Im Göhltal ZEITSCHRIFT DER VEREINIGUNG FÜR KULTUR, HEIMATKUNDE UND GESCHICHTE IM GÖHLTAL N" 44 Februar 1989 Veröffentlicht mit der Unterstützung des Kulturamtes der deutschsprachigen Gemeinschaft
Vorsitzender: Herbert Lennertz, Stadionstraße 3, 4721 Neu-Moresnet. Sekretariat: Maxstraße 9, 4721 Neu-Moresnet, Tel. 087/65.75.04 Lektor: Alfred Bertha, Bahnhofstraße 33, 4728 Hergenrath. Kassierer: Fritz Steinbeck, Hasardstraße 13, 4721 Neu-Moresnet. Postscheckkonto N" 000-0191053-60 Die Beiträge verpflichten nur die Verfasser. Alle Rechte vorbehalten. Entwurf des Titelblattes: Alfred Jansen, Moresnet-Kapelle. Druck. Hubert Aldenhoff, Gemmenich.
3 Inhaltsverzeichnis A. Jansen, Zum Umschlagbild 3 Moresnet-Kapelle J. Heuschen, Kelmis Das neutrale Gebiet von Moresnet (Kelmis) zu Anfang des 20. Jh. 12 A. Bertha, Hergenrath Die Kelmiser ”Patronage”, auch "Stiftung Schoenauen” genannt 22 E. Barth, Eynatten Eynatten anno dazumal... 25 M. Th. Weinert, Aachen Heiliger mit dem Rost 37 W. Meven, Hergenrath Die Glocken läuten im Limburger Land 38 Ein erfülltes Leben Zum Tode von Frau Dr. Leonie Wichert-Schmetz 47 L. Wichert-Schmetz (7) Abendruhe 50 Bad-Driburg J. Leclercq Fouilles archeologiques a Brennhaag (La Calamine) 51 A. Bertha, Hergenrath Aus Walhorns Vergangenheit 62 A. Jansen Die ”Clinique” oder das St. Josephs- Moresnet-Kapelle heim in Moresnet-Chapelle 76 J. Reul, Kelmis Vereinschronik der KKG Ulk zu Kelmis 1879 89 J. Leclerc A propos de la construction du chemin de Gemmenich ä Sippenaeken en 1866-67 97 A. Jansen, Unsere Reise nach Prag 102 Moresnet-Kapelle A. Bertha, Hergenrath Auf dem Büchermarkt 107 Berichtigung 110 F. Nijns, Walhorn Tätigkeitsbericht 1988 111
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6 Nach dem Abbruch aller Anbauten bot Alensberg wieder den Anblick eines spätmittelalterlichen Wohnturms. Bis zur 2. Etage des fünfstöckigen Baues haben die Mauern eine Dicke von 1,80 m. Im 1. Stock befindet sich ein Raum mit gewölbter Decke. Das Dach ruht auf einem leicht vorspringenden Mauerkranz. Als Wohnturm mit Wassergräben geht Alensberg wohl auf die Mitte des 15. Jh. zurück. Erbauer soll Johann von Alensberg gewe- sen sein. Die Familie von Alensberg wird erstmals im 14. Jh. ur- kundlich erwähnt. LE ASS En a Bu nn 0 SP BEL ER, A Ks 5 ee = DI Ka u (8 Alensberg 1946. Die baulichen Schäden sind auf den Bildern nicht zu erkennen. Foto A. Jansen Johann von Alensberg und Arnold von Tzevel werden 1467 im Zusammenhang mit dem Galmeiabbau in Kelmis genannt. Zu Beginn des 16. Jh. gehörte die Herrschaft Alensberg der Jo- hanna von Tzevel, die durch ihre Heirat mit Johann von Dobbel- stein, Herr der Eyneburg, Alensberg dem Hause Dobbelstein einver- leibte. 1517 kam es zu einer Teilung unter die Gebrüder Johann Ar- nold und Arnold Adam von Dobbelstein. Die Dobbelsteins blieben Besitzer von Alensberg bis um die Mitte des 17. Jh., als das Gut durch Heirat an Alexander von Straet kam, dessen Schwester Isa- belle Arnold Schuyl von Walhorn heiratete und dessen Neffe Mi- chel Henri von Walhorn-Straet Alensberg erbte.
7 Alexander von Straet, Forstmeister des Herzogtums Limburg, hatte die Herrschaft Moresnet am 31. Dez. 1648 vom spanischen König Philipp IV. gekauft. Damals bekam das Haus Alensberg das bis ins 19. Jh. erhaltene Aussehen. Die Wassergräben um den Turm wurden angefüllt und das große Herrenhaus an den Turm angebaut. N“ ; A Ö Di #2 «> wo #1 nn AB Ziehbrunnen im Park von Alensberg Foto Alfred Jansen 1746 ging der Besitz durch testamentarische Verfügung des Wilhelm von Straet an Pierre Godefroid Ignace de Lasaulx (1695- 1767) über. Dessen Neffe Peter Olivier Albert de Lasaulx (1728- 1798) heiratete die aus Brilon in Westfalen stammende Marie E.-J. von Mylius. Aus dieser Ehe stammt ein Sohn: es ist der wohlbe- kannte erste Bürgermeister von Neutral-Moresnet, Arnold von La- saulx, der am 23. Jan. 1774 auf Schloß Alensberg geboren wurde, als ”citoyen” Lasaulx 1802 ”Maire” der ”Mairie de Moresnet” wur- de, 1816 die Verwaltung von Neutral- und Preußisch-Moresnet
8 übernahm und am 18. Juli 1863 in Moresnet verstarb. Sein gleich- namiger Enkel und dessen Sohn Friedrich Eduard von Lasaulx (geb. 1870 in Moresnet, + 1901 in Bonn) waren beide Professor für Philo- sophie an der Universität Bonn. Bürgermeister Arnold von Lasaulx verkaufte Schloß Alensberg am 24. Juni 1823 an Karl-James Cockerill, dessen Tochter Caroline den Aachener Industriellen Karl Suermondt heiratete. Dessen Sohn Armand ließ Alensberg sowohl innen wie außen stilgerecht erheb- lich umänder, was von mancher Seite kritisiert wurde. Armand Suermondt starb 1921 und hinterließ das Schloß seinem Bruder Ar- thur, der ihn jedoch nur um ein Jahr überlebte. 4 5 a Ss 5 “9 . EN N 2 CB SSD 1 a MA Da A a a TS = |] £} n nn a IN m 9 — SL ZU RUN 3 A EB FM BEN Odin WAlensbara Bra Im Stil des ausgehenden 19. Jh. ließ Armand Suermondt diesen Säulenvorbau mit Terrasse vor die Hauptfront des Schlosses setzen, Vermutlich wurden auch damals die kleinen Fensteröffnungen der Fassade ausgebrochen und durch die auf dem Bild zu erkennenden großen Öffnungen ersetzt. Die Aufnahme stammt aus den dreißiger Jahren. Durch die Witwe und die Kinder wurde Alensberg zerstückelt und zum Verkauf angeboten. Das Schloß und die beiden angrenzen- den Bauernhöfe erstand der Notar Gustav Ernst-Petry. Nach des- sen Tod blieb der Nachlaß ungeteilt zwischen den beiden Kindern, dem Notar Gerard Ernst und dessen Schwester Lea Ernst, Ehefrau von Marcel Pirree. Zur Teilung des Besitzes Alensberg kam es nach dem Tode der vorgenannten Gerard Ernst und Lea Pirree-Ernst. Dabei fiel das Schloß mit den beiden Höfen an die Tochter Edith Pirree, verheira-
10 Fam. Thieron besaß Alensberg, als der stolze Bau durch die Spren- gung der Eisenbahnbrücke irreparabel zerstört wurde. Nach dem Tode des Herrn Thieron ging die Schloßruine mit dem Grundbesitz und den Höfen durch Kauf an Fam. Emontspool aus Eupen über. Das zum Schloß gehörende Bauernhaus ist seit 1985 im Besitz von Herrn J. Schyns, der Schlachtviehmästung betreibt. Y nn 3 Zn Turm Alensberg von Westen gesehen Foto A. Jansen - Nov. 1988) Für die ”petite histoire” sei noch erwähnt, daß Alensberg im Jahre 1725 zum Schauplatz einer spektakulären Hinrichtung wur- de. Zwei Mitglieder einer in Gemmenich ihr Unwesen treibenden Ausgabee, darunter der Anführer, ein ehemaliger Offizier mit Namen Gaspard Louis de Fitz Patrick, waren nach ihrer Verhaftung nach Alensberg, dem Sitz des Herrn von Straet, Herr von Gemmenich und Alensberg, gebracht und dort eingekerkert worden. Anschließend hatte man sie nach Limburg ins dortige Gefängnis ge- bracht.
11 Der Gemmenicher Meier Dobbelstein stellte den Antrag, die Verhafteten nach Alensberg zurückzuverlegen, um so den Zeugen das Erscheinen vor Gericht zu erleichtern. Während der Mitange- klagte Simon am 18. Januar aus Limburg zurückgebracht und auf Schloß Alensberg durch die Folter zum Geständnis gezwungen wur- de, blieb Fitz Patrick vorerst an Händen und Füßen festgekettet im Limburger Gefängnis und wurde erst am 12. März 1725, zwei Tage nach seiner Verurteilung zum Tode, unter starker Bewachung (22 Mann!) nach Alensberg gebracht, wo er hinter der Burg im Beisein einer großen Menschenmenge enthauptet wurde. Der ebenfalls zum Tode verurteilte Simon wurde am folgenden Tage in Gemmenich, am ”Witte Weg”, auf der Flur ”Hamiot” gehängt; die Leiche wurde anschließend verbrannt. EV Ti Zn DE a A 4 EEE SD a { | DEN EN x A EEE aA = a Rs DE BE: ER Eee } Ca Kg } Ma a AEEN \ DET a 5 0 N Vo WE BT EEE Se 2652 aan BEE ER A A ae Ti Ber 5 Rs Ma EL Aa C. LAT Ja SE HS Are En De 0 X, FL a N A a RM FE MEET LS Es nagt der Zahn der Zeit am Turm von Alensberg ... X Foto A. Jansen (1988) Quellen: G. Poswick, Les Delices du Duche de Limbourg, S. 253 ff. Dr. Lens, Une histoire de brigands 4 Gemmenich en 1924, Dison 1948.
12 . Das neutrale Gebiet von Moresnet ° (Kelmis) zu Anfang des 20. Jh. von Jos. Heuschen Das durch den Wiener Kongreß und den Vertrag von Aachen 1815 bzw. 1816 entstandene Provisorium ”Neutral-Moresnet”, ein Gebiet von 344 ha westlich von Aachen, war durch seine reichhalti- gen Galmeivorkommen zum Zankapfel zwischen Preußen und Hol- land bzw. Belgien geworden und in der Folge mehr als 100 Jahre streitiges Territorium, wo beide Mächte gemeinsam ihre Hoheit aus- übten, die Belgier durch den Bezirkskommissar von Verviers und die Preußen durch den Landrat von Eupen vertreten. Um die Jahr- hundertwende setzte sich die Einwohnerschaft Neutral-Moresnets wie folgt zusammen: je 35% Belgier und Deutsche, je 15% Hollän- der und Neutrale. Als ”Neutrale” galten die Nachfahren der 1816 im Gebiet ansässigen Bürger. Die Einwohnerzahl lag bei etwa 3.000, von denen die meisten katholisch, nur wenige evangelisch oder an- dersgläubig waren. Bei den Messen wurde zweimal gesammelt: der erste Rundgang mit dem Beutel war für die Belange der Kirche, der zweite für den Vinzenzverein. WE | "ae 2520207 a aa 22h AU KW N RL DeutrsauAND: 8 a 7 = NioerLAND N RAUGEBIET. N Sa EVEN = nn Pa EEE N 5 & 2) Pl “8 AN U 1 A 0 7) Grußkarte vom Dreiländer-Eck und dem neutralen Gebiet von Moresnet, abgestempelt in Moresnet, am 11.12.1908
13 Neutral-Moresnet war von Preußisch- und Belgisch-Moresnet begrenzt. An der deutschen Seite verlief die Grenze wie folgt: Jä- gerpfuhl, Bruch, Chaussee, Hattig, Käskorb, Heidkopf. Dann durch den Wald bis zur Gemmenicher Grenze. Die belgische Grenze verlief von Jägerpfuhl - Hof - Heide -Rott - Bau Rue Bach (Roter Bach) - Brandenhövel - Vossölder und durch den Wald bis an die Gemmenicher Grenze. An beiden Seiten der ”Pavei” standen Zollbeamte, in hiesiger Mundart ”Haagedrieter” oder ”Heckenscheißer” genannt. Das deut- sche Zollamt war an der Tülje, das belgische ”Bureau des Douanes” befand sich auf Boschhausen (Belgisch Moresnet). Das Gebiet weist eine Länge von 6-7 km. bei einer Breite von 1,5 bis 2 km. auf. Kern des Dorfes waren die Kapellstraße, Hasard, Kirchstraße, Vons- und Thimstraße. Sie bildeten das ganze Straßennetz. Die sonstigen Ortsteile, Weiler und Gehöfte hießen: Jäger- pfuhl, Hof, Mühle, Hagevür, Schlack, Vogelsang, Krickelstein, Pu- tes, Rott, Bau, Driesch, Bottschet, Dörnchen, Bott, Vons, Tanne- boom, Eckestock, Wovskoul, Rue Bach (Roter Bach), Brandenhö- vel, Vossölder, Ossekop, Comout, Soufflet, Steekoul, Rur, Hijkop, Kieskörv, Kahn, Hattig, Sandkoul, Kluet, Heygrave. Zu diesen Ortsteilen führten nur Wege mit Karrenspuren von 10-15 cm. An beiden Seiten derselben lief ein Wassergraben. Es war ein schönes Dorf mit grünen Wiesen, Korn- und Kar- toffelfeldern, mit schönen hohen Bäumen (Eichen - Eschen - Bu- chen). Hohe Hecken umsäumten die Wiesen und sorgten im Sommer mit ihren weißen Blüten für einen herrlichen Anblick. An der süd- westlichen Ortsgrenze (als Wasserlauf) floß die Göhl (Gueule), nach Aufnahme des Groetbaches, Hof und Hechter entlang auf Mores- net zu. Ein weiterer Wasserlauf, ”Rue Bach” (Roter Bach) genannt, entsprang in der Ruhr, durchfloß Teckenbusch und Wolfskoul und gelangte auf das Gebiet von Belgisch-Moresnet. Beim Spaziergang durch’s Dorf konnte man vor und hinter je- dem Haus ein großes Faß erblicken, grün, rot oder braun gestri- chen und von schwarzen Eisenbändern umfaßt. Man muß beden- ken, daß es damals noch keine Wasserleitung gab; die Leute mußten sich mit einem Brunnen oder mit öffentlichen Wasserpumpen be- gnügen. Mehrere mußten bis zu einer Viertelstunde gehen, um ein paar Eimer Trinkwasser zu holen. Die meisten aber brauchten, selbst zum Trinken, Regenwasser. | |
14 A Alte Postkarte von Neutrai-Moresnet (vor 1914). Die Karte steht auf dem Kopf! Elektrisches Licht gab es auch nicht, mithin auch keine Straßenbeleuchtung. Die Leute hatten nur kleine Petroleumlampen an der Wand hängen; die ältere Generation verfügte selbst nur über ein Öllämpchen. Das Leben war viel einfacher und primitiver als heute, und dennoch waren Alt und Jung zufrieden. Geheizt wurde meist mit Holz und Briketts. Die Ausstattung der Wohnung war einfach. Es gab welche, die noch nicht mal über einen Schrank ver- fügten: in der Küche hatten sie eine Etagere (Regal) gebastelt, wo sie Teller und Tassen unterstellten; dies alles wurde durch einen Vor- hang verdeckt. Die Kessel standen unter der Etagere. Als Kleider- schrank war ein Brett an der Mauer befestigt, an welches die Kleider aufgehängt wurden. Auch diese ”Garderoben” waren durch einen Vorhang verborgen.
17 Hauptsteuerzahler war damals die ”Vieille Montagne”. Die hier beschäftigten Arbeiter kannten keine Arbeitslosigkeit. Die Verwaltung des Werkes lag in Händen von Direktor Char- les Timmerhans. Oberingenieur, bezw. Ingenieure waren die HH. Germay und Loupart. Obersteiger war H. Grignard und Bürochef H. Harrus. Die Buchführung lag in Händen der HH. Nossent, Brandt, Kept und Palm. Als Magazinverwalter war H. Zietzling an- gestellt. Die Arbeiter verdienten damals 4-5 Fr. pro Tag (100-120 Fr. monatlich). Die Löhnung erfolgte in belgischer Währung. Auf der Kelmiser Seite befand sich das Kohlenmagazin, auf deutscher Seite, auf der ”Plaine” das Erzmagazin. Auf sozialem Gebiet hatte das Werk verschiedene Einrichtun- gen ins Leben gerufen. So entstand in Cointe ein Haus, wo die Pen- sionierten ihren Lebensabend verbringen konnten. Beim Tode eines Familienoberhauptes konnten die Kinder, d.h. die Mädchen unter 16 Jahren, ebenfalls dort untergebracht werden. Hier wurden sie ausgebildet und erlernten außerdem den Haushalt; dies alles unentgeltlich. Die Gesellschaft hatte auch eine Betriebskrankenkasse ins Le- ben gerufen. Die ersten drei Krankheitstage wurden jedoch nicht entschädigt. Die Arbeiter, die in den Ruhestand getreten waren, erhielten eine kleine Pension. Beim Erwerb eines Eigenheimes stellte die Ge- sellschaft ihrem Personal das Kapital zur Verfügung, und zwar zu einem geringen Zinssatz. Den Arbeitern wurden auch Kohlen, Speck und Wein zum Einkaufspreis angeboten. Die ”Vieille Montagne” trug die Unterhaltskosten des Pfarr- amtes, des Klosters ”Notre Dame” in der Kirchstraße, des Schüt- zenlokals und der Lindenallee, die sich noch im ihrem Besitz befand. Die Aufbereitungsanlagen der Gesellschaft befanden sich auf deutscher Seite. Von hier aus führten Schienen zu der Grube ”Schmalgraf”; eine kleine Maschine zog die Loren zum Stollen auf Lontzener Gebiet. Hier war Clott Betriebsleiter und Blissenbach Steiger. Auf Eschbroich war H. Westhofen Betriebsleiter. Von dort aus kam das Erz durch denselben Stollen. Nach ”Mützhagen” fuhr schon eine kleine Lokomotive. Das Gleis lag längs der Chaussee auf deutscher Seite. Hier hieß der Be- triebsleiter H. Strobel. Nach Lontzen führte eine Drahtseilbahn. Der dortige Betriebsleiter war ebenfalls H. Westhofen.
18 Auch zur Grube Fossey führten Gleise. Hierüber wurden die Transporte durch Pferde ausgeführt (6-8 schwere Brabanter Pferde waren in den Stallungen auf der Chaussee untergebracht.) Betriebs- leiter war hier mein Vater, Hubert Heuschen, der sich vom Berg- mann bis zum Steiger emporgearbeitet hatte. In der Aufbereitungsanstalt war H. Markstein Betriebsleiter und H. Dechesne Meister. Hier und auf der ”Plaine” (Erzlager) war H. Hock6 Chef. Jeden Tag lief ein Zug in den Bahnhof ein. Er brachte Kohlen und sonstiges Material für die Gesellschaft ”Vieille Montag- ne” und nahm das Erz für ”Oberhausen” und ”Balen Wezel” mit. Er beförderte auch Kohlen, Kartoffeln usw. für die Bewohner. In der näheren Umgebung des Bahnhofes befanden sich sie- . ben Kneipen, die als Nebenbeschäftigung betrieben wurden. Außerdem zählte die Ortschaft noch 30-40 weitere Wirtschaften. Es gab auch viele selbständige Handwerker, wie Schreiner, Schuster (Duyckers, Dahlen, Steckenbiegler, Mathar, Fryns), Dach- decker (Vaessen, Niessen und Rocks), Bäcker (Boc, Timmermann, Creutz, Gouder de Beauregard), einen Schmied (Franssen’s Schmie- de stand in der Koul), Näherinnen (Emonds), Büglerinnen, usw. Zu dieser Zeit hatten sich zwei Schnapsbrennereien hier nie- dergelassen. Sie lagen an den vorgenannten Wasserläufen, die eine von Harry am ”Rue Bach”, die andere in der Wolfskoul (Likobs). 0 502 2 | a3 Dieses in der Moresneter Str. gelegene u. 1902 erbaute Gebäude diente der Schnapsbrennerei ”Rue Bach” als Fabrikationsräume, Ab 1927 Herstellungsräume der ”Altenberger Mineralwasser- und Limonadenanstalt P. Magermans” bis 10.5.1940. Aufnahme 1931. Kamin abgerissen Februar 1964.
19 Klein führte eine Schwarzbrennerei. Damals mußten die Arbeiter ei- ne zwölf Stunden-Schicht machen und waren, je nach Lage des Ar- beitsplatzes, bis zu vierzehn Stunden von zu Hause fort. | | ee — ZA N — SE . 5 2. a | b A A ' NZ) ED En Ku Flaschenetiketten der Firma P. Magermans Die meisten waren bei der Gesellschaft ”Vieille Montagne” be- schäftigt, andere bei der Firma Bruch (Filztuchfabrik), bei Nören- berg an der Rochuskapelle, bei Braun (Hammer), bei Kirschgens (Hergenrath), bei Eckmeyer (Hammermühle), in der Steingrube Her- genrath, bei Paquot (Bleyberg) oder in Aachen (im Camp). Zu der Zeit mußten die Frauen hart arbeiten; sie waren von morgens 5 Uhr bis abends 10 Uhr ununterbrochen tätig. Sie führten den Haushalt, sorgten für Holz und Kohlen, man sah noch viele Frauen mit der Schubkarre alles zusammenholen. In jeder Familie gab es Tierhaltung: Hühner, Kaninchen, Schafe, Ziegen und Schweine; dies alles mußte neben dem Gemüsegarten versorgt wer- den Man sah noch Frauen mit einer Ziege oder einem Schaf an der Leine am Straßenrand spazieren. Dabei trugen sie selbst immer et- was zum Stricken bei sich. Damals konnten die Frauen nach der Heirat nicht weiter arbei- ten. Deshalb strickten sie für andere und sorgten somit für einen kleinen Nebenverdienst. Maschinen kannte man noch nicht; alles mußte mit der Hand gemacht werden.
20 Die Geschäfte waren von morgens 5 Uhr bis abends 10 Uhr ge- öffnet. Der Sonntag war ein wahrer Feiertag. Geschlossen ging die Familie zur Messe und zur Vesper. Bei schönem Wetter sah man die Männer beim Kartenspiel oder ”bouchonge”. Bei letztgenanntem Spiel wurde mit Wurfscheiben auf Korken (frz. bouchon) geworfen. Die Frauen dagegen saßen auf einer Bank und schauten zu, hatten aber immer etwas zum Häkeln oder Stricken in der Hand; man sah keine Frau mit einem Roman in der Hand, wie heute. Gerne mach- te man auch mit der Familie einen Spaziergang zum Schützenlokal. Da wurde ”in der Koul” auf Scheiben geschossen und in der Wiese vor’m Lokal war Bogenschießen Trumpf. An verschiedenen Sonnta- gen war auch auf’m Kiosk Musikkonzert der Bergwerks-Kapelle, wozu die Arbeiter der Gesellschaft freien Eintritt hatten. | Als Ärzte fungierten die HH. Geheimrat Dr. Molly (Jans- mühle) und Dr. Xhonneux, Montzen. Kleinere Operationen führte Letzterer im Hause der Patienten durch. - Eine Hebamme war auch schon hier zu finden, und zwar am ”Tannenbaum”. Sie hatte Fremdenzimmer, wo Mädchen aus Deutschland und Holland ihrer Niederkunft entgegenblicken konn- ten. Die Kinder wurden nachher bei Pflegeeltern untergebracht. Verschiedene sind ihr Leben lang hier geblieben, Leute, die in Deutschland, Holland oder Belgien mit dem Gesetz in Konflikt ge- raten waren, wurden hier über die Grenze gesetzt. Zu diesem Zwecke waren zwei Nachtherbergen eingerichtet, die eine bei ”Stammen”, die andere bei ”Klein” in der Vonsstraße. Tombola-Karte der Altenberger St-Paulus-Schützengesellschaft gegr. 1897. } Diese Tombola wurde laut Protokollbuch auf einer Versammlung vom 7. November 1909 beschlossen und bei Gelegenheit des Karnevalsmontagsballs 1910 gezogen.
Z Als Komiker hatten wir hier Peter Herf und Leonard Kohl ge- nannt Nades. Bei kleinen Festen sorgte das Paar Simon Hupper- mann und Fr. Wetzels für Unterhaltung. Der eine spielte Harmoni- ka, die andere sang dabei unter Begleitung ihrer Gitarre. Wenn auch karg, so war das Essen, im Vergleich zu heute, doch viel schmackhafter. Das Vereinsleben war sehr rege. Nachstehend die verschiede- nen Vereine, die ich zu dieser Zeit gekannt habe: 2 Turnvereine (Turngemeinde und Turnverein), 3 Schützengesell- schaften (Barbara-Sebastianus, Paulus- und Hubertusschützen), die Bergwerkskapelle, das freiwillige Musikkorps, Kirchenchor und St. Josephsgesangverein, Ulkgesellschaft, die grüne und die rote Fast- nachtsgesellschaft, der Bergmannsverein, der Taubenverein (früher verfügte nicht jeder Taubenbesitzer über eine Uhr, um die durch die Taube geflogene Zeit zu ermessen; deshalb hatte jeder Taubenbesit- zer seinen Läufer; dieser brachte die Taube in einem Beutel bis zum Vereinslokal, wo eine Standuhr die gebrauchte Zeit ermessen konn- te. Das Vereinslokal befand sich bei ”Meessen Fritz” an der Vons). Um in den Verein ”Panoptikum” als Mitglied aufgenommen zu werden, mußte der Postulant, ohne die Flasche abzusetzen, ein Viertel Schnaps, Marke ”Rue Bach”, trinken. Die Kelmiser Kirmes fand damals wie auch heute noch am Sonntag nach Mariä Geburt statt, und zwar auf ”Hasard” (Chaussee). Den deutschen und belgischen Soldaten merkte man keine Feindseligkeit an; sie verbrachten ihren Urlaub im gemeinsamen Freundeskreis. Die Deutschen wurden in Monschau gemustert; die Belgier mußten in Moresnet ihr ”Los ziehen”. Da in Belgien nur eine gewisse Anzahl Rekruten in Frage kamen, wurden die Dienstpflich- tigen durch das Los bestimmt, wobei jedoch die Möglichkeit bestand, einen ”remplacant”, d.h. einen Ersatzmann, zu stellen, was natür- lich, da dieser bezahlt werden mußte, nur für die Reichen in Frage kam. An der Spielbank im Hotel ”Bergerhoff”, jetzt ”Select”, sah ich das erste Auto. Der erste Kelmiser, der ein Fahrrad sein eigen nen- nen konnte, war H. Gehlen. Das Gefährt hatte vorn ein großes und hinten ein kleines Rad. Eine Besonderheit war es in Kelmis, wenn zwei in wilder Ehe lebten. Für diese Art des Zusammenlebens wurde ”Katzenmusik” veranstaltet. Eine Clique rief die Burschen auf der Straße zusam- men; alles, was an alten Instrumenten, Deckeln, Eimern, Töpfen usw. zusammengerafft werden konnte, wurde benutzt, um mög- lichst viel ohrenbetäubenden Lärm und Radau zu machen.
22 Dies dauerte bis zum Eintreffen der Gendarmerie oder der Po- lizei. Vorher hatten die Teilnehmer jedoch schon ihre ”Instrumen- te” in die Büsche geworfen, so daß die Polizei immer nur friedlieben- de Spaziergänger antraf. Ich habe erlebt, wie die erste Uhr in den Kirchturm montiert wurde und wie sie im vergangenen Jahr beleuchtet wurde. Auf der ”Schlammwäsche” war ebenfalls eine öffentliche Uhr angebracht, und zwar im kleinen Turm. Ihre Zifferblätter zeigten auf den verschiedenen Seiten die deutsche, belgische und holländi- sche Zeit an. Die deutsche Zeit war der belgischen immer eine Stun- de, die holländische der belgischen 20 Minuten voraus. Diese Aufzeichnungen, die ich am liebsten in Kelmiser Mun- , dart geschrieben hätte, habe ich als ältester Bewohner von Kelmis im Alter von 96 Jahren für meine Kinder gemacht, in der Hoffnung, daß sie weiterhin engstens mit ihrer Heimat verbunden bleiben. April 1986
23 Die Kelmiser ”’Patronage”’, auch ”’Stiftung Schoenauen’”” genannt von Alfred Bertha In der N". 41 dieser Zeitschrift ist unser Mitarbeiter Peter Claes ausführlich auf die Entstehung der ”Patronage” in Kelmis eingegan- gen. Eine Frage blieb dabei offen: Weshalb trägt dieser Bau die Be- zeichnung ”Stiftung Schoenauen”? Dies wollen wir hier kurz erläu- tern. Am 3. April 1909 starb zu Aubel die aus Kelmis stammende Catherine Schoenauen, Witwe von Jean-Pierre Debie. Die Erben, Philippe Pirenne und seine Ehefrau Maria Debie, waren bereit, eine ihnen in Kelmis zugefallene Parzelle an ”Vons Ossenkopf” von 38 ar für den Bau eines Pfarrheimes zur Verfügung zu stellen. Aller- dings verknüpften si€ mit ihrer Schenkung einige Bedingungen, und zwar sollte 1) an gut sichtbarer Stelle des Neubaus ein Stein mit der Inschrift ”Stiftung Schoenauen’”” angebracht werden; 2) jährlich und auf alle Zeiten am 30. April, dem Sterbetag der Ca- therine Schoenauen, oder am nächstliegenden Sonntag ein Hoch- amt mit Chorgesang und sakramentalem Segen für die Seelenru- he der Verkäufer unter dem Namen ”Familie Schoenauen” zele- briert werden; 3) den Stiftern bis zu ihrem Tode eine jährliche Rente von 135 F zustehen. Die Stiftung wurde am 18.3.1910 in Aubel vor Notar Joseph Nols beurkundet. Der Kelmiser Pfarrer Guillaume Kept, seine bei- den Kapläne Henri Bosch und Joseph Simons sowie die Herren Adam Schumacher-Klebanck und Nicolas Emonds-Leclercq, beide aus Kelmis, wurden Eigentümer genannter Bauparzelle, auf der kurz darauf mit dem Bau der ”Patronage” begonnen wurde, die An- fang Mai 1911 bezugsfertig war. Kaplan Bosch, die Seele des Unter- nehmens, war am 15. November 1910 nach kurzer Krankheit ver- storben. Am 6. Oktober 1924 wurde die ”Patronage” durch die vorge- nannten Geistlichen Kept und Simons, inzwischen in Baelen bzw. La Clouse (Aubel) tätig, sowie den Herren Schumacher und Emonds, Letzterer mittlerweile in Moresnet ansässig, mit allen daran anklebenden Verpflichtungen auf die am 10. Dezember 1923 gegründete ”Vereinigung ohne Erwerbszweck (VoE) Pfarrwerke Kelmis” übertragen.
25 Eynatten anno dazumal... Ein Streifzug durch das Korrespondenzblatt des Kreises Eupen von Erich Barth Anschließend zu unseren Ausführungen in der vorigen Num- mer dieser Zeitschrift möchten wir noch einmal die Zeitungen von einst, das ”Korrespondenzblatt des Kreises Eupen”, nach längst ver- gangenen Begebenheiten aus unserer Ortschaft durchstöbern. Wie schon im letzten Beitrag erwähnt, stand das Korrespondenzblatt nach Inhalt, Umfang und Format in keinem Vergleich zu den heuti- gen Tageszeitungen. Es war eben eine gänzlich andere Zeit im vori- gen Jahrhundert, die sogenannte ”gute alte Zeit”. Das damalige Straßennetz war in schlechtem Zustand. Da, wo heute unsere mo- dernen Autos oftmals bedeutend schneller als nötig dahinbrausen, quälten sich damals die Pferdefuhrwerke mühsam durch Schlamm und Schlaglöcher, Eine bedeutende Verbesserung gab es nach dem Bau der ”Aktienstraße” von Eupen über Kettenis nach Eynatten in Richtung Linzenshäuschen und weiter nach Aachen in den Jahren 1826-1828. Diese Aktienstraße wird im Korrespondenzblatt oftmals ”neue Straße” genannt. Der ”alte Weg” nach Aachen dagegen ist der über den Johberg führende heutige landwirtschaftliche Weg, der am Ortseingang in die jetzige Hauseter Straße mündet. Damals nannte man dieses Gebiet und Straßenstück ”Stangs”. Vor der Brücke, unweit des Vlattenhauses, die aber erst 1848 gebaut wurde, verlief der alte Weg nach Aachen westlich der Wasserburgen Vlat- tenhaus und Herrenhaus zur Eynattener Mühle und von dort wei- ter in Richtung Linzenshäuschen nach Aachen. Etliche Jahre später wurde dann der Ausbau der alten Karrenwege nach Raeren (1839), nach Hauset (1848) und nach Lichtenbusch (1862) vorgenommen. Dieser Wegeausbau kostete allerdings viel Geld und aus diesem Grunde wurden allein in unserer Ortschaft drei Wegegeldzahlstellen errichtet; man nannte sie ”Barrieren”. Die Zahlstelle für die Fuhr- werke oder Viehherden in Richtung Raeren befand sich am ehema- ligen ”Gasthof zur Post”, von der Gemeindegrenze Raeren nach Ey- | natten in der ehemaligen Schenkwirtschaft Croe (Rovert), und für | die Benutzung der ”neuen Straße” (Eupen-Aachen) mußte die Ge- bühr in einem Gebäudeteil des landwirtschaftlichen Anwesens des | ”Herrenhauses” (Franssen von Cortenbach) entrichtet werden. Aber nicht nur mit Pferd und Wagen versuchten unsere Vorfahren |
26 ihr Ziel zu erreichen, auch die eigenen Füße mußten herhalten. Eine für uns heutige Menschen kaum glaubhafte Kilometerzahl an Fußmärschen wurde Tag für Tag zurückgelegt. Beim Betrachten al- ter Landkarten von Eynatten ist man erstaunt über die Vielzahl der eingezeichneten Fußwege. Nach diesen Betrachtungen wollen wir nun aber wieder die Anzeigen und Bekanntmachungen der damaligen Zeitung ”erzäh- len” lassen: Nr 3 - Freitag, den 15. Januar 1836 ”Die Gemeinde Eynatten beabsichtigt das dasige alte Gemein- dehaus nebst Spritzen-Remise und daran stoßendem Garten und ei- nem Garten mit zweien daran grenzenden Grundparzellen an dem . Fahrweg nach der Stansch zu veräußern; ferner: 1 Parzelle(n) am Kerres-Busch, 13 im Gostert, 1 am Buschhaus, 1 im Wasserbend, 3 in der Eynatter-Heide, 5 in der Hepscheider-Heide, 2 im Bruch, 6 in der alten Straße, 1 an der Windmühle öffentlich zu verkaufen. Diejenigen, welche gegen diese projektirte Veräußerung ge- gründete Einsprüche haben möchten, wollen dem Unterzeichneten solche bis zum 13. Februar hierselbst, oder an eben diesem Tage Morgens von 9-12 Uhr auf dem Bürgermeisteramte zu Eynatten schriftlich einhändigen, woselbst auch die Situations-Pläne zur Ein- sicht offen liegen. Nach abgelaufener Frist kann auf keine Opposition mehr Rücksicht genommen werden Walhorn, den 11. Januar 1836. Der Bürgermeister, Vanden Daele.” * x N" 4 - Freitag, den 22. Januar 1836 ”Auf Ansuchen von mehreren Betheiligten wird der in N" 3 dieses Blattes auf den 28. Jan. 1836 angekündigte große Holzver- kauf, bestehend in 135 Loose schwere Eichen-, Buchen-, Espen- Bäume etc nicht an diesem Tage sondern am Montag, den 1. Fe- bruar 1936, Morgens um 10 Uhr, in der Wohnung des Schenk- wirthes Franz Bosten zu Eynatten, auf Kredit gegen Bürgschaft ab- gehalten werden. Von diesen Loosen stehen 52 unter Hauset und 83 unter Ey- natten; und es ertheilen darüber, wo die Stämme stehen, Auskunft: die Pächter Nikol. Riemus zu Neuenhoff und Wyngartz zu Hauset. Der Gerichtsschreiber, Kofferath.”
27 N" 14 - Freitag, den 1. April 1836 ”Auf Ansuchen des Heinr. Flaß und in dessen Wohnung zu Eynatten, auf dem Gute Raaf, sollen Donnerstag, den 14. April d.J., Morgens 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Notar, auf Kredit öffent- lich verkauft werden: 12 Kühe, 4 Rinder, 8 Faselschweine, 2 Pferde, worunter ein 4 jähriges, 1 zweijähriges Füllen, 1 schöner Kettenhund, 450 Scheffel guter Haffer, 200 Pfd. Kleesaamen, sämtliches Pferdegeschirr, 3 Karren, Rittsche, Fruchtmühle, Pflug, Egge, mehrere Bienenstöcke nebst Gestelle, endlich alles Kellergeräthe, alles Kupfer und Zinn und alle übrigen Hausmobilien ohne Ausnahme. Schüller.” (Anzeigen obiger Art, in denen alles angeboten wurde, findet man immer wieder, auch in anderen Ortschaften. Es stellt sich des- halb die Frage: Wurde hier der landwirtschaftliche Betrieb endgültig aufgegeben oder suchte der Landwirt nur einen neuen Pachthof? Wenn ja, dann hätte er dort wieder alles Nötige neu anschaffen müs- sen. - Besitzer des Gutes Raaff war damals übrigens J.A. Coenen, wohnhaft im Herrenhause (Trouet) an der Eupener Straße. Er war Besitzer mehrerer Güter in der hiesigen Gegend.) * N" 46 - Freitag, den 11. November 1836 Verkauf resp. Verpachtung. Auf Anstehen des Schenkwirthes Hrn. Pet. Jos. Wertz sollen in dessen Wohnung zu Eynatten, Montag, den 21. Nov. d.J., Mor- gens 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Notar, unter sehr annehmba- ren Bedingungen, öffentlich verkauft, bei nicht stattfindendem Ver- kaufe, öffentlich verpachtet werden die nachverzeichneten, in der Gemeinde Eynatten gelegenen Realitäten: 1) dessen nächst der Kirche gelegenes Wohnhaus mit Backhaus und Bierbrauerei, angrenzenden Garten u. Hauswiese, im Ganzen circa 2 Morg.; | 2) ein Haus nebst Garten und Hauswiese, neben Hrn. Coenen und Gemeindeweg, am Nellessen-Häuschen, im Ganzen circa 2 Morgen; | 3) eine Wiese, am Orte Rothaus neben Gemeindewald, von 5 Mor- gen 124 R. 60 F.; 4) eine Parzelle Ackerland, der Siegel genannt, neben Herrn Coenen und Lamberts, von 2 Morgen 101 Ruth. 20 Fuß; 5) Wiese, am Busch neben Friedr. Lamberts, von 166 Ruth. Schüller.”
28 N" 48 - Freitag, den 28. November 1834 ”Auf Anstehen des Eingenthümers Herrn J. Aloys Wertz zu Eynatten, sollen die nachbeschriebenen, in der Gemeinde Eynatten gelegenen Immobilien vor dem unterzeichneten Notar öffentlich verkauft werden: 1. Das zu Eynatten an der neuen Landstraße gelegene und zu jedem Geschäfte geeignete Gut, genannt der Pütz, nebst da- zu gehörigen Oekonomie-Gebäuden und Gründen, im Gan- zen an Flächeninhalt 70 Morg., 70 Ruth. Re Ein darneben gelegenes Wohnhaus, nebst Stallung, Brau- haus und Garten, an Flächeninhalt 46 Ruth., 60 Fuß. cm Das Gut, genannt Hornay, nebst dazu gehörigen Stallungen - und Gründen, an der Straße von Eupen nach Corneli- Münster gelegen, im Ganzen an Flächeninhalt 60 Morg. 4. Eine im Dorfe Eynaten an der neuen Landstraße gelegene, zur Baustelle geeignete Wiese, genannt Kerreshöfchen, groß 97 Ruth., 30 Fuß. Die Ausstellung zum Verkaufe ist bestimmt auf Montag, den 22. Dezember d.J., Vormittags 10 Uhr, in der Wohnung des Schenk- wirthes Peter Joseph Wertz zu Eynatten. P.J. Hennen.” x N" 30 - Freitag, den 26. Juli 1839 ”Montag, den 29. Juli, Morgens um 9 Uhr, sollen auf Ansu- chen des Herrn J. Andr. Coenen, Rentner zu Eynatten, in der Woh- nung des Wirthes Herrn Pelzer, an der Barriere daselbst, 10 Loose Korn, stehend am Mausburger Kant, im Eynattener Felde, 5 Loose Weitzen, daselbst, 3 Loose ’Spelz, und 1 Loos Korn, nebst dem daran liegenden Gras, an der Eynattener Kapelle, dann einige Töpfe Apfelsyrop und einige Klafter Holz, am Orte Pütz lie- gend, öffentlich, meistbietend auf Kredit verkauft werden. Der Gerichtsschreiber, Kofferath.” es * * * N" 45 - Freitag, den 8. November 1839 ”Die Verpachtung des Chaussee-Geld-Empfangs und der In- standhaltung der Aktienstraße von der Belgischen Gränze über Eu-
29 pen auf Aachen für den Zeitraum vom ersten künftigen Januar bis 31. Dezember 1843, nämlich der vier Barrieren: 1. an besagter Gränze; 2. zu Kettenis; 3. zu Eynatten und 4. zu Linzenshäuschen, wird am künftigen 20. November, Morgens 10 Uhr, im Lokale des Gastwirthen Hrn. Pelzer zu Eynatten öffentlich und auf Anstehen der Aktien-Gesellschaft besagter Straße durch den Herrn Notar Schüller in einem Loose ausgestellt werden. Das Nähere hierüber ergeben die der Verpachtung zum Grun- de liegenden Bedingungen, welche von jetzt ab bei Herrn Mathias Brossel zur Einsicht der Pachtlustigen offen liegen. Eupen, den 29. October 1839. Die Verwaltungs-Kommission der Atkienstraße.” * * * N" 9 - Freitag, den 28. Februar 1840 ”Zu verpachten und mit dem 1. Mai d. Jahres, oder früher zu beziehen, folgendes zu Eynatten, nahe an der Landstraße von Aa- chen nach Eupen und Verviers, und eben so nahe an dem neuen Wege nach Raeren gelegenes, ganz neu erbautes Haus, der Winkel genannt, enthält 6 Zimmer, Keller und Speicher, anhabend Weiden, Wiesen und Ackerland, im Ganzen 50 bis 60 Morgen. Die näheren Bedingungen erfährt man bei dem Eigentümer J. A. Coenen in Eynatten.” * ok N" 30 - Freitag, den 24. Juli 1840 ”Ich erlaube mir meinen Freunden und Gönnern ergebenst an- zuzeigen, daß ich als Sattler, sowohl für Herren-Arbeit wie auch für Ackersleute, mich hier bei Wittwe Krott in Eynatten N" 24 etablirt habe, verspreche gute Arbeit, prompte Bedienung, äußerst billige Preise und bitte um geneigten Zuspruch. Heinrich Littberg.” * N" 32 - Freitag, den 7. August 1840 ”Öffentlicher Verkauf. Auf Anstehen des Nikolas Heinr. Cremer, soll Donnerstag,
30 den 20. August d. J., Nachmittags 3 Uhr, zu Eynatten, in der Woh- nung des Gastwirthes N. J. Pelzer, vor dem unterzeichneten Notar, zuerst parzellenweise, sodann im Ganzen, öffentlich verkauft wer- den: dessen zu Eynatten belegenes Gut, ”’die Höf”” genannt, bestehend in einem Wohnhause nebst Landwirthschaftsgebäuden, 1 Garten, 1 Baumwiese, 2 Wiesen und 2 Weiden, enthaltend im Ganzen 13 Mrg. 93 Rth. 90 Fuß. Schüller.” ok ) es . S a AM ä - - re A de EB VE u Su ZA 5 2 DE " 03FF a In As A Ak UL en EL Ps OR ED re Das Haus Geron, urspr. Lamberts (Lambrichs) ein stattlicher Bau aus dem Jahre 1734 N" 38 - Freitag, den 18. September 1840 ”BALL am Kirmes-Sonntag, den 27., Montag, den 28. und Dienstag, den 29. September findet Statt bei Franz Bosten, im großen Hause, (Lambrichs-Gebäude genannt), in Eynatten.” (Gemeint ist hier Franz Bosten,.der damals im heutigen Hause Geron, im Volksmund auch ”Alkazar” genannt, an der Lichtenbu- scher Straße wohnte). ok
;. Mittwoch, den 30, Oktober 1839, „Wormittags 10 Uhr pr4zi8, wird in dem Wohn: - Haufe des Saftwirthes Herrn Nikolas Jofeph . Peer zu Eynatten, Kreis Eupen, auf Ans ehen von der Frau Unna Barbara Clara ‚ Perronella Lambridhs, Wittwe des Hın, SJobjann Arnold Keffel, Rentnerin zu Brüffel, und deren Kinder und Enkel, vor dem unterzeidhneten Notar, hierzu kommits tirt dur Urtheil des Königlidhen Landges richt® zu Nacden, am 15. Juli jüngft, zum Öffentliden Verkauf und fhließlidhen Zufchlag fchritten werden: ihrer in der Gemeinde Eynat: M, Nth. F. _ten gelegenen Gebäude und Srundgüter, haftend im Sans zen, dem Katafter gemäß . 100 22 60 und einer in der Gemeinde ; Raeren liegenden Wiefe von 2 59 40 + Im Sanzen . -102 82 „ „oder 29 Bunder 388 Ruthen Lamb. Maaßı Diefes fhöne Landgut, zwifhen Aachen und SCupen, in der Mitte gelegen, befteht aus: a) einem großen herrfhaftlichen Haufe, meldes, wie ale anhabende Gebäude, Scheune und geräumige, Stallungen mit Schiefern bedeckt find; S b) einem Sarten mic. Mauern umgeben; c) einer dahinter liegenden Baumweide mit den vorzüglihften Dbftbäumen bepflanzt, welche dicht an die von Cupen uach Uachen führende neue Straße Aößt, und ; d) drei anderen nächft beiliegenden wohl uns terhaltenen Pächters: Wohnungen. * Ueberhaupt befteht das But aus den beften Gründen der erften und zweiten Klafe von der Gemeinde Cynatten, ] PP. S. Hennen. Verkaufsanzeige des Hauses Geron, Lichtenbuscher Str., im Korr.-Blatt vom 30.10.1839
33 ”Preis-Vogelschießen wird Montag und Dienstag Statt finden. Die Loosung der Nummern beginnen jeden Tag Vormittags 10 Uhr, im Hause der Wittwe Rothheut zu Eynatten.” (Die Witwe Rotheuth könnte die Schwiegermutter des Her- mann Tychon gewesen sein. Nach Überlieferung hat H. Tychon 1832 die Gaststätte an der Gemarkung ”Hövel” übernommen. Er war verheiratet mit Maria Elisabeth Rotheuth. 1884 verstarb H. Tychon im Alter von 78 Jahren; seine Ehefrau bereits im Jahre 1866, 70-jährig. In einer alten Urkunde findet man von dem neben- an liegenden ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen Knops, frü- her Lamberts, die Bezeichnung ”Gütchen Hövel”.) * N" 38 - Freitag, den 18. September 1840 ”Bei Gelegenheit der am 27. September zu Eynatten einfallen- den Kirmes, BALL am Barriere daselbst, bis den 30. September einschließlich, wozu seine Gönner höflichst einladet. N, J. Pelzer.” ”Tanzmusik und Preis-Vogelschießen findet während der Kir- mes zu Eynatten Sonntag, den 27. und Montag, den 28, September, Statt bei Anton Wetten, an der neuen Landstraße unweit Eynatten.” (Hier handelt es sich wieder um die spätere Schenkwirtschaft Thielen im Eynattener Feld). KK N" 48 - Freitag, den 27. November 1840 ”Zu verpachten und mit dem 1. Mai künftigen Jahres zu bezie- hen: das zu Eynatten an der Landstraße von Aachen nach Eupen, und eben so nahe am neuen Wege nach Raeren gelegene Ökonomie- Gebäude, genannt Leuferhof; anhabend einen großen Hof mit einer großen Einfahrt, geräumige Kuh- und Pferdeställe, bisher als Wirthschafts-Gebäude benutzt. Dasselbe hat an Kuhweiden 21 Morgen 64 Ruthen 80 Fuß. An Graswiesen 29 Morgen 138 Ruthen 90 Fuß. An Ackerland 47 Morgen 145 Ruthen 70 Fuß, alle erster klasse. Es befinden sich also im Ganzen an diesem Gebäude circa 100 Morgen. Die näheren Bedingungen erfährt man bei dem Eigent- hümer J. A. Coenen in Eynatten.”
34 Ben saka Sn >. OR + aa Fa e Ye“ BE WAR ak El nd 1 5 1 “= A a —_ f: VE J a an ZT Sn WE A| a el nn, Der ”Leuferhof” (Gut Leuff) gehörte zum ausgedehnten Besitz des J.A. Coenen. N" 48 - Freitag, den 26. November 1841. ”Bäume-Verkauf. Auf Anstehen des Carl Lamberts, zu Homburg, sollen Diens- S tag, den 30. November d.J., Morgens 10 Uhr, zu Eynatten, in der Wohnung des Wirthes Ludwig Wertz, vor dem unterzeichneten No- tar auf Kredit öffentlich verkauft werden: 42 Loose Eichen-, Eschen und Kirschbäume, stehend auf dem unter Eynatten belegenen Gute ”Stangs” genannt, und ein Loos Bäume auf ”Flameree” genannt. Schüller.” * * * N" 43 - Freitag, den 28. Oktober 1842. ”Freiwilliger Haus- und Länderei-Verkauf, Auf Anstehen des zu Eynatten, bei Eupen, wohnenden Stein- hauermeisters Johann Lorenz Göbels, sollen Donnerstag, den 3. November, d.J., Vormittags 10 Uhr, in der Wohnung der Wirthin Jerusalem, zu Eynatten: 1) das zu Eynatten gelegene, von Göbels selbst bewohnte, zur Anla- ge einer Brauerei leicht einzurichtende Haus;
35 2) das daselbst gelegene, von dem Herrn Bürgermeister von Haren- ne bewohnte, mit drei großen Kellern versehene und zum Betrie- be eines beliebigen Geschäftes sehr geeignete Haus; 3) 4 an der Eupener Landstraße gelegene Bauplätze von verschiede- ner Größe, und 4) 20 Morgen Ackerland und Wiesen, gelegen in mehreren Parzel- len zu Eynatten; vor dem Unterzeichneten öffentlich verkauft werden. Weiler, Notar.” * * N" 46 - Freitag, den 18. November 1842. ”Das zu Eynatten gelegene Gut Kerresbusch genannt, beste- hend in Wohnhaus nebst Stallung und 24 Morgen Weiden und Wie- sen, ist zu verkaufen und kann auf Verlangen der ganze Kaufpreis zu 4 1/2 pro Cent Zinsen darauf haften bleiben. Man melde sich bei M. J. Mertens, zu Kettenis.” * xx * Nr 49 - Freitag, den 9. Dezember 1842. ”Unterzeichneter ertheilt den ganzen Winter hindurch, an nachbenannten Tagen, Unterricht im Tanzen: Sonntags nach der Hochmesse bei Bernhard Joseph Creutz, in Rae- ren, - Nach der Vesper bei Johann Wilhelm Emonds, im Rovert an der Landstraße, - Abends um 7 Uhr bei Frau Wittwe Büntgens, in Eynatten, - Montags Abends um 6 Uhr bei Schneidermeister Hellen- brand in Lontzen und Dienstag Abends um 6 Uhr beim Schenk- wirthe Hick, an der alten Landstraße, Herbesthal gegenüber, - wozu ich Freunde und Gönner höflichst einlade. Hubert Falter, Musikant.” * x * N" 14 - Freitag, den 5. April 1844. Bekanntmachung Am Dienstag, den 9. April dieses Jahres, Vormittags 10 Uhr, wird in der Wohnung der Schenkwirthin Ehefrau Jerusalem zu Ey- natten, das der hiesigen Gemeinde zugehörige, einerseits an der Aachen-Eupener Chaussee und andererseits an der Hauptdorf- straße hier zu Eynatten belegene, bis Dato als Vikarie be- nutzte, wegen seiner vorteilhaften Lage aber zum Betriebe jedes Geschäftes geeignete Haus, mit anhabenden Stallungen und Gar- ten, das Ganze einen Flächenraum von 25 Ruthen 90 Fuß enthal-
36 tend, öffentlich zum Verkauf ausgestellt, und können die desfallsi- gen Bedingungen von heute ab, bei dem Unterzeichneten eingese- hen werden. Eynatten, den 21. März 1844. Der Bürgermeister, v. Harenne.” * * * Einige Erläuterungen: Die Schenkwirtschaft des Peter Josef und später des Ludwig Wertz, gelegen an der Kirche, dient heute nur noch als Wohnhaus (Chr. Nicoll). - Die Wirtschaft Jerusalem und die ”Barriere” an der Aktienstraße (Aachener Straße) befanden sich in den Wirtschaftsgebäuden des Gutes vom ”Herrenhaus” (Fr. Boffenrath sen.). Das alte Vikariegebäude an der Aachen-Eupener . Chaussee und gleichzeitig an der ”Hauptdorfstraße” (Lichtenbu- scher Straße) gelegen, trägt heute die Hausnummer 3 (Haus neben Metzgerei Quadt). Noch im selben Jahre (1844) wurde eine neue Vi- karie gebaut (das heutige Pfarrheim am Kirchplatz).
37 Heiliger mit dem Rost von M.Th. Weinert Ein kleiner Heiliger aus Holz - sein Antlitz lächelt leise - Jahrhunderte wie auf der Reise trägt er den Rost als Krücke, den Rost als Werkzeug seiner Qual, auf dem er lag und brennen mußte als flammend Mal. Doch ward’ der Rost ihm eine Brücke, die trug ihn heim in jenes Licht, von dem er ahnend immer wußte, es kam von Gottes Angesicht. Dies Wissen macht sein Lächeln weise, die Menschen kommen und vergehn, die zu ihm aufschaun auf der Reise, und die versuchen zu verstehn den kleinen Heiligen aus Holz, sein freudig lächelndes Gesicht und seine tiefe Zuversicht.
38 Die Glocken läuten im Limburger Land von Walter Meven In einem Rechnungsbuch der Brüsseler Rechnungskammer (1) aus dem 15. Jahrhundert findet sich eine Eintragung des Rentmei- sters die für die Kirchengeschichte unseres Gebietes von nicht uner- heblicher Bedeutung ist. . Leider ist die Kirchengeschichte der nördlichen Teile unseres Raumes sehr schlecht dokumentiert, weil hier die Zeitläufte ganz er- hebliche Verluste an Archivgut zur Folge hatten. Auch im Bistum Lüttich gab es als Unterorganisation die sogenannten Erzdiakonate, denen ein Erzdiakon vorstand. Während die Orte nördlich der Tras- se der Landstraße Aachen - Lüttich zum Erzdiakonat Hasbanien mit dem Amtssitz in Maastricht gehörten, waren die südlichen Orte dem Erzdiakonat Condroz zugeordnet. Hier läßt sich die kirchliche Rechtskonstruktion - Mutterkirche - Filialkirche - eindeutig belegen, während dies für die zu Hasbanien gehörenden Kirchen und Kapel- len nicht immer möglich ist. Der Erzdiakon, der dem Status nach dem heutigen Weihbischof entsprach, hatte, zum Beispiel, im Auf- trage des Diözesanbischofs die Visitationen der kirchlichen Einrich- tungen durchzuführen. Protokolle, soweit sie uns noch vorliegen, er- lauben uns interessante Einblicke in das kirchliche Leben von da- mals. Obschon die meisten unserer heutigen Kirchen und Kapellen auf frühgeschichtlich besiedelten Plätzen errichtet wurden, sind die systematischen archäologischen Forschungen auf den Zufall eines technischen Erfordernisses beschränkt geblieben, wenn es beispiels- weise Umbaumaßnahmen oder der Einbau einer neuen Heizungsan- lage möglich machten. Neben Skeletteilen - Kaiser Josef II. hat übri- gens die Beerdigungen im Kirchenraum untersagt - stößt man hin und wieder auf Fundamentreste von Vorgängeranlagen, die nur dem berufenen Fachmann einen Rückschluß auf das tatsächliche Alter dieser Funde möglich machen und es ihm erlauben, dieselben nach wissenschaftlichen Erkenntnissen zu verzeichnen. Nicht selten werden solche Bodendenkmäler in Sorge um den stockenden Bau- fortschritt der Aufmerksamkeit des Fachmannes und damit auch der Öffentlichkeit entzogen. Die Fundstücke gelangen dann in die (9 A.G.R., Rechnungskammer Brabant.
39 Hand von Sammlern, die sie später in Unkenntnis ihres kunsthistori- schen Wertes gewissenlos veräußern. Um so mehr freuen wir uns, den Zufallsfund der obenerwähn- ten Eintragungen im Limburger Rechnungsbuch hier einer näheren Betrachtung unterziehen zu können. Dem Inhalt entnehmen wir, daß es aus Anlaß des Todes eines Landesherrn üblich war, mit sämt- lichen Glocken über 3 Tage zu läuten. Die Glocke als eines der ältesten Nachrichtenmittel verkündete seit erdenklichen Zeiten durch ihr Läuten Freud’ und Leid im kirch- lichen wie im profanen Bereich. Anfang und Ende des Gottesdien- stes verkündete sie, aber auch andere religiöse Handlungen, zum Beispiel Begräbnisse, begleitete sie mit ihrem Klang. Bis heute zu mahnen die Glocken uns, was die Stunde geschlagen hat. Früher kam ihnen im profanen Bereich durch schnelles, ungewöhnliches Anschlagen die Aufgabe zu, die Menschen vor einer drohenden Ge- fahr zu warnen und durch Sturmgeläut bei nahendem Feind die Umwohner zu den Waffen zu rufen. Eine Zeitlang glaubte man so- gar, durch Glockengeläut ein drohendes Gewitter abwenden zu können. Kleine Glocken waren bereits zu religiösen Zwecken im Alter- tum bekannt. Zu Nola in Kampanien, am Golf von Neapel, soll Bi- schof Paulinus bereits im 4. Jahrhundert Kirchenglocken eingeführt haben. Die ältesten uns bekannten Glocken befinden sich in Köln und Bad Hersfeld. In einem Kölner Museum lagert eine aus dem Jahre 613 und führt den wenig schönen Namen ”Saufang”. Die in Bad Hersfeld benutzte ”Lullus-Glocke” stammt aus dem Jahre 1059. Die frühesten Glocken in unserer engeren Heimat gehörten zum Geläute der Aachener St. Peterskirche; Montzen besitzt eine Glocke aus dem Jahre 1392 und Eynatten eine solche aus dem Jahre 1467. Leider ist ihre gleichaltrige Schwester im Jahre 1953 gebor- sten. Schade, daß man sich ihres kunst- und kulturhistorischen Wer- tes nicht bewußt wurde und sie der Nachwelt erhalten hat. Sie wur- den kurzerhand eingeschmolzen und umgegossen. Leider ist die eben erwähnte, aus dem Ende des 13. Jh. stammende Glocke der Pfarrkirche St. Peter im Inferno des letzten Luftkrieges geschmol- zen. Eine weitere, nicht datierte Glocke hohen Alters, die erst jüngst aus der Glockenstube ihres Turmes heruntergenommen wur- de und vor der Kirche Aufstellung gefunden hat, befindet sich in Moresnet. Ihre Inschrift -O REX GLORIAE VENI CUM PAECE (O König der Herrlichkeit, komme mit Frieden) - verrät, als einer
40 der ältesten Glockenweihesprüche überhaupt, ihr bedeutendes Alter. Es ist jedoch gerade bei dieser Glocke ein immer wie- der gern geübter Trugschluß, aus dieser Inschrift ein lateinisches Chronogramm mit der Jahreszahl 1272 - bei vermeintlich richtiger Lesart 1262 - herauszulesen. Die Gepflogenheit, Chronogramme in . M 1A?” a “ 2. ns SE Älteste Moresneter Glocke (13 Jh. ?). ”QO REX GLORIAE, VENI CUM PAECE”. christliche Sinnsprüche einzubeziehen, ist erst im Zeitalter des Ba- rock in Gebrauch gekommen, für diese Glocke also keineswegs zu- treffend. Vielmehr erlaubt ein eben erst angestellter Form- und De- korvergleich allenfalls die nicht belegbare Aussage, daß sie zur glei- chen Zeit wie ihre Montzener Schwester, welche den gleichen Sinn- spruch und die Jahresahl 1392 trägt, entstanden ist und möglicher- weise vom gleichen Gießer stammt. Darüber hinaus läßt das Schrift- bild romanische Stilelemente erkennen. Während des letzten Welt- krieges wurde auch diese Glocke zum Einschmelzen in ein Hambur-
41 PN 2 A BO | rl : 7 O SS Da ‚8 4 Montzen 1392, ger Buntmetallager (-”Glockenfriedhof”-) verbracht. Sie blieb erhal- ten und fand, wenn auch bereits vor dem Kriege beschädigt, ihren Weg nach Moresnet zurück. Leider ist wiederholt vergeblich der Antrag gestellt worden, die Glocke in die Liste der denkmalschutz- würdigen Objekte aufzunehmen. Die eben hier dargelegten neuerli- chen Erkenntnisse lassen dennoch die Hoffnung offen, daß die Ent- scheidungsgremien zum Überdenken ihrer bisherigen Haltung kom- men. Viele Beispiele lehren: Ein Umguß ist kein Original und die Handschrift des Meisters geht dabei unwiederbringlich verloren. Die hier angeführten Glocken haben sicherlich anläßlich des Todes unseres ”Herzoges” in das allgemeine Trauergeläut mit einge- stimmt. Man schrieb das Jahr 1467. Die Glocken des Landes verkünde- ten mit ihrem Geläut wieder einmal Landestrauer.
42 Der Herzog von Burgund, gleichzeitig auch Herzog von Lim- burg, war in seinem Palast zu Brügge verstorben. Der Rentmeister des Herzogtums Limburg, sein Name ist uns leider nicht überlie- fert, erhielt durch den Burggrafen eine Einladung, um in Anwesen- heit der Schöffen, der Bürgermeister und der ”Mannen von Lehen” zur Rechnungsprüfung auf die Halle nach Limburg zu kommen. Man präsentierte ihm bei dieser Gelegenheit einen Brief, der vom Tode des Landesherrn berichtet und von einem Beamten des ”Ho- hen Rates” zu Brüssel geschrieben worden war. ...: ”Wye myn gene- digen Heer, wylen Hertoge von Burgund dem goed gnade van leve tot dodt komen.” Er, der Rentmeister, sollte nach dem Zeugnis der amtierenden und gewesenen Schöffen allen, die dafür zuständig seien, bestellen, . wie es alte Gewohnheit sei, aus diesem Anlaß in allen Kirchen und Kapellen des Landes Limburg zu läuten und die Einwohner zu ver- anlassen, sich zu versammeln, um für die Seele des Verstorbenen zu beten. Die Kosten für das Läuten, das in allen Kirchen und Kapel- len an 3 Tageszeiten zu geschehen habe, sollten zu Lasten der Allge- meinheit gehen.Zu Limburg solle 3 Tage von morgens bis abends mit allen Glocken und ohne Unterbrechung geläutet werden. Wei- ter ordnete man an, die üblichen Vigilien und Exequien zu halten. Die hohe Versammlung verwies sogar auf alte Rechnungen des vorigen Rentmeisters, Heinrich von Gronsselt, wonach diesem wäh- rend seiner Amtszeit die gleiche Aufgabe zugefallen sei, und er das sogar ”um godts wille”, also unentgeltlich, getan habe. Da ”der Rent- meister aber ”großen Schaden und Lasten” durch den letzten Krieg (2) erlitten, wolle man ihn entschädigen. Nach Landesrecht könne man ihn sogar zur Verrichtung dieser Tätigkeit zwingen. Ausdrücklich erklärte sich der Rentmeister bereit, "alles Erfor- derliche und das von ihm Verlangte zu tun, nichtsdestoweniger alle Pflichten und Wohltaten für seinen verstorbenen gnädigen Herrn erfüllen zu lassen.” Von Kirche zu Kirche ließ er daraufhin, so wie es seine Vorgänger auch getan hatten, bestellen, zum Andenken an den hohen Verstorbenen zu läuten und zu beten. In einer Aufstellung des gleichen Jahres, eben des Todesjahres des Herzogs Philipp - auch Philipp der Gute genannt - sind die Kir- chen - und Kapellenorte, die Namen der ”Glöckner” und die hierzu aufgewandten Kosten angegeben. Vielfach sind wohl junge Leute mit dieser schweren Arbeit betraut worden, denn der Namensanga- (OK EBEN Ge WÄROEN EEE EOyEEK aa DEE A
43 be ist in vielen Fällen der Zusatz ”son” (Sohn) angefügt. Bei einigen Beteiligten, besonders den im kirchlichen Bereich tätigen, sind die Berufsbezeichnungen angegeben. Zum Beispiel: der Offermann, der Küster u.s.w. Die Orte Hauset, Hergenrath und Raeren werden als damals unbedeutende und nicht selbständige Kapellengemeinden nicht er- wähnt. Wir geben die Eintragung des Rentmeisters in leicht geraffter Form wieder. Limbourg: Jan Damhee, Gereon des Offermanns Sohn, Thron Remakles Sohn, Meister Geron, Collas Maher, Wynand Gereons Sohn, Symon sein Bruder, Jehennecken Henry Donnet, Gerard Werot, Gereon Jadmynes son, Thonyß Promperet, Gregor Swars (Schwarz), Denys der Scomeker (Schumacher), 3 Tage geläutet macht zusammen mit dem Bier, das sie vertrunken 36 Reichsgulden Desgleichen der Propst und die Mönche von Limburg, die die Exe- quien für die Seele des verstorbenen gnädigen Herrn gehalten ha- ben, wie es unsere Gewohnheit ist. Dazu hatten sie in der Kirche 8 Kerzen, die sie bei Thys in Aachen gekauft hatten. 5 Reichsgulden. Goelke: Desgleichen zu Goelke (heute Go€) Henry Trost, meester (?) Gron, Jan Lambine, Jan von Goelke, Jan Maher son, Henry Pouple und Gule Strod 3 Tage mit allen Glocken zu 3 Tageszeiten geläutet, macht 2 Reichs- gulden. Baelen: Desgleichen zu Baelen Daim der Offermann, Jan sein Bruder, Peterken Hamal, Jan Maroy, Claes Schyne und Wynken Jans Sohn, für 3 Tage läuten bezahlt 2 Reichsgulden. Oepen (Eupen): Desgleichen zu Eupen Brüsselman(n), Gerken van Oepen, Claiß Hoetman(n) der Schmied an Roeloffen, mit allen Glocken macht zu- sammen 2 Reichsgulden. Ketthenyß (Kettenis): Desgleichen zu Kettenis Pouwels der Bäcker, Arnot Cremer, Cornelys des Wirts Sohn, und Lensken Drei Tage geläutet macht zusammen 2 Reichsgulden.
44 Waelhoeren (Walhorn): Desgleichen zu Walhorn Johannes der Offermann, Arnot sein Sohn, Jan des Stouten Sohn, Claysken Wouwers, Jan Bron und Welter der Brauer. 3 Tage mit allen Glocken macht zusammen 2 Reichsgulden. Eynetten (Eynatten): Desgleichen zu Eynatten Peter Werd von Eynetten und Claesken sein Sohn. Drei Tage geläutet macht zusammen 1 Reichsgulden. Lonsen (Lontzen): Desgleichen zu Lontzen, wo der Offermann mit seinen Helfern wie - oben geläutet hat für 1 Reichsgulden. Monsen (Montzen): Desgleichen zu Montzen; dort läuteten Lenert der Küster und Jakob der Cremer 3 Tage, macht zusammen 1 Reichsgulden. Moresnet: Desgleichen zu Moresnet Jan der Offermann und Heyn Mynclart 3 Tage geläutet, macht zusammen 1 Reichsgulden. Gemenich (Gemmenich): Desgleichen zu Gemmenich, wo Jan Huen und Meis 3 Tage geläu- tet haben, macht zusammen 1 Reichsgulden Reymersdael (Remersdael): Desgleichen zu Remersdael, Rynken der Offermann mit seinen Ge- sellen 3 Tage geläutet, macht zusammen 1 Reichsgulden. Syppenaken (Sippenaeken): Desgleichen zu Sippenaeken Claes Plick (?) Sohn mit dem Offermann 3 Tage geläutet macht zusammen 1 Reichsgulden. Toeven (Teuven): Desgleichen zu Teuven Jakob der Schumacher und sein Sohn. 3 Tage geläutet macht zusammen 1 Reichsgulden. Homborch (Hombourg): Desgleichen zu Homburg wo Jan van Homborch und sein Sohn, der Offermann, 3 Tage geläutet haben, macht zusammen 1 Reichsgulden.
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46 Cappellen (Heinrichskapelle / Henri-Chapelle): Desgleichen zu Heinrichskapelle Stouten von Hockelbach, Sym- ken Henry Sohn, Stoeppers mit ihren Gesellen 3 Tage geläutet macht zusammen 2 Reichsgulden. Bylsteen (Bilstain): Desgleichen zu Bilstain, wo Claesken von Bylsteen, ... Sanders und They(s) Sohn 3 Tage geläutet haben, macht zusammen 1 Reichsgulden. Herve: Desgleichen zu Herve Jan Lowaer, Johan Ghys, Jan de Thux, Thoma Lynot, Tossin und Pake . 3 Tage geläutet, macht zusammen 3 Reichsgulden. Charnu (Charneux): . Desgleichen zu Charneux Henry Faber, Loreyn sein Bruder, Gallar und Jan Make 3 Tage geläutet macht zusammen 2 Reichsgulden. Cleyn Rychem (Petit-Rechain): Desgleichen zu Klein Rechain Jeryon, Jan Feve(r) (?) Johann Jorys Sohn und Jasper 3 Tage geläutet macht zusammen 1,5 Reichsgulden. Soron (Soiron): Desgleichen zu Soiron Lowaer, le petit meyer und der Küster 3 Tage geläutet macht zusammen 2 Reichsgulden.
47 Ein erfülltes Leben Zum Tode von Frau Dr. Leonie Wichert-Schmetz Aus Bad-Driburg (Westf.) erreichte uns am 24. November 1988 die Nachricht vom Tode unserer langjährigen Mitarbeiterin Dr. Leonie Wichert-Schmetz, die nach kurzer Krankheit, im Alter von beinahe 90 Jahren, von uns gegangen ist. Damit erfüllte sich ein Leben, das in Hergenrath am 16. Mai 1899 begann. Geboren wurde Leonie Schmetz als älteste Tochter des Hergenrather Bergbauingenieurs Jos. Schmetz. Nach dem frü- hen Tode des Vaters (1908) mußte die Familie das Geburtshaus, die "Villa Adler” in der Bahnhofstraße, aufgeben. Bei einer Kusine der Mutter, der wohltätigen Fabrikantenwitwe Adele Kirschgens geb. Kerres, im Emmaburgerweg, verlebte die Familie die folgenden Jahre. Die Volksschule besuchte Leonie Schmetz in Hergenrath, wechselte dann zur städtischen Mittelschule in der Großkölnstraße in Aachen, machte 1918 Abitur, studierte in Bonn und doktorierte 1924 in Biologie mit einer Arbeit über ”Stärkeumsatz in Laubblät- tern”. Durch zusätzliche Examen in Philosophie erhielt sie auch die Lehrbefähigung für Deutsch. Es folgten Referandarjahre in Bonn und Köln, dann Assessor- jahre in ‚Essen, Beurig-Saarburg und Krefeld; von 1928 bis 1937 wirkte sie als Studienrätin in Dortmund, wurde jedoch wegen ihrer antinationalsozialistischen Haltung fristlos aus dem Beamtenver- hältnis entlassen. Da die Lehrerlaubnis ihr nicht entzogen worden war, konnte sie in Bad Driburg, am Clemensheim, eine neue Wir- kungsstätte finden. Vor allem nach dem Krieg, als das Clemensheim nach der 1941 durch die Nazis verfügten Schließung als Aufbaugymnasium wieder eröffnet wurde, hat Frau Dr. Wichert all ihr Wissen und ihre Kraft dem 2. Bildungsweg für Priesterberufe gewidmet. An ein Rentner- dasein hat sie auch nach Erreichen der sog. Altersgrenze nie ge- dacht. Obschon sie offiziell 1977 aus dem Schuldienst ausgeschie- den war, blieb sie bis 1985 aktiv im Unterricht am Clemensheim. Daneben betrieb sie Privatstudien, schrieb Gedichte und Le- benserinnerungen. Unermüdlich tätig sagte sie: ”Selbst wenn ich 100 Jahre alt würde und dabei meine Schaffenskraft behielte, würde ich nicht halb fertig mit dem, was ich tun wollte.”
48 Wenn Frau Dr. Leonie Wichert-Schmetz auch in Bad-Driburg ”auf dem Knochen”, im schönen Eggegebirge, heimisch geworden war, so war ihre Verbindung nach Hergenrath doch nie abgerissen. Nicht nur, daß sie unsere Zeitschrift, den ”Göhlboten”, wie sie sag- te, als Mitglied der Göhltalvereinigung bezog; sie hat auch regelmäßig Gedichte darin veröffentlicht. A 8 A Sa VL ssattr 3 5 k A " „A An m A VO Ba nn VE 1° F do (8 1% SR A ZA @ E 5 EEE 2 AA SE nn AR SEN NN ED RN N A a We Sr “Ka a ON De LS AA P a8 A VE Zu Besuch in Hergenrath, 2.8.1977 Foto A. Bertha
49 Das Dichten war für sie ”ein Konzentrieren irgendeiner Stim- mung, eines Erlebnisses. So. ganz rationale Gedichte schreibe ich nicht. Sie müssen immer durch Erleben oder durch eine Stimmung erzeugt sein. Manchmal träume ich sie auch... Die Themen meiner Gedichte sind Begegnungen mit Menschen, Beziehungen zum Le- ben, Zeitereignisse, Tageszeiten, die Familie, doch sind die meisten der Gedichte religiösen Inhalts.” Über ”Hergenrath, unsere Heimat” (- wohin genealogische Forschungen sie alljährlich zurückführten und wo der aufmerksame Hotelier den Wicherts immer dasselbe Zimmer zuwies, so daß sie sich wie zu Hause fühlen konnten -) schrieb sie in autobiographi- schen Aufzeichnungen: ”Wenn auch viel dazugebaut worden ist, und besonders auf dem Gelände, das früher uns gehörte, ist uns doch noch alles sehr vertraut. Besonders die Kirche und die alte Schule sehen von außen noch genau so wie damals aus... Von den Menschen, die mit uns jung waren, leben nicht mehr viele. Die einzigen, die wir noch besu- chen können, sind Frau Therese Pohlen und Frau Josefine Wint- gens... In der Waldburg erwartet uns Robert Laschet, der als Ver- wandter dritten Grades uns immer noch recht vertraut ist... Trotz Abwanderung des größten Teils der Sippe (Schmetz) ist und bleibt Hergenrath unsere Heimat, obwohl uns auch vieles mit der Heimat unserer Kinder, Westfalen, verbindet.” Für die Göhltalvereingung ist der Tod von Frau Dr. Leonie Wichert-Schmetz ein herber Verlust. Sie, die ihre Heimat nie verges- sen hat, wird auch bei uns in dankbarer Erinnerung weiterleben. R.L.P.
50 Abendruhe von Leonie Wichert-Schmetz Schneller tickte heut’ die Uhr; Meine Blumen blühten freudig; Von den Schatten keine Spur, Die sonst von den Wänden kriechen Kalt und länger, wenn es dämmert. Sonnenflimmer auf dem Holze Sind noch viel zurückgeblieben, Nicht zu sehen, doch zu fühlen. | Und das Bild der fremden Ahnen Lächelt warm aus seinem Rahmen, Lächelt, lächelt, und wir beide Sitzen stumm und ohne Namen.
51 Fouilles archeologiques a Brennhaag (La Calamine) par J. Leclercq (*) La sabliere de Brennhaag est situee sur le territoire de l’an- cienne commune de Hergenrath qui depuis 1977 constitue la partie orientale de l’entite de La Calamine (Kelmis). Cette carriere s’ouvre dans le flanc sud de la couverture sableuse secondaire qui s’etend de Hergenrath ä Hauset, sur la rive nord de la Gueule (Göhl). Elle est distante d’environ 1750 m. ä N. 55° E. de l’eglise de Hergenrath et de quelque 900 m. ä N. 67° E. du hameau de Flönnes (fig. 1.4). “ Borde par des päturages dans sa partie ouest, le lieu-dit ”Brenn- haag” comprend un replat boise dominant une vallee secondaire du bassin de la Gueule. Ce replat, dont l’altitude varie entre 279 et 281 m., est couvert par une plantation de melezes et un taillis compose entre autres de bouleaux, de hätres et de chenes d’ol &mergent quel- ques pins (1). HISTORIQUE Apres epuisement de la concession du Busch/Brand, l’exploita- tion des sables s’est deplacee jusqu’a Brennhaag dans le courant de 4979: Lä aussi; les travaux d’extraction ont &te precedes par un deboi- sement et par un decapage du site, avec entassement des couches superficielles en bordure de la carriere. En date du 26 aoüt 1981, celle-ci s’ouvrait en arc de cercle dans la partie sud de la colline, entre N. 208°0. et N. 50°E. (fig. 3). R} Dans un premier temps, l’exploitation s’est dirigee vers le nord- Ouest, detruisant progressivement cette partie du site qui devait dis- paraitre completement en aoüt 1982. Apres epuisement de la cou- che sableuse de cet endroit, elle s’est poursuivie en direction du sec- teur est du replat. Cette extension de la carriere a entraine la destruction des der- niers vestiges de l’occupation prehistorique qui disparurent fin 1986. Simultanement le remblayage de l’excavation, entame en 1984 ä V’aide de materiaux d’origines diverses, s’est poursuivi pour rendre au site son aspect originel. (*) Grand Ry Cornesse, 241, B. - 4860 PEPINSTER. ( 1) LECLERCQ J., 1985: 123-125.
52 En date du 20 septembre 1979, la sabliere de Brennhaag a ete prospectee par des membres du ”B.N.D. Forschungsgruppe” qui y decouvrirent des silex tailles et noterent la presence d’une zone char- bonneuse ä la surface du decapage (fig. 3 A1 & B2). Jusqu’au 26 septembre 1981, date ä laquelle il dut cesser ses recherches, ce groupe effectua quelques sondages et r&coltes de sur- face (fig. 3 A1-A2). Il entreprit &galement une fouille de sauvetage dans la partie nord-est du replat (fig. 3 B1 et fig. 4.1 x). De leur cöte, J. & P. Lausberg-Miny et L. Pirnay (2) effectue- rent une prospection systematique de toute la surface decapee puis des fouilles dans la zone ol des depressions contenaient encore l’en- tierete du podzol (fig. 3. A3). . Des le 15 juin 1982, A. Gob et l’auteur preleverent des char- bons de bois dans la partie nord est du replat (fig. 3. B2 et fig. 4.2) aux fins d’analyses par la methode du 14C. Realisees a l’Universite de Louvain-la-Neuve, celles-ci ont donne le resultat: (Lv. 1402) 1.090 + 60 B.P. Apres calibration on obtient un intervalle chrono- logique de 855 ä 1.040 A.D. (3), soit au moins 240 ans avant la pre- miere mention officielle connue de Hergenrath et de La Calamine (4). Düment autoris@ par l’Administration communale de La Cala- mine et par l’exploitant du site, M. Falkenberg de Kettenis, l’auteur a encore effectue quelques recherches ponctuelles et une fouille de sauvetage dans la partie est du replat (fig. 3 B3 et fig. 4.3.), entre le 16 aoüt 1985 et le 26 juin 1986. La destruction totale des derniers vestiges de la station prehistorique par l’exploitation devait mettre un terme definitif a ces travaux. Le materiel archeologique recueilli par J. & P. Lausberg-Miny et L. Pirnay a €te depose au ”Mus6e de la Prehistoire en Wallonie” a Ramioul, tandis que les series provenant de 1a fouille du ”B.N.D. Forschungsgruppe” et des recherches de l’auteur se trouvent au ”Göhltalmuseum” de La Calamine. Il convient €galement de souligner que des fouilles sauvages ont eu lieu entre le 27 septembre 1981 et le 9 mai 1982, dans le pro- longement et ä proximite du chantier du ”B.N.D. Forschungs- gruppe” (fig. 4. 1-2). Le materiel r&colte& dans ces conditions se trouve vraisemblablement ä l’etranger et est perdu pour l’etude exhaustive de l’occupation prehistorique de Brennhaag. ( 2) LAUSBERG-MINY J. et P., PIRNAY L., 1982: 33-39. ( 3) LECLERCQ J. & COB A., 1984: 45-48. ( 4) PAUQUET F., 1980: 8-9.
53 GEOLOGIE Structuralement, la zone de Hergenrath appartient au massif devono-carbonifere de la Vesdre. Le socle pal&ozoique, erode au cours du Mesozoique, y est tronque par la peneplaine precretacique qui, par delä la cre&te de Henri-Chapelle, determine une grande partie de la morphologie actuelle jusqu’aux sommets des Hautes Fagnes. Cette surface nettement entamee par la Gueule et ses affluents, pre- sente une pente douce mais nette (1,4 %) vers le nord-ouest et un relief tres legerement ondule. Le socle est constitue par des gres et des schistes namuriens (Houiller) et par des calcaires et des dolomies tournaisiens et vis&ens (Dinantien) (fig. 2). A Hergenrath, il adopte une allure synclinale (synclinal de Donnerkaul, limite par les failles cisaillantes de Don- nerkaul ä l’est et de Schmalgraf ä l’ouest (5)). Sur la rive droite de la Gueule, le socle est recouvert en discor- dance par des depöts cretaces comprenant les argiles de Hergenrath (”Basiston” des auteurs allemands) et les sables des assises d’Aix-la- Chapelle (Cp 1) et de Vaals (Cp 2). A Brennhaag affleurent seulement les sables aacheniens conte- nant de nombreux fragments de bois silicifies (sequoia ?), des bra- chiopodes (Carneithyris carnea) et des empreintes de vegetaux inclus dans des gres indures. PEDOLOGIE La base des depöts quaternaires de Brennhaag est constituee par un cailloutis qui fut cryoturbe durant la derniere periode gla- ciaire (Weichselien), au me&me titre que la partie superieure des sables aacheniens. Une action eolienne pouvant se situer depuis le tardiglaciaire jusqu’au debut de l’Holocene a ensuite mis en place, par dessus le cailloutis, une couche sableuse et faiblement caillou- teuse d’origine locale qui fut &rodee maintes fois. Un podzol ferro-humique s’est alors developpe avec l’aide d’une vegetation generatrice d’humus brut acide et de conditions cli- matiques qui se sont manifestees des la periode Atlantique (6). Le decapage de Brennhaag n’a laisse subsister que 2 vestiges du podzol (fig. 3. A-B) separes par un affleurement de la strate argileuse (fig. 3. D.) surmontant le profil Senonien, et une zone ol apparait le cailloutis de base des depöts quaternaires (fig. 3. C). (5) BOUVY L., 1981: 12-21. ( 6) MATHIEU Cl., 1975: 314-316.
54 Une coupe pratiquee dans la partie nord-est du replat (fig. 4.2 a-b) a permis d’observer la stratigraphie suivante: A2:de0ä- 11 cm = horizon lessive avec bandes humiques; Bf/h: - 11 a - 17 cm = horizon d’accumulation fer/humus presen- tant des hiatus: C: au delä de - 17 cm = materiau parental. n Par ailleurs, dans le secteur ouest (fig. 3. A 1 & 3), la presence de depressions a preserve un lambeau de profil complet qui fut etu- die par le Pr. Vermeersch (7). ARCHEOLOGIE Le materiel archeologique recueilli dans la concentration Bde Brennhaag (fig. 3 & 4) provient de sauvetages effectues dans des ter- rains generalement perturbes. Bien qu’ayant päti des circonstances et comportant des lacunes, la serie mise au jour presente neanmoins une bonne concordance qualitative avec les autres stations de la region. Le materiel archeologique a €te€ principalement recueilli au-dessus et dans le cailloutis de l’horizon A 2 du podzol. Toutefois, V’etat des lieux n’a pas permis la localisation d’un niveau d’occupa- tion prehistorique du site. Les recherches de surface et les fouilles entreprises par le ”B.N.D. Forschungsgruppe” et l’auteur ont livre un ensemble de 611 artefacts en silex et 3 galets en gres. Ce materiel comprend: 8 outils communs, 13 armatures, 39 pieces techniques et 551 dechets de taille. Parmi l’outillage commun, on rel&ve la presence de: 1 grattoir, 2 Eclats retouches, 2 burins, 3 lames et lamelles retouchees. (fig. 5.6-7) Le groupe des armatures est constitue par: 7 pointes (fig. 5-9), 2 triangles scalenes, 3 segments (fig. 5-12) et 1 pointe ä base retouchee (fig. 5-14). ( 7) VERMEERSCH P., 1982: 41-43.
55 Le nombre r&duit des instruments livres par cette concentra- tion ne permet pas de tirer des conclusions significatives. Tout au plus peut-on souligner que les armatures microlithiques sont predo- minantes et qu’elles se caracterisent par une majorite absolue des pointes a base non retouchee, une bonne representation des trian- gles scalenes et des segments de cercle. TECHNOLOGIE L’examen des dechets de taille de Brennhaag a fait apparaitre la pratique d’un debitage de ”style Coincy” assez epais semblable ä celui rencontre dans le Bassin de l’Ourthe (8), mais aussi dans les sta- tions du Busch/Brand (fig. 2.3), de Flönnes (fig. 2.1.) et de Walhorn- Langmüs (9). On note egalement a Brennhaag une utilisation tres importante du ”Vetschauer Flint”. Ce silex provient des assises du Maestrich- tien superieur (Cp 3c) dont les plus proches se trouvent ä Orsbach et au Vetschauer Berg, soit a environ 15 km ä vol d’oiseau. Il convient de souligner que l’emploi du ”Vetschauer Flint” a dejä ete mentionne dans les sites mesolithiques des groupes de Ham- bach (+ 7000 B.C.) et de Teverener Heide (+ 6000 B.C.) par S.K. Arora (10). CONCLUSIONS Au vu de la serie mise au jour dans la concentration A, celle-ci pourrait Etre attribuee au groupe d’Inzegotte (semblable ä celui de Brockenberg) qui se situe dans le Beuronien C, entre 6.400 et 5.500 B.C. Par contre, la composition de l’outillage de la concentration B rappelle celle des groupes de Sougne et de Hambach qui appartien- nent au Beuronien A, date de 7.650 a 7.200 B.C. Dans cette hypothese, les occupations prehistoriques de Brenn- haag se rattacheraient a 2 groupes culturels distincts et appartien- draient a la fin du stade ancien et au stade moyen du Mesolithique. Elles se situeraient ainsi dans le Preboreal et le Boreal. ( 8) GOB A., 1981: 245-246. ( 9 LECLERCOQ J., 1985: 136. (10) ARORA S.K., 1978: 54.
56 REMERCIEMENTS Je me fais un plaisir de remercier ici les diverses personnes qui d’une maniere ou d’une autre m’ont aide dans mes travaux. Ces remerciements s’adressent tout particulierement ä MM. Bauens, bourgmestre de La Calamine, et Falkenberg, exploitant de la sabliere de Brennhaag, au professeur E. Poty de l’Universite de Liege, 4 MM. A. Gob, maitre de conferences a l’Universite de Liege, A. Demoulin, aspirant au F.N.R.S., et J. Laschet. Cornesse, avril 1988. Bibliographie: ARORA, S.K., 1978: Flint und Quarzit. Das Rheinische Landesmuseum Bonn, 4/78: 52-54. BOUVY L., 1981: Contribution & Vetude geomorphologique de la region de Welkenraedt-La Calamine. Memoire de licence, Universite de Liege, inedit. GOB A., 1981: v Le Mösolithique dans le Bassin de l’Ourthe. Liege, Societe Wallonne de Palenthologie, Memoire n° 3, 358 pp., 73 pl. h.t. LAUSBERG-MINY J. & P., et PIRNAY L., 1982: Le site m6solithique de Brenn-Hag, a Kelmis. Notae Praehistoricae, 1982/2: 33/39. LECLERCOQ J. et GOB A., 1984: Datation d’un foyer 4 Hergenrath-Brennhaag (La Calamine). Zeit- schrift ”Im Göhltal”, 35: 45-48. LECLERCOQ J., 1985: La station m6solithique de Brennhaag a Hergenrath (Kelmis). Bulle- tin des ”Chercheurs de la Wallonie”, XXVI (1982-1985): 121-141. MATHIEU Cl., 1975: Observations pedologiques. Bulletin des ”Chercheurs de la Wallo- nie”, XXI (1974-1976): 314-316. PAUQUET F., 1980: Erste urkundliche Erwähnung der Orte Hergenrath und Kelmis am 22. März 1280. Zeitschrift "Im Göhltal”, 27: 4-9. VERMEERSCH P.M,., 1982: Le site m6solithique de Brenn Hag, a Kelmis, quelques observations d’ordre stratigraphique. Notae Praehistoricae, 1982/2: 41-43.
60 WEST RK = FAN SS A IN A UA g (0 A— NARAG % N ( ESS a ZN A 5 \S 7 S = AS 1 SD a 3 a 6 6) | | 5 ° % | | ä® 5 7 £ ° N ö ] | ) ) 9 o ß 0 ° Car %2 13 14 15 16 tnmmmmmt——— anna 3 C IT} 485 Fig. 5.- Outillage mesolithique de Brennhaag: 1-7: outillage du fonds commun, 8-15: armatures microlithiques, 16: galet utilise; 1-5, 8 & 10: concentration A, 6-7, 9, 11-12 & 14: concentration B, 13 & 15-16: zone C.
61 Zusammenfassung Geologisch gehört die Gegend um Hergenrath zum Weser- Massiv. Diese von der Göhl und deren Nebenbächen tief einge- schnittene Fläche erscheint als eine nach Nordwesten sanft abfal- lende Ebene (1,4%) mit einer leicht welligen Bodengestaltung. Der Untergrund besteht aus Sandstein und Namür-Schiefer, aus Kalkstein und Dinant-Dolomit. Am rechten Ufer der Göhl ist er bedeckt mit Ablagerungen aus der Kreidezeit, darunter dem Her- genrather Ton sowie Aachener und Vaalser Sand. Im Laufe des Jahres 1979 wurde am Ort genannt ”Brennhaag” eine Sandgrube eröffnet. Mitglieder der ”B.N.D. Forschungsgrup- pe” entdeckten dort am 29. Sept. 1979 behauene Feuersteine. Diese Entdeckung führte zu Rettungsausgrabungen in zwei unterschiedli- chen Konzentrationen und erlaubte die Sicherstellung von Holz- kohleresten. Auf Grund der angestellten Untersuchungen im nordöstlichen Teil der Landschaft konnte eine Serie von 611 Artefakten aus Feu- erstein, darunter 21 Werkzeuge, gerettet werden. Aus der Überprüfung dieses Materials wird offenbar, daß wir es mit einer starken Verwendung von ”Vetschauer Flint” zu tun ha- ben. Es wird ebenfalls eine Ähnlichkeit mit den Werkzeugen der mesolithischen Gruppen von Sougne und Hambach festgestellt (7650-7200 vor Chr.) Die gefundenen Feuerstein-Artefakte befinden sich heute z.T. im Museum für Vorgeschichte in Ramioul, z.T. im Göhltalmuseum in Neu-Moresnet/Kelmis.
62 Aus Walhorns Vergangenheit - Das Etablissement Sternickel und Gülcher - von Alfred Bertha Einige Mühlenanlagen am Hornbach in Astenet lassen sich bis in die erste Hälfte des 15. Jh. zurückdatieren. Dazu gehört auch die etwa 350 m nordwestlich der Preismühle gelegene ”Hackemühle”, früher auch unter den Namen Goriusmühle oder Kupfermühle be- kannt. Auf älteren Karten des Gebietes, so der österreichischen Ka- binettskarte (”Ferraris-Karte”) von 1771/78 oder der Tranchot-von Müffling-Karte von 1807-08, ist diese Mühle eigenartigerweise nicht eingezeichnet. Die Rechnungslegung des Limburger Rentmei- . sters Johan Säck für die Jahre 1388-1389 erwähnt eine Fruchtabga- be von 4 Müdden von der Mühle zwischen Astenet und Walhorn (”le moulin d’entre Astenet et Walhorn”) (1) und ein Einkunftsregi- ster aus dem Jahre 1441-42 nennt Johan Toreel als Besitzer einer Mühle gelegen ”im Kirchspiel von Walhorn zwischen Astenet und Walhorn” (1a). Der genannte Toreel, der uns auch aus den Lehensre- gistern als Johan Toreel von Berne bekannt ist, schuldete dem Lan- desherrn jährlich eine Naturalabgabe von 4 Müdden Roggen. Es dürfte sich beide Male um dieselbe Mühle handeln. Anna Toreel(s) von Berne, die Tochter des Johann, heiratete Heinrich Vlatten. 1496 kam die Mühle durch Erbteilung an Wilhelm van de Sande gen. von Mützhagen, Besitzer von Mützhof und verehelicht mit Katharina von Eyss gen. v. Beusdael. In den Lehensregistern der Propsteilichen Mannkammer des Aachener Marienstiftes wird 1504 eine unter Walhorn gelegene Mühle genannt, die durch einen späteren Zusatz als ”Pryss Müllen, Hackemüllen” bezeichnet wird (2). Es dürfte sich bei dieser Gleich- setzung Hackemühle-Preismühle um einen Irrtum handeln, tritt uns doch die Hackemühle als eigenständige Mühlenanlage entgegen. 1506 wird sie in den Walhorner Gudungsbüchern genannt (3). Die dahinführende Gasse, die die Hauptdurchgangsstraße Astenet- Walhorn mit dem Lontzenerweg verbindet, trägt heute noch den schon 1852 belegten Namen ”Hackegasse”. 1560 findet sich in den Gudungsbüchern die Eintragung ”in der Gaße bei der Hackemüh- le”. Um 1600 verliert sich die Bezeichnung Hackemühle in den Gu- dungsbüchern, während sich die letzte Eintragung in den Lehensre- gistern.unter dem 19. Jan. 1576 findet. Kommen wir zurück zur Bezitzerfolge.
63 Dem natürlichen Sohn des Wilhelm, Gorius van de Sande, ver- dankt die Mühle den Namen Goriusmühle. Auch der Enkel Wil- helms hieß Gorius; von diesem kaufte Winand Hens(en) von Aste- net die Mühle i.J. 1596. Als Kaufpreis übernimmt der Käufer die ge- nannte Naturalabgabe von 4 Müdden Roggen an den Landesherrn und stellt als Unterpfand die Preismühle, die er nach den Lehensre- gistern erst am 20. Juli 1596 ersteht, sowie die dabei gelegene Mel- kerei gen. die Vettebenden. Nach G. Grondal (4) wurde die Goriusmühle zu Beginn des 17. Jh. als Kupfermühle betrieben. Als solche kommt sie noch 1628 in den Gudungsbüchern der Bank Walhorn vor (5). Mittlerweile war sie 1610 durch Erbwechsel zwischen den Kindern der Wwe des Winand Hens(en) und dem Aachener Bürger Frans Bonner und des- sen Frau Sara Rickhardts in den Besitz der Letztgenannten überge- gangen. Sich auf die schon genannten Lehensregister stützend hat L.v. Coels von der Brüggen Kupfermühle und Hackemühle als zwei ver- schiedene Anlagen identifiziert, während G. Grondal, der seine Quellen leider nicht angibt, Hackemühle und Kupfermühle als iden- tisch setzt. S Da es uns hier nicht um die Erörterung und Klärung dieser Frage geht und die Geschichte der ”Hackemühle” im 17. Jh. sehr lückenhaft ist, erlauben wir uns einen Sprung bis in die zweite Hälf- te des 18. Jh. Im Jahre 1913 kam es vor der 2. Zivilkammer des Königlichen Landgerichts in Aachen zu einem Prozeß zwischen dem Asteneter Gutsbesitzer und Ingenieur Emil Lambertz als Kläger einerseits und dem Mühlenbesitzer und Kaufmann Heinrich Drolinvaux als Be- klagten andererseits. Genannter Lamberts, Besitzer von Chäteau Thor und Asteneter Mühle, warf Drolinvaux vor, das Wasser des Walhorner Baches an seinem eigenen oberhalb der Mühle des Klä- gers gelegenen Betriebe zu stauen und dadurch dem Pächter der Asteneter Mühle eine normale Ausübung seines Berufes unmöglich zu machen. Drolinvaux dagegen führte an, er besitze das Staurecht seit je- her; er, bzw. sein Vater, habe es auch seit dem Ankauf des Betriebes i.J. 1866 ständig genutzt und sei darin nie behelligt worden. Dieses Recht sei sowohl ersessen wie durch Akt erworben. Aus der Prozeßakte läßt sich die Geschichte der Mühle bis et- wa 1750 zurückverfolgen. Damals gehörte der Betrieb - eine Getrei- demühle - einem Herrn Simonis aus Verviers. Nach dem frühen To-
65 de desselben erbte die Witwe Simonis geb. Frankinet die Anlage, die durch Vermögensteilung am 10. August 1806 an Maria Josephina de Lom geb. de Grand Ry überging. Diese war eine Enkelin der Wit- we Simonis und Tochter von Isabelle de Grand Ry geb. Simonis. Sie heiratete den Grafen Frederic de Pinto (Theux) und brachte die Asteneter Mühle mit in die Ehe. Graf Pinto baute die Getreidemühle zu einer Spinnerei um, er- richtete wohl.auch einen Neubau, den die Eupener Tuchfabrikan- ten Sternickel und Gülcher 1818 erwarben und durch den Bau einer Walkmühle erweiterten (6). Der Landrat bescheinigt am 21. April 1824, ”daß das Hand- lungshaus Sternickel und Gülcher ein angesehenes und als solide geltendes Haus ist, das sowohl im Wollhandel als in der Tuchfabri- kation bedeutende Geschäfte macht und dessen Zuverlässigkeit hier allgemein bekannt ist”. (7) Die Firma besaß in Eupen eine zur Tuchfabrik eingerichtete Mühle im Hilltal, gen. die ”Schliepmühle”, wo sie schon 1833 eine Dampfmaschine von 14 PS anlegen will. (8) Kommen wir zurück zum Betrieb Sternickel und Gülcher in Astenet. Ein Mühlenverzeichnis aus dem Jahre 1820 nennt das Eta- blissement eine ”Spinn-Scheer-und Rauhmaschine”. Die Anzahl der Beschäftigten wird mit 38 (Kinder einbegriffen) angegeben. Man ar- beitete an 22 Scheertischen und 4 Rauhmaschinen. Wöchentlich wurden 1500 Pfund Wolle verarbeitet und der Betrieb florierte. 1826 beschreiben die Besitzer ihre Fabrik wie folgt: ”a) ein großes Fabrikgebäude von 3 Stockwerken, ein 23 Fuß preuß. im Durchmesser oberschlägiges Wasserrad, welches b) bei vollem Wasser 6 Assortiment-Wollspinnereien, 22 Scheerti- sche und 2 Cylinder-Scheermaschinen in Bewegung setzt; c) die Tucherrauhmaschinen werden größtenteils im Jahre durch ein Roß-Mühlenwerk betrieben; d) auf unserer Mühle ist genau der Wasserzufluß eben stark als wie auf der etwas über uns liegenden Preiss Mühle dem Herrn Salm zugehörend.” (8) In der 1827 bei J.A. Mayer in Aachen erschienenen Topogra- phischen Beschreibung des Regierungsbezirks wird unter Astenet u.a. ”Sternickels-Maschine, Fabrik” erwähnt. Es wohnten dort 5 Personen, wovon 4 evangelisch waren. Schon 1818, als die Herren Sternickel und Gülcher die Anlage einer Walkmühle in Astenet auf dem Hornbach planten, kam es zu
66 Protesten seitens der Bevölkerung und auch seitens des Besitzers der Asteneter Getreidemühle, Wilhelm Birven aus Aachen. Die Bevöl- kerung fürchtete vor allem um die Reinheit des Wassers, das für vie- le das einzige verfügbare Trinkwasser war. U Ä Ba DB ne A LE iz DENE Gesamtansicht der Mühle i. J. 1981 Die Fabrikbesitzer hatten es aber verstanden, die Bedenken ge- gen ihre Anlage zu zerstreuen. Solange keine Wollwäsche im großen Stil betrieben wurde, machten sich auch kaum Verschmutzungen des Hornbachs bemerkbar. Schlimmer wurde es jedoch, als Ster- nickel und Gülcher 1826 die bisher von 3 bis 4 Personen oberhalb der Fabrik betriebene Wäsche in einen weiter auf Astenet zu liegen- den Bau verlegten und dort ständig 8 bis 9 Personen mit der Woll- wäsche beschäftigt waren. Der Brotbäcker und Müller Heinrich Wertz, Pächter der Asteneter Getreidemühle, sah sich nun
67 außerstande, ”reinliches” Brot zu backen, da ihm kein anderes Was- ser zur Verfügung stand. Dadurch verlor der Bäcker seine Kunden. Aber auch die anderen Einwohner des Ortes hatten Grund zur Kla- ge. Im Wasser des Hornbaches hatten die Bauern bisher ihre Butter gewaschen und am Bach hatten sie ihr Vieh getränkt. Sollten sie wi- derstandslos zusehen, wie der Hornbach durch die Abwässer der Wollwäsche verunreinigt und das Wasser für Menschen und Tiere ungenießbar wurde? Welche Maßnahmen infolge der Proteste der Bevölkerung ge- gen die Fabrikbesitzer bzw. gegen die Verunreinigung des Hornba- ches ergriffen worden sind, ist uns nicht bekannt. Die Asteneter Fa- brik entwickelte sich in den nächsten Jahren weiter günstig; 1829 er- suchten Sternickel und Gülcher um die Konzession zur Betreibung ihres Etablissements. Die diesbezügliche Bekanntmachung ließ Bür- germeister Van den Daele im Korrespondenzblatt des Kreises Eu- pen vom 22. Mai 1829 veröffentlichen. Sie lautete: ”Die Fabrikbesitzer Sternickel und Gülcher zu Eupen suchen die gesetzlichen Konzession nach: 1) für ihr bei Astenet, in der Gemeinde Walhorn, auf dem Honnba- che belegenes, in 1816-17 von dem Grafen Pinto errichtetes Fa- briketablissement; 2) für den oberhalb desselben, zwischen den Wiesen von Salm und Vv. Grand Ry und dem Eigenthum der Bittsteller, angelegten Sam- melteich und das hieraus nach der Mühle führende Gerinne; 3) für eine unterhalb des Etablissements, auf demselben Wasser, an- gebrachte Wollwäsche, und 4) für die projektirte Versetzung der vorhandenen Schleuse, vom untern Ende des Sammelteiches, weiter abwärts nach der Mühle zu.” Der Bürgermeister beraumte die Informationssitzung auf Mon- tag, den 15. Juni 1829, von morgens neun bis Mittag, im Gemeinde- haus von Walhorn an. Wer Einsprüche gegen das Projekt der Her- ren Sternickel und Gülcher vorzubringen habe, solle dieselben, mö- glichst begründet, in dieser Sitzung vorbringen. Am 19. Juni 1829 berichtete der Bürgermeister dem Landrat über die Enquete ”de commodo et incommodo” und fügte dem Pro- tokoll der Einsprüche seine ”pflichtgemäße Äußerung” zu denselben bei. Er schreibt: ”Das Konzessionsgesuch der Bittsteller an und für sich ist für die diesseitige Gemeinde von großem Interesse, so daß sich bei den meisten Einwohnern der Wunsch ausspricht, das Projekt der Bitt-
68 steller genehmigt zu sehen. Es fördert jenes Fabrik-Etablissement die diesseitige Industrie ungemein. Die Mehrzahl der hiesigen Ein- wohner findet dort mittelbar oder unmittelbar ihre einzige Nahrungs-Quelle. Der Verlust dieses Brod-Erwerbs würde gänzliche Armut sehr vieler Familien zur unausbleiblichen Folge haben. Auf diese wichtigen Erwägungspunkte scheinen die respectiven Oppo- nenten keine Rücksicht genommen zu haben. Von den geschehenen Einsprüchen sind diejenigen wirklich ge- gründet, die sich auf die Wasserverunreinigung beziehen. Die In- teressenten Astenets sowie die von Lontzen haben wirklich kein an- deres reines Wasser als das, welches ihnen der Honnbach darbietet. In wieweit die projektirte Konzession für die Büscher Mühle ein in- commodum herbeiführe, vermag ich nicht zu beurteilen. Jene Müh- | le liegt von dem Etablissement der Sternickel u. Gülcher so weit, daß dieses auf jene keinen besonderen Einfluß zu haben scheint. Über die anderen Einsprüche des Herrn Birven gegen die Kon- zession der Bittsteller besagen beiliegende Akten das Nähere und ich bin auch übrigens außer Stande, darüber richtig abzuurteilen. Mit der Vorstellung des Herrn Salm bin ich einverstanden; ei- gentliche Einsprüche enthält derselbe nicht und scheint daher von keiner besonderen Wichtigkeit. Übrigens überlasse ich alles der Hochgefälligen Entscheidung der Oberbehörde, und wünsche nur, daß das Interesse der bisher durch Arbeit und Broderwerb gesicherten armen Klasse dieser Ge- meinde nicht unberücksichtigt bleibe Der Com. Bürgermeister Van den Daele Aus den vorhandenen Unterlagen geht nicht mehr hervor, wel- che Auflagen den Fabrikbesitzern zur Fortführung ihres Betriebes gemacht worden sind. Die Spinnerei Sternickel und Gülcher be- schäftigte 1830 nicht weniger als 130 Personen an 6 Scheermaschi- nen, 8 Scheertischen, 5 Rauhmaschinen und 6 Assortiments- Spinnmaschinen. Wöchentlich wurden im Durchschnitt 1500 Pf Wolle präpariert und gesponnen. Die weiteren Unterlagen über das Werk sind dürftig. 1836 wurden in Astenet bei Sternickel und Gülcher 90 Personen beschäf- tigt, die ca 1000 Zentner Wolle im Werte von 60.000 Talern verar- beiteten. Die erbetene Konzession war bis dahin noch nicht erteilt. Der Betrieb hat auch in den folgenden Jahrzehnten ohne behördliche Genehmigung, wohl mit stillschweigender Duldung der Obrigkeit, gearbeitet.
69 1840 suchten Sternickel und Gülcher um die Genehmigung nach, in ihrem Asteneter Betrieb eine ”Dampfmaschine von 6 Pfer- de Kraft und Niederdruck-Construction” zu errichten, wogegen kein Einspruch erhoben wurde. Damit war dieses Unternehmen das erste des Walhorner Landes, das durch den Einsatz einer Dampf- maschine vom jeweiligen Wasserstand unabhängig wurde und sich die neuen Möglichkeiten einer solchen Maschine zunutze machte. Das Wasserrad blieb aber weiterhin als zusätzliche Kraftquelle im Gebrauch. Die Zahl der Arbeiter und Arbeiterinnen ging in der Folgezeit zurück. 1852 zählte man bei Sternickel und Gülcher noch 33 männ- liche und 20 weibliche Beschäftigte. Drei Jahre später waren es nur noch 23 Männer und 20 Frauen, die 1.920 Spindeln bedienten. Die Zahl der Spindeln nahm bis 1861 bedeutend zu: man zählte deren 2.660, während die Zahl der Beschäftigten bei 20 Männern und 29 Frauen lag. (9) Am 1. Januar 1866 ging die Spinnerei Sternickel u. Gülcher an Heinrich Winand Drolinvaux über, der den Betrieb weiterführte und denselben in Erinnerung an die frühere Nutzung ”Kupfermüh- le” nannte. Vermutlich war diese Bezeichnung im Volksmund le- bendig geblieben. Wie aus einem vom 19. September 1904 datierten und an den Walhorner Bürgermeister Ernst gerichteten Schreiben des Heinrich Drolinvaux, eines Sohnes des Vorgenannten ersicht- lich, hat der Spinnereibetrieb von 1866 bis 1904 ”wenn auch leider durch die Verhältnisse gezwungen, nicht mehr wie früher in sehr starker Weise, so doch mehr oder minder je nach dem Bedürfnisse stattgefunden”. "Spinner gefucht a ssetnent He _Kupfermühle MAftenet. Anzeige aus dem Korrespondenzblatt des Kreises Eupen, 12.4.1884 1878 wurde gegen Drolinvaux der Vorwurf erhoben, er habe jugendliche Arbeiter in seiner Streichgarnspinnerei über die gesetz- lich zulässige Arbeitszeit hinaus beschäftigt. Der Unternehmer be- stritt dies. Seinen Aussagen zufolge hatten die jugendlichen Arbei- ter nur 8 Stunden täglich gearbeitet. In Wirklichkeit waren die be- treffenden Arbeiter von morgens 1/2 6 bis abends 1/2 9 beschäftigt
70 worden. Dieser 15-Stunden Tag war durch drei Pausen - je eine hal- be Stunde vormittags und nachmittags sowie eine Stunde zu Mittag -unterbrochen worden. Im Jahre 1903 brach das große Wasserrad, das 1857 eingebaut worden war, zusammen. Es dauerte 3 Monate, ehe dasselbe wieder in Betrieb genommen werden konnte. Diese Gelegenheit nutzte Drolinvaux, die Spinnerei zu einer Getreidemühle umzubauen, ein Umbau, der im September 1904 noch nicht vollständig abgeschlos- sen war. ä eb Anbei Ni Wasserrad — Bach Elch ob E Keen rel rain Baderaum — Hauptgebäude Anbau % Es & x Je 6 = z E 5 Skizze der Mühle Drolinvaux 2 13. Oktober 1904 5
7 Am Hauptgebäude der bisher als Spinnerei benutzten Räum- lichkeiten befand sich das Hauptgetriebe der Mühlenanlage. Dieser Raum maß 10,2 X 16,7 m und hatte eine Höhe von 3,25 m. Der Raum hatte je eine Tür auf den Breitseiten und außerdem noch eine Tür auf der nach Osten gelegenen Längsseite. Er wurde durch 6 Fenster von 1,85 m X 1,20 m erhellt. An das Hauptgebäude schloß sich ein Anbau mit 2 Fenstern von 2 m Höhe und 1,10 m Breite an. Auf der 1. Etage dieses Hauptgebäudes befanden sich der Mahlgang und eventuell vorrätige gemahlene Frucht, Mehl etc. Die 2. Etage diente als Aufschütteraum für zu mahlende Frucht. Die 1. und 2. Etage waren mit außen angebrachten eisernen Nottreppen versehen. Die Aborte lagen jenseits des Hofraumes, der erste 21 m vom Hauptgebäude entfernt, der zweite mindestens doppelt so weit, in der Nähe des Pferdestalles. Heinrich Drolinvaux hatte nicht die Absicht, den Mühlenbe- trieb industriell zu gestalten. Er schrieb dem Bürgermeister am 26. November 1904, er werde persönlich sich mit den in der Mühle vor- kommenden Arbeiten beständig befassen. Es sei auch in absehbarer Zeit keine Veranlassung gegeben, andere Personen zu beschäftigen als den Müllerknecht, der auch mit dem Fuhrwerk sich zu beschäfti- gen habe. 1910 erhielt Heinrich Drolinvaux die Bauerlaubnis für die Er- richtung eines Lagerraumes. Im Dezember 1912 lesen wir, Drolin- vaux habe in diesem Bau einen Molkereibetrieb mit maschinellem Antrieb eingerichtet und denselben verpachtet. Mühle und Molke- rei werden beide mit ein und demselben Wasserrad angetrieben. Ei- ne Beschreibung der Anlage aus dem Jahre 1913 gibt uns eine ziem- lich genaue Vorstellung des damaligen Aussehens der Mühle. Es heißt da u.a.: ”Das Etablissement liegt nicht weit vom Bahnhof Astenet ent- fernt an einem Nebenwege zur Hauptlandstraße. Die Gebäulichkei- ten sind offenbar schon sehr alt und dienten nach Angabe des Be- klagten (= Drolinvaux) in früheren Jahren zum Spinnereibetriebe. Zur Zeit befindet sich in einem eine Mühlenbetriebanlage, in einem offensichtlich erst in den letzten Jahren errichteten Anbau wird eine kleine Molkerei betrieben. Mühle und auch Molkerei werden mit dem Wasser des Walhorner-Baches betrieben. Um Wasserkraft aus- nutzen zu können, ist anscheinend vor vielen Jahren an der den Fa- brikgebäulichkeiten gegenüberliegenden Seite des Weges ein hoher Damm errichtet worden über den hinweg das Wasser durch eine
72 Rohrleitung auf das oberschlägige Mühlenrad geleitet wird. Der Stauweiher liegt etwas oberhalb der Gebäulichkeiten. Er besteht, wie die an seinem Ufer stehenden Bäume beweisen, schon lange Jahre und ist zur Zeit der Besichtigung mit Schilf und Gras völ- lig bewachsen, sodaß Wasser in demselben kaum zu sehen ist. Der Weiher liegt mit einer Längsseite neben dem Walhornerbache und ist von diesem durch einen kleinen Erdwall getrennt. Erst an der untern zur Mühle hin gelegenen Schmalseite bekommt der Wei- her Verbindung mit dem Bache. Dieser fließt dann über den oben erwähnten Erdwall weiter zur Rohrleitung. Hier kann das Wasser durch eine Schleuse abgesperrt werden. Etwas oberhalb befindet sich in dem rechten Bachufer eine > zweite Schleuse. Ist diese geöffnet, fließt das gesamte Wasser die Bö-” schung hinab dem Bachbette zu. Erst wenn diese Schleuse geschlos- sen und die Schleuse bei II geöffnet wird, kann das Wasser auf das Mühlenrad geleitet werden. Anscheinend muß auch das Wasser ei- ne Zeitlang gestaut werden, bevor es auf das Mühlenrad abfließt. Etwas oberhalb der Schleuse I ist dann noch ein Überlaufgraben. Von dem Mühlenrade aus wird das Wasser direkt dem Bachbette wieder zugeführt. Über dem Mühlenrade befindet sich noch ein Sammelbecken, von dem aus in einem weiteren Rohr das Wasser zur Turbine gelei- tet wird.” Die Molkerei, die sich auf Butterproduktion spezialisiert und ihren Absatzmarkt in Aachen hatte, wurde nach dem Ersten Welt- krieg Opfer der in Deutschland herrschenden Währungslage: der Verfall der Mark zwang den kleinen Betrieb zur Schließung. Ob der Mühlenbetrieb bis in jene Jahre aufrecht erhalten wur- de, ist unklar. Bis Anfang 1928 blieb die Hackemühle ungeteilt im Besitz der Familie Drolinvaux. Dann verkaufte Lambert Jakob Drolinvaux ei- nen Teil an die Gebrüder Jos. und Jak. Wertz. Letzterer erbaute so- dann ein neues Wohnhaus, an dessen Hinterfront sich der 1988 im Rohbau fertiggestellte Neubau der Fam. Gerd Aussems anlehnt. Nach dem Tode von Jakob Drolinvaux (+ 25.8.1929) verkaufte der Sohn Heinrich Winand (Gemeindeeinnehmer von Walhorn) u.a. das Herrenhaus der ehemaligen Spinnerei an Jos. Michel Ahn, der die Gebäulichkeiten landwirtschaftlich nutzte. 1959 ging das Haus durch Kauf in den Besitz der Familie Camille Kuppens (Baelen) über. Die ”Spinnfabrik” mit dem dazugehörenden Grund hat eine Fläche von 4 ha und 47 ar.
73 Mühle WERTZ Bestbekannte Futter- und Düngemittel Stroh- und Rauhfutter aller Art ASTENET Tel. Herg. 59289 Vor 25 Jahren war die Mühle Wertz eine der bekanntesten Futtermittelhandlungen des Wahlhorner Landes. Jakob Wertz betrieb in den Spinnereigebäuden erst eine Getrei- demühle, später Futtermittelhandlung. Nur die Haferquetsche und Futtermischanlage blieb in Betrieb. Nach dem Tode des Jak. Wertz (21.10.1969) und seines Sohnes Walter Wertz (6.3.1973) wurden die Mühlenanlagen am 29.5.1975 öffentlich verkauft und gingen an die Familie G. Aussems über, die, wie schon angedeutet, zur Zeit einen Neubau errichtet. Nur das stattliche Herrenhaus, ein siebenachsiger Bau mit Mit- telrisalit und hohem Krüppel-Mansard-Dach (2. Hälfte 18. oder frü- hes 19. Jh.) sowie die im Grundbuch eingetragene Bezeichnung ”Spinnfabrik”, erinnern heute noch an die einst rege Tätigkeit auf der Hacke- bzw. Kupfermühle, wo die Mehrzahl der Walhorner und Asteneter Einwohner vor rund 150 Jahren mittelbar oder unmittel- bar ihre einzige Einnahmequelle fand...
8 2 N 3 a a 032 2 ES RX Ve Va 2 ba DO. X WE 2 AM KO 1 U ZA A KL ER ZA AAN m A a Das Herrenhaus der ehemaligen ”Spinnfabrik” N N 8 a Gesamtansicht 1988 mit Neubau Aussems
n Anmerkungen 1) Hauptstaatsarchiv Brüssel, Rechnungshof Brabant, N" 3436 la) Ebd N" 45.117 2) L. Coels von der Brügghen, Lehensregister der Propsteilichen Mannkammer des Aachener Marienstiftes, Bonn 1952, S. 121, N" 24 3) Dr. Michel Kohnemann, Flurnamen des Walhorner Landes, Diisert. Löwen, 1961. 4) G. Grondal, Walhorn, notices historiques, Verviers 1958, S. 90. 5) Kohnemann, op. cit. Ein Stich aus dem Jahre 1747 zeigt eine Kupfermühle (”moulin de cuivre”) zwischen Walhorn und Astenet. ("Partie septentrionale de l’Evöche et Seigneurie de Liege et Duche de Limbourg” par Sanson, augmente par Robert; Vincenne, Archives de la Guerre, A! 3276). 6) Archiv der Göhltalvereinigung, Kelmis 7) Staatsarchiv Lüttich, Kreisakten Eupen, N" 49. 8) S. Anm. 6. Sternickel und Gülcher sind auch die Gründer der heute nicht mehr bestehenden Eupener Kammgarnwerke (1911-12). 9) Staatsarchiv Lüttich, Kreisakten Eupen, N" 37. Fotos vom Verfasser,
76 Die ”Clinique” oder das St. Josephsheim in Moresnet-Kapelle von Alfred Jansen Etwa 300 m westlich von der Gnadenkapelle in Moresnet bil- det das Gelände einen nach drei Seiten abfallenden Hügel, der durch seine strategische Lage jeder Burg im Mittelalter zur Ehre ge- reicht hätte. Das gewaltige Bauwerk, das jetzt auf dieser Erhebung der Ge- gend im weiten Umkreis seinen Stempel aufdrückt, dient freilich friedlicheren Zwecken. # Es ist das von den Barmherzigen Schwestern des Franziskaner- ordens 1905-1907 erbaute und ursprünglich zum Altersheim be- stimmte Haus, dessen Ordensfrauen aber im Laufe der Zeit eine ganze Skala von Samariterdiensten dort ausgeübt und sich uneigen- nützig im Dienste der Allgemeinheit eingesetzt haben. Man kann nur hoffen und wünschen, daß die jetzige Bestimmung des Hauses, d.h. die Pflege alter und kranker Menschen, die endgültige sein wird. Der ganze Komplex, so wie er sich jetzt darstellt, ist in den Jah- ren 1984-1986 innen wie außen bis zum Dach hin renoviert und zur Westseite hin noch zusätzlich durch einen Neubau vergrößert wor- den. Dem ursprünglichen Hauptgebäude, das vor achtzig Jahren fertiggestellt wurde, kann man zwei Seiten zuteilen, und zwar die dreiachsige Giebelseite nach Osten hin sowie die nach Norden schauende Front, die acht Achsen aufweist. Der Bau besteht aus roten Ziegeln, deren Flächen an den beiden genannten Seiten zwischen den Achsen durch bis unter die Dach- kante emporgezogene, breite, in gelben Klinkersteinen gehaltene Li- senen unterbrochen werden. Dieselben sind oben an der Dachrinne durch einen aus demsel- ben Material bestehenden, auf Kragsteinen ruhenden Arkadenfries verbunden. Das Mittelstück der Ostwand endigt als Giebel, hat brei- tere Fenster und schließt mit einem Walmdach ab. Die Fensterbänke sind aus grauem Kalkstein, die Gewände und die segmentartig gehaltenen Stürze weisen den hellen, schönen Klinkerstein auf, Der Kontrast zwischen der roten Grundfarbe und den elegant hochgezogenen Lisenen mitsamt Fensterumrahmungen gibt dem Bau ein imposantes und harmonisches Aussehen.
78 bau bis auf die Höhe des großen Hauses hochgezogen: Platz für vie- le Räume. Es fällt ins Auge, daß dieser Trakt eine Etage mehr auf- weist, unterschiedliche Fenstergrößen hat und bei weitem nicht das schmucke Aussehen des Hauptbaus besitzt. In demselben Jahr wurde der Längsfassade im Erdgeschoß ein Vorbau angegliedert, der Büros und Warteräumen vorbehalten ist. Dieser Neubau weist an seiner schmalen Ostseite gelbe Klinkerstei- ne auf, der untere Teil der vorderen Front ist bis in Fernsterhöhe mit großflächigen gerippten Blausteinplatten verkleidet. Die Fenster sind nur durch Monolithe aus demselben Stein voneinander ge- trennt. In der Mitte des Trakts schützt ein vorstehendes Dach den Haupteingang. Hier war der Architekt sichtlich bemüht, sein Bauwerk auf den sich dahinter auftürmenden Komplex abzustimmen. Man kann über das Resultat geteilter Meinung sein, mußten doch auch die gel- tenden Baubestimmungen beachtet werden. Jede Epoche prägt sich nun mal ihre eigenen Ausdrucksformen. Die zwölfachsige Südwest- seite ebenso wie die Nordwestseite sind mit anthrazitfarbenen Schieferplatten bekleidet. An und für sich eine etwas düstere Farbe, die aber durch die vielen Fensteröffnungen merklich aufgehellt wird. Dem Haupttrakt wurde bei den Instandsetzungsarbeiten, wie schon eingangs erwähnt, ein Anbau beigefügt, der im Innern eine Kapelle, Aufenthaltsräume sowie den Aufzug beherbergt. Die Fen- ster nehmen die ganze Breitseite des Raumes ein, sind nach innen verlegt und geben so Platz für überdachte Balkons. Laut Katastereintragung beträgt die bebaute Fläche insgesamt 850 m?. Ohne die vielen Details im Innern des Hauses hervorzuhe- ben, muß ein Einzelstück doch vermerkt werden. Es ist der im Erdgeschoß sich über die ganze Länge hinziehende, breite und hohe Gang, dessen Boden ganz mit Mosaiksteinchen ausgelegt ist. Als In- tarsie kann man in der Mitte die Inschrift: ”ORDRE DE ST. FRANCOIS ANNO 1907.” lesen. Dieser ornamentale Flächenschmuck ist eine musivische Ar- beit, deren farbenfrohe Zusammenstellung dem aufmerksamen Be- trachter sofort ins Auge fällt. Leider kommen die Besucher nicht in dieses Haus, um archi- tektonische Kostbarkeiten zu bewundern, sondern haben in den meisten Fällen ärztliche Hilfe nötig. Zur Südwestseite erstreckt sich ein 2099 m?, großer Obst und Gemüsegarten, ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn man Wert auf Frischgemüse legt, aber auch ein nicht zu unterschätzen- der wirtschaftlicher Faktor.
79 Zur Nordseite dehnt sich eine Parkanlage aus, die ursprünglich 3249 m? umfaßte. Der Neugestaltung der ganzen Anlagen sind aber einige hundert Quadratmeter dieser Grünfläche zum Opfer gefallen. Es galt bei der Umstrukturierung, eine Auffahrt zu schaffen, die den ganzen Komplex umrundet, und zugleich auf 2/3 des Weges Park- plätze anzulegen. Damit nicht genug, galt es außerdem die alte Umfassungsmau- er zu erneuern. Diese festungsähnliche Mauer, die das.ganze Areal von Ost bis West mit einer Durchschnittshöhe von sieben bis acht Metern begrenzte, war aus Bruchsteinen und endete mit einem Auf- zatz aus Ziegeln. Da das ehemalige Klostergebäude auf einer Erhe- bung gebaut worden war, mußte das stark abfallende Gelände durch eine hohe Mauer mit dahinter angefülltem Abraum zu einer Ebene gestaltet werden. Auf einer Länge von zirka 50 m grenzte diese Mauer an einen ehemaligen Karrenweg, der den Zugang zu einem neuen Wohnvier- tel bildet. Dieses Gemäuer war nicht nur einsturzbedroht, sondern versperrte schon den Weg mit herausgefallenen Steinbrocken. Man hat sie durch eine neue, moderne Betonmauer ersetzt; zugleich hat man auch die Verbreiterung des Weges mit in Betracht gezogen, so daß oben in der Parkanlage wiederum einige Quadratmeter verloren gingen. AU EN NUN HM BE AR 3 A A - 0 Zn Wa nn A A | n JE ' W Ss. 2 ” IE Pa G ur P P SON Die einsturzgefährdete Mauer, die 1986 durch eine Betonmauer ersetzt wurde Foto A. Jansen,
80 In der Wegegabelung, deren linke Abzweigung nach einigen hundert Metern als Sackgasse endet, während die rechte über Mar- feld in den alten Herzogenweg einmündet, steht ein großes, aus Kalksteinquadern erbautes Haus. Dieses Gebäude, noch nicht einmal zehn Meter in östlicher Richtung von dem oben beschriebenen jetzigen Krankenhaus ent- fernt, wurde im Jahre 1875 von zwei adeligen Damen aus Aachen gekauft: eine Folge des durch Bismarck ausgelösten Kulturkampfes, wonach es den verschiedenen geistlichen Orden ummöglich ge- macht wurde, weiterhin in Preußen zu verweilen. So schenkten die- se Wohltäterinnen den aus Aachen vertriebenen Franziskanerpa- tres hier am Wallfahrtsort Eichschen diesen Besitz. Dank der raschen Entwicklung und dem immer größeren Zu- strom an Pilgern hier am Ort war es den Patres nach einigen Jahren möglich, sich neben der Wallfahrtskapelle ein großes Ordenshaus zu bauen, in das sie im Jahre 1889 einzogen (1). Das Haus, das im Nachhinein das ”Spitälche” hieß (2), war nunmehr leer und konnte einer anderen Bestimmung zugeführt werden. Man schrieb das Jahr 1893, als eine kleine Gruppe Schwestern vom Orden der Franziskanerinnen aus dem Mutterhaus Luxem- burg das leerstehende Haus in Besitz nahm und so hier ansässig wur- de. 2 A £ OS A Wr Sa sa KA ö WER den Links das alte Klösterchen, jetzt ”Foyer de Charite” (Repr. A. Jansen) (1) Siehe Göhltal N° 35 - S. 11-15 Eb/EEREN STORES REN RE (2) Heute ”Foyer de Charite”,
81 Im Bevölkerungsregister der Gemeinde Moresnet stehen diese Klosterfrauen wie folgt eingetragen: Scharf Francoise, Luxembourg nee le 30.9.1836, Sup. Oberin, Neser Katherine, Domingen nee le 14.3.1858, Even Katherine, Beaufort nee le 29.10.1862, Neners Elise, Hobscheid nee le 29.6.1871, Migy Marguerite, nee le 6.12.1878, jeune servante. Nach einiger Zeit folgten dann noch: Querelle Anne, Amsterdam n6e le 8.1.1842, Ennesch Henriette, Verviers nee le 18.8.1872. Aufgabe der Ordensfrauen war es, alte, bedürftige Menschen aufzunehmen sowie Krankenbesuche zu machen. Die Liebesdienste wurden von der Bevölkerung sehr gerne an- genommen, zumal es in der hiesigen Gegend an solcherart wohltäti- gen Werken mangelte. Der Andrang erwies sich bald derart groß, daß das ”Spitälche” zu Beginn des Jahrhunderts voll ausgelastet war. Die Schwestern suchten eine neue Lösung. Das Naheliegende war das einige Meter nordwestlich vom Klösterchen gelegene unbe- baute Land. Wenn schon ein neues Haus, dann auch entsprechend groß. So entstand ein schönes, geräumiges Bauwerk, das nach den Ausmaßen hier in der Gegend nicht seinesgleichen hatte und das auf den Namen ”St. Josephsheim” getauft wurde. Die Ordensfrauen hatten richtig gesehen. Das Heim erfreute sich eines außergewöhnlichen Zuspruchs, bestand doch nun die Möglichkeit für gewisse soziale Bevölkerungsschichten, in einem komfortablen Hause den Lebensabend zu verbringen. Die Nachfrage war so groß, daß in der Klosterchronik 1908 vermerkt steht, das Heim sei voll belegt und könne keine weiteren Anfragen mehr in Betracht ziehen. Friedlich und beschaulich flossen die Jahre dahin, bis 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach. Das Haus mit seinen Insassen blieb intakt, aber mit der stillen Ruhe und Abgeschiedenheit war es vorbei. Deutsche Soldaten belebten nun das Bild. Von eigentlicher Einquartierung konnte man nicht sprechen, doch waren beständig kleine Truppenverbände da, die auf dem Wege zur Front oder zu- rück in die Etappe das Kloster als Quartier benutzten und ihre Wä- sche und Uniformen einer Revision unterzogen. Die Pensionäre des Heims mußten sich wohl oder übel mit die- sen Tatsachen abfinden; ablehnend wurde nur ihre Haltung, wenn verschiedentlich Feldgendarmerie auftauchte und das ganze Haus nach Waffen absuchte.
82 Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde das Haus einer anderen Bestimmung übergeben. 1919 wurde aus dem Altersheim ein Internat und Externat. Pädagogisch ausgebildete Ordensschwestern stellten das Lehrperso- nal. Natürlich ging die Umstellung nicht von heute auf morgen vonstatten.‘ Aber die Nachfrage um Aufnahme ins Heim hatte bei den betagten Personen, aus welchen Gründen auch immer, nachge- lassen. Einen Leerlauf konnte sich das große Haus nicht leisten, und so wurde denn der zahlenmäßige Rückgang der Altenheiminsassen nach und nach durch Lehrklassen wieder aufgefüllt. 1922 wurde die Schülerzahl so groß, daß die Klosterverwaltung zusätzliche Bade- räume und Toiletten sowie draußen einen Schulhof anlegen mußte. . Ständig besuchten 70-80 Schüler wie Schülerinnen diese Lehranstalt. Die Lehrkräfte vermittelten das Wissen der Primar- schulen, abschließend konnten die Mädchen noch eine Haushalts- schule besuchen. Es wäre alles zum Besten gewesen, wäre nicht der Zweite Welt- krieg über uns hereingebrochen mit aller Unbill und allem Unge- mach, die so eine Auseinandersetzung mit sich bringt. Die Plattdeutsch sprechenden Gemeinden hier an der Grenze wurden ”auf Widerruf” dem deutschen Reich angegliedert und ipso facto mit der dort herrschenden doktrinären Weltanschauung kon- frontiert. Diese war aber nicht mit der christlichen Auffassung der Franziskanerschwestern vereinbar, mit dem unausweichlichen Re- sultat, daß die Schulen im Kloster geschlossen und das deutsche Lehrpersonal in Moresnet-Dorf die Schüler bezw. Schülerinnen übernahm. Die leeren Klassenzimmer wurden in Krankenräume umge- wandelt und die Schwestern wurden mit der Pflege der Insassen be- traut. Als sich dann allmählich im Kriegsverlauf eine Wende andeu- tete und immer mehr Städte in Deutschland den Bombenangriffen ausgesetzt waren, wurden von den Verwaltungsbehörden Opfer die- ser Fliegerangriffe hier im Hause untergebracht. Im letzten Kriegs- stadium fanden auch zahlreiche Heimatvertriebene hier im Haus ei- ne provisorische Unterkunft. Mitunter waren über dreihundert Per- sonen in dem Klostergebäude einquartiert. Im September 1944 überrollte die Kriegsfront erneut, aber in umgekehrter Richtung, unser Gebiet. Die Zwänge, die wir vier Jah- re lang hatten erdulden müssen, gehörten der Vergangenheit an. Ein neuer Aufgabenbereich erwartete die Klosterfrauen mit dem Einzug der amerikanischen Armee. Das Rote Kreuz nahm das |
83 Haus in Beschlag. Dreihundert Feldbetten wurden in den Räumen aufgestellt, ein Operationssaal eingerichtet; es wurde Lazarett. Es braucht wohl nicht unterstrichen zu werden, daß bei den heftigen Kämpfen um Aachen, im Hürtgenwald und in der Rund- stedtoffensive die Betten voll belegt waren, zumal auch vom ameri- kanischen Sanitäterdienst Zivilpersonen, die in der Frontlinie ver- letzt worden waren, nach hier gebracht wurden. Aber auch dieser Zeitabschnitt ging vorüber. Eines Tages war der Krieg zu Ende und als Obdachlosenunterkunft sowie Militärla- zarett konnte man dem Haus zwei weitere Funktionen zu der schon vielfältigen Aufgabenskala hinzufügen. Es drängte sich nun die Frage auf: ”Was wird in Zukunft aus unserem Josephsheim?” An und für sich eine unberechtigte Frage, denn die öffentlichen Instanzen von Moresnet und den umliegen- den Ortschaften hatten sich schon der Sache angenommen und be- absichtigten, dem Haus eine ähnliche Aufgabe anzuvertrauen, wie die Amerikaner es vorgemacht hatten. Dazu trug bestimmt der Um- stand bei, daß die ganze Gegend zwar ärztlich versorgt war, aber weit und breit keine Möglichkeit bestand, einen dringenden Krankheits- oder Unglücksfall entsprechend zu behandeln. Da nun von Seiten der verschiedenen Gemeindeverwaltungen sowie des Ordens aufgenommene Kontakte und Verhandlungen po- sitiv verliefen, nahm das Projekt rasch Gestalt an. Pläne wurden erstellt und mit den Umbauarbeiten begonnen. Da mußten in erster Linie die Krankenzimmer, sechzig an der Zahl, auf entsprechende Dimensionen umgebaut werden; es fielen um- fangreiche Installationsarbeiten an, wie Heizung. Toiletten, Becken mit warmem und kaltem Wasser für jeden Raum, Abflußkanäle und besonders die Einrichtungen für die vorgesehene Chirurgie und Medizinabteilung. Es war der 11. Juli 1947, als das Krankenhaus feierlich seiner Bestimmung übergeben wurde. Dem Bürgermeister Hubert Hackens von Hergenrath, einem ehemaligen Schüler des Klosters, der sich ganz besonders für das Gelingen des Planes eingesetzt hatte, fiel es zu, die Festlichkeit zu eröffnen, bei der die Honoratioren der umliegenden Ortschaften sowie der zukünftige Ärztestab unter der Leitung des Chefarztes Delpierre, ferner die Firmenvertreter Laval- le und Hackens, die die hauptsächlichsten Umbauten getätigt hat- ten, anwesend waren. In seiner Festrede hob Hub. Hackens auch die Verdienste der 15 Schwestern hervor, die in Zukunft die Insassen des Hauses zu be-
Durch mangelnde Belegung war die En idebteil ne nicht mehr rentabel; außerdem ließ die interne medizinische Betreu- ung zu wünschen übrig. Im Bericht über eine Gemeinderatssitzung in Kelmis (Grenz- Echo vom 30.3.1971) stand dazu zu lesen: "Krankenhaus: Die wohl wichtigste Mitteilung befaßte sich mit dem Krankenhaus in Moresnet. Die finanzielle Lage hat sich derart verschlechtert, daß die Schwestern darum gebeten haben, die Interkommunale, die das Altersheim in Moresnet gründete, möge auch das Hospital übernehmen. Das Krankenhaus war voriges Jahr nur teilweise belegt. Insgesamt wurden 655 Patienten behandelt, da- von 172 Kelmiser. Im gleichen Zeitraum wurden dort 152 Kinder geboren. Verschiedene Ärzte’schlagen trotzdem eine Auflösung des Ent- bindungsheimes vor, während andere sich dagegen sträuben. Bür- germeister Schyns hat Kontakt mit den 12 dort ansässigen Schwe- stern gehabt und am vorigen Samstag fand eine Versammlung der Interkommunalen im Raum Moresnet statt, bei der sämtliche Ge- meindevertreter sich einstimmig für die Erhaltung des Krankenhau- ses aussprachen. Am 8. Mai wird wiederum eine Versammlung ein- berufen mit dem Ziel, das Krankenhaus durch die Interkommunale zu erwerben... Das Problem ist die Aufbringung der nötigen Gelder...” Als Folge dieser Schwierigkeiten wurde die Entbindungssta- tion geschlossen. Die Verwaltung des Hauses lag in den Händen der Schwester Oberin in Zusammenarbeit mit verschiedenen Persönlichkeiten so- wie einem Mitglied des Caritasverbandes. Dieses Gremium machte Vorschläge zur Leitung und Bewirtschaftung des Krankenhauses sowie.zur Führung der Verwaltung selbst. Es war befugt, Entschlüs- se zu fassen, unterstand aber der Direktion als letzter Instanz. Seit der Gründung des Krankenhauses waren fünfundzwanzig Jahre ins Land gegangen und es hatte sich hier in der Gegend vieles geändert. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Hospital eine Not- wendigkeit; mit großer Freude war es eröffnet worden, aber inzwi- schen fuhren wir auf asphaltierten Straßen, das Auto war zur Selbst- verständlichkeit geworden und erlaubte schnelle und bequeme Ver- bindungen, was sich letzten Endes ungünstig auf unser Kranken- haus auswirkte. Zusätzlich erließ das zuständige Ministerium immer strengere Verordnungen in bezug auf Sicherheit, Hygiene und Komfort, die die Schwestern vor immer aufwendigere finanzielle Probleme stellten. Eine Lösung bot sich nur, wenn eine Interessen-
86 gemeinschaft sich der Sache annehmen würde. Eine solche Gruppe bildete sich spontan aus Vertretern der Ge- meinden, aus denen durch die Zusammenlegung (1977), Kelmis und Plombieres wurden. An der Spitze stand einerseits der Kelmiser Bür- germeister W. Schyns und andererseits Gemeindesekretär J. Mager. Diese Interessengemeinschaft nannte sich ”Association intercom- munale des ceuvres medico-sociales”, in Abkürzung: A.I.O.M.S. Dieses Konsortorium kaufte im Jahre 1975 den Schwestern das Haus ab und führte es unter dem Status ”V”, d.h. für Kranke, die einer längeren und intensiveren Behandlung bedurften. Durchschnittlich war Moresnet zu 95 % belegt und beschäftig- te bis zu 50 Personen. Doch dieses System erwies sich als viel zu auf- wendig für den Steuerzahler und im Jahre 1985 wurde der Kranken- ‘ hausstatus einer Reform unterzogen. Das zuständige Ministerium beschloß, das Haus hier in Moresnet der Kategorie ”M.R.S.” (mai- son de repos et de soins, Langzeit - Pflege- und Ruheheim), zuzuord- nen. Konkret ausgedrückt besagt das folgendes: Unter dem System ”V” kostete der Aufenthalt des Patienten das I.N.A.M.I. (Institut national des accidents, maladies et invali- dites) pro Tag 2000 F; der Kranke mußte 200 F beisteuern. Die neue Verordnung kostet dem Kranken 650 F, während die Sozialversicherung 900 F zur Deckung der Unkosten beiträgt, wo- bei der Aufenthalt nur durch Einweisung des behandelnden Arztes möglich ist. Um jetzt das Haus auf den neuesten Stand der ministeriellen Verordnungen zu bringen, mußte es vom Keller bis zum Dach einer grundlegenden Renovierung unterzogen werden. 60 Krankenzimmer wurden mit neuem Mobilar eingerichtet, dem Gebäude wurde zur Westseite ein Anbau in Höhe des Kom- plexes beigefügt, der Kapelle, Aufenthaltsräume sowie Aufzüge in sich birgt. Die Wetterseiten wurden ganz mit Schieferplatten beklei- det, das Dach vollständig erneuert. Die Feuerwehr ihrerseits verlangte rund um dem Bau eine brei- te Straße, um einen eventuellen Brand ohne Hindernisse angehen zu können. Für diese Arbeiten konnte man nicht umhin, die anwesenden Patienten auszuquartieren; das Haus wurde für etliche Monate ge- schlossen. Die ganze Umstrukturierung belief sich letzten Endes auf die Summe von 80 Millionen Franken, die zu 94,5 % von der französi- schen und der deutschsprachigen Gemeinschaft getragen wurde.
iS Am 28. September 1985 nahm der Präsident des Verwaltungs- rates, Herr Willy Schyns, in Anwesenheit von Mgr. van Zuylen, Bi- schof von Lüttich, sowie der Geistlichkeit des Dekanats und der Vertreter der umliegenden Gemeindeverwaltungen die Einweihung Vor. Es zeigte sich sehr bald, daß das komfortable und auf den neue- sten Stand gebrachte Pflegeheim regen Zuspruch erhielt. Dem schon erwähnten Präsidenten W. Schyns stehen Herr J. Kohnen als Vizepräsident, die Schwester Marie-Maurice als Verant- wortliche des Personals, Herr W. Heuschen, Präsident des Öffentli- chen Sozialhilfezentrums von. Kelmis, (C.P.A.S./Ö.S.H.Z.) sowie Herr F. Eppe als Buchhalter zur Seite. Die im Erdgeschoß untergebrachte Poliklinik, die zirka 5000 - Patienten im Jahr behandelt, hat sich in viele Bereiche ausgedehnt. Zu den eingangs schon erwähnten Fachbereichen kamen noch zu- sätzlich Kinasitherapie, Dermatologie, Neuropsychiatrie, Urologie, Gefäßchirurgie, Endocrinologie, Gynekologie, Gastro-Enterologie und Elektrokardiogramme. Das Personal ist nach der Eröffnung je nach Bedarf wieder ein- gestellt worden und wird von den noch verbleibenden Ordensschwe- stern unterstützt. Der Patient kann einer sorgfältigen Betreuung gewiß sein. Man sieht, das in jeder Hinsicht auf den neuesten Stand ge- brachte Haus ist aus der Gegend nicht mehr fortzudenken. Rückblickend auf die Tätigkeit der Schwestern in den diversen Funktionen, denen dieselben seit Bestehen des Hauses oblagen, wä- re es vielleicht angebracht, die Liste der jeweiligen Oberinnen seit 1893 bis auf den heutigen Tag anzuführen, da ja bestimmt jede auf ihre Art während ihrer Tätigkeit zum Fortbestand der St. Josephs- Klinik beigetragen hat. 1893, Schw. Innocenta. 1907, Schw. Paulin. 1910, Schw. Josepha. 1919, Schw. Cyrilla. 1925, Schw. Isolda. 1931, Schw. Cyrilla. 1935, Schw. Liguore. 1937, Schw. Vincentea. 1940, Schw. Marie-Claire. 1946, Schw. Antonia. 1951, Schw. Marie-St. Francois. 1954, Schw. Marie-Nicole. 1958, Schw. Elisabeth. 1961, Schw. Marie-Jean. 1969, Schw. Madeleine-Sophie. 1975, Schw. Marie-Maurice. 1986, Schw. Marie-Joseph. Quellennachweis: Administration communale de Plombieres / Gemeindeverwaltung Bleyberg Schwester Marie-Maurice gebührt besonderer Dank.
90 ——————— VBermifdhte NachridHten. | Keimis, Wie alljährlich, fo hielt am vorigen Sonntag di: GejeNlihaft „Ulf“ ihren diesjährigen Ausflug. Das Dampjroß brachte die Ufer Sonntag morgen 6 U9r 20 vom Bahnhof GHeraenrathH nad Aachen von wo fie um 7 Uhr 46 nah Valfenburg | weiterfuhren. Dort angekommen frühjtücten fie im | Hotel VBoßen, und nachdem fie daSjelbe eingen:mmen | hatten, ging e8 auf Schuftersrappen zur Valkenburger- Höhle. Dosrt ftand ein Führer mit Laternen bereit um ihnen die Höhle zu zeigen und zu jerklären und wurde diefelbe etwa 3)4 Stunde durdHwandert und vieles mit Staunen betrachtet, jo daß um 11 Ur aufgebrochen wurde um den Zug nad Maeftriht um * 1)2 12 Uhr zu nehmen. Der Aug lief um Mitiag in Maeftricht rin und ftatteten die Ulfer dem Hotel Willem und dem Reftaurant Momu3Z einen Buch ab, von wo e& zum Hotel Odlier ging, wo das ber ftellte Diner eingenommen wurde, Nach dem Diner erhob ji der Präfident der GejeNlhaft „U“, Herr DH. Vorab farte er, «3 freue ihm daß die Ulter an dem Ausfluge fo zaul-eich teilgenommen hätten. Alsdann fühlte er fig verpflichtet, dem Hın. O, für die guten Speifen und Getränk» jeinen Dank auszujprechen, was er burdh ein Hoch auf denfelben bekräftigte und worin alle mit einjtimmt:n. Nachdem Fe von Hrn. DO. AWbichied genommen Hatten bejuchten fie no 5 etliche Keftaurant3 und gingen alsdann zum Bahnhof, von wo fie das Dampfroß wieder über Wachen nach | Hergenrath zurüdbradte. Segen Mitterracht Iangten | die Ulfer wieder in ihr Vereinslokal an, wo fie noch einen chuppen tranfen und dann nach Haufe gingen mit dem Bewußtfein, einen fhönen AWuzflug erlebt zu Gaben, S Ein Vereinsauflug im Jahre 1895 nach Valkenburg und Maastricht, Das ”Freie Wort” berichtete darüber am 24.8.1895. Das Schaffen und Wirken der nun auf das Volkstümliche und Traditionelle ausgerichteten Karnevalsgesellschaft wurde gezwungenermaßen durch die Auswirkungen der Kriegsereignisse des Ersten Weltkrieges so stark gebremst und gehemmt, daß die Ge- sellschaft bis zum Jahre 1937 fast keinerlei Tätigkeit aufzuweisen hatte. Sie behielt jedoch, allen Wirren zum Trotz, ihren ursprüngli- chen Namen. Die Vereinsfahne wurde säuberlich aufbewahrt und der ‚Kassenbestand und die Vereinsstatuten wurden fein und wohl- behütet weiter verwaltet.
9 7 & D Karnevalsgesellschaft „Wiiz“ zu Kelmis. Kirme&:Dienstag, den 17. September cr, ‚von abendS halb S Uhr ab, Gross. FEST-RBALLTL im Vereinslokale HOTEL BERGERHOFF. GEntree: 1 IM. pro Navalier, eine Dame frei, jede weitere Dame 50 Pig. . Der kleine Rat. | Nicht nur an den Karnevalstagen ist die KG ”UIk” aktiv. Anzeige in ”Das Freie Wort” vom 14.9.1901. SEES SEEN VEN TTS : n 1 D X I af na g7 | x Kamevals-Gesellschalt „LEE“ zu Kolmis. sn as el ES GEN Da | AA rn | 2 Am Faschings-Montag, den 10, Febr. 1902, | |} Di EN a a 6 be, An we ( Yindet im nörriihfeitlih gelhmücten Narrenpalaite Sotel Yergerhof (7 A . unfere a SA SE 2, Damen-Sigung jiatt. Gieran anjehließend, punkt 9 Uhr, Grosser kostümierter E’est-Baill. Entröe 1. Mark pro Ravalier ; dne Dame hei jede weitere Dame 0,50-M, 3 Mastierte Haben feinen Zutritt. Ba Der Feine Rat. Ein Kostüm-Ball, aber ohne Masken! Anzeige im ”Freien Wort” vom 8.2.1902. Diesen Umständen ist es zu verdanken, daß die damals noch le- benden Mitbegründer, die Herren Jules Nossent, Peter Raderma- cher, Jean Brandt, Joseph Radermacher und Karl Zitzling, im Jahre 1937 dem damaligen Mitglied Martin Huppermann die Vereinskas- se, die Vereinsfahne und die Insignien der Gesellschaft ”UIk zu Kel-
92 mis von 1879” feierlich überreichen konnten. Gleichzeitig wurde dem Herrn Huppermann offiziell die Befugnis erteilt, den Gesell- schaftsnamen ”Ulk zu Kelmis von 1879” weiterführen zu dürfen. Dies geschah, um die Kontinuität und den Fortbestand der ur- sprünglichen Gesellschaft und deren Ziele zu gewährleisten. 0 2 2 HZ N U N 08 22 a Cu HN 2 122 7 a Aha DE A YO | WO ES AED 2 3 El Be 7 Ag MM ® AM 8 7 > ze f . 5 we WO I A De N A Erg TE S PIE BR has‘ OR, N Einer der Gründer der ”KG Ulk zu Kelmis”, Jules Nossent (Mitte), in der Tracht der St. Barbara-Sebastianus Schützen, deren Präsident er war. (Links Karl Zietzling, ebenfalls ein Mitglied der ersten Stunde, rechts Dechene) Leider kam diese neu erweckte Aktivität recht bald wieder zum Erliegen, denn neue schwere Kriegseinwirkungen hemmten das ge- sellschaftliche Leben aufs neue. Jedoch wurden auch in den Kriegs- jahren 1940-45 regelmäßig sogenannte Familienfeste abgehalten, X | |
93 zwar mit bescheidenen Mitteln, die dann schrittweise in regelrechte Karnevalssitzungen übergingen. Während dieser Feste wurden Büt- tenreden vorgetragen, die ein Ventil waren, um die schweren Zeit- umstände zu glossieren und die den Geist der Urwüchsigkeit des Kelmiser Karnevals in dieser schweren Zeit wach hielten. Nach Kriegsende wurde die Vereinsarbeit durch behördliche Auflagen sehr erschwert, so daß in der ersten Zeit jegliches Gesell- schaftsleben zum Erliegen kam. So mußten Personen, die öffentlich auftreten wollten oder eine Gesellschaft führten, ein amtlich ein- wandfreies, polizeiliches Führungszeugnis nachweisen können. Die leitenden Personen der ”KG Ulk zu Kelmis” konnten diesen Nach- weis sehr schnell erbringen und so kam es, daß bereits am 25. No- vember 1945, unter der Leitung des Präsidenten Peter Hoven, die erste Nachkriegssitzung stattfand. Peter Hoven behielt das Amt des Präsidenten bis zum Jahre 1947 und gab es dann an Joseph Bonni ab. Dieser blieb im Amt bis 1948, als der uns allen noch gut in Erin- nerung gebliebene Heinz Errens das Präsidentenamt übernahm. Im Jahre 1950 erfolgte dann eine entscheidende große Umor- ganisation und Umstrukturierung der ”KG Ulk zu Kelmis” unter der Federführung des neuen Präsidenten Martin Huppermann. Ihm ist es zu verdanken, daß die ”KG Ulk zu Kelmis von 1879” wieder festen Boden unter die Gesellschaftsfüße bekam, denn zu diesem Zeitpunkt machten sich vereinsfeindliche Elemente breit mit dem Ziel, den ursprünglichen Geist und die gesteckten Ziele zu unter- höhlen und durch unlautere Machenschaften zu unterwandern. Von 1952 bis 1954 übte Karl Willems das Präsidentenamt aus und leitete die Gesellschaft im alten Sinne weiter. Seit 1956 und bis zu seinem Tode war Karl Willems Ehrenpräsident unserer Gesellschaft. Im Jahre 1956 übernahm Peter Hoven von seinem Freund Martin Huppermann das Amt des Präsidenten, das er bis zu seinem plötzli- chen und unerwarteten Tod, unmittelbar vor Beginn der Session 1983/84, mit sehr großem Erfolg führte. Es ist der Verdienst von Peter Hoven, daß unter seiner Leitung die ”KG Ulk zu Kemis” zu hohem Ansehen gekommen ist und weit über die Grenzen unseres kleinen Heimatortes Kelmis bekannt wur- de. Höhepunkt der Arbeit von Peter Hoven dürften die großen Ju- belfeierlichkeiten anläßlich des 9 X 11 jährigen Bestehens der Ge- sellschaft gewesen sein, die im Jahre 1978 stattfanden und ein gan- zes Dorf kopfstehen ließen. Ein Karnevalszug der Extraklasse war der Höhepunkt dieser Feiern und die Resonanz war sensationell.
6 0% Fe N Achtung! Achtung! - EN N) Samstag, 19. November ’88, 20 Uhr ZA 5) Sonntag, 20. November ’88, 17.30 Uhr ALS zu Samstag, 26. November ’88, 20 Uhr I AN 533) u. Sonntag, 15. Januar 1989, 17.30 Uhr ZA CN BED u veranstaltet obengenannte Gesellschaft im NARRENPALAST ASTORIA a ihre großen GALA- unter dem Zepter S.T. Prinz JACKY IV. Kommt, seht, staunt und lacht beim ULK wird wieder Spass gemacht. Besuch renommierter Karnevals- gesellschaften vom In- und Ausland Nach den Sitzungen TANZ mit dem Orchester »Sunset« Eintritt: 200 F. - Kartenvorverkauf am 17. Oktober ab 9 Uhr - Cafe Mathieu Lavalle - Thymstr. 14 ab 14 Uhr im Miederwarengeschäft Radermacher, Thimstraße 10, Kelmis, Tel. 659547.
95 Nach dem Tode unseres Freundes Peter Hoven übernahm dann im Jahre 1984 Jean Barth die schwere Bürde des Präsiden- tenamtes und es ist seiner Umsicht, seiner Dynamik und seinem Or- ganisationstalent zu danken, daß dieser abrupte Präsidentenwechsel Ohne Schaden für unsere Gesellschaft geblieben ist. Mehr noch: die äußerst positive Tendenz wurde weiter fortgesetzt. Im Jahre 1986 ließen zwei Auszeichnungen besonderer Art aufhorchen, weil sie ei- ne Anerkennung der Verdienste unserer Vereinsarbeit bedeuteten: dem Altmeister des Karnevals, Leonard Kohl, besser bekannt als ”Nades”, wurde die Ehre zuteil, daß eine neue Straße in der Sied- lung ”Edelweiß” nach ihm benannt wurde. Eine Ehrung, die unse- rem langjährigen Vereinskollegen, der noch im ”biblischen” Alter von 93 Jahren auf der Bühne stand und sein Publikum faszinierte, zu Recht zuteil wurde. Zum zweiten wurde unserer Gesellschaft durch seine Majestät den König die Würde einer ”Königlichen” Gesellschaft verliehen. Eine Auszeichnung, die ehrt und verpflichtet. Die Karnevalsgesellschaft ”Ulk zu Kelmis von 1879” kann mit berechtigtem Stolz auf ihre geschichtliche Vergangenheit zurück- blicken und mit ruhiger Zuversicht in die Zukunft schauen, hat sie doch in ihren Reihen so bekannte und bewährte Karnevalisten wie Joseph Schmetz, Armand Broun, Albert Huppermans, Jose Hup- permans, Jean Reul, Mario Francois, Nicolas Knott, Willy Francois, Jean Pierre Hoven, Henri Pricken & Die Klosterspatzen. Des weiteren kann der Verein auf eine große Gruppe aktiver und dynamischer Karnevalisten zurückgreifen, die es ihm erlauben, Veranstaltungen ausschließlich mit eigenen Kräften zu bestreiten, die dennoch jedem Vergleich mühelos standhalten. Dieser Trend ist in den letzten Jahren so stark ausgeprägt, daß die Gesellschaft mitt- lerweile ihre Prunksitzungen bis zu viermal wiederholen muß, um jeden Interessenten einlassen zu können. + $ Als Krönung stellte die ”KG Ulk zu Kelmis” bisher dreimal den Prinzen Karneval, und zwar Jean Thaeter als Jean II. Klaus Breuer als Klaus II. Robert Göbels als Robert I. Den Chronisten würde es sehr freuen, wenn er in einigen Jah- ren weitere positive Berichte von erfolgreicher Vereinsarbeit nach- tragen könnte. Kelmis, 20/10/1987
96 Wiedersehen von Leonie Wichert-Schmetz Erst nach langen Monden heute Kam’s, daß ich dich wiedersah, Wie mein einsam Herz sich freute, Wußte kaum, wie ihm geschah! Rosig glühten deine Wangen, Und es brannte deine Hand, Und an meinen Blicken hangen Fühlt ich deine unverwandt. . Doch das Wiedersehen schmerzte Mehr, als es dich freute, mich. Doch ich fühlte deinem Herzen Nach der Trennung näher mich. Alle Freundschaft muß verblühen, Alle Liebe muß vergehen, Alle Freude muß verglühen, Nur Erinnerung bleibt bestehen. 1) Aus dem Gedichtband “Ich hab mich ganz an dich verschwendet”, Vlg. Haus Durbeke, Altenbeken, 1979.
97 ° A propos de la construction . O du chemin de Gemmenich x O2 a Sippenaeken en 1866-67 par Joseph Leclerc Avant la construction de l’actuel chemin reliant les deux villa- ges voisins de Gemmenich et de Sippenaeken, il fallait prendre un chemin de terre conduisant ä travers champs, prairies et bois, sou- vent impraticable ä cause des profondes ornieres qu’y avaient lais- sees les chariots et charrettes. Surtout en hiver se posaient de grands problemes de circulation. Pour ne pas s’enliser dans les ornieres, les Charretiers et postiers contournaient les obstacles naturels et pas- saient ä travers champs et prairies endommageant les haies et clötu- res ainsi que les terrains cultives, ce qui donna naissance ä beaucoup de protestations de la part des fermiers. Parfois ces disputes devaient &tre tranch6es par le tribunal. La construction d’un nouveau chemin empierre entre les deux villages s’imposait donc. C’est le 29 juillet 1866 que l’administration communale de Gemmenich s’adressa ä la commission de la ”fonda- tion Lovens” ä Liege dans le but d’obtenir de celle-ci la cession de differentes parcelles de terrain necessaires au trace du nouveau che- min projete. Le 16 du mois suivant, la commission de ladite fondation repondit ä cette lettre: Nous avons pris connaissance dans notre seance de ce jour, de la demande que vous avez adresseee sous la date du 29 juillet dernier tentant d’obtenir la cession de diff&rentes parcelles de terrain appar- tenant ä la fondation Lovens et qui vous sont necessaires pour l'eta- blissement d’un chemin empierr& de Gemmenich ä Sippenaeken. Nous ralliant aux conclusions du rapport de notre expert, voici les conditions auxquelles nous consentirions de vous faire cette cession ‚Sous re&serves toutefois, d’autorisation prealable de la deputation. L’indemnite pour les terrains et les arbres est fixe comme suit:
HD BRAUHEED LS ZELL ET Sg * $ IhA=— 5 ds WU Win &$ HAN i 7 700800 5 Se AV Tas Das SS S dä AO NE Ö Ge NS EEE AAN ; SS Ze WEIS SE aan 3 Dan hu, Ze ÄN Ri SS NS HE \ zZ VS AA) NS 3 ES A \Z A TE SE Ss SE > PS / 8 8 Ö & BO 3 < f S\ + N * IS Z% Fk $ Se 7% & CN Ce / hop >S
99 Jere parcelle n° 872 - 2 ares ä raison de 4.000 frs. par huitieme, soit: e 95.20 2me parcelle n° 816 - 2.98 ares ä frs 4.000 # 119.20 3me parcelle n° 819 - 6.36 ares ä frs 4.000 &. 254.40 4me parcelle n° 862 - 1.54 ares ä frs 6.000 92.40 5me parcelle n° 846 - 1.47 ares ä frs 9.000 44.10 6me parcelle n° 982 - 7.99 ares ä frs 9.000 219.90: ä reporter frs. 825.20 * Y compris 69 centiares pour le 1/2 m. de haies * report: frs. 825.20 ‚pour les trois arbres ä fruits frs. 100. ‚pour les deux plus gros pruniers frs. 70. ‚pour les deux plus petits Ye 95. ‚pour le saule rouge et le prunier YES, ensemble frs. 1.055.20 La commune devra faire executer ä ses frais tous les travaux Eventuels d’aqueduc sur les fosses de la route, les raccordements pour entrees, placements de nouvelles, ou deplacements d’anciennes barrieres, enfin la plantation des haies pour clötures, le tout d’apres les conditions suivantes: (inserer ici les art. 1° ä 10° du rapport de M. Schmetz.) (1). Je vous prie M.M., de bien vouloir nous faire connaitre si vous acceptez ces propositions. - Il importe que votre reponse nous par- vienne pour le 25 de ce mois, afın que nous puissions statuer definiti- vement dans notre prochaine seance, qui aura lieu le jeudi 29. Pour la commission: Le vice-president. Le secretaire F.A. Le Conseil communal de Gemmenich s’etant declare d’accord avec les conditions fixees par la fondation Lovens, dont le fermier, Mr. Deliege, devait &tre indemnise pour les dommages qui pour- raient lui &tre causes, la construction du chemin put commencer. Le 14 novembre 1867, les travaux €tant termines, la commis- sion provinciale des bourses de Liege adressa la lettre suivante a l’ad- ministration communale de Gemmenich:
100 Messieurs, Nous avons l’honneur de vous adresser, en vous priant de vou- loirbien la soumettreä votre conseilpourqu ilendelibere, unelettre par laquelle le Sr. Deliege, locataire de la ferme de la fondation Lovens, reclame notamment une indemnite du chef des dommages que Iui a causes la construction de la route de Gemmenich ä Sippenaeken. Lorsque nous avons consenti ä ceder ä votre commune, pour la construction de ladite route, les parcelles de terrain appartenant ä la fondation Lovens, ce n’a et& qu'avec la reserve expresse que vous indemniseriez le fermier de tout dommage qui pourrait resulter pour ui d’un retard dans la plantation des haies. ; Il vous incombe donc de faire droit de ce chef ä la requete du Sr. Deliege. Lorsque vous aurez statue sur ce point, veuillez nous renvoyer sa reclamation, afın que nous puissions nous prononcer egalement en ce qui concerne sa demande en reduction de fermage. Pour la commission, Le President, le secretaire F. Angeno. (signature) Du temps 0ü les ediles de Gemmenich prirent la decision de faire construire un chemin solide vers Sippenaeken, la paroisse de Gemmenich 6&tait dirigee par le cure Francois Nyssen. Ne ä Mont- zen le 10 octobre 1818, il avait fait ses etudes ä Rolduc et avait ete ordonne pretre a Liege en 1845. Apres avoir ete professeur au Petit Seminaire de St. Trond, l’abbe Nyssen devint vicaire a Huy, puis a Liege/Ste Veronique avant d’obtenir en 1859 la charge de la paroisse de Mont-Dison et, en 1865, celle de la paroisse de St. Hubert ä Gem- . menich oü il deceda le 5 juillet 1893. Sa pierre tombale se voit encore au cimetiere de notre paroisse. Pourquoi parler du cure Nyssen? Eh bien, c’est lui qui fut le moteur de la construction du nouveau chemin. En effet, la ferme Heidgen, sise actuellement pres du ”Parc des Trois Frontieres” etait la propriete du conseil de la fabrique d’eglise de Gemmenich. C’est ici, a ’entree actuelle dudit parc, que debutait l’ancien chemin, se dirigeant vers les bois. Avant d’y penetrer, il y avait 4 main gauche une ferme (actuellement, il y a, a cet endroit, une maison d’habita- tion). Un peu plus loin, c’etait le bois. Apres l’avoir traverse, le che- min aboutissait ä la ferme Linde, ou il rejoignait l’actuel chemin de Terstraeten, Terbruggen et Sippenaeken. Le cure Nyssen, en intervenant pour la construction du nou- veau chemin, ne pensa pas seulement ä l’interet de la ferme Heid-
101 gen, mais egalement ä celui des quelques autres fermes situees un peu plus loin encore en direction de Sippenaeken, et notamment la ferme de mes grands-parents du cöte maternel. Venait ensuite une petite maison avec quelques ares de terrain, avant qu’on n’arrive ä la ferme Graet, plus ancienne que celle situee en face et ä gauche du nouveau chemin qui passe entre les deux. La construction d’un si long troncon de chemin empierre etait, en ce temps-lä, une entreprise peu comparable avec les travaux rou- tiers de nos jours. Les transports des materiaux se faisaient par cha- rettes tirees par des chevaux. Les pierres devaient Etre chargees a la main ou ä la pelle. Et meme si le silex et le sable ne&cessaires se trou- vaient non loin de lä, l’entreprise occupait de nombreuses personnes pendant de longs mois. Le nouveau chemin, je l’ai pris souvent comme €colier pour me rendre ä l’ecole de Sippenaeken. C’etait pendant la premiere guerre mondiale, a l’epoque ol les Allemands avaient installe une clöture electrique allant de Gemmenich ä Teuven. Cette clöture passait tout pres de chez nous et traversait plusieurs de nos prairies, si bien que Grünebempt, situe pourtant a quelques centaines de metres seule- ment du village de Gemmenich, fut coupe de celui-ci. Ainsi, de 1915 ä 1918, j’ai dü, par tous les temps, me rendre ä l’ecole a Sippenae- ken. Surtout en hiver, ce n’etait pas tres agreable. II fallait partir tres töt quand il faisait encore noir pour arriver a Sippenaeken pour la messe de 7.30 heures. Et l’apres-midi, au retour, la nuit tombait deja...
102 Unsere Reise nach Prag - Eindrücke eines Mitreisenden - von Alfred Jansen Bei der Gruppe, die sich am Morgen des 13. August am Mu- seum zur Fahrt nach Prag einfand, sah man bekannte und vertraute Gesichter, daneben aber auch Mitreisende, die zum erste Male bei einer Mehrtagesfahrt der Göhltalvereinigung dabeisein wollten. Bei zügiger Fahrt landeten wir zeitig in Nürnberg, wo wir eine ausge- dehnte Rastpause einlegten, die ausgiebig genutzt wurde, um die mittelalterliche Atmosphäre dieser historisch bedeutsamen Stadt in uns aufzunehmen. ; In Pleystein bzw. Vohenstrauß i.d. Oberpfalz übernachteten wir, um dann am nächsten Tag zeitig an der tschechischen Grenze zu sein. Nach dem deutschen Grenzübergang Waidhaus und den unerläßlichen Formalitäten standen wir plötzlich nach einer Links- kurve am tschechischen Zollamt Rozvadov. Nun hieß es warten. Die Pässe wurden eingesammelt, Wertsachen mußten deklariert werden. Wir hatten uns auf mindestens eine Stunde Wartezeit ein- gestellt, doch schon nach gut 30 Minuten ging der Schlagbaum hoch. Des Rätsels Lösung: ein paar Dosen Getränke aus der Kühlbox des Busses hatten den Besitzer gewechselt und uns den Beamten viel sympathischer gemacht! Die Straße auf Pilsen zu ist kurvenreich, von Bäumen gesäumt. In Pilsen sollten wir den uns vom tschechischen Fremdenverkehrs- amt zugeteilten Reisebegleiter treffen. Es blieb Zeit für einen Stadt- rundgang, wobei der Eindruck eher negativ war: leere Geschäfte, heruntergekommene Bauten... Treffpunkt mit unserem Führer war die berühmte Brauerei. Bei der Anfahrt zu derselben bemerkte ich den Mann, wie er am Straßenrand stand und aufmerksam den vorbeirollenden Ver- kehr beobachtete. In der Hand hielt er eine blaue Plastiktüte. Er mochte auf die siebzig zugehen. Graues, kräftiges Haar, ein ver- knautschtes Gesicht, dicke Lippen, kräftige Augenbrauen, unter de- nen ein paar scharfe graue Augen hervorschauten, Augen, die alles sahen und registrierten. Nachdem der Mann unseren Bus bestiegen und sich als Stanis- laus Kubin vorgestellt hatte und nach den üblichen, in einem recht ‚verballhornten Deutsch vorgebrachten Begrüßungsworten, kam ”Stani” uns schon recht sympathisch vor. Es wurde uns auch schon
103 bewußt, daß er für die nächsten Tage buchstäblich von uns Besitz ergreifen würde. Die Art und Weise, wie er uns dann im Restaurant der Brauerei zu unseren Plätzen verhalf, ließ erkennen, daß er die ihm zugedachte Aufgabe mit Einsatz und Eifer zu erledigen gedach- te. Die Fahrt von Pilsen nach Prag nutzte unser Reiseführer, uns in einem ununterbrochenen Redefluß die Tschechoslowakei und die durchfahrenen Gebiete vorzustellen. Im Weichbild von Prag bog er ab, uns die Errungenschaften des Sozialismus in Gestalt von Fußball- und Leichtathletikstadien zu zeigen. Quer durch die Stadt ging es dann zu unserer Unterkunft, dem beinahe 20 Etagen hohen Hotel ”Olympik’ an der Sokolovska. Bei der Ankunft gibt man sei- nen Reisepaß ab und bekommt dafür eine grüne Hotel- Ausweiskarte. Beim Abendsessen fand sich für Stani die Gelegenheit, uns mit Fahrscheinen der öffentlichen Verkehrsmittel zu versorgen und uns zu einem ersten Kontakt mit Prag für 20 Uhr einzuladen. Mit der Straßenbahn ging es zum Zentrum. Eine Fahrt kostet 1 Krone (bei Schwarzumtausch etwa 1,50 F., nach offiziellem Wechselkurs etwa 5 F.) Stani, so nannten wir unseren Führer, begann den abendlichen Stadtbummel bei dem i.J. 1906 im Jugendstil errichteten Repräsen- tationshaus, zeigte uns dann den Pulverturm (1475), ging über den Graben zum Wenzelsplatz, der Prachtavenue von Prag. Mehr Straße als Platz, wurde er von Karl IV. im Jahre 1348 als Roßmarkt und Zentrum der von ihm gegründeten Neustadt auf einer Länge von 770 und einer Breite von 60 m angelegt. Am oberen Ende des Platzes befindet sich das Nationalmuseum; zu Füßen der dort hin- aufführenden Stufen steht die Reiterstatue des hl. Wenzel, flankiert von den Stadtheiligen Prokop, Adalbert, Ludmilla und Agnes. Rei- seführer Stani erklärte uns nun noch, wie wir den Weg zurück ins Hotel fänden und ließ uns allein weitere Eindrücke sammeln. Die ei- nen zog es zum Hotel, die anderen zu einem Gang zur Karlsbrücke. Montag, den 15.8. Aufgeweckt wurden wir durch die ratternden Trambahnen, die in Abständen von kaum einer Minute am Hotel vorbeifuhren und einen infernalischen Lärm verursachten. Nach einem reichlichen Frühstück ging es per Bus zu einer Stadtrundfahrt. Die Tramwagen standen still auf der Sokolovska. Schon wieder ein Stromausfall. Ansonsten sind die rot und blaßgelb gestrichenen Wagen, jeweils zwei pro Zug, die auf breitem Spur- band dahinrollen, schnell und, wie gesagt, billig.
104 Doch Stani führte uns zuerst durch das Industrieviertel im Osten der Stadt. 12 % der industrielllen Produktion des Landes ent- fällt auf die Hauptstadt. Via Zentrum landen wir schließlich im Ju- denviertel mit Altneusynagoge (der ältesten erhaltenen Synagoge Mitteleuropas), ehemaligem jüdischem Rathaus und vor allem dem alten jüdischen Friedhof mit Grabsteinen von 1439 bis 1787. Fast 12.000 Grabsteine legen Zeugnis von der kulturhistorischen Blüte des Judentums im Prager Ghetto ab. Unsere Entdeckungsfahrt ging weiter zum Altstädter Rathaus mit der astronomischen Uhr, dann zum Altstädter Ring und zur Karlsbrücke mit ihren weltberühmten Skulpturengruppen. Stani rückte alles in die richtige historische Perspektive und brachte uns - zum Mittagessen mit Metro und Tram ins Hotel zurück. Vor dem Essen gab es jeweils einen kleinen Aperitiv, einen Kräuterbitter mit Namen Becherovka, so genannt nach dem Karlsbader Arzt Becher. Den Nachmittag ließ unser Führer uns zur freien Verfügung, nach- dem er uns auf die guten Einkaufsmöglichkeiten in den Tuzexläden aufmerksam gemacht hatte. Hier gibt es gegen Devisen all das, was der tschechische Normalbürger nicht erstehen kann. Am Abend stand ein Bier- und Folklore-Abend auf dem Pro- gramm. Im Hotel International, wie eine Miniatur der Moskauer Universität aussehend, waren Plätze für die belgische Gruppe reser- viert. An weiteren Tischen saßen Italiener, Spanier, Japaner, Rus- sen, DDR-Touristen... Mit Schunkeln und Tanzen wurden interna- tionale Kontakte geknüpft, die leider ohne festen Bestand bleiben werden. Der Abend wurden zu einem Volltreffer und wird bei allen Teilnehmern in bester Erinnerung bleiben. Dienstag, den 16.8. Auf der Fahrt zum Hradschin, der Prager Burg, wiederholte Stani seine schon mindestens zweimal gegebenen Erklärungen: ”Meine Damen und Herren! Sehen Sie zur linken Seite Ministeri- um von... und weiter Ministerium von... ” (Das Gebäude der Kom- munistischen Partei der CSSR entlockt ihm den Kommentar: ”Un- sere heimliche Regierung”). Und dann ging es weiter: ”Haben wir auf rechten Seite lang-ges Schiff, was ist jetzt Hotel. Meine Herr- schaften, sehen Sie zur Rechten Krankenhaus, wo ist gemacht wor- den erste Operation mit Narkose...” Die Anfahrt zum Hradschin führt uns durch Villenviertel und Parkanlagen: ein Stadtviertel der Botschaften und Konsulate. Im Vorhof des Hradschin verlassen wir den Bus und stehen einem Ge- bäudekomplex von gewaltigen Ausmaßen gegenüber. Trotz der
105 noch frühen Morgenstunde bevölkeren schon zahlreiche Reisegrup- pen die Plätze und Höfe. Den Hradschin mit dem St. Veits-Dom, den drei Burghöfen, dem: alten Königspalais mit seinen beachtenswerten Sälen und Kunstwerken etc. kann man nach einem einzigen Durchgang nicht beschreiben. Es sind der Eindrücke zu viele. Zu Recht nennt der Reiseführer die Burg ”den materialisierten Ausdruck einer mehr als tausendjährigen Entwicklung des böhmischen Staates”. Hier fand der ”Fenstersturz von Prag” i.J. 1618 statt und löste den .Dreißiggjährigen Krieg aus. Heute ist die Burg Sitz des Präsidenten der Republik. Zum Mittagessen führte uns Stani in einen ehemaligen Klo- sterkeller; anschließend hatten wir den Nachmittag zur freien Ver- fügung. Der Abend im Variete mit Schlangenmädchen, Feuer- schluckern, und anderen Variete-Nummern war ein glücklicher Abschluß unseres Prag-Aufenthaltes. Ziehen wir kurz Bilanz unseres Besuches in der ”goldenen Stadt”. Negativ aufgefallen sind uns die zahllosen Gebäude, deren Fassaden durch Gerüste verstellt waren. Der verrostete Zustand dieser Baugerüste ließ darauf schließen, daß die Restaurierungsar- beiten sich über Jahre hinziehen. Durch diese vielen Bauplätze ist die Staubentwicklung groß: dieser Staub setzt sich im Laufe der Jah- re überall ab. Aufgefallen sind uns auch die ärmlichen Geschäftsauslagen, die noch durch den desolaten Zustand der Häuserfronten unterstri- chen wurden. Positive Eindrücke hinterlassen die vielen Prachtkir- chen, Denkmäler und Museen. Leider sind nicht alle Kirchen Prags geöffnet. Auch die vielen, vor allem im Stadtkern schon kunstvoll restaurierten Häuserfassaden aus der österreichischen Zeit sind 1o- bend zu erwähnen. Alles in allem überwiegen die positiven Erinne- rungen bei weitem. Prag ist, wie zu Mozarts Zeiten, eine Reise wert! Mittwoch, 17.8. Ein letztes Frühstück im Hotel Olympik, Kofferpacken, Ab- fahrt Richtung Karlsbad. Stani begleitet uns, geht auf unsere Fra- gen nach dem sozialistischen Alltag in der Tschechoslowakei ein, wie man es anstellt, zu einem Eigenheim zu kommen, wie Kirche und Staat neben (gegen-) einander bestehen, wie die Altersversiche- rung aussieht usw. Er ist erstaunlich offen, versucht nicht, das System zu beschönigen. Sein Alter erlaubt es ihm, Vergleiche zu zie- hen. Wir waren seine letzte Reisegrupppe und als er uns in Eger (Cheb) verließ, saß dem alten Mann der Knoten im Hals. Abrupt
106 ging er auf den Bahnhof zu, um per Zug nach Prag zurückzufahren. Lebe wohl, sympathischer alter Kommunist! Doch voher waren wir in Karlsbad zum Mittagessen. Wir ha- ben die alte Stadt von ihrer fotogensten Seite angefahren. Ganz ein- gekesselt von mehr oder weniger steilen bewaldeten Hängen, von der Tepla (”die Warme”) durchquert, bietet Karlsbad (Karlovy Vary) mit seinen Bädern, Hotels und Prachtbauten ein Bild aus vergange- nen Zeiten. Die zahlreichen Luxuskarrossen mit ausländischem Nummernschild zeigen, daß das berühmte Bad bis auf den heutigen Tag nichts von seinem einstigen Ruhm eingebüßt hat. An der Grenze geht die Abfertigung dank einer kleinen Auf- merksamkeit den Beamten gegenüber recht zügig. Um halb acht , Uhr ist unsere Tagesziel, Bamberg, erreicht. Von hier aus geht am nächsten Tag die Heimreise über das hessische Alsfeld, das mit sei- nen vielen herrlichen Fachwerkbauten einen unvergeßlichen Ein- druck hinterläßt. Es war eine schöne, aber anstrengende Reise. Wir haben viel gesehen und vor allen. Dingen einen vagen Einblick bekommen. in das, was man hier ”Ostblockstaat” nennt. Und wir sind für einige Tage konfrontiert worden mit einer Staats- und Gesellschaftsord- nung, die, so glaube ich, von nur wenigen unserer Reisegruppe ak- zeptiert wurde.
107 Auf dem Büchermarkt von Alfred Bertha Unter den Neuzugängen unserer Vereinsbibliothek befinden sich auch zwei Reiseführer durch Ostbelgien. ”Reisebuch Ostbelgien”” nennt die Volkshochschule der Ost- kantone ihre 136 Seiten starke, in handlichem Taschenbuchformat erschienene Veröffentlichung, an der neben ständigen Mitarbeitern der VHS die Schüler des Ausbildungsganges ”Touristiker” mitge- schrieben haben. Die Schüler der Volkshochschule haben leider ihre Hausaufga- ben nicht mit der gebotenen Sorgfalt verrichtet, so daß ungezählte Falschinformationen verbreitet werden. Als ”Reisebuch” wird diese Gruppenarbeit somit unbrauchbar. Das zweite der uns vorliegenden Reisebücher nennt sich schlicht ”Reiseführer Ostkantone-Belgien’””. Es stammt aus der Feder von Jean-Marc Gay und Jean-Marie Huygens und wurde geschrie- ben auf Anregung und unter der Leitung von Manfred Dahmen (Verkehrsamt der Ostkantone) und Danielle Neijs (Verlag Didier Hatier) für die Verlage Hatier und Grenz-Echo, von denen Ersterer die französischsprachige und Letzterer die deutschsprachige Ausga- be besorgten. Die deutsche Übersetzung ist von Grenz-Echo Mitar- beiter Guido Thome. Illustriert wurde das Werk von dem Architek- ten Patrik David, dessen Federzeichnungen Architektur und Land- schaft mit fast fotografischer Genauigkeit wiedergeben. Das 190 Seiten umfassende Buch - Preis 395 F -erinnert durch For- mat und Aufmachung an die bekannten grünen Michelin Reiseführer und ist farblich und inhaltlich dreigeteilt: blau steht für Geschichte und Folklore, rot für 15 vorgeschlagene Entdeckungsfahrten durch Ost- belgien und gelb für ein ausführliches Verzeichnis der Ortschaften, Flurnamen und Sehenswürdigkeiten. Druck und Präsentation sind vorbildlich, doch wie steht es mit dem Inhalt? Wir machten ein paar Stichproben und stießen dabei u.a. auf eine Reihe von Irrtü- mern, Ungereimtheiten und Übersetzungsfehlern, die bei einer Neu- auflage, die man dem Buch nur wünschen kann, so nicht stehen bleiben dürften. Zur Geschichte: Die Autoren schreiben (S.21), die gefundenen Werkzeuge aus der Jungsteinzeit seien ”keine sicheren Beweise für menschliches Leben in dieser Region”. Diese Behauptung ist ange- sichts der Funde von Hergenrath absolut falsch!
108 Die Kelten werden von Gay und Huygens als ”ein Mosaik pri- mitiver Völker” bezeichnet. Wer die kunstvollen Töpferwaren, Schmuckstücke und Gebrauchsgegenstände der Kelten betrachtet, darf dieses in viele Stämme zerfallene Volk keineswegs als ”primi- tiv” bezeichnen! Auch wenn die von Aachen nach Lüttich führende Landstraße für die Touristen ”Route Karls des Großen” getauft wurde, so ist doch anzumerken, daß der Kaiser, wenn er sich von Aachen nach Herstal begab, den Weg über Gulpen (NL) und Vise nahm, und nicht, wie S. 42 zu lesen, "unter den Straßenbäumen am Rande der Chaussee de Liege” dahinzog. Diese Chaussee, die unter Maria-Theresia ausgebaut wurde, berührt Kelmis. Was erfährt der Tourist aus dem ”Reiseführer” über diesen Ort? Auf S. 50 heißt es: ”Kelmis wurde neutral (1816), zuerst von beiden Mächten (Anm.: gemeint sind die Niederlande und Preußen) gemeinsam verwaltet, anschließend von Belgien und dann von Preußen, bis das genannte Gebiet mit dem Versailler Ver- trag wieder Belgien angegliedert wurde. ("Abgesehen davon, daß es eine ”Wiederangliederung” nicht geben konnte, weil Belgien als Staat 1815 noch nicht bestand, müßte es heißen:” ...zuerst von den Niederlanden und Preußen, dann -ab 1830- von Belgien und Preußen gemeinsam verwaltet...”) Doch kommen wir zu unserer Zeit. ”Nach der Rückkehr zu Belgien 1945 erhielt dieses Gebiet ein besonderes Sprachenstatut”, schreiben die Autoren (S. 23), während das besondere Sprachenstatut doch erst durch die Sprachgesetzge- bung von 1962-1963 ausgearbeitet wurde. Einen ”Rat der deutschsprachigen Kulturgemeinschaft”, der 1979 eingesetzt worden sein soll, hat es nie gegeben, wohl aber ei- nen "Rat der deutschen Kulturgemeinschaft”, der 1973 seine Arbeit aufnahm. (S.23) Zu den Hinweisen auf Sehenswürdigkeiten: S. 50: Das Göhltalmuseum befindet sich ”in einem Haus aus dem 18. Jh.” (Erbaut wurde die Villa 1909!) ”_..gelangen wir bei einem Streifzug durch den Preußenwald...” (satt Preuswald = Grenzwald). S. 96: Weismes: ”Die St. Saturnus-Kirche wurde 1926 umge- baut...” (Der altitalische Gott Saturnus, Gott der Saaten und der Fruchtbarkeit, wurde mit Saturninus verwechselt!) S. 103: Amel: ”Auf dem Friedhof linker Hand der Kirche ein Kreuz aus dem Jahre 1722 und das mehr als 3 m hohe Marktkreuz!!” (Aus dem Jahre 1722 ist kein weiteres Kreuz als das sog. Marktkreuz vorhanden).
109 S. 46: Kettenis: Groß-Weims liegt für den aus Kettenis in Rich- tung Walhorn Reisenden nicht rechter, sondern linker Hand. S. 142: Talsperre Bütgenbach: ”Elf Gewölbe halten die Mauer des Wasserreservoirs, die am Fuße 80 cm und an der Spitze 40 cm dick ist. ”(Wie diese Mauer bei den Dimensionen 11’ Millionen:cbm Wasser halten kann, wird sich der Tourist fragen. Wenn schon auf die Besonderheit der Bütgenbacher Staumauer-Konstruktion hinge- wiesen wird, dann müßte dies eingehender verdeutlicht werden). Wieviele Fehler auf das Konto des Übersetzers gehen, könnten wir nur anhand eines Vergleichs feststellen. Einige davon fallen ins Auge, so z.B. der Plural ”Villas” für römische Gutshöfe. Was soll sich der Leser unter der ”Aufhebung der Karte von Ferraris” vorstellen, wenn er nicht den französischen Begriff ”leve” = Kartenaufnahme kennt? Warum wird ”theresien” mit ”there- sisch” statt ”theresianisch” (S. 22) übersetzt und wie konnten die Austrasier der Schlacht bei Amel (S. 103) zu ”Austrasiensern” wer- den? Die Wirtschafts- und Nebengebäude von Schloß Thor in Aste- net (im Französischen ”les communs” genannt) werden mit ”Ge- meinschaftsräumen” bezeichnet, (S. 47) und immer wieder liest man ”gothisch” für ”gotisch”. Die an sich ganz akzeptable Übersetzung verliert natürlich durch solche Schönheitsfehler an Wert. Trotz allem muß man sagen, daß der ”Reiseführer Ostkantone” mehr Plus- als Minuspunkte verdient. Das Konzept stimmt; eine Überarbeitung könnte daraus auch durch Ergänzungen und Hin- weise auf absolut Sehenswertes, wie z. B. den Schnitzaltar von Lontzen-Busch oder die 1982 entdeckten Fresken der Kapelle Wie- senbach, ein Standardwerk entstehen lassen.
110 Berichtigung Zum Beitrag über die Kelmiser Gendarmeriebrigade (”Im Göhltal”, N" 43, 5. 91 ff) macht uns unser Mitglied P. Claes, Brüssel, auf einen Irrtum aufmerksam. Er schreibt: ”Das auf Seite 92 abge- bildete Gebäude, in welchem die im Oktober 1923 gebildete Brigade Kelmis ihre erste Unterkunft fand, war nicht das Haus Kofferschlä- ger, sondern gehörte Herrn Jünger, der am 31.7.1924 starb. Im Juli 1925 erwarben die Eheleute L. Claes-Königs das Anwesen, das bis heute noch im Besitz dieser Familie ist. Ungefähr 40 Jahre lang führte sie dort eine Kolonialwarenhandlung. Auf der ersten Photographie (S. 92) sind folgende Personen zu . erkennen: Pierre und‘ Charles (7) Schrobiltgen, Söhne des ersten Kommandanten, Alfons Zinzen und zwei seiner jüngeren Brüder, (der Vater, Uhrmacher von Beruf, hat die betreffende Aufnahme gemacht), Josef Emonts (j), Maria Kreitz und Gerta Ramjoie. (Die restlichen Kinder konnten nicht identifiziert werden.) * * * In unserem Hinweis auf die Neuauflage von V. Gielen, ”Die Mutterpfarre und Hochbank Walhorn” (”Im Göhltal” Nr. 43, S. 108) haben sich einige Setzfehler eingeschlichen, so daß u.a. der Preis des Buches mit XX F angegeben wurde. Es mußte heißen: ”Er- hältlich ... zum Preise von 700 F.”
11 0... ° ° Tätigkeitsbericht 1988 von Freddy Nijns Wir begannen unsere Aktivitäten am 17. Januar mit der Jahreshauptversamm- lung. Nach dem üblichen Tagesordnungsablauf hielt Frau Margarete Wahl einen in- teressanten Dia-Vortrag über "Jordanien, Wüstenstaat am Rande der biblischen Ge- schichte”, der dem Verständnis für die am 7. Februar stattfindende Studienfahrt nach Köln diente. Am 29. Januar wurde die Ausstellung ”Neuartige Techniken und Materialien im Bereich des Kunsthandwerks ”oder” Transparente Scheiben unter- schiedlicher Größen und Stilrichtungen” eröffnet. Es referierte Bernhard Hündorf, Aachen. Die Ausstellung war an 3 Wochenenden zu besichtigen. Am 7. Februar fuhr dann Frau Wahl mit einer Gruppe nach Köln zur Ausstellung ”Pracht und Geheimnis-Kleidung und Schmuck - 9000 Jahre Kunst und Kultur aus Palästina und Jordanien”, verbunden mit einer Stadtrundfahrt. Die Februarausgabe unserer Zeitschrift ”Im Göhtal” mit sehr vielen Beiträgen - die meisten von unsern Vorstandsmitgliedern - erschien Anfang März. Es wäre an- gebracht, wenn auch andere Mitglieder zur Feder griffen und unserer Redaktion Bei- träge zukommen ließen. Am 12. März wurde unter Führung von Direktor Hans Frings, Hauset, die Öffentliche Bibliothek der Stadt Aachen besichtigt. Die Autoren- lesung am 17. März hatte nicht den erhofften Zuspruch, obwohl Autor Freddy Der- wahl und Lektor F. Nijns das Nötige getan hatten, um durch Ernstes und Lustiges eine neue Art von Veranstaltung in das Programm der Göhltalvereinigung einzufüh- ren. Soll es bei dem einen Experiment bleiben?... Die Studienfahrt nach Linnich und Barmen am 16. April führte die Mitglieder in die beiden Kirchen zur Besichtigung der Altäre der Antwerpener Schule. Herr Kramp führte die Gruppe auch zur Glasmalerei Oidtmann; danach über- nahm Herr Neumann die Führung zur Zitadelle von Jülich aus dem 16. Jh. und zum napoleonischen Brückenkopf an der Rur. Die Fortsetzung der Reihe ”Auf den Ü Spuren der Römer” mit H.J. Gatz, Hauset, erfolgte am 15. Mai mit einer Fahrt in den Raum Arel/Arlon (Heimatmuseum und Stadtbesichtigung). Vom 16. April bis zum 29. Mai wurden 49 Zeichnungen und Aquarelle der deutschen Romantik im Göhltalmuseum ausgestellt. Die didaktische Präsentation mit Reproduktionen, gelie- hen vom Goethe-Institut Brüssel, führte in Bild u. Text durch die Geschichte dieser Kunstrichtung. Rund um den Reinartzhof ging es bei einer Venn-Wanderung am 12. Juni mit Frau Schmitz, Kelmis, und Ernst Gilles, Raeren, über den alten Pilgerweg nach Schwertzfeld, Roetgen, Korneligrenzstein, Raeren. Dann zeigte Alfred Jansen, Mo- resnet, den Mitfahrenden am 26. Juni, daß die historische Stadt Maaseik im Nord- osten der Provinz Limburg auch ihre Sehenswürdigkeiten hat, besonders das archeo- logische Museum, die älteste Apotheke Belgiens, das Bäckereimuseum, die 56 Kirch- turmhähne und ein Modell ”Alt Maaseik” 1672, eine Ton- und Bildschau in Multivi- sion über die Entstehungsgeschichte der Stadt. Eine kleine Schiffahrt in der Maasnie- derung schloß die Studienfahrt ab. Die Hauptattraktion des Jahres nahte schnell heran: die mehrtätige, vollausge- buchte Studienreise zur "Goldenen Stadt” Prag vom 13. bis 18. August unter Lei- tung unseres Präsidenten, Herrn H. Lennertz. Es würde zu weit führen, wenn wir auf alle Details eingingen. Die Fahrt und der Aufentahlt in Prag wurden zu einem nachhaltigen Erlebnis. Mit den Herren Steinbeck u. Goebbels, Kelmis, wurde am 31. August eine Aus- fahrt zum Gerolsteiner- und Dauner-Land, quer durch die Vulkaneifel, mit Besichti- gung des Sprudelwerks, einer Glockengießerei, der Wasserorgel der Eifel und der Burgen von Manderscheid unternommen.
112 In der nähreren Heimat war die alteingesessene ”Filztuchfabrik Bruch und Co” Ziel der Werksbesichtigung am 14. September mit Willy Palm, Tülje. Schon tags da- nach, am 15. September, hielt Oberrechtsrat Kottmann, Aachen, einen Diavortrag mit dem Thema ”Die Grenzsteine im Aachener Wald, ihre Geschichte im Wandel der Zeiten”. Dies diente als Vorbereitung auf die Grenzsteinwanderung durch den Aachener Wald, die am 11. Dezember stattfand. Der bekannte Eupener Maler Adolf Christmann stellte vom 23. September bis 2. Oktober im Rahmen des Veranstal- tungsprogramm anläßlich des 25-jährigen Bestehens des Verkehrsvereins Kelmis zahlreiche Werke, bes. Gemälde und Radierungen, aus; kennzeichnend und bewun- dernswert sind bes. Werke in Spachteltechnik, die man allerdings aus größerem Ab- stand betrachten sollte. Frau Margarete Wahl hielt am 6. und 13. Oktober Lichtbil- dervorträge über ”das geheimnisvolle Indien, Land zwischen Wandel und Tradi- tion”; sie gab ihre Eindrücke von einer 5000 km Reise durch einen Teil des Subkonti- nents wieder. Unter dem Thema "Bekannte Unternehmen aus unserer Region” setz- te die Vereinigung am 12. Oktober ihre Serie der Werksbesichtigungen fort. Diesmal war das Ziel die Eupener Brauerei mit Herrn Heydasch, Raeren. Die Herbstfahrt vom 21. Oktober führte mit Frau Wahl die Teilnehmer ins flan- + drische Brabant: es war eine Rundfahrt nach Tienen (Zuckerfabrik), nach Zout- leeuw, einer kleinen Stadt, die eine der letzten erhaltenen Kirchen des frühen Mittel- alters mit wertvollen Kunstschätzen und ein schönes Museum besitzt; als Abschluß fuhr man noch nach Diest zum Beginenhof. "Visionen und Landschaften” nannten Thea Doepgen, Hergenrath, und Willy Emontz, Eupen, ihre faszinierende Aquarell- malerei, ausgestellt im Museum vom 28. Oktober bis 13. November. Am 30. Oktober wanderte Ernst Gilles, Raeren, mit 50 Wanderfreunden 15 km rund um das ”Brack- venn” ab Mützenich, über Alt-Hattlich, Entenpfuhl und zurück zum Grenzweg. Diplom-Geologe Paul Kirch, Stolberg, referierte am 17. November über die Be- schaffenheit der Gesteinsschichten in unserer Gegend, speziell im Altenberger Raum mit Blei- und Zinkvererzung in den Kalkzügen. Sein Vortrag fing an mit der erdge- schichtlichen Entwicklung der Nordeifel über einen Zeitraum von 600 Millionen Jahren. Vom 26. November bis 18. Dezember stellten als letzte des Jahres Hans Jan- sen, Aachen, und Alfred Jansen, Moresnet, Aquarelle mit Motiven aus der engeren Heimat von Raeren bis Montzen, vom Hohen Venn u. von Mühlen und 100 Fotos aus dem Göhltal im Museum aus, meistens Archiv- und Dokumentationsfotogra- fien. Am 8. Dezember war der letzte Dia-Vortrag, der Israel gewidmet war. Alfred Bertha, Hergenrath, gab seine bei einer Reise ins Heilige Land gewonnene Ein- drücke wieder. Es bleibt noch zu erwähnen, daß im Sommer auch wieder ein inter- nationales Treffen der Geschichtsvereine stattfand, diesmal in St. Vith-Büllingen. Unsere Vereinigung war durch wenige Teilnehmer vertreten, da die Bekanntgabe et- was spät kam und nicht alle davon wußten. Das zweite Heft des Jahres erschien im Monat November und fand wieder großen Anklang bei allen Lesern, sorgte auch für etwas Aufregung in Walhorn! Alle Veröffentlichungen und Veranstaltungen fanden statt mit der Unterstützung des Kulturamtes der Provinz Lüttich und der Verwal- tung der Deutschprachigen Gemeinschaft. Es fanden ein halb Dutzend Verwaltungsrats- oder Vorstandssitzungen statt; die Mitgliederzahl liegt Konstant bei etwa 800.
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FEAR EEE Vereinigung für Kultur, Heimatkunde und Geschichte = in Göhltals: —— 4 >, [SAP TE U! 1989 Beitrag: 300 BEF / 15,- DM / 15,- HFL 19 ö Mitglieder erhalten kostenlos unsere Zeitschrift »Im Göhtal« Be
VEREINIGUNG = Sekretariat: Kultur, Heimatkunde & Geschichte B-4721 KELMIS/NEU-MORESNET Im Göhltal (gu Maxstraße 9 & A Telefon: (087) Stine) ES.7:5. 04 Bankkonto S.G.B.: 248-0251251-51 Postscheckkonto Bruxelles: 000-0191053-60 din Marz. 41989. Ed Sehr geehrtes Mitglied! Sehr geehrter 'GONLTAL'-Abonnent! Die 'VEREINIGUNG! bittet höflichst, Ihre Anschrift zu überprüfen! Gegebenenfalls bitten wir um umgehende Benachrichtigung, falls sich Ihre Anschrift geändert haben sollte, Herzlichen Dank im Voraus für Ihr Bemühen! Der Vorstand.