Im Söhltal
Landschaft im Grenzraum Nordostbelgiens
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ZEITSCHRIFT DER VEREINIGUNG FÜR
KULTUR, HEIMATKUNDE UND GESCHICHTE
IM GÖHLTAL
N" 43 — August 1988
Im Göhltal
ZEITSCHRIFT DER VEREINIGUNG
FÜR
KULTUR, HEIMATKUNDE UND GESCHICHTE
IM GÖHLTAL
Nr 43
August 1988
Veröffentlicht mit der Unterstützung des Kulturamtes der
deutschsprachigen Gemeinschaft
Vorsitzender: Herbert Lennertz, Stadionstraße 3, 4721 Neu-Moresnet.
Sekretariat: Maxstraße 9, 4721 Neu-Moresnet, Tel. 087/65.75.04
Lektor: Alfred Bertha, Bahnhofstraße 33, 4728 Hergenrath.
Kassierer: Fritz Steinbeck, Hasardstraße 13, 4721 Neu-Moresnet.
Postscheckkonto N" 000-0191053-60
Die Beiträge verpflichten nur die Verfasser,
Alle Rechte vorbehalten.
Entwurf des Titelblattes: Alfred Jansen, Moresnet-Kapelle.
Druck. Hubert Aldenhoff, Gemmenich.
3
Inhaltsverzeichnis
A. Jansen, Zum Umschlagbild 5)
Moresnet-Kapelle
W. Meven, Hergenrath Die Wallfahrt von Montzen
nach Kevelaer 8
M. Th. Weinert, Aachen Marienklage 36
M. Lennarts, Montzen Un tresor inexploite:
les archives notariales
du XVIII siecle 37
A. Bertha, Hergenrath Aus Walhorns Gegenwart 50
A. Jansen, Das Schloß David, genannt
Moresnet-Kapelle Eulenburg, in Moresnet 53
E. Horgnies (f), Kelmis Der 13. August 1908:
Neutral-Moresnet
zum Esperantisten-Staat
erhoben 70
E. Barth, Eynatten Eynatten anno dazumal... 77
E. Kockartz, Hauset Kenger va jen Jöhl 89
P. Biver, Kelmis Die Kelmiser Gendarmerie 91
W. Meven, Hergenrath Peter Zimmer - 80 Jahre 104
A. Bertha, Hergenrath Auf dem Büchermarkt 107
5
Zum Umschlagbild
Das Schloß Mützhagen
von Alfred Jansen
Zu einer Zeit, als die Verbindungsstraßen noch holprige Fuhr-
wege waren, stand in dem Dreieck, das durch die Aachen-Lütticher
Landstraße, die Neutralstraße und die Grünstraße gebildet wird, der
alte Herrensitz Mützhagen, ein von einem Wassergraben umgebe-
ner Turmbau.
Nur noch ein kleiner überdachter Brunnen erinnert heüte da-
ran. Mit einer Steinplatte weist er auf die ehemalige Burg hin, die im
Laufe der Jahrhunderte mehrmals zerstört und wiederaufgebaut
worden ist. Nach der Überlieferung soll die erste Burg im limburgi-
schen Erbfolgekrieg gegen Ende des 13. Jh. zerstört worden sein.
Von einem zweiten Haus, das in unmittelbarer Nähe errichtet wur-
de, ist heute nicht einmal mehr der genaue Standort auszumachen.
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Wappen d. Thiriart de Mützhagen
(1) Aus ”Les Delices du Duche de Limbourg” v. G. Poswick.
6
Der dritte Herrensitz könnte heute noch inmitten der vier lang-
gestreckten Wirtschaftsgebäude stehen, wenn er nicht in der Nacht
vom 19. zum 20. März 1894 einem Brand zum Opfer gefallen wäre.
Die Ruine wurde abgetragen und das Steinmaterial fand zum Teil
anderwärts Verwendung. Nur das monumentale Eisengitter, das
den Schloßhof zur Nordseite hin abschließt, gibt noch Kunde von
der einstigen Pracht Mützhagens.
In vorfranzösischer Zeit unterstand Mützhagen der freien
Herrschaft Henri-Chapelle. Die Chronik nennt im Jahre 1314 einen
Chretien de Montshaghe als Eigentümer, der den Besitz zuerst sei-
nem Sohn, dann seiner Tochter vermacht, die aber an demselben
Tage (17. Nov. 1352) ihre Rechte zugunsten eines Johan van der
Schueren abtritt, dessen Tochter Gotstale, Ehefrau von Johann
Landriez, die Erbin wird.
Im Jahre 1374 gehen 2/3 des Nachlasses an Wilhelm von
Mützhagen. Dieser verkauft sie an Jakob van der Landscroene, der
sie weiter an Johann Krümmel v. Eynatten v. Rave veräußert.
Das andere Drittel geht an einen Maes de Holsit, dann nach
dessen Tod -1390- an seine Tochter Katharina, Ehefrau von Ponce
von Welkenhuysen.
Vermutlich hat der vorhin genannte Joh. v. Krümmel v. Ey-
natten diesen Teil auch aufgekauft, denn er steht 1403 als alleiniger
- Eigentümer eingetragen. Sein Sohn Thierry erbt den Besitz, der
nach dessen Tod zwischen seinem Sohn Johann, Ehemann von Elise
Vv. Schwarzenberg, und seiner Tochter Goetchen, verheiratet mit Jo-
hann van Eys genannt Beusdael, aufgeteilt wird. Das Erbteil des Jo-
hann geht nacheinander an seine Tochter Agnes, Ehefrau von Si-
mon Bertolf (1511), dann an dessen Sohn Everard Bertolf, Ehemann
von Margarete von Doenrardt. Dagegen geht das Erbteil der Toch-
ter Goetchen an ihre Tochter Katharina von Eys, verheiratet mit
Wilhelm van der Sand (1511), dann an deren Sohn Johann van der
Sand, der seine Kusine Katharine von Bertolf, die Schwester des
vorhin genannten Everard ehelichte. Aus dieser Ehe stammten zwei
Söhne, Thierry und Simon van der Sand, die das Erbe 1578-1579
übernehmen, aber ohne direkte Nachkommen bleiben. So fällt das
Erbteil, die Hälfte von Mützhagen, den Kindern des Everard Bertolf
zu. Diese teilen 1595; Johann v. Belven v. Ruyff erhält das Schloß
Ruyff und sein Schwager Leonard von Gülpen von Rosmel, Ehe-
mann der Agnes Bertolf von Belven, bekommt Mützhagen. Beim
Tode des Letzteren, im Jahre 1613, erhält es sein Sohn Frambach
von Gülpen.
7
Dieser Frambach von Gülpen baute zwei Jahre später das
zweite Schloß, von dem nicht mehr die geringste Spur zu sehen ist.
1640 erzwingt der Lehnsherr Arnold Schuyl aus Walhorn wegen
nicht zurückgezahlter Schulden den Besitz der Domäne, überläßt
sie aber den beiden Söhnen Gerard und Johann des Leonard Fram-
bach von Gülpen.
1652 verkaufen die beiden Mützhagen an Josse van der
Thommen, um es dann 1679 den vorherigen Besitzern zurückzuver-
kaufen. Da diese ihren Verpflichtungen nicht nachkamen, kam der
Besitz erneut an Josse van der Thommen. Von Vater auf Sohn ver-
erbt in den Jahren 1732 und 1750, kommt das Schloß 1757 in den
Besitz des Herrn Hautchamp.
1769, ist Mützhagen Eigentum des Herrn Anton (de) Posson
aus Lüttich, dann 1777 von dessen Sohn Nicolas-Antoine, der es
1786 an den Baron Arnold-Antoine Thiriart verkauft.
Mit großer Wahrscheinlichkeit ist es dieser Baron, der das drit-
te Schloß erbaute, das sein Sohn Arnold-Antoine Florent de Thi-
riart dann erbte.
Er starb 1860 als Junggeselle und hinterließ sein ganzes Ver-
mögen seinem Großneffen, dem Baron Gaston de la Rousseliere-
Clouard. Es war die Familie Raymond de Grand-Ry, die das Schloß
als Mieter bewohnte als die Brandkatastrophe über das Haus herein-
brach.
8
°
Die Wallfahrt von Montzen
nach Kevelaer
von Walter Meven
Eine in einer Nebenkapelle der prächtig restaurierten Pfarrkir-
che St. Stephanus zu Montzen befindliche Marmortafel erinnert an
eine der bedeutendsten Kevelaerprozessionen unseres Landes. Be-
legt ist diese Wallfahrt von 1819 an, doch läßt das ausdrückliche
Verbot der Franzosen vermuten, daß bereits früher Bittprozessio-
nen nach Kevelaer durchgeführt wurden. Mit einem Leumunds-
zeugnis des Eupener Bürgermeisters für einen Hermann Mockel,
der mit seiner Tochter im Jahre 1794 nach Kevelaer pilgern will, 7
wäre diese Vermutung zu belegen. Eine Unterbrechung erfuhr si-
cherlich die gesamte Pilgerbewegung mit dem im Jahre 1798 durch
die französische Zentralverwaltung gefaßten Beschluß, der sich we-
niger gegen den Kult selbst richtete als gegen die Mißbräuche, die
sich nach ihrer Ansicht einstellten. Dabei sollten die Prozessionen
nicht grundsätzlich beseitigt werden, sondern nur ihre Ausdehnung
über die Kirche hinaus wurde untersagt. Man vertrat die Meinung,
daß der Mensch nur in stiller Einkehr sich dem höchsten Wesen mit-
teilen und der Gottheit seine Huldigungen darbringen sollte und er
in den Prozessionen die Ruhe nicht finden könne, die zu einer rei-
nen Andacht erforderlich sei. Auch wollte man kirchliche Zusam-
menrottungen verhindern, die dazu ausgenutzt werden konnten,
um Beziehungen zu anderen Departements zu knüpfen. Man gab
auch zu bedenken, daß die Prozessionen nur ersonnen seien, ”um
die Blindheit des Volkes zu verewigen und es für immer zum Schar-
wenzel der gierigen Priester-Ambition zu machen”.
Ein weiterer Grund für die Einschränkung der Wallfahrten
war die befürchtete Vernachlässigung der Familien, die Neigung zu
Landstreichereien und zur Sittenlosigkeit, die die weiten Prozes-
sionswege mit sich bringen könnten.
Wesentlich schärfer wurde nach der Revolutionszeit gegen die
Wallfahrten eingeschritten. Danach war es streng verboten, sich oh-
ne Erlaubnis zu Pilgerfahrten zu versammeln und auf den Weg zu
machen. Wer sich ohne die erforderlichen Reisepapiere auf den
Weg machte, wurde als Vagabund betrachtet und entsprechend be-
straft. Im Jahre 1806 verhaftete man in Krefeld sechs Tagelöhnerin-
nen, die von Neuß nach Kevelaer unterwegs waren. In der Presse
wirft man ihnen vor, ihren Wohnort in einem Augenblick zu verlas-
9
sen, wo die Arbeiten auf dem Felde ihre Anwesenheit verlangen.
Man versuchte ihnen klarzumachen: Wer arbeitet, betet!
Die Versuche, Wallfahrten zu unternehmen, müssen unauf-
hörlich gemacht worden sein, denn 1812 sieht man sich erneut
veranlaßt, energisch dagegen einzuschreiten, besonders gegen die
Flagellanten. Auch müsse den Verbrechern und Deserteuren die
Gelegenheit genommen werden, sich der Verfolgung zu entziehen,
hieß es. Trotzdem machen sich im selben Jahre etwa 1200 Personen
unter Leitung eines Kapuzinerpaters auf den Weg von Euskirchen
nach Trier. Empört äußert sich dieser Pater über die Franzosen, sie
seien Anarchisten, es gebe keine Religion im Kaiserreich, man müs-
se die Vorschriften des hl. Thomas achten und es nicht wie die fran-
zösischen Soldaten machen. Aachener Bürger bieten sogar Spenden
für die Armen des Josephinums an, um ihre alten Wallfahrten wie-
der duchführen zu können, weil man am 25. Juli 1811 die bedeuten-
den Wallfahrten, sofern sie die Bistumsgrenzen nicht überschritten,
wieder zugelassen hatte. $
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In der Montzener Taufkapelle erinnert diese Marmortafel an die Pilgerfahrt
nach Kevelaer,
10
Mit dem Abrücken der Franzosen lebten die Aktivitäten wie-
der uneingeschränkt auf. In Montzen war sogar das Bedürfnis vor-
handen, eine neue Bruderschaft zu gründen.
Die im Jahre 1804 in Eupen gegründete Bruderschaft wird in
der Zeit der strengen Einschränkung ebenfalls keine Wallfahrten
durchgeführt haben, denn die Fortschreibung des Protokollbuches
beginnt erst wieder mit dem Jahre 1814. Ob in Montzen bereits frü-
her Bestrebungen zu einer organisierten Pilgerreise vorhanden wa-
ren, läßt sich aufgrund der schlechten Quellenlage nicht mehr fest-
stellen. Genauso wie die Franzosen, versuchte die preußische Regie-
rung, die mehrtägigen Pilgerfahrten mit ähnlichen Argumenten zu
verbieten. Selbst der Kölner Erzbischof schließt sich im Jahre 1826
dem Verbote der Regierung an und will die Dauer auf einen Tag be-
schränkt wissen.
Die im vergangenen Jahrhundert aufgetretenen Cholera-
Epidemien, die weite Teile unserer Region erfaßten, veranlaßten die
Gesundheitsbehörden, gewisse Einschränkungen bei den Pilgerzü-
gen zu erwirken. Mit der im Gefolge der 48° Wirren herausgegebe-
nen Verordnung ”Über die Verhütung eines die gesetzliche Freiheit
und Ordnung gefährdenden Mißbrauches der Versammlungs- und
Vereinigungsrechte” hatten die Behörden ein neues Mittel in der
Hand, die nicht gerne gesehenen Pilgerzüge zu untersagen. Für die
Kriegsjahre 1864, 1866 und 1870/71 war dies selbstredend der Fall.
Im Jahre 1876 bereitete sogar die holländische Polizei den durch ihr
Land ziehenden Pilgern gewisse Schwierigkeiten. Obschon im Jahre
1877 nur noch das Beten in den Städten Roermond und Venlo zu
unterbleiben hatte, beschlossen die Vorstände, den Weg der Prozes-
sion durch preußisches Gebiet zu wählen.
Der von Bismarck initiierte Kulturkampf, eigentlich ein
Schlagwort zur Beschönigung des Kampfes zwischen Staat und Kir-
che in Deutschland (besonders in Preußen), schränkte die Ausübung
öffentlicher Glaubensbekundigungen ohnedies ein und die von Ber-
liner Regierungskreisen tolerierte Abwertung der Prozessionen als
”ästigen Straßen-Terrorismus” sollten dem Wallfahrtsbedürfnis
eher dienlich als von Nachteil sein.
Daß dieser Kampf gegen die Kirche bei der Bevölkerung noch
lange nachwirkte, kann man der hier im Originalwortlaut folgenden
Einladung der Montzener Bruderschaft ohne weiteres entnehmen:
”... 7. September 1889 Montzen - Aubel - Kevelaer.
Sonntag, 8. September, begibt sich die Prozession von Montzen und
Umgegend auf dem Wege nach Kevelaer! Werden viele oder wenige
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Pilger mitgehen? Das ist in der hiesigen Gegend jetzt die Tagesfrage.
Viele Pilger warteten mit ihrer Zusage bis in den letzten Tagen, weil
sie denken, es genüge wenn Gott den guten Entschluß wisse. Ande-
re fürchten die Anstrengungen des Weges. Doch hunderte Pilger,
arme und reiche, schwache und starke, alte und junge, pilgern in je-
dem Jahr nach Kevelaer, mit gutem Mut und Vertrauen auf Maria,
und alle kommen munter zurück, fest entschlossen die Pilgerfahrt
nochmals mitzumachen. Möge niemand aus Furcht vor den Schwie-
rigkeiten zurückstehen, möge vielmehr in dieser bedrängten Zeit,
wo Papst und Kirche in Verfolgung und die Welt und viele Fami-
lien in Verwirrung leben, eine größere Zahl wie je in wahrer
Bußfertigkeit diese Pilgerreise mitmachen. Wie zahlreich sind beson-
ders in Kevelaer die Wunder der Gnade, die geschehen durch Ein-
kehrung der Sünder, Stärkung der Gerechten und Tröstung der
Schwerbetrübten, so daß mit Recht an diesem Gnadenorte Maria
angerufen wird. Anstrengend ist zwar die Pilgerfahrt, aber das be-
ständige Gebet gibt Kraft und Mut, und winkt dann am vierten Ta-
ge den Pilgern der Turm von Kevelaer entgegen, so strahlt Freude
aus allen Augen und die Schritte werden beschleunigt. Besonders
rührend ist es zu betrachten, wie in Kevelaer selbst bei Tag und
Nacht überall und mit besonderer Andacht vor dem Gnadenbilde
gebetet wird. Da wird der Glaube gestärkt und das kindliche Ver-
trauen zu Maria erfrischt.
Unsere Prozession ist weit und breit bekannt und findet überall
den besten Empfang. Möge also in diesem Jahre die Prozession
recht erbaulich und überaus zahlreich sein, das ist der herzliche
Wunsch eines Pilgers.”
Gewisse Gemeinsamkeiten der Eupener und Montzener Bru-
derschaft müssen bestanden haben, denn im Jahre 1893, zum Bei-
spiel, wird unter dem Vorsitz der beiden Pfarrer ein neuer Vorstand
gewählt.
Im Gegensatz zur Eupener Bruderschaft, deren Unterlagen
zum Teil erhalten sind, liegen die Verhältnisse für die Montzener
Bruderschaft völlig im Dunkeln.
Außer der Tatsache, daß die Montzener Kevelaer Bruderschaft
im Jahre 1819 ins Leben gerufen wurde, sind keine weiteren Fakten
bekannt geworden, da nur einige wenige Sekundär-Schriftzeugnisse
ihrer einst blühenden Existenz überliefert sind. Da alle diesbezügli-
chen Recherchen ergebnislos verlaufen sind, können wir nur vermu-
ten, daß die Unterlagen einer für den Historiker unverständlichen
Entscheidung zum Opfer gefallen sind. Ein Vortragekreuz aus dem
13
um ein solches Haus zu bauen. Bald darauf hatte seine Ehefrau eine
Erscheinung: sie sah auf einmal ihr Zimmer, das sonst im Dunkeln
lag, hell erleuchtet und in demselben ein Heiligenhäuschen mit ei-
nem Muttergottesbild, ähnlich demjenigen, welches sie einmal bei
einem hessischen Soldaten gesehen hatte. Zwei von Luxemburg
kommende Soldaten waren im Besitze von zwei Abbildungen eines
Muttergottesbildes, wie es in Luxemburg sehr verehrt wurde. Sie bo-
ten Frau Buschmann ein solches zum Kaufe an: sie wollte es zu-
nächst jedoch nicht erwerben, weil ihr der Preis zu hoch war. Als
ihr Mann ebenfalls von der Erscheinung seiner Frau überzeugt war,
begann er das Häuschen zu bauen und schickte seine Frau zu den
Soldaten, um ein Bild von ihnen zu erwerben. Nach langem Zögern
überließ ihr ein Leutnant, der zwischenzeitlich in den Besitz der Bil-
der gekommen war, die Wahl, ein Bild auszusuchen. Freudig kam
sie mit dem Bilde zu ihrem Manne zurück, um mit ihm gemeinsam
ans Werk zu gehen. Sie hefteten das Bild auf ein hölzernes Täfel-
chen, um es besser aufstellen zu können. Nach der Fertigstellung
des Heiligenhäuschens holte der Pfarrer Johannes Schink von Ke-
velaer das Bild in aller Stille ab und stellte es am 1. Mai 1642 in das
. Heiligenhäuschen. Viele Menschen kamen aus Nah und Fern her-
bei, um im frommen Gebet vor diesem Bilde zu verharren.
Kevelaer gehört wie so viele ähnliche Wallfahrtsorte zu den
Stätten, wo die Verehrung eines Bildes im Vordergrund steht, ganz
einfach dadurch, daß Maria nach dem Glauben der Kirche in den
Himmel aufgefahren ist, und damit auch keine Reliquien vorhan-
den sein können. Zur Verehrung kommen also nur sogenannte Be-
rührungsreliquien in Betracht.
Schon sehr früh wurden Wallfahrten unternommen. Sie sind
uns von fast allen Religionen überliefert. Das Christentum kennt
solche Orte erst seit dem 4. Jh. Jerusalem, Nazareth und andere Or-
te in Palestina waren das Ziel ihrer Pilgerfahrten. Als sich in der Kir-
che eine eigene Bußordnung entwickelte, war es möglich, vom Ge-
richt verhängte Strafen durch eine Wallfahrt zu tilgen. Bevorzugte
Wallfahrtsorte waren Santiago de Compostella (Grab des hl. Jako-
bus und das italienische Loreto (Marienbild).
Erst im Barockzeitalter wird das Wallfahrtswesen von der
Volksfrömmigkeit ergriffen.
Viele Menschen machten sich auf die Reise und nahmen ihre
Anliegen und Sorgen mit auf den Weg in der Hoffnung, an dem Or-
te, wo die Gebetserhörung mit großer Wahrscheinlichkeit erwartet
wird, Gnade und Hilfe zu finden.
15
Montzen und Umgebung nach Kevelaer” herauszugeben. In einer
Ausgabe des Jahres 1875 findet sich neben einer Anzahl von Gebe-
ten und Liedern, die auf den besonderen Charakter einer Wallfahrt
zugeschnitten sind, eine ”Übersicht der Reisestationen”, die den
zeitlichen Ablauf der Strecke dorthin beschreibt.
Ein uns namentlich nicht bekannter Autor hat als Zeitzeuge
im Jahre 1948 in einem Wochenblatt des Bistums Roermond eine
recht lebendige und anschauliche Schilderung einer solchen Wall-
fahrt des Jahres 1913 aus dem eigenen Erleben niedergeschrieben.
Es bietet sich an, die sachliche Abfolge der einzelnen Stationen
durch seine Erlebnisse aufzulockern.
Die Montzener Verehrer Mariens schlossen sich früher wegen
ihrer relativ geringen Zahl der Aachener Prozession an. Nach der
Gründung einer eigenen Bruderschaft wurde die Montzener Wall-
fahrt die bedeutendste unserer Gegend. Mehr als einmal übertraf
die Zahl der Pilger fünfhundert, und im Jubiliäumsjahre 1869 stifte-
te die Bruderschaft der neuen Kirche zu Kevelaer ein wertvolles Ci-
borium.
Nach dem oben erwähnten Pilgerbuch hatten die Wallfahrer
am ersten Tage eine Strecke von 30 km zurückzulegen. Schon vor
Morgengrauen begaben sie sich auf den Weg in ihre Pfarrkirche, um
„dort einer hl. Messe zum Wohle der Wallfahrt beizuwohnen.
”Erster Tag.
Die Prozession geht aus von Montzen, am 8. Septem-
ber, dem Feste Maria Geburt. Um 4 Uhr ist in der
Pfarrkirche von Montzen eine hl. Messe; um 5 Uhr
verläßt die Prozession das Dorf. Um 7 Uhr, Ankunft in
Sippenaeken; Segen; 7.15 Uhr Abzug. Um 8 Uhr, An-
kunft in Epen; Segen; 8.15 Uhr Abzug nach Mechelen.
In Mechelen halten die Pilger sich auf von 9 Uhr bis 11 Uhr,
um dem Hochamte beizuwohnen. Um 11 Uhr Abzug nach Wittem.
Ankunft Wittem um 11.45 Uhr; Predigt und Segen; Abzug nach
Wilre, Ankunft 1.15 Uhr, Segen, Abreise nach Hülsberg 1.30 Uhr.
Ankunft 3.30 Uhr. In Hülsberg ist eine Stunde Aufenthalt; dann Se-
gen, und Abreise nach Nuth um 4.30 Uhr. Ankunft in Nuth, gegen
6 Uhr. Anrede des begleitenden Priesters und schließlich Segen.
Lassen wir hier einmal den Chronisten zu Wort kommen:
”... Die Pilger nahmen für die 8-Tagereise einen Mundvorrat mit.
Brot, Fleisch, Käse, Butter u.s.w. wurden in Kisten oder
Schließkörben auf zwei überdeckten Fuhrwerken mitgeführt. Eine
besonders große Kutsche für die Kranken und Übermüdeten sowie
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Am 8. September zog die Kevelaer-Prozession von Montzen aus.
zum Transport. der Wallfahrtsutensilien begleiteten außerdem den
Zug. Die Prozession traf gegen 5 Uhr beim Gehöft Hunnecum (zwi-
schen Hülsberg und Nuth) ein. Damals wurde dieser Marientag von
den Bergleuten in Nuth allgemein gefeiert und von den umliegenden
Weilern als auch von Wijnandsrade kamen viele, um die Prozession
17
bei Hunnecum zu sehen. In Nuth wurde der Prozession eine beson-
dere Ehre zu Teil. Die Harmonie, damals die einzige Musikvereini-
gung in der Gemeinde, holte die Pilger in festlichem Zuge bei Hun-
necum ab. Als wir dann mit vielen Neugierigen mit dem Weiterzuge
der Prozession warteten, setzte auf einmal beim Speckhaus die Har-
monie mit einem kernigen Marsch ein und zog nach Hunnecum
hinein. An der Spitze der Bürgermeister Beckers als Präsident.
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In Mechelen schlossen sich die dortigen Pilger mit ihrer Fahne
den Montzenern an.
18
von Mongen na Kevelaer.
Unterzeichnete machen Hiermit bekannt, daß am Hefte
der Geburt Marii, Montag den 8. Zeptember, Morgen$
um 4 Ugr in der Pfarrkirche zu Monge:r die HI Meije
anfangen wirb, nad) welcher die Bılger über Beyberg auf
Sippenaeken und Mechein gehen, wo fie um 9 Uhr dem
Hochamte heiwohnen, Hier werden fidy audh die Bilger
von Auhel und den umliegenden Ortihafteir anfHließen.
Gleich nach Beendigung des Hochamtes zieht die Pros
zeifion, unteb dem Schuge der allerf, Jungfrau Maria,
weiter auf Wittem, Wilre, Hiülsberg bis Nütt wo übers
nachtet wird.
D. Henfiden, N. Lamberts,
Präfelt, Dechant in Mongen,
Die Fuhrlente welde die Prozeffion begleiten, werden
auf ibren Karren die Gepäde und Schlußlörbe kin allen
durchfahHrenden Ortfchaften und bekannten Häufern wie in 5
frühern Fahren aufladen,
ES fei ferner bemerkt daß in diefem Fahre ein Karren
über Böllridh, Gemmenih, Baalsbruch (Lauch), Schüten»
UM u. Bylen zum Muflaben der Schlußlörbe fahren
wirb.
Zugleich wird bemerkt, daß die Kevelaerifhen Prozess
fiongbücher bet den Brudermeiftern der Prozeffion fowohl
als in der Buchhandlung von S, Willemd in SDolhain
zu verfanfen find.
EEEETEEEEE EN
Anzeige im ”Freien Wort”” vom 3.9.1890
- ‚ Sährlide Prozeffion
| = Baelen nadı Kevelaer,
unter dem Titel „Maria Tröfterin der Betrübten,“
Unterzeichneter Borfteher bringt hiermit zur öfs
fentlichen Kenntnif, daß am 7. Scprember 1853,
Morgens 5 Uhr, zu Baelen die h. Meffe gehalten
wird, nad) weldjer die Pilger auf Eupen gehen,
wo fid) alle Wıtglieder der Umgegend anjhHließen
Fönnen. 3. L£. Gouder, Präfelt,
NB. Mitzunehmendes Sepäce‘ kann bei rau
Wittwe Brandenberg in Evpen, abgegeben werden.
Sch zeige biermit an, daß von mir eine bequem
eingerichtete Xarre die Prozejfivox nad Kevelaer
begleiten wird. E$ werden daher alle Diejenigen,
welche diefeldbe bemußen wollen, erfucht, ihr Gepäck
Dienftag, oder längftens Mıttwody den 7. Sepr
tember, Morgens 6 Uhr, in meiner Wohnung auf
der Montjoier Chaujfee, oder bei E. Schlemmer,
aufm Pavee hierfelbit abzugeben. SC. Vandenefch.
- Bekanntmachung.
= Diejenigen Pilger, weiche den 8,
September mit der Prozeffion von Mongen nad)
Kevelaer gehen, Fönnen ihr Gepäck bis zum 7,
Seprember, Morgens 9 Uhr, bei X. Herren, an
der Station zu HYcrbesthat brıngen, wo daffelbe
aufgeladen werden wird.
il ST TAN
Von den drei im Korrespondenz-Blatt des Kreises Eupen vom 3.9.1853
angekündigten Wallfahrten (Baelen, Eupen, Montzen) hat nur die Eupener
alle Stürme der Zeit bis auf den heutigen Tag überlebt.
AUT NS SAME SEE SENSE GEN Se
20 .
Kirchlige Nachrichten,
Erinnerungen an die Pilgerjahrt von Monken
nach Kevelaer, Wohlan! Schon mehr wie 14 Tagen
find verflojfen, feitdem wir in unfece Heimat zurüg
find. Die 0 fhwinden wie Nauch, jedoch der Schall
des eifrigen Gebete8, des Gejanges und die Klänge
der Mukik ift noch nicht verhallt. E3fHheint uns, noch
das Echo von den Gegrüßet feift du Maria, der Wes
gegroet Maria und der Sainte Marie, möra de Dieu,
in entfernfter Nidtung zu Hören, Troftvoll, angenehm
und Kieblich ift der Gedanke an Kevelaer, ein gutes aufs
geopfertes Werk vollbracht zu haben; und e8 läßt fih
denken, daß im Voraus fon faft alle Pilger den
WunfdH ausgefprohen haben, könnte id diefe Pilgerfahrt
aud) Fünftiges Yahr mitmachen und den Borfag gemacht
haben alle8 vorfommende Unheil, geduldig zur Ehre
Marien® zu ertragen. Freilidh, waren DieleB Sahr die
zwei legten Tagen überaus verbienftireidh für die Pils
ger, da das Wetter derarı ungünftig war, daß man in
unfre Gegend mit dem Gedanken umging, die El €
mürden den Zug nehmen um fid {jo IHnel wie mög»
lid nad) Haufe bringen zu lafjen. Yırtum ; nein, dem
‚] war nicht fo. Die Pilger find nicht jo gefonnen; denn
der Augenblid naht ohnehin fHnell genug heran, wo
diefe fih in cer familiarijdhen Nächftenliebe trennen
müffen, und das verdbienftlihe BVorh.ıben ein Ende
nehmen muß. Lobenswert und bewunderungsvoldwar der
Mut und, die Opferwilligleit der Pilger und bes
fjonder8 beim regnerifhen Wetter der legten Tagen ;
betend und fingenb, mit naffen, [Hwerem Gewande
fhritten fie mutig und fröhlid den ganzen Tag dahin.
Diefer Maut ift nur den zu Maria fAlagenden Herzen
zugufchreiben. War e8 denn auch nicht an der Zeit
diejen fo lang erfehnten Megen endlich fefiftelen zu
fönnen. Fa wurde ein Nofenkranz gebetet für
eine günftige Witterung von Gott durch Maria zu et»
flehen. Dürre Wiejen verließen wir bei der Abreife ;
{höne, grüne Maienwieje fanden wir zur größten
Freude bei unferer Rückkehr. Herzliden Dank, allen
guten und opferwilligen Pılgern, für das gute Gebet
und den Mut, den fie gezeigt haben ; die Mutter Gottes
wird e8 gewiß vergelten, und unfern Bitten erhören.
Wie oft haben wir nicht mit Herz uud Mund das
{höne Lied RA
„Milde Königin gedenke,
MWie’8 auf Erden unerhört
Daß zu Dir ein Pilger lenle
Der BVerlafjen wiederkehrt.
Nein, o Mutter, weit und breit
Schalts durd deine Rinder Mitte, *
Daß Maria eine Bitte,
Eine Bitte nicht gewährt,
Ift unerhört, {ft unerhört,
Unerhöst in Ewigkeit.“ ö
So fhön und erhaben die Worten diefe8 Liedes, fo
herrlid) die Melodıe ung in den Ohren Mang. Laffet
un8 alfo mit Berttauen und Kindliher Liebe zu Maria
pilgern, und fie wird reidliden Segen {penden ung
und der gangen ee Es ift ung belannt, daß nad
einer guten That, bei ung eine innere Zufriedenheit
des Herzens eintritt, Zufriedenheit die den Vergnügungen
der Welt troßt. Gin Pilger.
Obenstehende ”’Erinnerungen an die Pilgerfahrt von Montzen nach Kevelaer”
fanden wir im ”’Freien Wort”” vom 2.10.1901.
21
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Hulsberg (0.1.), Nuth (o.r.), Susteren (u.l.) und Pley (u.r.): ;
die Pfarrkirchen auf der Wegstrecke boten Gelegenheit zu kurzer Rast
mit Segenerteilung.
22
Ein Tag von ganz besonderer Bedeutung, von Anerkennung
war es für den Direktor, Meister Crijns - Rap als een Vogel stappte
hij dann naast zijn Harmonie -
Auf eimal hieß es: Da kommen sie schon! Vor jedem Wagen
ein feuriges Pferd, das Lederzeug mit blinkendem Kupfer am 'Kum-
met. Die Kutsche stand bereits bei Gardiniers an der Ecke und er-
wartete die Prozession. Da kommt sie an! Bereits von Weitem hör-
ten wir das deutsche: ”Gegrüßest seist du Maria”; und im hintersten
Teil der Prozession; ”Je vous salue, Marie”. Die in der Kutsche be-
findlichen Fähnchen wurden nun an die Kreuze gehangen, was
ausschließlich in Nuth geschah. So zog die Prozession weiter, vorab
die Harmonie St. Bavo, die Prozessionsmärsche spielte. N
Der Feldhüter Joseph Offermanns, bewaffnet mit einem Stock,
war auch stets gegenwärtig und hatte die Hände voll zu tun, die
Jungens hinter der Prozession zu halten.
Nach einem Kirchbesuch, einem Dank und einer Ansprache
durch den geistlichen Leiter und etwas Musik durch die Prozes-
sionsmusikanten, gingen die Pilger zur Ausspannung Wilderjans,
wo die Fuhrleute die Kisten und Schließkörbe bereits abgestellt hat-
ten. Danach suchte jeder seinen Schlafplatz auf. Die Einwohner
von Nuth waren auf diese Logiergäste besonders eingerichtet.
Wenn keine Betten mehr vorhanden waren, wurden Strohsäcke in
Kammern und auf den Speichern ausgelegt.
Die kleine und die große Jugend von Nuth lief bei den Aus-
spannungen zusammen. Neugierig schauten sie auf die Adressen der
Kisten und Schließkörbe. Es wurde gesellig geplaudert und natür-
lich hier und da mit dem Auge gezwinkert. In den Cafes wurde
fleißig gezapft. Der Tag war damals für die größere Jugend so etwas
wie der letzte Ausklang des Jahres, so daß Brauer Beckers, der
Großvater der gegenwärtigen Familie Smeysters einmal sagte: ”Als
die Prozession van Montzen daar is, dan is het brouwen gedaan.”
Im Jahre 1913 war ich zufällig nicht an einer festen Arbeit gebun-
den. Ich beschloß darum, einmal mit dieser Prozession
mitzuziehen.”
Das offizielle Programm sah für den zweiten Tag wiederum ei-
ne Etappe von 30 Km vor:
”... Die heilige Messe beginnt in Nuth um 4.30 Uhr; um
5 Uhr ziehen die Pilger nach Sittard, wo sie um 8 Uhr
ankommen, bis 10 Uhr ausruhen, und dann, nach emp-
fangenem Segen den zweiten Tag der Pilgerfahrt
beschließen.”
23
Unser Chronist berichtet über diese Etappe: ”... Am 9. Septem-
ber wurde um 4.30 Uhr die heilige Messe für die Pilger, gelesen.
Anschließend zogen wir nach Hommert am Ende der Gemeinde
Nuth, wo sich eine holländische Gruppe der Prozession anschloß.
Diese Pilger kamen aus Voerendael und Umgebung. Wir wurden
dann unter die Voerendaeler Brudermeister gestellt. Jeder mußte
seinen ihm zugewiesenen Platz einhalten und den ganzen Weg über
hinter dem gleichen Vordermann gehen. Außer einem geistlichen
Leiter gingen stets ein Präfekt und mehrere Brudermeister mit.
Auf ein Zeichen mit dem Brudermeister betete eine Reihe
vor und die andere nach. Nach jedem Gesetz wechselte man dann
auf ein gegebenes Zeichen um. Es wurde in drei Sprachen gebetet.
Jedem, Pilger wurde dazu ein besonderes Reglement mitgegeben.
Zur Deckung der Unkosten wurde jedes Jahr durch die Brudermei-
ster in den verschiedenen Pfarrkirchen gesammelt. In Nuth auf dem
Fest des heiligen Donatus. So kamen wir gegen 9 Uhr in Sittard an
und nach einem Kirchbesuch wurde dann eine Rast eingelegt, eine
willkommene Gelegenheit, den Körper durch ein Brötchen oder ein
Butterbrot mit Milch und Kaffee zu stärken. Darauf klang bald wie-
der die Flöte, und weiter ging es bis Süsteren. Wieder ein Besuch in
der Kirche. Hier erwarteten wir auch die Karren, die bereits abgela-
den hatten, damit wir unser Mittagessen einnehmen konnten. Nach
dem Mittagessen brachten wir dann unsere Kisten zu den Fuhrwer-
ken zurück. Das Signal erklang und weiter ging es nach Pey-Echt,
um auch dort die Kirche zu besuchen. Bald wurde die Reise fortge-
setzt um in Linne zu übernachten. Der Brudermeister nahm mich
mit zu Stiena Knops, dort stärkte uns eine wohltätige Ruhe für den
nächsten Tag.”
Für den dritten Reisetag hatte man die längste Wegestrecke
vorgesehen. 38 Km sollten dieses Mal zurückgelegt werden:
”... In Linne ist die heilige Messe um 4 Uhr. Um 4.30
Uhr Abreise nach Zwalmen. Hier Aufenthalt von 7 bis
10 Uhr; dann Segen und Abreise nach Reuver. An-
kunft in Reuver 9.45 Uhr; Verehrung der Reliquien,
Segen, Abreise 10.15 Uhr. Ankunft in Tegelen 12 Uhr.
Aufenthalt bis 1.30 Uhr; Segen; Ankunft in Straelen ge-
gen 6 Uhr; Segen.”
Dazu der Chronist: ”Wir legten schon früh los, denn es stand
eine lange Reise vor uns. Es ging über Roermond nach Reuver, wo
wir wieder eine Rast einlegten. In Tegelen nahmen wir das Mittag-
essen ein, um am Nachmittag bei Venlo die deutsche Grenze in
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In Linne (St. Martinus) übernachteten die Pilger
nach dem 2. Tag.
Richtung Straelen zu überschreiten, wo wir auch übernachteten.
An der Grenze hatte man zu dieser Zeit keine Schwierigkeiten. Der
Tag war ein schwerer gewesen, eine lange Reise und viele hörte man
sprechen von Müdigkeit und brennenden Füßen.”
Anekdotisch berichtet unser Chronist von einer besonderen
Begebenheit im Ersten Weltkriege: ”Ein Pilger aus Nuth versuchte
zu Beginn des Ersten Weltkrieges die Grenze in Richtung Kevelaer
zu passieren. Bei der Grenze angekommen, wurde er mit der Frage:
”Wohin wollen sie?” festgehalten. ”Nach Kevelaer” - ”Was wollen
sie da machen?” - ”Beten für den Deutschen Kaiser, daß er siegen
soll”. - ”So, Sie sind ein guter Mann, gehen Sie ruhig weiter!”
Der vierte Tag bescherte den Pilgern eine recht kurze Etappe
von 18 Km.
”... Die Messe beginnt in Straelen um 4.30 Uhr; Um 5
Uhr Abreise nach Kevelaer. Bei Geldern am Schlag-
baum ruhen die Pilger ungefähr eine halbe Stunde aus. -
Am Lindenbäumchen, in der Nähe des Gnadenortes,
Predigt und Gebet für die verstorbenen Brudermeister.
- Gegen 10.30 Uhr feierlicher Einzug in Kevelaer. Am
Nachmittag verrichten die Pilger einzeln ihre Andacht
25
zur gnadenvollen Jungfrau, und gehen zur heiligen
A Beichte. Abends versammeln sie sich gewöhnlich beim
Gnadenbilde, um teil zu nehmen an den Gebeten und
Gesängen, welche die frommen Verehrer Mariens um
jede Zeit abhalten.”
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Eine der imposantesten Pfarrkirchen an der Pilgerroute ist St. Lambertus in
Reuver, erb. 1878-1880, erweitert 1907 u. 1923,
mit sichtbarem Einfluß norddeutscher Backsteingotik.
27
Der Chronist berichtet von dieser Etappe: ”... Am 1U. Septem-
ber brachen wir des morgens in Richtung Straelen auf, um gegen 10
Uhr in Kevelaer zu sein. Nach dem Besuch der Wallfahrtskirche un-
serer lieben Frau, erwarteten wir die Ankunft der Karren, um
anschließend ein Hotel aufzusuchen. Man konnte hier Mittagessen
zum Preise von einer Märk bekommen.
Die Fußprozession von Montzen stand in Kevelaer in einem
hohen Ansehen. Als Besonderheit zog diese des Abends mit dem Al-
lerheiligsten aus. Auch bei den Einwohnern war sie gerne gesehen.
Als wir in einem Geschäft ein Andenken kauften, fragte man uns,
ob wir von Montzen kämen. Wir sagten ja. Die Antwort lautete:
”Was ist das doch schön, so acht Tage zu Fuß.” Der ”Marianische
Pilgerstab” beschreibt den nächsten Tag wie folgt:
”... Am Morgen des fünften Tages empfangen alle Pil-
ger die heilige Kommunion. Gegen 8 Uhr, feierliche
Prozession mit dem hochwürdigsten Sakramente um
die Gnadenkapelle, oder bei schlechtem Wetter, in der
neuen Kirche! Hierauf feierliches Hochamt. Um 2 Uhr
verlassen die Pilger den Gnadenort, und ziehen über
Geldern. nach Straelen. Ankunft in Straelen, 6 Uhr.”
Im Roermonder Bistumsblatt schrieb der unbekannte Chronist
dazu: ”... Bevor wir des Abends auszogen, sagte ich zu meinem Vor-
dermann, einem robusten Nuther Jungen: ”Heute Abend müssen
wir uns eine besondere Mühe mit dem Beten geben; das muß laut zu
vernehmen sein, verstehst du.” - ”Einverstanden”, war seine Ant-
wort. Dann klang das holländische Gbet durch die Straßen; nach je-
dem Gesetz: ”O, Moeder der Barmhartigkeit, bid voor de ganse
Christenheid”. Auf einem Platz, wo wir rundzogen, hörte man: ”O,
Mutter der Barmherzigkeit” und ”O Möere de la Misericorde!” Das
holländische ”O, Moeder der Barmhartigkeit” klang dabei besonders
beeindruckend.”
Sechster Tag der Wallfahrt:
”Messe in Straelen um 4 Uhr, Abreise 4.30 Uhr. In
Venlo, wo man um 7 Uhr ankommt, wird blos der Se-
gen gegeben und dann ohne Einhalten nach Tegelen ge-
pilgert. In Tegelen, Aufenthalt von 8 Uhr bis 9 Uhr.
Vor dem Abzuge, Segen. Ankunft in Reuver 10.30
Uhr. Verehrung der Reliquie. Abreise 11 Uhr. Ankunft
in Zwalmen, 12.45 Uhr; Abreise 2.30 Uhr. In Roer-
mond wird der Segen gleich bei der Ankunft 3.30 Uhr
gegeben. Nach einer halben Stunde Ruhe setzt die Pro-
zession ihren Weg fort nach Linne, wo eine Predigt und
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._ Tegelen (St. Martinus).
Die Pilger nähern sich ihrem Ziel,
der Segen die Wallfahrt des sechsten Tages
beschließen.”
... Am siebten Tage findet in Linne um 4.30 Uhr eine
heilige Messe statt; Abreise 5.30 Uhr. In Pey wird der
Segen gegeben um 7.30 Uhr, und ohne Einhalten wird
der Weg nach Süsteren fortgesetzt, wo eine Stunde, von
9 bis 10 Uhr, Aufenthalt ist. Nach dem Segen Abreise
nach Sittard. In Sittard, Ruhezeit von 12 Uhr bis 2 Uhr.
Nach dem Segen Abreise nach Nuth, wo Predigt und
Segen abgehalten werden.
30
Prozeffion von WMonken nad Kevelar,
; Der Urfprung diefer Prozeffion
- batiert von 1819. \
Um nächften 8. September, morgenz 5 Uhr, beginnt
die hl. Mefje in der HauptlirHe zu Mongen. Nach der
Mefie gegen 5 Uhr zieht die Prozeffion aus, unter dem
Schufe Marien, den neuen Weg entlang auf Bley
berg, Sippenaeden, Epen und Mecheln zu, wo dies
felde gegen 9 Uhr eintrifft. Dort liegen fi die
Bilger von Aubel an. Nach einem Aufenthalt von un»
[m einer Stunde zieht‘ der Pilgerzug weiter auf
ittem, Wyrle, HU35erg und Nütt zu, mo übernachtet
wird. Die geiftlide Führung der Prozeffion it wieder
dem Herrn Wobe Langodr, Kaplan in Henri-Chapelle
anvertraut. Die Pilger find gebeten, fi den resp. Ori8s
Chören anzufgHließen, damit die Zahl detjelben mögs
Tichft gleichmäßig verteilt find. Im Sänger-Chor können x
‚nur diejenigen zugelafjen‘ merden, welde Velbftoerftändiig
bie notwendigen Kenntnifje der Mufit und Marienlieder
been diefes bitten wir die Pilger, fih gütigft merken
jw wollen.
! Die ‚Bilgesfaßrt wird am 11. September, Morgens
gegen 10 Uhr, über Walbed in Kevelar eintreffen. Die
Verwaltung der ES9IEN hat für fämtlide Pilger
gleide Lampionz im Voraus beftellt, weile das Bild
ber Muttergotte8 tragen, mit der InjdHrijt „Mongens
Keoselar“; diefelben werben Abends vor dem Abzug
be8 Kreuzweges im Hotel „König von Spanien“ vers
außgabt. W !
Der Berfonenwagen wird von Herrn Moreau aus
Henri-Chapelle geführt, und von Mongen aus die Pros
zeffion folgen. Das Fukrwerk für Mongen und Umgegend
wird dur Herrn Dodemont aus Homburg geführt
werben; tag8 vorher wird er das Gepäd ujw. in den
gewö mliden Ortfdhaften, und zwar gegen Mitiag in
DHenri-Chapelle, im SGafthofe „Zur Krone“, bei GH.
Mommer in Coulenberg, dann am weißen Haus aufs
Jaden und fi von dort nad Mongen begeben. Die
Milger von Moresnet find gebeten, ihre Gepäde bei
Hub. Pauly in Spa-Bleyberg abzufegen. Man bittet
für Gemmernid die Gepäde bei Herrn. Schmets-Beuvens
abfegen zn wollen. Das Fuhrwerk für Aubel und Um:
gegend wird dur Herrn Harkin geführt, und ebenfalls
Tags vorher .in den gewöhnlidhen Ortjdhaften aufladen.
MWer nähere Auskunft wünfjcht, wende fiH an den
Ede oder an die HH. Brudermeifter der
rogeffion .
Indem für gute Organifation der Pilger keine Opfer
nod) Koften gejpart werden, ift e& auch unfer innigfter
Wunfjdh, daß recht viele wahrhafte Pilger an derfelben
Teil nehmen mögen. Nic. Nyssen, Präfelt.
1912 fand die Wallfahrt Montzen-Kevelaer zum vorletzten Male statt,
Wie üblich wurde sie vorher in der Presse angekündigt.
(”Das Freie Wort” vom 31.8.1912)
32
Der Chronist berichtet von diesem Tage:
”Der 14. September war der letzte Tag der Reise von Linne nach
Nuth. Zu Sittard wurden zu Ehren unserer lieben Frau vom heilig-
sten Herzen, die Fähnchen angehangen.”
Zu Hommert nahm die holländische Gruppe nach einer An-
sprache durch den geistlichen Leiter Abschied, und war bald wieder
in Nuth. Die Montzener übernachteten wieder in Nuth und erreich-
ten nach einer weiteren Tagesreise durch das Limburger Hügelland
ihr geliebtes Zuhause.
Als im Jahre 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, konnte die Prozes-
sion nicht mehr ziehen und nach dem Krieg schien für eine so lange
Fußreise keine richtige Lust mehr zu bestehen. Gegenwärtig wird
die Prozession wohl kaum über die verkehrsbelebten Straßen ziehen
können. Bei der Wallfahrt von 1913 sah ich nur ein Automobil auf
dem Streckenabschnitt.von Sittard.näch Venlo. Mit viel Vergnügen
und Genugtuung denke ich heute noch an die Prozession zurück:
Was war das eine Ordnung! und eine Erbauung.”
Achter Tag:
”In Nuth, Messe um 4.30 Uhr, Abreise nach Wittem
um 5 Uhr. In Wittem wird eingehalten von 9 Uhr bis 10
Uhr. Die Pilger können diese Zeit benutzen, um Rosen-
kränze u.s.w. von den Patres weihen zu lassen. In Me-
chelen Aufenthalt von 10.45 Uhr bis 12.30 Uhr. In Sip-
penaeken, um 2.45 Uhr, Segen.
An der Grenze von Montzen werden die Pilger ab-
geholt. In der Pfarrkirche angelangt, wird durch das
Absingen des Te Deum und den sakramentalischen Se-
gen, der Schluß der ganzen Wallfahrt gemacht.”
Lassen wir zum Abschluß noch einmal den Chronisten zu
Wort kommen:
....”Ein hochgestellter Geistlicher hat einmal dem Leiter der Mont-
zener Prozession gesagt”. Ihre Prozession ist ein Vorbild für ganz
Limburg.”
Viele Jahrzehnte sind vergangen; was an lebendiger Tradition
geblieben, ist die Eupener Bruderschaft, die in jedem Jahr von neu-
em den Weg nach Kevelaer einschlägt. Auch Montzener von heute
sind dabei.
Die Namensliste der ehemaligen Montzener Präfekten konnte
leider nur unvollständig ermittelt werden. Zur Erinnerung an ihre
Verdienste seien hier stellvertretend für alle uns Unbekannten die
Namen und die Jahre ihrer Amtszeit aufgeführt:
338
1851 F.H.J. Nyssen
1852 Johann Hubert Nyssen
3
? Jean-Jaques van Rey, geb. 1810 gestorben 1878
1856 P.J. Hermanns
1860 L.H. Malmendier
1890 Dionysius Heuschen (+ 21.2.1900)
» N
1897 war beinahe 25 Jahre Präfekt
1898 5
1901 Nic. Nyssen gestorben 1930, 82 jährig, Altbürger-
meister von Montzen
1907 %
1908 8
1912 Y
Bienheureux ceux qui meurent dans de&vou& ä ces concifoyens : pendanf de longues
le Seigneur. annees, il remplit les haufes fonctions de
bourgmestre de Montzen, avec un d&vouemenf
A la pieuse me&moire de auquel toussesadministr&s rendaient hommage.
MS Ancien cultivateur, il s’interessait 4 toutes les
nr <euvres cre&es pour assurer le bien-&tre des
. <ompagnards. Les pauvres perdent dans le ve-
Nicolas NYSSEN ner& vieillard que nous allons conduire ä sa
Eri dernitre demeure un bienfaiteur genereux et
veuf de Catherine SCHEEN discre.: ses derni&res volont&s en font foi.
Ancien Bourgmestre de Montzen Monsieur Nicolas Nyssen entrevoyait la mort
Prefet du Ptlerinnge de Montzen a Keve'ner ave: le calme du juste. Il s’y prepara avec une
+ President du Tiers-Ordre piete &lifiante. Plus d’une fois on l’a entendu
pieusement deced& & Montzen le 6 Juin 1930, dire: „Je suis prät ä mourir..., je ne desire plus
ä V’äge de 82 ans, administr& de (tous les que de voir Dieu.” Ayanf fowjours ven&r& le
Sacrements de Notre Möre la Sainte Eglise. ara ES Jesus, en Meier Sa il
faisaif celebrer le saint sacrifice tous les pre-
Le vener& vieillard dont nous pleurons {a miers vendredis, il s’est endormi dans Ia_paix
mort, tait un homme de bien dans foufe la du Seigneur, le premier vendredi du mois de
force du terme. Chretien modele, il €difia la juin, de ce mois aü l’&glise honore fout parfi-
paroisse par sa piet&: fous lesjours, malgr€ son culierement JeCozur adorable du Sauveur. Il a
grand äge il assistait äla messe ef s’approchait vu se realiser les belles promesses que Notre
de la Table Sainte. Devot serviteur de Ia Möre Seigneur ft bienheureuse Marguerite- Mo-
de Dieu, il conduisit pendant lo-glemps cha- rie en faveur de ceux qui honorent son Ceeur.
que annee les pelerins du doyenne de Montzen Je serai leur refuge pendanf la vie et surlout &
au sanctuaire de Kevelaer. Ce Iui Etait un doux Ja morf.... ils ne mourront pas dans ma disgrä-
souvenir que de songer ä ce pieux voyage que ce, ni sans recevoir les sacremenfs.
T’on faisaitä pied ef sans cesser de prier. Nous Mic cales Mile donner-Mi 1 npos
ne doufons pas que la Tı&s-Sainte Vierge reali- ER (7 as 7 a)
sera pour son fidele serviteur ces belles paroles A Ce,
que l’&glise met sur les levres de Marie: „Ceux Doux Cour de Jösus, fales que je vous
qui m’honorent, auront la vie Efernelle.“ Di- alme foujours plus! (300 jours d’ind.)
‚sans aussi que le cher defunt Efait entierement 7777 imo. Jon, Willema. ruw Station, Aubel
34
Nachtrag
Bei einer kürzlich unternommenen. Informationsfahrt nach Ke-
velaer, wobei wir versucht haben, dem alten Pilgerweg zu folgen,
konnten wir erfreut feststellen, daß am Gnadenort noch einige
Zeugnisse der einst so bedeutenden Prozession vorhanden sind.
Zwar fanden wir das vermutlich aus dem jahre 1859 stammen-
de Prozessionsschild nicht mehr in der sogenannten Kerzenkapelle
neben denen von Raeren und Eupen, doch das 1859 durch die
Montzener gestiftete Ziborium (Speisekelch) wird weiterhin be-
nutzt. Im Fuß desselben fanden wir die Inschrift:
PEREGRINANTES DE MONTZEN
IN MEMORIAM QUINQUAGESIMAE ;
PROCESSIONIS AD SANCTUARIUM B. MARIAE
KEVELAERIENSE HANC PYXIDEM FUNDAVERUNT
ANNO MDCCCLXIX
(D.h.: Zur Erinnerung an die 50. Prozession zum Heiligtum der Al-
lerseligsten Jungfrau zu Kevelaer i.J. 1869 stifteten die Pilger aus
Montzen diesen Speisekelch.)
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Das von den Montzener Pilgern i.J. 1869 geschenkte Ziborium
35
In der Bibliothek des Priesterhauses der Canisianer stießen wir
in den Aufzeichnungen des Wallfahrtsbüros auf einige interessante
Details zur Montzener Prozession. So stifteten die Montzener z.B.
im Jahre 1903 40 Pfund weißes Wachs (für eine Kerze in der Ker-
zenkapelle). Auch zur Stärke der Prozession finden sich einzelne
Eintragungen, z.B. 200 Fuß- und 200 Bahnpilger für das Jahr 1908.
Außerdem entrichteten sie am Ort einen Unkostenbeitrag von 130
Mark.
Im Jahre 1922 beschloß man, die durch den Krieg unterbro-
chene Tradition der Kevelaer-Pilgerfahrt wieder aufleben zu lassen,
faßte dann jedoch letztendlich den Beschluß, nach einem Gnaden-
ort im Aubeler Land zu pilgern. Dabei fiel die Wahl auf Moresnet-
Kapelle, das bis heute Ziel der am 3. Septembersonntag stattfinden-
den Montzener Dekanatsprozession geblieben ist.
Quellen:
Bibliographie: Bedevaart-Pelerinage-Wallfahrt
Maas-Rijn — Rhin-Meuse — Rhein-Maas
Rheinlandverlag G.m.b.H. Köln.
Marianischer Pilgerstab oder Gebets- und Gesangbuch
zunächst zum Gebrauche der Pilger von Montzen nach Kevelaer.
Herausgegeben 1875 von der Montzener Kevelaerbruderschaft.
Geschichte der Wallfahrten im Bistum Aachen, von
Dr. P.J. Wynands, Einhard Verlag Aachen 1986
Eupen zwischen Ost und West, von Viktor Gielen, Markus Verlag, Eupen
Pfarrgeschichte Eupens, von Johann Gerhard Heinen, Eupen 1896
Französische Regierung und Rheinländer, von Dr. Alfred Karll
Leipzig 1921, Verlag von K.F. Koehler
Die Rheinlande in der Franzosenzeit, von Alexander Conrady
Stuttgart 1922, Verlag J.H.W. Dietz Nachfolger G.m.b.H.
Wallfahrt im Rheinland, Herausgegeben vom Amt für rheinische Landeskunde
in Verbindung mit dem Volkskunderat Rhein-Maas und dem Nieder-
rheinischen Freilichtmuseum
To voet naar Kevelaer, N.N. Limburg Katholiek weekblad
voor het bisdom Roermond Jg. 2 (1948/49) Heft 5
Korrespondenzblätter des Kreises Eupen
Die Fliegende Taube, Willems, Aubel
Das Freie Wort
36
Marienklage
von M. Th. Weinert
Wie heimgekehrt
auf ihren Schoß
zu kurzer Rast
ist er,
ganz ausgeblutet. Und ihre Hände
halten ihn,
den Herrn,
ihr Kind. 7
Groß über ihn hinaus
wächst sie
in dieser Stunde der Verlassenheit.
Da sie versucht,
das Unbegreifliche zu fassen,
wird ihr das Antlitz starr,
der Blick versinkt
ins Leere...
der, dem sie lebte,
lebt nicht mehr.
37
°
Un tresor inexploite: les archives
notariales du XVII siecle
par Marc Lennarts
En parcourant les dix dernieres livraisons de cette revue, le lec-
teur ne peut s’empöcher de dresser le constat suivant: presque toutes
les etudes d’histoire locale publiees portent sur les deux derniers sie-
cles (1). Comme si nos contrees rurales s’etaient brusquement &veil-
lees ä l’aube de l’ere industrielle apres un sommeil seculaire. Comme
si le cherchevr ignorant, paresseux et rebute par la recherche des
sources avait decide, une fois pour toutes, de renoncer ä explorer le
pass€ plus lointain de son terroir. Comme si partir ”ä la recherche du
temps perdu” etait perdre son temps...
Face ä ce constat, ces quelques pages voudraient Etre une invi-
tation ä la decouverte de la vallee de 1a Gueule sous l’ancien regime,
en interrogeant des documents d’une richesse et d’une variete abso-
lument extraordinaires: les actes notaries. De fait, les Archives de
V’Etat ä Liege conservent par milliers les minutes des notaires qui ont
instrumente jadis dans les bans de Montzen et de Walhorn. Gräce ä
un excellent inventaire, il est tres aise de se renseigner sur les diffe-
rents fonds conserv6s. (2)
Afin de montrer concretement quel parti on peut tirer de l’ex-
ploitation de cette veritable mine, je propose d’examiner deux docu-
ments relatifs au passe pre-industriel de La Calamine. Mais, au prea-
lable, et a l’intention du lecteur qui voudrait se lancer dans le
depouillement des fonds d’archives notariales, notons brievement
que
1. Le notaire des XVII“ et XVIII siecles ne possede aucune forma-
tion juridique universitaire. Le metier s’apprend ”sur le tas”, en
frequentant un collegue chevronne.
2. Il ne faut pas se laisser decontenancer par les formules juridiques
utilisees dans la redaction des actes. Il s’agit presque toujours de
formules stereotypees: les notaires utilisaient un formulaire pre-
sentant un large 6ventail de modeles d’actes qu'ils se contentaient
souvent de copier et de completer (avec les noms des parties com-
parantes et toutes les donnees specifiques au type de l’acte a redi-
ger) (3).
3. Celui qui s’interesse plus particulierement a l’histoire d’une loca-
38
lite doit consulter aussi les archives des notaires de residence dans
les localit&s voisines (car, la clientele d’un notaire n’est pas consti-
tuee seulement de la population du village ou il est installe; bien
souvent, elle lui arrive &galement des communaut&s limitrophes).
Ainsi, les minutiers montzenois contiennent en abondance des
sources precieuses et indispensables pour l’etude du passe calami-
nois.
1. Une visite guidee du chäteau d’Emmaburg en 1774...
Le 14 avril 1774 meurt inopinement le baron Charles Joseph
Richard de Dobbelstein, seigneur ä Moresnet et ä ”Einenbourg”, -
dont il est le chätelain. Son acte de deces precise qu'il fut inhume
dans le choeur de l’eglise paroissiale de Moresnet (4. Un mois plus
tard, le 17 mai, le notaire Richard Lambert Schillings de Montzen
dresse l’inventaire de tous les meubles du chätelain decede (5). ”A la
requisition du Monsieur d’Outrepont, curateur denomme par le
grand conseil de Sa Majeste ä Malinne” (6), Schillings repertorie
donc syste&matiquement tous les meubles et objets les plus divers
(vaisselle, livres, couverts, linges, tableaux,... , betail... ) trouves au
Cchäteau.
Le document etabli par le notaire constitue un inventaire apres
deces des biens meubles trouves au domicile du defunt. Ce type
d’acte notarie est une reelle benediction pour !’historien, a qui il
donne l’occasion d’effectuer une veritable intrusion dans le cadre de
vie quotidien de nos maisonnees d’autrefois. Par ailleurs, en soumet-
tant le document ä un interrogatoire serre, il est souvent possible de
recueillir des indications tres precieuses sur des aspects plus particu-
liers et meconnus de la societe d’ancien regime: vie intellectuelle, loi-
Sirs...
Mais, attention! Il ne faut pas s’emballer trop vite. Avant toute
utilisation du document, celui-ci doit passer au feu de la critique.
Coest 1a, faut-il le rappeler, une operation indispensable dans toute
demarche historique correctement men6e.
A. L’examen critique du document
Deux questions essentielles viennent a l’esprit.
1. Le notaire s’est-il acquitte de sa täche avec soin?
2. L’inventaire donne-t-il reellement une liste exhaustive des biens
laisses par le defunt?
39
Nous pouvons repondre ”oui” ä la premiere question. En effet,
le tabellion montzenois etait accompagne€ de deux temoins pendant
toute la duree de son travail. Les trois hommes ont procede systema-
tiquement pour dresser l’inventaire: ils ont visite l’une apres l’autre
toutes les pieces du chäteau et de ses dependances (il y en a dix-sept),
et rien n’a echappe ä leur attention. Ainsi, par exemple, les tableaux
sont sommairement decrits, les titres des livres sont cites, tous les
ustensiles de cuisine (couverts, petite vaisselle... ) soigneusement
comptes... Chaque armoire est ouverte, la couleur et l’etat de conser-
vation des objets sont souvent specifies (exemples: six assiettes de
faiance; fond blanc ä fleurs rouges” ou ”un tableau avec son cadre
casse representant les adorations des Roys” et encore une demi-
douzaine de ”tasses de porcelaine, mais y manque une sous-tasse et
une autre cassee”). Au total, on ne denombre pas moins de 500
objets (du carrosse et de la genisse aux ”cinq moules de verre pour
faire des chandelles”). Certes, quelques imprecisions sont regretta-
bles (exemple: ”une grande armoire dans lequel ne s’est rien trouve,
excepte quelques petits ornements de l’eglise”), mais, dans l’ensem-
ble, on peut estimer que ce travail long et fastidieux a &te realise
avec tout le soin requis. E
Ceci dit, et me&me si cela peut paraitre paradoxal, nous ne pou-
vons avoir aucune assurance d’&tre en possession d’une liste exhaus-
tive des avoirs de l’aristocrate trepasse. Pourquoi? Il y a ä cela deux
raisons essentielles.
a) Le temps &coule depuis le jour du dec&s (plus d’un mois) est un
premier indice qui doit E&veiller plus qu’un soupcon de suspicion.
De vrai, n’est-il pas tout a fait possible que des personnes (domes-
tiques, servantes, parents, proches ou lointains... ) aient profite de
ces quelque 33 jours pour prelever des objets (qu’elles aient agi
illicitement ou de plein droit)? Cela parait d’autant plus plausible
qu’aucun legataire n’a &te designe par le baron (la nomination
d’un curateur par le grand conseil de Malines fait songer ä l’exis-
tence d’heritiers mineurs d’äge, ou m&me ä l’absence d’heritiers).
b) Que des objets aient disparu, l’inventaire le laisse suggerer Iui-
möme: on y trouve aucune mention de pieces d’habillement, de
denr&es perissables (pain, beurre... ), de documents, d’argent...
Or, C’est indeniable, de Dobbelstein devait s’habiller et se
nourrir... La gestion de ses biens immobiliers devait donner lieu a
des &critures, et un homme de son rang disposait sürement d’espe-
ces sonnantes et trebuchantes.
Des lors, que conclure, sinon que nous disposons d’une source
40
qui fourmille d’indications precieuses, mais incompletes. L’impor-
tance de ces lacunes etant, bien sür, impossible ä &valuer. Mais, l’his-
torien ne doit-il pas s’accommoder de sa documentation? $’il la vou-
lait parfaite, il n’ecrirait rien.
B. Quelques suggestions d’exploitation du document
Les informations fournies par cet inventaire apres dec&s peu-
vent &tre filtrees a travers des grilles de lecture tres differentes, en
relation chacune avec un centre d’inter&t particulier, avec une ques-
tion differente. Cependant, notre objectif ne sera pas de presenter
toutes les investigations auxquelles le chercheur pourrait se livrer
afın de tirer la substantifique moelle du document. Contentons-nous -
seulement de tracer quelques pistes.
1. Suivez le guide: une ”’journee portes ouvertes’”” 4 Emmaburg en
1774
La seule description des lieux, par l’enumeration des dix-sept
pieces visitees est, somme toute, une photographie du bätiment tel
qu’il s’offrait au visiteur ä la fin du regne de Marie-Therese. L’ama-
teur d’histoire locale confrontera volontiers cette description a l’etat
actuel des m&mes lieux. C’est donc un truisme de dire que, pour
l’histoire architecturale du chäteau, notre acte notarie n’est pas ä
negliger. Mais, suivons le guide...
La visite debute dans la ”’salle a manger”’ (sic), oü deux tables
sont dressees. Six personnes peuvent y prendre place. Les murs sont
decores d’une peinture sur bois, de trois estampes et de deux cartes.
Le baron aimait y jouer aux €checs ou aux dames. Il n’etait pas
grand amateur de lectures: ä peine quinze volumes garnissent sa
bibliotheque. A remarquer: un barometre et un thermometre, un
”fusil a trompette” ainsi qu’une pendule marquant les minutes et les
secondes. Mais, passons dans la ”’chappelle castrale”” et recueillons-
nous un instant. Rien ne manque pour y celebrer l’office. Deux
estampes pieuses (l’une sur taffetas jaune, representant l’Assomp-
tion, l’autre representant ”les &pousailles de St. Joseph et la Ste
Vierge”) et un tableau au cadre casse (”Les adorations des Roys”)
incitent a la devotion. Une tapisserie sert ”de fond a l’autel”.
L’exploration des lieux se poursuit au premier Etage, compose
de cinq chambres:
- ”la chambre droite en montant””, decoree de deux estampes et
d’une carte de l’Allemagne
- ”]a chambre des domestiques””’, ol ces derniers petrissaient le pain
42
Dans la cuisine rivalisent les faiences, les cuivres, la porcelaine,
la terre cuite, l’etain, le fer, le verre. Et tout laisse deviner que le mai-
tre de ceans avait le palais fin... Nos deambulations 4 Emmaburg
nous menent encore dans la cave et ”’dans la cave contigu@”, puis
dans la ”’maison mortuaire”” (7). Enfin, la visite se termine par l’eta-
ble (qui abrite un cheval avec selle et bride, trois vaches et une
genisse) et la remise 0ü est gare le carrosse.
La visite vous a-t-elle plu?
Je voudrais inciter vivement l’amateur d’histoire a confronter
cet inventaire apres deces a d’autres documents du m&me type; cer-
tes, ils ne pullulent pas, mais sans trop chercher, il est possible d’en
reunir une dizaine. Pareille &tude r&vele que les besoins de l’etre
humain (besoins essentiels et superflus, comme manger et boire, *
s’habiller, faire sa toilette, se cultiver, recevoir des invites, loger
des domestiques, entreposer des biens, des animaux, des marchan-
dises...) sont r&cuperes socialement (8). Dans les cas de Varisto-:
catrie, ces besoins donnent lieu ä l’affirmation de la superiorite
de cette classe sociale dont le maitre mot est ”paraitre”. Alors
que tant et tant de petits Eleveurs, d’artisans ou de journaliers n’ont
guere connu que le denuement.
2. Livres et vie intellectuelle
La bibliotheque du baron nous donne quelques indications
interessantes sur la diffusion des idees et la vie intellectuelle dans nos
regions ä la fin du siecle des Lumieres.
De quels ouvrages se compose-t-elle?
Liste des ouvrages en possession de
Charles Joseph Richard de Dobbelstein
- Bocket Zulba (4 volumes)
- Le petit toutou (2 volumes)
- L’orpheline angloise
- L’histoire de la vie de H. Maubert, soi-disant chevalier
de Gouvest
- Memoires de l’abbe de Montgant (2 volumes)
- Histoire de la republique de Venise (1 volume)
- Chronologie d’Allemagne
- Aventures singulieres du faux chevalier de Warvick
- L’Aristipe moderne
A | a
43
Que nous apprend cette liste?
de Dobbelstein possedait 14 volumes (mais, posseder un livre
ne signifie aucunement l’avoir achete soi-me&me, encore moins
V’avoir lu). C'est ä la fois beaucoup et peu. Le fait d’en posseder le
classe parmi les privilegies (il faut savoir que si l’analphabetisme est
un obstacle ä l’acquisition d’un livre, le prix des ouvrages en est un
6galement: le moindre in-octavo represente alors un tiers du salaire
hebdomadaire moyen du manouvrier (9)). Par contre, les 14 volumes
(dont le notaire a malheureusement omis de preciser le format et
parfois le nom de l’auteur) sont peu de chose, compares aux quelque
133 volumes de l’abbe Loven, decede a Montzen en 1773 (10).
Par ailleurs, sans &tre specialiste de l’histoire de la litterature,
on peut affirmer que les bougins du chätelain d’Emmaburg n’&vo-
quent guere des ceuvres encore connues aujourd’hui. ”’L’histoire de
la vie de H. Maubert, soi-disant chevalier de Gouvest””, les ”Aventu-
res singulieres du faux chevalier de Warvick” et ”Le petit toutou”
font m&me plutöt penser ä des textes legers qu’aux grands classiques
de la bibliotheque de l’honnete homme.
Nos manuels d’histoire affirment souvent peremptoirement
que la diffusion des idees philosophiques nouvelles (ceuvres de Dide-
rot, de d’Alembert, de Voltaire... ) est une cause des r&volutions au
dix-huitieme siecle finissant. Dans ce sens, il n’est pas sans interet de
constater que ces courants d’idees n’ont pas eu d’echo aupres du sei-
gneur d’Emmaburg et de Moresnet. Pourtant, ce dernier ne lit que
des ouvrages rediges en langue francaise et Montesquieu, Diderot
ou Voltaire sont ses contemporains. Mais il est vrai, leurs ceuvres
ont parfois ete proscrites par les autorites...
3. Un seigneur gourmet?
Une autre maniere d’interroger le document est de regrouper
toutes les mentions d’objets qui ont trait au boire et au manger. Elles
sont legion. Nous ecarterons toutefois les termes trop imprecis (cas-
serole de cuivre, cuiller en etain, assiettes,... ) afın de ne retenir que
le vocabulaire directement explicite, nous permettant de savoir ce
qui pouvait &tre servi a la table du seigneur gourmet.
En matiere de boissons, la carte est assez raffinee pour l’epo-
que, puisqu’a Emmaburg on sert du lait, du chocolat, du the et du
cafe.
Mentions explicites:
- un ”pot au lait de faience”, un ”pot au lait”
44
- une ”chocolatiere”
- une ”cafetiere de faience” (deux mentions), une ”cafetiere de
fer blanc”, une ”petite cafetiere”, un ”moulin a moudre le
cafe”, un ”vieux moulin a cafe”, un ”cockmaer” (= un coque-
mar: bouilloire ä anse)
- deux ”theieres”
Il faut savoir que l’habitude de consommer regulierement du
chocolat, du the et du cafe est alors assez recente en Europe et
qu’elle n’est &videmment pas en usage dans toutes les familles. Loin
g’en faut! Le veritable ”boom” du cafe se produit au milieu du
XVII“ siecle seulement. Ces trois nouvelles boissons, excitantes et
toniques sont ”toutes les trois empruntees aux pays d’outre-mer: le
cafe est arabe (apres avoir €te ethiopien), le the chinois, le chocolat "
mexicain” (11).
Que mangeaient de Dobbelstein et ses gens? impossible de
reconstituer les menus &videmment. Neanmoins, on peut glaner
quelques renseignement precis.
Le pain est cuit 4 Emmaburg, puisqu’un ”bac ä petrir le pain”
se trouve dans la chambre des domestiques. Les tartines peuvent
&tre garnies de confiture (un ”vieux pot de confiture de faiance”). On
connait le sel (deux ”salieres de cristal et une de fayance”) et le sucre
(une ”sucriere de faiance”). Le sel est utilise non seulement pour rele-
ver le goüt de certains aliments, mais aussi pour conserver des den-
rees (trois ”tonneaux de choux sales dont deux vides et un rempli”).
Les laitages sont apprecies: tant le beurre (une ”assiette au
beur, de faiance fort endommage”) que le fromage, fabrique sur
place (cinq ”formes de bois pour faire des fromages” et une ”planche
pour faire des fromages”).
La cuisiniere prepare de la soupe (”une marmite au bouillon”)
et la viande ne fait pas defaut (une ”couronne a pendre la viande”,
un ”tourne broche”, ”des jambons”, ”six divers morceaux de lard”,
deux ”terrines d’etain”). Des sauces agrementent souvent la viande
(on compte huit saucieres) et le chätelain semble avoir apprecie tout
particulierement la moutarde (une ”livre de semance de moutard”,
une ”pierre a broyer le moutard”, un ”moutardier de faiance blan-
che” et un ”moutardier d’etain”).
Comme legumes, outre les choux, dejä cites, on aime la salade
(un ”saladier de faiance”), les f&ves (1/4 de ”mesures de f&ves”) et
peut-Etre les pommes de terre (un ”monceau des patard faisant envi-
ron un sac”).
Les pommes sechees (”1/2 mesure de pommes secs”) et la tarte
[ANNE SEES
45
(une ”tourtiere” avec couvercle) sont-elles servies en guise de des-
sert? N
Tout compte fait, a lire ce qui precede, on ne saurait vraiment
conclure qu'il y a nourriture en abondance. Ni que les mets sont
exceptionnellement delicats et raffines (nous ignorons combien de
bouches il fallait nourrir et, il faut le rappeler, l’inventaire n’est pas
exhaustif, bien que le notaire y ait consigne tout ce qu'il a trouv6).
Neanmoins, on peut l’affirmer, la famine ne sevissait pas 4 Emma-
burg...
On l’aura compris, j’espere, la portee de ces quelques considera-
tions depasse l’echelle purement locale. Elles illustrent en tout cas
comment tirer profit d’un document qui sommeille depuis plus de
deux siecles dans un fonds d’archives.
IL. Une assembl6ee des travailleurs
aux mines imperiales de La Calamine en 1762
Les portefeuilles d’archives notariales renferment en grand
nombre des actes appeles ”declarations-declaraties”. Il s’agit tres sou-
vent de t&moignages enregistres par le notaire; cet enregistrement
confere ä ces temoignages un caractere authentique, puisqu’ils sont
deposes devant un personnage public dans le seul but de servir ”la
bonne et sincere verite”, Pareilles depositions peuvent &tre citees
devant un tribunal et les temoins s’engagent en dictant leur declara-
tion au notaire, ä la repeter telle quelle chaque fois qu'il leur sera
demande de le faire.
Le 29 novembre 1762, Jean Pierre Schever, notaire royal ä
Montzen, est mande pour recueillir une declaration collective dic-
tee par 32 mineurs et ouvriers des ”mines de Sa Majeste a La Ca-
lamine” (12).
Le 23 novembre, soit quelques jours plus töt, a eu lieu une
assemblee des habitants de Moresnet pour elire le nouveau vicaire
de cette paroisse. Les 32 mineurs et ouvriers qui comparaissent
devant Schever ont participe ä cette Election (ces personnes sont
toutes citees dans l’acte notarie par leurs nom et prenom). Ils enten-
dent lui faire savoir, ”afin de mieux confondre des personnes mal-
veillantes et des mechantes langues”, qu’il n’est pas vrai” que Mon-
sieur le Contröleur (des mines) Welter les a contraint de voter pour
M' Labarbe lors de l’&lection du vicaire de Moresnet” (13).
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Debut de la declaration du 29 novembre 1762 (A.E.L., minute du notaire J.P.
Schever, de Montzen). Le notaire y donne la liste des 32 ouvriers et mineurs qui com-
paraissent devant Iui afın de faire enregistrer leur declaration. Nous avons ajoute,
apres chaque nom, la mention (S) ou (X) indiquant que la personne a signe l’acte de
son nom (S) ou d’une simple croix (X).
En respectant l’ordre dans lequel ils sont cites dans le document, on trouve suc-
cessivement: Niclaes Wermeeker (S), Jean Segher (S), Willem Loosberg (X), Lambert
Stein (X), Jean Coenen (X), Winand Clöecker (X), Gerard Maijar (X), Laurents Cloot
{S), Hendrigh Nijssen (S), Hubert Gillissen (X), Pierre Cool (X), Lambert Brandt (X),
Francis Oleleger (X), Peter Hermens oudt (X), Peter -Hermens jong (S), Peter Clöec-
ker (X), Matthis Claessen (X), Schijn Schijns (X), Vaes Kesseler (S), Jacob Carabin
(S), Niclaes Jasqumin (S), Hendrich Thimister (S), Mees Wers (S), Lennert Cleijn (X),
Lennert Gillissen (X), Lambert Segher (X), Matthis Le Noir (X), Nijs Schrimeeker
(X).
47
Les 32 travailleurs precisent aussi quiils ratifient donc le vote
qu’ils on emis. Le texte du notaire relate alors deux petits incidents
apparemment anodins, mais auxquels l’historien doit preter atten-
tion:
Tun des 32 comparants,.nomme Schijn Schijns, a dit et crie qu’il a
€te contraint de voter pour Labarbe. Mais, note Schever, le compa-
rant‘a effectue son intervention sous l’influence de la boisson, et il
ne faut pas accorder le moindre credit ä ses dires. Et de barrer d’un
trait de plume le passage du texte qui relate cet incident!
Mees Wers, un autre membre du groupe, confirme avoir raconte
que Peter Cloecker Iui a ordonne d’accorder sa voix ä Labarbe. Il
s’empresse alors de dementir avoir recu cet ordre de la part du con-
tröleur.
Chacun des 32 travailleurs est invite a signer la declaration: 21
d’entre eux sont incapables d’E&crire et tracent une croix en guise de
signature. Les onze autres signent, malhabilement d’ailleurs.
Qu’un certain Labarbe ait 6te vicaire 4 Moresnet nous importe
peu (pour retrouver les noms des membres du clerge paroissial, les
archives de cure sont bien plus precieuses que les archives
notariales). Ce qu’il convient de retirer de cette source peut se resu-
mer comme suit:
1. La designation du nouveau vicaire s’est effectuge par Election lors
d’une assemblee des habitants (seuls les hommes avaient le droit
de participer a ces reunions). Nous ignorons malheureusement
combien de candidats etaient en lice (14). L’origine, la fonction,
Vorganisation et l’importance de ces assemblees villageoises nous
sont absolument inconnues. Tout ce qui a trait a la sociabilite vil-
lageoise constitue d’ailleurs un secteur de l’histoire de nos campa-
gnes dont nous ignorons presque tout (15).
2. Deux tiers des travailleurs sont analphabetes. (A titre de compa-
raison: parmi les 122 hommes maries a Montzen de 1779 ä 1795,
on compte 50% d’illettres (16).
3. ”Tirer la verite du faux”. Nous ne saurons jamais si, oui ou non,
le contröleur Welter-a force le personnel de la mine ä voter pour
Labarbe (car, il ne faut pas se leurrer: si, dans leur declaration, les
travailleurs dementent la rumeur publique, il n’est pas exclu qu’ils
aient donne ce dementi sous la contrainte).
Par contre, ce qui est sür, c’est que dans l’esprit de ceux qui ont
fait circuler cette information (ä tort ou ä raison), il paraissait tout a
fait plausible qu’un fonctionnaire imperial use de son influence pour
fausser le deroulement de l’election: ils ont certainement dejä connu
48
un cas similaire, oü pareilles pressions ont &te exercees par un nota-
ble. Voilä un element ä retenir par l’histoirien qui chercherait ä etu-
dier les relations sociales dans la communaute rurale.
Restent maintenant les affirmations de Mees Wers. On ne peut
s’empöcher de penser que cet homme:a dü faire preuve de courage
pour avouer en presence de ses 31 compagnons avoir vote pour
Labarbe sur ordre de Peter Cloecker (ce dernier etant lui-me&me pre-
sent et n’opposant apparemment aucun dementi a ces allegations).
Manifestement, il y a anguille sous roche... (on peut presumer, par
exemple, que si les travailleurs ont nie avoir recu cet ordre de la part
du contröleur, c’est par crainte de perdre leur poste de travail ä la
mine... )
*
Ces deux petits dossiers, qui ont le merite d’&tre consacres ä des
questions d’histoire locale sans negliger la reflexion methodologique,
auront suffi, j’espere, ä montrer combien est pertinent le titre de
mon article.
Si quelques lecteurs ferus d’histoire locale unissaient leurs
efforts pour depouiller quelques kilos d’archives notariales, ils
feraient progresser a pas de geants la connaissance du passe de leur
localite. Il suffit de le vouloir. Et, ”voluntas omnia vincit”. Avis aux
amateurs...
NOTES
(1) II faudrait, d’ailleurs, formuler plusieurs remarques ä propos de la qualite de tou-
tes ces contributions. En effet, trop souvent, elles se fondent sur une documenta-
tion incomplete, ignorent toute critique des sources, noient le lecteur dans les
details inutiles et pechent par manque de synthese et de cadres chronologiques
stricts.
(2) J. PIEYNS, Catalogue general des protocoles de notaires conserv6s dans la pro-
vince de Liege, t. I: Catalogue, Bruxelles, 1972
t. II: Index, Bruxelles, 1972.
(3) Beaucoup de tabellions, a Montzen notamment, avaient toujours ä portee de
mains le formulaire de J.B.J. HUYGENS, Le notaire Belgique ou la science des
notaires, divisee en theorie et pratique conformement aux lois, placarts et &dits
de Sa Majeste. Avec les formules selon le style moderne, et l’observance journa-
liere, Bruxelles, 1739.
(Ce manuel a &te edite ä plusieurs reprises et existe €galement en €dition ”neer-
landaise”).
Sur l’exploitation des archives notariales a des fins d’histoire locale, voir M.
LENNARTS, Un acte religieux, un fait social: le mariage 4 Montzen (1696-
1795), Louvain-La-Neuve, 1984, surtout les p. XXIII, 20-25 et 197-199 (U.C.L.,
memoire inedit de licence en histoire; peut &tre consulte, sur demande, aupres de
V’auteur).
EYE EEE EEE NEE VENEN
49
(4) Archives de l’Etat a Liege (A.E.L.), registres paroissiaux de Moresnet, N° 3, p.
38.
Sur la famille des barons de Dobbelstein, voir notamment A. BERTHA, Ein
Pachtvertrag über den Gutshof der Eyneburg, in Im Göhltal, N° 37, (acüt 1985),
p.93-95.
(5) A.E.L., minute du notaire R.L. SCHILLINGS, 17 mai 1774.
(6) Ibid.
(7) Par ”maison mortuaire”, le notaire designe sans doute le local ol a &te trouve le
corps du defunt, mort inopinement. A moins qu'il ne s’agisse d’une chambre oü
le corps a repose avant les funerailles?
(8) Voir ä ce propos A. DE WACHTER, Le cadre de vie de la noblesse: quelques
interieurs bruxellois dans 1a seconde moitie du XVII“ siecle, in Association des
historiens de Louvain, Resumes des memoires de licence en Histoire 1984,
Bruxelles, 1986, p. 29. .
(9) Voir B. DESMAELE, Le livre a Bruxelles au XVIII“ si&cle. Un double reflet: les
inventaires apres dec&s et les catalogues de ventes, in Association des historiens
de Louvain, Resumes des memoires de licence en Histoire 1983, Bruxelles, 1984,
p.20.
(10) M. LENNARTS, op. cit., p. XXIII.
(11) F. BRAUDEL, Civilisation materielle, &conomie et capitalisme, XV°-X VIII“ sie-
cle, t. I: Les structures du quotidien: le possible et l’impossible, Paris, 1979, p.
213.
Les p. 81-228 de cet ouvrage capital sont consacrees aux nourritures et boissons
entre 1400 et 1800.
(12) ”mineurs ende wercklijdens op haere Majestejts Calmijnberg”.
(A.E.L., minute du notaire J.P. SCHEVER, 29 novembre 1762; le document
porte peut-Etre la date du 29 decembre 1762: la mention du mois n’est pas bien
lisible).
(13) Texte original: ”... tot grootere confusie van quaedaerdighe menschen ende
boose tonghen verclaeren valsch ende erdicht te wiesen dat den heere Contro-
leur Welter hun soude gedwonghen ofte geconstringerd hebben van te geven
hunne stemmen op den Eerw. heer Labarbe tot kiesinghe van capellaen tot
Moresnet... ”
Ibid,
(14) Les archives de la cure de Moresnet aux A.E.L. pourraient peut-&tre nous
apprendre quelque chose ä ce sujet.
(15) Pour la France, on dispose d’une excellente synthese de J.P. GUTTON, La
sociabilite villageoise dans l’ancienne France. Solidarites et voisinages du XVI®
au XVIII“ siecle, Paris, 1979 (collection ”Le temps et les hommes”).
(16) M. LENNARTS, op. cit., p. 115-116.
Note de l’auteur:
La redaction de cet article etait achevee avant la publication des deux eEtudes suivan-
tes, desormais indispensables: 3
- Sur l’histoire de l’exploitation miniere a La Calamine, voir l’ouvrage
Arbeit, Kampf und Glaube. Ein Beitrag zur Sozialgeschichte und dem Werdegang
der christlichen Arbeiterbewegung im Kelmiser Raum, anläßlich der Hundertjahr-
feier der CSC im Jahre 1986, La Calamine, 1987
plus particuli&rement, pour la periode d’ancien regime, le chapitre II, dü a F. PAU-
QUET, Die Lage der Altenberger Arbeiterschaft, surtout les p. 47-49).
Sur l’histoire des communaut&s villageoises, voir B. DUMONT, Un cadre de vie
millenaire: de la villa carolingienne ä 1a commune actuelle, in+
Bailus Baelen 888 -1988, Melanges, Baelen, 1988, p. 53-89, surtout les p. 73-84.
50
Aus Walhorns Gegenwart
von Alfred Bertha
Bilderstürmer am Werk
Noch sind die Feierlichkeiten aus Anlaß der 1100-Jahrfeiern
des Königshofs Walhorn nicht verklungen. Pfarr- und Zivilgemein-
de haben sich mächtig angestrengt, dieses einmalige Jubiläum wür-
dig und niveauvoll zu gestalten. Viel Prominenz hat dem Ort die
Ehre gegeben und das Geschichtsbewußtsein der Gemeindevertre-
ter gelobt. Nun aber ist man versucht, das Lob zurückzunehmen.
Was ist geschehen?
Daß der Walhorner Friedhof zu klein ist, wissen alle Ortskun-
digen. Bei der 1976 vorgenommenen Verbreiterung der Straße wur-
de die Friedhofsmauer abgebrochen und eine Reihe von Gräbern
wurde aufgehoben. Damals landeten übrigens Schädel und Kno-
chen in großer Anzahl mit dem Bauschutt auf der Kippe! Nunmehr
ließ der zuständige Bauschöffe eine Reihe älterer Gräber vor dem
Kircheneingang einebnen. Es handelt sich durchweg um Gräber aus
der Zeit um die Jahrhundertwende mit hohen neugotischen Grab-
steinen, einige mit kunstvollem Schmiedegitter umgeben. Nie-
mand wird bestreiten, daß Gräber, die nicht mehr unterhalten wer-
den, neu belegt werden sollten. Dennoch stellt sich die Frage, ob die
Grabkreuze in jedem Falle zerschlagen und zu Straßen- oder sonsti-
gem Baumaterial verwendet werden müssen. Besteht nicht die Mög-
lichkeit, besonders wertvolle Kreuze an den. Friedhofsrand zu stel-
len und sie so der Nachwelt zu erhalten? Es schmerzt zu sehen, wie
pietätlos man in Walhorn vorgegangen ist, war doch unter den Grä-
bern auch das des Johann Dominik Kerres und seiner Ehefrau Regi-
na Zimmermann. Kerres war 1820 zu Walhorn geboren. Mit 29
Jahren wurde er Bürgermeister seines Heimatdorfes und behielt die-
ses Amt bis zu seinem Tode i.J. 1890, d. h. 41 Jahre lang! 1853 hei-
ratete er die um drei Jahre jüngere, aus Eupen stammende Regina
Zimmermann. Die Rückkehr von der Hochzeitsreise, am 7. Februar
1853, gestaltete die ganze Gemeinde zu einem Dorffest. Um 2 Uhr
nachmittags zog man ”mit klingender Musik an der Spitze” bis zur
‚Aktienstraße in Kettenis, wo die Hochzeiter gegen 3 Uhr eintrafen
und ”durch passende Anrede” begrüßt wurden. Um halb 4 wurde
das junge Ehepaar im Zug nach Walhorn begleitet ”unter Musik
und Kanonendonner”. Von 4 bis 6 musizierte die Harmonie vor
dem Hause des Bürgermeisters. Anschließend ging ein Fackelzug
52
Außer der Gedenkplatte für Joh. Dom. Kerres und seine Ehe-
frau trug das Grabkreuz im Sockel eine Erinnerungstafel für die
Eheleute August Kirschgens und Adele geb. Kerres. Der aus Röt-
gen stammende Kirschgens (1840-1909) war Besitzer des Textilun-
ternehmens Hergenrather Mühle. Die Ehe blieb kinderlos und die
vermögende Witwe hat sich als Wohltäterin der Armen einen blei-
benden Platz in der Geschichte Hergenraths gesichert. Sie vermach-
te der Gemeinde Hergenrath testamentarisch das Gut Klötershof
(die ”Linde”) und bestimmte, daß der Ertrag desselben dem Pfarrer
von Hergenrath für die Armen und Bedürftigen der Pfarre überlas-
sen bleibe.
Ist es nicht bedauerlich, daß mit dem Zerschlagen solcher
Grabkreuze ein Stück der eigenen Dorfgeschichte zerschlagen wird?
Muß denn immer erst der Denkmalschutz bestimmen, was
schützens- und erhaltenswert ist? Walhorn ist im Jubiläumsjahr
1988 etwas ärmer geworden. Für solchen Vandalismus gibt es keine
Entschuldigung!
Übrigens: die zerschlagenen Grabsteine wurden als Baumate-
rial nach Langmüs geschafft.
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3 53
Das Schloß David,
genannt Eulenburg, in Moresnet
von Alfred Jansen
Die vielen Herrensitze aus vergangenen Zeiten, die hier ver-
streut im alten Limburger Land noch bestehen, fallen jedem Besu-
cher auf, der aufmerksam unsere schöne Gegend durchstreift. So
besaß das alte Dorf Moresnet drei von adeligen Familien bewohnte
Häuser, denen Chronisten ihre Aufmerksamkeit schenkten. Zum er-
sten war es die auf einer Felsnase erbaute Burg ”Schymper”, die
schon im 14. Jh. erwähnt wird und auf eine lange Vergangenheit zu-
rückblicken konnte, bis sie, zur Ruine verfallen, in den fünfziger Jah-
ren dem Erdboden gleichgemacht wurde.
Dann hatten wir das Schloß Alensberg, das ebenfalls eine
wechselvolle Geschichte vorweisen konnte, bis die letzten Kriegs-
wirren dem Haus ebenfalls ein Ende setzten.
Im Dorfkern liegt, ganz abseits versteckt, das Schlößchen
Bempt, daß auch schon im 17. Jh. in der Geschichte auftaucht und
bis auf den heutigen Tag erhalten und bewohnt ist. Idyllisch von sei-
nem Wassergraben umgeben lebt es verträumt in den Tag hinein.
Neben den drei genannten Anlagen besitzt Moresnet jedoch
noch einen vierten Herrensitz, der aber bisher von den Chronisten
etwas stiefmütterlich behandelt wurde, was darauf zurückzuführen
ist, daß dieses Schloß erst 1874-1879 erbaut wurde und somit nur
wenig mehr als hundert Jahre alt ist. Es ist das ”Schloß David”, das
etwas außerhalb des Dorfes an einem Berghang, im Ortsteil Bam-
busch, auf der Flur Ullenelsen sich erhebt. Bis vor etlichen Jahr-
zehnten war dieses Schloß noch von weitem gut sichtbar; inzwi-
schen liegt es hinter hohen Parkbäumen versteckt.
Seinen Namen verdankt Schloß David seinem Erbauer, dem
aus Gospinal stammenden Victor David, der ihm die Bezeichnung
”Eulenburg” gab. Dies vielleicht in Anlehnung an den Flurnamen
Ullenelsen. (Ull = Eule; Elsen = Erlen).
Da wir uns in unserem Bericht mit der Familie David befassen
werden, wäre es schon interessant zu erfahren, was sich hinter dem
Namen ”Gospinal” verbirgt.
Auf den üblichen Landkarten und auch in Orts- und Städtever-
zeichnissen wird man vergebens diesen Namen suchen. Gospinal ist
ein Teil der Gemeinde Jalhay, Kanton Limburg, Bezirk Verviers,
und gilt als Bezeichnung für eine Domäne, die am Rande des hohen
54
Venns und der Ardennenwälder lag und der aus Lambermont stam-
menden Tuchfabrikantenfamilie David gehörte.
Das Haus Gospinal selbst ist ein unauffälliger, langgestreckter
Bau, dem im Winkel ein Wirtschaftstrakt angegliedert ist. Es sieht
keineswegs aus wie das Domizil reicher Leute.
Im Jahre 1851 verließ die Familie David Gospinal und verlegte
ihren Wohnsitz nach Limburg-Dolhain.
Die Eulenburg zu Moresnet in den fünfziger Jahren
(Foto: F. Darcis)
Es ist nicht von Belang für unseren Bericht, wer in der Folge
das einsame Haus mitten im Walde bewohnt hat. Erwähnenswert
wäre, daß um die Jahrhundertwende die Domäne von der belgi-
schen Königin Marie-Henriette, der Gattin König Leopolds II., für
die Summe von 250.000 F. aufgekauft und dem Staatswald einver-
leibt wurde.
Seitdem ist das Haus Wohnsitz des Revierförsters.
Der Beschluß des Victor David, sich hier in Moresnet niederzu-
lassen, muß nicht von ungefähr gekommen sein. Das ganze Areal
mit Wald, Wiesen und Gehöften gehörte damals schon seinem Va-
55
ter, Victor Joseph David. Außerdem wußte man um den Reichtum
in Form von Gestein, das in der Erde anstand. Das schuf auch eine
weitere Voraussetzung, daraus Kapital zu schlagen. So baute sich
Victor David nach eigenem Ermessen und Gutdünken an einem
Berghang, auf einer Bodenfläche von 1130 m?, ein Schloß, das frei
von übermäßiger Vegetation dem Betrachter einen imposanten An-
blick bot. Es gab aber beim näheren Hinsehen seine verspielten Ei-
genheiten preis, die in unserem Zeitalter jeder Logik entbehren. Dem
Herrensitz schloß sich ein anderthalb Hektar großer Park an, der
seinerseits an ein sechs Hektar großes, mit Buschwerk bewachsenes
Gelände angrenzte, das sich aber im Laufe der Jahre zu einem
prächtigen Wald entfaltete.
Von der überragenden Aussicht des Hauses ist heute nicht
mehr viel zu sehen.
Die Natur hat hier überhandgenommen oder, besser gesagt,
man hat sie überhandnehmen lassen.
Der erste Geschädigte ist das Schloß selbst, das von dem üppi-
gen Baumbestand völlig erstickt wird. Es bleibt unbeachtet und man
hat den Eindruck, daß es in einen Dornröschenschlaf versunken ist.
Das Mindeste, was dem Betrachter des Schlosses ins Auge
sticht, ist die Feststellung, daß der Erbauer und Architekt, es war
Victor David selbst, seiner Phantasie freien Lauf gelassen hat.
Was bezweckte er mit diesem skurrilen Gebäude? Wo holte er
sich die Anregungen, ein solches Gebilde in die Welt zu setzen?
Zugegeben, daß es im vorigen Jahrhundert einen Hang zu sol-
chen architektonischen Verirrungen gegeben hat! In diesem Falle
wurde des Guten doch ein wenig zu viel getan.
Daß kommende Generationen solche Widersprüchlichkeiten
nicht unbedingt hinnehmen würden, was ja die Gegenwart zu be-
weisen scheint, wurde von Victor David nicht vorausgesehen.
Das Haus, das er sich auf der damals fast kahlen Anhöhe bau-
te, ist im wahrsten Sinne des Wortes eine mittelalterliche Burg in
Miniaturausführung mit einer Anlehnung an den neogotischen Stil.
Die Vorderfront, die in nord-westlicher Richtung steht, weist
ein Erdgeschoß und zwei Etagen auf. In der Mitte derselben befin-
det sich ein viereckiger Turm, der dem Hause fast ganz vorsteht,
drei Etagen aufweist und oben einen auf Kragsteinen ruhenden Zin-
nenkranz trägt. Den Abschluß bildet ein nach vier Seiten abfallen-
des steiles Schieferdach.
An dieses Mittelstück schließen sich links drei, rechts zwei
Achsen an; eingerahmt wird diese Hausfront zu beiden Seiten von
56
zwei runden Türmen, über deren Zinnenkronen ein konischer Helm
gestülpt wurde.
Die obere Etage der linken Seite zeigt einen Pseudo-Wehrgang
und außerdem hat der Turm zur Linken im Stockwerk vergitterte
Fenster. Bemerkenswert ist die Bauart der Fenster. Keilförmig
abschließend, dem neogotischen Stil entsprechend, sind die Steine
der Bogen abwechselnd reliefartig hervorgehoben, was dem Haus zu
einem schönen Ornament verhilft.
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Gruß aus Moreinet 222020222
Gruß aus Moresnet 2° 2 a |
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Diese Ansichtskarte der Eulenburg trägt den Poststempel
Moresnet, 29.10.1910.
Der Seitentrakt, dem ein Rasengarten vorgelagert ist, verbindet
sich in Etagenhöhe mit dem Schloß; erdgeschossig ist es ein Torbo-
gen, der den Garten mit dem inneren Schloßhof verbindet. Aber
auch hier wieder an den Hausecken hohe, mit Schießscharten verse-
hene Phantasietürmchen. Am Ende des Wirtschaftsgebäudes ein
viereckiges Türmchen, das eine andere Eigentümlichkeit aus ver-
gangener Zeit aufweist: aus dem ersten Stockwerk ragt eine Bedürf-
nisanlage heraus. Eine Einrichtung die im Mittelalter, als die Burgen
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mit Wassergräben umgeben waren, ihren Zweck voll erfüllte, uns
hier aber bestenfalls ein Schmunzeln abringt.
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Ein Anachronismus ...
Wenden wir uns nach links an einer meterhohen Mauer ent-
lang, die aneinander gegliederte keilbogenförmige Öffnungen auf-
weist, so stehen wir vor einem viereckigen, turmähnlichen Gebäu-
de, das als Lichteinfall eine Doppelarkade mit Säule aufweist, die
unwillkürlich an klösterliche Kreuzgänge erinnert.
Wo aber die Verspieltheit ihren Höhepunkt erreicht, das ist im
Innenhof des Schlosses zu sehen, wo eine Zusammenballung von
Türmchen, Erkern und Nischen die beste Filmkulisse für einen
Walt Disneyfilm abgeben würde. Etwas unterhalb des Schlosses
stoßen wir wieder auf einen mit Zinnen bewehrten Turm,
gewissermaßen als ”Außenverteidigung”.
58
Jenseits des Herrenhauses, in einem Abstand von zirka 50 m,
stehen die Remisen für Pferd und Wagen, flankiert von einem kurz-
gedrungenen Turm, der ebenfalls mittels Arkaden den Blick ins In-
nere gestattet.
Eins muß man dem Victor David bescheinigen: der ganze
Gebäudekomplex ist minutiös bis ins Detail mit einer außer-
gewöhnlichen Sorgfalt errichtet worden. Die Pförtnerloge mit
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Der Innenhof der Eulenburg i.J. 1904
separater, kopfnagelbewehrter Eingangstür, das Gärtnerhaus mit
Turmgebäude ebenso phantasievoll wie das Herrenhaus: man kann
der ganzen Anlage einen gewissen Charme nicht absprechen.
Im Gegensatz dazu hat sich der Hausherr das Innere seines
Wohnsitzes mit Wandtäfelungen im reinsten Lütticher Stil Louis
XV ausgekleidet, um die ihn manches Museum beneiden würde,
Wie er aber zu dieser seltenen Kostbarkeit kam, verdient erwähnt
zu werden.
Des öfteren in der Stadt Aachen verweilend, kam er eines Ta-
ges in die Nähe des Rathauses und stand plötzlich vor einem großen
Haufen Wandtäfelungen, die man aus dem Hause ausgerissen und
[TEE
59
zusammengetragen hatte, um sie zu verbrennen! Viktor David er-
kannte auf der Stelle den Wert dieses Mobilars und bot der Stadtver-
waltung einen Preis für den ”Abfall’, der auch angenommen wurde.
Daraufhin hat er mit Pferd und Wagen seinen Fund nach Mo-
resnet gekarrt. Natürlich hat er Monate gebraucht, um die Täfelun-
gen seinen Schloßräumen anzupassen, konnte sich dann aber seines
Reichtums erfreuen.
Ein offensichtliches Parallelstück zu diesem Wandschmuck,
das vermutlich von denselben Künstlern hergestellt wurde, befindet
sich in Lüttich, En Feronstree, im Hotel Ansembourg. Am 12. Sep-
tember 1907 unternahm der Aachener Geschichtsverein ”Aachens
Vorzeit” einen Ausflug nach Schloß Eulenburg, Burg Schimper und
Moresnet. In der ”Eulenburg” wurden die Aachener durch den
Schloßherrn Victor David persönlich begrüßt. Vor der Besichtigung
der Innenräume ging der Vorsitzende Dr. Savelsberg in einer kurzen
Ansprache auf den Wert und die Entstehung der Holzskulpturen
- Täfeleien, Türe, Kamine, Wappen - ein, die im Innern des Schlos-
ses zu bewundern sind.
”Die Fliegende Taube” vom 24.9.1907 übernahm dazu einen
Bericht aus dem ”Echo der Gegenwart”, worin es heißt:
”Als man im Jahre 1728 zu Aachen die Restauration des Rathauses
begann, zu der die beabsichtigte Abhaltung eines europäischen
Kongresses in Aachen den ersten Stoß gegeben hatte, beschloß man,
vor allem die schönen Räume des oberen Stockwerks der hohen
Würde des Hauses entsprechend mit herrlichem Wandschmuck zu
versehen. Bekanntlich war damals der große Kaisersaal durch eine
die breiten Pfeiler der Länge nach verbindende Wand in eine Reihe
nördlicher und eine Reihe nach Süden gelegener Gemächer einge-
teilt. An der Nord- oder Marktseite lag zunächst östlich, also am
Granusturm, die dreifenstrige Ratskammer mit der Ratskapelle in
dem östlichen kleinen Ausbau, der heute noch vorhanden ist, dane-
ben in der Mitte der neunfensterige lange Festsaal und dahinter am
Marktturm noch ein anderer dreifensteriger Raum. In den an der
Südseite nach dem Katschhofe hin gelegenen Räumlichkeiten war
u.a. die Stadtbibliothek untergebracht und ebendaselbst oder in ei-
nem in gleicher Höhe liegenden Raume des Marktturmes das Stadt-
archiv. In diesen Räumen, in die also im achtzehnten Jahrhundert
der große Kaisersaal unseres Rathauses eingeteilt war, wurden in
der Zeit um 1730 die hier (in’der Eulenburg) befindlichen Felder
und Füllungen reichgeschnitzten Täfelwerkes sowie die Wappen der
damals regierenden Bürgermeister und anderer höheren städtischen
60
Beamten angebracht. Leider befinden sich über die im Jahre 1728
im Rathause vorgenommenen Wiederherstellungsarbeiten im städti-
schen Archiv keine besonderen Rechnungen, aus denen man genau-
ere Nachrichten schöpfen könnte. Das Archiv bewahrt nur ein
Kladdebuch, das auf die Wiederherstellung des Rathauses Bezug
nimmt und den Lütticher Schreiner und Holzschnitzer Jakob de
Reux einmal mit einer Zahlung von 200 Reichstalern erwähnt... In
einem Bauzettel in der Abrechnung vom 4. bis 18. Dezember 1728
wird Jakob de Reux dreimal, und zwar einmal mit sieben Knechten
(Gesellen) mit Zahlungen für Holzlieferungen und Arbeiten aufge-
führt. Außerdem finden sich in den Zetteln noch sechs Abrechnun-
gen folgenden Inhalts: Am 21. Oktober 1830 an Jakob de Reux,
Schreiner, mit 5 Knechten 144 Florin, 4 Märk, und an Lersch den
Alten für an de Reux gelieferten Spiritus 90 Florin; am 27. Oktober
1730 an Jakob de Reux mit 5 Knechten mit Biergeld 120 Florin, 3
Märk, 2 Bauschen; am 20. Oktober 1731 erhält er aus der Stadtkas-
se für sich, für 5 Gesellen und Bier 147 Florin, 2 Märk und am 27.
Oktober genau dasselbe; am 29. November 1732 sind für Jakob de
Reux, Schreiner, von zwei Wochen 123 Florin und am 6. Dezember
1732 für ihn und 3 Knechte 84 Florin angeschrieben. Auch im
April 1733 wird er noch mit ähnlichen Zahlungen in den Belegen er-
wähnt.
Daraus ergibt sich für den Holzschnitzer de Reux eine Arbeits-
zeit im Rathause von mindestens sechs Jahren. An einer der wun-
derbaren großen Holzskulpturen, die in einem kleineren Gemache
des Schlosses Aufstellung gefunden hat, hat sich der Meister selbst
verewigt mit der nach heutigen Begriffen ziemlich fehlerhaften In-
schrift: Maitre Jacque de Reu Menuisie. (1)
Zu der obigen Angabe der Jahre 1728 bis 1733 stimmen auch
die Namen der auf prächtig in Holz geschnitzten Wappen genann-
ten Bürgermeister und höheren Beamten. In den Jahren 1731 bis
1755 waren Alexander Theodor Oliva dreizehnma! Schöffenbürger-
meister und gleichzeitig Jakob Niklas dreizehnmal Bürgerbürger-
meister, so auch im Jahre 1731 (genauer Mai 1731 bis Mai 1732)
und im Jahre 1733. Die im Schlosse über den Türen angebrachten
Wappen dieser beiden genannten Bürgermeister zeigen auch die ent-
sprechende Unterschrift auf schön geschwungenen Spruchbändern.
Von den anderen Wappen höherer Beamten, die sich in dem Speise-
saale des Schlosses befinden, ist das eine als das des Johann Baptist
von Savelsberg bekannt, der 1728 Rentmeister, 1729 Werkmeister
und 1733 Baumeister war; es zeigt auf der linken Seite des Querbal-
61
kens zwei aufsteigende Vögel und auf der rechten den Sandberg.
Die Unterschrift ist hier leider vernichtet. Dasselbe ist der Fall bei
dem vierten Wappen, das unter und über dem Sparren drei Blumen
aufweist. Es ist wahrscheinlich das Wappen des Leonard Bram-
mertz, der 1744 Baumeister der Hirschschützen war.
Wann die herrlichen Holzskulpturen von den Wänden und
Pfeilern der Säle wieder entfernt worden sind, ist ungewiß; jeden-
falls geschah es vor der Ausschmückung des großen Saales mit den
berühmten Freskomalereien von Alfred Rethel und Johann Keh-
ren. (2)
Die Besichtigung derselben erregte naturgemäß das größte In-
teresse der Aachener Geschichtsfreunde, die nicht genug die reiche
Zahl und Mannigfaltigkeit der verschiedenartigen Holzschnitzerei-
en wie auch die große Kunstfertigkeit ihres Verfertigers und die
Schönheit der Ausführung bewundern konnten...
An einen wohltuenden Spaziergang durch die ausgedehnten
Parkanlagen schloß sich dann ein Besuch in den unterirdischen, küh-
len Gängen des bekannten David’schen Steinbruchs bei Fackelbe-
leuchtung an. Mit dem Gefühle dankbarer Anerkennung schied die
Gesellschaft nach mehrstündigem Aufenthalte am Einfahrtstore des
Parkes von dem überaus freundlichen und entgegenkommenden Be-
sitzer.”
Zieht man am Ende ein Fazit, so mag das im letzten Viertel des
vorigen Jahrhunderts erbaute Herrenhaus mit seiner verspielten Ar-
chitektur in der damaligen Zeit Aufsehen ja vielleicht Anerkennung
gefunden haben, aber seitdem hat sich die Welt und mit ihr unsere
Lebensweise von Grund auf geändert, so daß man sich die Frage
nach der Zukunft solcher Bauten stellen muß.
Der Steinbruch
Von unterhalb der Moresneter Eisenbahnbrücke nach Süden
hin besteht der Untergrund aus massiven Steinbänken, die der Geo-
loge als sogenannte Evieuxschichten der Famenne (3), einstuft. Sie
stammen aus dem jüngsten Glied des Devons (zirka 350 Millionen
Jahre) und werden in der geologischen Karte von Belgien unter
F.a.2c. vermerkt.
Diese Schichten bestehen aus Sandsteinen (Psammites) Grau-
wacke (Macigno) und Schiefer (Schiste) und entstanden in Küsten-
nähe des Devonischen Meeres infolge einer Wechselablagerung.
8 Als Baumaterial wurde Sandstein und Grauwacke verwendet,
der Schiefer ist wertlos.
Mit Sicherheit ist es der Vater des Victor David, der die Kon-
zession erworben hat, den Boden auszubeuten. Wann damit ange-
fangen wurde, ist schwer zu belegen. Aber auch ohne konkrete An-
haltspunkte zu besitzen, könnte man davon ausgehen, daß mit dem
Bau der Eisenbahnlinie Welkenraedt-Bleiberg im Jahre 1869-1870,
die zudem die Ländereien der Davids durchschnitt, der Abbau des
Gesteins in größerem Umfange geschah. Dem Unternehmen war
mit der raschen Verfrachtung die Rentabilität gesichert.
Die Stelle, die den Herren David für ihren Steinbruch am geeig-
netsten schien, war eine Talsenke, die flächenmäßig abgetragen wer-
den mußte, um an die Steinbänke zu gelangen. z
Bis zu einer gewissen Tiefe bewährte sich diese Art des Ab-
baus, aber mit zunehmendem Eindringen in den Boden stellte sich
Grundwasser ein: ein unvorhergesehener Umstand, dem man zuerst
mit Pumpen entgegenzuwirken versuchte, bis man dann aber doch
nach und nach zu der Einsicht kam, daß der Steinbruch eine unren-
table Sache zu werden drohte.
Es war der Vorschlag des jungen Herrn David, die in einigen
Dutzend Meter Entfernung sich befindende Felswand anzugehen
und den Stein unterirdisch abzubauen. Die Gesteinsschichten wie-
sen Gefälle zum Erdinnern auf, was diesem Plan nur förderlich sein
konnte.
Es war bestimmt ein Novum, hier am Ort einen Untertage-
steinbruch anzulegen. Im allgemeinen bricht man einen Berg an und
steht mit zunehmendem Abbau vor einer Felsenwand (Schymper)
oder gräbt sich flächenmäßig in die Erde ein. (Hauset, sieben Wei-
her).
In unserem Falle wurden außerdem zwei wirtschaftliche
Aspekte in Betracht gezogen, und zwar einmal der Umstand, daß
der wertvolle Wiesenboden erhalten blieb; zum andern bot die Bo-
denstruktur eine Garantie für einen rentablen Abbau.
In Anbetracht des anstehenden immensen Steinvorkommens
war dem Unternehmen ein wirtschaftlicher Erfolg geradezu sicher.
Der Abbau erfolgte auf sehr billige und natürliche Weise.
Man trieb vier bis fünf Meter hohe wie breite Stollen in den Berg,
die dann seitlich untereinander verbunden wurden, so daß die übrig-
gebliebenen Steinpfeiler ein sicheres Arbeiten zuließen.
Zum Abtransport des anfallenden Materials hatte man eine
Feldbahn bis in die Nähe des Moresneter Bahnhofs verlegt. Eine
dort errichtete Laderampe ermöglichte es, den Inhalt der Loren in
63
die Eisenbahnwaggons zu kippen.
Die Bestimmungsorte der Erzeugnisse des Steinbruchs lagen
sowohl in Belgien als auch in Preußen. Diese Rohstoffe wurden nicht
ausschließlich als Baumaterial verwendet, sondern es ist belegt, daß
beispielsweise die Verzierungen der gepflasterten Alleen in Aachen
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Ein Stollen des Steinbruchs David
zum großen Teil aus dem Moresneter Steinbruch stammten.
Vermutlich hat der erste Weltkrieg dem Unternehmen ein En-
de gesetzt und der Steinbruch wurde seinem Schicksal überlassen.
Aber noch einmal erinnerte man sich seiner, als im Zweiten
Weltkrieg Bewohner der umliegenden Ortschaften unter der dicken
Steindecke vor möglichen von amerikanischen und englischen Flug-
zeuggeschwadern abgeworfenen Bomben Schutz und Zuflucht
suchten.
Seitdem ist fast ein halbes Jahrhundert ins Land gegangen. Die
Natur hat sich ungestört entfalten können, Buschwerk und Dornen-
gestrüpp überwuchern die ehemalige Arbeitsstätte. Durch Witte-
rungseinflüsse blockiert zusätzlich herabgefallenes Deckengestein
die Eingänge.
64
Der ursprünglich in der Talsohle angelegte Steinbruch war
längst von dem Grundwasser und den in ihn hineingeleiteten Lever-
bach randvoll aufgefüllt worden.
Als Fischteich ist er dann doch noch zu etwas Nutze gewesen,
denn die Schloßherrin angelte sich den Freitagskarpfen eigenhändig
aus dem Gewässer.
Es haben sich aber im Laufe der Jahre Sedimente abgelagert, so
daß der Ausdruck ”Weiher” heute nicht mehr zutrifft.
Die Familie David
Soweit wir das haben zurückverfolgen können, war die reiche
Tuchfabrikantenfamilie David im Ortsteil Francomont, Gemeinde *
Lambermont bei Verviers, ansässig.
Das Familienhaus steht noch heute in dieser abseits gelegenen
Sackgasse in unmittelbarer Nähe der Vesdre. Das Gebäude wies ur-
sprünglich fünf Achsen auf; im Nachhinein wurden noch zwei An-
bauten beigefügt, die mit den typischen abgestuften Keilsteinen der
Tür und Fensterstürze den Baustil des 18. Jh. erkennen lassen.
Ein seitlich angelegter, von einer hohen Mauer umgebener
Park, unterstreicht die Wohlhabenheit der Besitzer.
Dem Ehepaar Pierre David und Catharina Jacob, deren Ge-
burtsdatum um 1740-1750 gelegen haben muß, wurde am 9. Januar
1771 ein Sohn aus der Taufe gehoben, der den Namen Pierre erhielt
und in seinem späteren Leben im politischen und wirtschaftlichen
Bereich eine bedeutende Persönlichkeit darstellen sollte.
Dann folgt im Jahre 1772 folgende Eintragung im Kirchen-
buch:
”Anno Domini 1772, Julius 16. Joannes Nicolaus, filius le-
gitimus Petri David et Catharinae Jacob qui matrimonium
contraxerunt Vervis suscipientibus Joanne Nicolao Jacob
et Micheltde Joseph Servaty.”
Es war der zweitgeborene Sohn dieser Eheleute, der, auf den
Namen Jean Nicolas getauft, für unseren Bericht die Ausgangsper-
son darstellt.
Derselbe heiratete eine Anna Elisabeth Pirard. Beide waren, als
sie die Ehe schlossen, zusammen gerade sechsunddreißig Jahre alt!
Sie verfügten aber schon über ein beträchtliches Vermögen. Außer
einer Tuchfabrik nannten sie die Domäne Tribomont, Schloß Sclas-
sin (Herver Land) und eine Anzahl Bauerngüter im Umkreis ihr ei-
gen.
65
Zudem waren sie noch Miteigentümer verschiedener Kohlen-
gruben im Lütticher Becken, u.a. La Grande Bacnure, Esperance et
Bonne Fortune, Kessales und Le Bonnier, woraus ersichtlich ist, wie
begütert diese Familie war. (4)
Frau David geb. Pirard gebar ihrem Gatten 10 Kinder. Er
starb im besten Mannesalter am 9.6.1813 in Lambermont. Seine
Frau führte die Geschäfte weiter, ihr Todestag war nicht auszuma-
chen.
Ein Sohn dieser Eheleute, Victor Joseph, wurde am 7.8.1808
in Francomont (Lambermont) geboren und wählte als Wohnsitz
Gospinal, eine Domäne, die womöglich der Familie schon immer ge-
hört hatte. Er heiratete am 30.9.1841 eine Ponty Margarete, Huber-
tine, geboren am 12.7.1810 in Ensival.
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Das Haus der Familie David in Francomont (Lambermont)
66
In der Zeit, wo das Ehepaar seinen Wohnsitz in der Gemeinde
Jalhay hatte, wurden dort drei Kinder geboren. Am 7.9.1842, Vic-
tor, Pierre, Hubert, Joseph, der spätere Erbauer des Schlosses in
Moresnet, dann kam um 1846 ein zweiter Sohn, Guillaume J. Ma-
rie, zur Welt, der aber im Alter von vier Jahren, am 16.1.1850 starb;
am 10.9.1851 wurde eine Tochter geboren, die ein sehr hohes Alter
erreicht hat, denn es ist belegt, daß diese Dame zweiundneunzigjäh-
rig ihrem Geburtshaus noch einen Besuch abstattete, eine Leistung,
die angesichts der damaligen Verkehrs- und Straßenverhältnisse nur
der ermessen kann, der weiß, wo Gospinal liegt.
Ab 1851 wird diese Familie nicht mehr in dem Bevölkerungsre-
gister von Jalhay geführt. Victor Joseph David bezog in Limburg-
Dolhain ein neues Domizil. Er war seit 1847 Mitglied des Repräsen-
tantenhauses und um den daraus entstandenen Verpflichtungen
besser nachkommen zu können, mußte er wohl oder übel sein
Venndorf verlassen.
Um seinen neuen Aufenthaltsort hat sich Victor Joseph David
sehr verdient gemacht. Außer seiner Funktion als Abgeordneter,
war er lange Jahre Schöffe und Ratsherr. Er starb in Limburg am
23.6.1874.
Die Stadt ehrte sein Andenken, indem sie ihre Prachtstraße
nach ihm benannte; auch ist seine Grabstätte auf dem Friedhof von
Limburg bis auf dem heutigen Tag erhalten.
Seine Frau, Margarete geborene Ponty, verstarb ebenfalls dort
am 25.2.1866. Der Sohn dieser Eheleute, Victor, Pierre, Hubert, Jo-
seph, hatte nicht wie sein Vater politische Ambitionen, sondern sei-
ne Fähigkeiten lagen mehr im Kaufmännischen.
Er wurde am 28.7.1875 ins Bevölkerungsregister von Mores-
net eingetragen, zu einem Zeitpunkt, als das von ihm erbaute
Schloß zum Teil bezugsfertig war. Der Umstand, daß er seinen
Wohnsitz an die Landesgrenze verlegte, brachte es mit sich, daß sein
Bekanntenkreis wie auch seine Geschäftsbeziehungen sich jenseits
der Zollschranken ausweiteten.
An und für sich war das nichts Neues, da schon zu Zeiten, ehe
das Rheinland Preußen einverleibt wurde, zwischen Wallonen und
Rheinländern reger Verkehr gepflegt und hüben wie drüben in Fa-
milien eingeheiratet wurde. Victor David, der in seiner Jugend ein
deutsches Internat besucht hatte und der deutschen Sprache mäch-
tig war, stand im Begriff, dasselbe zu tun.
Er heiratete im Jahre 1879 die in Aachen am 30.6.1858 gebore-
ne Helene Pauline Deden. Dieselbe starb in Moresnet am 15.3.1922,
67
wogegen Victor David schon zwei Jahre vorher, am 10.8.1920. ver-
schieden war.
Das Ehepaar hatte zwei Töchter.
Die älteste, Helene David, wurde am 9.7.1880 in Aachen gebo-
ren. Sie heiratete am 15.10.1904 einen Herrn Arnold Bischoff, geb.
am 6.5.1868 in Aachen. Er starb in dieser Stadt am 29.9.1939, seine
Frau Helene David verschied am 12.5.1965.
Von den beiden Töchtern, die aus dieser Ehe hervorgingen,
wurde die älteste am 8.7.1906 in Aachen geboren und auf dem Na-
men Fastrada getauft. Sie heiratete am 29.9.1937 den Forstmeister
Alexander Heusch, geboren in Aachen, am 11.9.1898; er verstarb
dort am 25.2.1970.
Das Ehepaar Heusch-Bischoff hat fünf Kinder: Maria, geb. den
28.9.1938; Gerhard geb. den 29.12.1939; Adelheid, geb. den
15.12.1940; Alexander, geb. den 17.2.1942; Bernhard, geb. den
9.8.1943.
Die zweite Tochter aus der Ehe Bischoff-David heiratete einen
Herrn Henin und verzog nach Düsseldorf.
a FF 5
Gospinal, das Geburtshaus von Victor David,
seit 1900 Jagdhaus
68
Die zweite Tochter der Eheleute David-Deden, Johanna, war
am 9.10.1883 geboren und heiratete im Jahre 1909 einen Herrn Ar-
nold Deden, einen Verwandten mütterlicherseits. Sie starb am
TAZTOIE
Aus dieser Verbindung stammen drei Kinder, Lissy, Arnold
und Victor.
Weitere Daten über diese Familien waren nicht in Erfahrung
zu bringen; so müssen wir uns mit diesen Ergebnissen begnügen.
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Wappen auf der Säule der Grabstätte David in Moresnet
69
Als Nachtrag könnte noch vermerkt werden, daß ein in Stave-
lot (B) ansässiger Nachkomme des Jean Nicolas David durch könig-
lichen Erlaß vom 25.5.1888 mit dem Titel ”Chevalier” in den
Adelsstand erhoben wurde, ein Titel, der jeweils auf den ältesten
Sohn vererbbar ist und die obligate Verpflichtung, ein Wappen zu
führen mit sich brachte. Es ist übrigens die einzige bekannte Linie
dieser Familie, der diese Ehre zuteil wurde. Ein Wappen ist aber nie-
mals das exklusive Vorrecht des Adelsstandes; es kann sich ein jeder
ein Emblem zulegen, vorausgesetzt natürlich, es stellt keine Nach-
ahmung des Wappens einer anderen Familie dar. Hier stellt sich die
Frage, ob das gemeißelte Wappen auf der stumpfen Säule (Symboli-
sierung des Lebensendes) auf dem Friedhof von Moresnet an der
Davidschen Grabstätte, zu Recht von Victor David geführt wurde,
da es nur insofern von dem David-Stavelot-Wappen abweicht, als es
drei Bienenkörbe in dem schrägen Rechtsbalken aufweist, wogegen
das adelige Wappen des Chevalier David einen ungekrönten Helm
und drei durchbrochene Rauten in demselben Balken führt.
Anmerkungen:
(1) Nach den Aufzeichnungen des Chevalier David hat ein weiterer Holzschnitzer,
Lejeune, seinen Namen in die Täfelung eingeritzt.
(2) Rethel beendete sein erstes Fresko Ende August 1847; das letzte wurde von Keh-
ren i.J. 1861 fertiggestellt. Da die Eulenburg 1874-79 gebaut wurde, hatten die
Täfelungen und Schnitzereien rund 30 Jahre irgendwo gelagert!
(3) Die Famenne ist eine Bodensenke zwischen dem Ardennen-Massiv und dem Con-
droz.
(4) Diese Zechen waren bis in die Mitte unseres Jahrhunderts noch in Betrieb,
woraus man ersehen kann, wie lange dieser Industriezweig im Lütticher Becken
in Blüte gestanden hat.
Quellennachweis
Herrn P.J. Felder, Geologe, Cadier en Keer. N.L.
Bilddokumentation vom Verfasser.
Frau F. Heusch, Aachen.
Herrn Victor David, Laurensberg.
Souvenirs du Chevalier David, 1872-1948.
Pierre Scholl, membre de la societe archeologique de Verviers.
Les Administrations des Communes de Plombieres, Jalhay et Dolhain.
Les archives de la ville de Verviers.
70
Der 13. August 1908:
Neutral-Moresnet zum Esperantisten-Staat erhoben
von E. Horgnies (1)
Vom 1. Januar bis zum 31. März des Jahres 1908 haben mehr
als 150 Zeitungen aus verschiedenen Ländern das Projekt des fran-
zösischen Professors Gustave Roy besprochen, nach welchem
Neutral-Moresnet zum Esperantisten-Staat erhoben werden sollte.
Dieses Projekt wurde am 13. August 1908 verwirklicht.
Seit dem 4. Esperantisten-Kongreß in Dresden, welcher im Au-
gust (1907) tagte, wandten sich die Blicke weiter Kreise in der gan-
zen Welt nach Neutral-Moresnet, welches durch Beschluß des er-
wähnten Kongresses zum Sitze der Zentrale erkoren worden war,
von der aus die Propaganda für die neue Weltsprache in der ener-
gischsten Weise betrieben werden sollte.
Zwar hatte auch den Haag in Holland als Sitz dieser Zentrale
zur Diskussion gestanden, doch hatte man sich schließlich für
Neutral-Moresnet entschieden, einmal wegen seiner günstigen geo-
graphischen Lage: an den Grenzen dreier Staaten, wo sich die Nach-
teile der Verschiedenartigkeit der Völkersprachen fühlbar machten;
dann aber auch wegen der politischen Eigenart dieses Gebietes, die
einzig in der Welt dastand. Endlich hatte man in Betracht gezogen,
daß :Neutral-Moresnet von den europäischen Staaten aus
verhältnismäßig leicht erreichbar war.
Mit bemerkenswerter Frische nahm der Esperantistenbund die
Idee, Neutral-Moresnet zum Esperantisten-Staate zu erheben, auf
und gab demselben den Namen ”Amikejo”, d.h. Ort der Freunde.
Sofort wurden die nötigen Vorbereitungen getroffen. Zeitgenössi-
sche Quellen berichten:
”Zunächst wurde ein Auskunftsbureau etabliert. Dasselbe be-
findet sich in der Kapellstraße, ist prunklos, aber solide eingerichtet
und von weitem an der Esperanto-Fahne (-weiß mit grünem Stern-)
erkennbar. Der angestellte Konsul hat die Aufgabe, sämtliche ein-
laufende Anfragen des Publikums zu beantworten, Kurse zur Erler-
nung der Esperanto-Sprache zu veranstalten und die Geschäfte des
Anmerkung
1) Teil VI aus dem Manuskript des Herrn E. Horgnies geschrieben unter dem Titel:
”Das Neutral-Gebiet von Moresnet”. Herr Horgnies war Lehrer im neutralen Ge-
biet. Diese Abhandlung wurde uns freundlicherweise von Herrn Mathieu Schry-
mecker (Kelmis) überlassen.
71
vorläufig noch in Genf befindlichen Zentral-Bureaus für Neutral-
Moresnet zu besorgen. Ein reges Leben herrscht auf dem Bureau
und der Beamte hat vollauf zu tun, um seine Arbeit zu erledigen.
Der rührige und tätige Herr Charles Schriever aus Neutral-
Moresnet hatte sich schon, noch ehe er definitiv zum Konsul er-
nannt wurde, in der uneigennützigsten Weise der Sache angenom-
men, indem er den Schulkindern unentgeltlich Unterricht in der
Esperanto-Sprache erteilte. Sein Unterricht bestand aber nicht etwa
darin, den Schülern einige Brocken in Esperanto einzutrichtern,
nein, sein Unterricht war ein lebendiger, ein interessanter. Kleine,
alltägliche Gespräche wurden geführt, Gedichte auswendig gelernt,
Lieder in Esperanto geübt; letztere nach bekannten volkstümlichen
Melodien. Dann und wann wurden Ausflüge gemacht, voran die
wirbelnden Trommeln und eine prachtvolle Esperanto-Fahne.
- Ganz in derselben Weise erteilte Herr Schriever den Unterricht an
die Erwachsenen. Selbstverständlich waren die Kellner in den Loka-
len die ersten, die sich die neue Weltsprache aneigneten. Diesen bot
sich denn auch bald Gelegenheit, den Wert derselben kennenzuler-
nen. Denn am 13. August erschienen in Neutral-Moresnet ungefähr
80-100 Esperantisten, Spanier und Franzosen, welche im Hotel Ber-
gerhof einkehrten. Ein Glück für den Hotelbesitzer war es, daß die
Kellner sich mit diesen fremden Völkern auf Esperanto verständi-
gen konnten. Und ich möchte sagen, es war dies die beste Reklame
für die Einführung der neuen Weltsprache; denn alsbald meldeten
sich sehr viele zur Teilnahme an den Esperanto-Kursen.
Eines Tages wohnte Herr Professor Roy dem Unterricht des
Herrn Schriever bei und er erstaunte über die Leistungen und Fort-
schritte der Schüler und Schülerinnen. Sofort wurde beschlossen, ei-
nen geselligen Abend zu veranstalten. Die Mitglieder der
Esperantisten-Gruppe versammelten sich im Restaurant Klippel am
Tannenbaum. Der ganze Saal war überfüllt. Den Vorsitz führten
M' F’abbe Richardson, Professor an St. Louis in Brüssel, Herr Pro-
fessor Roy und der Konsul Herr Charles Schriever.
Ein kräftiger Marsch eröffnete die Feier. Sodann wurden Re-
den gehalten, Gedichte hergesagt, Fabeln erzählt, Lieder gesungen;
aber, wohlverstanden, alles in Esperanto.
Diese erste Veranstaltung war derart gut gelungen, daß die
Herren Vorsitzenden den Vorschlag machten, einen Tag in der Wo-
che zu bestimmen, an welchem sich die Mitglieder der Esperanto-
gruppe in besagtem Lokal um ihren Lehrer versammeln sollten, um
sich im Sprechen zu üben. Es dürfe nur Esperanto gesprochen wer-
7
den; wer ein deutsches oder französisches Wort fallen lasse, solle 5
Pfennig Strafe zahlen. Dieser Vorschlag wurde von allen mit Freu-
den begrüßt und angenommen, und seitdem finden wir jeden Mitt-
wochabend von 9-10 !/2 Uhr die Esperantisten in ihrem Lokal ver-
sammelt. (Rühmend muß hervorgehoben werden, daß die Mitglie-
der während ihrer Versammlung sich jedes Alkoholgetränkes ent-
halten).
Herr Professor Roy, welcher seine ganze Ferienzeit in hiesiger
Gegend zubrachte, hatte seinen Sitz in Aachen genommen. Er be-
nutzte diese Gelegenheit, um auch in dieser Stadt eine Esperanto-
Gruppe zu gründen.
Bald hatten sich 58 Mitglieder gemeldet, darunter Lehrer, Pro-
fessoren, Advokaten u.s.W.
Neutral-Morednet al8 Ejperantiftenfigat,
-r Wenn man in Moresnet die Sirghfiraße hinauf wandert, fo
grüßt von einem Haufe herunter einTsimpel mit großem gold. Stern:
e8 {ft baß Wahrzeidhen bes Efiperantiftenbunbe?, der »a8 Meine
niedliche Stäbichen alz Gentrale feiner Beltrebungen augermählt hat,
Hier hat der Bund ein ftändigeS Bursau eingerichtet, von hier aus
will er feine Propaganba treiben. Gin recht hoges Biel firebt dem
Bunde vor: NMeutral-Mored&uet fol Am unabhängigen S{perantiften«
ftaat werden, von ihm aus fol die Bewegung fih ausbreiten und
alz Gentrale fol e3 für ewige Neiten der Treffpunkt aller E{pirans
tiften bleiben. Dazu war vor allem nötig, daß die Vervohner von
Moresnet felbft Sfperantiien merben. Hier hat denn auch der Bund
zuerft einfebt. Sr hat einen ftändigen Beamten angeftellt, der gegen
billiges Entgelt die MoreSneter {n der Weltfprache unterrichten fol,
Kurfje für Männer, Frauen und Kinder find eingetichtet; und man
hofjt wirklich, daß mit der A die allgemeine Ungangsiprache daß
Gfjperanto wird, daß daß S{perants den Kindern al Üeetlerfprame
gelehrt werden kann.
Vejonder8 in den Kreifen ber internaifonalen Hanbelsreifenden
Tanbt man viele neue Anhänger werben zu nen. Au3 bdiefemn
M Blade hat man in erfter Linie More&net gewählt, da3z Nahe an
ben Linten Lijfjabon, Modrivb, Paris, Berlin, St. Peteraburg und
Konftantinopel, Wien, BYrüiffel, London lient. Moresnet Hegt Sf
an ber großen NMeiferoute de internationalen Handel? und if {in
diefer Beziehung geeignet, das ftändige MNendeg-vouS der. Meijenden
zu werden, Ob die Beftrebungen Srfolg haben merden, wer kann
e3 fchließlich mijffen. Es fheint faß eine Utopie, biefer Plan der
Gründung eines Staates, der wie einft die alte an in allen
Staaten Berutten fol. Und doch darf man über die Sache nicht
mit einem Lächeln hinmeggehen, wie etma, wenn man von bem
Kaiferreih der Sahara [pricht. Das Streben des Gjperantobundes
{ft ein ideale& und verdient Unterftüßung, wo und wie man dazu in
der Lage ift. In Moresnet felbR hat man allerdings wenig Hoffe
nung auf Verwirklichung A {hönen Traumeß,
*
Die Presse berichtete ausführlich über Neuratral-Moresnet als Esperantostaat.
Hier ein Auszug aus dem ” Aachener Volksfreund” v. 31.8.1908.
3
MORESNET-NEUTRE
RFROJET
REALISABLE EN SIX MOIS
DUN
ETAT ESPERANTISTE
INDEPENDANT
PAR
GUSTAVE ROY.
Prıx: O0 fr. 50
PARIS
LIBRAIRIE DE L’ESPERANTO"
15, RUE MONTMARTRE, 15
1908
702180-B Es,
Prof. G. Roy hielt es für möglich, seinen Plan eines unabhängigen Esperantisten-
staates in Neutral-Moresnet in 6 Monaten zu verwirklichen.
75
VBermifchtes,
„MorveZuet al3 Centralftelle der Sjperan:
tijten“ [autet das Thema eines Kontradiftorijhen Vorz
trageS, den Profefjor SGuftav Roy aus St. SGironz
(Dep. Ariege,: Frankreich) demnächft in Brüffel veranz
{taltet und zu dem die in Belgien zahlreich beftehendefr
Ejperantiftenvereine eingeladen werden. Cijperanto er:
freut fi in Belgien fchon großer Beliebtheit, nanıent-
lich feitdeinm ein Sfjperanto-Kurjus an der Univerfität
Löwen gegeben wird. und in den ftaatlidhen Blindenanz
{talten ein brieflider Verkehr der Zöglinge mit Leidens:
genofjen aus aller Herren Länder angebahnt worden ift.
Dieje Einrichtung hat den armen Blinden eine unge:
ahnte Freude verfchafft.
Durch öffentliche Vorträge warb Prof. G. Roy für seine Idee.
Die Presse - hier das ”Freie Wort” vom 16.9.1908 - berichtete über eine
geplante Veranstaltung in Brüssel.
Auch dieser junge Verein hat Propaganda gemacht, und das
mit dem besten Erfolg. Immer mehr wächst die Zahl der Mitglieder
und auch in den Nachbarorten Würselen, Eilendorf, Stolberg und
anderen haben sich Esperantisten-Gruppen gebildet.
Wie ersichtlich ist, wird die Agitation für das Esperanto in
Neutral-Moresnet immer lebhafter und sie wird noch lebhafter wer-
den, wenn das Zentralkomitee, das sich augenblicklich noch in Genf
befindet, dorthin verlegt wird.
Da noch gewisse Vorbereitungen für die Aufnahme des Komi-
tees zu treffen sind, kann der Zeitpunkt der Verlegung noch nicht
bestimmt werden. Doch das steht fest: Ende November oder An-
fang Dezember 1909 erwartet man die Ankunft des Verbandsvor-
standes in Neutral-Moresnet. Bei dieser Gelegenheit wird die Errich-
tung einer großen Festhalle mit Theaterbühne und Büroräumlich-
‚keiten besprochen resp. die einleitenden Vorbereitungen hierzu ge-
troffen werden. Der Vorstand beabsichtigt nämlich, Neutral-
Moresnet zu einem Bayreuth zu erheben.
76
Alljährlich im Sommer sollen Esperanto-Festspiele veranstaltet
werden. Es sollen Dramen und Opern zur Aufführung kommen.
Für diejenigen, welche an der Möglichkeit solcher Aufführun-
gen zweifeln, sei bemerkt, daß gelegentlich des Esperantisten-
Kongresses in Dresden die ”Iphigenie” von Goethe in der neuen
Weltsprache Esperanto zur vollsten Zufriedenheit aufgeführt wur-
de, und sobald die projektierte Festhalle aufgebaut ist, wird mit der-
artigen Festspielen in Neutral-Moresnet begonnen werden. Die
Esperantisten haben in dem Königlichen Hofschauspieler Herrn E.
Reiches einen warmen Verehrer für ihre Sache gefunden.
Einen Anfang mit Theateraufführungen in Esperanto hat Herr
Schriever bereits im Januar d.J. im Hotel Bergerhof gemacht. Die
Leistungen waren, darüber herrscht Einstimmigkeit, großartig, so
daß die Mitgliederzahl beträchtlich zunahm.
Wir sehen also, das Esperanto hat in Neutral-Moresnet festen
Fuß gefaßt. Dies war aber auch nicht anders zu erwarten, da die ge-
wichtigsten Persönlichkeiten des Ortes, als Herr Bürgermeister
Schmetz, Herr Sanitätsrat Dr. Molly u.a. sich von vornherein mit
vollem Interesse der Sache anschlossen.”
Nachtrag der Redaktion
In diesem Zusammenhang ist die kürzlich erschienene Bro-
schüre ”Rigardo al Neutrala Moresnet-Coup d’ceil sur Moresnet
Neutre” von Germain Pirlot zu erwähnen. In Esperanto und Fran-
zösisch gibt Pirlot einen Überblick über Entstehung und Entwick-
lung des neutralen Gebietes unter besonderer Berücksichtigung der
mit der Schaffung eines Esperanto-Staates verbundenen Bemühun-
gen. Die Broschüre ist im Sekretariat unserer Vereinigung bzw. am
Schriftenstand im Göhltalmuseum zum Preise von 50 F. erhältlich.
Wir möchten auch an den in dieser Zeitschrift erschienenen Aufsatz
("Im Göhltal”, Nr. 18, S. 45-48) von Wilhelm Dithmar zum
Esperanto-Staat Neutral-Moresnet erinnern.
UT
Eynatten anno dazumal...
Ein Streifzug durch das Korrespondenzblatt
des Kreises Eupen
von Erich Barth
Als erste Zeitung erschien in unserer Gegend am Freitag, dem
12. Januar 1827, das ”Korrespondenzblatt des Kreises Eupen”. Die-
se ”Zeitung” stand jedoch in keinem Vergleich zu den heutigen
Journalen. Das ”Korrespondenzblatt” war eher ein amtliches Nach-
richtenblatt. Auch an Umfang und Größe war es im Anfang sehr
bescheiden; es umfaßte meistens vier Seiten, und die Größe einer
Seite war vergleichbar mit der Seite eines mittleren Buches: 22 cm
hoch und 18 cm breit. Es erschien wöchentlich und gedruckt wurde
es im Anfang bei dem Buchdrucker J. Heeren, Eupen, Klosterstraße
47. In der Nummer 3 (Freitag, den 26. Januar 1827) veröffentlicht
Drucker Heeren folgende Anzeige:
”Indem ich den verehrlichen Abonnenten des Korrespondenz-
blattes hiermit das dritte Stück desselben, zu überliefern mich beeh-
re, danke ich verbindlichst für die mir bewiesene Theilnahme zur
Ausführung meines Unternehmens, dessen Nützlichkeit, wie ich
mir schmeicheln zu dürfen glaube, sich jetzt schon bekundet hat
und die ich mehr und mehr zu bethätigen mich bestreben werde.
Um fernere geneigte Unterstützung bittend, empfehle ich das
Korrespondenzblatt einem geehrten Publikum, insbesondere den
Herren Beamten, zur Aufnahme von Benachrichtigungen über Ver-
käufe, Verpachtungen, Licitationen, auszuleihende Gelder, Dienst-
Gesuche und Anerbietungen etc. etc. mit der Anzeige, daß ich die
Einrückungsgebühren so gering als möglich stellen werde.
Eupen, den 26. Januar 1827.
J. Heeren - Buchdrucker.”
Außer Verordnungen und Bekanntmachungen brachte das
Korrespondenzblatt Privatanzeigen, den Zivilstand Eupens (Gebur-
ten, Heiraten und Sterbefälle), ein Verzeichnis der durchgereisten
Fremden und den Brotpreis der Stadt Eupen. Später gab es dann
auch Informationen anderer Art, und das Format des Blattes wurde
größer.
Im Juni 1834 verstarb Johann Heeren. Fortan wurde die
Druckerei von seiner Frau und seinem Sohne Johann Heinrich wei-
tergeführt. Dazu lesen wir im Korrespondenzblatt:
78
”Dem geehrten Publikum widme ich hiermit die ergebenste An-
zeige, daß die hohen Staats-Behörden mir die Konzession zur Fort-
setzung des hiesigen Buchdruckerei-Geschäfts ganz in derselben
Art, wie solches seither von meinem seligen Manne geführt worden,
zu ertheilen geruht haben, mit dem Bemerken, daß mein Sohn, Jo-
hann Heinrich Heeren, demselben als Geschäftsführer nach wie
vor, vorstehen und daß von jetzt ab die Firma: Wittib Joh. Heeren,
angenommen werden wird.
Mit dieser Anzeige verbinde ich die ergebenste Bitte, das mei-
nem seligen Manne bisher geschenkte Vertrauen auch auf mich und
diese neue Firma gütigst übertragen und überzeugt seyn zu wollen,
daß alle Aufträge auf das Prompteste und Billigste besorgt werden,
wie ich denn auch alles aufbieten werde, durch schön und korrekt *
gelieferte Ausführung der Bestellungen diese Anstalt immer mehr
durch sich selbst empfehlenswerth zu machen.
Eupen, am 13. Juni 1834
Anna Josephina verwittwete Heeren, geborene Nahl.”
Im Herbst 1840 zog sich die Witwe Joh. Heeren-Nahl aus dem
Geschäft zurück. Die Druckerei wurde ihrem Sohne und dem
Schwiergesohne übertragen. Hier die offizielle Mitteilung im Kor-
respondenzblatt von 11. September 1840:
”Das seither unter meiner Firma bestandene Buchdruckerge-
schäft habe ich unterm heutigen Datum meinem Sohne und Schwie-
gersohne übertragen und bitte daher meine Freunde und Gönner,
das mir bis heran gewordene Zutrauen, wofür ich meinen aufrichti-
gen Dank sage, auf dieselben gefälligst übergehen zu lassen.
Eupen, am 4. Sept. 1840.
Wittwe Joh. Heeren.
Wr A KEN
Von einer Königl. Wohllöbl. Regierung mit der dazu erforderli-
chen Konzession versehen, beehren wir uns ein geehrtes Publikum
ergebenst in Kenntniß zu setzen, daß (mit Bezug auf vorstehende
Anzeige) unsere Mutter und Schwiegermutter ihre, seither unter der
Firma: Wittwe Johann Heeren bestandene, Buchdruckerei auf uns
übertragen hat und von heute ab die Firma:
”E. L. Tilgenkamp und J. H. Heeren”
annehmen wird. Durch geschmackvolle Ausführung, pünktliche
Besorgung, mit billigen Preisen verbunden, werden wir uns bemü-
hen, das Zutrauen der uns mit ihren Aufgaben Beehrenden zu erhal-
ten.
79
Eupen, den 4. September 1840.
Joh. Heinr. Heeren - Eberh. Ludwig Tilgenkamp.”
In den Ausgaben der späteren Jahre finden wir am Ende der
nun zweimal in der Woche erscheinenden Zeitung den Vermerk:
Druck, Verlag und Expedition von E. L. Tilgenkamp, Klosterstraße
N", 47 in Eupen.
Als 1925, so kann man später lesen, unsere Gebiete endgültig
an das Königreich Belgien angegliedert wurden, hörte auch die Exi-
stenz der Kreisverwaltung auf. Das Korrespondenzblatt nannte sich
ab jetzt ”Eupener Zeitung”, jedoch behielt es im Untertitel seinen
früheren Namen bei. Es erschien bis September 1944.
Aber gerade die sogenannten Kleinanzeigen aus den Anfängen
(dem 19. Jahrhundert) geben so mancherlei Aufschluß über das Le-
ben unserer Vorfahren, in diesem Bericht vornehmlich aus Eynat-
ten.
* k *
N" 14 - Freitag, den 3. April 1829
”Eingetretener Hindernisse wegen, soll die Auktion bei dem
Müller Peter Wertz, in der Eynattener-Mühle, nicht am 8. April,
sondern Donnerstag, den 23. April, Vormittags 10 Uhr, Statt ha-
ben, wo alsdann verkauft werden: 2 Pferde, (Wallach) eins von 5
und das andere von 3 Jahren: 10 Kühe, 2 Rinder, 3 Schweine, 2
Karren, Pflug, Wannmühle, Winde etc. etc.
P. J. Hennen”
x
N" 17 - Freitag, den 24. April 1829
Bekanntmachung.
Mittwoch, den 29. April 1829, Morgens 9 Uhr, auf Anstehen
und im Wohnhause des Hrn. Jos. Vecqueray auf dem Drisch zu Ey-
natten, wird unterzeichneter Notar öffentlich auf Kredit verkaufen:
8 Kühe, 2 Rinder, 3 Schweine, 4 veredelte Schaafe, worunter ein
Widder, 100 Faß. Hafer, eine Partie Kartoffeln etc. etc.
P. J. Hennen”
* x
N" 18 - Freitag, den 1. Mai 1829
”Die auf den 23. April bei Peter Wertz in der Eynatterner-
Mühle bestimmt gewesene Auktion, wird Mittwoch, den 6. Mai,
81
N" 36 - Freitag, den 4. September 1829
”Es stehen für den nächstkünftigen Mai 1830 8 bis 9 verschie-
dene Höfe in der Gemeinde Eynatten, Kreis Eupen, zu verpachten,
worunter sich einer, ganz dicht an der neuen Straße von Aachen
nach Eupen gelegen, vorzüglich zur Wirthschaft eignet, und dazu
eingerichtet ist; der Flächeninhalt desselben beträgt in Preuß. Maaß
90 ad 100 Morgen, theils Wiesen als Ackerland; dann die übrigen
von 200, 100, 90, 50, 30, 20.
Pachtlustige haben sich deshalb zu melden beim Eigentümer
Hrn. Coenen, in Eynatten.
*
”Bekanntmachung.
Am Freitage, den 26. Februar 1830, Morgens 9 Uhr, werden
im Schulhause zu Eynatten fünf Gemeinde-Grundparzellen, unter
N" 9, 23, 36, 47 und 48 welche am 11. Juni v. J. zum Verkauf ge-
kommen sind, der aber die vorgehaltene höhere Genehmigung nicht
erhalten hat, auf’s neue an den Meistbietenden öffentlich versteigert
werden.
Der Situationsplan, die nähere Beschreibung gedachter Grund-
stücke und die Verkaufsbedingnisse können bis zur Versteigerung
bei der Bürgermeisterei zu Eynatten eingesehen, werden aber auch
im Termine selbst den Kaufliebhabern resp. vorgelegt und verlesen
werden.
Eynatten, den 1. Februar 1830.
Das Bürgermeisteramt.”
A
N" 16 - Freitag, den 16. April 1830
”Donnerstag, den 22. April, Morgens 9 Uhr, im Wohnhause
und auf Anstehen des Hubert van Rey, Pächters auf dem Gute Stei-
ne genannt, zu Eynatten, wird unterzeichneter Notar auf Kredit
verkaufen: 15 Kühe worunter 5 leere, eine Partie Kellermobilien, 1
Wagen, 2 Karren, eine Quantität Hafer und andere Früchte und
Kartoffeln etc. etc.
P.J. Hennen”
x
N" 18 - Freitag, den 30. April 1830
”Dienstag, den 4. Mai, Morgen 10 Uhr, auf dem Gute Driesch
genannt, zu Eynatten, auf Anstehen des Andr. Jos. Vecqueray und
des Nik. Jos. Lamberts, wird unterzeichneter Notar öffentlich auf
82
Kredit verkaufen: 1 Pferd, 9 Kühe, 5 Rinder, 4 Schafe, 50 Scheffel
Hafer, circa 40 Scheffel Kartoffeln etc. etc.
P. J._Hennen”
* x
N" 19 - Freitag, den 7. Mai 1830
”Bei dem Wirthe N. Fraiquin, an der neuen Landstraße zwi-
schen Eynatten und Merols, wird am Sonntag, den 9. dieses, ein
Vogelschuß gehalten..”
(Gemeint ist die spätere Schenkwirtschaft Thielen im Eynattener
Feld - heute nur noch landwirschaftliches Gut)
* x
N" 32 - Freitag, den 6. August 1830 .
”Bekanntmachung.
Der Kaufmann Hubert Baur aus Aachen beabsichtigt, ein in
der Gemeinde Eynatten gelegenes Grundstückchen von 15 Ruthen
50 Fuß Preuß. welches einerseits an den sogenannten alten Mühlen-
weg anderseits an das Eigentum der Gebrüder Dautzenberg aus Aa-
chen anstößt, und an der neuen Straße von Eupen nach Aachen
liegt, käuflich an sich zu nehmen, und hat bereits einen Preis von 25
Thirn. dafür geboten.
Diejenigen welche für jenes Grundstück mehr zu bieten Wil-
lens sein oder sonst gegen den Verkauf desselben Einsprüche vorzu-
bringen haben möchten, wollen letztere bei der diesfälligen Informa-
tio de commodo et incommodo welche am Mittwoch, den 18. Au-
gust von Morgens 9 bis 11 Uhr, in dem Geschäftslokale des Hrn.
Bürgermeisters Pelzer zu Eynatten durch Unterzeichneten Statt ha-
ben wird. schriftlich einreichen, ihr etwaiges Mehrgebot aber in dem
Termine anmelden.”
x
N" 37 - Freitag, den 10. September 1830
"Mittwoch, den 15. September, Nachmittags 3 Uhr, wird bei
unterzeichneter Stelle die Anfertigung eines bleiernen Kandels
nebst Abzugsröhren an dem Pfarrhause zu Eynatten, abgeschätzt
zu 29 Rthlir. 17 Sgr. 6 Pf, öffentlich dem Wenigstfordernden in Ver-
ding gegeben werden.
Kosten-Anschlag und Bedingungen können bei unterzeichne-
ter Stelle eingesehen werden.
Eynatten, den 6. September 1830.
Das Bürgermeisteramt, N. J. Pelzer”
*
83
Nr 39 - Freitag, den 24. September 1830
”Die auf den 20. d. M. angekündigte Verpachtung der Wald-
jagd von Eynatten wird, wegen eingetretener Hindernisse, erst am
2. Oktober d. J., Morgens 10 Uhr, bei unterzeichneter Stelle Statt
finden.
Eynatten, den 20. September 1830.
Das Bürgermeisteramt, N. J. Pelzer”
*
”Der Neuenhoff unter Eynatten, groß an Ackerland und Wie-
sen circa 200 Morgen, dann auch kleine Pachthöfe in dem Eupener
Kreise gelegen, stehen mit dem 1. Mai 1831 zu verpachten.
Lusthabende können sich an den Eigenthümer J. A. Coenen
wenden.”
*
”Bei Gelegenheit der Eynattener Kirmes, wird bei dem Wirthe
Nik. Fraiquin an der neuen Landstraße, Sonntag, den 26., Montag,
den 27. und Dienstag, den 28. d. M. Tanzmusik gehalten; wobei am
Montag und Dienstag ein Vogelschießen Statt finden wird. (Der
Preis ist ein fettes Rind.) Auch wird am Montag nach Rindfleisch
geworfen.”
*
N" 6 - Freitag, den 11. Februar 1831
”Donnerstag, den 24. d. M., Morgens 10 Uhr, bei dem Schenk-
wirthe Peter Joseph Wertz, nächst der Kirche zu Eynatten, wird un-
terzeichneter Notar auf Anstehen desselben, und seiner Geschwi-
ster, öffentlich zum Verkauf aussetzen, und im Falle von nicht ver-
kauft, verpachten, deren auf der sogenannten Eynattener-Heide, be-
legenes Gut, mit allen angehörigen Gründen.
P. J. Hennen”
*
N" 8 - Freitag, den 25. Februar 1831
”Oeffentlicher Verkauf.
Auf Ansuchen der Kinder der verstorbenen Eheleute Nik.
Emonts-Driesch, Förster, und Christiane Blens, wird der unterzeich-
nete Notar, Donnerstag, den 3. März 1831, vormittags 10 Uhr, in
der Wohnung des Hrn. Bürgermeisters Pelzer zu Eynatten, öffent-
lich zum Verkauf ausstellen: ein in der Gemeinde Eynatten, auf der
Berlotterheide, gelegenes Haus mit Zubehörungen; einen Garten; 4
daselbst gelegene Wiesen und Weiden, zusammen 11 Morgen ent-
84
haltend; sodann eine in der Gemeinde Raeren, auf Dürrenfeld gele-
gene Wiese, von 1 Morgen 60 Ruthen.
Schüller”
*
N" 14 - Freitag, den 8. April 1831
”Montag, den 18. April 1831, und die folgenden Tage Morgens
9 Uhr, bei dem abziehenden Pächter, Franz Em. Pelzer, auf dem
Neuenhof zu Eynatten, wird unterzeichneter Notar auf Anstehen
desselben öffentlich auf 6 Monate Kredit verkaufen: 3 treffliche
Ackerpferde, auch sehr zu Kabriolet-Pferden geeignet, 35 Kühe, 10
Rinder, 1 Mutterschwein, 9 junge und 7 Faselschweine, 6 Pfauen,
Hühner etc. ferner alles Ackergeräth, 1 Fruchtwagen, 2 Karren, *
Pflug, Egge, alles Pferdegeschirr, 1 Winde, sodann Haus- und Kel-
lermobilien, eine Quantität sehr guten Hafer, und Kartoffeln etc.
P. H. Hennen”
ok
N" 24 - Freitag, den 17. Juni 1831
”Bauverding.
Am 27. Juni d. J., Vormittags 9 Uhr, wird bei unerzeichneter
Stelle der Neubau eines Schulhauses nebst Anbau, zusammen zu
1.735 Thl. 24 Sgr. 5 Pf. veranschlagt, dem Mindestfordernden öf-
fentlich in Verding gegeben werden.
Unternehmungslustige können die Pläne, Kostenanschläge
und Bedingungen bis zum anberaumten Termine bei dem Unter-
zeichneten einsehen.
Eynatten, den 10. Juni 1831.
Das Bürgermeisterei-Amt, N. J. Pelzer”
x
N" 26 - Freitag, den 1. Juli 1831
”Auktion auf Kredit, auf dem Pfarrhause zu Eynatten, von al-
lem Hausgeräthe des abgehenden Hrn. Pfarrers Schyns, Donners-
tag, den 7. Juli Morgens 9 Uhr.
P. J. Hennen, Notar”
ok
N" 29 - Freitag, den 22. Juli 1831
”Mittwoch, den 27. Juli, Nachmittags 2 Uhr bei dem Schenk-
wirthe P. Wertz nächst der Kirche zu Eynatten, auf Anstehen des
Hrn. J. Aloys Wertz, wird unterzeichneter Notar auf Kredit verkau-
fen: 40 Loose Gras-Aufwuchs auf den Horney-Gütern u. 2 Loose
85
auf der Wiese, genannt Fahrt in der Oehl, alles in der Gemeinde Ey-
natten gelegen.
J. P. Hennen”
ok
N" 32 - Freitag, den 12. August 1831
”Bei Hub. de Hissel an der neuen Landstraße zwischen Eynat-
ten und Merols wird kommenden Sonntag Tanzmusik gehalten.”
* x
N" 39 - Freitag, den 30. September 1831
”Mittwoch, den 5. Oktober 1831, Morgens 9 Uhr, bei dem
Hrn. Bürgermeister Pelzer zu Eynatten, auf Anstehen der Kinder
von Nikol. Wenn, wird unterzeichneter Notar öffentlich verkaufen
deren zu Berlotte gelegene Gebäude, mit allen anhabenden Gütern,
wovon laut Auszüge der Kataster liegen, nämlich:
in der Gemeinde Eynatten 10 Morg. 2 Ruth. 50 Fuß
in der Gemeinde Raeren 33 164 ” 40”
Im Ganzen 13 Morg. 167 Ruth. 20 Fuß
P. J. Hennen”
ok
N" 43 - Dienstag, den 25. Oktober 1831
”Donnerstag, den 10. November 1831, Vormittags 10 Uhr,
wird bei dem Herrn Bürgermeister Pelzer zu Eynatten, auf Anste-
hen des Joh. Stephan Quirin Wertz, unterzeichneter Notar öffent-
lich aus freier Hand verkaufen: das von ihm bewohnte, an der neu-
en Straße, unweit Eynatten, nach Aachen zu, belegene, mit Ziegeln
gedeckte neue Haus, anhabend im Erdgeschoß 2 sehr geräumige
Zimmer und Küche, im ersten Stock 3 große Zimmer, Speicher und
Keller, worin sich 1 Brunnen, mit häufigem Wasser immer verse-
hen, befindet. Ferner: Garten, Wiese und Ackerland, alles
aneinanderstoßend, haltend im Ganzen 3 Morgen, 150 Ruthen 20
Fuß Preuß. Maaß.
Das Haus ist wegen seiner Lage und Geräumigkeit zur Wirt-
schaft und zu jedem Gewerbe äußerst geeignet.
P. J. Hennen.”
ka
N" 7 - Freitag, den 14. Februar 1834
”Peter Jos. Grummet empfiehlt sich als Rasierer und Haar-
schneider, und ist bei der Wittwe Matth. Krott zu Eynatten, Sams-
tag Nachmittags und Sonntag Vormittags anzutreffen.”
x
86
N" 36 - Freitag, den 5. September 1834
”Mittwoch, den 10. September d.J., Nachmittags 1 Uhr, soll in
der Wohnung des Bürgermeisters Herrn Pelzer vor dem unterzeich-
neten Notar öffentlich verkauft werden:
1) auf Anstehen der Eigentümer, Erben Wilh. Radermacher, ein
Wohnhaus nebst Garten und Wiese zu Berlotte, Gemeinde Ey-
natten, genannt Pannenschopp, im Ganzen circa 4 Morgen ent-
haltend;
2) auf Anstehen des Eigenthümers Egid. Comoth: a) ein Haus nebst
Wiese, Flächeninhalt 1 Morg. 156 Ruth. 50 Fuß, b) eine Wiese
von 1 Morgen 14 Ruth. 10 Fuß, gelegen in der Gemeinde Wal-
horn. I
Schüller.”
*
Nr 50 - Freitag, den 12. Dezember 1834
”Eine zwischen Merols und Eynatten an der neuen Landstraße
anschließende Steingrube nebst Kalkofen, steht für den 1. Januar k.
J. zu verpachten. Miethlustige wollen sich dieserhalb an den zu Ey-
natten wohnenden Eigenthümer, Korneil Königs wenden.”
*
N" 11 - Freitag, den 13. März 1835
”Am Donnerstag, den 26. d. Mts., Vormittags 9 Uhr, sollen
vor dem Unterzeichneten unter Zuziehung des Jagdvorstandes, die
Gemeinde-Feld- und Wald-Jagd der Bürgermeisterei Eynatten, so
wie Nachmittags 2 Uhr die Gemeinde-Pflasterstein-Grube Gostert,
(Graustein Ister Qualität) öffentlich an den Meistbietenden ver-
pachtet werden.
Die auf diese Verpachtungen bezüglichen Bedingungen kön-
nen 8 Tage vor dem Termine hier eingesehen werden.
Eynatten, den 9. März 1835.
Das Bürgermeisteramt, N. J. Pelzer.”
*
N" 39 - Freitag, den 25. September 1835
”Bei Gelegenheit der Eynattener Kirmes wird Montag und
Dienstag, den 28. und 29. d. Mts. bei J. A. Hermges in Eynatten ein
Gewehr-Vogelschießen Statt finden. Die Loosung der Nummern ge-
schieht um halb 3 Uhr Nachmittags.”
*
SE EAST LU SALE na a an ee ae DEREN EEE EEE ESS E ESS
87
N" 43 - Freitag, den 23. Oktober 1835
”Einem geehrten Publikum wird hierdurch die Anzeige ge-
macht, daß ich mich als Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer in Ey-
natten niedergelassen und auf Flattenhaus meine Wohnung genom-
men habe.
Schoett,
Med. Dr., Wundarzt u. Geburtshelfer.”
* x
Nr 5 - Freitag, den 31. Januar 1840
”Öffentlicher Verkauf.
Auf Anstehen des Wilhelm Franz Fortemps, soll dessen unter
Eynatten gelegenes Gütchen, am Graben, bestehend in Wohnhaus,
Stallung, Garten und 4 Wiesen und enthaltend im Ganzen 5 Mor-
gen 27 Ruthen, Montag, den 10. Februar d. J., Morgens 10 Uhr, zu
Eynatten, in der Wohnung des Gastwirthes Herrn Pelzer, vor dem
unterzeichneten. Notar öffentlich verkauft werden.
Schüller.”
*
Einige Erläuterungen: Nicola Joseph Pelzer war von 1830 bis
1838 Bürgermeister von Eynatten. Sein Vorgänger war Joseph An-
ton Damian von Agris, sein Nachfolger Armand de Harenne. N. J.
Pelzer war gleichzeitig Schenkwirt im späteren Gasthof ”Zur Post”
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Das Haus Smetz (Trouet), eines der schönsten Eynattener Gebäude
88
(heute Nopri-Kaufhaus). Im Volksmund wurde der Gasthof auch
der ”Pütz” genannt. - Jacob Andre Coenen, geboren 1763 und ver-
storben 1842, war Besitzer mehrerer landwirtschaftlicher Güter in
Eynatten und im damaligen Kreise Eupen. In Eynatten lebte er im
Hause Smetz (Trouet) an der Eupener Straße. Zu seinen Besitzun-
gen gehörten u. a. die Höfe Leuff, Neuenhof, Spukhaus, das Gut
Raaff, der ehemalige Gasthof ”Zur Post” sowie der ”Winkel”.
”Treppchen” und ”Winkel” an der Lichtenbuscher Straße fielen
1980 der Spitzhacke zum Opfer; an ihrer Stelle befindet sich heute
der Neubau der Familien Esser und Mauel. -
Korneil Königs hat wahrscheinlich im Gute ”Bau” (später An-
wesen Keller an der Eupener Straße) gewohnt.
Wo der Schenkwirt J. A. Hermges in Eynatten seine Getränke *
ausschenkte, konnten wir bisher nicht ausfindig machen.
Das ”Gütchen am Graben” liegt in Berlotte.
° wo 89
«Kenger va jen Jöhl»
von Erich Kockartz
Neulich stong ich a jen Jöhl, ove open Bröck
En de Jugendzitt die koem plötzlech werr zeröck.
Kenger va jen Jöhl sue wor damols ose Nahm
Denn bes datt et düster wor trof me os do an
Wenn et Nomendags öm ver, du de Schuel wor us
Jonge wer Trabante dann lang noch net no Hus.
Me dong sech de Schuelteisch us, lad se aje Boed
Hoffentlech es hüij dat Wasser werem net sue koet.
Scheffjer woete sech jeboet us Papier of Hotz
En me wor als Kapitän dorop mächtig stotz.
Janz bedächtig woet et no ejen Bach jelaat
Mörje es et dann vielleicht eje Meer op Faat.
Wenn me et dann net mie soch, wor me ejene Hömmel
Woss je net datt et at hong en d’r nichste Kröngel.
Jau v’rjeisse wor dä Spass, Spelcher jov et völ
Denn wer wore net ömsös Kenger va jen Jöhl.
Oeverquet woet no die Bach, sprong va Stee ze Stee
Bes op ens me rödschde us, en loch medde dree
Koemt me kladschenass no Hem, laat de Mamm v’rstohle
Weil se och als Kenk wor decks, ejen Bach jefloje.
Ejene Somer woet v’rsuet ens de Jöhl ze stowwe
jov sech no wie weld dora, ene Damm ze bowwe.
Steng die woete ran jeschleppt, Eis en Moos, och Strüch
Ael va jen Siej van dä Damm woet et jarnet drüsch.
Trotzdem wor et Wasser no zömlech huch jestieje
En jans kuraschiede donge no sech et Schwemme liere.
Met en met loch w’r dann all en dä Swimmingpool
Denn me lierde net wie hüij schwemme ejen Schuel.
Jeder Könkel kannte w’r, wue Forelle schwomme
Spezialiste soch me zu, die se fange donge.
90
Wer dojeje haue net met dat Fange Jlöck
Hem stong mär e Jlas dat wor voll met Kuleköpp.
Wat hüij onvörstellbar es, jenge döng dra denke
Hau wer ajen Jöhl ens Doesch, dong me och dra drenke.
Damols wor d’r Oemweltschutz jo noch je Problem
Wenn de Jöhl hüj dreckisch wor, wor se mörje reng.
Wie ich en die Bach su keck, hau ich dat Jeföhl
Ich setz ope Scheff en fahr medde open Jöhl.
Op ens hurt ich et dann wer, wie en Melodie
Et Jeplätscher va jen Bach wie en Symphonie.
Alles es verjänglech heij, Mensche, Huser, Strosse
Mär die Jöhl es ömmer bleve, hat os nie verlosse.
Wie lang at en wie lang noch wäd se wijjer flesse
Sörscht dat et dann överall wasse det en spresse.
Wenn de Uhr och wijjer jeht, en os Aeedeleve
Sönnt wer ”Kenger va jen Jöhl” hüij wie damols bleve.
94
Bei seinem Amtsantritt hatte Kommandant Schrobiltgen eine
verzwickte Aufgabe übernommen: zuerst Einführung und Aufbau
der Brigade, danach eine verwickelte und problematische Aufrecht-
erhaltung der öffentlichen Ordnung.
Konflikte und Erpressungen beherrschten die damalige Nach-
kriegszeit. Auch die kosmopolitische Kelmiser Bevölkerung blieb
von diesen Wirren nicht verschont. Bei Tanzabenden und anderen
Volksbelustigungen, sogar privater Art, waren politische oder den
letzten Krieg betreffende Meinungsverschiedenheiten ständige Ur-
sache homerischer Wortwechsel und wüster Schlägereien, die sogar
zu geordneten Schlachten ausarteten. Um die Ordnung wiederher-
zustellen, erschienen die Gendarmen immer mit ihrem Komman-
danten an der Spitze. Seine große Statur drang stets zuerst in die
Örtlichkeiten ein. Dicht prasselten die Schläge mit dem Gummi-
knüppel auf die Streitenden nieder und brachten sie bald auseinan-
der. Nach einigen Monaten war die forsche Vorgehensweise des
Kommandanten bekannt und sein ”schlagkräftiges” Eingreifen ge-
fürchtet. Sobald sich sein Nahen irgendwo ankündigte, suchten
Streitende sowie auch Unbeteiligte das Weite; die Zwistigkeiten wa-
ren mangels Kontrahenten schnell beendet.
Ohne Widerstand zu leisten steckten die Opfer diese Schläge
ein. Gerichtliche Folgen gab es nie, denn Strafmandate waren prak-
tisch unbekannt. Wunden, Beulen oder blaue Flecken heilen und
sind schnell vergessen. Noch heutzutage denken die alteingesesse-
nen Bürger, vielleicht selbst einmal Opfer der Übertreibungen des
”Gummiknüppelmannes”, daß diese Methode die einzige Möglich-
keit war, einen dauerhaften Frieden aufrecht zu erhalten.
Ein Beweis dafür, daß Rachsucht, Haß oder feindselige Gefüh-
le gegen Herrn Schrobiltgen nie gehegt wurden, ist die Tatsache,
daß er mehrmals in den Gemeinderat gewählt wurde. Lange Zeit
war er Sekretär und Schatzmeister der Vereinigung der Kelmiser
Geschäftsleute und befaßte sich mit der Ausgabe der Rabattmar-
ken.
Bis zu seinem Tode, am 24. August 1962, wohnte er in Kelmis.
Noch unter seinem Kommando verließ die Gendarmerie die Kapell-
straße und zog in die Gebäude der Lütticher Straße 248-250 um.
Sein Nachfolger war der aus Welkenraedt gebürtige Ober-
wachtmeister Jean Conrath. Im Juli 1929 übernahm er, aus Aachen
kommend, wo er der Feldgendarmerie der belgischen Besatzung zu-
geteilt gewesen war, das Kommando der Kelmiser Gendarmerie.
Er verließ Kelmis im Juli des Jahres 1935 für eine Einheit der
Lütticher Gruppe. Seine Amtszeit als Kommandant der Brigade war
95
relativ kurz und es sind keine bemerkenswerten Ereignisse während
dieser Jahre zu verzeichnen. Der Nationalsozialismus breitete sich
in Deutschland aus und die Kontrollen an der Grenze verhärteten
sich zusehends.
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Kommandant Jean Conrath (1929-1935)
Ihm folgte als Brigadekommandant der Erste Oberwachtmei-
ster Alfred Van Megroot.
Er erlebte den Aufschwung des Nazismus und eine weitere
Verstärkung der Personenkontrollen an der Grenze. Große mensch-
liche und dienstliche Probleme bereitete ihm der Exodus der deut-
schen Juden. Trotz einer ständigen Kontrolle an den Grenzposten
sowie systematischen Patrouillen zwischen den verschiedenen Über-
gängen, die durch die Militäreinheiten des Grenzschutzes durchge-
führt wurden, gelangen immer wieder illegale Einreisen, die zahlrei-
che und herzzerreißende Gewissensfragen aufwarfen.
Van Megroot erlebte die Truppenverstärkung vom September
1938 und das Abkommen von München. Er mußte die allgemeine
Mobilmachung von 1939 über sich ergehen lassen. Auch seine Bri-
gade wurde verstärkt, um eine wirksamere Beaufsichtigung sowie ei-
nen beständigen Informationsfluß über die Bewegungen der Nazi-
truppen zu gewährleisten.
97
Es gab aber auch gut organisierte Ausgabeen, die sogenannten Ra-
batzkolonnen, die sich auf den Kaffeeschmuggel spezialisiert hatten,
Wie militärische Einheiten organisiert, bestanden sie aus Vorhut,
Flankendeckung und Nachhut, die das Gros der Truppe schützte.
Alle hatten ihren bestimmten Lieferanten. Einer davon war
der damalige Bewohner der ”Kelmiser Mühle” in Neu-Moresnet.
Diese Ausgabeen agierten fast ausschließlich nachts, im Schutz der
Wälder oder anderer Verstecke. Bei einer solchen Organisation war
ein Abfangen dieser Kolonnen äußerst problematisch und gelang
nur vereinzelt.
Hierzu muß noch bemerkt werden, daß diese Ausgabeen in
Deutschland mit Stöcken bewaffnet waren. Beim Passieren der
Grenze versteckte jeder, bevor er belgischen Boden betrat, diese
”Waffe” am Wegesrand. Die deutschen Zöllner und Polizisten wa-
ren von Polizeihunden begleitet, die sie auf die Schmuggler ansetz-
ten. Dieses war in Belgien nicht üblich. Persönlich erinnere ich mich
an einen belgischen Zöllner, der mir sagte: ”Indem Du auf einen
Schmuggler schießt, kannst Du vielleicht einen ganzen Zug Kaffee
beschlagnahmen. Verzichte lieber darauf, denn ein Menschenleben,
auch das eines Schmugglers, ist viel wertvoller als ein ganzer Zug
Kaffee.”
| Wenn Schmuggler auf belgischem Boden verletzt wurden, ge-
schah dieses nur durch ein Mißverständnis oder Unglück.
Einige Großversorger scheuten sich nicht, der belgischen Ar-
mee Panzer zu stehlen, um damit ihren Kaffee zu befördern. Am
Dreiländerblick fiel einer dieser Panzer in Panne. Er konnte zwar si-
chergestellt werden, jedoch ohne Kaffee.
Dieser Schmuggel dauerte von 1944 bis 1950. Danach ging er
stark zurück, um endlich bedeutungslos zu werden, da Deutschland
wieder normal versorgt und der Preisunterschied unbedeutend wur-
de.
Man muß sich immer vor Augen halten, daß Schmuggel ohne
Grenze nicht bestehen kann. In den fünfziger Jahren drehte Charles
Spaak einen Film mit dem bezeichnenden Titel ”Das Mahl der
Schmuggler” (Le banquet des fraudeurs). Er spielt in der Nähe der
drei Grenzen.
Es wäre auch falsch zu glauben, daß die Gendarmen speziell
die Schmuggler aufspürten und verfolgten; das ist Aufgabe des
Zolls. Ihre Mission war, das durch die Schmuggler hervorgerufene
Klima der Unsicherheit und alle damit zusammenhängenden Über-
tretungen, wie illegalen Grenzübergang, Diebstahl, Plünderungen,
98
Tätlichkeiten oder andere Gewaltsamkeiten zu unterdrücken.
Am 1. April 1954 wurde Van Megroot, zuletzt Adjudant erster
Klasse, pensioniert. Er verstarb am 7. Juni 1988 in Bleyberg im ho-
hen Alter von 90 Jahren.
Ihn betreffend noch eine kleine Anekdote, an die ich mich per-
sönlich erinnere. Als junger Kommandant der Brigade Raeren sitze
ich auf einer Distriktversammlung in Eupen neben Adjudant Van
Megroot. Ich hatte die Absicht, dem Distriktkommandanten das
Fehlverhalten eines meiner Untergeordneten zu unterbreiten. Bevor
ich jedoch dieses Problem aufwarf, wollte ich noch die Meinung des
Adjudanten Van Megroot hören. Seine Antwort war: ”Muß man
wirklich darüber reden? Ist es nicht besser, uns nicht untereinander
zu zerreißen? Andere werden das schon für uns besorgen!” .
Diesen Ratschlag eines älteren Kollegen habe ich nie verges-
sen.
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Wa N
A pE) aa ' 2
Kommandant Gaston Mathieu (1954-1957)
Adjudant Gaston Mathieu, seit einigen Jahren Beigeordneter
des Adjudanten Van Megroot, folgte ihm in seinem Amt. Obwohl
aus Bastogne gebürtig, sprach er luxemburgischen Dialekt. Er führ-
te die Linie seines Vorgängers weiter, ohne jedoch der Brigade spe-
zielle Impulse geben zu können. Aus gesundheitlichen und dienstli-
chen Gründen wurde er am 1. Mai 1957 einer mobilen Gruppe der
Lütticher Gendarmerie zugeteilt.
99
Sein Nachfolger wurde Adjudant Pierre Biver.
Auch in seiner Amtszeit, genauso wie in der seines Vorgängers,
sind keine einschneidenden Tatsachen zu vermerken. Während der
Brüsseler Weltausstellung im Jahre 1958 wurde der Grenzposten
Tülje durch einige charmante Hostessen ”verstärkt”, die während
der ganzen Dauer der Ausstellung Prospekte verteilten und alle
möglichen Auskünfte gaben. Die Autobahn ”König Balduin” war ja
erst im Jahre 1964 fertig und der äußerst dichte Verkehr lief noch
über die heutige Touristenstraße ”Karl der Große”. Tülje war der
bedeutendste Grenzübergang der Region.
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Kommandant Pierre Biver (1957-1971)
Die Büroräumlichkeiten der‘Gendarmerie befanden sich in ei-
nem Hintergebäude der Lütticher Straße 248-250. Ein zwanzig Me-
ter langer, enger und dunkler Gang, der sich in der Mitte auf die
Breite einer Person verengte, war der einzige Durchlaß. Nachts wur-
de er durch eine kleine, schwache Lampe beleuchtet.
101
Zu dieser Zeit trugen die Gendarmen meistens als Überhang ei-
nen sogenannten Caban, im Fachjargon, die ”Rotonde” genannt.
Eines Abends verließ ein Gendarm das Büro, um seinen obligatori-
schen Rundgang anzutreten. Er hatte die ”Rotonde” über seine
Schultern geworfen und vorne zugeknöpft. Kaum war er an der
Engstelle des Ganges vorbei, sprang jemand aus der dunklen Ecke
auf ihn zu, erfaßte die ”Rotonde” und zog sie dem Gendarm über
den Kopf. Bevor er sich befreien konnte, war der Angreifer spurlos
verschwunden. Dieser Überfall konnte nie aufgeklärt werden. Seit-
dem aber. mußte der wachhabende Beamte bei trübem Wetter oder
nachts jeden einzelnen, der das Büro verließ, beobachten, bis er si-
cher auf der Straße angekommen war.
Chefadjudant Biver ging mit 56 Jahren, nach Erreichen des
Pensionsalters, am 11. Mai 1971, in den Ruhestand. Er ist in Kelmis
ansässig geblieben.
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Kommandant Edgar Gallez (1971-1976)
Das Kommando übernahm nun Adjudant Edgard Gallez. Aus
St. Vith kommend spricht er genau wie Schrobiltgen, Mathieu und
Biver, luxemburger Dialekt. Aus persönlichen Gründen beantragt
er am 1. Juni 1976 seine Versetzung nach Montzen.
102
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Kommandant Peter Marx (1976-1986)
Sein Nachfolger Adjudant Peter Marx, gebürtig aus Medell bei
St. Vith, hatte 14 Jahre lang bei der Kelmiser Brigade gedient, war
dann Kommandant in Lontzen gewesen und übernahm nun dieses
Amt in Kelmis. Alte Liebe rostet eben nicht! Unter seinem Kom-
mando verläßt die Brigade ihre Büros des Hauses N" 248-250 und
zieht in die gemieteten, jedoch moderneren Räumlichkeiten in der
Lütticher Straße 237-239 um. Er war es, der seine Bewertung zu
dem Bauvorhaben eines neuen Gendarmeriegebäudes auf dem
Kirchplatz in Kelmis abgeben mußte. Bauherr dieses Projektes war
das Ministerium für öffentliche Arbeiten. Peter Marx sah noch die
Anfänge der Arbeiten, wurde aber vor ihrer Vollendung, am 1.
April 1986, pensioniert.
Ab dem 1. April 1986 ist ein Kind unserer Heimat oberster Lei-
ter der Brigade. Es handelt sich um Adjudant Philippe Hilligsmann,
Sohn des verstorbenen Feldhüters Hilligsmann.
Adjudant Hilligsmann bleibt noch ein Jahr in der Lütticher
Straße, um dann mit seiner Brigade in die neuen Gebäude einzuzie-
hen.
Wir wünschen dem jungen Kommandanten und dem gesam-
ten Personal der Kelmiser Brigade eine gute und erfolgreiche Karrie-
1er
Oktober 1987
Pierre BIVER
Chefadjudant der Gendarmerie i.R.
1 TEEN N SEN
104
Peter Zimmer - 80 Jahre
Im Dezember des verflossenen Jahres feierte unser langjähriger
Präsident Peter Zimmer im Kreise vieler ehemaliger Weggefährten
im Katharinenstift zu Astenet seinen 80. Geburtstag. Eine stattliche
Anzahl ”seiner” Bergleute waren erschienen, um der zu seinem Eh-
rentage in der Hauskapelle gefeierten Messe beizuwohnen. Sie er-
füllten mit ihrem Kommen eine längst fällige Dankesschuld für sein
soziales Engagement zum Nutzen-und Wohle ihres Berufsstandes.
5 ff .
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A A Ve N
4 N
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Peter Zimmer vor seinem Geburtshaus auf Platzegel
(Foto A. Jansen - 1982)
Noch zur preußischen Zeit erblickte Peter Zimmer am 16. De-
zember 1907 in einem bescheidenen Hause am Heidkopf, damals zu
Preußisch-Moresnet gehörend, das Licht der Welt. Das katholische
Elternhaus prägte seinen Charakter und bestimmte seiner Lebens-
weg bis zum ‚heutigen Tage. Als Ältester von 12 Geschwistern
105
mußte er recht bald dem frohen unbeschwerten Spiel entsagen, um
der Mutter bei der Hausarbeit an die Hand zu gehen. So formten
auch Pflicht und Verzicht sein lauteres Wesen, welches er sich stets
bewahrte. Bis zu seinem 14. Lebensjahre besuchte er die Schule in
Preußisch- bzw. später Neu-Moresnet, um anschließend in einer
denkbar schwierigen Zeit eine Arbeit auf dem Bauernhofe anzuneh-
men. Wie es sich damals für einen richtigen Kelmiser gehörte, zog es
auch ihn zur Vieille Montagne und er blieb dem Beruf des Bergman-
nes bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1957 treu.
Als Anhänger der christlichen Arbeiterbewegung besuchte er
vom Jahre 1930 an die Kongresse der Zentrale der ”Freien Bergleu-
te” deren Vorstand er viele Jahre angehörte. Als Vorsitzender des
Kelmiser Bergmannsvereins leitete er sogar über mehrere Jahrzehn-
te die Geschicke dieser berufsständischen Vertretung der Arbeiter-
schaft und verhalf ihr zu hohem Ansehen.
Krieg und Verfolgung trieben den heimatverbundenen Kelmi-
ser, wie viele seiner Generation, ins innerbelgische Exil. Den neuen
Machthabern in der Person des Amtsbürgermeisters Joseph Krie-
scher paßte die nach ihrem Verständnis politische Unzuverlässigkeit
Zimmers absolut nicht. Am 7. August 1940 sah er sich genötigt, ei-
ner möglichen Zwangsmaßnahme auszuweichen und flüchtete in
die Gegend von Herve, um auch dort als Bergmann sein Brot zu ver-
dienen. Den langen Arm seiner Widersacher bekam er dennoch zu
spüren. Am 26. November 1942 tauchten an seinem Arbeitsplatz
die ”Refractär-Jäger” auf, um seiner habhaft zu werden. Ein gebür-
tiger Kelmiser, der ihm durch das gemeinsame Theaterspiel einmal
sehr verbunden war, fungierte nun als sein Vernehmungsbeamter
bei der Gestapo, gab aber vor, ihn nicht zu kennen. Nach einer
Haftzeit in Lüttich und Aachen zwang man ihn schließlich beim
Wehrbezirkskommando Monschau, eine Arbeit auf der Zeche Gou-
ley in Würselen anzunehmen. Das Chaos der Zwangsräumung des
vom Krieg bedrohten Heimatgebietes ließ ihn jedoch bald wieder in
die Heimat zurückkehren. In den ersten Nachkriegsjahren sehen wir
Peter Zimmer zunächst als Funktionär der Christlichen Gewerk-
schaft, doch der innere Ruf zum Bergwerk drängte ihn wieder, in
seinem angestammten Beruf eine Arbeit anzunehmen. Dennoch lag
ihm in dieser Zeit des großen Umbruches die politische Mitverant-
wortung am Herzen. Bei den Gemeindewahlen des Jahres 1946,
von der Christlichen Einheitsfront zum Spitzenkandidaten nomi-
niert, erzielte er einen großen Wahlerfolg, der ihm einen Platz im
Kelmiser Gemeinderat sicherte.
106
Im Jahre 1958 wählte man Peter Zimmer zum ersten Schöffen,
um ihm schließlich nach dem Tode von Peter Kofferschläger das
Amt des Bürgermeisters zu übertragen. Seine unzähligen Verdienste
wurden durch mehrere Auszeichnungen honoriert: Industrieaus-
zeichnung 1. und 2. Klasse, Goldmedaille des Leopoldordens, Sil-
bermedaille der Gewerkschaft, "Medaille du Refractaire”, ”Laureat
du Travail” als Kohlenhauer.
Seine privaten Neigungen wurden durch die katholische Ju-
gendarbeit unter Kaplan Wenders, später Pastor von Heinrichska-
pelle, sehr gefördert und entwickelten seine bis dahin schlummern-
den musischen Talente, die er mit Gesang und Theaterspiel einem
breiten Publikum darbot. Zimmer ist nicht nur ein reproduzieren-
der Künstler, sondern versuchte sich ebenso erfolgreich in der platt- -
deutschen Dichtkunst. Heiteres und Besinnliches aus seiner Feder
sind immer noch gerne gehört und keinesfalls vergessen. Nach dem
Kriege hat sich Zimmer als Verfasser von Bühnenstücken einen Na-
men gemacht. Mit seinem im Exil begonnenen und später fertigge-
stellten ersten Bühnenstück wartete er im Winter des Jahres
1944/45 als ”Erstlingswerk” auf. ”Minsche onder Minsche” erzielte
einen derart großen Erfolg, daß es viele Aufführungen in der Umge-
bung nötig werden ließ, die alle mit gleicher Anerkennung aufge-
nommen wurden. Mit einem ausgesprochen sozialkritischen Werk:
”Et es mär ne Köhler” konnte er eine nicht minder große Anerken-
nung finden. Erwähnt seien noch die Bühnenstücke: ”Örem Wiet”,
”Jungend von heute”, und die Komödie ”Dörepspläsir”, u.v.a.m.
Es. ist uns eine besondere Pflicht, auf die äußerst segensreiche
Tätigkeit von Peter Zimmer als Präsident unserer Vereinigung hin-
zuweisen. Aufstieg und Anerkennung verdanken wir zu einem
großen Teil ihm und seinem treuen, leider zu früh verstorbenen
Freund Jean De Ridder. Über Jahre bereicherte er unsere Zeitschrift
mit vielen interessanten Beiträgen, denen wir unsere Anerkennung
hier nicht versagen dürfen. Leider hat ihn seine treue Gattin in den
letzten Wochen für immer verlassen. In den Tagen des Leides wol-
len wir ihm trotzdem noch Jahre guter Gesundheit wünschen und
auf seinen Erfahrungsschatz noch lange zurückgreifen können.
W.M.
107
Auf dem Büchermarkt
von Alfred Bertha
Als Ausgabe 3 der Reihe ”Ostbelgische Studien” von Prof. Dr.
Leo Wintgens erschien
Weistümer und Rechtstexte im Bereich des Herzogtums Limburg, -
Quellen zur Regionalsgeschichte des 14. bis 18. Jhs.-(XXXII + 460
S., mit zahlreichen Abb. und Karten), Leinen, Grenz-Echo Verlag,
Eupen, 1988, 1750 F,
womit eine Vielzahl von Rechtstexten und Verordnungen aus dem
Grenzgebiet westlich von Aachen und besonders den ehemaligen
plattdeutschen Banken von Baelen, Montzen und Walhorn sowie
der Reichsherrschaft Lontzen z.T. erstmals einem größeren Leser-
kreis im Originaltext zugänglich gemacht werden.
Seine langjährige Forschungsarbeit zur Entwicklung des Spra-
chengebrauchs im besagten Gebiet des ehemaligen Herzogtums
Limburg und seine darauf fußenden Publikationen hatten den Au-
tor zur Herausgabe einer Textsammlung wie der vorliegenden gera-
dezu prädestiniert. Neben fundiertem philologischem Wissen besitzt
Dr. Leo Wintgens die für eine solche Arbeit unabdingbaren paläo-
graphischen Kenntnisse. Außer in den bekannten Quellen des Aa-
chener Stadtarchivs und der Staatsarchive Brüssel, Hasselt und Lüt-
tich schöpft Wintgens in umfangreichen, in Privathand befindlichen
und bisher von der Forschung gänzlich übergangenen Rechtsdoku-
menten.
Die nach Bankgebieten geordneten 85 Texte geben einen Ein-
blick ”in die unterschiedlichsten Facetten des öffentlichen Rechts,
des Strafrechts, des Bürgerlichen Rechts etc”, so der Autor.
Erst um die Mitte des 15. Jh. wird im Herzogtum Limburg mit
der Niederschrift alten Gewohnheitsrechts begonnen. Diese Weistü-
mer und andere Rechtstexte sind eine der reichsten Quellen zur Ge-
schichte des Alltagslebens in unseren Gebieten im Ancien Regime.
Wer durfte bei Waisenkindern die Rolle des Vormunds überneh-
men? Wie leistete man in Baelen 1554 Sühne und Abbitte für einen
Totschlag? Welchen Inhalt hatte der Pachtvertrag über die Kelmi-
ser Galmeigruben i.J. 1470? Welche Rechte und Pflichten hatte der
Boschmomber 1753 in Astenet? Welche Waldgerechtsame bestan-
den im Preuswald? Wie wählten die Walhorner 1770 ihre Förster?
Was stand auf der Tagesordnung eines Vogtgedinges im Jahre
1603? Wie schlichtete Karl III. den Streit zwischen Kettenisern und
Eupenern, denen die Erstgenannten vorwarfen, bei Nacht und Ne-
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bel Holz aus der Corney zu entwenden? Dies sind nur einige wenige
willkürlich aufgeworfene Fragen, auf die man in vorliegenden Tex-
ten eine Antwort findet.
Leider sind diese Quellen, auch die schon bekannten, bisher
nur wenig von den Historikern bearbeitet worden. Das mag wohl
daran liegen, daß die sprachlichen Barrieren des Ripuarischen und
Brabantischen für viele ein zu großes Hindernis darstellen.
In diesem Sinne ist es auch zu bedauern, daß der Herausgeber
auf ein Glossar zu den Texten verzichtet hat, so daß die Zahl derje-
nigen, die dieselben für weitere geschichtliche Arbeiten nutzen
möchten, zwangsweise klein bleiben wird...
Ob und inwieweit in den Weistümern des Limburger Landes
Reminiszenzen an die ”Lex Ripuariorum”, das zwischen 511 und”
534 abgefaßte und zuletzt unter Dagobert (600-638) umgeänderte
und ergänzte Gesetzbuch der ripuarischen Franken, auftreten, wäre
eine weitere Untersuchung wert.
Wenn trotz aller Akribie in der Abschrift sich dennoch kleinere
Lese- oder auch Druckfehler in die Texte eingeschlichen haben (1),
so schmälert dies in keiner Weise den Wert dieser hervorragenden
Publikation, auf die man in Zukunft noch oft zurückgreifen wird.
x
Ein Standardwerk der Heimatgeschichte ist und bleibt nach
wie vor Viktor Gielen, Die Mutterpfarre und Hochbank Walhorn,
das 1963 in der ersten und 1955 in der zweiten Auflage erschienen,
Erhältlich ist das Buch in allen Buchhandlungen.
Der Autor hat die Gelegenheit genutzt, den Text zu überarbei-
ten und erheblich zu erweitern, so daß die Neufassung 264 Seiten
stark ist, gegen 160 in der zweiten Auflage.
Als Herausgeber fungiert die Pfarre St. Stephanus, Walhorn.
Erhältlich ist das Buch in allen Buchhandlungen zum Preise von
XX F.
(1) So gibt das Dokument N“ 3 für Walhorn im Original irrtümlich das Jahr 1441
(nicht 1442); auch liest man ”onss” (nicht ”ons”), ”Andriesdach” (nicht ”Andries
dach”), ”heylegen” (nicht ”heyligen”).
f A VEIT SEEN TEENS