuvor durch seine antikirchliche Haltung alle Sympathien verscherzt hatte. Viele versuchten auch, durch die Flucht sich dem Zugriff der Franzosen zu entziehen. So berichtet Kommissar Bassenge, dass von 1300 Rekruten 500 desertiert seien. Die harten Strafen, die im Falle der Desertion den Angehörigen drohten und die von der Beschlagnahmung des Eigentums bis zu Gefängnishaft reichen konnten, mögen manchen "Consecrit" moralisch gezwungen haben, den Rock der Revolutions- truppen anzuziehen. Die Eltern waren "civilement responsables", d. h. zivilrechtlich verantwortlich. Die Listen der Deserteure und der gegen sie (bzw. die Eltern) verhängten Strafen wurden im "Memorial Adminis- tratif", dem Amtsblatt der Departements-Regierung, veröffentlicht. 1804 sprach das Lütticher Gericht in der Regel Strafen von 1500 Francs aus. Wenn man bedenkt, dass im gleichen Jahre der Arbeitslohn in der Landwirtschaft auf 1 Franc pro Tag festgesetzt war, so kann man die Härte der Strafe in etwa ermessen. Als Deserteur galt, wer innerhalb eines Monats nach dem festgesetzten Tag sich nicht beim Rekrutierungs- Offizier oder bei der durch diesen angegebenen Einheit gemeldet hatte.
25 Die zum aktiven Dienst einberufenen Rekruten konnten einen Ersatzmann stellen; dieser musste ohne körperliche Mängel sein und mindestens die Körpergröße desjenigen besitzen, den er ersetzen wollte. In den Nummern 18 und 20 dieser Zeitschrift (1975 / 76) wurden schon einige Soldatenbriefe aus der Franzosenzeit veröffentlicht, die sich in den Archiven der ehemaligen Hochbank Walhorn im Lütticher Staatsarchiv bzw. dem Aachener Stadtarchiv befanden. Zwei weitere Briefe eines Hergenrather Rekruten hatte Prof. G. de Smet (Gent) bereits in Nummer 11 dieser Zeitschrift veröffentlicht. Bei erneuter Durchsicht der inzwischen von Lüttich nach Eupen transferierten Archivalien fanden sich weitere bisher unveröffentlichte Briefe von Soldaten des Walhorner Landes, die in der napoleonischen Armee kämpfen mussten und oft in bitterer Not ihre Angehörigen zu Hause um Hilfe baten. Die Briefe der Rekruten dienten bei den Behörden als Beweis dafür, dass schon ein Sohn der Familie unter den Waffen war. So konnte einem anderen dasselbe Los erspart bleiben. Diesem Umstande verdanken wir es, dass die Briefe in den Gemeindearchiven aufbewahrt worden sind. Bei dem ersten der hierunter abgedruckten Briefe ist der Absender nicht mehr klar zu identifizieren. Der junge Soldat beklagt sich, dass er als einziger aus seinem Dorf noch keine Post von zu Hause bekommen hat und bittet, man möge den Antwortbrief und das bitter benötigte Geld an seinen Kameraden Winand Nicol schicken. Beim Regiment ist Schmalhans Küchenmeister; es gibt fast kein Brot und auch "Grund- birnen" (Kartoffeln) sind nur schwer zu bekommen. Tressen (= Dresden ?) den 23°R Septembris 1813 Ich grüße euch vielgeliebter Vater und Mutter Schwester und Brüder viel tausend mal, und hoffe das Ihr noch alle frisch und gesund seyd, so wie ich auch noch bin. Ich schreibe nun einmal einen Brief mit den Junge von Winandus Nicol, das ich einmal antwort auf meinen Brief bekom, den (= denn) ich hab schon 3 mal geschrieben und hab noch nicht antwort bekommen, da hab ich großen verdruß vor, und die Jungen von meinem Dorf haben alle Antwort bekommen, und wir sind jezt übel dran, beim Regiment, den wir krigen fast kein Brod, und können fast keine Grundberen bekommen, um den Hunger zu stillen und wenn wir in eine Statt kamen wo Brod war so mußten wir einen Koburger für ein halb Punt Brod geben, welches wir mit großer Freud thaten um den großen
26 Hunger zu stillen, und jetzt ist mein Geld auf, und habe keines können bekommen können, auf die Briefe die ich geschrieben habe, ich hoffe lieber Vater und Mutter, dass Ihr mir diesmal etwas Geld schickt, und den Brief und das Geld schickt in den Brief von Winandus Nicol, wie der Brief kommen ist den (= denn) dem seine Briefe sind immer ankommen. Vater und Mutter ich habe eine kleine Blessur an die Hand kriegen, es thut aber nichts. Vater und Mutter Bruder und Schwester, Verwanten und Bekannten ich lasse euch viel tausend mal grüßen und ich hoffe dass Ihr so gesund seyd wie ich bin. (Die Adresse fehlt. Der Brief trägt den Vermerk: "Diesen Brief abzugeben an den Baum von gen Hammer". Mit dem "Hammer" kann nur die an der Göhl in der Nähe der Fossey gelegene Flur gleichen Namens gemeint sein. Dies könnte einen Hinweis auf den Absender geben, denn wir besitzen (s. u.) einen Brief eines Soldaten Leonard Baum, dessen Vater Bernard in Astenet wohnt und in einem Ausschank-Patent des Jahres 1801 als "revendeur d’eau de vie", d. h. Alkoholverkäufer=Gastwirt, bezeichnet wird. 1843 ist eine Gastwirtschaft "zu Hammer bei Hergenrath" durch eine Verkaufsanzeige im Korrespondenzblatt belegt. Den Grenadier Nic. Dehiselle aus Belven/Walhorn, einberufen 1804, kannten wir schon aus einem am 6. Sept. 1811 in Forli (Italien) verfassten Brief an seine Eltern.(S. "Im Göhltal", Nr. 20, 1976, S. 60). Ende Januar 1811 schrieb er aus "Klossen" in Deutschland/Tirol. Vermutlich ist damit Klausen im Eisacktal (Südtirol) gemeint. Sein Brief ist sprachlich und inhaltlich besonders interessant. Dehiselle berichtet, wie seine Einheit nach anfänglicher Niederlage gegen den Kaiser (von Österreich) diesen schließlich doch aus Italien getrieben hat, durch "Duschland" (Deutschland; hier wohl Österreich), bis über die Donau. Als die Österreicher jenseits der Donau waren, "ditten sie die brucht ins wasser fallen" (= brachten sie die Brücke zum Einsturz). Nun mußte die Einheit unseres Grenadiers in Richtung Wien marschieren. "Da war die große Armee der Franzosen vor dem Wasser und der Kaiser
29 jenseits und keine Brücke über dem Wasser." Aber in zwei Stunden schafften es die Franzosen, eine Brücke über die Donau zu schlagen "und wir sind hinübergegangen; damit ist eine Schlacht ("batalgen" = bataille) begonnen, die größte, die ältesten Soldaten haben ihr Leben lang gleiches nicht gesehen.” Nachher wurde Waffenstillstand geschlossen, "um Frieden oder Einigkeit zu machen, da sind wir zur Ruhe gekommen", und die Einheit Dehiselles kommt für einige Zeit nach Graz, bis der Befehl ergeht, nach Tirol zu marschieren, um dort gegen die "buorren" (Bauern) zu kämpfen. 1809 ruft der Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer seine Landsleute zum bewaffneten’ Kampf gegen Bayern auf, dem im Frieden von Preßburg (1805) Österreich Tirol abgetreten hatte. Nach anfänglichen Siegen am Berg Isel (25. u. 29. Mai 1809) und dem Waffenstillstand von Znaim (12.7.1809), durch den Österreich Tirol seinem eigenen Schicksal überließ, kämpfte Hofer allein weiter, besiegte die Franzosen unter Marschall Lefebvre (am Berg Isel, 13.8.1809), fiel aber durch Verrat in die Hände der Franzosen (20.1.1810), die ihn einen Monat später in Mantua standrechtlich erschossen. Hören wir, wie der Bauernjunge aus dem Walhorner Flachland die Bergwelt erlebt: "Da sind hohe Berge von zwei Seiten, in den Bergen sind viele Steine, und die zwei Berge sind einen Schuß weit voneinander; und durch ganz Tirol haben sie geschossen und ließen Steine von den Bergen rollen, doch haben sie verspielt und haben sich ergeben, als sie gesehen haben, dass ihre Häuser verbrannt waren, nicht alle, aber viele..." In der Einheit Dehiselles ist auch ein Soldat Schoumecher, während ein anderer mit Namen Havenith von den "borren" (Bauern) gefangen genommen wurde. Hier der Brief des Nic. Dehiselle in der Originalfassung: An Klossen in Duschland in die tirol den 28 januarius 1810 Mein viel gelibtie eltieren vatter und mutter brueder und Schwesteren fruenden verwanten und bekanten ich Schreibe euch die grose Complimenten gottlob und danck mit gautie gesundheit wey ich hofe das dissen Brief euch wird antrefen und wier erfreue uns das wir noch ein mahl friht haben Wir haben ins feld geligen von der 10 apriel 1809 bist den 20 januarius
30 1810 Streiten mit der Kaiser anfang in Italigen. Wird haben vorspild nacher haben wir gewonnen und haben den Kaiser aus Italigen geschlagen durch Duschland durch ouerland (?) bist ober die Daunau und wey sie ueber die Daunau wahren ditten sie die brucht ins wasser fallen unbd dan musten wir auf wienn gien dor wahr die grose armaey die franscosen vor das wasser und der Kaeiser ober das wasser und kein brucht war auf das wasser. In Zeit von zwey Stund war die brucht gemacht und wir sind ober gegangen dor mit ist ein batalgen an gegangen die groeste die alste Soldaten haben ihr leben des gleichnis nicht gesiehn. Nacher haben sie Stilstand gemacht um friht oder einiegkeit zu machen do sind wir zu ruht gekomen bist gratz haben wir geligen etlichie Zeit dormit werd der friht geplialisiet (?) gleich kam ein order das wir musten- in die tirrol gien streiten mit die buorren dor sind hoche bergen von zwey Seiten in die bergen sind viel Stien und die zwey bergen sind ein Schust weeg von einander und lang die gansse tirrol dor haben sie geschotzsen und daten Stien von die bergen komen doch haben sie vorspild und haben sich unter geben wegen sie gesien haben das ihre heusser vorbrind waren nicht alle aber viel. Von gruesse ich euch viel dausent mahl von hertzen und wonsche euch ein gautte gesundheit und die vonf Cronen habe ich Richtig empfangen nun vorlanig ich nach euer beliebten und moelichkeit wieder was geld zu bekommen de gruesse an alle eltteren von meine kameraten Der Schoumecher ist bey mir frisch und gesund und gruesset seine eltieren gottlob mit gautie gesundheit und der havennicht ist gevangen genomen von die borren er werd wieder zuruht komen vielicht das er geschreiben hat. Ist es nicht gau geschrieben ist die kunst in dir ....geblieben. Dehiselle Adresset A Monsieur Dehiselle grenadie au 53°M€ Regiment 2°Me Compaignie grenadie a garneson a Klossen a tirol Adressiert ist der Brief an Monsieur Jean Dehiselle a Walhorn de Partiment de Lourthe a Rodissment malmidie Canton eupen Walhorn Belfen (= Departement de 1l'Ourthe, Arondissement Malm&dy, Canton Eupen, Belven) Den nächsten Brief schreibt der Soldat Mathis Taeter aus Gent. Er
31 wartet auf Geld von zu Hause, denn selbst das Notwendigste müssen die Rekruten "selber stellen". Aus einem Brief seiner Eltern weiß er, dass die Kameraden in Venloo schon ihre Ausrüstung und auch ihren Sold erhalten haben, er aber hat weder das eine noch das andere bekommen. Seine Uniform beschränkt sich bisher auf einen Militärmantel, ein Hemd, ein Paar Schuhe, eine Hose aus weißem Leinentuch, eine Mütze und einen Schal. Auch Taeter ist in Geldnot und hat schon bei einem Kameraden "pumpen" müssen. Zwei Schillinge in der Woche koste allein das Putzen und Waschen von Montur und Kleidung. Unbegründet sei die Sorge seiner Eltern, er könne "lauffen gehen". Wenn er in der Fremde krank werden sollte, so möge man ihm doch gleich Geld schicken und ihn nicht zugrunde gehen lassen. Gand, den 4ten Februarius 1813 Meine Vielgeliebte Eltern Schwistern und brüder ich thue euch freundlich grüßen und ich thue euch zu wisen wie das ich noch frisch und gesund bin ich verhoffe des gleichen von euch, und ich habe Einen brief geschrieben es ist schonn 5 Wochen, und ich habe noch keine antwort erhalten. und ich habe in meinen vorigen brif ersehen, das ihr euch so sehr verwundert hatt das ich so viel gelt verzehrd habe. Vor eine Carlin habe ich noch nicht was ich höchst notwendig habe und der sich das nicht selber stellet der bekömt es nicht, und dennoch ist er verhasset von der gantzer Companaig und ihr habet mir geschrieben das meine Kameraten in Fendelo die Kleider gleich bekommen haben und auch Ehrres gehalt und ich habe die Kleider jetz noch nicht bekommen und noch kein Heller gelt von der Zeit das ich in gent bin; Ich habe empfangen einen Kabott (capote=Soldatenmantel) und ein Hämt und ein par schuhe. Zwey par Hossen und eine pantalon von weyssem lingen duch und eine mütze und auch einen schalüs und einen bant vor in den Haltz zu thun. ich habe zwey und eine Cronnen gelehnet an meine Kameraten ihr habet auch geförchtet ich that lauffen gehen ihr müsset aber keine sorge davor haben. Wir müssen alle Wochen zwey schillings haben vor uns zu buzen vor die patrons tasche schön zu machen und vor den Krag auf die Kapot und vor unsere Kleider zu wachen und ich habe mir müssen eine pantalon mossen kaufen von weissem lingen duch. Meinen Kamerat welcher mir
32 das Gelt gelanget hatt, damit habe ich wort gehabt allso hatt er es mir zweymall in die offentliche Kompany gefragt in diesem brif sehet ihr was ich von euch begehre zu haben adieu Mein lieber Vatter und mutter beysammen gott vergebe euch Ewere wohldat, und alles miteinander gott wirt euch treu belohnen das ihr mich hat Christlich auferzohen. und so treffe ich all mein lebtag keine solche gude leude nicht mehr an. Nun adieu Mein lieber bruder und schwister bey samen wen ich heut oder morgen in der fremden kranck werden soll wen ich einen brif schreibe an euch dhun sie mir gelt schicken gleich und das bitt ich so sehr last mich nicht zu grunden gehn. Jetz werde ich von Studieren balt aufhören müssen sonst werden meine öglein in trennen zerfließen jetz reise ich * über das mehr, kom mein läbdag nicht mehr in mein Vatterland mehr her, Nun adieu zur guder nacht schönstes Vatterland du Edeliches ort. W. Taeters Bin und Hoffen zu verbleiben Euren getreusten Sohn bis in den Dott M. Taeters Schreibt mir nur bald gleich zurück. Mein adres ist also a Monsieur M: Tae... 65 Regiment 4 Patilon voltigeurrs Matis Taeter Soldat in Gand (Der Brief ist gerichtet an Willem Taeter Commun de Walhorn Canton eupen arodisement de Malmedy de partement de lourte a aassen sito cito tres presse A assen) Ein mit Bleistift geschriebener, nicht adressierter Zettel - eine halbe Seite - berichtet vom Schicksal des Mathis Taeter, der vor Bozen einen Finger der rechten Hand verlor, dann ins Lazarett nach Dresden kam und nach der Genesung zu seinem Regiment zurückgeschickt wurde, wo er jeoch "nimal mehr" angekommen ist. Vermutlich ist er doch desertiert. Matis Taeter er is den 21 juny vor bozen geblezert da hat er ein Finger
353 ab kriegen in die rechte hand dar mit is er in dressden in et hospital gekomen bis er wider gekorert is nach der Wapen Stel stan is er wider nach sein Regiment geschickt aber er is nimal mehr bij sein Regiment gekoemen. Aus Givet an der Maas, in den französischen Ardennen, nahe der heutigen Landesgrenze zu Belgien, schreibt am 25. April 1813 der Sol- dat Leonard Baum, der dort nach dreitägiger "Reise" ins "Dipo" (Depot) gekommen ist. Ungefähr 30 "so" (= sous) und ein halbes Brot haben die Soldaten pro Reisetag erhalten. Doch jetzt, im Lager, gibt es täglich zwei Mahlzeiten, und zwar morgens Suppe und Fleisch und nachmittags um vier wiederum Suppe. Das zweistündige tägliche Exerzieren macht den Rekruten "noch müder, als wenn ich einen Tag in der Steingrube gearbeitet hätte". Baum erkundigt sich auch nach dem "Drickes von dem Hof” (vermutlich vom Asteneter Hof) und berichtet, dass sein Stubenkamerad "Lorends Kockelt" aus Hauset sei. Es geht das Gerücht, die Einheit Baums müsse in vier Wochen nach Spanien abmarschieren. A Gevet geschrieben den 25t°N aprill Anno 1813 Vielgeliebter Vatter und mutter ich kann nicht unterlassen an euch zu schrieben dieweill ich noch frisch und gesund bin Wie ich hoffe das ihr auch noch seyd und Wir haben 3 Tag Gereyset und siend den 8!°N aprill siend Wir hier auf unseren Dipo angekommen in Schieve auf die 3 Tag haben Wir ungefehr 30 so geld bekommen und alle Tag ein halb brod hier bekommen wir aber nichts mehr als täglich 2 mahl zu essen recht Vergnügt des morgens sop und fleisch und nachmittags sop um 4 uhren und Wir haben erst einen Capot (Militärmantel) und eine Calote (Kopfbedeckung) bekommen und ich müsse täglich 2 Stund ekserzehren und da war ich noch meüger als wan ich einen Tag auf die steinkol gearbeitet hatte. Hiermit grüße ich euch alle Vatter und mutter Schwester und Brüder Verwanten und bekanten schreibt mir auch wo der Drickes von dem Hof ist ich Wisse das er nach Hauss gekommen ist und meinen Schlaff Camerath ist von Huselt Lorends Kockelt ihr müsset mir alle neuigkeiten schreiben Was geschehet ist es ist hier die sag das wir bennen 4 Wochen
34 auf Spangen an müssen und ich hoffe das mein Vatter Weder gesund ist und ich verhoffe in Kurtzer noch einmal nach Hauß zu kommen und ich begrüße meinen Camerath Servatien (?) Vielvoter er muß nicht vergessen mir neuigkeiten zu schreyben. Hiermit schließe ich meinen Brief und Verbleibe euer getreuester Sohn leionartus Baum Mein adres a MM Leionatus Baum soldat dans le 34°Me Regement Ligne 5 te Battelion 2te Companey a Givet Departement de . du orrderene (= Ardennes) Der Brief ist adressiert an Monsieur Bernatus Baum Du partement Du Lourt arrondissement Du Malmedy Canton Eupen . a astenet Bernatus Baum a astenet In Perigueux, Departement der Dordogne (S-W-Frankreich), waren Ende 1805 all die Soldaten zusammen, "wass auss onserem Lant im Soldaten Standt is hingangen". Unter ihnen war auch Joh. Hendrickus Eycken, von dem diese Formulierung stammt und der am 25. Oktober 1805 Mutter, Schwester und Bruder davon benachrichtigt, dass er nach langer Reise wohlbehalten in P&rigueux angekommen ist. Der Walhorner Dorfchronist C. Scheen gibt als Jahr der Einberufung des J. H. Eycken 1804 an. Es geht dem Rekruten Eycken recht gut. "Man hat plaisier genoch", schreibt er, Und was die Sonntagsmesse angehe, so brauche die Familie sich keine Sorgen zu machen, denn sonntags werde nicht exerziert. Das Leben ist teuer und der Sold klein. Nur der Wein ist billig; die Soldaten haben immer den allerbesten "an sechs und an vier zo0" (= sous). So bittet denn auch der Soldat Eycken seine Mutter und Geschwister um Geld. Er weiß zwar, dass es denen nicht leicht sein wird, aber, "wenn Ihr meint, dass Ihr es schlimm habt, so seid Ihr doch immer besser (dran) als ich". Von Joh. Hendrickus Eycken haben wir schon in Nr. 18 dieser
35 Zeitschrift (1975, S. 69-70) einen vom 20. Dezember 1805 aus Peri- gueux datierten Brief veröffentlicht, in dem er flehentlich um Geld bat.. Er sei nicht wohl dran. Es sei sehr kalt in diesem Land und man wisse nicht, wo man vor Kälte hinlaufen solle, denn ohne Geld könne man nicht in die Herberge gehen. Periguex (= Perigueux) den 25 8 bris 1808 Meine Liebe freunde ich laß euch alle seher begrüßen mutter Schwester und bruder das ich noch frisch und gesund bin und den 23°NM obers bin ich geluckelich in pirigeux gearriviert und goodt Loob bis heran hat mir noch nichts fehlet in dessen ich vergunne mich recht gut ich getruste mich aen meine kameraden meinet wegen brauchet ihr euch gar keine unruh zumachen dan ihr habt das gar nicht vonnoethen man hat plaisier genoch was aus onserem Lant im Soldaten Standt is hingangen diese sind alle in pirigeux beieynaender wass aenbelangt von mess zu hoeren da fur haben wir gelegenheit genoeg des Sondaegs brauchen wir keine exerzischen zu machen, des werckdags mussen wir exerzieren vier Stunde morgens zwey und abens zwey dan unsere arbeit ist ganzs leicht unsere gehalt ist klein wan man nichts mehr hat soo kan man schon ter noeth Leben aber wan man etwas beyzusetzen hat Das komt einen erschrecklich wohl in dessen ihr konnet leicht wissen dass das gelt klein bey mir is de Reis is lang gefallen und alles deur ausbehalven der Wein der haben wir imer an sehs und an vier zoo der alderbeste und mit dises bit ich euch wan ihr nicht mehr konnet Das ihr mir fur wenigstens eine Carlien schicket dan ohne Zustant is nicht wohl umzukomen ich weis es is beswerlich fur euch in dessen zweifele ich nicht daran ihr werdet euch erbarmen und das verlangte schicken wan ihr meinet das ihr es fehlem hat soo seyd ihr doch imer besser als ich schicket es auf dass geswinste das moeglich is wan ihr soo gaut wohlet sein. Meine liebe freunde ich lass euch alle noch einmal dosentfaeltigh grußen meine liebe mutter Schwestern und bruder verwante und bekante Lebt gesund dan ich hoffe das ihr soo frisch und soo gesund seyd geleich wie ich Gerardus Kremer lasset sein vatter und mutter Schwester und brauder auch mit gauter gesundheit sehr begrußen Adres was ihr auf den brief setzen musset den ihr schicket
36 a Monsieur joan henry Eycken soldat a La 18eM® Compagnie, 3°ME patalion 26°Me Regement infantery de Ligne a garneson a pirigueux de partement de la Dordogne a pirigueux (Der Brief ist adressiert an Monsieur Lammerts maire de La Commune de Walhorn arrondissement de malmedy de partement de Lourte a Walhorn) Der Soldat Jean Christian Beckers, 1804 einberufen, war im Februar 1806 auf der Insel Re stationiert. Von dort schrieb er seinem Bruder und seiner Schwester und ließ auch seinen "Cousin", den Bürgermeister Lams (=Lamberts) freundlich grüßen. (S. "Im Göhltal", Nr. 18, 1975, S. 71). Von Christian Beckers liegen noch zwei weitere französisch geschriebene Briefe in den Walhorner Archiven, obwohl sie an einen in Stembert wohnhaften Onkel gerichtet waren. Beide wurden in "Alexan- drie"” Dep. Marengo, abgeschickt, d. h. dem heutigen Alessandria della Paglia im norditalienischen Piemont, wo die Einheit im Herbst 1806 stationiert war. Am 14. September 1806 bittet Beckers den Onkel, seinen Bruder von seinem Schreiben zu informieren und dieser solle die Güte haben, ihm etwas Geld zu schicken, da sie kurz vor dem Abmarsch stünden. Weiter schreibt er dann: "Wir sind in der schlechtesten Garnison der Welt; wir müssen an den Befestigungen arbeiten, ohne einen Liard zu verdienen. Der Dienst ist sehr hart und schwer und man schickt uns stoßtruppweise in den Kampf gegen die Räuber in den Bergen.” Man solle ihm auch schreiben, ob sein Bruder zur Aushebung des Jahres 15 oder 16 zähle. Er könne ihm dann eine Bescheinigung schicken, dass er unter den Waffen sei. Am 18. November 1806 ist Beckers noch immer in Alexandrie. In einem Brief an seinen Onkel in Stembert bedankt er sich für die von den Brüdern und Schwestern erhaltenen 4 Kronen. Er verspricht auch, seinem nächsten Brief eine Militärbescheinigung beizulegen, damit der Bruder nicht einberufen werde. "Viele junge Leute sind auf diese Weise frei
37 gekommen", schreibt er. Sein Regiment hat inzwischen den Befehl bekommen, sich zur türkischen Grenze hin zu bewegen. Alle seien froh, aus Alexandrie, wo das Leben sehr teuer sei, wegzukommen, aber auch wegen der Krankheiten. In der Stadt lägen viele Truppen und der Onkel könne sich nicht vorstellen, ‚wie die Krankheit unter den Soldaten gewütet habe. Mehr als die Hälfte der Garnison sei im Spital gewesen und die meisten davon seien gestorben. "Von den jungen Leuten aus unserer Gegend sind nur wenige mit dem Leben davon gekommen. Wir waren 600; es bleiben noch 2-300. Ich teile euch gleichzeitig den Tod des Sohnes von Herrn Albert Clebant in der Craporue mit; gebt diese traurige Nachricht bitte an die Eltern weiter. Selbst wenn man Gefahr liefe, im Krieg zu fallen, so würde man doch den Krieg dieser Garnison vorziehen." Beckers selber ist bis dahin gesund geblieben und er ist zuversichtlich, dass Gott ihn auch weiterhin beschützen wird. Vier Regimenter -etwa 15.000 Mann- stehen zum Abmarsch nach Triest bereit, wo sie sich in Richtung Türkei einschiffen sollen. Beckers übermittelt Grüße von Kameraden und grüßt selber "seine Onkeln, Tanten und Vettern und alle Verwandten" und man solle seinem Vetter sagen, er habe Glück, einen Ersatzmann gefunden zu haben, denn "il n'est pas fort agr&able d'&tre soldat ä present"/Es ist nicht sehr angenehm, zur Zeit Soldat zu sein. Der Soldat Beckers rühmt sich, bei seinen Vorgesezten gut angesehen zu sein. Die Offiziere hätten ihn noch nie bestraft, da er sich bemühe, ihre Wertschätzung zu gewinnen. Er wäre gerne zu den "voltigeurs", d. h. einer Elitekompanie gewechselt, doch seine Vorgesetzten wollten ihn nicht aus ihrer Einheit entlassen. Sein Schreiben beendet der Soldat mit der Randnotiz: "Ich bin noch immer gottesfürchtig und ich bete, so oft es mir möglich ist. Ich vergesse nie meine Christenpflichten.” J. Chr. Beckers ist wohl bei dem Adressaten der Briefe, dem in Stembert wohnhaften Onkel, erzogen worden und deshalb der deutschen Schriftsprache nicht mächtig. So wird er wohl auch nur auf dem Umweg über den Onkel mit seinen Geschwistern im Walhorner Raum brieflichen Kontakt halten können. Und die Briefe, die als Beweismittel dienten, dass die Familie schon einen Sohn unter den Waffen hatte, konnten so in die Walhorner Archive geraten.
38 Kaffeegeschichte aus Hauset von Willy Timmermann (Viele ältere Hauseter haben den Kohlenhändler Mathieu Janssen und den pflichtbewussten Zöllner Emil Dantinne (im Dienst immer mit dem Fahrrad unterwegs) sowie die Wirtschaft Homburg am Aachener Busch gekannt. „Söck“ hieß ein Geschäft an der Grenze in Belgisch- Lichtenbusch. Ein Zollbüro befand sich in Eynatten an der Lichtenbuscher Straße. Folgende Episode soll an die Schmugglerzeiten erinnern). od \ £ BE EEE SZ A ESF SW BÄCHENES BUSCH vor HÜBERT HOMBURG. A 0 N 0 DO £ | ea Der Ort des Geschehens: Das Restaurant und Cafe Homburg „Zum Aachener Busch‘ Mathieu mit dem roten Halstuch, fuhr Kartoffeln, Kohlen aus, doch die kleinen braunen Böhnchen holte er per Sack nach Haus! Mokka Türk in Varianten, Super, Delhaize, Schwarze Katz, Kinder, war das eine Gaudi, manchmal aber auch ne Hatz, wenn die Zöllner man erblickte, Emil Dantinne, Schweinchen Dick, und so kam, was kommen musste, Mathieus kleines Missgeschick: Grad’ beim „Söck“, in Lichtenbusche, hatt’ ’ne Ladung er „gelöscht“, als ganz plötzlich um die Ecke Emil Dantinne kam geprescht. Sprang vom Fahrrad in den Schuppen, wo der Kohlen-Kaffee stand, nix zu machen, das war Schicksal, an der Grenze wohl bekannt.
39 Konfisziert wurd’ dann die Ladung, ab damit ins Zollbüro an der Lichtenbuscher Straße, rein damit ins Zolldepot! Saftig war zwar auch die Strafe, doch der Schmuggel reizte sehr. Folge war: Wer kommt aus Hauset, schmuggelt trotzig mehr und mehr. Doch der Clou der ganzen Sache sei Euch hiermit kundgetan: Dantinne im Cafe bei Homburg fing recht groß zu prahlen an, dass er endlich hat geschnappet Janssens Thiss mit viel Kaffee, darob kamen Mathieus Freunde, hatten voll das Portmonnee. Rund’ um Runde sie spendierten, Gläschen Bier und Tass’ Kaffee, Emil, voll wie tausend Mannen, fuchtelt mit dem Dienstgewehr, konnte plötzlich, kaum zu glauben, auch noch singen mehr und mehr: „Meine marraine (ma reine), Königin, hat mich befördert ‚“officier“‘, maintenant, ma chere marraine, je leve mon verre a vot’ sante!! Und was taten uns’re Schmuggler? Namen Karabiner fort! Emil davon gar nichts merkte, als er war zum „stillen Ort“. Auch die Schlüssel wurden Emil heimlich leise weggeklaut, raffiniert war dieser „Anschlag“, doch auch logisch aufgebaut. Denn dann rasten uns’re Helden schnell zum Zoll-Kaffee-Depot, holten Kaffeesäck’ zurücke, denn der Emil war k.o. von den vielen Liter Bierchen, die er gerne zu sich nahm. Schlüssel und auch Karabiner Emil wohl zurück bekam. Welcher Schreck am nächsten Morgen, als der Emil im Büro An der Lichtenbuscher Straße, fast vor Staunen ging k.o., denn der der Kaffee war verschwunden, den er tags zuvor erwischt! Keiner seiner Amtskollegen wusste Rat und glaubte nicht, dass der Emil hätt’ geschwindelt, denn er galt als pflichtbewusst, wenn er nüchtern kontrollierte, Schmuggler jagt’ nach Herzenslust. Doch von Janssens Meisterszene hat der Emil nichts gemerkt. Heut’ noch schmunzeln manche „Täter‘, wenn von Souvenirs gestärkt Sie Erinnerungen frischen, wie die Unschuld hier vom Land! Schließlich wollt’ man was erleben, doch nur wenig wurd’ bekannt. ' Emile Dantinne konnte die Königin Elisabeth seine Patin (marraine) nennen, weil die Monarchin die Patenschaft derjenigen Kinder übernommen hatte, deren Vater im Ersten Weltkrieg noch vor der Geburt gefallen war. So gebrauchte der Zöllner gerne das Wortspiel „ma reine“ (meine Königin) und „marraine“ (Patin).
40 Leonard Kohl genannt Nades: Ein urwüchsiger Karnevalist von Iwan Jungbluth Als seltenes Vorbild urwüchsigen Volkshumors verstarb kurz vor Ostern, am 30.03.1983, im Alter von fast 94 Jahren Leonard Kohl. Unvergesslich geworden unter seinem Künstlernamen «Nades«, hatte er auf die Popularität des Kelmiser Karnevals einen nicht unerheblichen Einfluss genommen. Als langjähriges Vereinsmitglied der Gesellschaft „Ulk“ stand Nades bei deren Prunksitzung im Narrenpalast „Astoria“ (heute KBC-Bank) mit 93 Jahren zum letzten Mal in der Bütt. Trotz seines hohen Alters meisterte der begabte Karnevalist die komplizierte Reimrede «Die Aussteuer» souverän und fehlerfrei. Was verbarg sich hinter diesem unscheinbaren Familienvater, der, wie alle Persönlichkeiten, die im Rampenlicht stehen, Freunde und Feinde hatte? Über Jahrzehnte hinweg zog er die Zuhörer bis weit über die Kelmiser Grenzen in seinen Bann. In Neutral Moresnet, das zur damaligen Zeit auch Altenberg genannt wurde, erblickte Nades am 20.04.1889 als Sohn eines Eisenbahners das Licht der Welt. Dort aufgewachsen, erfuhr Leonard Kohl am eigenen Leibe den Wandel der Zeit bis zu dem Augenblick, als das heutige „Kelmis ajen Jöhl‘“ entstand. Als schlichter Arbeiter in der Walk, dann als Walkmeister verdiente sich Nades bei seinem einzigen Arbeitgeber, der Filztuchfabrik Bruch & Co, seinen Lebensunterhalt. Das Naturtalent des Karnevals wurde um die Jahrhundertwende von dem damals bekannten Kabarettisten Peter Herff entdeckt. Ihre ersten Erfolge als komisches Duett feierten sie als „Pitt en Nades‘“ im damaligen Hotel Bergerhoff (dem heutigen Kulturheim Select). Maßgebend daran beteiligt war auch der spätere Komponist Willy Huppermann. Nach dem frühzeitigen Tod seines Partners im Jahre 1925 setzte Leonard Kohl seinen schöpferischen Weg als Alleinunterhalter fort. Im Kabarett, dem Karneval, bei Vereins- und Familienfesten, überall war Nades ein gern gesehener Gast. In dieser Zeit entstanden auch die unvergesslichen Mundartdichtungen «De Moddersprok« und die «Kelmeser Rabattmarke«, in denen Nades sich von seiner poetischen Seite zeigte.
42 EEE zugunsten des Soldaten Hilfswerk der Gemeinde Neu-Movesnet am 4 Soantag den 31. März 1940 | im Saale des Herrn Offo REINARTZ. Veranstaltet unter dem Schutze der G-mei ndeverwaltung von den in der Gemeinde | lagenden Vereinen und Gesellschaften unier Mitwirkung bewährter Musikkräfte, des Männer-Gesaßgvereins «St. Josef» und der} umoristen . Es wird auch _ M | Kasseneröffnung 7,30 Uhr. =mmmmumen Anfang 8 Uhr. 3 Eintritt 4 Franken je Person. Zu dieser Veranstaltung laden ergebenst el 4 Der Arbeitsausschuss des Hilfewerks. Die Vorstunde der in Neu-Morespet In. enden Vereine, "Die Gemeindeverwaltung ® ana ach. Ze v Gemeinsamer Auftritt von Nades und Peter Zimmer
43 BE “ m Di / / x S ar“ a“ - si An \ mas 4 AD =. Nades, wie er in der Erinnerung weiterlebt reichen Repertoire nicht nur das Dorfgeschehen, die Mucken und Fehler seiner Nachbarn, sondern auch die besseren Leute aufs Korn genommen. Auch bei der geistvollen Verspottung auf «Die Aussteuer», die Männer suchende Jungfer und ihre gefüllte Mitgiftkiste, verstand es Nades, sich meisterhaft zu verkaufen. Alles in Kelmiser Mundart versteht sich, da Nades sich als Verfechter der Mundart dem Kelmiser Platt verschrieben hatte. Keine Sprachgrenzen kannte das unpolitische Kelmiser Platt, mit dem Leonard Kohl Brücken der Verständigung schlug und überall verstanden wurde. Überall dort, wo er zu Gastauftritten eingeladen wurde, ob in Verviers, Aachen, Maastricht oder Köln, feierte Nades als Botschafter des Kelmiser Karnevals große Erfolge. Humor kannte und kennt eben keine Grenzen. Für diejenigen, die ihn persönlich gekannt haben, wirkte Leonard Kohl dagegen unscheinbar, wenn er, bekleidet mit schlichtem Regenmantel und abgetragenem Hut, mit bedächtigem Schritt am Stock durch die Ortschaft spazierte. Trotz seiner meist mürrischen Miene und seinem reservierten, fast misstrauischen Blick, war er stets zu einem kurzen freundlichen Plausch bereit. Kein Auswärtiger hätte hinter diesem wortkargen Greis den zungengewandten Komiker mit Mutterwitz, den
44 einzigartigen Meister in der Bütt, den «Nades», vermutet, der durch sein Wirken weit über die Grenzen seines Heimatortes Kelmis hinaus als Wahrzeichen des Kelmiser Karnevals zur Legende geworden ist. In seinem Leben wurde Leonard Kohl mit vielen Anerkennungen und karnevalistischen Auszeichnungen bedacht. Eine besondere Ehre wurde ihm durch den Kgl. Erlass vom 01.12.1965 zuteil, in dem Leonard Kohl für seine Verdienste als «Animateur« die Goldmedaille des Kronenordens verliehen wurde. Sichtlich stolz war Nades, als ihm diese Auszeichnung am 5.2.1966 bei der Prinzenproklamation durch den damaligen Bürgermeister Willy Schyns überreicht wurde. Der belgische Karnevalsverband verlieh Nades als Anerkennung für dessen Verdienste um den Karneval den Titel eines Ehrensenators. . Zu einem Volksfest gestaltete sich am 16.9.1972 die Goldhochzeit von „Nades und Billa“. 270 geladene Gäste ließen die Goldjubilare im Saal der „Patronage“ hochleben. Gerard Tatas, selbst ein feinhumoriger und sprachgewandter plattdeutscher Dichter, schrieb dazu im Grenz-Echo: Ya ZADPAL . Li _ E . A 5 Sn Fa u Eine besondere Ehrung für den beliebten Humoristen: Eine Straße in der Edelweißsiedlung trägt seinen Namen. (Foto: I. Jungbluth)
45 „Es war ein Abend, der wohl weit über die Dimensionen einer üblichen Familienfeier hinausging, weshalb auch ein Bericht darüber in die Zeitung gehört. Diesem pompösen Abendfest war um 16 Uhr ein Dankgottesdienst in der Pfarrkirche vorauf gegangen, in welchem Pastor Olbertz herzliche Worte an das gefeierte Paar richtete und Frau M. Schmetz eindrucksvoll das Ave Maria von Schubert und das „Panis Angelicus“ (Frank) vortrug. Eine Überraschung für Nades und Billa: Beim Auszug aus der Kirche bildete die KG Ulk mit gezogenem Degen Spalier. Bei der Rundfahrt (während einer Regenpause) durch Kelmis wurde das bekannte und beliebte Paar von der Bevölkerung herzlich applaudiert... Josef Feltes von der Hergenrather KG dichtete: Was hält die beiden so gesund? Da wüsste ich nur einen Grund: Anderen Menschen Freude geben hält fit und aktiv und verlängert das Leben...“ Leonard Kohl hat sich als Sprachschöpfer und Komiker selber verewigt. Nach ihrem unvergesslichen Sohn benannten die Kelmiser Gemeindeväter eine Straße im Bereich der Siedlung „Edelweiß“. Dank der Familie Barts konnte auf deren Privatgrundstück das Denkmal mit Foto des Künstlers seinen definitiven Standort finden und ziert nun die Leonard-Kohl-Straße. Durch diese Geste soll das Andenken an das Kelmiser Original Leonard Kohl der Nachwelt noch lange erhalten bleiben.
46 Aubeck im Felde Eine Homburger Sage, erzählt von Joseph Lousberg * I. Der schwarze Ritter Ackerfelder sind im Herverlande rar. Droben, hinter Homburg, liegen welche vereinzelt. Inmitten dieser Gefilde kennen die Leute eine besondere Stelle, die nennen sie „Im Felde‘“. Davon erzählte der Großvater hinterm Ofen an langen Winterabenden eine schaurige Geschichte. Viele hundert Jahre sind es her (natürlich, sonst wäre das vielleicht nicht passiert) da stand an dieser Stelle ein Schloss. Es war eins von denen, wie sie in der Eifel und in den Tabakspfeifen der lieben Großväter so manchmal vorkommen. Vom Turme des Schlosses aus überschaute man die ganze Umgegend, mindestens ebenso gut, wie wenn man den Platz des Homburger Kirchturmhahnes einnähme. Im Schloss wohnte ein Ritter, der Herr von Aubeck, stark, reich und mächtig. Bei dem hört nun der Spaß auf; dafür fängt der Ernst an. Aubeck wurde von den anderen Rittern, deren es damals fast in jedem größeren Dorfe gab, der „schwarze Ritter“ genannt. Besonders genau kannten sie dessen Fertigkeit im Gebrauch der Armbrust, denn zielen, schießen und treffen waren für den schwarzen Ritter ein und dasselbe. Manchmal war’s ein Vogel, dem im Flug das Herz von einem Pfeil aus Aubecks Köcher durchbohrt wurde. Dann flog ein Apfel aus der Hand * Diese Homburger Sage veröffentlichte Joseph Lousberg im „Altenberger Jugendfreund“ 1909, Nr. 4, 5 und 6. Der 1892 in Montzen geborene Lousberg verbrachte seine Kindheit in Homburg, wo seine Eltern ein Geschäft mit Haushaltsartikeln betrieben. Joseph Lousberg absolvierte eine Volksschullehrerausbildung in Carlsbourg und begann seine Lehrtätigkeit an der Deutschen Handelsschule in Antwerpen. Eine weitere Station in seinem Berufsleben war das katholische Knaben-Institut zu Völkerich.. Gouverneur Baltia ernannte ihn 1921 zum Schulinspektor für das neubelgische Gebiet von Eupen-Malmedy, wo es eines der Hauptanliegen Lousbergs war, den Lehrern neue Schulbücher, vor allem für den Deutschunterricht, zur Verfügung zu stellen. Er verfasste eine dreiteilige Fibel für die ersten Klassen sowie ein zweibändiges „Deutsches Lese- und Arbeitsbuch für belgische Schulen“, das 1952 in 4. Auflage erschien. Heimatkundliche Aufsätze veröffentlichte Lousberg schon in seiner Zeit als Lehrer in Völkerich. Die hier abgedruckte Erzählung erschien, wie gesagt, 1909, ist also ein Jugendwerk des Autors, von dem der „Jugendfreund“ sagt, er sei „Lehrer am kath. Knaben- Institute zu Völkerich“. Eine ausführliche Würdigung des Werkes des Montzener Pädagogen findet sich in „Grundlagen einer Geschichte der Literatur in Ostbelgien‘“ v. Leo Wintgens.
47 des trefflichen Schützen in die Höhe; ihm sandte der schwarze Ritter einen Pfeil nach und holte ihn auf diesem Wege herunter. Zuweilen, wenn er mit seinen Freunden zusammen war und ihnen ein Probestück seiner Kunst liefern wollte, strich Aubeck den Ring von seinem Finger, rief einen Diener zu sich und befahl diesem, sich auf Schussweite zu entfernen und den Ring zwischen Daumen und Zeigefinger über seinem Haupte zu halten. Der Diener, dem die Launen seines Herrn ebenso bekannt waren wie dessen Geschicklichkeit, kam diesem Wunsch ohne Einwände nach — und gewandt jagten mehrere Pfeile durch des Ringes Kreis. So kam es, dass Aubeck überall als vollkommenster Schütze galt und jedermann davon überzeugt war, dass man im ganzen Lande nicht seinesgleichen suchen könne. Was aber nicht jeder wusste, war, dass der schwarze Ritter auch noch Kenntnis geheimer Künste besaß. So hatte zum Beispiel ein Diener eines Tages aus einem Versteck zugesehen, wie Aubeck über ein Säckchen Kieselsteine einige Worte sprach und wie sich bald darauf die Steinchen in blinkendes Gold verwandelten. Wie der Großvater erzählte, verhielt sich die Sache in Wirklichkeit so: Aubeck hatte von Jugend auf ein verschwenderisches Leben geführt und gern an allen Vergnügungen teilgenommen. Als er sich nach seines Vaters Tod einer vollständigen Freiheit erfreuen konnte, schmolz auch das väterliche Erbteil in seinen Händen. Schon nach wenigen Monaten war er fast gänzlich verarmt. Nun war guter Rat teuer. Der schwarze Ritter erinnerte sich, in seinen frühen Jahren oft von einer Hexe gehört zu haben, die draußen im Walde wohnte. In seiner Not entschloss er sich, diese Alte aufzusuchen und sich ihrer Zauberkunst anzuvertrauen. Die Hexe empfing ihn sehr freundlich. Als sie aber seine Wünsche gehört hatte, gestand sie offen, ihre Kunst sei nicht mächtig genug, ihn zu befriedigen. Sie wollte indes den Ritter nicht ratlos heimkehren lassen und schlug vor, ihn mit dem Teufel in Verbindung zu setzen. Aubeck zögerte, aber nur einen Augenblick. Seine Gier besiegte sein Gewissen, er nahm den Vorschlag an. Um jeden Preis wollte er wieder reich werden und sein ausschweifendes Leben fortsetzen. Weit in den Wald hinein führte die Hexe den Unglückseligen. An einer tiefen Schlucht blieb sie stehen, murmelte einige unverständliche Worte und berührte den Boden mit ihrem Zauberstabe. In demselben Augenblick wurde die Schlucht von einem rötlichen Lichte matt erleuchtet, und ganz tief im Grunde wurde eine gräuliche Stimme hörbar:
48 „Wer du auch sein magst, sprich! Satan hört deine Worte!“ Die Hexe gab ihrem Begleiter zu verstehen, dass er seine Bitte vortragen könne. „Ich bin verarmt und will wieder reich werden“, rief der Ritter. „Dieser Wunsch und alle deine Wünsche sollen erfüllt werden, wenn du auf meine Bedingungen eingehst!“ „Was forderst du von mir?“ „Deine Seele nach deinem Tode!‘ Ritter Aubeck rann der Schweiß in dicken Tropfen von der Stirn. Er sollte dem Teufel seine Seele verschreiben, und das um eines Reichtums willen, der vielleicht nur einige Tage währen würde... „Wenn du der Satan bist“, schrie er in die Schlucht hinein, „so wisse,‘ dass ich nicht ohne weiteres auf diesen Pakt eingehen kann. Du könntest heute unermesslichen Reichtum zu meiner Verfügung stellen und morgen meine Seele zu dir in den Abgrund ziehen!“ „Höre mein letztes Wort‘, antwortete mit grässlicher Stimme der Teufel, „du sollst deines Lebens und deines Sterbens alleiniger Meister sein. Dein Tod soll nur dann eintreffen, wenn du ihn selbst herbeischwörst. Bis dahin sollen alle Wünsche, die deinem Munde entschlüpfen werden, in Erfüllung gehen. Nur sollst du jeden Wunsch berechnen und wägen, bevor du ihn aussprichst, damit ja keiner zu deinem Nachteile ausfalle, und nicht schon in kurzer Zeit deine Seele in mein Reich gerate.‘“ „Diese Rede gefällt mir“, rief der Ritter, dem der Mut zurückkam, „es sei denn, wie du gesagt hast; ich werde schon auf meiner Hut sein, damit mir kein Unheil widerfährt.“ Der Teufel antwortete nicht mehr; der rote Schein verschwand und in demselben Augenblicke füllte dunkle Nacht wieder die schaudervolle Schlucht. Von diesem Tag an war Aubeck wieder der reiche Ritter von früher; sein Antlitz jedoch blieb fortwährend finster, und tiefe Schwermut umgab seine Seele. In seinen Wünschen war er sehr beschränkt und benutzte die Macht, die Satan ihm verliehen hatte, nur im Falle äußerster Not, aus Furcht, ein leichtsinnig ausgesprochener Wunsch könnte ihn ins Verderben stürzen. Er wollte heiraten, doch das Glück war ihm nicht hold. Seine erste Braut wurde schon am Tage der Verlobung ein Opfer des Todes; die zweite stürzte beim Brautzuge vom Pferde und fiel so unglücklich, dass sie große Verletzungen erlitt und nach einigen Tagen daran starb. Mit der dritten trat er zwar an den Traualtar, doch nach einem Jahre wurde ihm
49 seine Gemahlin entrissen, nachdem Gott ihnen ein Töchterchen geschenkt hatte. II. Von der Heyst Sechzehn Jahre waren seitdem verflossen. Herta, Aubecks Tochter, war unterdessen zu einem stattlichen Mädchen herangewachsen. Schon hatte sich im ganzen Lande die Kunde von ihrer Schönheit verbreitet und viele Freier herangezogen. Herta aber wollte von keinem etwas wissen; ernst und entschieden wies sie einen nach dem anderen ab. Dieses Benehmen musste notwendigerweise Aufsehen erregen; ja, für Aubeck selbst war die Handlungsweise seiner Tochter ein unergründliches Geheimnis. Gerne hätte er von ihr eine Erklärung erbeten, fürchtete aber, damit ihr sanftes Gemüt zu verletzen, und dies hätte er um keinen Preis anrichten mögen. Herta war sein Kind, das all sein Trachten und Lieben für sich hatte und für dessen Glück er bereit war, alles zu opfern. Konnte er schon nicht erraten, was ihrem sonderbaren Benehmen zugrunde lag, so wollte er geduldig warten, bis sie selbst zu ißtm kommen würde, um ihm ihr Geheimnis mitzuteilen. Wenn Herta sich hartnäckig weigerte, den Freiern Gehör zu schenken, so hatte dies seinen natürlichen Grund: Vor einem Jahre schon hatte sie Bekanntschaft gemacht mit einem jungen Ritter, Adolf von der Heyst. Dessen Burg erhob sich kühn am Abhange des nahe gelegenen Berges, die Heyst genannt. Herta wagte es aber nicht, ihrem Vater zu gestehen, was sie für Adolf wünschte, denn dieser war des schwarzen Ritters Todfeind. Wenn nur der Name Heyst in seiner Gegenwart ausgesprochen wurde, geriet er derart in Wut, dass alles von ihm zu befürchten war. So waren denn die beiden gezwungen, ihre Bekanntschaft nicht nach außen hin merken zu lassen. Nicht selten, wenn des Tages Gestirn sich seinem Untergang zugeneigt hatte und der Abendröte goldiger Schein die Erde umhüllte, ließ Herta ihr Pferd satteln und ritt hinaus in den Wald, wo sie mit dem Freunde ein trautes Stündchen plaudern konnte. Bei niemandem keimte indessen auch nur der Gedanke auf, diesen Ausritten einen heimlichen Grund zuzuschreiben. Aubeck selbst fand sie natürlich und in völliger Übereinstimmung mit der gemütvollen Art seiner Tochter. Doch auch damals gab es böse Zungen. Eines Tages wurde dem schwarzen Ritter heimlich berichtet, Adolf von der Heyst sei in heißer
50 Liebe zu Herta entbrannt und versuche es jedenfalls, mit ihr in Verbindung zu treten, denn man habe ihn wiederholt in der Umgebung der Burg getroffen. Diese Nachricht machte auf Aubeck einen erschütternden Eindruck. Wenn Adolf seine Tochter liebte, ja wenn er es gar versuchte, sich ihr zu nähern, war auch die Gefahr vorhanden, seine innige Liebe könne ein gleiches Gefühl in Hertas Seele erwecken. So weit durfte es aber nicht kommen! Sein grimmigster Feind sollte sein Schwiegersohn sein? Nein, das wäre nächst dem Tode das größte Übel, das er auf Erden zu befürchten hatte, und es musste deshalb verhütet werden, und zwar um jeden Preis... ja um den Preis eines Menschenlebens, wenn die Not es verlangte! Wenige Tage später befand sich Aubeck im Turme seiner Wohnung und betrachtete von hier aus den Aufgang der Sonne. Vor ihm, am Abhang des Berges, lag im goldenen Glanz die Burg seines Feindes. Über der Bergspitze funkelten und glühten die mannigfaltigst gestalteten Wolken in tausendfachen Färbungen. Mitten in dieser glänzenden Pracht erhob sich, einer glitzernden Scheibe gleich, langsam und majestätisch, des Tages Stern und seine milden Strahlen fielen zitternd auf die Erde und spiegelten sich in den Wipfeln der Waldriesen. Auf der Terrasse der Burg, am Bergabhange, hatte sich eine Türe geöffnet. Eine hohe Gestalt erschien und warf einen Blick auf die glänzenden Fluren. Es war Adolf von der Heyst. Aubeck hatte ihn sofort erkannt. Beim Anblick des Feindes geriet er in heftige Aufregung; gedankenlos griff er nach seiner Armbrust, wählte aus dem Köcher den spitzesten Pfeil und murmelte leise: „Dieser Pfeil treffe deine Brust!“ Er legte an, der Pfeil schwirrte, und getroffen sank Adolf nieder. Aubeck lächelte sonderbar; er verließ die Turmstube, stieg langsam die Treppe hinab, ließ sein Pferd satteln und rüstete sich zu seinem gewöhnlichen Spazierritt, gerade als wenn nichts geschehen wäre. Als er nach einer Stunde wiederkam und den Hausflur betrat, kam ihm Herta entgegen und stürzte weinend in seine Arme. „Vater! Adolf von Heyst liegt im Sterben!‘ brachte sie unter Tränen hervor. „Lass mich hingehen, er wünscht mich zu sehen, bevor er stirbt.“ „Was kümmert dich der von der Heyst?“ „Ich liebe ihn, Vater!“ Aubeck war plötzlich leichenblass geworden. Er zitterte an allen Gliedern und nur mit Mühe gelang es ihm, sich aufrecht zu halten.
51 „Du liebst ihn, er liebt dich“, stammelte er, „so bin ich denn der Räuber deines Glückes!“ Herta sah ihren Vater betroffen an. „Geh hin, Kind“, sprach dieser, nunmehr aber mit festerer Stimme. „Möge dein Anblick ihm das Leben erhalten; mich aber und mein Haus verschlinge der Erde Schoß!‘ Kaum hatte er das letzte Wort gesprochen, da trat er wie vom Blitz getroffen zurück. Was hatte er gesagt? Hatte er nicht soeben Wünsche geäußert und sollte nicht jeder Wunsch, der über seine Lippen käme, in Erfüllung gehen? Wie Donner und Wellengebrause tönte ein Satz in seinen Ohren: „Du sollst deines Lebens und deines Sterbens alleiniger Meister sein; dein Tod soll nur dann eintreffen, wenn du ihn selbst herbeischwörst.“ Es schwindelte ihm. Er wollte sprechen, doch der Schrecken hatte seine Zunge gelähmt und mit einem stummen Händedruck verließ er seine Tochter, um, sich in sein Zimmer zurückzuziehen. Konnte indessen Herta den wahren Grund der tiefen Aufregung ihres Vaters nicht erraten, so schrieb sie diese teils der Betroffenheit zu, die ihre plötzliche Mitteilung in ihm bewirkt hatte, teils aber auch der Gewalt, deren er bedurfte, um seinen Hass zu bezwingen und ihr seine Einwilligung zu einem letzten Besuch bei Adolf zu geben. Zudem hatte die Nachricht von der plötzlichen Gefahr des Freundes ihr eigenes Wesen so tief erschüttert, dass sie kaum noch eines Gedankens fähig war. Sie versuchte es daher auch nicht weiter, sich das auffallende Benehmen ihres Vaters zu erklären und, hingerissen von der Sehnsucht, die Angst und Liebe zu ihrem Höhepunkt gesteigert hatten, verließ sie eilends den Hausflur, lief zu dem Pferde, das im Hofe gesattelt stand, riss dem Diener die Zügel aus der Hand, schwang sich behende in den Sattel und schoss blitzschnell davon. JIL. Das versunkene Schloss Aubecks Pfeil hatte Adolf, wenn auch schwer, so doch nicht tödlich verwundet. Wohl hatte ein großer Blutverlust seine Kräfte fast gänzlich erschöpft, und der Schwäche Fesseln hielten ihn unbarmherzig auf seinem Lager; wohl hatte auch ein starkes Fieber ihn überfallen und sein Denken und Reden in Phantasien aufgelöst. Bald jedoch traten wieder lichte Augenblicke ein und in diesen Momenten rief er sehnsuchtsvoll nach Herta, seiner Freundin.
52 Als diese endlich an seinem Lager erschien, als ihre weiche Hand auf seiner brennenden Stirn lag und ihr Mund ihm mit sanfter Stimme Worte des Trostes zuredete, da glitt ein beseligender Zug über sein Antlitz; seine Augen leuchteten in heller Freude, und im Tone innigster Liebe flüsterten seine Lippen einige Worte des Dankes. Drei Tage und drei Nächte verweilte Herta an dem Bette des Verwundeten, ohne auch nur einen Augenblick davon zu weichen. Ihre unermüdliche Hingabe und mehr noch ihr süßer Anblick waren Adolfs Rettung, und schon am dritten Tage hatte das Fieber vollständig nachgelassen und die Wunde begann langsam zu heilen. Das Ritterfräulein wollte nun zu ihrem Vater, um ihm die Botschaft von der Rettung des Freundes zu bringen. . Der Diener, den sie beauftragte, ihr Pferd zu satteln, zögerte sichtlich, dem Befehl nachzukommen. Sie sah ihn verwundert an, er aber stand still wie eine Säule und wurde bleicher und bleicher. Hertas Staunen wurde zum Entsetzen. „Was fehlt dir, Friedrich?“ forschte sie mit banger Stimme. „Es wäre besser, Fräulein“, wagte endlich der alte, treue Knecht, „Ihr rittet gar nicht aus.“ „Mach dir keine Sorge, guter Friedrich. Die Pflege deines Herrn wird auch während meiner Abwesenheit in guten Händen sein. Übrigens werde ich bald wiederkehren.“ Dem alten Diener standen die Tränen in den Augen. „Ihr versteht mich schlecht, Fräulein‘, murmelte er, „ich weiß, dass mein Herr jetzt außer Gefahr ist; aber nicht seinetwegen, sondern Euretwegen solltet Ihr nicht ausreiten.‘“ „Ich erkläre mir nicht, was du für mich fürchten könntest; dein Bangen ist jedenfalls unbegründet!“ „Nicht doch, mein Fräulein. Ihr wolltet Euren Vater aufsuchen; verschiebt lieber diesen Besuch auf einen anderen Tag. Der Herr von Aubeck wird Euch heute nicht empfangen können.“ In Hertas Seele begann ein bange Ahnung aufzusteigen. „Wie könntest du wissen, wenn...?“ Sie vermochte nicht weiter zu reden. Der alte Diener hatte ihre beiden Hände ergriffen und begann bitterlich zu weinen. „Macht Euch gefasst, gutes Kind“, brachte er schluchzend hervor, „was ich Euch sagen muss, ist schrecklich.‘ Herta war leichenblass geworden.
53 „Die Burg Eures Vaters, Eure Burg, ist gestern Nacht plötzlich von der Erde verschwunden“, stammelte Friedrich weiter, „nur ein gähnender Riss im Boden bezeichnet die Stelle, wo sie gestanden hat!“ „Dieser Mann ist verrückt“, rief Herta, eilte davon und befahl dem Stallknecht, ihr Pferd zu satteln. Sie schwang sich behende auf das Ross und ritt der Stelle zu, wo sich das Schreckliche zugetragen haben sollte. Sie war so aufgeregt, dass es ihr nicht einmal einfiel, ihren Blick nach dem Turm der Burg zu richten. Sie hätte sich sonst, einigermaßen wenigstens, augenblicklich überzeugen können, ob das Furchtbare wirklich geschehen war. Aber nein, gedankenlos ritt sie weiter in den Wald hinein und in wilden Sprüngen über Stein und Gestrüpp. Als kurz darauf das Dunkel des Waldes hinter ihr lag und des Himmels Helle ihr entgegen leuchtete, da hielt ein plötzlicher Ruck das sich aufbäumende Ross und, wie vom Blitz getroffen, marmorbleich, starrte Herta die öde Stelle an, wo die Burg ihres Vaters gestanden hatte. Durfte sie ihren Augen trauen? War das Schreckliche doch geschehen? Kalter Schweiß trat ihr auf die Stirne. Aber was war das? Hatte da nicht eine Stimme ihren Namen gerufen? Sie wandte sich um. Ein Schreckensschrei entfuhr ihrem Munde. Neben ihr stand die Waldhexe. Der Bestürzung der jungen Reiterin wie zum Hohne, spielte ein grausiges Lächeln um ihre Lippen und sonderbarerweise schien im tiefsten Grunde ihres Auges ein Schimmer keimenden Mitleids aufzutauchen. „Fürchte dich nicht, liebes Kind“, sprach sie mit einer Stimme, die, obschon besänftigend, schaudererregend die Einsamkeit durchdrang, „wenn auch mein Anblick dich erschreckt, wenn mein Mund dir das Grausige bestätigen soll, das deine Augen nicht glauben können, so wird dir hier nichts zu Leide geschehen, denn auch nur Gottes Fügung erhielt dir bis heute das Leben, und nicht unwillkürlicher Zufall rettete dich vor einem sicheren Tode.“ Herta begann sich zu fassen. Die Hexe erzählte ihr nun, wie während der Nacht die Hochebene erschüttert worden und die Burg plötzlich zusammengestürzt war, wie sich dann die Erde geöffnet hatte, um ihre Beute zu verschlingen. Sie erwähnte dabei, dass sie Zeugin des furchtbaren Schauspiels gewesen sei, und versicherte mit Gewissheit, dass niemand, auch nicht ein Stück Vieh, Rettung gefunden haben konnte. Sonderbar war es, wie sie bei ihrer Erzählung vermied, den Namen des Ritters auszusprechen, und noch sonderbarer, dass sie, obschon alleinige Mitwisserin des Paktes Aubecks
54 mit dem Teufel, den Schleier nicht enthüllte, der des schwarzen Ritters geheimnisvolles Leben und verhängnisvolles Ende umflorte. Wenn drum die plötzliche Wahrnehmung des Geschehenen Hertas Seele tief erschütterte, wenn auch der Tod ihres Vaters ihr jugendliches Herz wie mit einer Lanze durchbohrte, so fiel kein Makel auf das Bild des Beschützers ihrer Tage, den sie nur als besorgt und zärtlich gekannt hatte, und dessen liebevolles Angedenken sie in ihrem Innern begrub, um es auch fortan treu zu bewahren. Tränenfeuchten Auges nahm sie Abschied von der Hexe und ritt langsam der Heystburg zu. Als sie in Adolfs Zimmer trat, verriet auch nicht ein Blick, wie sehr ihre Seele litt, wie gar das Blut in heißen Strömen der Wunde ihres Herzens entrann. Treu und mutig fuhr sie fort, den’ Verwundeten zu pflegen, gerade als ob nichts vorgefallen wäre. Erst als Adolf vollständig genesen war, erfuhr er, was sich so Schreckliches für Herta zugetragen hatte. Diese aber zog sich dann für einige Zeit in ein Kloster zurück, um dort in der Einsamkeit über den Tod ihres Vaters zu trauern. Erst nach einem Jahr durfte Adolf sie besuchen. Kurz darauf fand die Vermählung statt. Das junge Paar aber verließ bald die Stätte, die nur an Schauder und Schrecken erinnern konnte, und nie mehr hörte man in der Gegend etwas von ihnen. Die Heystburg indes verfiel nach und nach in Schutt und Trümmer, und heute ist auch sie gänzlich vom Erdboden verschwunden.
55 Rätselhaft Ein Goldfisch lebt’ in einem Glase (das Glas galt vorher nur als Vase)- in engen Kreisen schwamm er stumm im Glas und um sich selbst herum. Vergnüglich blickte er zur Uhr, wo alle halben Stunden nur ein bunter Vogel,-der dort schlief, plötzlich erschien und „Kuckuck“ rief. Der Vogel war des Goldfischs Freude, sein Zeitvertreib, ja seine Liebe- es schien ihm manchmal viel zu lang das Warten, wo der Vogel bliebe. Und eines Tages — welcher Schreck — Blieb dieser Vogel gänzlich weg. Der Goldfisch nahm sein Futter nicht, verlor an Farbe und Gewicht — und nach drei Tagen war er tot, kein Mensch verstand ja seine Not. Die Liebe — gleich, wohin sie fällt — Bleibt rätselhaft in dieser Welt. M.-Th. Weinert
56 Einwohnerverzeichnisse der Pfarre Walhorn aus dem 18. Jahrhundert Teil 2: Astenet - Merols - Rabotrath* von Alfred Bertha Unter Astenet Von Walhorn führt der Weg den Pfarrer nach Astenet, einem Weiler, dem durch die Familie Heyendal auf Schloss Thor und Mützhof eine gewisse Bedeutung zukam. Der Pfarrer beginnt am Ortsrand von Walhorn- Astenet, und zwar „In Prijsmeolen“ (Preismühle), die zweigeteilt war. Nummer 1: In der westlichen Hälfte Hermann Schoemecker, Eigentümer, 30.9.1683 Johanna Lamberts, seine Ehefrau, 12.4.1694 -kinderlos- Nummer 2: In der anderen Hälfte, nach Osten Jakob Lamberts, Eigentümer, 11.10.1689 Catharina Teller, seine Ehefrau, ca. 1705 Ihre vier Töchter: Anna Christina, 3.10.1727 Maria Martina, 10.11.1730 Maria Jenne, 24.3.1734 Anna Francisca, 25.1.1738 Nummer 3, “Zn gen Mesthoff” Nach Westen Andries Taeter, Eigentümer, 20.7.1699 Catharina, die Ehefrau des Matthias Keutgen, 8.7.1707 Ihre sieben Kinder: Mathias, 10.2.1723 Anna Elisabeth, 1.12.1728 Maria Catharina, 14.3.1730 Maria Jenne, 25.3.1733 * S. Teil 1 (Walhorn) in „Im Göhltal“ Nr. 72, Februar 2003, S.20-46.
58 Andreas, 9.6.1711 Hubert, 28.8.1714 Catharina, 9.5.1719 Zwischen diesem Haus und der Kuhle Nummer 6 Gaspar Krygenaer, Eigentümer Jenne Roskamp, seine Ehefrau Ihre 5 Kinder: Jakob Wilhelm . Elisabeth Margaretha, 27.5.1722 Maria Christine, 26.12.1724 Anna Maria, 29.11.1727 Nummer 7 Johannes Keuck, Eigentümer Catharina Ossemans, seine Ehefrau, 29.7.1688 Ihre zwei Töchter: Anna Maria, 15.2.1728, gestorben in Kettenis, Mai 1773 Maria Anna, 14.8.1737 Auf der Kuhl, nach Süden, 1756 zerstört Nummer 8 Heinrich Aldenhoven, Eigentümer, 1.9.1687 Margaretha Raedermecker, seine Ehefrau, 9.11.1718 Margaretha, 29.11.1729 -ein weiteres jüngeres Kind- Auf der Kuhl, gegenüber, nach Westen Nummer 9 Sophie Naedenoen, Witwe von Walr. Clocker, 1.1.1686, gestorben 19.12.1750, Eigentümer Ihre 4 Töchter: Marie, 4.9.1713, Ehefrau des Mathias Welter, gest. in Kettenis, Mai 1774
59 Elisabeth 20.1.1718 Anne Margaretha, 305.1719 Catharina, 22.3.1728 Nummer 10, “das kleine Häuschen” Anna Pael, ledige und gottesfürchtige Frau, Eigentümerin Nummer 11, neben dem Vorhergehenden, Eigentümer Heyendal Jakob Kool, Pächter, 101.1693 Christine Beuven aus Moresnet, seine Ehefrau, Ihre 7 Kinder: Gudula, 24.6.1722 Christine, 29.10.1724 Maria Catharina, 5.10.1726 Maria Sibylla, 23.11.1728 Lambert, 1.12.1731 Maria, 21.2.1734 Wilhelm,6.10.1738 Direkt gegenüber, Eigentümer N. Wilt Nummer 12 Gaspar Raedermecker aus Hergenrath Anna Monjer, aus Hauset Johann Theodor, Lambert Anton Peter Zepherinus Raedermecker, Knecht Cäcilia Janssen, Magd Im Stall Nummer 13 Johannes Schapken, ein Pole Gudula Hanssen, seine Ehefrau, 31.3.1702 Ihre 5 Kinder: Maria Catharina
60 Willem Jenne Johannes,Maria Joseph Nummer 14 Anna Elisabeth Moresnet, Eigentümerin, 9.4.1679 Ihre Kinder mit Mathias Keutgen Elisabeth, 6.1.1702 Hermann, 21.10.1704 Maria Agnes, 29.12.1709 Franz, 8.4.1712 Michael, 28.9.1713 Ä. Maria, 8.2.1717 Johannes, 23.6.1719 Franz Demanet, Schuhmacher, aus Aubel, mit seiner Ehefrau Die Wohnung des Müllers, direkt gegenüber dem Vorhergehenden, Eigentümer Heyendal Nummer 15 Johannes Coemaet Maria Gillis, seine Ehefrau Johannes, 27.5.1717 Philipp Jakob, 1.5.1722 Peter Weertz, Knecht Marie Gillissen, Magd Die Mühle; sie ist unbewohnt Nummer 16: Die Wohnung des Drossards J. Stephan Heyendal Mit ...van der Sanden, Magd Nummer 17, in seinem Hof, Pächter Cornelis Nelissen Eva Daelen, seine Ehefrau, aus Clermont Ihre 4 Kinder: Maria Theodor, Johanna und Wilhelm. Alle vier sind zur Kommunion gegangen.
61 Willem Rymes, Knecht Maria Catharina Hanssen, Magd Nummer 18, Mützhof Stephan Heyendal, Gerichtsschreiber, Eigentümer Margaretha Goor, aus Henri-Chapelle, seine Ehefrau, 1684 Johann Winand, 4.12.1714 Gerhard, Klosterherr in Rolduc, 1716 Joseph Heinrich, 5.9.1717 Christoph Franz, 27.5.1719 Maria Elisabeth, 4.8.1724 Anna Catharina, 20.9.1728 Theodor Mützenich, Knecht Maria Scheffer, Magd In der alten Schmiede ABM EZ / EEE ARE DT ZZ ; Ar A 3 AU ZA ZI EN ) Av | aa Pan ; Die „Schmiede” zeigt ein interessantes Beispiel ländlicher Bauart aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert. Ein Türsturz trägt die Jahreszahl 1585. (Foto: A. Bertha) Nummer 19 Anna Margaretha Beckers, Witwe von Heinrich Ossemans Anton, 28.2.1711 Cäcilia, Magd
62 Der Hof des Drossards Heyendal in der Neustraße Nummer 20 Leenard Timmermans, Pächter, 7.1.1711 Elisabeth Forsters, seine Ehefrau, vom Reynart Peter , ihr Sohn, 9.12.1738 Jakob, Sohn des Michael Broun, Schafhirte Maria Wel, Magd Auf dem Hof der Freifrau Margaretha von Trips (= Panhuyshof, Lands- cronenhof, Asteneter Hof) Nummer 21 8 Gudula Evengroot, Witwe von Lambert Kool, 1662 Johannes, ledig, 20.8.1695 Catharina, 21.10.1704 Cornel Janssen, Knecht u. Schafhirt Johannes Kryscher, Knecht, 12.10.1720 Jenne Schrynwercker, Magd In der Gippenhag („Geppenhaeghen“), Besitzer: Das St. Leonard Kloster/Aachen) CC DE ) AN Das Gut Gippenhag am Königsweg fa Bonn gele zent SCHE in seiner rn heutigen Form aus dem 19. Jahrhundert. (Foto: A. Jansen)
63 Nummer 22 Jan Dirick Jennis Catharina Thaeter, seine Ehefrau Ihre 6 Kinder: Maria Gertrud, 29.11.1726 Petronilla, 2.9.1728 Maria Catharina, 5.10.1730 Gaspar, 11.10.1734 Maria Joseph Anna Barbara, 7.5.1737 Auf der Weide (“op gen weye“. Eigentümer: Das Kloster St. Leonard, Aachen 3 öf MM Sn HR Wa are a. s A Der Hof „auf der Weide‘, 1888 im Besitz des Aachener Bauunternehmers Gerhard Rehm, wurde durch eine Stiftung desselben (Rehmsche Stiftung) zur Wiege des heutigen Katharinenstiftes. Rehm überließ das Gut den Augustinerinnen aus Neuß, deren Aufgabe es sein sollte, in den umliegenden Orten eine ambulante Krankenpflege einzuführen, Mädchen in der Haushaltsführung zu unterrichten, Waisenkindern ein Zuhause zu geben und Damen beider Konfessionen als Pensionärinnen aufzunehmen. (Foto: Göhltalarchiv)
64 Nummer 23 Johannes Teller, 18.8.1689 Gertrud Raedermecker aus Hergenrath, seine zweite Ehefrau Maria Elisabeth, 20.5.1722 und Margaretha, 22.2.1724. Töchter aus erster Ehe mit Amadea Baert (? Anna Maria, Tochter der vorgenannten Gertrud, 22.10.1728 Maria Gertrud, 1.3.1732 Johannes Theodor, 18.8.1735 Johann Wilhelm, 29.9.1737 Johannes Groteclaes, Knecht In der Neustraße (“In de nieuwstraet“) . Nummer 24 Gillis Hyns, Eigentümer Sophie Rotheudt (?), seine zweite Ehefrau, 27.2.1681, gest.1772 Ihre Kinder: Johannes, 1.3.1712 Anna Maria, 28.7.1714 Gillis, 19.4.1720 Magdalena, 29.11.1722 Daneben, an der Straße, unter demselben Dach Wilhelm Doremans, 4.11.1689 Maria Catharina Coemaet, seine Ehefrau, 5.11.1688 Ihre Kinder: Gertrud Maria * Johann Wilhelm In der Neustraße, nördlich des vorigen Nummer 26 Catharina Saelverberg (für Saevelberg), Witwe von Leonard Franck, Eigentümerin Sibylla, 18.1.1702 Maria Gertrud, 31.10.1707 Leonard, 2.12.1712
65 Daselbst in der Straße, nördlich vom vorhergehenden, 1745 verfallen Nummer 27 Maria Eyckens, „alte Jungfer‘“ („oude dochter“‘), Eigentümerin Cäcilia Dormans, Witwe von N. Kever Anna Catharina, deren Tochter Zwischen diesem Haus und der neuen Schmiede stand ein anderes Haus, das dem H. Heyendal gehörte. Dort wohnten: Nummer 28 Merten, Sohn des Johannes Kück Petronilla Bruwer, aus Monschau, seine Ehefrau Peter, ihr einziger Sohn, 2.4.1714 (Nachtrag 1:,,Beide abgebrochen“ 2: „Die Schmiede wurde errichtet ca. 1750 durch Gillis Hanssen‘“‘) Gegenüber Drossard Heyendal, in der Neustraße In der Schmiede Nummer 29 Maria Nyssen, Witwe von Wilhelm Hansen, Eigentümerin Gillis Hansen, 6.3.1705 Stephan, 16.12.1708 Ein betagter Bruder der Maria Nyssen Anton Barvau, Knecht, jetzt — 1765 — Gerichtsbote In der Gasse Nummer 30 Willem Heisterboom Catharina Schoemecker, seine Ehefrau, gest. 17.12.1753 Gegenüber der Kapelle und dem Vorgenannten Nummer 31 Maria Smett, Witwe von Johannes Loosberg, Eigentümerin Jenne Elisabeth, 7.10.1731 Anna
67 7 Ws Id E U & a U . 5 ev \ Val SEN Sn EA f 3 A 2 iM Ka A f Ve 4 Ks — ve DES N 27m A Der Hof „Vaen“ (auch „in der Fahn‘“), kurz vor Neuhaus gelegen, war als Gastwirtschaft bekannt. 1838 war er im Besitz des Leonard Keutgen. 1847 stand das Gut „die Fahne“ zu verkaufen. Besitzer waren Franz van Istendael und Maria Gertrud Coenen. 1872 wurde die „Vaen“ erneut zum Verkauf ausgestellt, diesmal „auf Anstehen der Beteiligten Cormann-Kloth“‘. (Foto: A. Bertha) Elisabeth, 25.3.1723 Lucia, 9.4.1725 Willem Paul, 25.1.1728 Johann Stephan, 15.11.1733 Jan Dirick, 2.6.1735 In de Vaen, im Süden, Eigentümer der Folgende Nummer 34 Hermann Beckers, 17.12.1710 Jenne Catharina Hendricx, 8.11.1713 Mathias Wilhelm, 20.4.1737 Gaspar Christian, 6.1.1740 Anna Maria Pitz, Magd
68 In de Vaen, im Norden Nummer 35 Laurenz Coremans Catharina Haveniet, seine Ehefrau Eine Magd Am Neuen Bau (= Neuhaus) Nummer 36 Dionis Cool, zweiter Ehemann, 16.9.1691 Elisabeth Hennen, Eigentümerin, 4.11.1690 5 Johann Franz, Sohn dieser Elis. Hennen und des Wilhelm Beckers, 19.4.1720 Stephan, 10.3.1723 Mathias Joseph, 12.9.1726 Op de Helmsplatz (heute Himmelsplatz), östlich der Straße Nummer 37 Christian Broun, Eigentümer Jenne Ginsterblom, seine Ehefrau Anna Maria, ihre Tochter, 10.3.1711 Unter demselben Dach, im Norden Nummer 38 Nicolaus Ginsterblom, Witwer von Barbara Nuellens Christine Sprooten, Magd Op de Helmsplaetse (= Himmelsplatz), westlich der Straße Nummer 39 Mathias Hennen, Witwer von Anna Timmerman, 1658 Maria Raedermeker, erste Magd Catharina Schruer, zweite und dritte Magd Ein Knecht
69 Fossei unter Hauset Nummer 1 9 Hans Adam Haemel aus Lontzen, gest. 5.1.1774 Catharina, Tochter des Nicolaus Gillis und der Catharina Grommet, seine Ehefrau, 14.5.1695 Jenne Catharina, 10.12.1733 Maria Gertrud, 24.5.1737 Eine auswärtige Wollspinnerin („trahens fila‘“) 5 r . N \! 7 nn \ > LE As \l X ER SE m = EB A SA 2 = Fachwerkgiebel am Hof Fossey (K. Homburg-Barth) (Foto: A. Jansen)
70 Nummer 2 Willem Windtmeulen aus Lontzen, Eigentümer Maria Catharina Chaineu aus Homburg Anna Catharina Arnold Johannes Servatius, 18.1.1728 Maria Catharina, 17.11.1730 Anna Barbara, 25.2.1734 Johann Stephan, 10.12.1736 Bärb Lammersdorff, Magd Daneben, nach Osten, an der Straße Gl Nummer 3 Johannes Roderbourg aus Monschau Anna Maria Baltus, seine Ehefrau Michael, ihr Kind Unter demselben Dach, nach Osten Nummer 4 Johannes Vosangel Gertrud Raedermecker, seine Ehefrau Johannes, Maria Elisabeth Werner, 4.1.1735 Gegenüber dem Vorhergehenden, südlich der Straße Nummer 5 Melchior Cofferslager, Eigentümer Maria Bodem, seine Ehefrau Frederick Anna Maria Catharina Anna Gertrud Cofferslager, eine erwachsene Verwandte
AN A Roverheide Ein Türsturz mit der Jahreszahl 1688 erinnert an die Familie Klein (Leonard Klein), die im 17. Jh. auf Roverheide wohnte. Auf dem Walhorner Friedhof befindet sich noch das Kreuz des «Thomas Klein ende Maria die Husvrawe van Thomas Klein van de Roover Heide» (1663). (Foto: A. Bertha) Nummer 6 Thomas Pael, zweiter Ehemann Maria Kleyn aus Eynatten Johann Leonard, ihr Sohn Ein Knecht Eine Magd Unter Eynatten, an der Merolser und Walhorner Heide Nummer 7 Hermann Westheim mit seiner Familia war unter Eynatten, aber ich habe sie zurückgenommen, wie auch die Roverheide, um das Jahr 1745. Merols Nummer 1 Johann Stephan Hüsseler Schwitzer, Witwer von Catharina Piper, das erste Häuschen das gebaut worden ist in der Merolser Heide, am Fuß des
72 Berges, woher dann diese Heide auch „Schwitzers Heide‘ genannt wird. Francis, sein Sohn, hier getauft 1703 Catharina Coemaet, dessen Ehefrau, aus Lontzen Ihre 4 Kinder: Barbara, verh. mit Peter Kück, 15.3.1727 Johanna, verh. mit Tilmann Hombourg, 14.11.1734 Peter, verh. mit Maria Wintjens, 24.1.1736 Stephan, 17.1.1739 u | aa MS | AS Eh Pa [13 Zu 2 A DE x is RE N as FE CM Sn a 8 SE = San EN AL = VE en Auf der Merolser Heide bauten die Eheleute Johann Stephan Hüsseler (Heuseler/Häusler) das erste Haus, das durch verschiedene Anbauten erweitert wurde. Am Mauerwerk sind vier Bauphasen erkennbar. (Foto: A. Bertha) Nummer 2 Michael Coemaet, Bruder der vorgenannten Catharina, Eigentümer, verh. am 10.2.1725 mit Maria Catharina Heuseler, der Schwester des Francis Heuseler, 30.4.1705 Ihre Kinder: Barbara, verh. mit Stephan Münsterman, 17.1.1726 Johanna, verh. mit Hermann Münsterman, 1728 Peter, verh. mit Maria Wintjens, 25.3.1730 $
73 Johann Stephan, unverh. gestorben, 12.3.1734 Theodor, 19.5.1738 „Bei den 100 Morgen“ Nummer 3 Michael Heisterboom, Eigentümer Anna Hoeven, seine Ehefrau Ihre Kinder: Anna Maria, verh. mit Heinrich Heyres, 10.10.1718 Peter, verh. mit Maria Jenne Liberts, 7.8.1721 Anna Elisabeth, verh. mit Franz Haller, 14.12.1723 Catharina, 24.7.1728 Direkt über Michael Coemaet, an der Münsterstraße Nummer 4 Frederik Lamberts Maria Timmermans, seine Ehefrau seit 23.11.1724 Maria Catharina, 1729 Elisabeth, 9.10.1736 Fredericus Postea, 1765 Pastor in Weißwampach, 8.10.1740 Nummer 5 Andries Gürtzen aus Gressenich, Eigentümer Elisabeth Phlips, seine Ehefrau, 19.3.1703 Willem, 31.5.1730 Maria Christine, 13.10.1731 Heinrich, 12.3.1733 Anna Margaretha, 23.10.1734 Johanna, 3.4.1736 Maria Catharina, 10.4.1738 Peter und Elisabeth, Zwillinge, 13.6.1740 Peter, 9.5.1742 Maria Gertrud, 17 (?) 3.1744 Ein Häuschen direkt über dem Vorigen
74 Nummer 6 Chritian Beyen, Eigentümer Elisabeth Weitzel (?), seine Ehefrau Ihre Kinder: Paul, verh. mit Maria Heisterboom Peter, verh. mit Anna Frederichs, 20.4.1720 Catharina, 13.3.1725 Johannes, verh. mit Ursula Wüller, 10.2.1728 Nummer 7 Willem Vos aus Henri-Chapelle, Eigentümer, (erbaut ca. 1738), gest. 1758 . Maria Hungers aus Henri-Chapelle, seine Ehefrau Arnold und Thomas, waren auswärts Catharina, in 2. Ehe mit Peter Geelen verh. Hans Willem Johannes, verh. in Kettenis mit Anna Maria Schonck, ca. 1751 Heinrich, Soldat, gefallen im Hertogenwald „unter den Holländern“ (inter Hollandos) Maria Joseph, verh. Mit Wilhelm Krütz aus Kettenis, ca. 1761 Peter, verh. mit Catharina, der Tochter von N. Janssen, in Kettenis, ca. 1760 Ida, hier get. 16.7.1738 Auf den Weihern; Eigentümer Herr J. Wilh. von Berghe von Trips Nummer 8 Gerard Haeghen, Pächter, 2.1.1695 Anna Christine Franck aus Moresnet, seine Ehefrau Anna Catharina, 12.9.1724 Theodor, 6.9.1726 Maria Ida, 24.1.1729 Margaretha, 13.5. 1731 Johann Stephan, 4.3.1737 Auf der Weide, Eigentümer Herr von Berghe von Trips auf Crapoel
75 Der Hof „Auf den Weihern“ (links der Straße Kettenis-Merols) gehörte zum Besitz des Jakob von Hagen (von Hagenshof, dem jetzigen Philippenhaus), dessen Tochter Anna-Catharina ihn ihrem Neffen (Heinrich) Johann Wilhelm von Berghe von Trips schenkte. Dieser war schon Besitzer des „Hagenshofs‘“, mit dem „Auf den Weihern“ nun vereint war, Beim öffentlichen Verkauf i. J. 1786 wird die Größe des Gutes mit 13 Bunder angegeben. Die Weiher sind im Laufe der Zeit trocken gelegt worden; neben dem Namen des Hofes erinnert auch noch die in der Nähe befindliche Bushaltestelle an die frühere Beschaffenheit des Geländes. (Foto: A. Bertha) Die heutige Bezeichnung des rechts der Straße Kettenis-Merols (Nr. 347) gelegenen Gutes ist „große Weide“, (Foto: A. Bertha)
76 Nummer 9 Willem Keurtgen, zweiter Ehemann Johanna Clöckers Die vier Kinder aus der Ehe mit Johannes Schein: Peter, verh. mit (.) Scharis, 15.4.1714 Gertrud, verh. mit Lambert Kool, 29.8.1716 Johannes, verh. mit Margaretha Kool, 17.7.1722 Gaspar, 6.10.1723 Das Stocklehen Nummer 10 i Catharina Erckelenz, Witwe von Wilhelm Mennicken Johannes, ihr Sohn, der einzige Kalvinist, Anna Catharina Janssen, ihre Nichte, 21.4.1726, gest. 1774 Auf Bovendriesch, am Busch, an der Straße Nummer 11 Hendrick Sohn des Philipp Pons, Eigentümer, 9.10.1708 Agnes Raedermecker aus Mechelen, seine Ehefrau Anna Catharina, 25.1.1732 Maria Christine, 18.3.1733, ledig gestorben Ebenda, nach Westen, jenseits der Straße Nummer 12 Peter Mennicken, Sohn des Wilhelm, Eigentümer Christine Matthai, seine Ehefrau Johanna, verh. mit Johann Keutgen aus Hauset, später mit N. Mager, in 3. Ehe mit Joseph Pües (?), 25.1.1732 Unter demselben Dach, im Süden Nummer 13 Leonard Fredericks, Elisabeth Cappel, seine Ehefrau Ihre beiden Kinder: Anna, in dritter Ehe verheiratet mit (.) Lambert
77 Auf Schimmerich (in den Schimmerick) 8 PP. I x. $ 4 0 Be EA . G FA De a . | Auch das Gut „Schimmerich“ gehörte früher zur Pfarre Walhorn. 1764 wird Schimmerich als Eigentum der Eheleute Christian Wernerus und Magdalena Vos, beide aus Kettenis, bezeichnet. Sie haben 5 Kinder: Maria Elisabeth (27.6.1750), Leonard, Magdalena (15.9.1755), Maria Joseph (10.5.1758), Leonard (6.3.1760) und einen Knecht. (Foto: A. Bertha) Nummer 14 Peter Wernerus Odilia Mennicken, seine Ehefrau, hier get. am 25.3.1686 Johannes, 6.11.1713 Nicolaus, 13.3.1724 Peter, verh. 1767, 8.10.1727 Bei ihnen wohnen: Johannes Mondi, 28.1.1737 und dessen Ehefrau Christine Manstein Auf Raerenpfad Nummer 15 Severin Fryns, 2. Ehemann Clara de Heselle, Witwe von Peter Emondts Maria Catharina, Tochter ihres Sohnes Johannes
78 Auf Raerenpfad, nach Süden Nummer 16 Lambert Schruer Anna Coremans, seine Ehefrau Anna Catharina, 15.1.1731 Laurenz Hermann, 1.10.1732, Maria Elisabeth verh. 1761 mit Jakob Rousch und Johann Wilhelm, Zwillinge, 7.8.1734, gest. in Monschau 1760 Antonia, 28.1.1737, als Kind gestorben Bei ihnen wohnt eine Frau von auswärts. Auf Raerenpfad, noch weiter nach Süden Nummer 17 Gerard Kalff, Witwer von Peter Elsen, 19.3.1679 Arnold Elsen, verh in Kettenis Johannes, verh. mit Maria Catharina Phlips, 10.12.1711 Anna Maria Clara, 15.10.1724 und ein Knecht “op t’getauw“. Dieses Haus wurde um 1750 geteilt und mit dem Land durch den Herrn de Royer erworben. Noch weiter nach Süden Nummer 18 Nicolaus Kornael, Eigentümer, erbaute das Haus 1724 Maria Schein, seine Ehefrau, hier get. am 1.5.1689 Nicolaus, der ältere (Sohn), ist in Verviers getauft Jakob Heinrich get. in Kettenis Gertrud, get. in Kettenis Anna Elisabeth, 21.7.1726 Auf Raerenpfad, noch weiter auf Kettenis zu Nummer 19 5 Gerard Pael Seine Ehefrau Gudula, ihre Tochter, geistesschwach
79 Auf der Luft (op gen locht), Eigentümer Herr von Trips zu Merols Nummer 20 Nicolaus Cool, Pächter, 21.10.1704 Maria Keutgen, seine Ehefrau, 8.2.1717 Gudula, ihre ältere Tochter, 1740 Eine Magd Heinrich Bruwer, ein alter Mann N ee DEE n BR RE RE A Vs A ER EN A Br n KR „Gut Luft“, in offener Wiesenlandschaft etwas abseits der Aachener Straße gelegen, gehörte ursprünglich zum Besitz des Jakob von Hagen (von Hagenshof = Philippenhaus) und ging zu Anfang des 18. Jahrhunderts in den Besitz des Wilhelm- Heinrich von Berge von Trips (von Crapoel, Rabotrath) über. Durch einen Gütertausch mit seinem Bruder Johann (auf Hagenshof) kam auch „Gut Luft“ wieder zu diesem Hof zurück. Im Verzeichnis von 1764 stehen als Bewohner von „op de locht“ die Eheleute Jakob Schruer aus Eynatten und Maria Thelen aus Hergenrath mit ihren Kindern Marie, Anne, Marie Catherine (1.5.1750), Johannes Lambert (17.2.1753) und Maria Elisabeth (23.4.1761). Sie beschäftigen 1 Magd. Beim Verkauf im Jahre 1786 ging „Gut Luft“ mit 17 Bundern Land in den Besitz des Leonard Wernerus über. Hat der neue Besitzer Umbauten durchführen lassen? Oder hat er sich damit begnügt, über dem Hauseingang eine Bildnische mit seinen und seiner Gemahlin Initialen (Anna Barbara Mor€) anzubringen? Leonard Wernerus brachte 1831 u. a. das Gut Luft (72 Morgen) in eine Armenstiftung ein, die noch heute besteht. Die zu Gut Luft gehörenden Ländereien sind weiterhin Eigentum dieser Stiftung. (Foto: A. Bertha)
80 Nr. 2] Waldenburgshaus, steht leer Vi 3 AO in AP A PO FT EA ZB &“ SEI. 500 A z 7 ASS 52 WE U A EN 2 # DEE A A X « HE SO HR AHE ) 5 DE WE Aha ie KANN A “ AN 3 { iu 27 A SC EA A & A a AN | E A a Li E = BL = AB Der „Hof von Merols“ wird in den Lehnsregistern des Aachener Marienstiftes schon 1397 genannt und war damals im Besitz des Johann Prijs von Rabotrath. Ursprünglich war das heutige Waldenburgshaus nur ein von Wassergräben umgebener Wohnturm, der als Hooghuys bezeichnet wurde. Unter den Besitzern finden sich klangvolle Namen wie die der Crümmel oder Bertolf von Belven. 1661 kam das „Hochhaus“ durch Kauf an Andreas von Waldenburg, der im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und Spanien als Colonel (Oberst) im Dienst des Herzogs Karl IV. von Lothringen in unsere Gegend gekommen war. Er ließ das alte „Hochhaus“ durch einen Neubau ersetzen. König Philipp IV. von Spanien adelte den Offizier i. J. 1659. Die 1669 errichteten neuen Wirtschaftsgebäude zeigen das damals verliehene Wappen von Waldenburg . Das Schloss blieb im Besitz dieser Familie bis 1776. (Foto: A. Jansen) Nummer 22 Laurenz Kool, Pächter, auf Waldenburg, 11.8.1680, Sohn von Dionis Cool und Catharina (.) Margaretha Maria Schoemecker, seine Ehefrau, Tochter von Johannes Schoemecker und Maria Hijns, 17.(?) 10.1681 Dionisius
81 Maria, nicht (mehr) zuhause Anna Margaretha Anna Catharina Johanna Joseph Simon van der Sanden, Knecht Johannes Goor, Schafhirt In den Fanien, nach Süden Nummer 23 Cornelis Kever Christine Fryns, seine Ehefrau Anna, starb ledig, 28.3.1709 Frederick, verheiratet in Kettenis, 8.7.1713 Maria Catharina, 30.7.1707, Ehefrau des Peter Hunger, der geflohen ist. Ihre 3 Kinder: Anna Gillis, Johanna Maria Unter demselben Dach, nach Norden Nummer 24 Anton Weertz aus Lontzen Ida Fryns, seine Ehefrau, ohne Kinder (Anm.: Die „Fanien“ lagen in unmittelbarer Nähe von Waldenburgs- haus). Der Hof des Herrn von Trips Nummer 24 (bis Francis Kerris Angela Beuven, seine Ehefrau Anna Catharina Magdalena, hier getauft am 17.9.1726 Maria Anna, 6.1.1735 Johann Wilhelm, 17.6.1739 Das Haus des vorgenannten von Trips
82 Nummer 25 Der Herr von Trips selber, hier geboren, Hans Willem, 8.7.1701 Maria Anna van Houven, seine Ehefrau, aus Mehr (= Mheer?) Maria Anton Wilhelmina, ihr einziges Kind, 20.8.1734 (.) van Houven, Witwe des Barons van Loon Maria Theresia, die Schwester Peter Straeten, Knecht Catharina Geelen, Magd Anna Maria Nyssen, idem Jenseits der großen Straße Nummer 26 Nicolaus Simons, Eigentümer Catharina Heisterboom, seine Ehefrau, 10.12.1703 Peter, 20.2.1726 Hans Peter, 23.4.1729 Nicolaus, 3.1.1732 Andreas, 9.2.1735 Willem, 28.2.1737 Maria Anna, 28.5.1739 Ein Kind des Herrn de Royer, 24.6.1739 Im Backhaus dieses Hauses Nummer 27 Johannes Daelen genannt Hagerjan Maria Kleyn, seine 2. Ehefrau Bei ihnen wohnen: Gillis Lückens (?) und seine Ehefrau Maria Piel mit ihren 2 kleinen Kindern An der Straße, östlich Nummer 28 Lenart Keursgen, Eigentümer Elisabeth Pons, seine Ehefrau Johannes, 13.4.1706 Johanna, 4.8.1707, starb ledig
83 Maria, verh. mit Cornelius Schein, 18.2.1709 Willem, ledig, 29.12.1714 Odilia, 8.8.1716, verh. mit Leonard Yserentandt Leonard, 10.2.1719, ledig gestorben Catharina, 17.7.1723 Direkt gegenüber dem Vorigen, westlich der Straße Nummer 29 Maria Kryscher, Witwe von Hubert Liberts, Eigentümerin, 167(.) Catharina Gertrud Maria Anna, starb ledig Peter Andreas Maria Jenne Ida, verh. Mit Peter Emondts Neben dem Haus Nummer 28 Nummer 30 Johannes Straeten aus Hergenrath, Eigentümer Eva Groonenrode, seine Ehefrau, 22.8.1700 Ihre 5 Kinder: Johann Stephan, 3.11.1723 Jenne Catharina, 1727 Maria Agnes Maria, starb 1754 Peter (Zusatz: Maria Jenne) Jenseits der Straße, westlich Nummer 31 Cornel Schein, 2. Ehemann Eva Smets, Eigentümerin Peter Kryscher, Sohn der Eva, 20.12.1712 Gertrud auch eine Tochter von J. Kryscher Cornel, 31.7.1717
84 Johannes, 12.10.1720 Catharina, einzige Tochter des Cornel Schein, 26.11.1724 Auf der anderen Straßenseite, östlich Nummer 32 Marcel Kirschfinck aus Raeren, Eigentümer Johanna Brül, seine Ehefrau Anna Catharina Joseph, 19.3.1726 Adam, 24.8.1728 Johann Stephan, 14.10.1736 Dirick Esser, Schneider . Auf derselben Straßenseite, nach Osten Nummer 33 Peter Kryscher, Maria Geelen, seine Ehefrau, seit 1739 verheiratet Unter demselben Dach, nach Norden Nummer 34 Johannes Jong, 2. Ehemann Catharina Laps, Witwe von Andreas Kamp, Eigentümerin, hatte geheiratet am 1.3.1718 Barbara, 16.9.1722 und Anna Catharina, 9.4.1723, Kinder aus erster Ehe Johannes Willem und Andries, Söhne von Johannes Jong An derselben Seite, östlich Nummer 35 Nicolaus Kannebecker, aus Raeren, Barbara Emondts, seine Ehefrau, ebenfalls aus Raeren mit drei kleinen Kindern, die in Raeren getauft worden sind (Hier setzt der Pfarrer zum Namen des Mannes hinzu:“nomine et omine“‘, womit er wohl sagen will, dass der Nicolaus Kannebecker mit diesem Namen zum Beruf des Töpfers vorherbestimmt war). Unter demselben Dach, nördlich
85 Nummer 36 Johannes Wolter, Eigentümer Elisabeth Keursgen, seine 2. Ehefrau Elisabeth, Tochter des Johannes und der Gertrud Liberts, 17.4.1725 Willem, 21.2.1734 Arnold, 10.12.1736 Peter Joseph In derselben Straße nach Monschau oder zum Wald, südlich Nummer 37 Severin Fryns, Eigentümer, 31.5.1695, verh. am 12.2.1720 mit Elisabeth Kalf Maria Wintgens, seine 2. Ehefrau Marcel Mathias und Johannes, 2.4.1730, Kinder aus der Ehe mit Elis. Kalf Gertrud, 2.2.1735 Heinrich, 23.12.1736 Peter 27.11.1738 Willem Weiter auf den Wald zu, an derselben Straßenseite Nummer 38 Frederick Schruer Anna Catharina Stein, seine Ehefrau Anna Catharina, 29.10.1733 und (...), 1735, die beiden einzigen Kinder Bei ihnen wohnen: Johannes Kettenis und seine Ehefrau Direkt gegenüber, auf der anderen Straßenseite, nach Norden Nummer 39 Johannes Mondi, Eigentümer Gertrud Nyssen, seine 2. Ehefrau Die 4 Kinder aus der Ehe mit Maria Kalf Johannes, hier get. am 28.1.1717
86 Edmund, verh. in Kettenis, 27.11.1719 Elisabeth Maria, 305.1722 Jean (...), Junge von auswärts Maria Jenne, eine Nichte von Joh. Mondi Im Laas, nördlich der Straße Nummer 40 Edmund Emonts Catharina Keursgen, seine Ehefrau, Eigentümerin, 1699 Johanna, ledig, 29.1.1732 f Johann Mathias, 24.2.1734 Wilhelm, 29.8.1736 Peter, verh mit Ida Liberts Im Laas, südlich der Straße Nummer 41 Willem Emondts, Brauer, aus Raeren Maria Pesch, seine Ehefrau, aus Raeren Johannes Catharina Maria Anton (?), alle get. in Raeren Mathias Willem, getraut in Aachen am 16.5.1736 mit Maria Anna Schnyder, Magd Daselbst, direkt gegenüber dem Vorigen, nach Osten oder näher zum Wald hin Nummer 42 Johann Wernerus Susanna Pesch, beide aus Raeren Mathias Pesch und Johannes Ertz, Jungmänner, arbeiten bei ihnen an den Webstühlen („getouwen‘“‘).
88 Nummer 2 Jan Keersten, Pächter, aus Lontzen * Catharina Daelen, seine Ehefrau, aus Baelen Johann Theodor, 17.2.1720 Karl, verh. 1760 mit Maria Elisabeth Windtmeulen aus Lontzen Maria Catharina, verh. mit N. Coremans (jetzt, 1774) in Lontzen Johannes Spronck, Schafhirt Gertrud Jacobs, Magd Auf Tannenbusch, Neubau, Eigentümer Cornel Haemel aus Lontzen Nummer 3 } Peter Coemaet Anna Mertens, seine Ehefrau Anna Barbara, 3.11.1735 Gertrud Mertens, Schwester der Ehefrau Catharina Piper, Witwe des Peter Coemaet, des Onkels von Peter Catharina, 14.4.1717 Elisabeth, 4.10.1719 A _—_- ET m EEE ET SF TA „„Tannenbusch“‘, zu Pfarrer Vanden Daeles Zeiten ein Neubau. In einer Verkaufsanzeige vom 2.2.1844 wird Tannenbusch beschrieben als ein Gut bestehend aus Wohnung, Stallungen, Garten und Wiesen von insgesamt 22 Morgen. Das Gut war damals Eigentum der Witwe Joh. Wilh. Hamel. (Foto: A, Bertha)
89 Bockendriesch, gehört jetzt fest zu Lontzen, denn 1739 war dies zweifelhaft Nummer 4 Schloss Crapoel, Besitz des sehr ehrenwerten Herrn von Trips, steht leer Nummer 5 Thomas Pastager mit seiner Ehefrau, Wallonen Ihre erwachsenen Kinder: Andreas und Johanna Catharina Nicolaus Weertz, Knecht Nicolaus Mertens, Schafhirt Eine Magd Auf Bockenhof, Eigentümer die Folgenden En 4 A PN 2 74 uf EN ‚ el A BD EST N SE ad} { ME. AR N + iS E. N N W L \o HM FEN 5 ee] A EA ® za Der „Bockenhof“ gehört zu den größeren Gütern in Rabotrath. Ursprünglich war er im Besitz der Familie Prijs, die schon 1397 (Tod des Johann Prijs) genannt wird. Christian Quix (Kreis Eupen, S. 79) vermutet, dass dieser Hof der „Urhof Rabottraed war, aus welchem die anderen dortigen Höfe allmählich entstanden waren“. 1453 trug er den Namen Prijshof (Coels, S. 513: „...den großen Hof zu Rabotrath genannt Prijshof“. Besitzer war damals der bekannte Carsillis von Eupen (+ 1453), Erbmarschall im Herzogtum Limburg.
90 1497 begegnet uns zum ersten Male der Name Buck in der Person des Roilant von Buck, des 2. Ehemannes und Sachwalters der Jenne von Avennes, die in erster Ehe mit dem Aachener Schöffen Johann Beyssels verheiratet gewesen war. Aus dem Namen Buck, der uns noch 1583 mit Junker Peter Buck, „Besitzer des Walen- oder Heggenshofes‘“ begegnet, wird im 17. Jahrhundert „Bock“ und der Hof wird ab 1634 in den Lehnsregistern des Aachener Marienstiftes als „Bockenhof*“ genannt. Am 1.10.1721 empfängt der Schöffenmeister Wilhelm Adolf Freiherr von Eyß de Beusdal das Gut zu Rabotrath, „das anfangs Preyß-, nachher Heck- oder Walenshof, nun aber Bockenhof genannt wird“ (Coels, S. 518). 1725 geht der Bockenhof durch Kauf an die Familie Loop. Aus einer Schuldverschreibung vom Jahre 1766 ersehen wir, dass der Hof damals aus Ställen, Scheune, Brauhaus, Fischteichen, Gemüsegarten und 60 Bunder Land bestand. 1783 geht der schwer verschuldete Bockenhof mit 36 Bundern Ländereien an Maria Cool, Wwe des Johannes Ahn, und deren Kinder. (Foto: A. Bertha) Nummer 6 Helena Birven aus Montzen, Witwe von Wilhelm Loop Mathias Loop, deren Sohn, ledig Leonard, der andere Sohn, aus Henri-Chapelle Maria de Tiege, seine Ehefrau Johannes Wilhelm, Ordensmann in Val Dieu, 5.5.1735 Maria Helena, 15.2.1737, verh. in Malmedy Johanna Elisabeth, 7.3.1739 Peter Kück, Knecht Maria Schirvel und Maria Clöckers, Mägde Nummer 7 Elisabeth Goblet, Witwe von N. Könings Bartholomäus Könings, ihr Sohn, Eigentümer Klara Pantzer aus Baelen, seine Ehefrau, kinderlos Anna Könings, Schwester des Bartholomäus Johann Heinrich Heyres, Knecht Eine Magd Der Hof der Töchter des Herrn von Crapoel, Margaretha und Luise Nummer 8 Leonard Kleyn, Pächter, und seine Ehefrau Gertrud, verh mit Cornelius Weertz, Müller in Lontzen, starb am 15.9.1772 auf Preismühle
91 Maria Catharina, verh. mit dem Müller in Baelen Jenne Catharina, verstorben Maria Joseph, gest. ca. 1745 Zwischen dem vorigen und dem folgenden Hof, Eigentümer Gaspar Philips Nummer 9 Theodor Ahn aus Lontzen, Pächter Anna Maria Raedermecker, seine Ehefrau Leonard, ihr Sohn, etwa 10 Jahre alt Nach Westen Nummer 10 Ludwig Philips, Eigentümer, 27.1.1695 Maria Catharina Soclet, seine Ehefrau, aus Henri-Chapelle Elisabeth Gaspar, Anna Maria Hans Willem Peter Franz, Vikar in Simmerath, 1774 Johann Stephan Cornelius Coemaet, Schafhirt Anna Maria Kalff, Magd Dem Drossard Heyendal gehörender Hof Nummer 11 Gerard Mützenich aus Lontzen, Witwer Heinrich, sein Sohn Mathias, der zweite Sohn, 22.9.1695 Jenne Smetz, seine Ehefrau Nicolaus, 20.2.1733 Gerard, 4.7.1735 Johannes, 18.8.1739 Simon und Anna Maria Anna Maria Du Jardin, Magd Maria Catharina Meessen, zweite Magd
92 Das Haus des Theodor Strang, tiefer als das vorige, im Norden Nummer 12 Gillis Loos, Pächter, (gebürtig) bei Vise Jenne Raedermecker, seine Ehefrau, 27.2.1702 Hubert Philipp Maria Catharina Gillis, Francis und Joseph, später geboren Eine Magd oder eine bei ihnen wohnende Person für das Weben Ein dem eben genannten Strang gehörendes Häuschen P Nummer 13 Johannes Widefelt aus Kornelimünster Maria , die Tochter des Wilhelm Christiaen, seine Ehefrau Maria Clara, ihr erstes Kind, 29.4.1739 Unter demselben Dach Nicolaus Broue, französischer Flüchtling aus Bourges-en-Berri Maria Prülin aus Thionville (= Diedenhofen in Lothringen), seine Konkubine Ich habe dafür gesorgt, dass sie weggezogen sind. Sie haben 1741 in Kettenis geheiratet. Krompelberg, Eigentümer Herr von Trips auf Crapoel Nummer 14 Hubert Hellebrandt, Pächter Maria Catharina Looslever, seine Ehefrau Hans Joseph, ihr Sohn Ein Knecht, ein Schafhirt, eine Magd ko
93 Am Ende seiner Erhebung angekommen, zählt Pfarrer Vanden Daele die 1740 bestehenden Häuser und die zur Kommunion gehenden Pfarrkinder. Hier das Ergebnis: In Walhorn: 76 Häuser und 289 „Kommunikanten“ In Astenet, Hauset und Eynatten: 45 Häuser mit 188 Kommunikanten In Merols: 42 Häuser mit 174 Kommunikanten In Rabotrath: 14 Häuser mit 57 Kommunikanten. Insgesamt zählte der Pfarrer in seinem Pfarrsprengel 177 Häuser und 708 Kommunikanten. Leider erwähnt der Pfarrer nicht die Gesamteinwohnerzahl. 1740 gingen 21 Pfarrkinder zum ersten Male zur Kommunion, darunter der am 21.2.1720 geborene Adam Pons. Die übrigen verteilten sich über die Jahrgänge 1725 bis 1728. In der im Vorhergehenden nur sporadisch erwähnten Hausliste von 1768 macht der Pfarrer zum 1. Mai jenes Jahres ebenfalls Bilanz und kommt zu folgendem Ergebnis: Unter Walhorn: 91 Häuser, davon 8 leer stehende, 86 Familien, 407 Einwohner; unter Astenet: 46 Häuser, 45 Familien, 261 Einwohner; unter Merols: 45 Häuser, 51 Familien, 258 Einwohner; unter Rabotrath: 16 Häuser, 15 Familien, 89 Einwohner; unter Hauset (Fossei): 9 Häuser, 8 Familien, 39 Einwohner; unter Eynatten: 1 Haus mit einer vierköpfigen Familie. So hatte Pfarrer Vanden Daele in seiner ausgedehnten Pfarre 216 Häuser und 209 Familien mit 1013 Seelen, wovon 735 als „communicantes‘ und 278 als „non communicantes‘“ gezählt wurden. Von 1740 bis 1764 ergibt sich eine Steigerung der Häuserzahl von 177 auf 216, was eine Zunahme von rund 22% bedeutet.
94 Dat Dösske met de Püttchkere ! Ett sönt att Enneje Joore här, du bestroffde ne Vadder sie kl&e Mäddeke va voof Joor, weil ett oonüedech enn Roll bont Papier verschneppelt hauw. Ett Jeld wor knapp än e koss n&et verstuewe, datt ett Kengk dat Papier verknöllt hauw, vör en Duues te bekläeve, die onder ne Chreesboom stong. Ett andere Mörjens, dat Klengt braat dat Jeschenkske singe Papa än saat: „Papa, dat han &ch vör d£&ch jemackt!“ E witschke beschammdt, dong höm sing Schäler&ej l&ed. Wie häe dat Dösske opmackde än sooch, dat ett lääsch wor, schreejdene häe op ett Kengk: „Weetz dow n&et, dat me je Päckske verschenkt, wue negeks drä Ess?“ Dat Mäddeke bekäek singe Papa met Trönnchere ien Owwe än saat: „Mä Papa, die Duues €ss neet lääsch, ch han se jevöllt met Püttchkere, janz all&ng vör dech!“ Der Pap hauw der suure Schleck, kräech sie Kengk iene Äerem än dong s£ch e duzzend Mool entschöldeje. Kötte Tiiet doropp veroonjlöckde dat Mäddeke än loot sie Lääve. Dä Pap, jeddes Mool, wenn ett emm schläet jong än hömm der Moot verloot, kräech häe sch dat Dösske, noom sech dorutt e Püttchke än daat an de L&evde, die sie Kengk do drä jedue. Dat Vertellche deet oss doraa denke, dat jederrenge va oss als Minsch e sue Dösske met de L6&evde än de Püttchkere van 0ss Kenger, oss Familie off oss Vrönde ha soll. Vrönde, waahl r£cht&je, sönt wie Engele, die oss werrem op de rechteje Positiuun brenge, wenn oss Vlöjele sch nget mie erennere könne, wie me vlütt! E Dösske, dat me nie verl&ere döet... Henri Beckers ! Püttchkere (aus frz. bouche = Mund) = Küsschen
95 Die Königliche St. Paulus Schützengesellschaft Kelmis von Iwan Jungluth Das schnelle Anwachsen der Bevölkerung im neutralen Gebiet von Moresnet, dem heutigen Kelmis, früher auch häufig Altenberg genannt, begünstigte das Entstehen eines durch die Bergwerksgesellschaft der Vieille Montagne geförderten regen Vereinslebens. So entstand schon 1852 unter dem Patronat der hl. Barbara und Sebastian die erste Schützengesellschaft. 1867 schlossen sich weitere Freunde des Schießsports zur Schützengesellschaft St. Hubertus zusammen. Im Januar 1897 folgte ein dritter Schützenverein, der sich St. Paulus Schützengesellschaft nannte‘. Als Vereinslokal wählten diese Schützenbrüder die Gaststätte Meessen, besser bekannt unter dem Namen „Eden“, wo der Verein bis zur Schließung dieses Lokals und des angegliederten Saales blieb. Als erster Präsident fungierte Jakob Peusgen, erster Vizepräsident war Hubert Lenders. Die weiteren Vorstandsmitglieder waren Joseph Bonni als Hauptmann, Joseph Peusgen als Leutnant, Joseph Meessen als Schriftführer und Fritz Meessen als Kassierer. Aus den Protokollbüchern ersehen wir, dass im Laufe der Jahre folgende Schützen das Präsidentenamt bekleidet haben: Hubert Lenders, 1903 — 1922 Jakob Schyns, 1922 — 1934 Hubert Sebastian, 1934 — 1945 Peter Schyns, 1945 — 1949 Jean Barth, 1949 — 1951 Jacques Chantrain, 1951 — 1960 Jacques Schmetz, 1960 — 1969 Jacques Lavalle, 1969 — 1977 Jacques Schmetz, 1977 — 1983 Henri Meesters, 1983 — ' Damit war das Reservoir der Schießsportfreunde jedoch immer noch nicht erschöpft. 1911 folgte die Gesellschaft „Vereinigung“, 1919 die Schützengesellschaft St. Johannes und 1929 die Schützengesellschaft St. Petrus.
96 Die Statuten des Vereins legten fest, dass jeder Anwärter auf Mitgliedschaft das 18. Lebensjahr erreicht haben musste, aber nicht älter als 40 Jahre sein durfte. Die Mitglieder mussten sich verpflichten, an den von der Gesellschaft veranstalteten Festlichkeiten und Aufzügen teilzunehmen. Die Aufnahmegebühr betrug 3 Mark; dazu kam ein monatlicher Mitgliedsbeitrag von 20 Pfennig. Die Gesellschaft behielt sich das Recht vor, jedes Mitglied, das gerichtlich verurteilt würde, vom Verein auszuschließen. Aus dem mehr als 100-jährigen Vereinsleben, welches sich in den alten Protokollbüchern widerspiegelt, konnten wir einige Besonderheiten herausgreifen. 04.04.1897: Die Versammlung beschließt, eine provisorische Vereinsfahne zum Preise von 60 Mark anzuschaffen. Beim ersten Königsvogelschuss soll diese Fahne die Schützen anführen. Am 16.05.1897 wurden 14 neue Mitglieder in die Schützengesellschaft aufgenommen. Joseph Bonni wurde einstimmig zum Fahnenträger gewählt. Der erste Königsvogelschuss fand statt am 13.06.1897. Die Königsehre ging an Heinrich Kerkhoff. Im Jahre 1888 wurde das erste Kugelgewehr bei der Firma Lagosch in Lüttich bestellt. Finanziert wurde die Anschaffung durch eine Tombola. Im gleichen Jahre, am 17. April, wurde Sanitätsrat Dr. Molly, eine sehr bekannte und geachtete Persönlichkeit, als Ehrenmitglied aufgenommen. Vom Wachsen der St. Paulus Schützengesellschaft zeugen die Mitgliederzahlen. Im Jahre 1907 zählte der Verein bereits 69 Mitglieder! Schützenkönig wurde in jenem Jahre Wilhelm ÜUrlings. International traten die St. Paulus-Schützen im letzten Friedensjahr vor dem Ersten Weltkrieg hervor, als sie vom 17. bis 24. Mai 1914 ihr erstes internationales Schützenfest organisierten. Eröffnet wurde dieses Fest durch 100 Böllerschüsse und einen großen Festzug, an dem sich 51 Vereine beteiligten. Der Erste Weltkrieg ließ alle Aktivitäten der Schützen ruhen. Im Jahre 1922, am 25. und 26. Juni, feierten die Kelmiser Schützen ihr 25-jähriges Stiftungsfest. Wie die Chronik berichtet, ereignete sich zur Eröffnung beim Böllerschießen ein Unfall, bei dem der Schütze Theo Janssen verletzt wurde und nach Aachen ins Spital gebracht werden musste. Durch Schreiben Seiner Majestät Albert I. vom 8.7.1922 wurde den St. Paulus-Schützen die ehrenvolle Auszeichnung verliehen, sich fortan „königlich‘ nennen zu dürfen.
98 Wie aus einer Eintragung aus dem Jahre 1924 zu ersehen ist, entwickelte sich der Verein weiterhin sehr positiv. Am Vogelschuss jenes Jahres nahmen nicht weniger als 124 Mitglieder teil! Ein zweites internationales Schützenfest organisierte die Gesellschaft vom 17. bis 30. Juli 1933. Dazu fanden sich 61 Schützenvereine in der Göhlgemeinde ein. Der Zweite Weltkrieg brachte erneut alle Vereinsaktivitäten zum Erliegen und die Festlichkeiten zum 50-jährigen Stiftungsfest, das man am 20.7.1947 beging, fielen sehr schlicht aus und beschränkten sich auf einen feierlichen Jubelabend unter Teilnahme der anderen Ortsvereine sowie eine Jubilarehrung. Erst 1949, vom 15. Mai bis zum 6. Juni, wurden die Feiern zum 50- jährigen Bestehen in einem größeren Rahmen nachgeholt. An einem großen Festzug beteiligten sich 59 Gesellschaften, bevor der Schießwettstreit begann. 1972 konnten die St. Paulus-Schützen das 75-jährige Bestehen feiern. Ein großes Schützenfest auf der Festwiese von Theo Lennaerts war der Höhepunkt. Nur einmal in der langen Vereinsgeschichte gelang es einem Vereinsmitglied, die Kaiserwürde zu erringen. Dreimal in Folge holte Wilhelm Bridge den Vogel von der Stange, und zwar 1888, 1889 und 1900. 1971 ging die Königswürde an einen ...Amerikaner! Eddy Rainboone, verheiratet mit Maria Songlet aus Kelmis, war Mitglied der St. Paulus- Schützen geworden und hatte auch nach seiner Rückkehr in die Staaten seine Verbindungen zum Kelmiser Verein nicht abbrechen lassen. Auch seine Vereinsuniform hatte Eddy Rainboone behalten. Als er 1971 auf Besuch in Kelmis weilte, nahm er zum ersten Male an einem Königsvogelschuss teil und wurde prompt Schützenkönig. Das 100-jährige Bestehen feierten die Schützen vom 1.-15. Juni 1997 auf dem Heidkopf-Schießstand. Als Ehrengast weilte der Ministerpräsident der DG, Josef Maraite, in Kelmis, der das Engagement der Schützengesellschaft lobte und sie als festen Bestandteil des kulturellen und sportlichen Lebens der Region bezeichnete. Auch Bürgermeister Mathieu Grosch hob den Beitrag des Jubelvereins zur Gestaltung des Gesellschaftslebens in der Ortschaft hervor. Der Vogelschuss wurde in früheren Zeiten mit einem Hochamt und anschließendem Frühschoppen eröffnet. Der Wettstreit begann um 14 Uhr.
99 + % ON a Je A . FE N „AO 6 RE Ze Ar EZ rs A A 2 } ne 6 * Z A s %} S SE | A ! N zu 8 & Ca Ö = ac a N l Wu A. N 6 } A LE Ka >" VER Aid u & Das Königspaar 1973: Henri Meesters mit Ehefrau «Finneke» und Tochter Nadine —_ —_. ET nich 0 MA en en En a 4 Ar N CE nn AS RE a UA U Val % 11" % k ] MN ‚4 A 4 / 4 a N MM =. a Y 4 $ Y 7 A 4 R iR \ > 7 Ha | ) [5 ) { 4 AM: 5 & | A ® VI F A SS BENDER N AM A a ET CE EEE BE LET A EN REN Erinnerungsfoto zum 100-jährigen Bestehen 1997, In der Mitte das Königspaar Raymond Masson und Ehefrau Gaby Jussen
100 Zu den Vereinsaktivitäten zählte ferner ein jährliches Familienfest, das sog. Raubvogelschießen um Neujahr, sowie ein Karnevalsball mit Prämierung der Kostüme. Die St. Paulus-Schützen sind der letzte Kelmiser Schützenverein, der die Tradition aufrecht erhalten hat, nach dem Vogelschuss, der nun samstags stattfindet, im Festzug mit dem neuen Schützenkönig zum Vereinslokal zu ziehen. Seit 1956 spielt hierzu ohne Unterbrechung der Gemmenicher Musikverein Sainte Cecile. Leider verfügt die St. Paulus-Schützengesellschaft nicht mehr über ihr altes Vereinssilber. Dieses ist zusammen mit Vereinsfotos und anderen wertvollen Erinnerungsstücken bei einem Hausbrand beim damaligen Präsidenten Jacques Schmetz (1979) verloren gegangen. Nur die Protokollbücher konnten gerettet werden. Der nun mehr als hundert Jahre alte Schützenverein hat nichts von seiner Vitalität verloren. 43 aktive Mitglieder und 7 Jungschützen zählte er im Jubiläumsjahr 1997. Gemeinsam mit den St. Barbara-Schützen, den Hubertus-Schützen und der „Vereinigung“ schlossen sie sich 1921 zum Kelmiser Schützenbund zusammen, dem im Nachhinein auch die anderen Kelmiser Schützenvereine St. Petrus und St. Johannes sowie die St. Rochus-Schützen aus Neu-Moresnet beitraten. Ferner sind sie dem O.S.V., dem Ostbelgischen Stangenschützenverband, angeschlossen.
101 Sanfter Tourismus im Göhltal von Didier Bonni Auf Initiative einer grenzüberschreitenden Arbeitsgruppe wurde in September 2000 eine Resolution von belgischen und niederländischen Verantwortlichen unterschrieben, die die Weiterentwicklung des Göhltales unter den Aspekten des Erhaltes des Kulturerbes und der Gewährleistung des Landschaftsschutzes sichern soll. Diese Resolution lautet : Das Göhltal, im Herzen der Euregio, gehört zum Dreiländerpark. Wegen der Schönheit seiner Dörfer, seiner Bauernhöfe, seiner Schlösser, seiner Landschaften und seiner eigentümlichen Natur ist dieser Landstrich weit über seine eigenen Grenzen hinaus bekannt. Der sanfte Tourismus stellt als Triebfeder der örtlichen Entwicklung ein Hauptelement dar für die Aufwertung und die bessere Sachkenntnis dieses außergewöhnlichen Kultur- und Naturerbes. Einwohner, Unternehmer und öffentliche Behörden sind sich der außergewöhnlichen Eigenschaften dieser Umgebung bewusst. Viele dieser Merkmale sind unersetzbar. Die dauerhafte „Verwaltung“ dieser Landschaft, das Erhalten des Kulturerbes und der Landschaftsschutz gewährleisten das Bewahren dieses Schatzes, der die Grundlage für verschiedene Tätigkeitsbereiche bietet. Um die harmonische Entwicklung des Göhlbeckens zu sichern, soll ein Gleichgewicht gewahrt bleiben zwischen den landwirtschaftlichen Tätigkeiten, der Bewahrung und der „Verwaltung“ der Natur, dem touristischen Betrieb und der Freizeitgestaltung. Um eine optimale Nutzung der Entwicklungsaussichten zu erzielen, ist es von Bedeutung, die Struktur dieser grenzüberschreitenden Zusammenarbeit maßgeblich zu bestimmen. Die Europäische Kommission fördert dieses grenzüberschreitende Zusammenwirken, indem sie im Rahmen des „Interreg-Programms“ die Projekte unterstützt, die gleichmäßig den wirtschaftlichen und den sozialen Aspekt berücksichtigt.
102 Aussichten für die Weiterentwicklung des Göhltales Wasser: Erhaltung und Wiederherstellung des hydrographischen Systems in Bezug auf die Problematik der Erosion, des Trinkwassers und der Natur. Umwelt: Behebung bestimmter Umweltprobleme. Natur, Landschaft, Ökologie: Erhaltung und Entwicklung der Ökologischen Verbindungszonen. Landwirtschaft: Entwicklung von dauerhaften und umweltfreundlichen Praktiken im landwirtschaftlichen Bereich. Freizeitgestaltung und Tourismus: Entwicklung von Aufnahme- strukturen. Um zur Durchführung dieser Entwicklungsaussichten beizutragen erklären die verschiedenen Parteien sich bereit : * Intensiv und strukturell diesseits und jenseits der Grenzen zu wirken. Dabei sollen die jeweiligen Eigenarten und die Verantwortungsträger beachtet werden. * Eine konkrete und globale Raumplanung vorzusehen, um die Aufwertung, die Weiterentwicklung und den Erhalt dieses Gebietes zu gewährleisten. * Die Verantwortung zu übernehmen, die Öffentlichkeit ausführlich über die Planung und Vorhaben zu informieren, aufzuklären und zu bilden. * Sich zusammen zu bemühen, das Bewusstsein der Gesellschaft für dieses Vorhaben zu wecken, d.h. bei der lokalen Bevölkerung sowie bei den Besuchern des Göhltales. * Zur Zusammenarbeit mit örtlichen Organisationen und Vereinigungen.
103 Plombieres, Wittem-Gulpen, den 30. September 2000. Auf der Grundlage dieser Resolution haben verschiedene Träger die Initiative ergriffen, das Projekt „Sanfter Tourismus im Göhltal“ zu entwickeln. Das Wanderwegprojekt Göhltal hat als Ziel, die bestehende Naturqualität, die Landschaft sowie das kultur- und naturhistorische Erbgut zu erhalten und bei Bedarf wiederherzustellen. Dieser Zielsetzung haben die zusammenarbeitenden Parteien Form gegeben in einem sogenannten „Perlenkettenkonzept‘, wobei die Wanderroute durch das landschaftlich wertvolle Göhltal die geologischen und archäologischen Besonderheiten und das kulturelle und historische Erbgut via eine grenzüberschreitende Wanderroutestruktur miteinander verbindet. Das Göhltalprojekt gibt in diesem ländlichen Gebiet der Euregio Maas-Rhein einen Impuls für die dauerhafte Entwicklung: - Der Natur durch u.a. den Ankauf von Naturgebieten und die grenzüberschreitende Verbindung von ökologischen Strukturen. - Des Tourismus durch Qualitätsverbesserung und die Ausweitung der Wanderroute entlang der Göhl. - Dieser Impuls geht auch aus vom Erhalt und der Wiederherstellung der kulturellen und natürlichen Erbgüter, die entlang dieser Route liegen, mit den Möglichkeiten zur touristisch-rekreativen Nutzung derselben. Das Projekt wird von 18 Partnern getragen, und zwar : 1. Den Gemeinden Lontzen, Welkenraedt, Kelmis und Plombi&res in Belgien und den Gemeinden Vaals, Gulpen-Wittem und Valkenburg a/d Geul in den Niederlanden. 2. Den Umweltorganisationen REserves naturelles RNOB (BNVS) und “Ardenne & Gaume” in Belgien sowie Staatsbosbeheer, Natuurmonumenten, Limburgs Landschap in den Niederlanden. 3. Dem Verkehrsamt der Ostkantone, O.T.C.P., dem Syndicat d’Initiative
104 von Gemmenich und dem VVV Zuid-Limburg (Niederlande). Die Koordination der Projektzusammenarbeit wird durch die lokale Entwicklungsagentur Lontzen-Plombieres-Welkenraedt (B) und Gewest Maastricht en Mergelland (NL) durchgeführt. Der Kostenrahmen des Projektes beträgt circa 2,4 Millionen €, wobei die Hälfte durch Interreg finanziert wird. Unterstützt wird dieses Projekt ebenfalls durch die Deutschsprachige Gemeinschaft und die Wallonische Region. Zahlreiche Projekte wurden in den vergangenen Jahren mit Mitteln aus den Interreg-Programmen finanziert. Nur die Wenigsten wissen allerdings, woher die Gelder kommen und für welchen Zweck sie eingesetzt werden. Interreg ist das wichtigste Förderprogramm der europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Die Initiative unterstützt grenzüberschreitende Projekte in der Europäischen Union und fördert transnationale Kooperationen. Der wirtschaftliche und soziale Zusammenhalt Europas soll auf diesem Weg gestärkt werden. Die Euregio Maas-Rhein unterstützt so gewisse Projekte. Im Jahre 2000 wurde das Interreg-Programm neu aufgelegt. Die dritte Auflage heißt Interreg II und läuft noch bis zum Jahr 2006. Das Projekt „Sanfter Tourismus im Göhltal‘“ wird bis Ende 2004 durchgeführt. Zu den zahlreichen vorgesehenen Maßnahmen gehören: - die Aufwertung des Hauses „Maison Wauters‘“ (Plombie&res), des Göhltalmuseums, der St. Rochus Kapelle, der Vuursteenmijn (Valkenburg), Schloss Schaloen, der Mühlen Terbruggen, Bovenste-, Wittemer- und Volmolen. - der Ankauf von Naturgebieten durch verschiedene Träger : BNVS, Gemeinde Lontzen und Gemeinde Welkenraedt. - die Vernetzung der belgischen und niederländischen Wanderwege. Die Fotos der folgenden Seiten zeigen einige der genannten Objekte.
105 SE SEN a EN Ta EP U — 5 ne na ME FÜ DE Das in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Bleibergwerks gelegene Haus «Maison Wauters» (auch Haus «op de Geul» genannt) wird im Rahmen des geplanten touristischen Ausbaus eine besondere Aufwertung erfahren. Neben einer Hausmeisterwohnung soll hier ein Dokumentationszentrum zum Bleyberger Erzbergwerk entstehen. (Foto: Nadine Schyns) VE A 8 Pa Die Mühle von Terbruggen, am Ortsrand von Gemmenich nach Sippenaeken gelegen, wird in die touristische Wanderroute einbezogen. Die Mühle verfügt noch über eine gut erhaltene Mahleinrichtung. (Foto: Nadine Schyns)
106 Pack EN Ban ° 7 Wan A vs Er a a & Gegenüber dem Lontzener Hof «Semmel», auf dem Gelände der früheren Grube Schmalgraf, hat sich ein Feuchtbiotop herausgebildet und auf einer kleinen Anhöhe erinnert ein kleines Areal mit Galmeiveilchen an die frühere Grubentätigkeit. (Foto: Didier Bonni) Bei Epen, wo die mäandernde Göhl besonders reizvoll ist, liegt die Volmolen. Auch sie ist einer der vielen Mosaiksteine, die im Rahmen des Projektes «Sanfter Tourismus im Göhltal» aufgewertet werden. (Foto: A. Bertha)
107 Au | | | 5 3 i 1 SA ? . } MEET Auf einer kleinen durch zwei Göhlarme geformten Insel in Alt-Valkenburg liegt Schloss (Kasteel) Schaloen, ein weiteres Objekt, das auf niederländischer Seite eine Aufwertung erfährt. (Foto: A. Bertha)
108 Um dieses Projekt durchzuführen, ist eine grenzüberschreitende Arbeitsstruktur gegründet worden. VORSTAND «Vallee de la Gueule» KOORDINATOREN - Agence de Developpement Local - Gewest Maastricht - Mergelland Arbeitsgruppen Didaktischer Erb Natur - Lehrpfad HDEUC Umwelt X Touristische Dlarkeling Infrastruktur Für weitere Auskünfte : Agence de Developpement Local Lontzen-Plombi&res-Welkenraedt Tel. : 0032 / 87 / 78.32.41 Place Communale 9 Fax : 0032 / 87 / 78.32.43 B - 4850 Montzen E-mail : adlplombieres@swing.be
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