I S öhltal Landschaft im Grenzraum Nordostbelgiens A Mae Zn BE ne ZZ ZZ Zn | Di 0 ESEL Es Sg FE N En ZT FILZ a Ba EAU U ERETEN EZ WS AZ SUN KETZZ a 5 z Denn “ 8 1 a FAN A A TO TER SR SE —z te — EN 6 EIS % Abe, ‚fl IE: 25 FG HM Se N Ua "NE KO ES Aa U | Zn AT MC | rn US ES ME ED 0 0 DE EN Z IS ME ZEN Se A (E, Gr A= TSG Z EN EM Kar E JS SAL Mo SU En EEE ES Erz DD DS ZZ E22 : == AA EEE en EL EFF ZN ZEITSCHRIFT DER VEREINIGUNG FÜR KULTUR, HEIMATKUNDE UND GESCHICHTE IM GÖHLTAL Nr 54 — Februar 1994
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Im Göhltal ZEITSCHRIFT DER VEREINIGUNG FÜR KULTUR, HEIMATKUNDE UND GESCHICHTE IM GÖHLTAL Nr 54 Februar 1994 Veröffentlicht mit der Unterstützung des Kulturamtes der deutschsprachigen Gemeinschaft
Vorsitzender: Herbert Lennertz, Stadionstraße 3, 4721 Neu-Moresnet. Sekretariat: Maxstraße 9, 4721 Neu-Moresnet, Tel. 087/65.75.04. Lektor: Alfred Bertha, Bahnhofstraße 33, 4728 Hergenrath. 8 Kassierer: Fritz Steinbeck, Hasardstraße 13, 4721 Neu-Moresnet. Postscheckkonto N" 000-0191053-60. Generale de Banque: 248-0251251-51 Konto NL: AMRO-BANK: 46.37.00.090 Vaals/L Konto BRD: Aachener Bank: 88 266 (BLZ 390 601 80) Die Beiträge verpflichten nur die Verfasser. Alle Rechte vorbehalten Entwurf des Titelblattes: Alfred Jansen, Moresnet-Kapelle, Druck.: Hubert Aldenhoff, Gemmenich.
3 Inhaltsverzeichnis Alfred Jansen, Zum Umschlagbild 5 Moresnet-Kapelle Alfred Bertha, Als Kelmis Neu-Moresnet 8 Hergenrath angliedern wollte Willy Timmermann, Bau der Eisenbahn Aachen- 35 Eupen Herbesthal (Nachtrag) H. von Schwartzenberg, Haus Raeren - 47 Aachen Haus Schwartzenberg Jakob Langohr, Der Tubbak brennt 65 Bildchen Walter Meven, 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr 67 Hergenrath Kelmis Neu-Moresnet M.Th. Weinert, Ein Goldfisch 90 Aachen-Forst Jos. Bernrath, Die Kalkwerke Hergenrath 91 Hergenrath Alfred Jansen, E Kelemes wät ene Küsch 107 Moresnet-Kapelle geschlacht Freddy Nijns, Jahresrückblick 1993 109 Walhorn
Ü & a E | Rn. 7 Di .. I I . R Zn eindoissr9ovellsdnd | S- | E FE ne z blidgsldozmd muX ‚nsenst beilA 7 A ' SllsqeX-senestaM 19 FM tanzer0M-u97 eimleX LA ‚sins@ beniA {| 7 sillow msbsilgns. dısınagısH 8 $ rn | . ZE -aefoRA arlsdnszia 16b vue& „‚AAsTISCT IWW M 5 Ü (a&uosV) IsrhzecheH nsqua a KO k Cd a rar - no196 2ußH ‚g1sdnashewiia2 nov,H . gısdnashesWrdo2 2usH nedosA A 1 zd innsıd AsdduT 1sC ‚aogned doxel : 1 E ' nsrloblid “A [N 7 } a E 7 T& rlawnsust sgilliwietd sie 001 ‚noveM 1aılsW.. Bo 5 tonennoM-usV zimlsX diemagıeH a {I = % Bas R A E AS QRrzitzender: Hörbert Lann/ PP RRIRR A. 3, a7 NAPSENLETM | | Me Sekyetariat: Muxstraße 9, 4721 Neu-Moresnet, Tel. 08 ME-ODEA N (39 Lektor: Alfred Bertha, Bahnhofstraße 23, 4728 Hergenrath. a 3 . 3 Kassierer: Fritz Steinbeck, Hasardstraße 13, 4721 Neu-Moresnet. E DR FOstschecklelteate eben HR aid ‚dieums@ ‚201 Generale de Banque: 248-0251251-81 HS A hu 1 Köonte NL; AMRO-BANK: 46.37.00.090 Vaals/l } in BRD: AS ende x SEE ON nsanal banlA K Kl I Die Beiträge verpflichten nur al%aldorgn SllesqeA-1enes10M - x Da Alle Rechte vorbehalten ä E: 0 QQhrarf des TiteibBRR4 Aziz iekeener- Kapelle. ‚2n{iV1 xbber A TEHERAN AS Sn mödisW: A Sm ns] Mn Ar Bis a % Ans = Ü KK N Zn [3 m N « N DS A a x ar ER N
5 Zum Umschlagbild Das Vlattenhaus in Eynatten ® von Alfred Jansen Die Umschlagseite unserer Zeitschrift ziert diesmal eine Federzeichnung des sog. Vlattenhauses in Eynatten. Die quadratisch angelegte "Burg", deren Ecken noch von vier runden, einige Meter aus dem schlammigen Wassergraben heraus- ragenden Turmstümpfen flankiert werden, läßt erkennen, daß wir hier den Resten eines Bauwerks gegenüberstehen, das im Mittelalter zu den größeren dieser Art im Limburgischen zu zählen war und seinen Bewohnern durch sein Verteidigungskonzept Schutz und Sicherheit bot. Dabei ist das Vlattenhaus zeitlich gesehen schon die zweite Burganlage in Eynatten. Ch. Quix schreibt dazu in seinen 1837 erschienenen "Beiträgen zu einer historisch-topographischen Beschreibung des Kreises Eupen", das Schloß oder alte Haus Eynatten sei lange über Menschengedenken eine Ruine gewesen, welche aber so verschwunden sei, daß man kaum noch die Stelle anzeigen könne, wo dieselbe gestanden habe. "Es war", so der Historiker Quix, "dem jetzigen Vlattenhause gegenüber, jenseits des nunmehrigen Fahrweges, welches Haus vermutlich in den Urzeiten desselben der Hof des Schlosses gewesen ist." 7 Die Herren von Eynatten erscheinen erstmals urkundlich i.J. 1213. 1364 wird ihre Burg als "antiquum castrum”, alte Burg, bezeichnet. Dieselbe soll, laut Quix, nach der Heirat des Erbherrn von Eynatten mit der Erbin des Schlosses Neuburg (bei Gulpen) und der Herrschaft Gulpen verlassen worden und allmählich verfallen sein. Nach Teilung des Besitzes derer von Eynatten kommt es im 14. Jh. zum Bau eines neuen wehrhaften Hauses, das durch Heirat an Johann Thoreel aus Berneau kommt, dessen Tochter Anna 1475 den Heinrich von Vlatten, Erbschenk des Herzogtums Jülich, heiratet. Diesem Umstand verdankt das Haus die Bezeichnung "Schenkenhaus" und "Vlattenhaus", wovon die letztere ihm bis heute geblieben ist. Aus dem ursprünglichen Allodialgut der Herren von Eynatten entstand auch das etwa 200 m entfernt gelegene Amstenrather Haus, das im Gegensatz zum "Großen Haus", dem Vlattenhaus, oft "kleines Haus" genannt wird. S. 301-306.
7 Bis gegen Ende des 17. Jh. bleibt das "große Haus Eynatten" im Besitz derer von Vlatten, kommt 1703 an die Familie Hannotte. Maria Katharina Hannotte bestimmte 1723 durch Testament den Vetter ihres verstorbenen Mannes, Johann Werner Hannotte, der dem Jesuitenorden angehörte, zum Erben. So kam das Vlattenhaus an das Aachener Jesuitenkolleg. Die Jesuiten ließen das alte und baufällig gewordene Haus bis auf die Grundmauern abreißen und erbauten an seiner Stelle ein Landhaus im Stil des 18. Jh. Ein Keilstein des Rundbogenportals am nördlichen Vorbau zeigte die Jahreszahl 1761, während im Innern, in der Küche, ein Türsturz mit den Wappen der Eheleute Heinrich von Vlatten und Elisabeth von Weyenhorst und der Jahreszahl 1534 erhalten geblieben war. Nach Aufhebung des Jesuitenordens i.J. 1773 kam das Vlattenhaus unter die Domänenverwaltung von Brabant, die es im folgenden Jahre versteigern ließ. Neuer Besitzer wurde Arnold Römer-Lambertz aus Eupen, dessen Tochter Anna-Katharina es ihrer Nichte Sybille Thyssen, Ehefrau des Wilhelm Birven aus Astenet, überläßt. Deren Sohn Nikolaus erbt das Vlattenhaus i.J. 1837. 1871 kommt das Haus an die Nichte des vorgenannten Birven, Frederika Baur, die den Aachener "Rentner" Hugo Talbot geheiratet hatte. Von 1904-1909 ist Vlattenhaus im Besitz von Peter Reuther aus Aachen, der dasselbe 1909 an den Justizrat Karl Beaucamp, Aachen, verkauft. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Vlattenhaus unter Sequester gestellt und diente gar zeitweilig als Kaserne. Am 12. September 1944, am Tag des Einmarschs der Amerikaner in unser Gebiet, fiel unglücklicherweise eine Bombe auf das Vlattenhaus und beschädigte es ganz erheblich. Da keinerlei Reparaturarbeiten vorgenommen wurden, verfiel das Haus in den folgenden Jahrzehnten sehr schnell. Anfang der siebziger Jahre brachte die staatliche Liegenschaftsverwaltung es zum Verkauf. Das Haus und der dazu gehörende Hof gingen in den Besitz von Familie Suttor-Franssen von Cortenbach über. Das von den Jesuiten erbaute Haus war ein Bruchsteinbau mit 3:2 Achsen, mit einem Obergeschoß und Krüppelwalmdach. Die Fenster mit Blausteingewänden haben Rundbogensturz mit Keilstein, im Stil Louis XV. Eine steinerne zweibogige Brücke, wohl an Stelle einer früheren Zugbrücke erbaut, gab Zugang von Osten.
8 Als Kelmis Neu-Moresnet angliedern wollte von Alfred Bertha Die am 1. Januar 1977 in Kraft getretene Gemeindereform, die im deutschsprachigen Gebiet Ostbelgiens die Zahl der Gemeinden von 25 auf 9 (5 im Kanton St. Vith, 4 im Kanton Eupen) reduzierte, war eine von langer Hand vorbereitete Aktion, von der die betroffenen Gemeinden schon 4-5 Jahre ‚vorher in Kenntnis gesetzt wurden. Ziel derselben war eine Straffung der Verwaltungsarbeit vor allem auf der Ebene der Bezirks- und ® Provinzialverwaltungen sowie im Innenministerum, was man durch Auflösung der Gemeinden mit weniger als 2.500 Seelen und der Bildung größerer Einheiten zu erreichen trachtete, (1) So kam es im Kanton Eupen zur Zusammenlegung von Kettenis mit Eupen, von Walhorn mit Lontzen-Herbesthal, von Hauset und Eynatten mit Raeren sowie von Hergenrath und Neu- Moresnet mit der Nachbargemeinde Kelmis. Um den Anschein demokratischen Vorgehens zu wahren, wurden die Gemeinderäte durch Verordnung des Provinz- gouverneurs vom 18.10.1972 aufgefordert, bis zum 29.12.1972 zur geplanten Reform Stellung zu beziehen. Im Göhltal, wie auch in vielen anderen "Altgemeinden", führten die Pläne des Innenministeriums zu langanhaltenden und manchmal heftigen Reaktionen. Der Neu-Moresneter Gemeinderat wollte vor jeder offiziellen Stellungnahme zum Projekt einer Zusammenlegung von Neu-Moresnet und Kelmis die Meinung der Bevölkerung einholen und ließ dieserhalb Fragebögen bzw. Stimmzettel verteilen. Beim Auszählen derselben war die Überraschung jedoch groß: 227 Personen hatten für die Fusion mit Kelmis gestimmt, genau so viele dagegen! 9 Stimmen waren ungültig. Da der Gemeinderat feststellen mußte, dem ministeriellen Plan "keinen logischen Alternativvorschlag entgegenstellen zu können", beschloß er am 27. Dezember 1972 mehrheitlich, "den amtlichen ministeriellen Vorschlag einer Gemeindefusion Kelmis/ Neu-Moresnet unter den gegebenen Umständen im Interesse der Bevölkerung und der Gemeinde anzunehmen".
9 Mit dem 1. Januar 1977, nach den Kommunalwahlen vom 10. Okt. 1976, wurde für Neu-Moresnet ein Schlußstrich unter eine mehr als 160-jährige eigenständige Gemeindeentwicklung gezogen. Doch war Neu-Moresnet einer der selteneren Fälle, wo . die Zusammenlegung mit einer Nachbargemeinde geographisch, wirtschaftlich und geschichtlich sinnvoll war. Eigentlich war es ein Zurück inden Schoß jener Gemeinde, von dereine willkürliche Grenzziehung das Gebiet 1816 nach Jahrhunderten gemeinsamer Entwicklung getrennt hatte. Wie die Besiedlungsgeschichte von Kelmis ausweist (2), entwickelte sich der Ort am Zusammenfluß von Göhl- und Hornbach, in der Nähe der Rochuskapelle, d.h. daß der Schwerpunkt der frühen Besiedlung auf dem Gebiet der späteren Gemeinde Neu-Moresnet lag. So umfaßte die Herrschaft Kelmis, die der spanische König Philipp IV. sich wegen des dortigen Galmeivorkommens beim Verkauf der herzoglichen Rechte im Limburgischen ausdrücklich vorbehalten hatte, das gesamte Gebiet der heutigen Orte Kelmis und Neu-Moresnet. Die französische Verwaltungsreform brachte mit der Schaffung der "Mairie de Moresnet et Kelmis" eine Ausdehnung des Gemeindegebiets: die frühere kgl. Herrschaft Kelmis und das Dorf Moresnet bildeten nun eine einzige Gemeinde. Der 1816 zwischen Preußen und den Niederlanden geschlossene Grenzvertrag führte zu einer Dreiteilung dieser "Mairie" bzw. "Municipalit& de Moresnet": der westliche Teil wurde niederländisch (später belgisch), der Mittelteil mit dem wertvollen Galmeilager ging in die Geschichte unter dem Namen "Neutral-Moresnet" ein, während der zwischen Tüljebach und Lütticher Straße gelegene und bis zum Dreiländereck reichende Teil Preußen zufiel und fortan als "Preußisch-Moresnet” eine selbständige Gemeinde bildete, Nach dem Anschluß an Belgien, i.J. 1920, wurde "Preußisch-Moresnet" durch Verordnung des Kgl. Kommissars Baltia vom 18.3.1920 in Neu-Moresnet umbenannt. Zwischen Neutral-Moresnet jenseits der Lütticher Landstraße und Preußisch-Moresnet diesseits derselben gab es naturgemäß auch nach der Grenzziehung von 1816 viele Gemeinsamkeiten: beide Gemeinden wurden vom selben Bürgermeister verwaltet, dessen Amtsräume in einem der Gesellschaft der "Vieille-Mon-
NO 8 Aa ae A 2 BR A 2 7 lH “ 7 . 0 nS ra VA wa aa 5 ee m LA 7 E . EM ze 2 2 a a5 Wo RUE Mia Ma ES he A Eine Vorkriegsansicht von Neu-Moresnet. Im Hintergrund, die Schlackenhalde von Kelmis (Foto Baltus) PO A N A 9 8 SZ BR wo Sn Pu S . 2 ann Es 7 Al a ia X IB A N A ET de | 7 = & BE a SL } en Die "Pavei'"', erst Grenzstraße zwischen Neutral- und Preußisch- Moresnet, dann zwischen den Gemeinden La Calamine (Kelmis) und Neu-Moresnet
I tagne gehörenden Bau auf preußischem Boden lagen, ein gemeinsames Wasserwerk versorgte beide Gemeinden mit Trinkwasser, eine gemeinsame Feuerwehr wurde 1897 gegründet, die vielen Vereine rekrutierten ihre Mitglieder sowohl in Preußisch- wie in Neutral-Moresnet und Kirmes wurde seit jeher gemeinsam auf der Grenzstraße, der "Pavei", gefeiert. Aber bei allen Gemeinsamkeiten darf doch nicht übersehen werden, daß Preußisch-Moresnet seit 1825 der Pfarre Hergenrath angegliedert war und auch bis 1906 zum Schulverband dieser Nachbargemeinde gehörte. Auch galten in Preußisch-Moresnet die Reichsgesetze, während im neutralen Gebiet die napoleonische Gesetzgebung in Kraft geblieben war. Vor 70 Jahren scheiterte der erste Versuch Das Ergebnis der Volksbefragung von 1972 zeigt, daß die Neu-Moresneter keineswegs mit wehenden Fahnen zu Kelmis übergewechselt sind; es gab aber auch keine heftige Gegenwehr. Man war sich wohl im klaren, daß "höheren Orts" die Karten schon gemischt waren und der Innenminister nur in ganz seltenen Fällen auf die Wünsche der Gemeinden einzugehen bereit war. Anders hatten die Neu-Moresneter ein halbes Jahrhundert früher auf ein ähnliches, doch von Kelmis ausgehendes Vorhaben reagiert. Einige Presseberichte aus den Jahren 1923-24 erlauben uns, die damaligen unterschiedlichen Positionen der Kelmiser und Neu-Moresneter Bevölkerung bzw. deren Gemeinde- vertretungen zu einer Zusammenlegung der beiden Gemeinden nachzuzeichnen. Im Nachlaß von Bürgermeister Pierre Grignard, der der Gemeinde Kelmis von November 1918 bis zu den ersten Gemeinderatswahlen vom 7. Jan. 1923 vorstand (- er war seit 1900 Gemeinderatsmitglied und beigeordneter Bürgermeister gewesen -), fand sich auch ein Schulheft mit den Texten von Reden und Ansprachen, die der Bürgermeister bei der einen oder anderen Gelegenheit (Nationalfeiertag, Fahnenweihe, goldene Hochzeit, Bischofsbesuch, Schützenfeste etc.) gehalten hat. Darunter ist auch eine Erklärung, in der Grignard sich an seine "liebe(n) Kelmisser" (sic) wendet und auf die Frage des Zusammenschlusses von Kelmis und Preußisch-Moresnet eingeht.
A A * . N N N 9 [eh Ei [1923 - NEU- _ 1998. | Hirmesin Feiuig | 023 - NEU-MORESNET - 1028 ] | AL (een or Hötel DAHLEN. 1 | Mötel BERGER Bel Gelegerbalt der diesjährigen Kirmes firden In meinem | Inhahrr : Mage NESSER., Lokale folgande Feflichkeilen flalt : act . Zountag 9. September, gleich nach dem Kochamle, Carnevals-R lub „Cuftige Brüder“. 4 A AL Freies Tanz- Vergnügen. Kirrızs-Sonnlag, dan 9, September, geld) na dem Hochamle Don nadıniligs 4 Ube’eb; Freies Zanz-Berguügen. | Großes Tanzbergnügen it Nachmillags von 4 Uhr ab, Abends bulb 8 Uhr, nl ü Entrd sr Großes Tanz:-Yeranügen. GM“ | 3 ONE SB A f Rune eb U Ovoßer Stel: In Grosser Fest-Ball| 71 6 il efler. — ni Tanzfblager. A ö re PN BEE SER 7 ae hi ms | Männer Gejaug Berein Sri, Jojephi | x Orojfartige Meberrajchungen. 2 WE SG Enirdz ; 2 Fraucs & Vorfon. Wontag 10. Zertember, von vormiit. 3) Ubr ob, A 2a ESS De St. Hubertus Schügen-Wefelljhajt. | EB ME EEE EMO Alzuwcs-Moutag 10. September, vormillags punk! | C4#rOosses Tanzvergnügen. halb Ska Zn LA 0 Cm and De nl AN | Abands balb 8 Ubr, zum Mbhelen des Projdenten, des EbrenpröfiJenten und de 5 Sukühenkönlgs, Zug zur Kırde zur Beinchung 4 | OF O826P FEST-BALL et eg PAD | Saale van „nme Ab Tipp Zoppr Much Bezudigung des Golzswienfizs, Punkt 33 Ub.f: Feftzug durdy den Ort und zurüg zum Yofale, De Blumen: Bolonaifje, BI Dortfelbft Enirde : 2 Francs d Perfon, Wiujikalijcher Frühfhoppeu. | zievrstag 11. Zeptember, son nachmitlags 4 uhr ab Hacheali0ga. um 3 Ubr, Tanz-VYergnügen, Boßer Breisdogelihuß mit Alobett 6 MÜl. | vama va 8 un, Abends punkt 7 Ubr, ET NE 1 n Großer Fef-Ball Großer Kirmes-Sehluß-Ball d 3 AS U, beranflatlel vom Turuverein „Einigkeit“. Entzee 2 Francs & Poifon. Enirde : :2 Francs dA Perfon, | Mitglieder badzi eine Dune (ref. De | er Keen B AG Während den 3 Wirmertagen, In den Reflaurallonstäuinen | Brieftauben-Fiebhaber-Berein „Heimkehr“ zei“ Dune Bühne. af | Kirmes-Dienssaz3 11. September, abends ab 6 lihr, Aufiretza dar belieblen Komiker : | WW irmän3A so Sucques WOUSSAINE n. Georg BOHL. Qrosser Kirmes-Schlass-Ball. da Entr£z d Perfon & Vraacs. Gulz Kliche. — Rohe Weine. — ff. Ble:e. -— Möffige Preife. Während der 3 Klrmestagen Zu obigen Feflichkeiter 1cfen ergebznft ela We in der Konzerthalle 4x Die {efigetenden Vereine Auflreion der befibekannlen Rünflerlruppz fewie der Verzlnswirt Peler DANLEN. DE Aa ET 1 | on Harry FRANCK “20 | — sam zumummesaL ma az | Dverflärkt durdy nambafle auswürligz Künfiler. A + ä 9 an Ponsöse (Stiehwülterden) | Neuefte Couplelx- Schlager, Duzits, Trios {owiz die bejien Poffen. | J49Pllanzen in d Arien zum pikizren, 100 Stich Fr. 1.50, ; Dezentes Famiiien-Programm. Alles wird und muß lachen. 3 Gärtnerei Adanı, Cupen, | Zu den Tanzvergnügen und Feflbätien vorzügiichfizs Orchefler, EEE 5 Sule Küche. — Reine Weine. — Ja. Filfener Bl % Y 7 WET ‚ Gwiger Kohlpflanzen e Biel DEE Veranflallungen ladın zu zabirzicham Befuche | Schönfie Sorte folange Vorrat reicht wieder abzugeben, rgcbenfl ein d 5 ärinerel 9 Si Die feflgebenden Vereine und der Lokallnhaber. Giärduerel 2ldau Eupen, | Die Kirmesfeierlichkeiten waren seit jeher eine der zahlreichen Gemeinsamkeiten zwischen Kelmis und Neu-Moresnet. (Hier die Kirmesankündigung der Hotels Bergerhoff und Dahlen in "Die Freie Presse" v. 1.9.1923)
43 Wie aus der Fragestellung "Wer sagt uns, daß Eupen überhaupt belgisch wird"?, aus der Bezeichnung "Preußisch- Moresnet" und anderen Hinweisen hervorgeht, wurde diese Stellungnahme des Bürgermeisters zwischen Januar und März 1920 abgegeben: Preußisch-Moresnet wurde am 18.3.1920 in Neu-Moresnet umbenannt, die "Volksabstimmung" in Eupen- Malmedy begann Ende Februar und endete am 23. Juli 1920, der Bürgermeister spricht vom "August des verflossenen Jahres” etc. Überraschend ist, daß Grignard weiterhin von "Neutral-Moresnet” spricht, obschon dieses durch das Eingliederungsgesetz vom 15. Sept. 1919 zur Gemeinde "La Calamine" geworden war. Es scheint sich um die Worte eines sehr verärgerten Bürgermeisters zu handeln; es liegt nahe, daß Grignard bei einer Gemeinderatssitzung seiner Verärgerung über das Verhalten gewisser Gemeinderatsmitglieder Ausdruck verliehen hat. Doch vielleicht sollte man nicht zuviel in die Worte hineininterpretieren und den Bürgermeister zu Wort kommen lassen! -"Meine liebe Kelmisser. Ich begrüße Sie mit diesen Worten, weil mir das Wohl der Gemeinde am Herzen liegt. Es ist mir zur Kenntnis gebracht worden, daß am Freitag Abend in der Patronage ein Comite gebildet worden ist, welches zum Zweck hat, die Angliederung von Preußisch-Moresnet an Neutral-Moresnet oder umgekehrt von Neutral-Moresnet an Preußisch-Moresnet anzustreben. Hierauf erkläre ich folgendes: Im Monat August schon des verflossenen Jahres ist bei der belgischen Regierung die Angliederung von Preußisch-Moresnet an Neutral-Moresnet offiziell angestrebt worden, wovon die Gemeinderatsmitglieder noch am Tage vor der erwähnten Comite- Bildung von mir Mitteilung erhalten haben. Ferner ist diese Frage in der letzten Zeit, bei Gelegenheit des Besuches des Königl. Kommissars, Herr Senator Halot, in Erinnerung gebracht worden. Die Richtigkeit der Gründe dieser Angliederung von Pr. Mor. an Neutral-Moresnet wurde anerkannt, die Lösung dieser Frage jedoch, vor der definitiven Annexion des Kreises Eupen an Belgien, als verfrüht, mit anderen Worten, als zu eilig betrachtet. Wer sagt uns, daß der Kreis Eupen belgisch wird? Ich erkläre weiter, daß verschiedene Gemeinderatsmitglieder 1.- in den letzten Tagen in einer Bittschrift an den Herrn Minister,
14 2.- in dem Antrag zu einer Gemeinderatssitzung selbst, 3.- in den Anschlägen, die ihrerseits ausgehängt und verteilt wurden, tatsächlich die Angliederung von Neutral-Moresnet an den Kreis Eupen angestrebt haben. Beweise liegen vor. Ich frage mir (sic!) nun, ob dieses alles als Irrthum betrachtet werden kann. Jetzt mache ich Schluß und empfehle mich den lieben Kelmissern mit der größten Anhänglichkeit zu ihnen.” Soweit die Worte des Bürgermeisters. Von irgendwelchen offiziellen Demarchen bei der belgischen Regierung "im Monat August des verflossenen Jahres" ist bisher nichts bekannt. Wie aus einer weiter unten wiedergegebenen Bittschrift an König Albert , hervorgeht, gabeseine erste Initiative dieser Art via das Königshaus am 11. Januar 1920. Im Kelmiser Gemeinderat kam die Thematik eines Anschlusses von Neu-Moresnet zum ersten Male am 7. Juni 1923 zur Sprache. Unter dem Vorsitz von Bürgermeister Jean Brandt beschäftigten sich die 9 anwesenden Ratsmitglieder zunächst mit Haushaltsfragen, sodann, auf Antrag des Bürgermeisters, mit dem angeblich in den Kreisen Eupen und Malmedy bestehenden Vorhaben, Kelmis dem Kreis Eupen anzuschließen und einen Kommissariatsbezirk Eupen-Malmedy zu bilden, wogegen der Vorsitzende Protest einlegen wollte. Die Versammlung konnte jedoch nicht zu einem einheitlichen Standpunkt in dieser Frage kommen. Ein weiterer Diskussionspunkt war die Frage nach der Zukunft der Nachbargemeinde Neu-Moresnet, wodie Gemeindeverwaltung Anfang Juni von den Einwohnern ein Protestschreiben gegen einen eventuellen Anschluß an Kelmis hatte unterzeichnen lassen. Damit war die Haltung Neu-Moresnets, ein unzweideutiges "Nein" zur Aufgabe der Selbständigkeit, allen klar. In Kelmis dagegen war die Bevölkerung offensichtlich für eine Verschmelzung beider Gemeinden; die Regierung sollte alsdann entscheiden, zu welchem Kanton diese erweiterte Gemeinde gehören würde. Der Gemeinderat von Kelmis war sich der großen Bedeutung dieser Fragen für die Zukunft des Ortes bewußt und wollte vor einer diesbezüglichen Beschlußfassung die Meinung der Bevölkerung hören und zu dem Zweck eine öffentliche Bürger-
SET DE DEE ZW N A 2 N N . 2 A Va BU A A 5 PO DA bo Da 2 7 2 x 3 A a 0 DO a 5 \ . K KO ; . N Pierre Grignard, seit 1900 Gemeinderatsmitglied des neutralen Gebietes und beigeordneter Bürgermeister, wurde nach dem Anschluß an Belgien erster belgischer Bürgermeister (1918-1923) der Gemeinde La Calamine (Kelmis). Erste Gemeinderatswahlen fanden erst am 7, Jan. 1923 statt. Bis dahin blieb der alte Gemeinderat in Funktion,
16 versammlung in der Patronage abhalten, zu der, wie die Zeitung schreibt, "die gesamte Einwohnerschaft von Kelmis, Männlein und Weiblein, eingeladen sind, nur die Kinder sind aus- geschlossen". Die Versammlung wurde auf den 17. Juni, nach- mittags 17 Uhr, festgesetzt und der Rat beschloß, die Bürger durch Plakatanschlag dazu einzuladen. Der "Cercle Catholique" ergreift die Initiative Beiden ersten Nachkriegsgemeinderatswahlen, am 7. Januar 1923, (- in Kelmis waren es die ersten Wahlen überhaupt, da in der neutralen Zeit die Gemeinderatsmitglieder auf Vorschlag des Bürgermeisters durch die kgl. Kommissare bestimmt worden W waren-) konkurrierten in Kelmis drei katholische Listen: die Gemeindeinteressen, der katholische Arbeiterverein und der "Cer- cle Catholique" mit den Sozialisten und den Liberalen. Der "Cercle" errang 24% der Stimmen. Die "Freie Presse" vom 17. Januar 1923 gibt unter Vorbehalt folgende Liste der gewählten Gemeinderatsmitglieder: 1.Dorr Joseph, Präsident der Combattants und Eisenbahnbeamter. 2. Schillings Heinrich, Bankbeamter., 3. v. Hauten Alois, Bauunternehmer und Präsident des "Cercle Catholique". 4. Reul Johann, Gewerkschaftssekretär. 2. Präsident des katholischen Arbeitervereins. 5. Mockel August, Mechaniker. 6. Pauly Egidius, Stukkateur und Pliestermeister. 7. Hammel Anton, Tagelöhner. 8. Hamboeken Hubert, Bäckermeister. 9. Brandt Jean, Bürobeamter. 10. Rader Emil, Mechaniker. 11. Moyano Viktor, Restaurateur. Erwähnt sei auch noch, daß diese Gemeinderatswahlen in Kelmis nicht zeitgleich mit denen in Eupen-Malmedy stattfanden, wo schon am 21. Mai 1922 gewählt wurde. In der Frage der Angliederung Neu-Moresnets an Kelmis zeigte sich vor allem der "Cercle Catholique" sehr rührig. Die Zwischenzeit bis zur anberaumten Volksversammlung nutzte derselbe, eine Unterschriftenliste und Petition an S.M. König Albert zirkulieren zu lassen, wodurch sich 90% der stimm-
M | CATAOLIQUE, LA CALAMINE GERCLE N ni 99 Gemeindewahlen vom 7, Januar 1923 ij "Widtig für alle Wählerinnen und Wähler! Befuchet alle zahlrzich die am Samstag 6. Januar, abend8 S Mohr, Im £okale des Hirn. Jos. MEESSEN, PalronagefIraße flatifindende 'äußerft wichtige und lehle aufklärende *) 3 7] ] 3. Yolks-Wahlverfanmlung des „CERCLE CATHOSIQUE“. MM Tagesordnung: 1. Aufklärung der Wahl, 2. Wie find die Zuflände unferer Gemeinde von heute ? 3. Wie follen die Zufiände unferer Gemzindz nach der Wahl werden ? 4. Wie Ifl der Aufdau unferer ausgebeulelen und vernad)« läfflgten Gemeinde möglich ? Achtung ! Kelmifer ! Achtung ! Drum alle Wählerinnen und Wähler | ouf zur lehten Wahl- fchlacht, zu der oben angegebenen Verfammlung. N i . Wählt alle am Kopfe der Silke. Dir. 3 die allein unabhängige, felbftftändige, alle Stände gemeinfam in fi ver: einende Vijte des Ceorcle catıvliqae, 8 Lifte Nr. 3 van Haufen Aloys, Präfident des Ceorcle calholique, ausirelender Schöffe, Thimftraße 18 Dorr Joseph, Präf. d. Combaltants u. Elfenb., Rirch[iraße 35 Schillings Heinrich, Bankbeamter Driefcherweg 9 Klinkenberg Jean, Sekrelär des Cercle calbhollqu?, Complabler Klrchfiraße 25 Abhn Hubert, Landwirt Moresnelerfir, 45 Beaufays Sybille, Haus» u. Gefchäftsfrau Alberifiraße 7 Pauly Aloys, Reflaur, u. Gefchäftsm., Neu-Mortesnelerfir. 17 Collyn Thomas, Präf. d. chriftl. Sund, d. Eifenb., Privatfir. 12 Dressen Joseph, Bau= und Möbelfchreiner, Schühenftr. 12 Pauly Joseph, Bäcker und Kondilor Kapellfireje 18 Snoeck Eduard, Bäcker und Gefchäftsmann Kirchfirafie 12 In diefer Verfanmlung wird eingehend erklärt wie der Wahizettel auszuffillen Ift, damit der Wahlzeltel güllig IM und “Reine Stimmen durch Ungültigkeit verloren gehen,
18 berechtigten Einwohner zustimmend zur Verschmelzung der beiden Gemeinden und gegen den Anschluß an den Kreis Eupen ausdrückten. Die Volksversammlung vom 17, Juni 1923 Da die durch den "Cercle Catholique" durchgeführte Unterschriftensammlung ein so eindeutiges Ergebnis erbracht hatte, erübrigte sich eine erneute Befragung der erschienenen Bürger, denen von Seiten der Gemeinderatsmitglieder Jean Reul (Arbeiterverein) und Aloys Van Hauten (Cercle) die Vorteile einer Zusammenlegung von Neu-Moresnet und Kelmis erläutert wurden, wobei Van Hauten den Vorschlag machte, Kelmis solle mit den umliegenden deutschsprachigen (d.h. den altbelgischen) Gemeinden einen eigenen Kanton bilden. Zu der Frage des Gerüchtes über eine Angliederung von Kelmis an den Kreis Eupen konnte Bürgermeister Brandt die Versammlung beruhigen: verschiedene Abgeordnete und Senatoren, aber auch der Innenminister hatten ihm schriftlich mitgeteilt, daß die Proteste überflüssig seien und die Regierung diesbezüglich ihre Beschlüsse bereits gefaßt habe. (Kelmis wurde Aubel zugeteilt.) Die Versammlung nutzten manche Anwesende auch dazu, auf Mißstände bei den Behörden hinzuweisen und den Gemeinderat zu bitten, baldmöglichst dafür zu sorgen, daß in allen öffentlichen Ämtern Beamte eingestellt würden, "welche die französische und die deutsche Sprache beherrschen, damit die deutschredenden Einwohner sich mit den Herren in allen wichtigen Fragen verständigen können, was vom Herrn Bürgermeister und den anwesenden Gemeinderatsmitgliedern bereitwilligst angenommen wurde.” ; Die Bittschrift an S.M. König Albert I. Sie trägt das Datum des 7. Juni 1923 (- wir erinnern uns, daß an diesem Tage der Gemeinderat die Einberufung einer Volksversammlung beschlossen hatte -) und hat folgenden Wortlaut: "An Seine Majestät König Albert I., Brüssel. Am 11. Januar 1920 wandten sich die Anwesenden der Volksversammlung an Ihre Majestät zwecks Zusammenschluß
19 der Gemeinden La Calamine und Neu-Moresnet zu einer einzigen Gemeinde. Ew. Majestät hat uns damals mit der freudigen Nachricht beglückt, uns in unseren Wünschen bereitwilligst Satisfaktion zu geben. Unsere Gemeinde La Calamine, 4.500 Einwohner groß, ist vonder Gemeinde Neu-Moresnet, 600 Einwohner groß, nur durch die Landstraße getrennt. Unser Gemeindehaus von La Calamine befindet sich seit Bestehen der Gemeinde in Neu-Moresnet. Die katholische Kirche in La Calamine wird von den Einwohnern in Neu-Moresnet, die kaum drei Minuten von ihr entfernt wohnen, benutzt, denn in Neu-Moresnet befindet sich keine Kirche. Die Wasserleitung innerhalb der beiden Gemeinden ist gemeinsam. Die Freiwillige Feuerwehr von La Calamine und Neu-Moresnet besteht seit 26 Jahren und hat während dieser Zeit stets zum Wohle der beiden Gemeinden gearbeitet. Die Gemeinden bildeten vor hundert Jahren nur eine Gemeinde und sind seit hundert Jahren durch einen Bürgermeister verwaltet und regiert worden, obschon während dieser Zeit Neu- Moresnet einem anderen Staat angehörte. Unbekümmert um die Nationalität haben wir stets wie Brüder zusammengelebt, nur seit dem Waffenstillstande hat man die stets so innig verknüpften Gemeinden auseinandergerissen und jede Gemeinde durch einen besonderen Bürgermeister regieren lassen, obschon doch im Moment, daß Neu-Moresnet auch belgisch geworden war, die beiden Gemeinden, die während der verflossenen Zeit durch eine Verwaltung, d.h. durch einen Bürgermeister und einen vollständigen Zusammenschluß zu einer belgischen Gemeinde hätten verschmolzen werden können und müssen. Die Familienbande zwischen den Einwohnern der beiden Gemeinden, der tägliche wirtschaftliche, freundschaftliche Verkehr mit unserer Nachbargemeinde, hat so viel Gemeinsames zwischen den Einwohnern der beiden Gemeinden geschaffen, daß wir unseren Brüdern in Neu-Moresnet den Vorschlag zu machen wagen, mit uns freiwillig zu einer einzigen Gemeinde zusammenzutreten. Wir sind eine Familie und wenn wir uns durch keine unhaltbaren Momente beeinflussen lassen und es nicht gestatten, daß durch irgendwelche Interessenpolitik Zwietracht in dem Schoße dieser Familie entstehe, so sind wir berufen, in dieser
21 Aus dem königlichen Palais zu Brüssel ging schon wenige Tage später folgendes vom 20. Juni 1923 datiertes und an Herrn Van Hauten gerichtetes Antwortschreiben ein: "Monsieur le PrEsident, Le Roi a regu les deux lettres dat&es du 7 et du 12 de ce mois que vous Lui avez adress&es pour Lui traduire votre d&sir et celui de nombreux habitants de La Calamine, dont les signatures accompagnent votre communication, de voir la commune de La Calamine et celle de Nouveau-Moresnet r&unies en une seule. Le Roi m'a charge d'avoir l'honneur de vous accuser r&cep- tion de ces communications, de vous assurer, ainsi que tous ceuxX dont vous vous faites l'interprete de Son bienveillant int&r&t et de vous dire que vos lettres ont Et& transmises ä M. le Ministre des Affaires Etrang&res et particulierement signalees A sa tres bien- veillante attention. Veuillez agr&er, Monsieur le President, l'expression de ma consideration la plus distingu&e. Le Chef du Cabinet du Roi, (s) Cte d’Arschot Übersetzung: Palast zu Brüssel, den 20. Juni 1923 Kabinett des Königs Herr Präsident! Der König hat die beiden vom 7. und 12. d.M. datierten Briefe erhalten, die Sie an Ihn richteten, um Ihm Ihren wie auch den Wunsch zahlreicher Kelmiser Einwohner, deren Unterschriften Ihren Schreiben beilagen, nach Verschmelzung der Gemeinden Kelmis und Neu-Moresnet zu einer einzigen Gemeinde zu übermitteln. Der König hat mich beauftragt, Ihnen den Empfang der beiden Schreiben zu bestätigen sowie Ihnen und all denen, deren Sprecher Sie sind, Sein wohlwollendes Interesse zuzusichern und Ihnen zu sagen, daß Ihre Schreiben an den Herrn Außenminister weitergegeben und seiner besonderen Aufmerksamkeit empfohlen wurden. Genehmigen Sie usw.
22 Neu-Moresnet reagiert Um gegen die von Kelmiser Seite angestrebte Eingemeindung Neu-Moresnets zu protestieren, berief dessen Gemeinderat nun seinerseits auf Sonntag, den 15. Juli 1923, eine Volksversammlung ins Hotel Dahlen ein. Fast jede Familie war durch ein Mitglied vertreten, wodurch die Neu-Moresneter zeigten, wie sehr ihnen die Zukunft ihrer Gemeinde am Herzen lag. Auch der Kirchenvorstand von Hergenrath nahm an der Versammlung teil, denn eine Änderung des Status von Neu-Moresnet hätte auch die Pfarre Hergenrath betroffen, zu der Neu-Moresnet seit 1825 gehörte. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Schlingensiepen, > der Sinn und Zweck der Versammlung erläuterte, gab Josef Kriescher, (- er wurde in den Kriegsjahren Amtsbürgermeister von Kelmis —) einen anderthalbstündigen Vortrag unter dem Titel "Streifzüge durch die heimatliche Geschichte". Besonderes Interesse fanden seine Ausführungen, als er die von Nachbarn an der anderen Straßenseite vorgebrachten Argu- mente für einen Zusammenschluß der beiden Gemeinden analysierte und widerlegte. Kriescher beendete seine Ausführungen mit dem Wunsch, daß die Gemeinde Neu-Moresnet, die auf eine mehr als einhundertjährige Selbständigkeit zurückblicken könne, auch weiterhin als solche bestehen bleibe und forderte alle Gemeindeeinwohner auf, mit allen Kräften an der Verwirklichung dieses Zieles zu arbeiten. Bei der anschließenden Aussprache meldeten sich neben Pfarrer Piepers (Hergenrath) auch die Schöffen Bruch und Pohlen zu Wort. Schließlich wurde folgende Resolution der Versammlung vorgelegt und angenommen: "Die heute zahlreich besuchte Volksversammlung von Bürgerinnen und Bürgern von Neu-Moresnet protestiert einstimmig gegen den Anschluß an die Gemeinde Kelmis und ist entschlossen, ihre Selbständigkeit zu wahren." Diese Resolution wurde dem Hohen Kgl. Kommissar Baltia in Malmedy zugeschickt und der Presse zur Veröffentlichung übergeben. Ein "Hoch" des Bürgermeisters auf die fernere Selbständigkeit seiner Gemeinde wurde von der Versammlung begeistert aufgenommen, worauf man auseinanderging mit der Gewißheit, ein klares Zeichen gesetzt zu haben.
24 Ministerbesuch in Kelmis Umdie Frage des Anschlusses von Neu-Moresnet an Kelmis wird es nun auffallend still. Erst ein Jahr später, am 16. Juli 1924, boten die großen Feiern zur "offiziellen Rückkehr von Kelmis -La Calamine zum belgischen Mutterlande" die passende Gelegenheit, höchsten Regierungsstellen, nämlich dem Innenminister, den Wunsch einer Zusammenlegung der beiden Nachbargemeinden in Erinnerung zu rufen. Etwa 40 Kelmiser Dorfvereine hatten keine Mühe gescheut, ihrem Ort ein festliches Gepräge zu geben und die hohen Gäste in einem würdigen Rahmen zu empfangen. Es erschienen Innenminister Poullet, der Lütticher Provinzgouverneur Gre- S goire, der Bezirkskommissar Bribosia, Senator Simonis, die Abgeordneten Winandy, David, Hoen, Niezette und Collette sowie eine Anzahl Provinzialräte. Bei einem Empfang im Gemeindehaus trug Bürgermeister Brandt dem Herrn Minister die Wünsche der Kelmiser Bevölkerung vor: Bau eines massiven Schulhauses für 900 Schulkinder, Bau einer Kleinbahnlinie Kelmis-Herbesthal, Einführung von Personenzügen nach Moresnet, Kenntnis der Muttersprache für alle Beamten (Gericht, Zoll, Steuer), Gesetz zur Erlangung der belgischen Staats- angehörigkeit für alle in Kelmis geborenen, jedoch 1914-18 nicht dort ansässigen Bürger, schnellste Regelung der Renten- angelegenheiten sowie Errichtung eines eigenen Pfarr- und Gemeindehauses in der eigenen Gemeinde. Der Minister versprach, sich bei seinen Ressortkollegen für die Verwirklichung dieser Wünsche einzusetzen, worauf der Ehrenwein kredenzt wurde. Beim Verlassen des Gemeindehauses überreichte Herr Dreessen namens der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen dem Minister ein Dankschreiben und hielt eine kurze Ansprache, worauf sich die hohen Herrschaften durch das Spalier der Ortsvereine zur Pfarrkirche begaben.Hier wurden sie durch Pfarrer Scherrer begrüßt, der auf die Ehrentafel der im Weltkriege gefallenen Kelmiser hinwies und dies als ein Symbol des Friedens und der Einigkeit bezeichnete, was er der Bevölkerung von Kelmis wünsche. Innenminister Poullet schloß sich diesem Wunsche an und dankte dem Pfarrer im Namen der Regierung, daß er als Apostel der Einheit dem belgischen Vaterlande folgsame Kinder zuführe.
25 Beim anschließenden Festessen im Schützenlokal wurden die üblichen Trinksprüche ausgebracht, während ein Symphonieorchester unter der Leitung von Herrn Mathieu Pauly das Festessen musikalisch untermalte. Zur großen Kundgebung auf der Festwiese neben der Patronage hatten die Gäste und Honoratioren auf einer Ehrentribüne Platz genommen, von wo aus sie dem Vorbeimarsch von ca. 900 Schulkindern, der patriotischen sowie der Sport-, Schützen- und Gesangvereine beiwohnten. Kulturelle und sportliche Darbietungen machten einen guten Eindruck auf den Minister, der sich anschließend bei der Besichtigung der Notpavillons von der Notwendigkeit eines Schulneubaus überzeugen konnte. Nach einem privaten Besuch beim Direktor des Bergwerks (Ch. Timmerhans) verließ die Gesellschaft Kelmis gegen 18 Uhr, um in Herbesthal den Zug nach Verviers, Lüttich oder Brüssel zu nehmen. Bürgermeister, Gemeinderat und Presseleute begleiteten die Herrschaften bis zur Station. Wenn wir ziemlich ausführlich auf den Verlauf der Feierlichkeiten eingegangen sind, so wollten wir damit zeigen, daß die Zusammenlegung der Gemeinden Kelmis und Neu- Moresnet offensichtlich trotz günstiger Gelegenheit nicht zur Sprache kam und mit keinem Wort Erwähnung fand. Doch nun, am Bahnhof von Herbesthal und kurz vor der Abfahrt des Zuges, überreichten die Herren Aloys Van Hauten, Gemeinderatsmitglied und Präsident des "Cercle Catholique", und Jean Klinkenberg, 2. Schöffe und Sekretär des "Cercle", dem Innenminister ein längeres, auf den 13. Juni 1924 datiertes Schreiben, in dem sie namens des . "Cercle Catholique" die schon bekannte Forderung nach Angliederung von Neu-Moresnet an Kelmis wiederholten. Die Vertreter des "Cercle" weisen zunächst darauf hin, daß der Versailler Vertrag den Wunsch der Kelmiser Bevölkerung nach Wiedervereinigung mit dem Mutterlande verwirklicht habe. Sodann heben sie die enge Verbundenheit der beiden Gemeinden Kelmis und Neu-Moresnet hervor und erwähnen insbesondere: - die Gemeindewaldungen - die Wasserleitung - das Gemeindehaus - die Lichtanlage - die katholische Kirche
26 - die Freiwillige Feuerwehr - die Krankenkasse - die Gemeindeschulen - die Festlichkeiten, d.h. die jährliche Kirmes. Die Industrie in Neu-Moresnet, so schreiben sie, rekrutiere ihre Arbeiter in Kelmis, dessen Bevölkerung zu mehr als 95% aus Arbeitern bestehe. Die Gemeinde Kelmis sei im vorigen Jahrhundert von verschiedenen Gesellschaften bzw. Unternehmungen ihrer Mineralschätze beraubt worden und so habe sie heute eine arme, sich aus Arbeitsinvaliden und Waisen zusammensetzende Bevölkerung, für deren soziale "Aufbesserung" man wenig oder gar nichts unternommen habe. Weiter heißt es in dem Schreiben: "Unsere Gemeindeverwaltung befindet sich in einer anderen Gemeinde (Neu-Moresnet), und zwar in einem Hause, das ihr nicht gehört. Das Pfarrhaus befindet sich ebenfalls in einem Hause, das demselben Eigentümer gehört, der zugleich Besitzer des Gemeindehauses, des Hauses der Wohnung des Stationsvorstehers und der Gütersektion ist, und zwar der Eigentümer ist die "Soc. An. Vieille Montagne". Unsere 900 Schulkinder sind in drei verschiedenen Schulgebäuden untergebracht, wovon verschiedene ungesund sind in Bezug auf Gesundheitslehre (sic!) und es wäre der dringlichste Wunsch der ganzen Bevölkerung, daß wir endlich genügende Schulen besitzen, wo die Kinder gegen Hitze, Kälte, Frost und Feuchtigkeit geschützt sind, um so gesunde und kräftige Belgier zu werden. Da eine große Anzahl der in der Schwestergemeinde "Neu-Moresnet" sterbenden Personen den Wunsch ausdrücken, in Kelmis begraben zu werden, denn in Wirklichkeit besitzen diese keinen Friedhof, trifft es immer zu, daß unser Friedhof zu klein wird und es fehlen die nötigen Gelder, denselben zu vergrößern. Die katholische Kirche von La Calamine ist aus Beiträgen der Bevölkerung erbaut; sie ist im Innern und von außen dringend reparaturbedürftig. Sie wird ebenfalls besucht von unseren Brüdern aus Neu-Moresnet, die eine solche nicht besitzen. Bereits voriges Jahr wurde ein von 90% der Einwohner von Kelmis unterschriebenes Gesuch an S.M. König Albert1. gerichtet,
2 wonach die Verschmelzung der beiden Schwestergemeinden La Calamine und Neu-Moresnet in einer einzigen Gemeinde "La Calamine” gewünscht würde, sobald das Gouvernement Eupen und Malmedy aufgelöst würde. Durch diese Verschmelzung würde die Regierung viel Geld verdienen, denn in dem Falle wäre für beide Gemeinden wie früher nur eine Gemeindeverwaltung erforderlich. Desgleichen wäre für Neu-Moresnet die Erbauung von Schulen, Kirche, Friedhof usw. nicht erforderlich. Es ist auch verständlich, daß sich heute durch die getrennte Verwaltung der Schwestergemeinden in Bezug auf Gemeinde- verwaltung und Verordnungen usw. Schwierigkeiten ergeben, die nach der Verschmelzung der beiden Gemeinden in einer Gemeinde nicht mehr in Frage kommen würden. Gelegentlich des offiziellen Besuches bitten wir den Herrn Minister, unsere Wünsche bei der Hohen Regierung an zuständiger Stelle freundlichst befürworten zu wollen, und genehmigen Sie, Herr Minister, den Ausdruck unserer Hochachtung! Aloys Van Hauten Gemeinderatsmitglied und Präsident des Cercle Catholique Jean Klinkenberg, Schöffe Vize-Präsident des Cercle Catholique Die Veröffentlichung dieser Denkschrift in der "Freien Presse” vom 16. Juli 1924, gleichzeitig mit dem Bericht über den Ministerbesuch in Kelmis, führte zu einer heftigen Reaktion seitens des Neu-Moresneter Gemeinderates, dessen Replik in der Zeitung vom 26. Juli zu lesen war. Für den Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung nahm Bürgermeister Hermann Schlingensiepen wie folgt Stellung: "Mit großem Staunen aber auch nicht minder großer Entrüstung konnten die Einwohner der Gemeinde Neu-Moresnet aus der vorletzten Nummer der "Kelmiser Zeitung” und der "Freien Presse" in dem Festberichte über den Ministerbesuch in Kelmis feststellen, daß gewissen Herren die Selbständigkeit der Gemeinde Neu-Moresnet ein Dorn im Auge ist und daß die Herren Klinkenberg und Van Hauten des "Cercle Catholique" von La Calamine nicht ruhen noch rasten, an dieser Selbständigkeit zu rütteln. Anstatt aber mit offenem Visier zu kämpfen und ihre
; Kelmi8s. Zu dem Yerichte über die überaus glän- zend verlaufene Feier vont vorigen Sonntage müffen wir noch befonders, erwähnen, daß die Tijchausjchmük- Kung beim Feftnahle Im Schüßenlolale einfach) aroß- artig war und die Bewunderung Aller erregte. Die Ylumen Hatte die Firma Sicherf geliefert. Die Aus- IOmücung und Bedienung lag in bewährten Händen des Hr. H. Vandenhove, Inhaber des Reftaurantes „A la honne tasse”, an der KNapelle-MoreSnet, welcher fich feines Amte8 zur voljten Zufriedenheit aller erledigte. Wir [prehen den Veranftaltern noch nachträglich zu der Glanzleiftung unfere Anerkennung aus. Kelmis. Auf das Ergebenheits- Telegramm an S. M, König Albert lief folgendes Antmeorttelegramm ein „Die Sympathie-Kundgebung welche der Gemeinde „tat fowie die Bevölkerung von Ya Calamine, anläßlich „0c8, Ihrer Gemeinde abgeftatteten Befuch durch den „Minifter des Innern, vargebracht, rührte den König „auf’8 tiefjte. Seine Majeftät empfing mit inniger „Freude die zum Ausdruck gebrachten patriotifchen Glück: „vünfche, fomohl für Seine Perfon, al8 wie aud) für „die Königlır und die Königliche Familie. Seine Maje- „Ität beauftragen mic) Jhuen jowie allen, deren Ver: „Mittler Sie find, den herzlichften Dank auszufprechen. ($raf von Arfchot. Chef des Königlichen Cabinel8, Nachklänge zum Ministerbesuch (Die Freie Presse, 19. Juli 1924)
29 Wünsche dem Herrn Minister öffentlich zum Ausdruck zu bringen, mußten diese Herren warten, bis der hohe Besuch in Herbesthal die Rückreise antreten wollte und da erst wagte es Herr Klinkenberg, dem Herrn Minister ein Schreiben zu überreichen, worin die Herren Klinkenberg und Van Hauten verschiedene Wünsche zum Ausdruck bringen. Wie nicht anders zu erwarten, handelt es sich in dieser Denkschrift wieder um das Verschwinden der Selbständigkeit der Gemeinde Neu-Moresnet und verlangen diese Herren; daß Neu- Moresnet einfach Kelmis einverleibt wird. In dieser Denkschrift werden verschiedene Punkte angeführt, welche für die Aufhebung der Selbständigkeit Neu-Moresnets maßgebend sein sollen, die aber unbedingt ins richtige Licht gestellt werden müssen. Richtig ist, daß das frühere neutrale Gebiet und die frühere Gemeinde Preußisch-Moresnet von einem Bürgermeister verwaltet wurden, aber nicht von derselben Verwaltung, denn jede der beiden Gemeinden hatte ihren eigenen Gemeinderat, eigene Gemeindekasse, eigenes Standesamt und eigene Polizeidiener, Der Bürgermeister bezog auch von beiden Gemeinden getrennt sein Gehalt. Richtig ist aber auch, daß in uralten Zeiten der Bürgermeister von Neutral- und Preußisch-Moresnet gleichzeitig noch die Gemeinden Belgisch-Moresnet und Hergenrath mitverwaltete, Wenn Sie einmal am Einverleiben sind, dann bitte, meine Herren, macht es ordentlich und sagt: "In früheren Jahren verwaltete nur ein Bürgermeister all diese Gemeinden und so soll es auch jetzt wieder sein; ihr habt einfach keine Existenz- berechtigung mehr und werdet auf Veranlassung des "Cercle Catholique" einfach in die Gemeinde La Calamine einverleibt." Richtig ist auch, daß stets ein freundschaftlicher Verkehr zwischen den beiden Nachbargemeinden geherrscht hat. Kann dieser Verkehr denn in der bisherigen Weise nicht weiterbestehen? Weshalb soll denn die Gemeinde Neu-Moresnet dafür verschwinden, eben weil dieser freundschaftliche Verkehr besteht? Richtig ist, daß das Gemeindehaus von La Calamine auf dem Gebiete der Gemeinde Neu-Moresnet liegt, aber es ist nicht Eigentum weder der einen noch der anderen Gemeinde, sondern der Bergwerks-Gesellschaft Vieille Montagne, desgleichen auch das Pfarrhaus, welches aber in La Calamine selbst liegt. Wennnun die Herren Klinkenberg und Van Hauten es fast nicht übers Herz
30 bringen können, in einem Gebäude der vorgenannten Gesellschaft im Gemeinderate zu tagen, weshalb muß dann die Gemeinde Neu- Moresnet darunter leiden oder sogar als solche ganz von der Bildfläche verschwinden? Muß die Gemeinde La Calamine für dieses Gebäude vielleicht eine sehr hohe Miete bezahlen? Im Interesse der Steuerzahler von La Calamine wäre eine Aufklärung seitens des Cercle Catholique hierüber sehr erwünscht. Richtig ist, daß die Wasserleitung Eigentum der beiden Gemeinden ist; die Quellen und Pumpstation usw. befinden sich aber auf dem Gebiet von Neu-Moresnet. Ist das denn auch ein Grund, daß Neu-Moresnet einfach verschwinden muß? Richtig ist aber nicht, daß die beiden Gemeinden eine ‚, gemeinsame Lichtanlage haben; wohl sind beide Gemeinden mit elektrischer Energie versehen, aber nur die Gemeinde Neu- Moresnet ist an dem Elektrizitätswerk Eupen und Umgegend, welches die beiden Gemeinden mit Strom versorgt, finanziell beteiligt. Richtig ist auch nicht, daß die beiden Gemeinden gemeinsame Schulen haben; es mag ja sein, daß Schulkinder aus Neu-Moresnet die Schulen in La Calamine besuchen, aber es besuchen auch Kinder von La Calamine die Schulen in Neu-Moresnet. Was nun die große Anzahl Einwohner von Neu-Moresnet anbetrifft, die wünschen, in La Calamine beerdigt zu werden, so sind die Herren Wunschsteller ebenfalls sehr im Irrtum! Laut Standesamtsregister sind vom 1.1.1904 bis heute 250 Personen in hiesiger Gemeinde verstorben; hiervon wurden 9 Personen in La Calamine beerdigt, und zwar aus dem Grunde, weil den Familienangehörigen Privatgrabstätten seitens der Gemeinde- verwaltung von La Calamine verkauft worden waren. Sollen diese 9 Personen daran schuld sein, daß der Friedhof von La Calamine vergrößert werden mußte? - Richtig ist auch, daß viele Einwohner von Neu-Moresnet die Kirche von La Calamine besuchen, trotzdem dieselben seit uralten Zeiten zur Pfarrgemeinde Hergenrath gehören, eben weil es bequemer ist. Wie war es denn früher? Wo mußten vor 1855 die Kelmiser Einwohner zur Kirche gehen? Wenn viele Einwohner von Neu-Moresnet in der Kirche von La Calamine ihre Stühle haben, so hat daran die Gemeinde Neu-Moresnet doch sicherlich keine Schuld, sondern die Kirchenverwaltung von La Calamine, die diese Stühle vermietet.
31 Richtig ist auch, daß in den hiesigen Industrien ein winzig kleiner Teil der Arbeiterbevölkerung von La Calamine beschäftigt ist; soll das nun ein Grund sein, daß Neu-Moresnet keine Existenz- berechtigung mehr hat? Dann, meine Herren vom Cercle Catholi- que, müssen Sie auch verlangen, daß den anderen Gemeinden, wo Kelmiser Arbeiter beschäftigt sind, jegliche Existenzberechtigung abgesprochen wird, und dieselben einfach einverleiben. Und was hat denn die Freiwillige Feuerwehr mit dieser Sache zu tun? Ebensogut könnte man sagen: viele Einwohner von Neu- Moresnet sind Mitglieder der meisten Kelmiser Gesellschaften und deshalb soll Neu-Moresnet verschwinden. Seit wann hat denn Neu-Moresnet mit La Calamine die Krankenkasse gemeinsam? Vor Jahren bestand eine Gemeinde- krankenkasse in Preußisch-Moresnet, woran aber nur die hiesigen Gemeinde-Eingesessenen teilnehmen konnten, Nur wenn auswärts wohnende Personen in hiesiger Gemeinde beschäftigt waren, mußten diese durch den Arbeitgeber zur Krankenkasse angemeldet werden. Mit Gründung der "Allgemeinen Ortskrankenkasse" in Eynatten, am 1. Januar 1924, wurde die Gemeindekrankenkasse aufgelöst. Einwohner von La Calamine können auch heute nur dann in die Krankenkasse aufgenommen werden, wenn sie im Kreise Eupen beschäftigt sind. Mithin ist auch dieser Grund hinfällig. Richtig ist auch, daß die jährliche Kirmes gemeinsam gefeiert wurde, und zwar aus dem Grunde, daß bis vor wenigen Jahren noch der Hauptkirmestrubel sich auf dem Gebiete der Gemeinde Neu-Moresnet abspielte. Nun zu dem i.J. 1923 von 90% (?) der Einwohner von La Calamine unterschriebenen Gesuche an S.M. König Albert I., betreffend Einverleibung von Neu-Moresnet nach La Calamine. Soll das mit den 90% stimmen? Dieses kann in Zweifel gezogen werden! Und welche Mittel wurden angewandt, um die Einwohner zum Unterschreiben des Gesuches zu bringen? Auf sehr vielen Stellen wurde der wahre Grund des Gesuches verschwiegen und nur gesagt: "Unterzeichnet diese Liste, es handelt sich darum, weniger Steuern zu zahlen!" usw. (Dieses war ein offenes Geheimnis in der ganzen Gegend.) Daß die Leute darauf hereinfielen, ist leicht begreiflich, denn vom Steuerzahlen ist kein Mensch Liebhaber! Wo aber das Gesuch erst mal gründlich durchgelesen wurde, da gab es auf vielen Stellen ein Fiasko, denn
32 die Leute sagten: "Laßt uns, was wir sind und laßt auch Neu- Moresnet, was es ist!" Diesen Ausspruch wiederholen auch wir den Herren Klinkenberg und Van Hauten und geben ihnen den guten Rat, sich nicht um das Wohl und Wehe von Neu-Moresnet zu kümmern und am allerwenigsten um dasjenige, was für unsere Gemeinde erforderlich ist oder nicht. Zum Schlusse noch eine Frage: "Weshalb wurde diese ganze Einverleibungsfrage ins Leben gerufen, ohne daß Neu-Moresnet, welches doch in allererster Linie dabei interessiert ist, in Anspruch genommen oder davon in Kenntnis gesetzt wurde?" Wenn die Herren Klinkenberg und Van Hauten vielleicht % meinen, daß Neu-Moresnet zu ihren Wünschen "Ja" und "Amen" sagen soll, dann täuschen sie sich. Neu-Moresnet wird mit allen ihm zu Gebote stehenden gerechten Mitteln gegen das Vorhaben des Cercle Catholique von La Calamine kämpfen (wenn denn auch nach 600 Männeken von Neu-Moresnet nicht gefragt zu werden braucht) und steht ihm hierbei der ganze Kreis Eupen zur Seite. Zur Beruhigung der Herren Klinkenberg und Van Hauten diene noch: 1. Daß der Bürgermeister von Neu-Morenet am Sonntag nach dem Festessen dem Herrn Minister des Innern eine Abschrift der im vergangenen Jahre an den Herrn Hohen Königlichen Kommissar Gouverneur Baron Baltia in Malmedy eingereichten Protestliste gegen eine Angliederung an La Calamine, welche von sämtlichen wahlberechtigten Einwohnern (mit nur drei Ausnahmen, worunter einer, der das allergrößte Interesse daran hat, daß Neu-Moresnet beim Kreise Eupen verbleibt) unter- schrieben war, nebst den Abschriften der Gemeinderatsbeschlüsse und den Abschriften der Beschlüsse der Permanent-Deputation in Malmedy, überreicht hat; 2. daß die Gemeinde-Verwaltung Neu-Moresnet auch die erneute Denkschrift des Cercle Catholique von La Calamine an maßgebender Stelle ins richtige Licht stellen wird. Neu-Moresnet, den 18. Juli 1924 Für den Gemeinderat und die Gemeinde-Verwaltung Schlingensiepen, Bürgermeister
83 Hat diese energische Reaktion der Neu-Moresneter die Partei der "Annexionisten" zu der Einsicht gebracht, daß jeder weitere Versuch einer Eingliederung der Nachbargemeinde jenseits der "Pavei" zum Scheitern verurteilt wäre? Ist den Vertretern des "Cercle" vielleicht von höherer Stelle bedeutet worden, daß ihre | Pläne in Brüssel keine Zustimmung fanden? 020 > Gemeindeverwaltung La Calamine = Neu-Moresnet. DE ET ; (65 5. ChB 319709 Grosse Feuerwehrtagung am 22. und 23, August 1936 verbunden mit der Feier des 42jährigen Stiflungsfestes der Freiw, Fenerwehr ehe Moresnet, des 9, Kreisverbandstages des Kreisverbandes Eupen und des 1, Verbandstages des Feuerwehrverbandes Eupen - Malınedy - St. Vith. Ein Briefkopf, der die Verschmelzung der beiden Nachbargemeinden vorwegnimmt... Tatsache ist, daß sich die durch Van Hauten und Co geschürte Unruhe wiederlegte und die 1923-24 soleidenschaftlich diskutierte Frage der Zusammenlegung beider Gemeinden erst im Jahre 1972 wieder zur Debatte stand mit dem eingangs schon erwähnten Resultat, daß sich die Neu-Moresneter zu 50% für und auch zu 50% gegen den Anschluß an Kelmis aussprachen. | Zwischenzeitlich hatte es durch die deutsche Gemeindereform von 1940 eine kurze Periode gemeinsamer Verwaltung gegeben: das "Amt Moresnet" umfaßte die Gemeinden Moresnet, Kelmis, Neu-Moresnet und Hergenrath. Am 1. Oktober 1942 wurden die Gemeinden Kelmis und Neu-Moresnet zur "Gemeinde Altenberg" vereint. Amtsbürgermeister war in den Kriegsjahren Jos, Kriescher, Amtssitz erst Neu-Moresnet, dann (ab 1.10.42) Altenberg, wo die Verwaltung in der Kapellstraße Nr. 9, dem Hause Dr. Schifflers, untergebracht war.
34 Anmerkungen: 1) Die gesetzliche Grundlage zu den Gemeindefusionen bot das sog. Einheitsgesetz vom 14. Feb. 1961, das schon 1965 zur Zusammenlegung von 110 Gemeinden und zur Schaffung von 37 neuen kommunalen Einheiten geführt hatte. 1970 und 71 wurden ebenfalls mehrere hundert Gemeinden zu größeren Gebilden zusammengeschlossen. 2) S.F. Pauquet, Die älteste Besiedlung im Gebiet der ehemaligen Herrschaft Kelmis, in "Im Göhltal", Nr. 2, 1967, S. 25-35.
35 Bau der Eisenbahn Aachen-Herbesthal: Daten und Fakten entnommen der Chronik der Bürgermeisterei Hergenrath und der Pfarre Hauset - Nachtrag - (1) von Willy Timmermann Hinwäls: Die nachstehenden Daten und Fakten sind grundsätzlich wortwörtlich der Chronik der Bürgermeisterei Hergenrath und dem Pfarrarchiv Hauset entnommen. Sie sind eine Ergänzung zu den Schilderungen über die nun 150 jährige Hammerbrücke und die Eisenbahnstrecke Aachen-Herbesthal (B-Grenze). Vielfach wird die Höhe der Hammerbrücke irrtümlicherweise mit 55 Metern angegeben. Richtig ist die Höhe von insgesamt 117 Fuß (rheinländisches Maß, d.h. 1 Fuß = 31,38534 Zentimeter) also genau 36,720847 Meter. Als Bauzeit wird einmal 1840-1843 (Hauset) angegeben, Hergenrath schreibt "Frühjahr 1841 bis August 1843", wie wörtlich auf der Lithographie des Aachener Baumeisters Fr. Wittfeld (Heimatmuseum Burg Frankenberg) vermerkt ist. Einmal heißt es "Göhl" (Goehl), ein andermal "Geul". Gewisse Abweichungen auch in der Rechtschreibung müssen als durchaus normal angesehen werden. x Pfarrarchiv Hauset; An der westlichen Ecke wird die Gemeinde (Hauset) durchschnitten von der rheinischen Eisenbahn und gerade das großartigste Bauwerk der ganzen Bahn gehört unserer Gemeinde an, nämlich der Göhlviadukt, im Munde der Leute die Hammerbrücke genannt, weil die dortige Flur "der Hammer" (1) S. "Im Göhltal", Nr. 53, August 1993, S 33-72.
36 heißt. Der Göhlviadukt wurde erbaut in den Jahren 1840 bis 1843 unter der Leitung des Baumeisters Wittfeld aus Aachen. Die Pfeiler stehen auf langen senkrecht eingerammten Balken. Die Brücke ist aus Ziegelsteinen erbaut, die aus dem benachbarten Grundstück des Wilh. Arn. Schmetz in der Fossei gewonnen wurden. Die Hausteine (Gurtleisten, Deckplatten usw.) lieferte Joh. Wilhelm Brammertz aus Breinig (?) und entnahm dieselben den Steingruben von Breinig, Cornelimünster, Raeren usw. Der Viadukt hat eine Länge von 650 Fuß, eine Höhe von 117 Fuß und eine Breite von 27 Fuß, und besteht aus (Anm. d. Red.: 8) Millionen Ziegelsteinen, verdient also mit vollem Rechte zu den größten Bauten gezählt zu werden. Die Bogen stehen in zwei - Stockwerken übereinander, zusammen 34 Bogen, oben 30 1/2, unten 30' breit, während die Pfeiler oben 6 1/2 und unten 7' dick sind. Ein einzelner Bogen ist höher wie eine gewöhnliche Kirche und ebenso breit, nur nicht so lang. Chronik Hergenrath (CHHE) 1838: In diesem Frühjahre begannen hier die Arbeiten an der Eisenbahn. Die Arbeiter an der Eisenbahn gaben zu einer Menge Klagen Anlaß, denn die angegriffenen Grundstücke waren noch nicht abgeschätzt, viel weniger bezahlt und die Arbeiter handelten ohne Rücksicht noch Schonung, alle Frucht und Gras die sich auf und nah an die Bahnlinie befand, wurde zertreten, vernichtet, ohne daß die Eigenthümer wußten, wer und welche Entschädigung sie erhalten würden. 1839: Übrigens ist es eine harte Zeit für alle die von ihrer Hände Arbeit leben müssen, die Fabriken gehen schlecht, die Arbeiten an der Eisenbahn stocken, das Brod war theuer (6 Sgr. 10 Pfen. das 8 pfündige Roggenbrod) daher war das Elend groß. 1840: Die Arbeiten an der Eisenbahn schritten schnell voran, es gab Arbeit genug, allein bei dem so hohen Preise des Brodes kann der Taglöhner, der eine starke Familie zu ernähren hat, kaum das trockene Brod verdienen. 1842: Der äußerst trockene Sommer, in Folge dessen die Viehweiden ganz kahl wurden und die Brunnen und Viehtränken versiegten, hat sehr nachtheilig auf die Landwirtschaft gewirkt, jedoch sind die Erdarbeiten der Eisenbahn, von dieser Witterung begünstigt, tüchtig vorangeschritten. Der Geul- Viadukt, ein Pracht-
37 Bauwerk, größtenteils unter Hauset und theils unter Hergenrath belegen, geht seiner Vollendung entgegen. Derselbe hat zwei übereinander stehende Bogenreihen von je 17 Bogen. Dieser Viadukt ist 658 Fuß lang, 27 Fuß breit und 117 Fuß hoch. In der unteren Bogenstellung bei 20 Fuß Bogenweite beträgt die Pfeilerstärke 7 Fuß, in der oberen Bogenstellung bei 30 1/2 Fuß Bogenweite 6 1/2 Fuß. Der Bau wurde im Frühjahr 1841 begonnen „und im August 1843 vollendet. 1843: Durch den Einsturz eines Gerüstes am Geul-Viadukt fanden zwei mit dem Bau derselben beschäftigte Arbeiter im Monat Januar ihren Tod. Die Rheinische Eisenbahn kann als fertig betrachtet werden, denn am 22. August fuhr schon ein Zug von Aachen nach Herbesthal und zurück. Am 21. Oktober wurde dieselbe eröffnet und dem Verkehr übergeben. 1846: Am 26. Januar begannen die Arbeiten am zweiten Geleise der Eisenbahn. Der Bahnwärter Heinrich Winkel wurde am 5. Mai nachts 1 Uhr am Orte Kaper von einem Eisenbahnzuge erfaßt und sofort getödtet. 1850: Der Bahnwärter Clemens August Habes wurde am 10. October Abends 1/2 11 Uhr am Orte Kaper von einem Zuge überfahren und sofort getödtet, 1855: In der Nacht vom 24. auf den 25. Juni wurde der 22 Jahre alte Taglöhner Johann Dominik Pons aus Hauset auf der Rheinischen Eisenbahn zwischen den Stationen Astenet und Herbesthal durch den Schnellzug überfahren und blieb auf der Stelle todt. 1865: Am 16. April, Nachts 11 Uhr wurde der Eisenbahnwärter Gerhard Joseph Müller am Orte Kaper zu Hergenrath von dem von Belgien kommenden Schnellzuge überfahren und auf der Stelle getödtet. 1866: Am 28. Dezember Abends entfernte sich die am Nervenfieber leidende Ehefrau von Stephan Joseph Laschet hierselbst heimlich aus ihrer Wohnung und wurde auf der Eisenbahn bei Breitenstein durch den um 7 Uhr von Belgien kommenden Zug überfahren; der Kopf war buchstäblich vom Rumpfe getrennt. 1869: Der Taglöhner Joseph Mostert aus Preußisch-Moresnet fand am 4. August durch Überfahren auf der Eisenbahn zu Hergenrath seinen Tod.
38 1870: Am 5. September, Vormittags 11 1/2 Uhr passirte der Exkaiser der Franzosen, Napoleon III, per Extrazug auf der Rheinischen Eisenbahn die Bürgermeisterei Hergenrath, um sich zu dem ihm von Seiner Majestät dem Könige Wilhelm I. von Preußen angewiesenen Aufenthaltsorte Wilhelmshöhe bei Cassel zu begeben. 1873: Am 27. Februar Morgens 4 Uhr wurde der als Bergbremser zu Ronheide angestellte Johann Peter Laschet aus Hergenrath auf der Eisenbahn bei Breitenstein unter Aachen von einem Eisenbahnzuge überfahren todt aufgefunden, 1875: Am 8.11.1875, Abends 1/2 6 Uhr wurde die 78 Jahre alte Witwe Jaquemin auf der Rückkehr von der Lonzener Kirmes - bei Prester vom Zuge erfaßt, getötet und schrecklich zugerichtet. Unweit davon steht nunmer auf einem Steine ein eisernes Kreuz. 1880: Am 21. Dezember Nachmittags gegen 2 1/2 Uhr ereignete sich in unserer Nachbarschaft ein unerklärlicher Dammsturz der Rheinischen Eisenbahn zwischen Breitenstein und dem kleinen Tunnel, nachdem ganz kurz vorher noch zwei Eisenbahnzüge die Unglücksstätte passirt hatten. Der circa zehn Meter hohe Damm resp. Eisenbahnkörper wurde in wenigen Augenblicken auf einer Länge von ungefähr 300 Metern in den Teich und in die Wiese von Breitenstein sowie auf die Cöln- Lütticher Staatsstraße geworfen, und so der Verkehr auf der Eisenbahn und der g. Straße bis zur Wiederherstellung unmöglich gemacht. 1881: Am 15. Mai wurde zu Hergenrath eine Posthülfsstelle errichtet, welche sich mit dem Verkaufe von Postwertzeichen und der Annahme und Ausgabe von gewöhnlichen Briefen, Zeitungen und Paketen ohne Werthangabe befaßt und von dem Gastwirthen Peter Joseph Kittel verwaltet wurde. Seitdem wurde die Gemeinde Hauset der Post-Agentur Eynatten zugetheilt und von dort aus bestellt. Die Verwaltung der Posthülfsstelle zu Hergenrath legte der g. Kittel mit dem 1. November freiwillig nieder und da sich eine geeignete andere Person für diese Verwaltung nicht fand, ging die Posthülfsstelle ein und trat das alte Verhältniß, wonach die Gemeinde Hergenrath per Landbote täglich nur einmal und zwar mit Ausschluß der Sonn- und Feiertage von Astenet aus bestellt wurde, wieder in Kraft.
39 Ihre Majestät die Königin der Belgier nebst Gefolge passirten am 21. September, Nachmittags gegen 3 Uhr, in der Richtung von Aachen nach Astenet fahrend, die Gemeinde Hergenrath. 1882: (PfAR. Hauset) Am 10. August 1882 ließ Pfr. Brammertz (Hauset) folgende Anzeige in einer Zeitung veröffentlichen: Lehrer gesucht Für die einklassige Knabenschule zu Hauset 1 1/2 St. von Aachen, 1/2 St. von Station Astenet, wird ein geprüfter Lehrer gesucht; Gehalt 900 Mark, gute Wohnung, großer Garten, 90 M. für Heizung und Reinigung. Meldungen an der Schulvorstand. Hauset, 10 August 1882, Der Local-Schulinspector, Pfr. Brammertz. 1883: Laut Verfügung des Königlichen Eisenbahn-Betriebs- Amtes zu Köln vom 25. Juli c.J. II No. 12089, ist das Project zur Anlage der Haltestelle zu Hergenrath, vom Königlichen Ministerium der öffentlichen Arbeiten genehmigt worden. 1884: Am 8. Januar c. wurden die Grundarbeiten zu der neuen Eisenbahn-Haltestelle zu Hergenrath begonnen. (PfAR. Hauset: Im Januar wurden die Grundarbeiten zu dem neuen Bahnhof Hergenrath begonnen. Am 1. August 1884 war die Eröffnung der Station Hergenrath). Am 1. September c. wurde der Taglöhner Joseph Operei aus Hergenrath an der neuen Eisenbahnstation zu Hergenrath auf der Eisenbahn durch Herunterfallen von einem Wagen am linken Bein überfahren, weshalb dasselbe theilweise hat abgenommen werden müssen. Seit dem 1. September befindet sich das Kaiserliche Postamt in dem neu erbauten Hause des Gastwirthes Friedrich Habes an der Eisenbahnstation zu Hergenrath. (PfAR. Hauset: Am 1. Dezember wurde das Postamt an der Station Hergenrath eröffnet, für uns eine weitere Annehmlichkeit.) CHHE: Am 1. Dezemberc. ist zu Hergenrath ein Postamt III. Klasse in Wirksamkeit getreten. Diese Postanstalt hat Telegraphenbetrieb mit beschränktem Tagesdienste. 1885: Seit dem 1. September befindet sich das Kaiserliche Postamt in dem neu erbauten Hause des Gastwirthes Friedrich Habes an der Eisenbahnstation zu Hergenrath. 1886: In der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar wurde mittelst Einbruchs in das Postdienstzimmer der hiesigen Postanstalt
40 ein Diebstahl verübt und Geld und Freimarken im Werthe von zusammen circa 900 Mark entwendet. Über den Einbruch und Diebstahl wurde bis dahin nichts Näheres ermittelt. 1887: Im Monate November wurde die bei Firmannsheide hierselbst gelegene hölzerne Brücke seitens der Königlichen Eisenbahn- Verwaltung umgebaut. Am 18. November wurde der seit dem 18. September vermißte Eisenbahnarbeiter Nikolas Bounie von hier in der Nähe der Emmaburg in einem Wäldchen tot aufgefunden. Die stattgehabte Obduktion der Leiche ergab, daß derselbst an innerer Krankheit gestorben sei. Der Verkehr auf der hierselbst am 1. August 1884 eröffneten . Eisenbahn-Haltestelle nimmt beständig zu und wurde im Laufe dieses Jahres in der Nähe des Bahnhofes eine Thonwarenfabrik durch den Ingenieur Joseph Schmetz hierselbst errichtet. 1888: Im Laufe des Sommers wurde an der Straße von Hergenrath nach Hauset unterhalb des Bahnhofes durch den Postverwalter Müller ein neues Postgebäude im Rohbau fertiggestellt. Ende des Jahres wurde in der Nähe der Eisenbahnhaltestelle hierselbst durch die Firma Gustav Vogeno & Cieeine Eisengießerei errichtet, 1889: Der Landwirth Nikolas Joseph Laschet aus Hergenrath, 44 Jahre alt, wurde am 23. Februar Vormittags 9 Uhr 10 Minuten, auf der Eisenbahnhaltestelle hierselbst von einem Personenzuge an beiden Beinen und dem rechten Arm überfahren und starb an den erlittenen Verletzungen am selben Tage Nachmittags um 1 Uhr im Eisenbahn-Stationsgebäude hierselbst. 1891: Im Monate August wurde seitens der Königlichen Eisenbahn-Verwaltung mit dem Bau einer massiven Brücke an Stelle einer Holzbrücke am Orte Helmüs hierselbst begonnen und die neue Brücke noch im Laufe des Jahres fertiggestellt. 1895: Im Laufe des Sommers wurde von der Eisensteingrube "Anfang" zu Fossey eine Drahtseilbahn nach der hiesigen Eisenbahnhaltestelle angelegt, mit welcher die gewonnenen Erze befördert werden. Im Monat October wurde eine Telephonanlage von Aachen nach Herbesthal errichtet, welche die Gemeinde Hergenrath längs der Straße Bildchen-Walhorn in ihrer ganzen Länge durchzieht.
41 Am 6. Dezember Abends gegen 6 Uhr stieß der von Aachen gekommene Personenzug kurz nach Verlassen der hiesigen Sta- tion aufeinen im Geleise befindlichen leeren Güterwagen, wodurch der benannte Wagen sowie die Maschine des Personenzuges einige Verletzungenerlitten, weiterer Schaden ist nicht entstanden. ; 1898: Im Laufe des Jahres 1898 wurde auf dem Grundstücke von Lesmeister bei der Eisenbahnstation hierselbst, wo früher die Eisengießerei von Vogeno & Cie bestanden, eine Steinsägerei errichtet und am 21. Januar 1899 durch die Firma Paul Ruyters & Cie. in Betrieb gesetzt. 1899: Der Schreinergeselle Peter Pabst aus Hauset wurde am 27. Februar Abends gegen 8 Uhr auf der hiesigen Eisenbahnstation vom Arbeiterzuge überfahren und sofort getötet. 1900: In der Woche vom 7. bis 13. Januar kamen auf der Eisenbahnhaltestelle hierselbst durch die dem gegen 8 Uhr Abends von Aachen hier einlaufenden Arbeiterzuge entsteigenden Leute Ausschreitung vor, welche am Samstag, den 13. Januar so ausarteten, daß zwei Personen aus Neutral-Moresnet zwecks Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung festgenommen werden mußten, die Ausschreitungen bestanden hauptsächlich darin, daß die Leute beim Verlassen des Bahnhofes sich der Controlle der Fahrkarten durch ungebührliches Drängen an den Ausgängen entziehen wollten. 1901: Am 26. August wurde durch eine Abtheilung des Infanterie-Regiments No 40 aus Aachen am Geulviadukt eine Gefechtsübung abgehalten, durch welche das Rindvieh des Landwirthen Mathias Schmetz zu Hauset (Voßey) scheute und sich zwei Kühe durch überspringen eines Stacheldrahtzaunes Verletzungen zuzogen. Hierfür wurde dem g. Schmetz eine Entschädigung von 90 M. seitens des benannten Regiments bewilligt. 1902: Im Monate Oktober wurde an verschiedenen Tagen vonder Brücke, welche die Wegeüberführung über die Eisenbahn bei Flönnes hierselbst herstellt, mit Steinen nach den durchfahrenden Zügen geworfen und als der Täter der 15 jährige Schusterlehrling Johann Pohlen von hier nachträglich ermittelt, derselbe wurde zur Anzeige gebrachtund ist beim Schöffengerichte in Eupen mit einem Verweis bestraft worden. 1903: Am 31. Mai wurde der Waldarbeiter Wilhelm Wechsler, 16 Jahre alt, aus Neutral-Moresnet, auf der Eisenbahn
42 hierselbst überfahren und sofort getödtet. Derselbe hatte den Geulviadukt betreten, um dort Dohlennester auszuholen. Der Pächter und Landwirt Wilhelm Joseph Hubert Taeter, 60 Jahre alt, Ehemann von Anna Maria Hubertina Gertrud geborene Haes, wohnhaft hier, Helmüs, wurde am 3. Oktober Vormittags auf der Eisenbahn hierselbst mit zerschmettertem Schädel tot aufgefunden, durch die angestellten Ermittelungen konnte die Todesursache nicht bestimmt festgestellt werden, jedoch wird vermutet, daß p. Taeter die Bahnböschung, welche bei der Fundstelle der Leiche eine beträchtliche Höhe hat und die unbefugterweise betreten worden, hinuntergestürzt ist und dadurch den Tod erlitten hat. . 1906: Im Laufe des Jahres wurde auf der Eisenbahnstrecke Aachen-Herbesthal ein Geleise umgelegt, wobei etwa 40 Italiener beschäftigt wurden, welche hier in verschiedenen Wirtschaften einquartiert waren. 1907: Im Monate Februar wurde auf Prester eine Wegeunterführung durch die Königliche Eisenbahn-Verwaltung fertig gesteltt, deren Abnahme am 5. März stattfand, Von Seiten des Bezirkskommmandos Montjoie und Aachen wurden Maßnahmen zur Bewachung des Bahnhofs und der Eisenbahnstrecke hierselbst für den Mobilmachungsfall getroffen. Am 20. September Nachmittags 3 Uhr stürzte auf der Eisenbahnstrecke Aachen-Herbesthal am Geulviadukte hierselbst ein zu Cöln wohnhafter Bremser namens Moritz während der Fahrt von einem Eilgüterzuge und erlitt dabei den Tod. 1908: Seit dem Monate Juli ist man hier mit der Linienverbindung der Eisenbahnstrecke Aachen-Hergenrath beschäftigtund wurden dabei viele ausländische Arbeiter, meistens Italiener beschäftigt. Die Vorschriften über das polizeiliche Meldewesen wurden mit Rücksicht auf die beim Bahnbau hierselbst beschäftigten Italiener streng gehandhabt. 1909: Am 8. Januar erlitt der Erdarbeiter Franz Krol, am Eisenbahnbau hierselbst, eine Quetschung des linken Fußes und Abschürfungen am rechten Fuße. Am 4. April entstand im Gemeindewalde von Walhorn Asteneter Brennhag, ein Waldbrand, welcher allem Anschein nach durch die Lokomotive eines Eisenbahnzuges verursacht wurde.
43 Desgleichen verbrannte eine Hecke der Landwirthin Witwe Reiner Kever, hierselbst, am selben Tage, welche ebenfalls durch einen Eisenbahnzug in Brand gesetzt wurde, Am 21. Mai Vormittags 10,29 Uhr wurde hier nach einem in der Richtung nach Aachen durchfahrenden D-Zuge mit einem Stein geworfen und dadurch eine Scheibe zertrümmert, als Täter wurde der 8 jährige Schulknabe Eugen Nicoll hierselbst ermittelt und zur Anzeige gebracht. ak k k Ab dieser letzten Eintragung wurde die Chronik nicht mehr in genauen Angaben, mit Namen, Fakten usw. fortgesetzt. Unterzeichneten bisher die Gemeinderatsmitglieder die Jahresberichte, so ist ab 1910 nur noch die alleinige Unterschrift von Bürgermeister Kyll zu finden, der in den ersten Kriegsjahren 1914/15 hauptsächlich nur Haushaltsbetrachtungen über Hergenrath und Hauset anstellte. Ergänzend wäre zu sagen: Der Bahnhof Astenet wurde kurz nach 1843 erbaut und zählte zwischen 1859 und 1861 genau 52.397 angekommene und 46.097 abgefahrene Perrsonen. Um 1900 wurde er erweitert. Er hatte sogar Wartesäle 1. und 2. Klasse. Eine Unterführung für Fußgänger wurde ebenfalls gebaut, um längere Wartezeiten bei geschlosssenen Bahnschranken zu vermeiden. Immerhin waren Rangiergeleise verlegt worden, da von Astenet aus auch Wirtschaftsgüter und Vieh verladen und transportiert wurde, Der Bahnhof in Hergenrath wurde ebenfalls ausgebaut. Für die angrenzenden Betriebe wurde ein Sondergeleis zum Be- und Entladen der Waggons gelegt, während die Kalkwerke einen eigenen Bahnanschluß erhielten. Am 14. Juli 1923 berichtete die Zeitung "Die Freie Presse”, daß gegen 4 Uhr morgens auf der "Bahnhofsbrücke" in Hergenrath ein belgischer Wachsoldat von einer Lokomotive erfaßt wurde, wobei dem Unglücklichen der linke Fuß vollständig abgeschnitten worden sei. Mit einem Notverband versehen kam er in das Krankenhaus nach Verviers. Ein Gerücht, wonach schon zwei Tage zuvor ein Wachsoldat zwischen Mauer und Lokomotive zerdrückt und nach seiner
44 Überführung nach Lüttich einen Tag später verstorben sei, wurde offiziell dementiert. 1940-1944: Am 10. Mai 1940 fanden acht belgische Soldaten beim Sprengen der Hammerbrücke den Tod. Einer (Marcel Re- nard) überlebte unter den Trümmern. Am 23. Mai 1944 kamen mindestens acht deutsche Soldaten, die mit einer Vierlingsflak die Hammerbrücke bewachten, bei einem Angriff alliierter Tiefflieger ums Leben. Nach dem 2. Weltkrieg (Mai 1945) wurde der Personenverkehr ab Astenet und Hergenrath in Richtung Aachen nicht mehr aufgenommen, wohl verkehrte bis 1957 zwischen Hergenrath und Herbesthal ein Triebwagen. . Nachdem der Bahnhof Herbesthal stillgelegt und die Haltestelle (aus sprachpolitischen Gründen) in das französischsprachige Welkenraedt verlegt worden war, verkehrte abdem31. Mai 1981 bis zum 23. Mai 1982 zwischen Welkenraedt und Aachen zwar ein Triebwagen. Entgegen ursprünglicher Ankündigung der Eisenbahngesellschaft wurden in Astenet und Hergenrath keine Haltestellen eingerichtet. Anfang Juni 1984 fiel Welkenraedt als Haltebahnhof internationaler Züge aus. Wieder wurde ein Pendelverkehr zwischen Welkenraedt und Aachen (sechs Fahrten täglich, ohne Halt in Astenet und Hergenrath) eingerichtet, der aber mangels Fahrgäste zum 1. Juni 1988 eingestellt wurde. (S. "Im Göhltal" Nr. 42) Als die Elektrifizierung der Eisenbahnlinie bis Aachen im Jahre 1974 beendet war und ein Sonderzug zahlreiche Persönlichkeiten von Lüttich, Verviers und Welkenraedt nach Aachen brachte, waren entlang dem zur Ruine verfallenen ehemals prachtvollen "kaiserlichen" Bahnhof Herbesthal zu beiden Seiten der Durchfahrgeleise Güterzüge "geparkt", so daß die Gäste das geschichtsträchtige Herbesthaler Bahnhofsgebäude und - gelände nicht einsehen konnten. (siehe Heft Nr. 33 "Im Göhltal" S. 109, den Beitrag "Die Kulturschande", von A. Bertha). 1960-1990: In den drei letzten Jahrzehnten forderte die Teilstrecke Aachen-Hergenrath weitere Opfer. Am Morgen des 12.12.1960, es war ein Montag, führte eine Signalblockierung am BÜ 13 (Bahnübergang Atherstraße, Hergenrath) zu einer Überprüfung des Streckenabschnitts, wobei man die Leiche des 21-jährigen Hergenrathers Hans Bastin fand,
45 der am frühen Morgen, gegen 5.30 Uhr, an besagtem Übergang durch den aus Aachen kommenden Tauern-Express 53 erfaßt und auf die Signalleitungen geschleudert worden war. Der Tote war nur wenige hundert Meter vom Unfallort (im Siep) zu Hause. Tragisch war auch der Tod des 47-jährigen Bleyberger Taxifahrers Louis Hambuckers, der am ersten Weihnachtstag 1961 am Bahnübergang 58, d.h. Kaper/Ries, abends nach 22 Uhr, von einer belgischen Lok, die aus Aachen als Leerfahrt zurückkehrte, erfaßt wurde, Unfallursache war in diesem Falle ein Bedienungsfehler des diensttuenden Beamten von ASW (Aachen- Süd-West). Im Juni 1977 stürzte ein Schüler aus Hauset von der Hammerbrücke und konnte nur noch tot geborgen werden. Der Bahnübergang in Hergenrath, an der Nahtstelle von Bahnhof- und Hauseter Straße, ist zwar durch automatische Schranken gesichert, doch kann der aus Hauset kommende Automobilist bei tiefstehender Sonne leicht das Signal übersehen. Vermutlich war eine solche Situation auch die Unfallursache am Spätnachmittag des 15. Januar 1979, als der Wagen des Kelmiser Zollbeamten Cyrille Lousberg bei geschlossener Schranke von einem aus Aachen kommenden Zug in die rechte Flanke getroffen und etwa 100 m mitgeschleift wurde, wobei der Fahrer tödliche Verletzungen davontrug. Auf dem Eisenbahnabschnitt zwischen Ronheider Tunnel (Westseite), Hergenrath und Astenet dürften zwischen 1843 und 1993 mindestens 35 Menschen ums Leben gekommen sein. Ein anderer Zwischenfall hatte sich in der Nacht zum 12. Juli 1966 in Astenet/Prester ereignet, als eine Kuhherde des Landwirten L. Rox aus der Wiese neben der Bahnlinie ausbrach. Die Kühe liefen auf die Geleise. Der Expreß Ostende-Zagreb raste in die Herde. Fünfzehn Tiere wurden getötet, eine Kuh mußte notgeschlachtet werden, andere wurden verletzt. An dem Zug wurde lediglich ein Trittbrett abgerissen. Die Versicherung zahlte 39.000 BF an "Wartegeld" für den Aufenthalt des Zuges. In den Jahren 1975 und 1976 wurden die Bahnhofsgebäude in Astenet und Hergenrath abgerissen, nachdem zuvor schon die Geleise für den Güterverkehr in beiden Bahnhöfen entfernt worden waren. Mit Inbetriebnahme von Dieselloks und dem Verschwinden der Dampfloks wurde am Fuße der Hammerbrücke auch die
46 Pumpstation, die das Wasser einer Abzweigung der Göhl entnahm und dann zum Bahnhof Astenet pumpte, um dort die Dampflokomotiven mit Wasser zu versorgen, abgerissen. Das Telefon- und Telegraphenamt Hergenrath, in der Bahnhofstraße (heute Nr. 82) eingerichtet, das die Orte Hergenrath, Neu-Moresnet, Kelmis, Hauset, Astenet, Walhorn und teilweise Lontzen umfaßte, wurde nach Einführung des Selbstwähler- verkehrs aufgelöst. Die automatische Zentrale befindet sich nahe der Kreuzung Altenberger - und Asteneter Straße. Das Postamt Hergenrath, das selbst nach der Gemeindefusion (Hergenrath zu Kelmis, Hauset zu Raeren) noch Hauset mitversorgte, wurde Ende Juni 1993 aufgelöst und dem Postamt Kelmis angeschlossen. Hauset wurde postdienstlich Raeren unterstellt. x x Außer dem deutschen Bundespräsidenten Heinemann, dessen Sonderzug von Köln kommend bei einem offiziellen Staatsbesuch in Belgien im Bahnhof Welkenraedt kurz anhielt, dürften auch zahlreiche weitere hohe Persönlichkeiten die Strecke befahren haben. Sie zählt zu den wichtigsten Europas, von London und Paris nach Kopenhagen und Moskau und mit dem ehemals geheimnisumwitterten Orient-Express nach Istanbul und Ankara. * ok Belgische Zollbeamte und Gendarme kontrollierten die Zugreisenden ab Lüttich bis Aachen; deutsche Zoll- und Grenzschutzbeamte kontrollierten ab Köln oder Aachen bis Verviers oder Lüttich. Diese Kontrollen zwischen Belgienund Deutschland wurden zu Beginn der 90er Jahre dank der Vereinbarungen der Europäischen Gemeinschaft völlig aufgehoben. x k & Als diese "Meldungen" niedergeschrieben wurden, wurden höheren Orts in Brüssel, Paris und Köln die Pläne für die Ankunft des französischen Hochgeschwindigkeitszuges TGV (Train ä grande vitesse) ausgearbeitet. Welche Zunkunft wird ihm im baldigen 21. Jahrhundert beschieden sein?
50 In der zweiten Hälfte des 18. Jh. wurde die Ostfassade durch Schaffung neuer Öffnungen umgestaltet, so daß die drei Geschosse in drei Achsen im Stile der damaligen Zeit neue Stichbogenfenster mit überstehenden Keilsteinen erhielten. Nordfassade An der Nordfassade befinden sich Fenster aus der zweiten Hälfte des 18. Jh. gleicher Art wie an der Ostfassade; nur das mittlere obere Fenster wurde ausgespart. Spuren der alten Fensteröffnungen sind noch zu,erkennen. Westfassade . Auch die Westfassade wurde im 18. Jh. verändert und mit vier Stichbogenfenstern mit überstehenden Keilsteinen versehen. Im ersten Geschoß befindet sich zwischen den Fenstern eine kleine quadratische Öffnung und ein wenig darüber -zwischen dem ersten und dem zweiten Geschoß- ein altes vermauertes Fenster mit einem Sturz als Satteldach, ein Überbleibsel von der ursprünglichen Geschoßeinteilung. Ein gleiches Fenster mit verwittertem Sturz ist im dritten Geschoß -nahe einer Öffnung gleicher Größe- zu sehen. Südfassade Die Südfassade erfuhr im 18. Jh. keine wesentlichen Veränderungen. Aus der Zeit des 15.Jh. sind noch vier gleichmäßig aufgereihte kleine Öffnungen mit grob gehauenen Satteldach- Stürzen vorhanden, von denen zwei vermauert sind. Verteidigungselemente Haus Raeren besaß früher anscheinend ein Flachdach mit einem zinnenbewehrten Umgang. Die Zinnen dieses Wehrganges sind bei der Aufsetzung des Walmdaches größtenteils zugemauert worden. An der Nord- und Südseite sind noch je zwei Wasser- abflußsteine des alten Wehrganges vorhanden. An der Nord-, West- und Südseite sind jeweils unter drei symmetrischen Öffnungen Blausteinkonsolen zu sehen, die früher Verteidigungswerke getragen haben sollen. Schießscharten sind noch vorhanden unter den Parterre- fenstern der Nord-, West- und Südseite.
51 B. LEHNSWESEN ® Haus Raeren war bis zur Franzosenzeit (1794) ein Lehen des Aachener Marienstiftes. Kaiser Heinrich IV. machte im Jahre 1072 dem Aachener Marienstift das Gut Harna (Walhorn) zum Geschenk. Man kann annehmen, daß seit dieser Zeit der Propst des Kapitels des Aachener Marienstiftes die Grundherrschaft im Gebiet des Walhorner Königshofes und der späteren Bank Walhorn ausübte, zu der auch Raeren gehörte. Vielleicht datiert auch seit dieser Zeit die Gründung der Propsteilichen Mannkammer, die für die Belehnung der einzelnen Güter an die Lehnsmannen zuständig war. Die Belehnungen werden wohl den Hintergedanken gehabt haben, dem König eine "Mannschaft", also ein Heer, zu schaffen, denn den Lehnseid durften nur wehrhafte Männer leisten. Die Lehnsregister (Aufzeichnungen über Vergabe, Berechnungen, Verkäufe, Belastungen usw.) der Propsteilichen Mannkammer des Aachener Marienstiftes aus den Jahren 1394 bis 1794 sind noch beim Hauptstaatsarchiv Düsseldorf unter den Registriernummern Aachen, Marienstift, Akten 4a, Bd. 1-15 und 4b, 1-6 vorhanden. Im vorgenannten Register kann man lesen, daß am 13. Oktober 1473 der älteste Sohn des Karsilius von Schwartzenberg, Reynart von Schwartzenberg, Haus, Burg und Lehen "zo den Raederen" (zu Raeren) für sich und seine Miterben als nächste Verwandte des Emmerich von Bastenach empfing. (Die Mutter des Karsilius war eine geborene Maria von der Roitzen, seine Frau vermutlich eine Katharina von Bastenach.) Mit Burg wird wohl das befestigte Haus Raeren gemeint sein, da zu dieser Zeit die sogenannte Burg Raeren im Besitz der Familie Krümmel von Nechtersheim war. Zu Haus Raeren gehörten ursprünglich noch Haus Bergscheid und Gut Möris, die im 16. Jh. abgesplissen wurden, sowie Haus Raaf/Ravenhaus. Es war damals bei der Ritterschaft des Herzogtums Limburg und auch bei der Aachener Mannkammer üblich, daß der älteste Sohn das väterliche Haus oder Schloß erhielt, während sich die Geschwister die Ländereien teilten. So ist nicht verwunderlich, daß es häufig zu Absplissen und Zerstückelungen der ehemaligen Stocklehen kam.
32 Starbein Elternteil eines Lehnsinhabers, so traten die Kinder die Erbschaft an, kamen aber nicht in deren Genuß, da dem zurückgebliebenen Elternteil die "Leibzucht" an dem Nachlaß des Ehegatten zustand. Oft wurde auf die Leibzucht verzichtet. Waren keine Kinder vorhanden, so traten die nächsten Verwandten (Geschwister, Kinder der Geschwister usw.) die Erbschaft an, so auch im Jahre 1473 bei Haus Raeren. Erhob jemand Einspruch gegen eine Belehnung, so wandte er sich an den Aachener Vizepropst mit der Bitte, daß dieser ihm durch "Benachtung" zu seinem Recht verhelfen solle. Die Benachtung wurde angesagt und in Abständen von 14 Tagen (ursprünglich Nächten) wiederholt. . Ein neuer Lehnsmann mußte seine Herrschaft beim Antritt "relevieren", d.h. er ließ sich belehnen und mußte dafür eine Gebühr bezahlen. . Die Ländereien von Haus Raeren beliefen sich 1721 immerhin noch auf 80 Morgen. C. DIE BEWOHNER VON HAUS RAEREN ® Die Liegenschaften im Bereich von Haus Raeren werden in den Lehnsregistern ursprünglich Haus, Burg und Lehen "die Roetze" genannt. 1420 Dez. 26. Goswyn von Zevel empfängt ein ungenanntes Gut des Karsilius von der Roetzen als Sachwalter seiner Frau. 1422 Aug. 4. Lambert Buck und seine Schwester, die Frau des Emmerich von Bastenach, schließen einen Vertrag, wonach Lambert Buck nach dem Tode des Goswyn von Zevel das Haus "zen Roderen" und seine Schwester eine jährliche Rente erhält. Nach dem Tode des Lambert Buck sollen sich die beiderseitigen Kinder über den Besitz einigen. Mit der nebenstehenden Urkunde vom 13. Oktober 1473 aus den Lehnsregistern der Propsteilichen Mannkammer des Aachener Marienstiftes empfing Reynart von Schwartzenberg für sich und seine Miterben das Haus Raeren (Kopie HSTA Düsseldorf).
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Ön StamTAEL. (si @ BEE re Sehartzenerg Ir62 zn (- 8 ihnenemn des Abtes vr Körnelininster.— VON _SCHWARTZENBERG Pr [y) Sr Et R Reerener Mühle Z TESITFARSEE k Lehren La. Ansres Krallen ZN yegnare 1473 41509 Johann 1477-1402 / N Oegnr re Sehvaresenberg adherzn 103-1317 Heldaln 13-517 Sehens Elfe Kan 1495-1517 SEAN A Jona Rote a130r DE (AFTER Aa a SE A FESTE OT RE ETETTTETSTEE TALENT SR ® 2.00 Eberh. Rhoe 2.00 Joh.v,Hirtz Adolf v. Gülpen? EEE ERNEST TATEN Fa BES den Himal bieten Eh u EN TEE Ca Sn PX, RA aintersaärs ee A Me WET ECM SE FT Sa TEE ETEERSUHBETT 5 Obedenh Ertl TREE L Bieioetater ) Veiderhof in Veala Se Jah" Mile v. Berchen #1676 5 Sr O0 8000 Beahdend A ALOE He (BEJELEER ENT Bm ne Dr en a e en Zn N Run R aa a Cha rg AUSLESEN Se ya Dan FA EAN Sr Bee Achern 170 SB alien van R ir BAAR SEE re ie Teer a. Dicker Na DE TA FI ln Zeche Samt Fe ibn delS? GE en he 5 an Wed irärebreter. TS lern 1750 0100 Lan ar nn Eee N aan Ba zieminan e1725 2180 Wal
58 + 13.02.1789, GD 1771 Maria Anna Mennicken, * 24.01.1746, + 22.02.1828, kauft Haus Raeren zurück. Der Kaufpreis beträgt 1200 Pattacon, 1 1/2 Carolin als "Kirmes" für die Hausfrau des Verkäufers und 50 Gulden für Weinkauf und "Gottesheller”. 1828. Vermutlich ging Haus Raeren nach dem Tode der Vor- genannten in das Eigentum der Tochter Anna Katharina von Schwartzenberg * 1778, + 1859 bzw. deren Ehepartner. Anna Katharina war zweimal verheiratet: 1.QD Arnold Joseph Parisis 1811 in Köln, . 2.0D 1818 Johann Michael Flamm 1842 in Köln. Bei dem Letztgenannten steht verzeichnet: "Gutsbesitzer in Raeren". Die weiteren Besitzer: 1858 Familie Jordon durch Kauf. 1912 , Herr Gerhard Nöcken aus Aachen aus Zwangsversteigerung. 1917 Haus Raeren geht durch Kauf an Herrn Hauptlehrer Johann Blank, dessen Nachkommen es noch heute bewohnen. Der beigefügte Auszug aus der Stammtafel "von Schwartzenberg" gibt weitere Auskünfte über Verwandtschaft und Erbfolge der Besitzer von Haus Raeren. D. RAERENER MÜHLE Neben Haus Raeren. lagen die zugehörigen Wirtschaftsgebäude und ebenso die Raerener Mühle, eine Wassermühle, die von einem künstlich hergestellten Seitenarm des Periolbaches gespeist wurde. Während Haus Raeren ein Lehen des Aachener Marienstiftes war, wurde die Raerener Mühle -wohl wegen des ihm zustehenden Mühlenregals- vom Herzog von Limburg als Lehen vergeben.
2 . ) DR Das Käuferehepaar Johann Leonhard v. Schwartzenberg und Maria Anna Mennicken ®
60 Die Raerener Mühle scheint vor 1572 in das Eigentum der Familie von Schwartzenberg gekommen zu sein. In den Walhorner Gudungsbüchern steht in einer Urkunde vom 27. März 1572 vermerkt, daß der Jonker Peter Swartzenberch und der Prior des Klosters Brandenburg im Auftrag des Konvents einen Erbwechsel vorgenommen haben. Peter Swartzenbercherhielt dabei 3 Morgen und 6 Ruten Land, die der Konvent zwischen Haus Raeren und "Swartzenberchs Erb" liegen hatte. Dagegen übertrug der Jonker Peter Swartzenberch dem Konvent über 4 Morgen Wiesen hinter dem Bongart "tzegen dye moelen, die jonker Swartzenberch van drossent end scheffen ouys der gemeeynde gegolden haet." ® Ein von Schwartzenberg hatte also die Mühle von der Gemeinde . gekauft. Es handelt sich mit größter Wahrscheinlichkeit um die Raerener Mühle, da nach dem Ableben des Peter von Schwartzenberg im Jahre 1607 sein noch minderjähriger Sohn Wilhelm die Mühle empfing. ® Es ist nicht urkundlich belegt, hat aber den Anschein, daß die Mühle später an einen Neffen des Peter von Schwartzenberg ging (Wilhelm von Schwartzenberg QD Elisabeth Bock), der im Jahre 1608 auch Haus Raeren erhielt. Auch in der Folgezeit scheint es so gewesen zu sein, daß die jeweiligen Besitzer von Haus Raeren auch die herzogliche Mühle empfingen. Vondem Sohndes vorgenannten Wilhelm, der auch Wilhelm hieß ( GD Guedgen Krümmel von der Rave) und der vermutlich kinderlos war, kam die Mühle 1649 an den Neffen des Letztgenann- ten, an Johann Wilhelm von Schwartzenberg (GQD Anna Maria Bertolf von Belven) ®, Der vorgenannte Johann Wilhelm relevierte auch am 5. Februar 1649 das Haus Raeren®, Schließlich kamen die Raerener | Mühle und auch Haus Raeren 1672/1674 an den Sohn Johann Heinrich des vorgenannten Johann Wilhelm 0%, Da Johann Heinrich kinderlos war, kamen seine Güter 1679 über seine Schwester Anna Katharina, die mit Wilhelm Bertolf von Belven vermählt war, in andere Hände. Über Maria Magdalena Bertolf von Belven, die mit Sigismund de Lamboy verheiratet war, kamen Anteile an die Kinder Engelbert Wilhelm und Johann Wilhelm Joseph de Lamboy. Der erstgenannte Sohn Engelbert Wilhelm de Lamboy verkaufte die Mühle am 10. Juni 1761 an den Aachener Kanonikus
61 Niclas Jacques Smets ”. In einer Urkunde von 1772 wird erwähnt, daß Niclas Coemoet seine Mahlmühle unter Raeren, die er laut Not. Instr. vom 9. September 1758 für 2067 Maastrichter Gulden von Kanonikus Smets gekauft hat, als Sicherheit einbringt 02, Ander Raerener Mühle entstand später die Gerberei. Gielen schreibt: "Am 8. Oktober 1858 erhielten die Müller Peter Nikolaus Radermacher und Wilhelm Josepf Creutz (Gerber zu Raeren- Mühle) die Konzession für eine Dampfmaschine von 6 Pferdekraft." 03 Außer der Raerener Mühle waren zeitweise auch die Lohmühle und die Neudorfer Mühle (Raeren, Pfaustraße 5) im Besitz der Familie von Schwartzenberg. Die Lohmühle kam durch Heirat an Johann Joseph Schauff. Dessen Nachkomme Wilhelm Joseph Schauff, der ledig war, stellte sie im Jahre 1865 der Allgemeinheit zur Verfügung, und daraus entstand dann das heute noch bestehende Marienhospital.“® E. HAUS RAEREN und der SCHWARTZENBERGER ZEHNT Vieles deutet darauf hin, daß der Besitz von Haus Raeren mit dem eines Zehntbezirkes in Raeren gekoppelt war. Aus diesem Grunde werden nachfolgend die interessante Geschichte der Walhorner Zehnten und die Besonderheiten der Raerener Zehnten kurz dargestellt. Wie bereits in Abschnitt B erwähnt, besaß der Propst des Kapitels des Aachener Marienstiftes in der Bank Walhorn, die aus einem Königshof hervorgegangen war, die Lehns- und Grundherrschaft. Zum Königshof Walhorn wird schon früh eine Kapelle oder Kirche bestanden haben, an der der Propst das Kollaturrecht (Einsetzung eines Geistlichen) ausübte und aus der später die Pfarrkirche für das gesamte Gebiet der Bank Walhorn entstanden ist. Nun war es bis zur Franzosenzeit üblich, daß von den Gläubigen - insbesondere von den Zinsgütern - der sog. Zehnte, die damalige Kirchensteuer, gefordert wurde. Soweit die Quellen zurückreichen, standen die Zehnten fast in der gesamten Bank Walhorn dem Kapitel des Aachener Marienstiftes zu. Es handelte sich neben Walhorn selbst um die Orte und Weiler Astenet, Belven, Eynatten, Hauset, Hergenrath, Kettenis, Merols, Neudorf und Rabotrath 09,
64 QUELLENANGABEN 1) Reiners: Die Kunstdenkmäler von Eupen und Malmedy, Düsseldorf, 1935, S. 169/170 Denkmälerverzeichnis 8, Raeren, (Deutschsprachige Gemeinschaft) Eupen 1990, S. 336/338 2) von Coels: Die Lehensregister der Propsteilichen Mannkammer des Aachener Marienstiftes, Bonn, 1952, S. 1f 3) von Coels, a.a.0., S. 607 f Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser; Deutscher Uradel. Gotha, 1929, S. 294 £ Macco: Aachener Wappen und Genealogien. Aachen, 1907, S. 146 f Reiners, a.a.O., S. 169/170 . Gielen: Raeren und die Raerener im Wandel der Zeiten. Eupen, 1967, S. 26 £ 4) Quix: Kreis Eupen; Aachen 1837. S. 183 N 5) Fotos aus dem Archiv Bernard von Schwartzenberg, Ittervoort (NL) nach Originalölgemälden, 1982 noch im Besitz von Frau Hildegard von Schwartzenberg, Aachen 6) Staatsarchiv Eupen. Gudungsbücher Walhorn, Nr. 4, pag. 24 7) Cour f£odale, 4, Archiv Limb., Liege, pag. 43 8) ebenda 6, pag. 11 9) von Coels, a.a.0. S. 614 10) Cour f&odale, 6, Archiv Limb., Liege. pag. 105 11) von Coels, a.a.O., S. 615 und S. 597 Zeitschrift "Im Göhltal", Heft 46/1990., S. 45 12) von Coels, a.a.O., S. 597 13) Gielen, a.a.O., S. 114 14) Gielen, a.a.O., S, 145 15) Nolden: Besitzungen und Einkünfte des Aachener Marienstiftes Aachen 1977, S. 237 16) ebenda, S. 309 und S. 311 17) ebenda, S. 312 18) ebenda, S. 238 19) ebenda, S. 314 20) Quix, a.a.O. S. 47 21) Nolden, a.a.O. S. 247 von Coels, a.a.0. S. 598 f., S. 567 ff., S. 641, S. 691 f. 22) Nolden a.a.O. S. 248 23) Wirtz, Eupener Land. Berlin 1936, S. 54 24) von Coels, a.a.O. S. 599 25) ebenda, S. 598 und S. 607 26) Gielen, a.a.O0. S. 72 27) ebenda, S. 76 28) Nolden, a.a.0O. S. 247 BILDNACHWEIS Titelbild = Zeichnung des Verfassers Foto in Abschnitt A. vom Verfasser ‚Zur Urkunde in Abschnitt B.: Beim HSTA Düsseldorf wurde s.Z. die Genehmingung für die Veröffentlichung in der Familiengeschichte (1988) eingeholt.
65 Der Tubbak brennt! von Jakob Langohr, 1993 E Kelmes ejen Thymstroot, janz lenks janz ondena, doe woer e klee Geschäfke, dä Häer, dat woer der Ahn. Doe joev et lääre Lappe, och Kläves vöer te pappe, och Absätz kleng än gruete, kött, alles vör de Puete. Lenks Loege Kratzenägel, än vöere hölte Penn, reets henge stong e Kömpke, doe woere Ronnköpp dräe. En Grüll va "Grimm än Trippel", bis ove vohl met Schick, doe kräegs de van et Kicke der Hoes voll suere Schleck. Och Schmergel vöer te schliepe än alles vöer te piepe. Ene Tubbak, dä hoesch "Ajja" met vöere dropp en Möesch, än stärke schwatte "Semois" met Kruth dräe udene Böesch. "Johnson" än "Havanna", de Long song Alleluja. Damezigarettchere, schön langk, än dönn, et stemmt, doe höj ech driete Männche och at ens drae geflömmt. Der Prieß vöer der Zijaare, me koss sech net beklage, jett belleger ut et Rüetche, ne frang twei met et Tüetche. Die roeke, wenn se schwamde, wie Pfeffermönz än Müff, wie ägeschlope Föet, wie ne ongemakde Püss.
66 Joe wie dat fröjer woer, et Geld woer ömmer knapp, die dühr vöer Timmerhannes, die bellege vöer der Papp. Ne Vrönd goev mech e Brennglas, dat woll ech utprobeere va butes op dä Tubbak, än watt dong due passere? Dä Tubbak vong ant brenne, än ech vong a te gringe. = Wat due? Ech reet die Döhr op än schregde Hölp än Moet. . Der Ahn kräeg Lapp än Water, et Vüer dat woer flott ut. Mech vohl et wie Paveisteng 5 ut minge Maag eruet. Ech woll mä vutt, mä lope, mä no die Döhr eruet. Der Ahn joev mech noch Frange vöer e Tüetche Zuckerstange. Wie Papp sech johl et Piepes et Samstes vöer der Week, et schönste van et Janze: Der Vadder aadeg keek, der Ahn schenkt em Zijaare, vof Stöek, van die ganz dürh, weil hömm gesaaht et Jöngske, datt e je Fenster Vüer. Ech hauw mech at gehauwe met twei Heng vass de Fott, noe lachde ech mech schibbeleg än och noch hoef kapott. Erläuterungen: Kläves = Klebzeug; hölte Penn = Holzstifte; Ronnköpp = Rundkopfnägel; Grüll = Schüssel; Schick = Kautaback; Schwamde = qualmte: Püss = Bett; Timmerhannes = Bergwerksdirektor Timmerhans; Hölp en Moet = Hilfe u. Mord = "Zeter u. Mordio"; et Piepes = Rauchwaren,
67 Hundert Jahre Freiwillige Feuerwehr Kelmis/Neu-Moresnet von Walter Meven PM “7 FREIWILLIGE FEUERWEHR * PREUSSISCH- unD NEUTRAL-MORESNET Der bekannte Dichter Friedrich von Schiller widmet in seinem Gedicht von der Glocke dem Feuer einen eindrucksvollen Abschnitt, der die Wohltaten, aber auch den Schaden, den dieses Element bei der vom Menschen nicht mehr kontrollierbaren Entfaltung anrichtet, beschreibt. "Wohltätig ist des Feuers Macht, Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht; Und was er bildet, was er schafft, Das dankt er dieser Himmelskraft. Wehe, wenn sie losgelassen, Wachsend ohne Widerstand ) Durch die volkbelebten Gassen Wälzt den ungeheuren Brand! Denn die Elemente hassen Das Gebild der Menschenhand." Zu Lebzeiten des Dichters war es wohl ein hoffnungsloses Unterfangen, mit den damals zur Verfügung stehenden Bekämpfungsmitteln einem solchen Inferno beizukommen. Die großen Stadtbrände im 17. Jh. sind ein lebendiges Beispiel dafür. Die Häuser und Wohnungen, meist nur aus leichtbrennbaren Materialen erbaut, boten dem Feuer willkommene Nahrung. Das Beispiel der Stadt Aachen gibt hier ein eindrucksvolles Bild, wie durch ein kleines Schadenfeuer in einer
| | 68 Bäckerei unterhalb der Jakobskirche (1656) die Stadt in wenigen Stunden zu 80 % niederbrannte. Dies sei besonders, so wird berichtet, durch den damals so genannten Lütticher Wind, der die Wohnstätten von Westen nach Osten systematisch in den Feuersturm einbezog, verursacht worden. Aus dieser Erfahrung heraus erließ man in Aachen 1656 eine Verordnung, wonach alle Häuser beim Wiederaufbau in Stein zu errichten seien. Eine Feuerschutzverordnung besagte, daß Bekämpfungsmittel in ausreichender Menge bereitgestellt wer- den mußten, die von allen Bürgern der Stadt anzuschaffen waren. Alle Einwohner waren verpflichtet, sich an den Hilfs- und Bekämpfungsmaßnahmen zu beteiligen. ? So hatten Brautleute bei ihrer Hochzeit einige lederne Brand- eimer zur Verfügung zu stellen. Die damals noch offenen Bach- läufe boten reichlich Wasser, um in einer Eimerkette das Feuer zu bekämpfen. Je nach Umfang des Feuers ein schier hoffnungsloses Unterfangen! Auch in der jüngsten Vergangenheit, in den harten Zeiten des Zweiten Weltkrieges, hat uns das Beispiel der Stadtbrände gezeigt, wie schwer es auch mit modernen Löschgeräten ist, Flächenbrände wirksam zu bekämpfen. Hier stellten zudem die von Trümmern übersäten Straßen ein fast unüberwindliches Hindernis zur rechtzeitigen Bekämpfung der Brandherde dar. Alle verfügbaren Wehren der Umgebung Aachens wurden in den Kriegsjahren vom Höheren SS und Polizeiführer West, der seinen Sitz in Kaiserswerth bei Düsseldorf hatte, noch während des Luftangriffs zum Angriffsziel beordert. Auch die hiesigen Wehren beteiligten sich an den Löscharbeiten im nahen Aachen, nur sind leider darüber keine Aufzeichnungen mehr vorhanden. Zu den nach Aachen beorderten Wehren gehörte auch die Freiwillige Feuerwehr von Kelmis unter ihrem Kommandanten Kreitz. In Kelmis, besser gesagt: im neutralen Gebiet, war man in der glücklichen Lage, daß die Bergwerksgesellschaft der Vieille Montagne schon in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts eine geordnete Wehr mit guter personeller wie technischer Ausstattung besaß. Sie war nicht nur für die Betriebseinrichtungen zuständig, sondern auch für die Brandbekämpfung auf dem übrigen Gemeindegebiet. Um eine vom Werk unabhängige Wehr zu erhalten (es war dies auch der ausdrückliche Wunsch des Feuerlöschrevisors Reim),
69 stellte man 1894 Überlegungen an, eine eigene, wenn auch auf freiwilliger Basis stehende Wehr zu gründen. Doch sei hier ein Rückblick gestattet. Die Leistungen der Bergwerksfeuerwehr Wie der Bürgermeister von Preußisch-und Neutral-Moresnet wiederholt (1880, 1882, ...) auf entsprechende landrätliche Anfragen berichtet, war in seiner Gemeinde das Bedürfnis nach einer eigenen Wehr nicht vorhanden, "weil die Gesellschaft des Altenberges eine wohlorganisierte Feuerwehr (Brandkompanie) unterhält". Auf Grund der Konzessionsbedingungen für Zinköfen sei die Gesellschaft der Vieille-Montagne verpflichtet, im Falle eines Brandes ihre Geräte zur Verfügung zu stellen. Drei Brandkompanien seien bei der V-M in Aufstellung begriffen. Für den Fall, daß der Bergwerksdirektor Bilharz seine Drohung wahrmache, bei Weigerung der Gemeinde, die Löscheinsätze der V-M-Feuerwehr mit einer "genügenden" Gratifikation zu honorieren, keine Bedienungsmannschaften mehr für die Löschgeräte zur Verfügung zu stellen, könne nur eine Polizeiverordnung die Männer zum Löschdienst verpflichten. Schon 1858 hatte der damalige Bürgermeister Kohl in einem Schreiben an den Landrat berichtet, seine Gemeinde habe nie Löschgerätschaften besessen und es hätten folglich auch nie Übungen des Brandkorps stattgefunden. "Aber", so der Bürgermeister, "das Bergwerk Altenberg besitzt mehrere Brandspritzen, auch ist ein Brandkorps vorhanden, worin der hiesige Beigeordnete, Herr Krauß, Chef ist. Bei etwa vorkommendem Brande stehen gedachte Brandspritzen nebst Brandkorps für die hiesige Gemeinde zur Disposition." In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts schenkte die Aachen-Münchener Feuerversicherung fast allen Landgemeinden des Kreises Eupen eine Brandspritze der Fa Beduwe/Aachen. Auch für Neutral-Moresnet liegt eine vom 6.9.1854 datierte Mitteilung dieser Versicherungsgesellschaft an den "Bürgermeister Mostert am Bilchen bei Hergenrath" vor, wonach die Direktion der Aachen-Münchener beschlossen hatte, dem Ort Altenberg (=Neutral-Moresnet) eine Spritze zu schenken und dieselbe bei Herrn Reip aufzustellen.
70 Der Bürgermeister sah es als zweckmäßiger an, wenn die Spritze auf Tülje aufgestellt würde, da auf dem Altenberg ohnehin drei Brandspritzen vorhanden seien. Leider geht aus den Unterlagen nicht hervor, ob die Schenkung tatsächlich schließlich und endlich erfolgt oder ob sie an der Frage des Aufstellungsortes gescheitert ist. Wie sich später herausstellen sollte, war man in Neutral- und Preußisch-Moresnet im Irrtum, wenn man glaubte, die Bergwerks- gesellschaft sei laut Konzessionsbedingungen verpflichtet, bei Bränden auf dem Gemeindegebiet ihre Betriebsfeuerwehr einzu- setzen. Die Gesellschaft hat dies jedoch während Jahrzehnten in sehr uneigennütziger Weise getan. . Die Struktur der Bergwerksfeuerwehr ist uns aus einer Dienstordnung des Jahres 1887 bekannt. Danach bestand diese Wehr aus 3 Kompanien von resp. 22, 16 und 10 Mann. Jede besaß einen eigenen Brandmeister sowie eine Spritze. Spritze Nr. 1 war in den Pferdeställen, Spritze Nr. 2 in der Wäsche und Spritze Nr. 3 in einem Schuppen in der Nähe des Kollerganges untergestellt. Der Löschzug 1 setzte sich aus Arbeitern der Wäsche und der alten Halden zusammen; zum 2. Löschzug gehörten Arbeiter der Werkstätten, des Lagerplatzes, des Magazins und der Wäsche; der dritte Zug bestand ausschließlich aus Arbeitern der Röstöfen und der Hochöfen. Paragraph 5 der Dienstordnung bestimmt, daß die erste Kompanie bei einem Brand auf dem Gebiete "Altenbergs", d.h. Preußisch-und Neutral-Moresnets, sich unverzüglich an den Brandort zu begeben habe. Die 2. Kompanie habe sich zum Einsatz bereit zu halten, dürfe aber nur auf besonderen Befehl des Direktors, des Ingenieurs oder - bei Abwesenheit derselben - des Chefs der 1. Kompanie ausrücken. Bei Bränden außerhalb dieses Bereichs hatten sich die beiden ersten Kompanien einsatzbereit zu halten, mußten aber auf den ausdrücklichen Einsatzbefehl des Direktors, des Ingenieurs oder - in deren Abwesenheit - der Kompaniechefs warten. Löscheinsätze wurden bei Tag mit 125, bei Nacht mit 150 % des normalen Lohnes entgolten. Über solche Löscheinsätze liegen ein Vielzahl von Presseberichten und Meldungen an den Landrat vor. Greifen wir einige davon heraus.
7% Am 8. Dezember 1853 berichtete Bürgermeister Cornelius Hubert Mostert dem Landrat: "Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich gehorsamst zu berichten, daß in verflossener Nacht vom 7.-8. d.Mts. um 2 Uhr am Bildchen hierselbst ein fürchterlicher Brand ausgebrochen ist, welcher durch seine rasche Ausdehnung 3 Häuser, 3 Ställe und 1 reichlich mit Frucht angefüllte Scheune sowie über diesen Ställen bedeutende Heuvorräte verzehrte. Sämtliche Gebäude sind Eigentum des hier wohnenden Gutsbesitzers Herrn Gerhard Jos. Bree und sind in keiner Feuerversicherung versichert. Nachdem der Brand entdeckt worden, rief der zu Bildgen wohnende Bergmann Math. de Beauregard mir zur Hilfe dorthin zu kommen (sic). Sofort begab ich mich dorthin und sah nun, daß schon das ganze Dachwerk aller Gebäude, welche mit Ausnahme eines Wohnhauses mit Stroh gedeckt waren, in einer Flamme standen und'es war an Rettung der Dächer gar nicht mehr zu denken. Etwa gegen drei Uhr kamen eine Brandspritze des Altenbergs und die Brandspritze der Gemeinde Hergenrath; sodann strömte eine große Anzahl Leute von Hergenrath und Kelmis herbei, wobei ich noch besonders bemerke, daß von Seiten der Verwaltung des Altenbergs Befehl erteilt worden war, daß sämtliche in der Nacht dort arbeitenden Leute sofort zur Hülfe eilen sollten. Was nun noch irgend zu retten war, wurde zu retten versucht und gerettet. Lobend muß man anerkennen, wie sich sämtliche herbeigeeilten Leute aus der ganzen hiesigen Gegend mit vielem Fleiße an der Unterdrückung des Brandes beteiligten. Ganz besonders, ja fast nicht zu erwarten, tätig, umsichtig und mit großer Selbstaufopferung zeichnete sich Herr Obersteiger Philipp Krauß von hier aus. Ferner verdient die ausgezeichnete Tätigkeit des Bergsteigers Heinr. de Beauregard aus Neutral Kelmis und des Bergmannes Mathias de Beauregard zu Bildchen hierselbst wohnend anerkannt zu werden. Wie dieser Brand ursprünglich entstanden ist, habe ich nicht ermitteln können. Die zu Bildchen wohnende Witwe Nicolas Keutgen hat im Bett liegend etwas knacken gehört, weshalb sie
| 72 aufgestanden war; als sie nun zum Fenster hinaus gesehen, bemerkte sie, daß der neben ihrem Hause unter einem Dache liegende Stall ganz in Feuer und Flamme stand, weshalb sie gleich herunter gegangen und den im Stalle schlafenden Knecht aufweckte. Dieser Stall liegt gerade mitten zwischen den abgebrannten Gebäuden, welche alle unter einem Dache ein zusammenhängendes Ganzes bilden..." In einem der Häuser wurde eine Gastwirtschaft betrieben und es ist nicht uninteressant, die Liste der bei dem Pächter dieser Wirtschaft, der auch Fuhrdienste für die Vieille-Montagne leistete, bei dem Brande verloren gegangenen Gegenstände näher | anzusehen, sagt sie doch einiges über die Lebensgewohnheiten und die wirtschaftlichen Verhältnisse der Bewohner aus. Das "Verzeichnis der mir am 8. Dezember bei dem am Bilgen stattgehabten Brande verbrannten und verdorbenen Gegenstände" führt auf: 1. Vier Karren ungedroschenes Korn 2. Eine Karre Heu 3. Eine Partie Heu, welche ich noch hatte 4. Dito Stroh 5. Dito Stroh 6. Verschiedenes Holz, als Kefferen und Bergbauholz. Bretter, der Belag der Hölzer auf dem Heuboden zum Tragen des Heues nebst Hühnerstall und drei Hühnern 7. Das Geschirr meiner drei Pferde, teilweise verdoppelt, nebst Reitsattel 8. Die Futterkiste nebst 2 Faß Hafer, das Bett des Knechtes nebst Bettlade 9. Eine fast neue Häckselkiste 10. Eine Leiter nebst Schleifstein mit Gestell 11. Die Holzschemel für zwei Karren 12. Eine Fleischbütte zum Einsalzen 13. Eine Brotmulde angefüllt mit Bettflocken 14. Eine Kinderwiege 15. Ein Kartoffelpflug 16. Eine Partie Holz, Speichen genannt, und welches zur Anfertigung einer Egge diente 17. Eiserne Ketten zum Befestigen des Holzes auf dem Karren 18. Ein kupferner Wasserkessel (neu)
73 19. Eine Karre Brennholz 20. Zwei Käsehorten 21. Verschieden Utensilien des Stalles 22. Ein Kübel zum Butterwaschen 23. Sämtliche Leinwand mit Kleidungsstücken 24. Eine Karre Eichenholz nebst einer eisernen Ofenröhre 25. Eine Schreiner- und Hausbank nebst einer Partie Bretter 26. Schüppen, Gabeln, Haublock nebst Brennholz 27. Fünf Fässer sowohl Schnaps- als Weinfässer 28. Sämtliches eingemachtes Gemüse 29. Geräuchertes Fleisch 30. Zwei Waschkübel und zwei Eimer 31. Eine Bettlade mit zwei Federkissen 32. Kleidungsstücke als Schuhe, Strümpfe, sechs Kinderkleider 33. Eine Partie Kartoffeln 34. An verschiedenes Bettzeug, als Decken, Bettücher und was sonst dazu gehört 35. Eine schöne neue Bettlade von Eichenholz, halb verbrannt, hat neu gekostet 14 Reichstaler 36. Eine große altmodische eicherne Bettlade nebst einem S Kleiderschrank, eine Kommode, ein Gestell zum Gläser aufstellen in der Wirtschaft, sämtliche Gläser der Wirtschaft zerbrochen, ein Uhrkasten nebst Hausuhr, alles zerbrochen und beschädigt 37. Sämtliche Getränke meiner Wirtschaft, teils verschüttet, teils verbrannt 38. Leere Flaschen und Krüge, gegen 50 Stück, 39. Elf Bier - oder Schnapsfässer abhanden gekommen, verbrannt oder sonst verkommen 40. Es fehlt mir ein Finger - und ein Ohrring, an Goldwert wenig berechnet 41. Ich hatte noch an baarem Geld.offen in dem oberen Zimmer meines Hauses liegen, in dem ich gleich vorher den Fuhrlohn meiner Pferde für den Altenberg erhalten hatte, ebenfalls entweder durch die schnelle Flucht verschüttet oder verbrannt, 27 Taler, 10 Sgr." Den Wert der so verlorenen Gegenstände beziffert der Geschädigte auf 422 Taler und 15 Silbergroschen.
| 74 Einen weiteren erwähnenswerten Einsatz hatte die Bergwerksfeuerwehr am 3.12.1863, als in Hergenrath das Wohnhaus einer armen Frau mit Namen Barbara Driessen in Brand geriet. Dabei griffen die Flammen auf das angrenzende sogenannte kleine Armengut (heute Jos. Rotheudt, Aachener Str.) über. Durch heftigen Sturm angefacht, entwickelte sich der Brand zu einer Feuersbrunst, die ihre Funken weit in die Umgebung forttrieb. Dank dem Einsatz der Altenberger Wehr, die mit zwei Brandspritzen vor Ort war, konnte ein Teil der im Brande begriffenen Gebäulichkeiten sowie die unmittelbar vor der Brandstelle liegende, mit Frucht gefüllte Scheune, der weitaus größte Teil des Mobilars und die umliegenden Gebäulichkeiten gerettet werden, wofür der Bürgermeister von Hergenrath im Korrespondenzblatt des Kreises Eupen vom 12.12.1863 den Helfern aus Hergenrath sowie "mehreren Herren Beamten des Altenbergs, welche mit ihren Arbeitern und zwei Brandspritzen herbei geeilt waren", seinen innigsten Dank aussprach. Recht spektakulär gestaltete sich der Einsatz der Altenberger Wehrleute beim Brand in der Hergenrather Mühle, am 20.2.1884. Die Mühle gehörte einem Herrn Delius, wurde jedoch vom Hergenrather Fabrikanten August Kirschgens betrieben. Betriebsführer war ein Bruder desselben, Engelbert Kirschgens. Das Feuer brach gegen 19 Uhr aus; die Hergenrather Spritze war schnell vor Ort, konnte jedoch allein nur wenig ausrichten. So rief man noch Walhorn und vor allem die Vieille-Montagne zu Hilfe, Als die Altenberger Werksfeuerwehr gegen 20 Uhr mit 2 Spritzen am Brandorte eintraf, sah sie sich mit Rücksicht auf den Umfang des Feuers genötigt, sich auf den Schutz der benachbarten Gebäude (Wollwäsche und Lohmühle) zu beschränken, deren Rettung ihr auch gelang. Der Werkführer Martin Laschet, der in der Fabrik wohnte, verlor bei dem Brande einen Teil seiner Habe. Am Vortag war die Frau des genannten Laschet gestorben; die Leiche derselben wäre wohl mitverbrannt, wenn sie nicht von den Mannschaften der Feuerwehr hinausgetragen worden wäre. Ein weiteres Beispiel selbstloser Hilfe bot die Bergwerksfeuerwehr am 12. Januar 1893, als in Moresnet- Alensberg der Turm des Schlosses "Alensberg" in Flammen stand. Erst wenige Jahre zuvor hatte der Besitzer von Alensberg,
75 Herr A. Suermondt (Aachen), den alten Turm vollständig restaurieren lassen und seitdem bildete dieser eine besondere Zierde des Schlosses. Dem raschen Eingreifen der Nachbarn und vor allem der Feuerwehr der Altenberger Gesellschaft war es zu | verdanken, daß das Feuer nicht auf das Schloß übergriff. Wenn es in Preußisch- und Neutral-Moresnet trotz der zur Verfügung stehenden Bergwerksfeuerwehr zur Gründung einer gemeindeeigenen Wehr für die beiden Orte gekommen ist, so ist wohl an erster Stelle der sehr fortschrittlich denkende Bürgermeister Hub. Schmetz, der auch die Wasserversorgung, die Einführung der Elektrizität und den Anschluß an des Aachener Kleinbahnnetz vorantrieb, als Initiator zu vermerken. Die Gründungsversammlung Die von Bürgermeister Schmetz sorgfältig aufbewahrten Unterlagen weisen den Dienstag, 5. Juni 1894, als den Gründungstag der Freiwilligen Feuerwehr zu Preussisch- und Neutral-Moresnet aus. Voraufgegangen war am 24. Mai eine vorbereitende Versammlung eines provisorischen Vorstandes, dem neben Bürgermeister Schmetz noch die Herren Jos. Timmermann, Adolf Jongh, Adolf Soiron und Wilhelm Kreitz angehörten. Diese hatten beschlossen, "die hiesigen im Alter von 17 bis 55 Jahre stehende Einwohner" zur Gründungsversammlung in das Schützenlokal einzuladen. Von der geplanten Wehrgründung unterrichtete der Bürgermeister am 31. Mai 1894 den Eupener Landrat, der sich sehr um das Feuerlöschwesen im Kreis Eupen bemühte, Die Gründungsversammlung wurde ein voller Erfolg, meldeten sich doch sogleich 31 Personen als aktive Mitglieder, Nurwenig später konnte der Bürgermeister dem Landrat berichten, die neue Wehr bestehe aus 60 aktiven Mitgliedern und bei der ersten Generalversammlung, am 15. Juni 1894, seien folgende Herren in den Vorstand gewählt worden: Ernst Schlupp als Hauptmann, Leonard Timmermann als Schriftwart Wilhelm Schlemm als Stellvertreter Leonard Klein als Zeugwart Adolf Jongh als Stellvertreter
76 Jos. Timmermann als Kasssenwart Am 29.6.1894 wurden die Statuten gutgeheißen. Beschaffung von Löschgeräten Die so konstituierte Wehr stieß allseits auf Sympathie und Unterstützung. Die Rheinische Provinzial-Feuer-Sozietät stellte zur Be- schaffung einer Spritze den Betrag von 450 M zur Verfügung. Am 6. Oktober 1894 konnte Bürgermeister Schmetz der Versicherungs- gesellschaft mitteilen, daß diese Summe beim Ankauf einer Beduwe'schen Spritze Nr. 12 B "ihre bestimmungsmäßige Ver- wendung" gefunden habe. . Der Bürgermeister hatte die Versicherung um eine finanzielle Unterstützung gebeten und in einem längeren Schreiben auf die Notwendigkeit der Schaffung einer eigenen Wehr für Preußisch- und Neutral-Moresnet hingewiesen. Die Gründung einer eigenen Wehr sei zum Bedürfnis geworden, weil man bei Bränden allseits der irrigen Meinung gewesen sei, die Gesellschaft Vieille Monta- gne, welche bisher in der uneigennützigsten Weise Löschhilfe geleistet habe, sei dazu verpflichtet, so daß Privatpersonen kein Interesse zeigten und sich möglichst von der Brandstelle fern- hielten. Die ersten Anschaffungen: eine Beduwesche Spritze 13 A, Gerätewagen und Geräte, die allernötigsten Uniformstücke für 84 Mann erheischten einen Kostenaufwand von mindestens 2.500 Mark, während die freiwillige Feuerwehr nur über ungefähr die Hälfte dieses Betrages verfüge... Die Feuerversicherung empfahl die Anschaffung einer Saug- und Druckpumpe Nr. 12 B der Fa Beduwe und stellte, wie gesagt, 450 Mark für die Beschaffung derselben zur Verfügung. fi Die Bergwerksgesellschaft der Vieille-Montagne, die in der Gründung einer eigenen Gemeindewehr eine Entlastung der Betriebswehr sah, ließ dem Bürgermeister am 27. Juli 1894 die freudige Mitteilung zukommen, daß der Verwaltungsrat beschlossen hatte, der neuen Gemeindefeuerwehr eine der zu ihrem Etablissement gehörigen Feuerspritzen nebst Zubehör zum Geschenk zu machen und zur Unterbringung dieser Spritze ein Lokal zur unentgeltlichen Verfügung zu stellen. Außerdem ließ die Gesellschaft der Feuerwehr noch die Summe von 100 F zukommen. Direktor Jamme teilte dies dem Bürgermeister mit
#7 und beendete sein Schreiben mit den Worten: "Möge die Tätigkeit derselben (d.h. der Wehr) stets eine gedeihliche sein und der hiesigen Bevölkerung zum Schutze und zum Wohle gereichen!" Die Aachener und Münchener Feuer-Versicherungs- Gesellschaft, die alle Bemühungen um eine wirkungsvollere Bekämpfung von Bränden stets unterstützte und vielen Landfeuerwehren Spritzen zum Geschenk machte, beteiligte sich ebenfalls mit einer Spende von 250 Mark am Ankauf der neuen Spritze und ließ diese Summe durch ihren Hergenrather Agenten Jakob Barth auszahlen. Als Bedingung stellte die Aachen- Münchener jedoch, daß der Empfang des Löschgerätes "beziehendlich des baaren Beitrages in dem am Orte gelesensten öffentlichen Blatte" zu bescheinigen und der Agentur der Gesellschaft ein Exemplar dieses Blattes einzusenden sei. Die von der Vieille-Montagne geschenkte Spritze entsprach nicht den Anforderungen der Wehr; Hauptmann Schlupp berichtete dem Bürgermeister über die ersten Erfahrungen mit derselben sowie über die notwendig gewordenen Reparaturen und Änderungen. Diese Spritze sei nach ihrer ganzen Bauart nur für das Innere von Fabrik-Etablissements bestimmt gewesen, aber durchaus nicht geeignet für die Bekämpfung offener Schadenfeuer im Freien. Er teile dies dem Bürgermeister mit, "damit an die Tätigkeit der Feuerwehr nicht höhere Erwartungen gestellt werden, als sie mit ihrem Material zu erfüllen vermag". Erste Einsätze Ein langer und strenger Winter 1894-95 ließ die Brandübungen der jungen Wehr ruhen. Am Sonntag, dem 30. März 1895, trat die Wehr mit beiden Spritzen auf dem Gelände der Schleifmühle (Fa. Bruch) zu einer Übung an. Daß es noch in der gleichen Nacht zu einem wirklichen Brandeinsatz kommen würde, ahnte wohl niemand. Es war gegen 2 Uhr in der Nacht, als das Alarmsignal durch Brandglocke und Hornisten gegeben wurde. "Brand auf der Grube Schmalgraf!" Die Werksfeuerwehr der Vieille-Monta- gne sowie die Freiwillige Feuerwehr von Preußisch-und Neutral- Moresnet rückten zur Brandstätte aus, wo das Gebäude voll in Flammen stand. Drei Spritzen wurden sogleich aufgestellt und gemeinsam schafften es die beiden Wehren, das Feuer einzudämmen, so daß um 5 Uhr morgens alle Gefahr gebannt war.
/ 78 | Als die Bergleute am Montagmorgen um 6 Uhr zur Frühschicht erschienen, konnten sie mit den Aufräumungsarbeiten beginnen. Das Feuer hatte bedeutenden Schaden nicht nur am Gebäude, sondern auch an den Maschinen angerichtet, namentlich an den Pumpwerken, so daß sogar die Befürchtung bestand, die unversehrt gebliebenen Pumpen könnten zur Wasserhaltung in der Grube nicht mehr genügen. Das Einstellen des Grubenbetriebes, wenn auch nur für kurze Zeit, "würde für unsere Arbeiterbevölkerung von schlimmen Folgen sein", schrieb das "Freie Wort". Bei den Löscharbeiten gab es auf Seiten der Freiwilligen Feuerwehr einen Verletzten. Als der Schreiner und Organist F. (Hub. Frings), der der Steigerabteilung angehörte, sich an einer ausgekohlten Mauer halten wollte, gab diese nach und begrub den | Feuerwehrmann unter sich. Mit schweren Kopf- und | Rückenverletzungen wurde der Mann nach Hause gefahren. | Die Presse war voll des Lobes über die Leistungen der Feuerwehr, die bei dem ersten Brandeinsatz seit ihrem Bestehen sich fleißig gezeigt habe, so daß "unser Ort stolz sein kann, eine tüchtige und schmucke Feuerwehr zu besitzen und rufen wir der jungen Wehr ein Vivat, floreat, crescat zu"! Die Vieille-Montagne bedankte sich bei der Freiwilligen Feuerwehr für die geleistete Löschhilfe und überwies als Anerkennung die Summe von 250 F. Wie der Bürgermeister dem Landrat mitteilte, war bei dem Brand "das große Maschinenhaus, in welchem sich der Förderschacht mit Maschinen und 2 Wasserhaltungsmaschinen (= Pumpen) befanden", total abgebrannt. Die angrenzenden Gebäulichkeiten, in welchen sich die Dampfkessel und zwei weitere Wasserhaltungsmaschinen befanden, konnten gerettet werden. Bergwerksdirektor Timmerhans schätzte den (durch Versicherung gedeckten) Schaden auf 32.000 Mark. A Dankffagung. Bon Herrn Fngenieur-Direkıor Tinmmerhand8 wurde mir heute der Beitrag von 250 Franlen Überwiefen, als Anerleunung feitens der. GefeIjdhaft „Vieille Montagne“ für die bei dem Brande auf Grube Schmalgraf geleiflete Träftige Hülle, Beften Dank. Preuß.-MoreSnet, den 8, April 1895. . f Der Bilrgermeifler, SCSchmeb, Ze
Danffagung, Kite die von Herrn Zu jewent-Direltor Fimmerhand,- im Anfırage der Bergru:xl3:Gefellfhaft „Vieille-Montagne“ nus anl;ßlid des Arantcs auf ®rube Schmalgraf zunes BE 280 rc, Aatten wir hiermit unferen verbindligH fen anf ab. renßifh-Moresnet, 19. April 1895, Der Borftand der Frei, Feuerwehr zu RM u, Neute,-Moresnet, Schlupp, Hauptmann. a anne —m—= a Zn >> nam Freiwillige Fegerwehr $ für Preassisch- und Neutral Moresnet. Sonntag, den 28. Inli, morgens von 7—9 Ubr, Appel und Yebung. AUS Der Borfland. 1895. Man beachte die Zeit! Ag Freimllige Feuerwehr für FA _ Preussisch- u. Neutr,-Moresnet, EL an Man: EM Sonafag, 28. April AN nachmittags, 4 Uhr, S UTUebung fämtlidger Mannfdaftın. ;— Pünktlidhes Srfdeinen wird jebem zur Pflicht gemacht. Nachmittags 6 Uhr, SGeneral-Nerfammlung im großen Saale bes Orn. Yof, Stammen. TageSordnaung :; 1. Neuwahl des Haupimannes, 2, Diverfe Anträge, 2 Der Forfiand. 1895, Ankündigung in der Ortspresse (Das "Freie Wort")
80 Freiwillige Fenerwehr für Preussisch- and Neutral Moresnet. Sonntag, den 27. Oktober, nachmittags 2 Ubr, . Antreten auf dem Apellplabe. zur Haupt-Uebung. Nach der Uebung‘ gemütlide Stkung. Um recht rege Beteiligung bittet S Der Borfland. 1895, Einmal im Jahre fand eine sog Haupt-Übung statt, . Kaum war in Kelmis die Aufregung um den Brand auf Schmalgraf abgeklungen, als die Wehr erneut zu Hilfe gerufen wurde. Am 9. April, morgens gegen 9 Uhr, brach ein Brand auf dem Krickelstein, bei Niederau, im Hause Nr. 261 aus. Kaum hatte die Brandglocke Alarm gegeben, als die Freiwillige Feuerwehr und auch die Altenberger Bergwerksfeuerwehr zur Brandstelle ausrückten. Nach zweistündigem Löschen hatten beide Wehren das Feuer unter Kontrolle. Fünf Familien waren obdachlos geworden! Das Haus gehörte der Vieille-Montagne. Dankfagung, Untergeichnetev erfiattet hiermit der „Altenbzrger Berge wert3-Feuerwehr“ fowie der „Freivikligen Feuerwehr für Preußijch» und Neutral-Moresuet“ flir Ihre rafde Hilfe bei dem Braude feines Haufez auf Kridelfein, feinen Innigfien Dank ab. Kelmis, den 11. April 1895. Wilhelın Niederan. Die Feuerversicherungsgesellschaften Le Lloyd Belge und L’Assurance Generale zeigten sich mit Zuwendungen von 25 bzw. 30 F für 1 bzw. 3 Löscheinsätze der Wehr "erkenntlich", wodurch, wie die Presse anmerkte, noch nicht einmal die Kosten der stattgehabten Alarmierungen gedeckt seien! Als Ende Oktober 1894 die erste Hauptübung der jungen Wehr unter der Leitung eines Feldwebels der Aachener Berufs- feuerwehr stattfand, konnte der Übungsleiter, Herr Fischer, den
81 Wehrleuten der zur vollen Zufriedenheit verlaufenen Marsch-, Geräte- und Spritzenübung für ihre Leistungen danken; er freute sich, so sagte er, "auf dem Lande eine solche Feuerwehr zu finden". Im Rahmen dieses Aufsatzes können nicht alle Einsätze erwähnt werden. Mal ist es ein Wohnungsbrand, mal ein Waschküchen- oder ein Kellerbrand, den die Freiwillige Feuerwehr löschen muß. Es brannte bei Schmetz auf Steinkaul, bei Radermacher, bei Born, bei Wwe Desonne in der Kapellstraße, in der Lohmühle und im Hotel Bergerhoff. Ein besonders großer Brand zerstörte in der Nacht vom 13. auf den 14. Juli 1897 den Bauernhof am Tannenbaum (heute Moresneter Str.), bei welchem 35 Wehrleute im Einsatz waren. Dennoch konnte nicht verhindert werden, daß das Haus, das als das älteste von Neutral-Moresnet galt, bis auf die Grundmauern abbrannte. Über diesen Brand schrieb das "Freie Wort" vom 19. Juni 1896: "Sonntag morgen gegen 2 Uhr brach in dem Bauernhof "am Tannenbaum" Feuer aus. Dasselbe entstand an der Dachecke eines Schuppens und verbreitete sich mit einer solchen Schnelligkeit, daß nach etwa einer halben Stunde das ganze lange Gebäude in Flammen stand. Das Feuer fand in den alten Dachsparren und Fachwänden reichliche Nahrung. Das Haus ist wohl das älteste der ganzen Gemeinde, denn es stammt aus dem Jahre 1693. Glücklicherweise war das Rindvieh auf der Weide, die aus dem Schlafe aufgeschreckten Bewohner konnten das Pferd iligst noch retten, sieben Schweine sowie sämtliche Hühner und Tauben kamen dagegen in den Flammen um. Die Freiwillige Feuerwehr von Neutral- und Preußisch-Moresnet war mit sämtlichem Löschmaterial sofort an Ort und Stelle und trat kräftig gegen das verheerende Element ein. Nach Lage der Verhältnisse muß man fast annehmen, daß das Feuer von boshafter Hand angelegt worden ist. Vorgestern lagerte eine Zigeunerbande in der Nähe, die von Gendarmen über die belgische Grenze gebracht worden ist. Die Gebäulichkeiten sowie das Mobilar waren versichert." 1902 brannte es auf Gut Jongenbosch, 1904 in den Stallungen von Schumacher, 1905 auf dem Gütchen Connotte, 1906 bei Wwe Rox auf Hagenfeuer und beim Schustermeister Ahn...
82 Feuermeldestellen Schon 1895 wurde an den Häusern der Hornisten, d.h. derjenigen Wehrleute, die bei einem Brand die Wehr durch Hornsignal alamieren mußten, Schilder mit der Aufschrift "Feuer- Meldestelle" angebracht. Dennoch wurde empfohlen, Brandmeldungen erst beim Küster Hackens zu machen, der dann "eine eigens zu diesem Zwecke eingerichtete vierte Glocke" läutete. Die junge Wehr in der Zerreißprobe } Kompetenzstreitigkeiten führten die junge Feuerwehr schon im ersten Jahre ihres Bestehens in eine ernsthafte Krise. Wer vertritt die Wehr nach außen hin? Hauptmann Schlupp fühlte sich allein dazu berechtigt. Die Auseinandersetzung mit Bürgermeister Schmetz, der sich als oberster Chef der Wehr sah, führte schließlich am 23. Mai 1895 zur Wahl eines neuen Hauptmanns. Der Gewählte, Wilhelm Schlemmer, Aufseher in der Kunstwollfabrik von August Kirschgens in Hergenrath, war jedoch dem Bürgermeister, der den Schlemmer als Gewohnheitstrinker bezeichnete, nicht genehm. Der ganze Vorstand sei über diese Wahl sehr aufgeregt, berichtete Bgm. Schmetz dem Landrat, und wolle unter diesem Hauptmann, dersich währendseiner Dienstzeit tätlich an einem Offizier vergriffen haben solle, nicht weiter mitmachen. Angesichts dieser Lage erklärte Wilhelm Schlemmer seinen Austritt aus der Wehr. Neuer Haupt- mann wurde der Bergbeamte Johann Harrus, der die Wehr bis Ende 1901 leitete, dann aber nach Unstimmigkeiten anläßlich der Vorbereitungen des Verbandsfestes i.J. 1900 und auch hinsichtlich der Disziplin der übrigen Wehrführer sein Amt niederlegte. Wasservorräte Nachdem es am 9. September 1895 bei dem Bergmann und Landwirten Josef Schmetz in Neutral-Moresnet zu einem Brand gekommen war und dabei die Feuerwehr wegen Wassermangels vorübergehend in ihrer Löschtätigkeit gehemmt worden war, kam es im Sommer 1896 auf Bitten des Wehrhauptmanns Harrus zur Erfassung aller in Neutral- und Preußisch-Moresnet vorhandenen Zisternen mit Inhaltsangabe derselben. Bei dem genannten Brand hatte sich der ehemalige Bürger- meister J. Kohl angeblich geweigert, die Feuerwehr Wasser aus einem ihm gehörenden Pfuhl entnehmen zu lassen.
83 Die Liste ist nach Straßen angelegt und gibt auch die damaligen Hausnummern an. Haus Nr. Namen Inhalt (in cbm) Hazardstraße 54 Reinartz Wilhelm zZ 57a Franssen Lambert 27 57b Pilliet Maria 14 163 Jünger Hubert 30 487406 Schmetz H., Bürgermeister 10 70 Gesellschaft Vieille-Montagne 15 71 List Hermann, Pfarrer 6 Kirchstraße 112 Zinzen Franz 4 un Nossent Edmund 30 119 Dechesne Stephan 10 108 Soiron Adolf 11 107 Jongh Adolf 8 105 Schrymecker Peter 15 21 Barth, G., Apotheker 10 20a Bauwens Jos. 8 Kapellstraße 119 Zinzen Simon 6 162 Flecken Franz, Apotheker 40 161 Grosch Gerhard 25 131 Schumacher Adam 20 1535 Keutgens Wwe Joh. Jos. 16 Lindenstraße 189a Strauch Jos. 6 Schnellewindstraße 76 Moyano Viktor 15 75 Bock Peter 10 35 Renericken Wwe. Wilh. 24 37 Mostert Leonard 16
84 Vonsstraße 330 Meessen Fritz 10 339 Chantrain Theodor 40 Thimstraße ; 78 Horrion Wwe Hubert 4 83 van Hauten Alois 10 Schützenstraße 153 Pelzer Wilhelm . 4 Radermacher Wwe Wilh. 6 15% Consten Jos. 4 Neustraße 149a Bastin Wilhelm 8 149b Verbert Felix 8 Möckberg 258 Timmermann Jos. 9 Bottenstraße 329 Thaeter Hubert 26 Bruch 198 Zartenar Wilhelm 6 209 Schonbroodt Jos. 15 Krickelstein 262 Zimmer Hubert ) 6 275 Dome Geschwister 4 277 Frank Nickolas 10 278 Schauff Wwe Math. 10 279 Jünger Christian Heide 286 Kofferschläger Barthol. 9 Gensterdriesch 287 Kreusen Joh. 10
85 (Anmerkung: Die "Hazardstraße" war ein Teil der heutigen Lütticher Straße, von der Ecke Maxstraße bis zum Bruch. Die Vonsstraße ist die heutige Albertstraße. Unter der "Bottenstraße" ist die Stiefelgasse (Stiefel = frz. botte) gemeint. Der "Möckberg" heißt heute Hagenfeuer.) Hauptmann Harrus hatte auch darum gebeten, die Gemeinde möge doch in der Schnellewindstraße neben dem bestehenden Wasserbrunnen eine eigens zur Bekämpfung von Bränden bestimmte und 15-20 cbm fassende Zisterne anlegen lassen. Nachdem dieselbe ein erstes Mal gefüllt wäre, würde man den Überlauf des Brunnens dadurch führen und so den Behälter stets voll Wasser halten. Der Bauunternehmer Nik. Emonts hatte sich schon bereit erklärt, diese Zisterne zum Preis von 20 F pro cbm auszuführen. Sowohl die Gemeindeverwaltung wie die beiden kgl. Kom- missare für das neutrale Gebiet erklärten sich mit dem Vorschlag einverstanden, so daß die Zisterne in der Schnellewindstraße angelegt werden konnte. Dadurch wurden, wie Hauptmann Harrus in einem Schreiben an den Bürgermeister berichtet, "der Feuerwehr enorme Dienste erwiesen"; doch voll und ganz könne diese Anlage nur genutzt werden, wenn ein guter Zubringer vorhanden wäre; so könnten sie den halben Ort erreichen. Eine Mitgliederliste (vom 23. Juli 1895) Sie enthält die Namen von 75 aktiven Mitgliedern, die in drei Züge gegliedert sind, und zwar Zug 1, die Steiger, Zug 2, die Spritzen und Zug 3, die Ordnungsmannschaften. Jeder Zug wird von einem Leutnant befehligt, dem mehrere Unteroffiziere zur Seite stehen. Der Vorstand besteht aus 8 Personen. Die Funktionen des Hauptmanns, des Schriftwarts und des Zeugwarts sind jeweils mit einem Vertreter besetzt. Hinzu kommen noch der Kassenwart und von Amts wegen der Bürgermeister. Der Vorstand ist auf drei Jahre gewählt. Die Feuerwehrleute tragen bei Übungen, Bränden und öffentlichen Aufzügen Uniform. Hier die Namen: Im Vorstand waren: Johann Harrus, Bergbeamter, Hauptmann
| 86 Adolf Soiron, Metzger, Stellvertreter Leonard Timmermann, Handelsmann, Schriftwart | Wilhelm Reinartz, Spinnmeister, Stellvertreter Leonard Klein, Schenkwirt, Zeugwart | Adolf Jongh, Bäckermeister, Stellvertreter Jos. Timmermann, Bäckermeister, Kassenwart Hubert Schmetz, Bürgermeister | Die Steigergruppe umfaßte | Franz Ahn, Schreinermeister BP | Nikolaus Creutz, Bäckermeister | Martin Huppermann, Schenkwirt . | Jakob Mennicken, Fabrikarbeiter | Nikolaus Emonts, Maurermeister Josef Bonni, Maurergeselle Peter Neid, Schreinermeister Karl Schoenauen, Tagelöhner Louis Göbels, Anstreicher Hubert Frings, Schreinermeister Hubert Stammen, Tagelöhner Leonard Stammen, Tagelöhner Josef Niessen II, Fabrikarbeiter Peter Niessen, Fabrikarbeiter Wilhelm Collin, Fabrikarbeiter Josef Voss, Schreinergeselle Nikolaus Francois, Tagelöhner Mathias Breuer, Maurergeselle Jos. Frank, Schreinermeister Feuerwehrmänner Wilhelm Kreitz, Klempnermeister Jos. Bauwens, Schreinermeister Aloys Van Hauten, Handelsmann Jos. Niessen I, Dachdecker Nikolaus Schuhmacher, Bäckermeister Jakob Dahlen, Schustermeister Franz Van Hauten, Metzger Jos, Braun, Bäckermeister Adam Schuhmacher, Handelsmann
87 Hubert Rox, Landwirt Lambert Barth, Schenkwirt Hubert Barth, Landwirt Peter Laschet, Tagelöhner Johann Horrion, Schustermeister Wilhelm Scharis, Schustermeister Hubert Boltersdorf, Anstreicher Peter Braun, Tagelöhner Cornelius Ohn, Schustermeister Jos. Hambuken, Bäckermeister Johann Hambuken, Tagelöhner Anton Hackens, Bäckermeister Johann Laschet, Fabrikarbeiter Nikolaus Schreul, Fabrikarbeiter Egidius Schreul, Fabrikarbeiter Johann Pauly, Fabrikarbeiter f Arnold Kofferschläger, Tagelöhner Hubert Schoonbroedt, Tagelöhner Wilhelm Francois, Handelsmann Anton Jongen, Stellmacher Josef Knops, Pliestergeselle Mathias Born, Schreinergeselle Zur Ordnungsmannschaft gehörten Josef Stammen, Schenkwirt Peter Wermeister, Schustermeister Franz Zinzen, Uhrmacher Leonard Emonts, Pliestermeister Hubert Radermacher, Spinner Wilhelm Carabin, Klempnergeselle P.J. Schmetz, Schenkwirt Nikolaus Francois I, Fuhrmann Viktor Franssen, Spinner Victor Moyano, Handelsmann Hornisten Peter Dahlen, Schustermeister Hubert Sebastian, Fabrikarbeiter Hubert Lavalle, Fabrikarbeiter
88 Nikolaus Stammen, Handelsmann Hubert Pelzer, Tagelöhner Die Inaktiven Die erste Namensliste der Freiwilligen Feuerwehr zu Preußisch- und Neutral-Moresnet, die die Namen in der Reihenfolge der Anmeldungen wiedergibt, führt als "inaktive Mitglieder" nur den Bürgermeister Hubert Schmetz an. Nach einer Werbeaktion zum Beitritt als inaktives Mitglied mit einem jährlichen Mindestbeitrag von 3 Mk, sind 1896 als weitere Inaktive folgende Namen verzeichnet: Reinhard Bruch . C. Timmerhans, Franz Flecken, P.J. Renardy, Dr. Molly, Simon Zinzen, Alex Roberts, Cornel Wertz, Karl Lingens, | Heinrich Langohr, Adam Rausch, Dr. Müller, Heinrich Loupart, | Karl Witter, H. Meessen, August Weim, H. List, Thomas Hick, | Hubert Heins, Peter Bock, Johann Hartmann, Peter Schrymecker, Stefan Dechesne, Hubert Jünger, Jacques Bergerhoff, Mathias Schmetz, Wwe Francois, Jos. Moitzheim, Fritz Meessen, Leopold Moyano, M. Geron, C. Gielen, J. Mar&chal, Fritz Wessonit. | Unter dem 20. Dezember 1896 finden wir den Jahresbericht für das verflossene Berichtsjahr. Der Wehrbestand belief sich Ende 1896 auf 66 aktive und 34 inaktive Mitglieder. | Die Feuerwehr hatte 4 Übungen absolviert und war bei drei | Bränden im Einsatz gewesen: - in Moresnet an der Kapelle (28. Mai 1896) - bei einem Brand der Stallungen des Herrn Bergerhoff (7. Juli 1896) -beim Brand der Stallungen des Herrn Bruch a.d. Lohmühle (9. Aug. 1896) Für die Hilfeleistung zeigten sich die betreffenden Eigentümer oder die Versicherungsgesellschaften durch Gratifikationen erkenntlich. Außerdem stiftete der Hotelier Bergerhoff ein Faß Bier, "welches im Emmaburger Walde vertilgt und womit eine gediegene Marschübung verbunden wurde".
Freiwillige Feuerwehr für Preussisch- “und Neutral-Moresnet. .Bounfag, den 28. März 1897, - abenbS 8 Uhr, „findet im Lokale unferes altiven Mitgliebes Hın. Jofeph Stammen ein Familien-Abend flat, zu welchem die Herren altiven fowie inakiiven Mitglieder mit übte Femilie Hierdurch freundl. eingeladen werden. Der Borftand. P. 8, Die altiven Mitglieder müffen In Uniform et» fhetmen. x Ankündigung eines Familienabends (0.) und Pressebericht darüber (u.) ; VBermifjdhte Nachrichten, Kelmid, Finen Familienabend zu feiern, das verfteht die freiw. Feuerwehr von Breußifh- und Neutral-MoredSnet, denn diefes Hat fie am Sonntag abend im Stammenjden Lokale bewiefen. Um 8112 Uyc eröffnete der Hauptmann durdh eine {hwungvole Rede, worauf das allgemeine Mied Nr..9 aus dem Liederbuche gejungen wurde. Hierauf erfolgte das Drama „Vie Feuerwehr auf der Wache“ vorgetragen von den Mitgliedern der freim. Feuerwehr, Das allgemeine Lied 16 wurde alsdann gefungen, weldent eine Pantomine „In der Rafirftube“ folgte. Beide Stüde wurden exakt gejpielt und ernteten vom zahle reiden Auditorium reicher Beifall. Uuch die Couplets der HH. ZB. und W. fanden reidher upplaus. Herr Würgermeifter Schmeg hielt die Schlußrede. Seine Wörter kamen vom Herzen uud gingen zum Herzen. Er .endigte mit einem Hoch auf die freiw. Feuerwehr, £iermit ging der Familienabend der. Hiefigen freiw. Feuerwehr um 1112 Uhr zu Ende und jeder verließ, bas Lokal mit dem Bewuktfein einen vergnügten Abend verlebt zu haben. (Schluß folgt)
90 Ein Goldfisch von M.-Th. Weinert Ein Goldfisch lebt in einem Glase (Das Glas galt vorher nur als Vase) - in enge Kreisen schwamm er stumm im Glas und um sich selbst herum. x. Vergnüglich blickte er zur Uhr, wo alle halben Stunden nur . ein bunter Vogel, der dort schlief, plötzlich erschien und "Kuckuck" rief, Der Vogel war des Goldfischs Freude. Sein Zeitvertreib, ja seine Liebe... es schien ihm manchmal viel zu lang das Warten, wo der Vogel bliebe. Und eines Tages-welch ein Schreck- blieb dieser Vogel gänzlich weg! Der Goldfisch nahm sein Futter nicht, | verlor an Farbe und Gewicht - und nach drei Tagen war er tot, kein Mensch verstand je seine Not. Die Liebe-gleich wohin sie fällt - bleibt rätselhaft in dieser Welt.
91 Die Kalkwerke Hergenrath von Josef Bernrath Die KALKWERKE werden heute (1993) nur noch in Ver- ; bindung gebracht mit der Eyneburg. In der Tat, sie sind Besitzer dieser Burg und der auf dem eyneburger Plateau befindlichen landwirtschaftlichen Güter und eines Teils der Waldungen. Der im Volksmund gebräuchliche Begriff KALKWERKE, manchmal auch WESTDEUTSCHE KALKWERKE, muß relativiert werden. Bei der heutigen Gesellschaft handelt es sich um eine belgische Firma mit dem juristischen Status einer Ak- tiengesellschaft. Diese trägt den Namen CHAUFOURNERIES DE HERGENRATMH S.A,; sie hat diesen Namen nicht immer getragen. Das Kalkwerk in Hergenrath mit dem Steinbruch an der Flur "Hammer" war vor 1914 eine Betriebsabteilung der WEST- DEUTSCHE KALKWERKE AG, deren Hauptsitz in Köln lag. Daes sich um ein deutsches - 1918 also ein in feindlichem Besitz befindliches - Unternehmen handelte, wurde der Besitz dieses Werkes in Hergenrath unter belgische Sequesterverwaltung ge- stellt, d.h. es wurde zunächst einmal belgisches Staatseigentum. Es wurde eine neue Gesellschaft gegründet, die sichnunmehr KALKWERKE HERGENRATH A.G. nannte, die die Werksan- lagen und das Vermögen der Altgesellschaft aus der Sequestrierungsmasse heraus kaufte und die fortan unter diesem Namen bis 1944 bestand. . Da es sich weiterhin um eine Gesellschaft mit deutschem Kapital handelte, wurde sie 1944 wiederum unter Sequester gestellt und firmierte nunmehr als CHAUFOURNERIES DE HERGENRATIMH S.A, sous s&questre. Am 7. Januar 1954 wurde eine neue Gesellschaft gegründet, die unter dem Namen NOUVELLE SOCIETE CHAUFOUR- NERIES D’HERGENRATH S.A. firmierte. Ziel dieser Gesell- schaft war, das Anlagevermögen der Altgesellschaft aus der Sequestrierung zu erwerben, was denn auch geschah. Diese Firma besteht bis heute. Die Altanlagen und damit auch die Produktion, sowohl im Steinbruch an der Hammer wie auch in den Ofen- und Verarbeitungsanlagen an der Bahn, wurden im Mai 1955 außer Betrieb gesetzt.
| | 2 Die Gesellschaft orientierte sich in der Folge in Richtung ' Eyneburg, wo ein größeres und zusammenhängendes Kalkstein- vorkommen steht. Und darauf befindet sich zufällig auch die ; bekannte Eyneburg. Es war jedoch keineswegs der Ehrgeiz des Unternehmens, eine Burg zu besitzen. Sie steht aber auf dem R Kalksteinvorkommen und wurde im Zuge der Arrondierung des / Eigentums miterworben. Das Ziel dieser Veröffentlichung | soll aber sein, der heutigen und der nachfolgenden Genera- | tion die Geschichte der Kalkwerke Hergenrath und ihre frühere | Bedeutung für die Existenzsicherung eines großen Teils der. Bevölkerung in Erinnerung zu halten. Die Bedeutung eines orts- ansässigen Unternehmens war in früherer Zeit, wo die Verkehrs- infrastruktur noch nicht die Bedeutung hatte wie heute, sehr groß und existenzsichernd für die Bevölkerung. Die Darstellung dieser Firma und der von derselben an- gewendeten Produktionsverfahren ist dem Verfasser dadurch möglich, daß er von jung an und bis auf den heutigen Tag über 50 Jahre im Dienst der Kalkwerke gestanden hat bzw. noch steht. Im Verlauf der Ausführungen kann natürlich nicht auf jede Einzelheit eingehend eingegangen werden. Dies ist vielleicht in einer weiteren Veröffentlichung möglich. Es soll nur eine klare und volksnahe Darstellung angeboten werden. DIE KALKINDUSTRIE IM BELGISCH-DEUTSCHEN GRENZRAUM Der Rohstoff STEIN und dessen Verwendung KALK wird aus dem Rohstoff STEIN gewonnen und zwar | durch einen Brennvorgang. Hierauf wird später näher eingegan- gen. Ausgangsprodukt ist der sogenannte Kalkstein, der auch als Blaustein bzw. petit granit bezeichnet wird und der in Form von kompakten Felsen über, aber auch unter dem Normalniveau zu finden ist. Überein Gebiet, ausgehend von Bleyberg (Plombi&res) über Hergenrath, Eynatten, Raeren und auch noch Eupen, mit Able- gern nach Lontzen und Walhorn, bis hin nach Aachen-Brand
93 (Niederforstbach), Büsbach, Stolberg, Kornelimünster und Wal- heim zieht sich ein breites und ergiebiges Kalksteinvorkommen, das allerdings durch die zwischenzeitliche örtliche Bebauung sowohl im belgischen wie auch im deutschen Grenzraum nicht mehr abbaufähig ist. In diesem so umschriebenen Gebiet können wir auch die Verwendung des Kalksteins (Blausteins) an den vielfältigen Bau- ten, wie Wohnungsbau, Kirchen, Mauern usw. erkennen. Sehr auffällig ist dies in Raeren, Walhorn und Hergenrath zu beobach- ten. Aber auch an anderen Bauten finden wir diesen Stein, insbesondere auch an den zahlreichen Burgen in unserem Gebiet. Die schwierigen Verkehrs- und Transportmöglichkeiten in der Zeit vor dem Automobil und der Eisenbahn brachten es mit sich, daß für den Wohnungsbau die an Ort und Stelle vorhandenen Rohstoffe verwendet wurden. Und dieser Rohstoff war in unse- rem Gebiet eben der Blaustein. Heute werden auch die sogenann- ten Schüttgüter über weitere Strecken mit LKWs und Eisenbahn transportiert. Man ist also nicht mehr so ortsgebunden, wie das früher beim Pferdetransport über schlechte Straßen und Gassen der Fall war. Von den früheren Steinbrüchen, die sich in fast allen bereits erwähnten Orten befanden, sind nur noch sehr wenige in Betrieb. Fast alle Steinbrüche sind in unserer Gegend stillgelegt. Die Gründe hierfür sind vielfältig. In den kleineren Steinbrüchen ist der Einsatz mechanischer Abbaugeräte wegen der zu geringen Produktionsmöglichkeiten und nicht zuletzt auch Bewegungs- möglichkeiten dieser Geräte zu kostspielig. Der Einsatz von Baggern, Transportbändern usw. setzt eine gewisse Produktions- quantität voraus. Die Gewinnung des Blausteins, soweit diese in unserer Gegend (Walhorn und Lontzen) noch betrieben wird, dient in erster Linie dem Straßenbau. Die Verarbeitung des Steins im Bauwesen ist wegen der notwendigen manuellen Verarbeitung (Steinmetz) und der schwierigeren Vermauerung zu kostspielig geworden. Die Vermauerung desselben ist zudem auch viel stärker witterungsabhängig als andere Baustoffe. Bei Feuchtig- keit ist der Blaustein wegen seiner nicht vorhandenen Saug- fähigkeit nicht mehr vermauerungsfähig. Die Bearbeitung des Steins für die Vermauerung war sehr lohnaufwendig. Man mußte schon Fachmann sein, um den Stein zu behandeln und ihn in das
| 94 Mauerwerk einzupassen. Dieser Beruf ist, bis auf die Bildhauer | für Grabsteine, sehr stark zurückgegangen, ja fast ausgestorben. Nur noch sehr selten werden die Maurer an der Vermauerung von | Blausteinen ausgebildet. Es würde daher heute sehr schwierig und | vor allem sehr kostspielig sein, größere Bauwerke in Blaustein 7 auszuführen, wie dies früher üblich war. In früherer Zeit lagen die Steinbrüche also möglichst in j unmittelbarer Nähe des zu erstellenden Bauwerks, Gleichzeitig 4 baute man auch die Einrichtungen zum Brennen von Kalk, denn | die Vermauerung des Blausteins setzt natürlich auch den Mörtel | voraus, der in früherer Zeit aus gelöschtem Kalk und Sand hergestellt wurde. . | Dieser Bauvorgang ist an der Eyneburg in Hergenrath zu | beobachten, wo in unmittelbarer Nähe der Burg (Teufelskammer) | der Stein gebrochen und auch der Kalk gebrannt wurde. Vor nicht ] allzulanger Zeit (1987) hat man am Fuße der Burg und in der | Nachbarschaft des Steinbruchs die Ruinen eines kleinen Kalk- || ofens freigelegt. Den für den Mörtel notwendigen Sand fand man | ebenfalls in Hergenrath. | Aus diesen, teils kleinsten, handwerklich betriebenen Unter- | nehmungen entwickelten sich im Laufe der Zeit größere Anlagen, | nunmehr aber vorrangig mit dem Ziel der Kalkgewinnung. Diese | Entwicklung lief parallel mit der Industrialisierung und der Ent- | wicklung der Eisenbahn. Kalk wurde in immer größeren Mengen | in der Stahl- und chemischen Industrie benötigt, ebenso in der | Landwirtschaft und im Baufach. | So wurden in Hergenrath zunächst einmal in der Nachbar- schaft der Eyneburg, dort, wo heute der Containerdienst Steffens tätig ist, und in der Nachbarschaft der Hammerbrücke Steinbrü- che betrieben und Kalk gebrannt. Da im Rheinland - zu dem auch unsere Gemeinschaft gehör- te - vor dem 1. Weltkrieg eine Vielzahl solcher kleinen Unterneh- men tätig waren, die insgesamt aber nicht mehr in der Lage waren, den immer größer werdenden Kalkbedarf und die damit zusam- menhängende technische Entwicklung sicherzustellen, wurden die WESTDEUTSCHE KALKWERKE mit dem zentralen Sitz in Köln gegründet. Dieses neue Unternehmen, - die treibende Kraft war ein Herr Josef Schnuch -, hatte zum Ziel, die Vielzahl der kleinen Unternehmen in einer Firma zu vereinen, d.h. kleinste
95 Betriebe zu schließen, um größere Einheiten an geeigneten Stel- len zu schaffen. Wir rufen in Erinnerung, daß der zum Kalk- brennen benötigte Stein ein Rohstoff ist, der in kompakten Felsen vorkommt. Man war also darauf angewiesen, die Werke in unmit- telbarer Nähe dieser Vorkommen zu bauen, möglichst verbunden mit einem Anschluß an die Eisenbahn. So geschah es auch in Hergenrath. Der heutigen Generation, mit Ausnahme der wenigen, die noch im Hergenrather Werk gearbeitet haben, ist die Existenz eines dieser größeren Werke in Hergenrath nicht mehr bekannt. Sie kennt weder die Gründe dieser Existenz noch die Art und Weise, wie die Steinbrüche betrieben und wie Kalk gebrannt wurde. Weiß man heute noch, was Kalk überhaupt ist? Um diese für Hergenrath und Kelmis so wichtige Industrie der Nachwelt in Erinnerung zu bringen und zu erhalten, soll in der Folge hier die alte und damals gängige Art der Produktion beschrieben werden. Die wechselvolle Geschichte der Kalkwerke in Hergenrath wurde in der Einführung kurz vorgestellt. Daten und Zahlen sollen in der Folge möglichst vermieden werden. Soweit dies aber zum besseren Verständnis notwendig sein sollte, werden wir darauf zurückkommen. Der Steinbruch in Hergenrath an der Hammer Der Rohstoff für das Brennen von Kalk ist der Stein, nicht gleich ein x-beliebiger Stein. Er muß schon eine gewisse chemi- sche Zusammensetzung und gewisse Substanzen enthalten. Je- denfalls war dieser Stein in Hergenrath in guter, ja bester Qualität vorhanden. Der Stein steht als Felsen an und ist in der Regel auf der Oberfläche mit einer mehr oder weniger starken Erdkruste be- deckt, die von wenigen Zentimetern bis zu Metern reichen kann. Also muß man den reinenStein freilegen und von dieser Erde befreien, da der Stein möglichst sauber zum Brennen kommen soll. Es sind also teilweise ungeheuer große Erdmassen abzutra- gen, zu transportieren um sie an anderer Stelle wieder abzulagern. Man muß also auch hierfür großflächige Gelände zur Verfügung haben. Ein nennenswerter technischer Fortschritt in den Steinbrü- chen und der Kalkproduktion hat erst nach dem letzten Krieg, so
/ 96 | ; gegen 1950, eingesetzt. Bis zu diesem Zeitpunkt - heute ist das / unvorstellbar - wurden die Steinbrüche mit der Hand, also mit | Muskelkraft, abgebaut. Auch viele Arbeiten an den Veredelungs- j anlagen (- Brennöfen usw. -) mußten mit der Hand ausgeführt werden. Es war ein schwerer Beruf, in dem logischerweise nur Männer beschäftigt waren. Es mußten schon starke und gesunde Männer sein, denn es wurde während des ganzen Jahres, Sommer wie Winter, bei Regen und Sonnenschein, im Freien und ohne Dach über dem Kopf gearbeitet. Ruhetage wegen schlechten Wetters waren äußerst selten, und selbst an diesen Tagen mußten | die Brennöfen aus den Vorräten beschickt werden. Wir kommen hierauf nochmals zurück, Schlechtwettergeld? Unbekannt! . Sozialeinrichtungen, wie man sie heute kennt und wie sie vorgeschrieben sind, kannte man nicht, wenn man auch versuch- te, den Arbeitskräften einen Raum für das Einnehmen der Mahl- zeit etwas sauber zu gestalten. Trotzdem, trotz dieser kargen Zustände, trotz der harten Arbeit, war die Einstellung der Beleg- schaft zum Unternehmen wie auch die der Kumpel zueinander ausgezeichnet. Es wurde geschimpft, es wurde aber auch bei der | Arbeit gescherzt. Diese gute Mentalität hatte Gründe, die hier nicht näher angesprochen werden können. Gibt es das heute noch? Der große Steinbruch an der Hammer, der heute mit Wasser | gefüllt und durch seine Größe und seine Tiefe einen imponieren- | den Eindruck macht, ist, wie schon erwähnt, nur in Handarbeit | ausgehoben worden. Das Steinbruchgelände lag ursprünglich natürlich über dem normalen Geländeniveau, wobei der Stein - die weitaus größte Menge - unter diesem Niveau lag. Der Abbau erfolgte in Etagen (Sohlen). Die oberste Etage war mit dem Abraum, der Erde bedeckt. Um an den Stein heranzukommen, mußten ungeheure Mengen Erde abgetragen, verladen, transpor- tiert und an anderer Stelle neu gelagert werden. War die Erde | abgetragen, wurde der Abbau nach unten gesenkt, wobei der Stein in mehr oder weniger reinem Zustand gefördert werden konnte. Das "mehr oder weniger" muß betont werden, denn auch zwi- schen den Felsblöcken lagerten Erde, Geröll und anderes für Kalk nicht verwertbares Material. Die oberste Etage wurde recht breit angelegt, damit für das Absenken Platz vorhanden war. Ziel war die Anlage einer zweiten, dritten oder gar vierten Sohle. Jede Sohle hatte eine Höhe von cirka 6-8, vielleicht auch 10 Metern.
KA Die am stärksten mit Erde belastete Sohle wurde in trockenen Zeiten, wie Frühling und Sommer, abgebaut, damit man die Erde in trockenem oder fast trockenem Zustand schaufeln konnte. Die tiefer gelegenen Sohlen wurde dann in den anderen Jahreszeiten oder in Zeiten schlechten Wetters vorangetrieben. Man muß sich das wie folgt vorstellen: Pad 0 HS m“ 1. Sohle | 2. Sohle Sein ir ook Sohle Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte ist so dieses riesige Loch in Hergenrath entstanden. Man kann es nicht oft genug erwähnen: alles in Handarbeit. Der Stein wurde aus dem Felsen herausgesprengt. Die Sprengung setzte natürlich zunächst einmal ein Bohrloch voraus, das mit großen und durch Kompressor angetriebenen Bohrern, die aber von Hand geführt wurden, in den Felsen hineingetrieben wurden. Waren mehrere Bohrlöcher vorbereitet, wurden sie mit Dynamit geladen und zur Sprengung gebracht. Diese verant- wortungsvolle Arbeit wurde durch Gerhard Meesters (Bohrer) und Christian Renericken (Schießmeister), später auch Bruch- meister, ausgeführt. Der Sprengstoff mit Zündern wurde in einem abseits der anderen Anlagen gelegenen Bunker gelagert. Jede Entnahme mußte in einem Buch festgehalten werden. Dieses Buch wurde regelmäßig durch die Bergbaubehörde kontrolliert. Meines Wissens ist nie ein Unfall beim Sprengen vorgekommen. Der Sprengstoff kam mit der Eisenbahn in Hergenrath an und wurde mit dem Pferdefuhrwerk der Familie Knops an der Bahn zum Steinbruch gefahren. Das nunmehr auf der Sohle liegende Steinmaterial mußte mit dem sogenannten Vorschlaghammer auf die brauchbare Grö- ße nachbearbeitet werden. War der Felsblock zu groß, wurde er "geknäppert", d.h. er wurde nochmals mit einer kleineren Spreng- ladung zerkleinert.
| 98 | Das Material wurde getrennt nach Stein, Erde oder Splitt in Loren (kleinere Eisenbehälter, die auf ein Fahrgestell gestellt wurden), geladen. Solange man noch auf der mit den anderen | Werksanlagen gleichen Ebene arbeitete, wurden diese Loren bis | zur Seilbahnstation gestoßen. Die Seilbahnstation war, als der | Steinbruch tiefer abgesenkt wurde, mit Schrägaufzügen verbun- | den. Diese Schrägaufzüge zogen die beladenen Loren hoch und | gleichzeitig fuhr auf dem Nebengleis eine leere Lore zur Sohle. Die auf den Sohlen tätigen Arbeiter und die mit der Förde- | rung des Steins, des Abraums usw. Beschäftigten wurden im | Stücklohn (Akkord) bezahlt. Als Beweis, wieviel sie geleistet hatten, erhielten sie bei der Abgabe einer vollen Lore eine Metail- marke, die sie am Ende der Tagesschicht dem Meister aushändig- ten, der die Leistung in einem sogenannten Schichtblatt zur Ausrechnung des Lohnes eintrug. | Bei schlechterem Wetter wurde schon mal vereinbart, daß | diese Marke etwas höher bewertet wurde, z.B. + 25% oder sogar + 50% des Normallohnes. Dieses Verfahren galt auch für die Sonntagsarbeit. Dieses System hatte zur Folge, daß Marken, die an guten Wochentagen erarbeitet wurden, für solche Gelegenhei- ten zurückgehalten wurden, wo sie eben mehr wert waren. Wer konnte den Arbeitern das verdenken, handelte es sich doch im Grunde nur um kleine Größenordnungen, denn der Normallohn mußte am Ende der Woche auch noch stimmen! Für die Verlegung von Gleisen, die Reparatur dieser Gleise und der Loren, Reparaturen an der Seilbahnstation und die In- standhaltung der Bohrer usw. war im Steinbruch eine Schmiede eingerichtet, die immer voll beschäftigt war, denn im Steinbruch selbst und auf den Transportebenen war ein umfangreiches Schienennetz mit entsprechenden Weichen usw. ausgebaut. 1 Nachdem der Steinbruch unter das normale Erdniveau ab- gesenkt war, kam Grund- und auch Oberflächenwasser in den Bruch, das durch schwere Pumpen heraufgepumpt werden mußte. Der Abfluß erfolgte zur Göhl. Da der Steinbruch an der Hammer nicht an das Eisenbahn- netz angeschlossen werden konnte - er lag auf einer weit tieferen Ebene als die Eisenbahn - wurden die Brennöfen und die anderen Veredelungs- und Verladeeinrichtungen in unmittelbarer Nähe der Eisenbahn gebaut.
99 Die Verbindung zwischen Steinbruch und Verarbeitungsan- lagen erfolgte durch eine Seilbahn, die auch über die Eisenbahn- linie geführt werden mußte. Der einzige Zeuge dieser Seilbahn ist der große Tragpfeiler, der heute noch im Steinbruch steht und vom ; Wasser umgeben ist. Zwischen dem Steinbruch und der Verarbeitungsanlage an der Bahn befand sich ungefähr in der Mitte eine Entladestation für die Erde, die aus dem Steinbruch herausgefördert werden mußte, Die mit Erde und mit anderem, nicht für die Öfen bestimm- ten Material beladenen Loren waren mit einem Hebel versehen, der an der Entladestation für Erde gegen einen Mast schlug,wodurch die Lore zum Kippen kam. Das Material fiel in einen Auffang- bunker und wurde dort wieder in Handarbeit auf andere Loren gezogen. Diese wurden nunmehr bis zur Abkippstelle über Gleis- anlagen gedrückt und abgekippt. Als Erinnerung an die Verarbeitungsanlagen an der Bahn stehen heute nur noch die Ruinen der Kalköfen. Diese Kalköfen, von einer ganz netten Höhe, waren die Empfänger der aus dem Steinbruch kommenden Steine, die dort zu Kalk gebrannt werden sollten. Die Antriebsstation der bereits erwähnten Seilbahn war an dem Anschlußgleis der Eisenbahn und in unmittelbarer Nähe der Kalköfen. Die ankommenden Loren und die Leerloren, die wieder zum Steinbruch gingen, wurden durch ein starkes Tragseil gehal- ten und durch einen Motor angetrieben. An der Antriebsstation, die als Endstation angesprochen werden kann, stand ein hoher Gerüstturm, denn die ankommenden Loren kamen auf der glei- chen Höhe an, wo sich auch die Einschüttöffnung der Kalköfen befand. Die Loren wurden vom Trag- und Zugseil auf Hänge- schienen übergeleitet und durch Hand zur Bestimmungsstation gedrückt. An der Endstation waren Weichen eingebaut, die es erlaubten, die Steine sowohl zu den Öfen zu transportieren wie auch zur anderen Richtung, um von dort direkt auf Waggons verladen - geschüttet - zu werden. Die Kalköfen - drei bestanden bereits vor 1940, ein vierter wurde um 1942/43 gebaut - sahen im Schnitt wie folgt aus:
100 SE Kne EA rohen Kelten | Da alle— — | . n CA ) Konlan-Koke 1 NS d udinia \ ; Ss M ( | Aa — LET OL y ANA: e A Ns & X \\ AN Q N Bi WE $ AR Fehl dd A SZ EN u \ Schema den Kezganzathar Kalkofene (nicht maßotebgerscht) Abmessungen An der Basis Länge 46 m - Breite 16,5 - Höhe 13,75 Auf der Plattform Länge 42m - Breite 13m | g des Zylinders 7m - Innere Höhe 11,50 m Sie hatten einen lichten Durchmesser von 5 Metern. Das Anfahren eines Ofens - Anzünden - erforderte schon Kenntnis. Es wurde zunächst einmal eine große Fuhre Stroh eingelegt. Darauf | kam trockenes Holz -"Klaterholz", wie der Volksmund sagt - und hiervon etliche Kubikmeter kerniges Holz, dann etwas Koks und | Kohle, eine kleine Lage Steine und ab hier wurde nun Lage auf Lage gepackt, immer abwechselnd Koks/Kohle und Steine. Das Anzünden eines Ofens war also eine kostspielige Angelegenheit und es dauerte schon eine gute Woche, bis unten etwas Kalk gezogen werden konnte. Ein Ofen durfte unkontrolliert nicht ausgehen. Ein Ofen wurde nur heruntergefahren - jedoch noch immer nicht stillgelegt - wenn Reparaturarbeiten an der
vr / | 101 Schamottausmauerung notwendig wurden. Auf diese Reparatu- ren hatten sich die Gebrüder Johnen aus Walhorn spezialisiert, die hierfür immer hinzugezogen wurden. Eine Reparatur war keine leichte Angelegenheit, denn der Ofen gab ständig Gase ab, die ein längeres Verweilen in dem noch brennenden Ofen unmöglich machten. Die Produktion eines Ofens in Hergenrath lag bei 45 Tonnen pro Tag, also rund 180 Tonnen für die vier Öfen. Um diese Produktion zu ermöglichen, mußten tagtäglich 360 Tonnen Stei- ne den Öfen zugeführt werden. Der chemische Prozeß, der durch das Brennen in Gang gesetzt wurde, verringerte das Gewicht des Steines um rund 50%. Zu dieser Produktion kamen in der Regel noch 40-60 Tonnen, die an Glashütten und im Herbst an die Zuckerfabriken zum Versand kamen, die also in Hergenrath nicht gebrannt wurden. Damit sind wir schon bei 400-420 Tonnen pro Tag. An Erde bzw. Abraum mußte im Schnitt nochmals 15-20% angesetzt werden, d.h. also nochmals rund 80 Tonnen. Damit steht die Tagesproduktion des Steinbruchs der Hergenrather Kalk- werke in ihrer besten Zeit fest: 480-500 Tonnen arbeitstäglich, s.Zt. auch samstags. Nochmals in Erinnerung gebracht: alles in Handarbeit. Der gebrannte Kalk wurde an vier Stellen eines jeden Ofens aus dem Ofen gezogen und dann von Kalkladern in Loren gela- den. Die Asche der Brennstoffe und Klein- und Kleinstteile des Kalkes fielen durch große Roste in ein Ascheschoß, von wo aus diese Asche teils direkt verkauft wurde, z.B. an die Landwirt- schaft, oder zunächst auf Halde gefahren wurde. Reste derselben befinden sich noch heute dort. Die größeren und mittleren Stücke des früheren Gesteins | kamen als Stückkalk aus dem Ofen. Der überwiegende Teil dieses Produkts kam in Spezial-Eisenbahnwagen (sogenannte Deckel- wagen) - zum Versand. Die Bestimmung waren die Stahlwerke und die chemische Industrie. Nur ein geringer Teil ging damals noch an die Bauunternehmer, die den Kalk in ihren eigenen Gruben "löschten", und ihn für die Herstellung von Mörtel zum Mauern und Verputzen brauchten. Der Stückkalk durfte mit Regen und Feuchtigkeit möglichst nicht in Berührung kommen. Er löste sich dann in Pulver auf; er "löschte ab" und wurde damit für die Empfänger unbrauchbar.
102 Die im Laufe der Jahre veränderten Anwendungsgebiete des Kalkes in der Landwirtschaft und im Baugewerbe machten eine Weiterverarbeitung am Werk notwendig. Hergenrath war das erste Werk, das eine Hydratanlage in Betrieb nahm, d.h. der Kalk wurde leicht abgelöscht und pulverisiert. Für die Landwirtschaft wurde der Stückkalk gemahlen und in Spezialsäcke verpackt. Er kam als gemahlener Branntkalk in den Handel. Er löschte also erst auf dem Feld oder der Wiese ab. Für die sogenannte Kopfdüngung wurde Branntkalk im Werk selbst gelöscht und pulverisiert. Dieser Puderkalk wurde als HERGA in Papiersäcke abgefüllt und ging in die Landwirtschaft. Ferner wurde in Hergenrath das Produkt HERGA SUPRA hergestellt. Dieses Produkt ging u.a. an die Wasserreinigung und die Bauindustrie und fand Verwendung in ganz besonderen Fäl- len. Das Herstellungsverfahren war das gleiche wie bei HERGA, nur wurde hierfür ausgesuchter Kalk verwandt. Für die Herstellung dieser Produkte bedurfte es großer technischer Einrichtungen. So befanden sich im Werk ein schwe- rer Kalkbrecher, eine Mühle, Becherwerke, Sichter, Löschan- lagen und Silos sowie auch Verpackungsanlagen. Die verschiedenen Produktionen lagen auf verschiedenen Ebenen, so daß Material durch Aufzüge, Becherwerke usw. ständig auf diese Ebenen herauf- und heruntergefahren werden mußte, Große Brennstofflager waren vorhanden. Der Brennstoff kam per Eisenbahn an, mußte per Hand ausgeladen und wieder entsprechend dem Bedarf in Loren geladen werden; dann wurde er durch Aufzüge auf die Öfen hochtransportiert und dort wieder per Hand auf die Öfen verteilt. Alle Anlagen standen in unmittelbarer Nähe der Eisenbahn. Das Werk hatte einen eigenen Anschluß mit Rangiermöglichkeiten. 1 Die internationale Strecke Aachen-Herbesthal führte direkt an dem Werk mit seinen Gleisanschlüssen vorbei. Die ganzen Verlade- einrichtungen waren nach dem Anschlußgleis ausgerichtet. Der LKW-Verkehr war vor 1940 noch fast unbekannt und für das Werk fast unbedeutend am Transport der Produkte beteiligt. Für die damalige Zeit war es schon ein Ereignis, als die Kalkwerke 1938/39 einen MAN-Lastzug mit zwei Anhängern kaufte, der meiner Kenntnis nach eine Ladekapazität von 20 Tonnen hatte. Dieser Zug wurde in der damals noch sehr kleinen Garage
103 Jungbluth gewartet. Stolze Fahrer waren Leo Schumacher und Josef Langohr. Die Kalkwerke waren für den Bahnhof Hergenrath ein wich- tiger Kunde. Die damalige Waggonkapazität lag beil5 bis 20 Tonnen pro Waggon. Vom Werk gingen arbeitstäglich so rund 10- 12 Waggons ab. Hinzu kamen noch rund 3-4 Wagons Brennstoffe, so daß eine Bewegung von 26-32 Waggons zu verzeichnen war (ankommende und abgehende Waggons). Die Rangierlock kam morgens gegen 10 Uhr von Herbesthal. Dann wurde rangiert: die beladenen Waggons mußten aus dem Werksanschluß herausgezo- | gen, die leeren eingestoßen werden. In der Ab- und Beladestraße des Bahnhofs standen dann noch die Waggons der Isolierrohr- werke, die Brikettwaggons für die Kohlenhändler der näheren Umgebung (Hergenrath-Kelmis-Hauset-Walhorn). Hier wurde auch der Ton aus den Tongruben in Hergenrath - Knippstraße der Firma Heutz verladen. Alles zusammen also ein ganz schöner Betrieb, den man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Das Werk Hergenrath beschäftigte in seinen besten Jahren rund 100 Arbeiter und Angestellte. Die kaufmännische Abteilung des Werkes war sehr gering. Hier wurden damals beschäftigt die Herren Biermanns, als Direktor, und die Angestellten Mathias Gronsfeld, Heinrich Olbertz (im Kriege vermißt) und der Verfasser Jos. Bernrath. Für den technischen Bereich waren verantwortlich: Jakob Flamm bis 1938, Fritz Dörr bis zu seiner Einberufung in den Krieg, Herr Wirtz als Ofenmeister und Herr Gras für den Stein- bruch, später Christian Renericken. Die Verwaltung konnte so klein gehalten werden, weil der Verkauf und die Buchhaltung in Händen der Zentrale in Köln lagen. Mit dieser Zentrale wurden täglich Gespräche geführt, die über die Telefonvermittlung in Hergenrath (s.Zt. Frl. Heeren, später verheiratete Hackens) am Klappenschrank vermittelt wurden. Dieses Amt hatte vielleicht 100 Anschlüsse zu bedienen. Die Kalkwerke hatten die Nummer 29. Die Produkte des Werkes gingen zu den Stahlwerken in Luxemburg (Athus und Rodingen), zu den chemischen Werken in Langerbrugge, Tessenderloo, Knapsack/Köln. Die land- wirtschaftlichen Produkte, wie Herga und Herga Supra, gingen vorwiegend nach Holland. Die Produktion des Werkes wurde nach 1944 noch einige Jahre unter der Sequesterverwaltung weitergeführt, erreichte aber
I 104 nicht mehr die frühere Bedeutung. Die Sequesterverwaltung (Herr Radermecker) wurde 1954 aufgehoben. Die neuen Inhaber sahen aber keine Möglichkeit, das bestehende Werk an diesem Ort den neuen technischen Erfordernissen anzupassen. Große Investitionen wären notwendig gewesen, über die keine Einigung | erzielt werden konnte. Aus diesem Grunde wurde die Produktion 1955 an der Hammer und an der Bahn stillgelegt. Die Gesell- schaft, die - wie wir bereits sahen - heute noch besteht, orientierte sich in Richtung Eyneburg. Für die Verkaufsverhandlungen des Sequesteramtes mit Inter- essenten, hatte dieses Amt eine kurze Beschreibung der technischen Ausrüstung erstellt, die nachstehend wiedergegeben werden soll: Die technische Ausstattung der Kalkwerke Hergenrath zum Zeitpunkt des Verkaufs durch das Sequesteramt Das Sequesteramt stellte das Unternehmen den möglichen Kaufinteressenten wie folgt vor: Die technische Einrichtung umfaßt hauptsächlich 1. den Steinbruch - 2. die Öfen 3. die Hydratanlage - 4. den Eisenbahnanschluß 1. Der Steinbruch Der Abbau des Vorkommens erfolgt zur Zeit auf einer tief gelegenen Sohle. Die Abbausohle befindet sich ca. 12 m tiefer als das Niveau, auf dem sich die Seilbahnstation befindet, die den Bruch mit den Öfen verbindet. Diese Seilbahn - es handelt sich um einen Lufttransport - hat eine Länge von ungefähr 500 Metern. Der Aufzug der Steine aus dem Abbaugrund erfolgt mittels dreier Schrägaufzüge, wovon 2 mit doppelter Gleisführung und einer mit einfacher Gleisführung. Die Aufzugswinden werden durch elektrisch angetriebene Motoren betrieben. Der Abbau auf | der untersten Sohle wird durch zwei Wasserpumpen mit einer | Stundenleistung von 90 cbm sichergestellt, die das eindringende Wasser herauspumpen. Der Abtransport der anfallenden Erde und des Abfallmaterials erfolgt ebenfalls über die Seilbahn. Die Bohrung der Sprengminen erfolgt durch pneumatische Hämmer, die durch Preßluft angetrieben werden. Ein Kompres- sor, angetrieben ebenfalls durch einen elektrischen Motor, er- zeugt diese Preßluft. Er wurde 1943 in Betrieb genommen. Die Stromversorgung im Steinburch wird durch eine Transformatorenkabine mit einer Leistung von 5000 V/220 W
105 sichergestellt. Die Kabine hat zwei Transformatoren von 75 KVA bzw. 50 KVA. Diese Kabine ist in den Gebäuden integriert, die unter anderen auch die Schmiede, Meisterbüro und den Aufenthaltsraum für die Arbeiter umfaßt. Das Sprengstoffdepot ist von den anderen Gebäuden isoliert und entspricht den Vorschriften der Grubenverwaltung. 2. Die Öfen Zu erwähnen ist, daß die Anlagen - ebenso auch der Stein- bruch und dessen Anlagen - auf einer Parzelle erstellt sind, die der Gemeinde Walhorn gehört. Die Öfen bilden eine Batterie von 4 Einheiten. Ihre inneren Ausmaße sind gleich, d.h. innere Gesamthöhe 11,50 m, die sich ergibt aus dem konischen Teil von 4,50 m und dem zylindrischen Teil von 7 m. Der Durchmesser des zylindrischen Teils beträgt 5 m, wobei der untere konische Teil 4 m beträgt. Der Block der vier Öfen hat folgende Ausmaße: An der Basis: Länge 46 m, Breite 16,50 m, äußere Höhe 13,75 m. Oberste Abdeckung: Länge 42 m, Breite 13 m. Ein Keller unter den Öfen ermöglicht den Abzug der anfallenden Asche und den Transport derselben zur Verladung bzw. zur Halde. Jeder Ofen hat ein eigenes Gebläse, Die Beschickung der Öfen: 1. Brennstoffe: Mittels eines Aufzugs werden die mit Koks oder Kohle beladenen Loren auf die Öfen gebracht, wo die Ofen- arbeiter die Öfen manuell mit Brennstoffen versorgen. i 2. Rohstoff: Die mit Steinen (Kalksteinen) beladenen Wägel- chen werden durch die Seilbahn aus dem Steinbruch zu den Öfen transportiert. Ab der Endstation der Seilbahn werden diese Hängewägelchen durch Hängeschienen übernommen, die sie zu den Öfen bringen, wo sie von Arbeitern in die Öfen entleert werden. Ladung und Versand des Kalkes: Nach dem Brennvorgang wird der Kalk über Roste aus den Öfen gezogen und auf Loren geladen. Diese werden mittels eines Aufzuges auf die Lade- bühne gebracht, wo sie nach der Verwiegung in die bereitste- henden Eisenbahnwaggons gekippt werden. 3. Hydratanlage: Ihre Kostruktion datiert aus dem Jahre 1934. Sie hat im Laufe der Zeit mehrere Änderungen erfahren. Diese Installation beinhaltet Maschinen und Werkzeuge zur Herstel- lung eines hydratierten Kalkes erster Qualität, d.h. er ent-
106 spricht den Normen hinsichtlich seines Gehaltes an Ca(OH)2 und der Feinheit (99% auf Sieb 4900). Um den Produktionsprozeß aufzuzeigen, werden folgende technische Einrichtungen erwähnt: * ein kombinierter Brecher, * ein Silo zur Lagerung des gebrochenen Kalkes (Kapazität 80 T.) + ein Hammerbrecher + Vibrationssieb + eine Lösch- und Hydrieranlage * 3 Lagersilos zur Lagerung des Kalkes nach der Hydratisation (Kap. je 60 T.) } * ein Luftseparator ° eine Entstaubungsanlage * ein Silo zum Auffangen von Rückständen M * zwei Silos für das Endprodukt (je 15 T. Inhalt) * eine automatische Absackanlage. Die verschiedenen technischen Anlagen sind durch Becher- werke, Rutschen, Aufzüge usw. verbunden, die ein Gesamt- system bilden. Jeder Apparat und jede Maschine hat eigenen elektrischen Antrieb durch Motoren. 4. Motorkraft: die notwendige Motorkraft wird durch eine Transformatorenkabine geliefert, die durch eine Hochspannungsanlage von 5000 V gespeist wird. Die Kabine ist mit 3 Transformatoren mit insgesamt 290 KVA, bzw. 200, 50, 40 KVA ausgerüstet, 5. Eisenbahnanschluß: Die Gesellschaft besitzt einen eigenen Werksanschluß, der in die Hauptlinie Li&ege-Herbesthal-Köln einmündet. Der Anschluß liegt auf dem Gelände der SNCFB. Die Pacht beträgt 1450 F/Jahr. Die Länge des Anschlusses beträgt 260 m. Die Waggons werden auf dem Werksgelände durch eine eigene Rangieranlage bewegt. Jeder beladene Waggon wird mit einer Gebühr von 14 F belegt. 6. Sonstige Anlagen: Hier sind zu erwähnen: * Schmiede und Reparaturwerkstatt, + Meisterbüro * Aufenthaltsraum der Arbeiter * Raum für die Ofengebläse * Magazin- und Ersatzteillager. Dann folgen noch die Beschreibungen der sonstigen Immo- bilien, die der Gesellschaft gehören und die vom Interessenten mitübernommen werden müssen.
107 Wie Kelmis zu seinem legendären "E Kelemes wät ene Küsch geschlacht" kam 4 von Alfred Jansen Es war um die Jahre 1928-29. Unter den Gesellschaften, Vereinen und Clubs, die nach dem Ersten Weltkrieg im Gebiet des ehemaligen Neutral-Moresnet und seitdem belgischen Kelmis wie Pilze aus dem Boden schossen, befand sich auch ein Trom- mel- und Pfeifenkorps. Sehr aktiv probten die Mitglieder wö- chentlich in der Wirtschaft Meessen ganz am Ende der damali- gen Vonsstraße (Albertstr.), jetzt querverlaufend die Parkstr. Die Musiker hatten sich, vielleicht der Einfachheit halber, ein Reper- toire nach Nummern zusammengestellt. Wenn nun der "Ausgabeleader" die Nummer vier oder sieben vorschlug, dann wuß- ten alle, was gemeint war. Das klappte vorzüglich. Keine hundert Meter von der Wirtschaft entfernt, Ecke Tannenbaumstraße-Dörnchen, jetzt Moresneter Straße-Parkstraße, - wohnte der Metzgermeister Philipp Schrymecker, zugleich auch Kartoffelhändler. Unser Philipp, ein gut beleibter Mann, wie es sich für einen Metzger geziemt, trank gerne einen über den Durst, und da die Wirtschaft des Fritz Meessen, genannt der "Deutsch" (ohne "e" am Ende), nur einen Steinwurf entfernt war, blieb es nicht aus, daß unser Mann auch dort zu Gast war, wenn das Trom- mel- und Pfeifenkorps seine Proben abhielt. . Da hatte es dem Philipp mit einmal die Nummer zwei ange- tan, die auf dem Repertoire der Musiker stand. Immer, wenn er die Melodie hörte, sei es, daß er im Lokal war oder draußen in Hör- weite, versuchte er, dieselbe mitzusingen; und eines Tages (—- war es beim Zerlegen eines Schweines? -) brach es aus ihm heraus: "E Kelemes wät ene Küsch geschlacht, tralala, tralala". Es war die Geburtsstunde eines Satzes, der in der Folge aus dem Kelmiser Karnevalsliedgut nicht mehr wegzudenken war und ist. Was den Metzgermeister wohl bewogen hat, ausgerechnet diesen Satz zu singen, wird immer sein Geheimnis bleiben, und daß er als Dauerbrenner Generationen überdauern würde, das hätte auch keiner für möglich gehalten.
| 108 Der Satz blieb hängen bei den Leuten, wie sonst nur ein Erfolgsschlager. Er erfreute sich einer derartigen Popularität, daß er das ganze Jahr über von Jung und Alt gesungen oder geträllert wurde. Das ging soweit, daß, wenn irgendeine Musikkapelle durch den Ort zog, dieser Satz unweigerlich zu hören war. Dabei ist es zeitlebens bei dem einen Satz geblieben! Trotz Bemühungen und Kontakten mit verschiedenen Komponisten konnte sich bis 1992 keiner entschließen, aus dem Satz ein Lied zu machen. Seine eigentliche symbolische Bedeutung bekam der "Küsch" erst nach dem Kriege, als bei den Karnevalsumzügen eine Strohfigur als Schwein auf einem Wagen mitgeführt wurde, das dann öffentlich auf dem Dorfplatz, an einem Galgen hän-. gend, verbrannt wurde. Im Ort ist ihm jetzt ein Denkmal gesetzt worden; der "Küsch" ist Kelmiser Kulturgut; das war längst fällig! Quellennachweis: Jos Kohl, Kelmis. Er war damals als junger Bursche Mitglied des Trommel- und Pfeifenkorps.
109 JAHRESRUCKBLICK 1993 von Freddy Nijns VORTRÄGE Die statutengemäße Generalversammlung fand am 24. Januar 1993 im Kulturheim Select vor vollbesetztem Saal statt. Nach den üblichen Präliminarien - Begrüßung, Kassen- und Tätigkeitsbericht, Wiederwahl der ausscheidenden Vorstandsmitglieder - bot Alfred Jansen einen Dia-Vortrag über die im Vorjahre unter der Leitung von Herrn H. Lennertz stattgefundene Fahrt zu den Schlössern der Loire. Der Referent zeigte hervorragendes Bildmaterial zu den schönsten Schlössern des Loire-Gebietes und wußte seine Bilder mit viel geschichtlichem Hintergrundwissen und manch pikanter Anekdote anzureichern, wofür das begeisterte Publikum dankbaren Applaus spendete, Der Denkmalschutz und die sich in dem Zusammenhang stellenden Fragen waren Gegenstand eines Diavortrags von Norbert Kreusch, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Deutschsprachigen Gemeinschaft, am 12.3.1993 im Vortragsraum des Museums. Der Referent wies darauf hin, daß heute nicht mehr nur Burgen, Schlösser und Kirchen die Aufmerksamkeit der Denkmalschützer auf sich ziehen. Der Begriffdes Denkmalschutzes hat sich auf Bauernhöfe, Villen und Industrieanlagen ausgedehnt. Doch es ist schwierig, objektive Kriterien zu erarbeiten oder ein für alle Fälle gültiges System zu erstellen. Auchder Begriff "nationale Denkmalschutzkommission" müßte hinterfragt werden: ist nur dasjenige schützenswert, was für alle Bürger dieses Landes von Interesse ist, oder ist es nicht vielmehr so, daß bestimmte Bauten lokal oder regional vielleicht wegen historischer Bezüge absoluten Schutz verdienen, auch wenn dieser Schutz, durch die nationale Brille gesehen, nicht zu rechtfertigen wäre? Wo hört bei Restaurierungsarbeiten die Freiheit des Bauherrn auf? Soll ein Bauwerk nicht mehr schützenswert sein, weil nach einem Brand zu starke Veränderungen vorgenommen wurden, wie dies in Eynatten am Hause Schmetz (Trouet) der Fall war? Oder ist der Dachüberstand ein wesentliches Kriterium bei der Berücksichtigung eines Objektes als schützenswertes Bauwerk, wie am Beispiel von Gut Leuff in Eynatten demonstriert wurde? Welchen Schutz verdienen Bauwerke wie der Raerener Bahnhof, die Wasserentnahmestelle dortselbst, die Stahlkonstruktion der Moresneter Brücke, Jugendstilvillen oder die Bürogebäude der Vieille-Montagne? Fragen über Fragen, die vom Referenten durch gut gewähltes Bildmaterial anschaulich und zum Nachdenken anregend illustriert wurden. "Der Gemeindehaushalt im Belgien der Gemeinschaften und Regionen" war das Thema eines Expos€s von H. Herbert Lennertz am 13. Mai 1993.
110 "Das Göhltal im Bild", eine Dia-Schau von Alfred Jansen, zeigte am 18. November Architektur und Landschaft des Göhltales von Eynatten-Lichtenbusch bis zur Mündung der Göhl bei Voulwames. Der kurzweilige, mit Anekdoten und geschichtlichen Daten angereicherte Vortrag stieß beim zahlreich erschienenen Publikum auf lebhaftes Interesse. EXKURSIONEN UND WANDERUNGEN Die erste Ausfahrt der Vereinigung führte am 14. April unter der Leitung von H. Willi Palm nach Jülich, wo der Vormittag der Besichtigung des Forschungszentrums Jülich (TZJ bzw. KFA) gewidmet war. Vom Zentrum abgestellte Doktoranden nahmen sich der Gruppe an und gaben näheren Einblick in die Forschungsschwerpunkte des TZJ, nämlich Energie, Umwelt, Informa- tion und Materialforschung. In den Instituten für Radioagronomie und Biotech- nologie konnten sich die Besucher ein Bild von zwei ganz konkreten Forschungsvorhaben machen: dem Abbau von Pflanzenschutzmitteln bzw. der Abwässerklärung. Hauptbesichtigungspunkt des Nachmittags war die Zitadelle von Jülich, ein Werk des italienischen Festungsbauers Alessandro Pasqualini, dessen 500. Geburtstag die Stadt Jülich 1993 mit einem umfangreichen Veranstaltungs- programm feierte. Pasqualini, der 1549 in die Dienste des Herzogs Wilhelm IV. von Jülich, Cleve und Berg trat, prägte das Stadtbild nachhaltig und schuf mit der Zitadelle und dem Herzoglichen Schloß ein beeindruckendes Beispiel italienischer Renaissancearchitektur im Rheinland, Die unter der Führung von Herrn Heinz Spelthahn, seines Zeichens Vorsitzender des Jülicher Geschichtsvereins, durchgeführte Besichtigung dieser trotz teilweiser Zerstörung des Schlosses im 2. Weltkrieg immernoch imposanten Anlage hinterließ bei allen Teilnehmern bleibende Eindrücke, wozu die von profunder Sachkenntnis und viel Liebe zu seiner Heimatstadt zeugenden Aus- führungen Herrn Spelthahns nicht wenig beigetragen haben. Ein abschließender Stadtrundgang war dann das Tüpfelchen auf dem I, das diese 1. Exkursion auf gelungene Weise abrundete, Am 6.6.1993 führte A. Bertha eine Gruppe von S0 Personen in den nordluxemburgischen Kanton Clerf. Nach Besichtigung der Kantonshauptstadt Clerf, die mit ihrer mittelalterlichen Burganlage und der Abtei St. Mauritius zwei besondere Anziehungspunkte bietet, führte die Exkursion nach dem nahegelegenen Munshausen, wo die St. Hubertus-Pfarrkirche (ein architektonisches Kleinod, das von Kunsthistorikern mit vier Sternen bedacht wird) die Besuchergruppe sichtlich beeindruckte. Auch das noch junge landwirtschaftliche Museum, das alte Geräte und Technicken vorstellt und mit einem Ausschank verbunden ist, lohnt einen Besuch, Lellingen, die dritte Station dieser Ausfahrt, verdient als Muster dörflicher Erneuerung besondere Beachtung.
111 Die Rückfahrt führte die Teilnehmer durch das romantische Ourtal, am Europa-Denkmal vorbei nach Ouren, von wo aus, nach einem gemütlichen Beisammensein, die Heimfahrt angetreten wurde. Ganz im Zeichen von "1100 Jahre Prümer Urbar" stand das am 26.6.1993 durch den Geschichtsverein Prümer Land ausgerichtete 15, internationale Treffen der Geschichtsvereine, Das "Prümer Urbar", ein i.J. 893 - nach den Normanneneinfällen - angelegtes Güterverzeichnis der Prümer Salvator-Abtei, das in einer Kopie des Caesarius von Heisterbach erhalten ist, gilt als eine der wertvollsten mittelalterlichen Handschriften, während das im 10. Jh. begonnene "Goldene Buch der Abtei Prüm" die bedeutendste Sammlung karolingischer Urkunden für das Rheinland darstellt, Dem Geschichtsverein Prümer Land war es gelungen, diese beiden Prunkstücke mittelalterlicher Buchkunst aus den Archiven von Koblenz und Triernach Prüm zurückzuholen und sie neben einer Vielzahl anderer Dokumente zur Prümer Geschichte auszustellen. Für die hervorragende Schau ernteten unsere Prümer Freunde allseits nur Lob und Anerkennung. Man trennte sich wieder mit dem Versprechen: "Nächstes Jahr in ..." Ebenfalls am 26. Juni führte Frau Astrid Schmitz eine stattliche Gruppe historisch und pflanzenkundlich interessierter Wanderer mit der Vennbahn von Raeren bis Kalterherberg mit anschließender Fuß wanderung durch das Venn über Küchelscheid bis Sourbrodt, Zueinem glanzvollen Höhepunkt der diesjährigen Veranstaltungen wurde die unter der bewährten Führung von H. Herbert Lennertz angebotene Mehrtagesfahrt nach Budapest vom 10. bis 17. Juli 1993. Zwischenstationen in Passau und Wien bei der Hinfahrt, in Sopron (Ödenburg), Passau und Limburg bei der Rückfahrt bereicherten das vor Ort gebotene Besichtigungsprogramm mit Budapest, Plattensee und Puszta... Eine inden Vergangenen Jahren begonnene Serie von Erkundungsfahrten "auf den Spuren der Römer" setzte H. Herm.-Jos. Gatz am 19. September 1993 mit einer Fahrt nach Krefeld und Umgebung fort. Gellep (römisches Lager und Gräberfeld) und Burg Linn waren besondere Schwerpunkte dieser Fahrt, "Antwerpen, Kulturhauptstadt Europas": Unter diesem Motto stand die von F. Steinbeck und A. Bertha am 10. Oktober 1993 geführte Exkursion indie Scheldemetropole, zu der mehr Anmeldungen eingingen, als berücksichtigt werden konnten. Erfahrene Stadtführer gaben der Gruppe erste Einblicke in den historischen Kern um Rathaus und Kathedrale, während der Nachmittag zur Stadterkundung auf eigene Faust freiblieb. Die herrlich restaurierte Kathedrale, St. Karl-Borromäus, der Bahnhof, der neugestaltete Meir...: Antwerpen ist nach einhelligem Urteil der Fahrtteilnehmer mehr als eine Reise wert!
112 Bei der von A. Bertha geführten geschichtlichen Wanderung am Sonntag, dem 24. Oktober 1993, entlang der sog. Burgunderlinie im Preuswald ging es um die geschichtlichen Zusammenhänge und die Regelung der von den Limburgern und den Aachenern auf den nördlichsten Teil des Preuswaldes erhobenen Ansprüche, eine Regelung, die durch die Setzung von Steinen mit goldenem Vlies bzw. Andreaskreuz in den Jahren 1615 und 1723-24 ihren Ausdruck fand. AUSSTELLUNGEN Ein Fotowettbewerb unserer Vereinigung bot die Grundlage für eine von H. Herbert Lennertz organisierte Ausstellung über die geschützten Denkmäler des Göhltales vom 3. bis 19. September 1993. Vom24.9.-10.10.1993 stellte der Maler Marcel Teller im Göhltalmuseum aus. Er zeigte heimatliche Motive, Vennlandschaften sowie erstmals auch abstrakte Kompositionen. 150 Jahre Eisenbahnverbindung Köln-Antwerpen waren der Anlaß, gemeinsam mit dem Verkehrsverein Hauset (Willy Timmermann) eine Ausstellung zum Thema "150 Jahre Hammerbrücke” zusammenzustellen. Am 9. und 10. Oktober standen die Schautafeln in der Mehrzweckhalle Hauset, an den beiden darauf folgenden Wochenenden im Göhltalmuseum. Als letzte Ausstellung des Jahres präsentierte H, Hans Jansen (Aachen) eine vielseitige Aquarell-Schau mit Motiven aus dem Göhltal, dem Aachener und Eifeler Raum sowie Vennlandschaften.
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