Im Söhltal A GB Yan A Tin Il 4 Tl Ya AU ES N FAZ —— SS d (eu ZZ ES Y | 7 A WM / den Ü ( zE AA 1 / Ti 7 Zt Mei | SEE —,‚; 4 E HH SA Zn & A a U Sf | ES aa = ER = an Gronzaum Nordostbelgiens ; MS
7 AG LEE BE N BE N BR A A En A a RE N BE DE DT DE SE SO u EEE TTS A N EA EL A Ma ES ER NN N SH A A SAN N ESS AS N N WE Se A Da NE 3 SE Bere EEE EA ZU OA U an a A AN NE ES NE A 7 . VE A ; ee) DE N A N NEN FE DT EEK NE A EEE A ES NE SS Sa AS SEE A N PR A O EE E Ep N N En EDEN A Te ED N ER a NUN ea A MEN An SEO NE AL EA EA N AS A Fig SS IS BE BROS A A MS SEAN NE DE En NN N NS en SE ES Ö EC SR ZI A A en SE U A BE N ME EN DE NE NN MOL On SE AS EEE EN MO EC En Sn EN SEN EA A ES N RE BO EA N SE SE a ELSE SEE A NESUN En SE N CE SE N SE SE ES N ER en SC 5 RD BEE NS En Sn A SEE a Sa ME N PN E A A NE Ds U N En EL ANA A Se SA RE ESS N EEE A EEE ME RE U N TE EEE OT SR KA AS MAD Pal FE A EN VE EN A N Ss ME KEN A N A N DE A EN A CN A an EM BE NA NS ET WO DA EN N DE EEE BA A NN A NN N EN ME Al A ET A K EEE SD EN NS RE EEE BE a Z SA A A A SR SZ PK CE Rn NS A A ET A ED De EN BE SE N Se Zn N (ER DZ Be ED A A DE vn SA He N en EN EB ON a Fa SE AS N (E N EN A a a SE EAN En VE SS N CA SE SR ES ONE N SH N 8 N SE A SS A A FE U N DEKA SEO SE NE A SS N
Im Göhltal ZEITSCHRIFT der VEREINIGUNG für Kultur, Heimatkunde und Geschichte im Göhltal N° 23 1-78
Vorsitzender : Peter Zimmer, ”’Regina””, 4671 Moresnet-Kapelle. Sekretariat : Kirchplatz, 6 - 4720 Kelmis. Lektor : Alfred Bertha, Hergenrath, Bahnhofstraße, 20b. Kassierer : Fritz Steinbeck, Kirchstraße, 20, Kelmis. Postscheckkonto N° 000-0191053-60 Die Beiträge verpflichten nur die Verfasser. Alle Rechte vorbehalten. Entwurf des Titelblattes : Frau Pauquet-Dorr, Kelmis. Diese Skizze zeigt den Moresneter Göhlviadukt sowie die Hergenrather Hammerbrücke in ihrer ursprünglichen Form. Druck. Jacques Aldenhoff, Gemmenich.
3 Inhaltsverzeichnis Albert Janclaes, Walhorn _Wiederentdeckung alter Grabplatten in der Walhorner Pfarrkirche 5 Alfred Bertha, Hergenrath Aus der Pfarrgeschichte Hergen- raths (Forts.) 11 Franz Uebags, Kelmis Kelmis Anno dazumal 18 Walter Meven, Aachen Gefallene und Vermißte der ””’Großen Armee” Napoleons, der Jahre 1812/13 36 Die Redaktion Rencontre avec le president du ”’Syn- dicat d’Initiative des Trois Frontieres’” Gespräch mit dem Vorsitzenden des Verkehrsvereins ”’Drei Grenzen” 41 M.-Th. Weinert-Mennicken, Im Frühherbst (Gedicht) 55 Aachen Peter Claes, Brüssel Zweiter Sippentag der Familie P. Königs-Radermacher am 4. Juni 1977 56 Peter Emonts-pohl, Raeren Drei Gedichte in Raerener Mundart 62 Jaak Nijssen, Sint-Martens- Deutsche und belgisch-französische voeren Typen gußeiserner Grabkreuze 66 Alfred Bertha, Hergenrath Notizen zur Schulgeschichte von Eynatten und Hauset 28 Walter Meven, Aachen Ein Zwischenfall mit spanischen Soldaten in Lontzen i. J. 1650 79 Charles Cravatte, Kelmis Das adlige Stift Sinnich 87 M.-Th. Weinert-Mennicken, Die Uhren (Gedicht) 9% Aachen Freddy Nijns, Walhorn Gedenkfeier zu Ehren des Geheimen Sanitätsrats Dr. Wilhelm Molly 97 Dr. Gisela De Ridder, Das Portrait : Wilhelm Dithmar 103 Moresnet Wilhelm Dithmar (+), Jugenderinnerungen an ”’Altenberg”” 107 Aachen Leo Homburg, Fossey Aus meinem Familienarchiv : Kinder- sterblichkeit vor 170 Jahren 111 Gerard Tatas, Gemmenich Die geheimnisvolle Truhe 114
5 Wiederentdeckung alter Grab- ° platten in der Walhorner Pfarrkirche von Albert Janclaes Auf Anregung von Kaplan Josef Evertz wurde Anfang März 1978 der Chorraum der Walhorner Pfarrkirche zur Mitte hin erweitert. Gemäß der neuen Liturgie feiert der Priester das Meßopfer nicht mehr den Gläubigen entrückt und ihnen den Rücken zukehrend am Hochaltar; er ist ihnen zugewandt und mehr in ihre Mitte gestellt. Derart wurde die hl. Messe auch in Walhorn seit dem II. Vatikanischen Konzil gefeiert. Dem Wun- sche des Kaplans folgend, sollte der Standort des Altars nun noch weiter zur Kirchenmitte verlegt werden. Zu diesem Zwecke mußten die ersten Bankreihen entfernt werden. Sie fanden nach Abschluß der Erweiterungsarbeiten rechts und links vom Altar Aufstellung. Vor allem die Gläubigen der schwach besuchten Wochenmessen können sich jetzt um den Altar gruppieren. Somit entsteht eine feierlich-familiäre Atmo- sphäre. Das Gestühl der Walhorner Pfarrkirche ist zu Beginn unseres Jahrhunderts angeschafft worden. Der Blausteinbelag war schon im ausgehenden 18. oder zu Beginn des 19. Jh. erneuert worden und die dafür entnommenen herrlichen Grabplatten gingen verloren. Es schien, als ob die Walhorner Kirche keine Grabplatten mehr besäße, bis, ja, bis nun die Erweiterung des Chorraumes in Angriff genommen wurde. Die entfernten Bänke standen auf einem Holzfußboden, welcher nach seiner jetzigen Entfernung den Blick auf vier Grabplatten freigab. Man hatte also bei der Neugestaltung der Kirche nur die sichtbaren Stellen des Fußbodens mit neuen B'austeinfliesen belegt. Es ist zu erwarten, daß sich unter dem restlichen Holzfußboden noch viele interessante Grabplatten befinden. Vorerst ist jedoch nicht damit zu rechnen, daß wir sie zu Gesicht bekommen. Auch die jetzt entdeckten Platten wurden inzwischen wieder durch einen Teppichboden zugedeckt. Diese vier Platten befinden sich zwischen dem ersten und zweiten Säulenpaar vom Chorraum aus gesehen, und zwar in
6 einer Reihe in Richtung Nord-Süd, etwa 1,50 Meter vor den Steinstufen zum Chorraum. Die neuen Holzstufen des nach vorne gezogenen Chorraumes bedecken die Platten zur Hälfte. In Blickrichtung Hochaltar liegen zwei Platten links und zwei rechts von uns. Die links gelegene erste Platte ist ein Fragment mit den Maßen 100X92 cm. Ursprünglich ist diese Platte wohl 180 bis 190 cm lang gewesen. Die linke Hälfte wurde wohl bei der Fußbodenneugestaltung einfach weggeschlagen. Die verbliebene Hälfte zeigt kein Schriftbild mehr. Siebzehn Zentimeter weiter nach rechts liegt die zweite 230X 110 cm große Platte. Sie besitzt einen etwa 10 cm breiten Rand und eine Schrifttafel von 72X42 ‚, cm, auf der jedoch auch nichts zu erkennen ist. Auf der verbleibenden Fläche von 160X72 cm war ursprünglich ein schweres, erhabenes Motiv in Medaillonform angebracht. Leider muß dieses Motiv die Handwerker beim Verlegen des Fußbo- dens gestört haben, denn es ist durch wuchtige Meißelschläge entfernt worden und nur noch in den Umrissen erkennbar. Nun folgt der 3,20 Meter breite Mittelgang mit neuem Schachbrettbelag. Es ist zu vermuten, daß hier ursprünglich ebenfalls eine große Platte lag, die leider für immer verloren ist. Rechts vom Mittelgang liegt die interessanteste Platte. Ihre Abmessungen sind 240 X 120 cm. Sie besitzt einen doppelten 14 cm breiten Rand und liegt mit dem Wappenmotiv in Richtung Norden. Das die Hälfte der Platte bedeckende Wappen ist in vier Felder geteilt. Das linke obere und rechte untere Feld zeigen eine fünfblättrige Blume, die sich oberhalb des das Wappen krönenden Helms wiederholt. Das recht obere Feld und das linke untere Feld zeigen jeweils drei französische Lilien, wobei diese Felder noch einmal unterteilt sind und sich zwei Lilien im oberen und eine Lilie im unteren Feld befinden. Vom angedeuteten Helm zum Wappen hin hängt ein Malte- ser- oder Johanniterkreuz. Das Wappen ist von einer großzügigen Helmzier umgeben. Die zweite Hälfte dieser Grabplatte bedeckt eine zur Hälfte beschriftete Texttafel, deren Text deutlich lesbar ist, jedoch zur rechten Seite einige Beschädigungen aufweist. ALHIER LIGHT BEGRA VEN JUFERE a. hrs a treirre re GUDULA MESSEN GEWESENE eeeeeree nenne EEE BNNEVANDEN ER HANN era
8 INSYNLEEVEN GEWESEN HE VANDE THOLLCARMERE DES LAND .. 4.0 leerer lie reee neh LEIMBOURGH GREFFIER END: OMMIS Olli DESER BANCKE VAN WALHORN DE DE GESTORVEN IS DEN 2A PR 1797 Dede WESENDE 82 JABRBEN RIP ii 40 cm weiter südlich von dieser eben beschriebenen Grabplatte liegt die vierte Platte mit den Abmessungen 55X95 cm. Ihre Schrift ist ebenfalls mit der Zeit vollständig abgetreten und unlesbar geworden. Die Abmessungen lassen jedoch auf ein Kindergrab schliessen. Zwei 1765 bzw. 1767 angelegte Verzeichnisse der Walhorner Grabplatten erlauben uns, den Text der obigen Inschrift zu vervoll- ständigen. Wir sehen, daß es sich um den Stein der Gudula Meessen, ”’gewesene gemaelinne van den Heere Johan Heyendal” handelt. Letzterer war ”’Altrichter”” (gewesener Richter?) der Zollkammer des Herzogtums Limburg sowie Gerichtsschreiber und Kommissar der Bank Walhorn gewesen. Gudula Meessen starb am 2. April 1737 im Alter von 82 Jahren. Wer war nun die Gudula Meessen, deren Grabplatte jetzt wieder entdeckt wurde? Will man den Wert des Fundes voll würdigen, so muß man etwas näher auf die Person der Gudula Meessen eingehen. Gudula Meessens Vater, Peter Meessen, hatte Maria Lambertz aus Astenet geheiratet. Diese war eine Schwester des Abtes Winand Lamberts/Lamberti von Rolduc/Herzogenrath. Gudula Meessen war also eine Nichte dieses Abtes. Der Ehemann der Gudula Meessen, Johann Heyendal, starb 1717 im Alter von 62 Jahren und wurde im Mittelgang der Walhorner Kirche in einem Familiengrab der Heyendal beige- setzt. Ein schöner heute verlorener Wappenstein zierte die Gruft. Von den vier Söhnen der Eheleute Heyendal starben drei verhältnismäßig jung und ohne Nachkommen. Der vierte, Hein- rich, heiratete Margaretha Goor. Aus dieser Ehe ging unter anderen Gerhard Heyendal hervor, der 1749 Prior von Rolduc und. 1757 Pfarrer von Eupen wurde.
10 Gudula Meessen war also die Großmutter dieses Eupener Pfarrers. Sie war auch die Schwägerin des berühmten Nicolaus Heyendal, eines Bruders ihres Mannes, der 1695 der erste Pfarrer der von Baelen losgelösten Pfarre Eupen wurde und von 1712 bis zu seinem Tode i.J. 1733 der Abtei Rolduc als Abt vorstand. Von den vier Brüdern der Gudula Meessen finden wir einen bei den Augustinerchorherren in Rolduc, einen anderen als Kanonikus am St. Adalbert Stift in Aachen und Regens der königlichen Kapelle im Aachener Dom; ein dritter war bei der Schweizer Garde in Rom, ehe er Schöffe und Kommissar der Bank Walhorn wurde. Der vierte war ”’Stadthalter’’ von Burtscheid, Schöffe, Kommissar und Einnehmer von Walhorn sowie Mitglied . des Kapitels ULF in Aachen. Von den beiden Schwestern Gudulas ging die eine ins Kloster, die andere war geistig beschränkt. Johann Heyendal und Gudula Meessen wohnten erst auf dem heute noch erhaltenen Mützhof in Astenet, später im Panhaus dortselbst. Soweit die wichtigsten Angaben zur Genealogie der Toten. Was den Grabstein angeht, so fällt auf, daß die Hälfte der für die Inschrift vorgesehenen Fläche frei geblieben ist. Wir wissen aber, daß 1754 ein Sohn der Gudula Meessen, Heinrich, im Grab seiner Mutter beigesetzt wurde. Da es sich bei ihm um den Ehemann der 1767 noch lebenden Margaretha Goor handelt, darf man annehmen, daß auch diese nach ihrem Tode in derselben Gruft beigesetzt worden ist. Aus welchen Gründen die Namen von Heinrich Heyendal und Margaretha Goor nicht auf dem Stein stehen, wird wohl eine offene Frage bleiben.
11 Aus der Pfarrgeschichte Hergenraths (a-Rostsetzung) Von Alfred Bertha In Erwartung der Neubesetzung der durch den Tod von Pfarrer Hilligsmann vakant gewordenen Pfarrstelle half Kaplan Karl Pauquet der Gemeinde wieder mit selbstlosem Einsatz aus. Am 17.1.1972 konnte die Pfarre dann erleichtert aufatmen : der Bischof hatte einen noch relativ jungen Geistlichen mit der Seelsorge in Hergenrath betraut, und zwar den 1932 in Nieder- Emmels geborenen und 1958 in Zandhoven geweihten Toni Wiesemes, der dem Orden der Patres der hl. Herzen Jesu und Mariä (”Arnsteiner Patres’”’, SSCC) angehört. Der neue Pfarrer war von 1960 bis 1972 Kaplan, erst in Wezembeek-Oppem, dann in Rijmenam bei Mecheln. Seine erste hl. Messe in Hergenrath feierte Toni Wiesemes am 17.1.1972. Im Pfarrblatt drückte er den Wunsch und die Hoffnung auf gute Zusammenarbeit mit allen aus, damit die Pfarre eine einzige große Familie werde. Eine offizielle Einfüh- rung fand nicht statt. 3 Hergenrath hat schon viele Jahrzente lang keinen Geistlichen mehr hervorgebracht. Doch als am 16. Juni 1973 der Kelmiser Jungpriester Joseph Evertz in unserer Pfarrkirche aus den Händen des Bischofs von Lüttich die Priesterweihe empfing, da feierte die Pfarrgemeinde dieses Ereignis, als ob er einer der ihrigen wäre, hatte doch Joseph Evertz sein Praktikum in unserer Pfarre absolviert und ein Jahr lang an der Gestaltung der Gottesdienste mitgewirkt. Die Feier gestaltete sich zu einer erhebenden Kund- gebung der Sympahtie für den jungen Priester, der am darauffol- genden Tag Primiz in Kelmis feierte. lol EEE 1973 wurde die Lautsprecheranlage in der Kirche erneuert, 1975 begann man mit den Arbeiten am Kirchturm, der im Sommer 1976 neu geschiefert wurde. 1977 wurde mit der Renovierung der Orgel begonnen. Durch zu starkes Heizen hatte die Orgel so sehr gelitten, daß sie unbespielbar geworden war Vor die Frage gestellt, ob man eine neue Orgel anschaffen,
12 oder eine kostspielige Reparatur der alten vornehmen solle, entschied man sich zu letzterem, nicht zuletzt auch wegen des eichenen Orgelkastens, der erhalten werden sollte. Da die Mittel für eine sofortige Generalüberholung der Orgel fehlten, wurde in drei Arbeitsstufen vorgegangen. Neben einer monatlichen Kollekte für die Orgel wurden zusätzliche Mittel durch Orgelkonzerte und durch den Verkauf ausgedienter Orgelpfeifen beschafft. Die beiden ersten Arbeitsstufen wurden 1977, die dritte im April 1978 abgeschlossen. Die Arbeiten wurden durch den Orgelbauer Peter Berretz (Eschweiler) ausge- führt. Pfarrer Toni Wiesemes war Neuerungen gegenüber bisher . sehr aufgeschlossen. Er führte (wohl als erster in hiesiger Gegend) Bußfeiern ein, ließ in der Christmesse 1973 erstmals die Kommu- nion von einem Laien austeilen und nahm 1977 Mädchen in die Meßdienergruppe auf. ok ok OR RR ko ok okok ok ok ko okalokok k ok kokoookokokkkkkkk In der vorigen Folge zur Pfarrgeschichte Hergenraths wiesen wir schon kurz auf die Abtrennung der Gemeinde Neu-Moresnet von der Pfarrgemeinde Hergenrath hin. Auf dieses einschnei- dende Ereignis wollen wir hier etwas näher eingehen. Schon 1895 schrieb Pfarrer Mertz bei Gelegenheit der Kirchenvisitation, es sei sehr zu bedauern, daß viele Einwohner von Preußisch-Moresnet (Zahl der Katholiken : 600) die nahe gelegene Pfarrkirche von Neutral-Moresnet besuchten, statt der 20-30 Minuten entfernten Kirche Hergenrath. Wörtlich schreibt der Pfarrer : ”’Auch gehen dort sogar, weil herkömmlich, Kinder dieser Pfarre zur ersten hl. Kommunion, Kranke werden dort versehen ohne mein Wissen, Wöchnerinnen ausgesegnet etc. Ein bischöfliches Wort, auf das ich mich berufen könnte, um diesem Übelstande ein Ende zu machen, wäre da sehr wünschens- wert.” (1) Die geographische Nähe zu Kelmis brachte es mit sich, daß die Neu-Moresneter ihre Bindungen an Hergenrath immer mehr lockerten und sich zu der 1858 errichteten Pfarre Kelmis hinge-
13 zogen fühlten. Die Gemeinde Neu-Moresnet beteiligte sich zwar weiterhin an den Kultuskosten der Gemeinde Hergenrath, aber die Teilnahme am religiösen Leben der Pfarre Hergenrath be- schränkte sich auf einige wenige Gelegenheiten, wie Taufe, Erstkommunion (und dies nicht mal in allen Fällen), Trauung und Beerdigung. Die Fronleichnams- und Bittprozessionen gaben dem Pfarrer von Hergenrath die Gelegenheit, seinen Amtsbereich in aller Öffentlichkeit zu dokumentieren. An der rechtlichen Zugehörigkeit Neu-Moresnets zur Pfarre Hergenrath wagte niemand zu rütteln. So war denn der Hergen- rather Kirchenfabrikrat ziemlich schokiert, als er im Juni 1923 durch die Tagespresse erfahren mußte, daß gewisse Kreise in Kelmis bei der Regierung in Brüssel und beim Bischof von Lüttich Schritte unternommen hatten, um die Gemeinde Neu- Moresnet an die Gemeinde bzw. Pfarre Kelmis anzuschließen. Der Kirchenrat fühlte sich verpflichtet, gegen eine solche Anmas- sung entschieden Protest anzumelden und Verwahrung einzule- gen, werde doch dadurch die Pfarre Hergenrath aufs schwerste geschädigt. Es blieb auch alles wie gewohnt. Erst 1946 kam wieder Bewegung in diese Angelegenheit. In einer lakonischen Mitteilung des Neu-Moresneter Bürgermeister- und Schöffenkollegiums an den Kirchenvorstand von Hergenrath, datiert vom 16. März 1946, heißt es, daß durch bischöflichen Beschluß vom 14. März 1946 die Angliederung Neu-Moresnets an die Pfarre Kelmis erfolgt sei. Infolgedessen sei es der Neu-Moresneter Behörde unmöglich, an den Einführungsfeierlichkeiten des neuen Herrn Pastors offiziell teilzunehmen. Die bischöfliche Abtrennungsurkunde trägt das Datum des 5. April 1946. Sie lautet : ”In Anbetracht des Bittschreibens der Einwohner der Ortschaft Neu-Moresnet, die eine Trennung von der Pfarre Hergenrath und eine Angliederung an die Pfarre Kelmis erbitten; In Erwägung, daß die Ortschaft Neu-Moresnet eine selbständige Zivilgemeinde bildet, welche ungefähr 3 km von der Kirche von Hergenrath entfernt liegt und daß dieserhalb fast alle Einwohner Neu-Moresnets die Pfarrkirche von Kelmis besuchen; Nach Anhörung der Pfarrgeistlichen von Kelmis und Hergenrath sowie des Kapitels Unserer Kathedrale; Trennen Wir hiermit die Gemeinde Neu-Moresnet von der Pfarre Hergenrath und gliedern sie der Pfarre Kelmis an, und zwar so,
14 daß in Zukunft die Grenzen der Zivilgemeinde Neu-Moresnet als die Grenzen der Pfarre Kelmis zu betrachten sind. Gegeben zu Lüttich am 5. April 1946 Ludwig Joseph, Bischof von Lüttich Auf ein Schreiben des Bezirkskommissars von Verviers zur Lostrennung Neu-Moresnets vom 25.4.1947 reagiert der Kirchen- vorstand ziemlich gemäßigt. Er erkennt an, daß die Bevölkerung von Neu-Moresnet regelmäßig den Gottesdienst in Kelmis be- sucht und praktisch dieser Pfarre angehört. Wohl habe sie immer ihre Osterkommunion in der Pfarrkirche von Hergenrath gehal- ten, auch hätten die Erstkommunion der Kinder sowie Heiraten ü und Beerdigungen in Hergenrath stattgefunden. Dennoch erklärt sich der Kirchenvorstand nicht einverstan- den mit der vorgenommenen Trennung, weil diese zu einem ungünstigen Augenblick, zum Nachteil der Zivilgemeinde und der Kirchenfabrik geschehen sei. Die Gemeinde Neu-Moresnet habe bisher beinahe ein Drittel des Kultuszuschusses getragen und sei auch teilweise für den Unterhalt des Friedhofes aufgekommen, was für Hergenrath eine bedeutende Entlastung gewesen Sei. Die zivilen Behörden waren nicht so schnell wie die geistli- chen mit dem Anschluß fertig. Im Januar 1949 bat der beigeord- nete Bezirkskommissar um eine Stellungnahme des Kirchenvor- standes zu dieser Frage. Diese Stellungnahme wurde am 23. Januar 1949 durch den Kirchenvorstand erarbeitet; man wies darauf hin, daß Neu- Moresnet niemals eine selbständige Pfarre gewesen sei und von jeher zur Pfarre Hergenrath gehört habe. Der Kirchenvorstand verwies auf seine Opposition gegen die vorgesehene Trennung, wie sie schon in einem Beschluß vom 18.5.1947 dem Bezirkskommissar - mitgeteilt worden sei. Die Trennung Neu-Moresnets von Hergen- rath sein einseitig geschehen; sie bedeute einen finanziellen Nachteil für die Zivilgemeinde Hergenrath. Die Gemeindeverwal- tung von Neu-Moresnet habe diese Machenschaft unternommen, um finanzielle Vorteile zu erreichen, da sie früher 2/5 der Kultusintervention gezahlt habe, jetzt aber, nach dem Anschluß an Kelmis, keinen Kultuszuschuß an die Kirchenfabrik Kelmis zu zahlen brauche. Der Kirchenfabrikrat sei wie im Jahre 1947 gegen die vorgeschlagene Trennung.
15 Eine ausführliche Begründung seiner ablehnenden Haltung gab der Kirchenvorstand am 20. Juli 1949. Neben den schon gegebenen Argumenten kam die Frage des Kirchenbesitzes zur Debatte. Eine Teilung dieses Patrimoniums konnte nach Ansicht der Kirchenvertreter nicht in Frage kommen da — die Trennung von Hergenrath allein durch die Gemeindever- waltung Neu-Moresnet gewollt sei und ohne vorherige Befragung der Kirchenfabrik Hergenrath und der Gemeindeverwaltung Hergenrath vom Bischof beschlossen worden sei; — die Gemeinde Neu-Moresnet nicht eine selbständige Pfarre werden, sondern sich der Pfarre Kelmis anschließen wolle; — das sämtliche Grundvermögen der Pfarre Hergenrath sich ausschließlich auf dem Gebiet der Gemeinde Hergenrath befinde; — Neu-Moresnet einseitig gehandelt habe; — es nicht gerecht sei, in diesem Falle die Kirchenfabrik von Kelmis zu bereichern aus dem Grundvermögen, das ursprünglich einzig und allein Eigentum der Kirche Hergenrath gewesen und von Hergenrathern gestiftet worden sei; — die Teilung des Patrimoniums die finanzielle Lage der Kirchen- fabrik Hergenrath noch verschlechtern und die Lasten der Gemeinde noch vermehren würde; — die Kirchenfabrik jedes Jahr bedeutende Zuschüsse benötige, um lebensfähig zu sein; — die Kirchenfabrik von Kelmis die Hergenrather nichts angehe, und die Trennungsfrage allein Neu-Moresnet und Hergenrath betreffe; aus all diesen Gründen war der Kirchenvorstand der Ansicht, daß die Kirchenfabrik Hergenrath zu keiner Verpflichtung gegen die Kirchenfabrik Kelmis gezwungen werden könne. Zur Frage des Kircheneigentums gab der Kirchenvorstand zu bedenken, daß die jetzige Hergenrather Kirche im Jahre 1843 begonnen und 1846 vollendet worden sei. Im Urkundenbuch und in der Gemeindechronik stehe keine Erwähnung, daß die Einwohner von Preußisch-Moresnet sich an dem Bau der neuen Pfarrkirche beteiligt hätten. Dieses sei auch kaum anzunehmen, da die Kirche 5 Minuten entfernter von Preußisch-Moresnet, ungefähr im Zentrum von Hergenrath gebaut worden sei, was den Leuten von Preußisch-Moresnet bestimmt nicht gefallen habe. Sie seien ja auch kaum 25 Jahre von ihrer Mutterkirche (Moresnet) getrennt gewesen. Ihre Begeisterung und Anhänglichkeit für ihre neue
16 Pfarrkirche sei bestimmt nicht sehr groß gewesen, sicher nicht größer als 1949. (2) Abschliessend meinte der Kirchenvorstand zu dieser Frage des Eigentums : ’’Wenn die Neu-Moresneter ihre eigenen Wege gehen wollen, daß sie dann mit leeren Händen gehen; sie haben keinen Anspruch zu erheben auf unser Vermögen, um es in den Schoß einer fremden Gemeinde oder Kirchenfabrik hineinzulegen!” Auch auf den Friedhof hatte Neu-Moresnet keine Ansprüche zu stellen, da dieser schon im 16. Jh. angelegt wurde, zu einer Zeit, wo Neu-Moresnet noch zur Großpfarre Moresnet gehörte. Ab 1821 wurde er von Neu-Moresnet und Hergenrath gemeinsam unterhal- ten. Seit März 1946 wurden keine Einwohner Neu-Moresnets mehr * in Hergenrath beerdigt. Seine Opposition gegen die Loslösung Neu-Moresnets gab der Kirchenvorstand erst im Juli 1951 auf, unter der Bedingung jedoch, ”daß das schon so geringe Vermögen der Kirchenfabrik Hergen- rath, wozu die Gemeinde Neu-Moresnet nie im Geringsten beigetragen hat und worauf sie also keinen Anspruch erheben kann und erheben will, unangetastet bleibe.” Das Justizministerium, dem in unserem Lande das Kirchen- wesen untersteht, vollzog die Abtrennung Neu-Moresnets von Hergenrath erst am 27. Oktober 1951. oo ook OR GR Mit vorliegendem Beitrag wollten wir die Pfarrchronik Hergen- raths abschliessen. Der Fund einiger bisher unbekannter Archiv- unterlagen macht jedoch einen Nachtrag nötig, den wir in der nächsten Göhltal-Nummer bringen werden. ko Quellen und Anmerkungen (1) Diözesanarchiv Aachen Pfarrakten Hergenrath (2> Pfarrarchiv Hergenrath Die Hergenrather Gemeindevertreter irrten ganz offensichtlich, als sie behaupteten, Neu-Moresnet habe zu den Kirchenbaukosten im vorigen Jahrhundert nicht beigetragen. Wir besitzen das Protokoll einer durch Bürgermeister von Lasaulx am 13. Februar 1838 einberufenen Versammlung, daß nach anfänglicher Opposition gegen den Standort der neuen Kirche schließlich bei der Stimmenzählung doch nur
17 14 ”Kelmiser”” (von der Kelmiser Heide) sich für einen Neubau am Friedhof aussprachen. Ein Gemeinderatssitzungsprotokoll vom 6. Mai 1850 sagt, man habe am 25. März 1850 eine Übereinkunft wegen der von der Gemeinde Neu-Moresnet zu den Kirchen- und Schulbaukosten zu leistenden Beträge erzielt und der Landrat von Harenne habe Namens der Hergenrather Gemeinde sich mit dem von Preußisch- Moresnet angebotenen Betrag von 4.723 Taler, 17 Silbergr. und 3 Pf zufrieden gezeigt. Nach Abzug gewisser Forderungen an Hergenrath blieben 2.500 Taler zu Lasten Moresnets, zu deren Tilgung Hergenrath der Nachbargemeinde einen Temin von 8 Jahren setzte. Die Gemeinde Neu-Moresnet beteiligte sich auch mit 318 Talern an der Anschaffung von Kanzel und Beichtstühlen. Die Anschaffung einer Orgel, wozu durch Testament des zu Herbesthal verstorbenen Mathias Joseph Schryn- mecker 1852 tausend Taler zur Verfügung standen, jedoch 1.600 Taler benötigt wurden, scheiterte damals daran, daß Preußisch-Moresnet sich außer Stande erklärte, 1/3 der fehlenden 600 Taler aufzubringen; daraufhin weigerte auch der Hergenrather Gemeinderat sich, den vom Kirchenvorstand erbetenen Gemeindezu- schuß zur Orgelanschaffung zu bewilligen. Am 6. Juni 1854 hatte der Gemeinderat über das Vermächtnis des Eupener Notars Hennen zu beraten. Hennen hatte der Kirche von Hergenrath 1000 Taler zur Schuldendeckung vermacht. Weil jedoch, wie es wörtlich im Sitzungsprotokoll heißt, "die Gemeinden, resp. die Gemeinde Hergenrath und Moresnet, alle Kirchenbaukosten bestritten haben, sind diese 1000 Taler seit dem 1. Januar 1854 in die Gemeindekasse Hergenrath geflossen, und da diese 1000 Taler zur teilweisen Abtragung der Kirchenbaukosten verwendet werden sollen, und da die Preußische Gemeinde Moresnet, als hier zur Pfarre gehörend, für 1/3 zu allen Kultuskosten beizutragen verpflichtet ist und auch zu den Kirchenbaukosten beige- tragen hat, demzufolge begutachtet der Gemeinderat, daß der Gemeinde Preus- sisch-Moresnet 1/3 von diesen Tausend Taler gebühren . . . und beschließt und genehmigt demnach, daß 1/3 von diesen Tausend Taler der Gemeinde Preußisch- Moresnet aus der Gemeindekasse Hergenrath gezahlt resp. an ihrer Schuld abgekürzt werden...” Aus diesen Unterlagen geht wohl deutlich hervor, daß Neu-Moresnet nicht nur von 1850 an regelmäßig 1/3 der Kultuskosten getragen, sondern daß diese Gemeinde sich auch vorher aktiv am Kirchenbau in Hergenrath beteiligt hat.
18 Kelmis Anno dazumal von Franz Uebags Was wir von der Pfarre wissen Das Jahr 1958 war für die Pfarre Kelmis ein Jahr von besonderer Bedeutung, da 100 Jahre zuvor in Neutral-Moresnet eine eigene Pfarre errichtet wurde. Die Jahrhundertfeier, verbun- den mit einer Serie außergewöhnlicher Feierlichkeiten und Ver- anstaltungen, wurde für die Pfarre Kelmis zum einmaligen und unvergeßlichen Erlebnis. In den Jahren nach 1835 hatte sich das Werk der Vieille Montagne, Abteilung Moresnet, erheblich ausgedehnt und da- durch immer mehr Ansiedler in das neutrale Gebiet gelockt. Im Jahre 1850 hatten schon 1000 Menschen hier ihr Zuhause gefunden. Selbst im Pfarrwesen hatte die Gesellschaft des Alten- berges während langer Jahre großes Interesse und Fürsorge an den Tag gelegt. Schon im Jahre 1844 hatte sich die Direktion darum bemüht, Neutral-Moresnet gewisse religiöse Einrichtungen zu verschaffen. In der Zeit, wo es hier weder Kirche noch Priester gab, zogen die hiesigen Gläubigen an Sonntagen nach Alt-Moresnet, um in der dortigen Pfarrkirche einer heiligen Messe beizuwohnen. Vermutungen, daß die Einwohner von hier ihre Sonntagsmesse in der Rochuskapelle hörten, sind nicht begründet. Die Kapelle lag nämlich damals in der Pfarrgemeinde Montzen und der dortige Pfarrer mußte dreimal im Jahr in derselben ein Meß opfer zelebrieren. Laut Chronik geschah dieses am Feste des heiligen Rochus, sowie am Sonntag und Montag in der Oktav des Festes Mariä Geburt. Direktor Billaudet der A.G. Vieille Montagne hatte, um es seinen Arbeitern bequemer zu machen, mit dem Pfarrer Schmetz aus Moresnet die Vereinbarung getroffen, an jedem Sonntag auf dem Gelände des Altenberges eine hl. Messe zu lesen, und zwar im Haus ”ajen Schell” in der Kull (Müllhal- de). Die Gesellschaft kaufte Möbel und Paramente und zahlte an Pfarrer Schmetz eine jährliche Entschädigung von 250 Franken. Am 2. Januar 1845 war das Haus ”ajen Schell” vollständig als Kapelle eingerichtet. Hier wurde alsdann am 13. April die erste hl. Messe gelesen. In der Zwischenzeit, von Januar bis April, wartete der Pfarrer auf die Erlaubnis, zweimal wöchentlich Gottes- dienst zu halten.
19 Die religiösen Feiern haben in dieser kleinen und primitiven Kapelle der ständig wachsenden Einwohnerzahl wegen nicht lange stattgefunden. Es fehlte an Raum, um alle Kirchgänger zu fassen. Schon am 10. September desselben Jahres las Pastor Schmetz zum erstenmal die hl. Messe in der neuen Kapelle am unteren Vonserweg, der seitdem den Namen Kapellstraße erhal- ten hat. Der Dechant von Aubel hatte das zweite Gotteshaus am 4. September 1845 eingeweiht. Es sei bemerkt, daß nur sonntags darin ein Gottesdienst stattfand. So ging es nun weiter bis zum 15. Mai 1854, wo der Hw. Bischof, auf Ersuchen der Vieille Montagne, den Hw. Herrn Aloys Flemmincks, Chorherrn der Abtei Averbode, als residierenden Kaplan nach Neutral-Moresnet schickte. Zu diesem Zeitpunkt waren in der Gemeinde 1.650 N / . A . be M A N 2 . Pfarrer Flemmincks
20 Einwohner eingetragen. Die Bemühungen des damaligen Direk- tors der Bergwerksgesellschaft, Adolphe Scherpenzeel-Thim, beim Bischof von Lüttich, im neutralen Gebiet eine unabhängige Pfarre zu errichten, wurden 1858 von Erfolg gekrönt. Am 25. August unterzeichnete Msgr. de Montpellier den bischöflichen Erlaß, welcher Neutral-Moresnet kirchlich von Moresnet unabhängig machte. 1859 zählte die junge Pfarrgemeinde schon 2.572 Seelen, wogegen Belgisch Moresnet kaum die Zahl 800 erreichte. Nachdem nun Neutral-Moresnet zur eigenen Pfarre gewor- den, erhielt Kaplan Flemmincks 5 Tage später, am 30. August, die Ernennung zum ersten Pfarrer von Neutral-Moresnet. In Anwesenheit der Hw. Herren J. Broers, Dechant von Aubel, N.G. Eymael, Pfarrer von Hombourg, Fred Mahieu, Superior von Averbode, sowie der Herren Arnold von Lasaulx, Bürgermeister, und Adolphe Scherpenzeel-Thim, Beigeordneter und Bewerksdi- rektor, Haupturheber der Pfarrgründung, fand die feierliche Einführung des Pfarrers am 9. September 1858 statt. Der 35-jährige Geistliche übernahm somit die Seelsorge von 2.572 Pfarıkindern und trat ein arbeitsreiches Amt an. Sich des schweren Standes von Pfarrer Flemmincks bewußt, schickte der Hw. Herr Bischef schon am 5. Oktober 1858 den Hw. Herrn Philippe Segers aus den Orden der Prämonstratenser von Aver- bode als Vikar ın die junge Pfarrer von Kelmis. Zwölf Jahre lang hat Pfarrer Flemmincks die Pfarre betreut, davon 4 Jahre als Kaplan und die restliche Zeit als Pfarroberhaupt. Er verstarb am 18. März 1866 im Alter von nur 44 Jahren. Die feierlichen Exequien fanden in Neutral-Moresnet statt. Auf dem alten Friedhof, da, wo die heutige Gemeindeschule steht, wurde er zur letzten Ruhe gebettet. Sein Grabstein ist bis jetzt erhalten geblieben und steht inmitten der Kreuzung des Kirchhofweges seitlich von Heygraben. Der mächtige Stein bleibt ein stetes Denkmal für den ersten Pfarrer von Kelmis.
{| N | 3 6 UM 4x LO Pa #9 3 - 1 0 “el ® Grabstein des ersten Pfarrers Die Pfarrer und ihre Amtszeit Unsere Pfarre ist von 1858 bis heute von 9 Pfarrern verwaltet worden. Es ist anzunehmen, daß das Gros der momentanen Kelmiser Bevölkerung nicht weiß, welche geistlichen Herrn in ihrer Ortschaft tätig gewesen sind. Deshalb will ich mich nach- stehend näher mit den Geistlichen befassen, die seit der Pfarrer- hebung das hiesige Pfarrleben mit aufopfender Treue und größter Verantwortung betreut haben. Pfarrer Aloys Flemmincks habe ich bereits vorgestellt und komme nun zu seinem Nachfolger. Herr E.H. Lanckohr, Kaplan in Ensival bei Verviers, kam am 17. April 1866 für den Hw. Herrn Bischof in Frage, Pfarrer im neutralen Gebiet zu werden und wurde am 1. Mai hier feierlich
22 eingeführt. Doch war sein Verbleib nicht von langer Dauer, denn schon nach 3 Jahren und 4 Monaten verließ er Kelmis am 28. September 1869. An seine Stelle kam der in Gemmenich am 18. Mai 1829 geborene Dr. Pierre Hubert Joseph Renardy, der in Rom Theologie studiert und daselbst am 30. Mai 1863 die Priesterweihe erhalten hatte, am 12. Oktober 1869 als Pfarroberhaupt nach Kelmis. Als liebevoller Herr hatte er schnell die Herzen aller seiner Pfarrkinder gewonnen, die ihm anläßlich des Jubiläumsfestes seiner Priester- weihe am 31. Mai 1888 einen goldenen Kelch schenkten und als Abschluß der Feier einen großen Fackelzug organisierten. Das Fest seiner 25-jährigen Seelsorge in unserer Pfarre feierte Pastor Renardy am 28. Oktober 1894. Wegen einer Erkrankung zog er im November 1897 von hier fort und ließ sich in Membach nieder, nachdem er der Pfarre Neutral-Moresnet etwas mehr als 28 Jahre ein eifriger Diener Gottes gewesen war. Elf Monate später, am 29. Oktober 1898, schied er aus dem Leben. BE N N Ba 2 2 8 oe 8 2 | N DO 2 SR VA [Abbe Pe e Joseph REMAREY. 2 2 N N Totenzettel von Pfarrer P.J. Renardy
24 von Kelmis am 18. November 1920 wurde er am 28. November feierlich in seinen neuen Arbeitskreis eingeführt. Sein 25-jähriges Priesterjubiläum, am 30. November 1930, wurde in Kelmis zu einer außerordentlichen Feier. Der lächelnde Pastor wurde am 29. September 1942 von der deutschen Gestapo mit seinen beiden Kaplänen Xhonneux und Hendricks verhaftet, weil er diesen erlaubte, gefangenen Franzosen zur Flucht zu verhelfen. Am 29. Dezember 1942 erklärte ihn das deutsche Gericht für schuldig. Vier Monate Zuchthaus, so lautete das Urteil. Der Hw. Herr Bischof von Aachen rettete ihn vor dem Abtransport in das Konzentrationslager Dachau. Nach Verbüßung seiner Strafe kam seine Versetzung nach Norddeutschland. Hier fand er eine Unterkunft bei den Franziskanern zu Mühlen im Oldenburgi- S schen. Danach wurde er Rektor in einem Damensanatorium von Neuenkirchen. Im Mai 1945 kehrte Pfarrer Scherrer in seine Heimat Kelmis zurück. Bereits am 28. August desselben Jahres verließ er krankheitshalber seine Pfarre. Er wurde Rektor des Klosters Pannesheide bei Montzen, wo der Tod seinem Leben am 17. November 1956 ein Ende setzte. Die Kelmiser Einwohner, die ihn stets hochschätzten, wußten, was sie in Pfarrer Scherrer verloren. Nun mag man sich vielleicht die Frage stellen, wie es nach der Verhaftung der drei Geistlichen durch die Gestapo in der Pfarre weitergegangen ist? Zuerst wurde die Pfarre von dem in Kelmis wohnenden kranken Geistlichen J. Flas verwaltet. Dann kam Pater Schmetz aus dem Orden der Priester des Heiligen Geistes von Gentinnes, dem der Hw. Herr Brouwers folgte. Nach ihnen kamen ‘die Patres Pleus und Schmidt aus Deutschland. Pater Schmidt verließ Kelmis sofort nach dem Kriege. Am 2. September 1946 kehrte auch Pater Pleus nach Deutschland zurück. Nach dem Abschied von Pastor Scherrer aus Kelmis ist es dem Hw. Herrn Bischof wohl schwer gefallen, für ihn den richtigen Nachfolger zu bestimmen. Doch die Wahl fiel auf den kleinen, aber wackeren Diener Gottes Joseph Olbertz. Der am 22. April in Eupen geborene Geistliche wurde in Köln am 7. März 1927 zum Priester geweiht. Seine erste Stelle trat er 1927 als Kaplan in Bleyberg an, von wo er 1930 nach Manderfeld berufen wurde, wo er ebenfalls als Vikar tätig war. Von hier wurde Joseph Olbertz 1937 nach St. Vith versetzt. Dort verweilte er bis zum 1.
. 25 April 1942, um dann die Pfarre Sourbrodt zu verwalten. In demselben Jahr, am 16. Dezember, wurde er verhaftet und ins K.Z. Dachau eingeliefert. Nach- seiner Entlassung aus diesem schrecklichen Lager kam seine Ernennung zum Pfarrer von Ondenval. Der Hw. Herr Bischof ließ ihm kaum die Zeit sich richtig einzuleben und ernannte ihn im Monat Dezember 1945 zum Hirten der Pfarre Kelmis. Wie zahlreich nahmen damals, am 16. Dezember, seine neuen Pfarrkinder an seiner feierlichen Einführung teil, obschon sie meinten, daß ihnen ein kleiner Pastor geschickt würde! Jedoch an ”oss Pastüreke’’ hat sich das alte Sprichwort ”’Klein und wacker, baut den Acker’ vollstens bewahrheitet. Er war ein Mann von unermüdlichem Eifer, der weder Hunger noch Schlaf kannte, wenn es hieß, seiner Pfarre zu dienen. Die Kranken und Altersschwachen lagen ihm sehr am Herzen. Mitten in der Nacht fuhr er mit seinem Fahrrad durch die Straßen des Ortes, um hier oder da einen Kranken, dessen Zustand besorgnisserregend war, aufzusuchen, für ihn zu beten und ihm Trost zu spenden. Er lebte bescheiden und half, wo es not tat. Kurz, Pfarrer Olbertz war im wahrsten Sinne des Wortes ein vorbildlicher Seelsorger, ein Apostel unserer Zeit und ein gewissenhafter Pfarrverwalter. Nach 27-jähriger Aufopferung für seine Pfarre Kelmis nahm er 1972 offiziell seinen Abschied, um ”’in den Ruhestand zu treten.” "Bas En SE a 222272. AD AM A a A A Sg N A x An Ad F 4 > ee S A Romfahrt der J.0.J., Pfarrer Olbertz
zT zu Lontzen-Herbesthal, am 8. Juli 1962 in Lüttich zum Priester geweiht, erhielt am 14. Oktober 1978 vom Bistum den Auftrag, an Stelle des Herrn Pastor Voncken die Pfarre Kelmis zu betreuen. Wie oben schon erwähnt fand seine Einführung am 4. Dezember 1977 statt. Alle Kelmiser wünschen ihm Glück und Segen in seinem Apostolat. Wer waren die Kelmiser Vikare? Da wir nun schon einiges über das hiesige Pfarrwesen wissen, will ich damit nicht abschliessen, ohne die Helfer der Pfarre, nämlich die Kapläne zu erwähnen. Ich möchte zumindest ihre Namen nennen und die für uns interessanten Daten angeben. Ausführlich über jeden einzelnen Kaplan zu schreiben würde zu weit führen, da hier nämlich 29 geistliche Herren in Frage kommen. Deshalb habe ich die wichtigsten Angaben in Form einer Tabelle zusammengefaßt. Aloys Flemmincks Abtei Averbode] 21. Mai 1858 Pfarrer 1858 Philippe Jacques Segers Averbode 1858 7. Juli 1868 Jean Louis Lacroix Henri-Chapelle| 18. Juni 1868 17. März 1878 Hw. Herr Duykaerts [| Hodimont 21. Mai 1878 1. Juni 1883 Hugo Giessen Aachen 1886 19. Januar 1896 Guillaume Kept Luxemburg 7. Februar 1896 {| November 1920 Hw. Herr Frins unbekannt Oktober 1900 1904 Heinrich Bosch Hombourg 1. Oktober 1901 {starb 16.11.1910 Pater Albertus Trapp [| Deutschland 1901 starb 7.11.1908 Joseph Simons Bleyberg 24. Nov. 1908 Mai 1924 Hw. Herr Fis Luxemburg 2. Dezember 1910 [1919 Joseph Wenders Gemmenich {September 1919 [1932 Mathieu Boutsen Bilsen 1924 1931 Joseph Pennings Aachen 1931 1934 Franz Darcis Heukolom 1932 1937 Nicolas Xhonneux Henri-Chapelle [Juli 1934 April 1949 Peter Hendricks Sippenaeken {1937 1949 Hw. Herr Flas Gemmenich {unbekannt starb hier Pater Schmetz Gentinnes 1942 Ende 1943
28 Hw. Herr Brouwers Membach 1943 1943 Pater Pleuss Deutschland [1943 1946 Pater Schmitz Deutschland {1943 Mai 1945 Victor Franssen Aubel 1947 1957 Louis Eyskens Averbode 1949 Joseph Saassen unbekannt 1950 1952 Camille Locht Homburg 1952 starb 17.12.54 Hermann Thoma Welkenraedt {1955 1958 Hermann Kalpers Rocherath Dezember 1958 3. Juni 1973 Jean-Marie Keutgen | Eupen 1. September 1972| gegenwärtiger Kaplan * * Inzwischen zum Pfarrer von Elsenborn ernannt. Die religiösen Kundgebungen Bei solchen Kundgebungen hat es hier in der neutralen Gemeinde nie an Teilnahme und Aufwand gefehlt. Weil die Leute von damals fest zur ihrer Kirche standen und fromm lebten, waren sie sehr stolz, bei derartigen Feiern mit dabeizu- sein. Schon aus diesem Grunde wurden dieselben stets zu einem vollen Erfolg. Wenn der ”gute Herr’”’, damit ist der Pastor gemeint, von der Kanzel aus zu den Prozessionen aufrief, gelobte sich ein jeder, dem Aufruf Folge zu leisten. Genau wie es heute noch geblieben ist, zog die Fronleichnamsprozession durch den unteren und die Prozession vom 15. August (Maria Himmelfahrt) durch den oberen Teil des Dorfes. Kind und Kegel war auf den Beinen. Jeder, dem etwas Zeit blieb, legte mit Hand an und war da, wo er gebraucht wurde. Gruppen von Männern zogen in den Wald, um dort mit Erlaubnis des Gutsherrn Sträucher und Maien zu holen, die am Vorabend längs der Wege aufgestellt wurden. Andere dagegen befaßten sich mit dem Aufbauen der Altäre. Die Mädchen sorgten für die nötigen Streublumen, während die Jungen wilde Blumen aus Feld und Wiesen herhol- ten. Wenn sie damit ankamen, banden die Mütter Sträuße daraus, um sonntags die Fenster zu schmücken. Seitens der Gemeinde wurden Wassergräben und Straßen in Ordnung ge- bracht. Kurz, es herrschte großes Reinemachen im Dorf. Wenn dann Sonntag morgens die Prozession auszog, waren die Häuser sinnbildlich geschmückt, daß es manchmal eine Pracht war. Die
29 sämtlichen Ortsvereine gleich welcher Art nahmen ander Prozes- sion teil und wetteiferten um die größte Teilnehmerzahl. Schüt- zen, Turner und Musiker traten in Uniform an und boten mitsamt den vielen Mädchen im Engelchenkleid ein farbenreiches Bild. Die Ideen und Arbeiten der hier ansässigen Schwestern haben jahrelang zur Verschönerung dieser öffentlichen Glau- benskundgebung beigetragen. Wenn am Altar des Werkes der Vieille Montagne auf der Hasardstraße der Segen erteilt wurde, detonierten eine Serie von Böllerschüssen, die auf Kosten der Gesellschaft abgefeuert wurden. Diese Tradition hat der Berg bis zur letzten Prozession vor dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1939 beibehalten. Ja, sagen die älteren Leute, das waren Prozessionen die sich sehen lassen konnten und viele Auswärtige anzogen! Immer wieder heben sie hervor, daß sich heute in dieser Sache, im Vergleich zu früher, vieles geändert hat. A { Be . | * z il, | | | A 3 AD Vi Ef v A" | 8 BE nt, A 1 KU “ns / (Ca . Wh SR 0a HOA Pa A "2 ar VW U 0 Ye N, AT A OS a N AT a De 7 x 7, 0 A VA AN nn a A Prozessionsaltar bei der Vieille Montagne Auch die Feierlichkeiten gelegentlich der hl. Firmung, die früher alle drei Jahre stattfand, existieren nicht mehr, sagen sie.
30 Ich selbst habe das noch des öfteren miterlebt. Am Vorabend der Firmung traf der Hw. Herr Bischof am Brandenhövel ein. Hier erwarteten ihn die Schulkinder, die Firmlinge, die hiesige Geist- lichkeit, die Ortsbehörde, die Bergwerkskapelle, die Ortsvereine und viele Mütter mit ihren Kleinen, den Segen des Hw. Herrn zu erhalten. Alsdann setzte sich der Zug in Bewegung, den Seelenhirten zur Kirche zu geleiten, wo anschließend eine kurze Andacht stattfand. Danach führte der Zug zum Pastorat in der Kapell- straße, wo der Bischof übernachtete. Aus diesem Anlaß war das Pastorat immer festlich geschmückt. Bevor der Bischof sich zurückzog, beehrten ihn die Bergwerkskapelle und der Kirchen- . chor mit musikalischen und gesanglichen Vorträgen. Am andern Morgen wurde er wieder feierlich abgeholt und zur Kirche gebracht, um das hl. Sakrament der Firmung zu spenden. Am Nachmittag nahm der Hw. Herr Bischof in aller Stille Abschied von Kelmis. Die feierliche Taufgelübdeerneuerung hat während vieler Jahre am ersten Sonntag im Monat Mai stattgefunden. Es hieß einfach, daß die Kinder die ”’große Kommunion’’ machten. Die zwölfjährigen Jungen und Mädchen versammelten sich an diesem Tage im Kloster der ”’schwarzen Schwestern’ in der Kirchstraße (Gemeindehaus). Nach altem Brauch trugen die Jungen schwarze oder dunkelblaue Anzüge mit weißer Armbinde und die Mädchen schwarze Kleider mit kleinem weißem Schleier. Die Schwestern verteilten die langen Wachskerzen und stellten die Kinder in der Reihenfolge ihrer bei der Religionsprüfung erhaltenen Punkte auf. Sodann gingen die Kommunikanten mit der Bergwerks- kapelle an der Spitze zur Kirche. Damals war es Sitte, daß die Kommunionkinder des Vorjahres, wie man so sagte, die ”’zweite Kommunion” machten. Nach der Messe und Kommunionfeier, die um halb acht begann und meistens bis 9 Uhr andauerte, ging es wieder zurück zum Kloster, wo dann die Eltern ihr Festtags- kind in Empfang nahmen und nach Hause gingen. Die langen Ker- zen blieben natürlich in der Kirche und wurden während des Jahres bei Zeremonien angezündet. Im Frühjahr zogen unter Beteiligung aller Schulkinder und vieler Erwachsenen die Bittprozessionen durch die verschiedenen Straßen des Ortes.
31 Am dritten Sonntag im Monat September (Nachkirmes) pilgerten nachmittags nach zwei Uhr die Kelmiser Pfarrkinder nach Moresnet-Kapelle. Auch bei dieser Gelegenheit ließen die Kelmiser es sich nicht nehmen, recht zahlreich am Gnadenort zu erscheinen. An diesem Nachmittag war es sehr einsam in Kelmis. Wie zu ersehen ist, kennen wir nur einige der früheren traditionellen kirchlichen Feiern heute nicht mehr. Gott sei Dank, ist vom Alten doch noch etwas erhalten geblieben, wenn auch an dessen Ausmaß etwas verloren ging. Gewiß bereitet der dauernd wachsende Verkehr auf den Straßen in dieser Hinsicht allerlei Schwierigkeiten, jedoch mit gutem Willen und reichlicher Über- legung wird es immer möglich bleiben, die wenigen alten Bräuche zu erhalten. Die Kirmes Kirchweihfest ist allgemein mit einem Volksfest verbunden, das sich nachher alljährlich wiederholt und schließlich die Be- zeichnung ”’Kirmes”’ erhält. In Kelmis jedoch stimmen die Daten von Kirchweihe und Kirmes nicht überein. Die Pfarrkirche wurde am 3. Oktober 1865 eingeweiht und die Kelmiser Kirmes findet immer am Sonntag nach Mariä Geburt (8. Sept.) statt. Seit jeher wurde dieses Volksfest mit einem außergewöhnlichen Ausmaß von Jubel und Trubel in der Doppelgemeinde Neutral und Preußisch-Moresnet aufgezogen. Verschiedentlich hat die Ge- meinde Neu-Movesnet versucht, eine eigene Kirmes zu organisie- ren, die aber nicht zur Tradition wurde. Bis ausgangs der zwanziger Jahre war die Lütticher Straße der sogenannte Rummelplatz. Karusselle, Schiffschaukeln und Buden standen einst beiderseits der Hauptstraße. Natürlich stand fortwährend anläßlich der Kirmes mehr Zeug auf dem Gebiet der Gemeinde Neu-Moresnet, da wegen der Kleinbahn von Kalden- bach an aufwärts nichts aufgebaut werden durfte. Auf der Kelmiser Seite war es den Kirmesleuten nur erlaubt, ab Cafe Barth (Malmendier-Keris) bis hinunter zur heutigen Gendarmerie einen Stand zu öffnen. An der Stelle, wo jetzt die Schule von Neu-Moresnet steht, sowie vor den Ställen der Vieille Montagne und dem früheren Gemeindehaus (Garagen Lavalle u. Schreul) wurden stets die größeren Karusselle aufgebaut. Höher hinauf reihten sich bis zum Hotel Astoria Buden aller Art nebeneinan-
32 der. Es soll sogar eine Zeit gegeben haben, wo Schau- und Schießbuden bis zur Maxstraße standen. Der ständig wachsende Verkehr auf der Landstraße gab den Gemeindevätern zu den- ken, da sie voraussahen, daß das Abhalten der Kirmes auf der ”Pavei”” eines Tages unmöglich werden würde. Aus diesem Grunde beschloß der Gemeinderat von Kelmis, neben der Kirche eine Müllhalde anzulegen, um auf diese Weise das dortige talartige verwilderte Gelände zu ebnen. Als nun, der neuentstan- dene Platz an Form und Größe gewonnen hatte, wurde der Entschluß gefaßt, den Rummelplatz zu verlegen. So ist mit und mit im Laufe der Jahre neben der Pfarrkirche ein ausgedehnter Kirmesplatz entstanden. Selbst die mächtigen Lindenbäume vor dem Gotteshaus sind mit der Zeit der Axt des Holzfällers zum Opfer gefallen. Seit Anfang der dreißiger Jahren hat auf unserm Markt- und Kirmesplatz so manches große Fest abgehalten werden können, das zuvor nur mit Erlaubnis des Eigentümers auf einer Wiese organisiert werden konnte. An Fläche dürfte der hiesige Gemeindeplatz einer der größten der Umgebung sein, der obendrein wegen seiner Lage bei Festlichkeiten keine Verkehrs- schwierigkeiten hervorruft. Wenn das vorliegende Projekt ”Neu- gestaltung des Gemeindeplatzes’” in Kürze verwirklicht sein wird, können alle Kelmiser mit Recht stolz auf ihren Platz sein. Die Bürgermeister von einst und jetzt Der Artikel 32 des Versailler Vertrages verlangte von dem zusammengebrochenen Deutschland, daß es die volle Staats- hoheit Belgiens über das lang umstrittene Gebiet von Moresnet, das sogenannte Neutral-Moresnet, anerkenne. Damit hatte das neutrale Gebiet aufgehört zu existieren. Nun regelte ein am 15. September 1919 erlassenes belgisches Gesetz die Staatsangehö- rigkeit der Bewohner der neutralen Ecke. Ab dem 10. Januar 1920 erwarben die hiesigen Bürger von Rechts wegen die bel- gische Staatsangehörigkeit, sofern sie nicht für die Beibehaltung der deutschen Staatsangehörigkeit innerhalb einer Frisf von zwei Jahren optierten. Bis dahin waren die Bürgermeister von Neutral- Moresnet nicht gewählt, sondern stets von den beiden Kom- missaren berufen worden. In der neutralen Zeit ist die Gemeinde von fünf Bürgermeis- tern geführt worden. Arnold von Lasaulx, erster Bürgermeister, verwaltete die Gemeinde von 1802-1859. ;
| 33 Grabstein des Bürgermeisters von Lasaulx Sein Grabstein steht neben der Leichenhalle auf unserm Friedhof. Von Lasaulx wurde am 24. Januar 1774 zu Moresnet geboren und verstarb in Kelmis am 18. Juli 1863. Er verwaltete die Gemeinde Neutral-Moresnet von 1802 bis 1859, hatte also eine Amtszeit von 57 Jahren. Nach seinem Amtsrücktritt trat der Bergwerksdirektor van Scherpenzeel-Thim 1859 vorübergehend an seine Stelle; schon 1860 wurde er von der Gesellschaft des Altenberges anderweitig dienstverpflichtet und mußte sein Amt einem andern überlassen. Sein Nachfolger, Josef Kohl, ein preußischer Verwaltungs- sekretär, trat 1860 sein Amt als Gemeindeoberhaupt an. Nach 24-jähriger Tätigkeit beendete er 1884 seine Dienstlaufbahn, um sich 1884 zur Ruhe zu setzen. 1884 kam der aus Hergenrath stammende Hubert Schmetz, die hiesigen Amtsgeschäfte zu
34 übernehmen. Er leitete die Geschicke dieser Gemeinde während 31 Jahren, bis ihn der Tod im Jahre 1915 seines Postens enthob. Von 1915-1919 war es Bürgerineister Kili von Hergenrath (er war kommissarischer Bürgermeister), der in Neutral-Moresnet den verstorbenen Hubert Schmetz ersetzte. Noch vor der Unter- zeichnung des Versailler Vertrags wurde Kill abgesetzt und durch einen Belgier ersetzt. Die belgische Verwaltung richtete sich unter Führung des ersten belgischen Bürgermeisters Pierre Grignard ein. Grignard, Angestellter bei der Vieille Montagne, wohnte auf der Lütticher- Straße, Ecke Kapellstraße (Hoven-Noel), und verstarb bereits 1923. Ich erinnere mich noch sehr gut, daß wir Schulkinder an seinem Begräbnis teilnehmen mußten. Jean Brandt, Buchhalter bei der Vieille Montagne, wurde alsdann i.J. 1923 zum Bürgermeister von Kelmis nominiert. Nach den Gemeinderatswahlen von 1926 blieb er durch die Wiederwahl für weitere sechs Jahre Vater der Gemeinde. Die Wahlen von 1932 fielen für Brandt ungünstig aus. Anfangs des Jahres 1933 mußte er seinen Posten einem andern überlassen. Victor Moyano, sein Nachfolger, wurde 1933 vereidigt. Endlich, so hieß es nach seiner Wahl, ein Mann, der nicht vom Berg abhängig ist! Moyano war Vertreter einer Zigarrenfirma und außerdem Wirts- hausbesitzer. Seine Amtszeit dauerte nur eine Session von 6 Jahren, die Ende 1938 ablief. Nach den Wahlen von 1938 übertrug der neugewählte Rat im Jahre 1939 dem jungen Peter Kofferschläger das Amt des Bürgermeisters. Als man ihn zum ersten Mann der Gemeinde machte, zählte er noch keine 29 Jahre und war, wie es damals hieß, der jüngste Bürgermeister im Königreich Belgien. Nach 16 Monaten eifriger Arbeit wurde der junge Amtsmann bei Aus- bruch des zweiten Weltkrieges in eine kritische Situation versetzt. Er verweigerte der deutschen Besatzungsmacht seine Dienste und zog mit seiner Familie hinter den Schlagbaum, nach Belgien. Im Mai 1943 wurde er in Ensival von den Deutschen verhaftet. In sieben verschiedenen Lagern, darunter Dachau, Buchenwald und Oranienburg, machte er Schreckliches durch, ehe er im April 1945 heimkehrte. Am 1. November 1940 wurde aus den Gemeinden Kelmis, Neu-Moresnet, Alt-Moresnet und Hergenrath, die durch den
35 Erlaß des Führers am 18. Mai in das Deutsche Reich eingeglie- dert worden waren, das ”’Amt Moresnet”’. Die vier zusammengefaß- ten Gemeinden standen nun unter deutscher Verwaltung mit Amtsbürgermeister Joseph Kriescher an der Spitze. Die deutsche Verwaltung richtete sich in der Schule von Neu-Moresnet ein. So ging es nun weiter, bis sich im Monat September 1944 die amerikanischen Truppen unserer Heimat näherten. Da zog Kriescher es vor, Moresnet heimlich zu verlassen, um in Deutsch- land Unterschlupf zu finden. Seitdem hat man ihn nie wiederge- sehen. Kaum hatten die deutschen Soldaten belgisches Territorium verlassen, nahmen die einzelnen Gemeinden separat ihre Verwal- tung nach belgischem Gesetz wieder auf. Leider konnte Peter Kofferschläger noch nicht seinen Posten als Gemeindeoberhaupt wieder aufnehmen, da er noch kein Lebenszeichen von sich geben konnte, weil das Lager, wo er inhaftiert war, noch von den Alliierten befreit werden mußte. Sobald nun nach seiner Rück- kehr aus Deutschland sein Gesundheitszustand es ihm erlaubte, zögerte er nicht, seine Arbeit als Bürgermeister wieder aufzu- nehmen. Bis zu seinem Tode am 13. September 1960 hat er der Gemeinde Kelmis unvergeßliche Dienste geleistet. Nun oblag es dem Gemeinderat, einen Stellvertreter für den verstorbenen Kofferschläger zu wählen. So wurde beschlossen, den Schöffen Peter Zimmer an die Spitze der Gemeinde zu stellen. Was in seinen Kräften stand, hat Peter Zimmer hergegeben, seiner neuen Sache gerecht zu werden. Er amtierte bis zum Ende des Wahljahres 1964. Der Beginn des Jahres 1965 brachte Kelmis einen neuen Bürgermeister in der Person von Willy Schyns. Dynamisch und impulsiv wie er ist, steht er nun schon 13 Jahre an der Spitze der Gemeinde und die Beweise sind da, daß sich in dieser Zeit in Kelmis vieles verändert hat. Die Gemeindewahlen vom 10. Oktober 1977 standen ganz im Zeichen der zum 1. Januar 1978 beschlossenen Gemeindefusionen. Hergenrath und Neu-Moresnet mußten ihre Verwaltungsautonomie aufgeben. Hatte man in diesen Gemeinden bisher keine Parteilisten ge- kannt, so traten diesmal alle Kandidaten als Vertreter der Christlich-Sozialen, der Liberalen oder der Sozialisten vor die Wähler. Bürgermeister Willy Schyns konnte sich weiterhin be- haupten. Doch damit sind wir bei Kelmis in der Jetztzeit, nicht mehr bei ”’Kelmis Anno dazumal” ...
36 Gefallene und Vermißte der ” Großen Armee” Napoleons, der Jahre 1812/13 von Walter Meven Die bisher in unserer Zeitschrift veröffentlichten Soldaten- briefe, die Zwangsrekrutierte unserer Heimat an ihre Angehöri- gen schrieben, geben uns, wenn es sich auch meist nur um Einzelschicksale handelt, ein lebendiges Bild des damaligen Soldatenlebens. Harter Dienst, wenig Sold und eine spärliche Verpflegung waren das Los dieser Menschen. Die Stimmung und die Kampf- moral dieser Truppen konnte man sicher nicht mit rosig bezeich- nen. Caspar Scheen, der Walhorner Dorfchronist, hat uns die Namen der Zwangssoldaten seines Heimatortes überliefert. Danach haben 7 ihre Heimat nicht wiedergesehen. Im Jahre 1799 mußten sich die ersten Rekruten zum Dienst in der französischen Armee stellen. Viele versuchten sich durch Flucht dem Wehrdienste zu entziehen. Kommissar Bassenge berichtete an seine vorgesetzte Dienstbehörde, daß von 1300 Ausgehobenen 500 desertiert seien. Harte Strafen wurden diesen und ihren Angehörigen angedroht und zum Teil auch verhängt. Als Napoleon im Jahre 1812 den Rußlandfeldzug begann, verfügte er über eine Truppenstärke von 648.908 Mann, 191.311 Pferden, 1302 Feld- und 130 Belagerungsgeschützen. Nicht gezählt wurden rund 25.000 Mann Beamte, Diener und Handwerker sowie der Marketendertroß. Das gewaltige Heer bezog Mitte Juni 1812 das Lager gegenüber Warschau. Am 21. Juni erfolgte die Kriegserklärung. Die Dienstverpflichteten unserer Heimat, die zu den links- rheinischen Truppenteilen gehörten, kämpften in den verschie- densten Regimentern, meist in Teilen der Armee Nr. 8, die "Westfälische Armee’ genannt. Ihr Führer war der Bruder Napoleons, Jeröme. Die 8. Armee zählte beim Abmarsch am 2. März 1812 27.832 Mann und 6061 Pferde.
7 Um die Vereinigung der beiden russischen Armeen 2 verhindern, mußten Gewaltmärsche durchgeführt werden. Die Truppen hatten sich jenseits der Grenze selber zu verpflegen, was eine geordnete Versorgung unmöglich machte. Hunger, Durst und eine unerträgliche Hitze führten dazu, daß die Westfälische Armee ohne Feindberührung schon mehr als 2000 Mann Verluste hinnehmen mußte. Die Einschließung der russi- schen Armeen mißlang zum Teil durch das Verhalten Jerömes als Führer unserer 8. Armee. Sein Nachfolger, der Herzog von Abrantes, Junos, ein ebenfalls wenig fähiger Heerführer, brachte die Armee erst nach dem Treffen bei Smolensk in die Schlacht. Napoleon bestimmte sie daher bei Smolensk und Borodino zu Totengräbern des Schlachtfeldes. Nach der Schlacht bei Smolensk hatte die 8. Armee nur noch 15.400 kampffähige Männer und 3000 Pferde. Nahezu 50 % der Truppenstärke waren verloren. Als Nachhut erreichten sie am 6. September 1912 mit 10.000 Mann Mohaisk. Hunger, Durst, Staub und Hitze hatten die Truppenstärke wiederum stark reduziert. Am 7.9.1812 kam es zur Schlacht bei Borodino, der wohl blutigsten der Weltgeschichte. 120.000 Soldaten Napoleons stan- den 110.000 Russen gegenüber; 600 Geschütze schossen 12 Stunden lang und brachten Tod und Verderben. 80.000 Tote und Verwundete bedeckten das Schlachtfeld. Dieses Mal hatten auch die Soldaten der ”’Westfälischen Armee” unter Marschall Ney an den Kämpfen ruhmreich teilgenommen. Allein 500 Tote und 2500 Verwundete hatten sie zu beklagen. Von den Verwundeten starben später etwa noch ein Drittel; Kompanien wurden bis auf 8 Mann aufgerieben. A EEE u Das Schlachtfeld von Borodino
38 Nach der Räumung des Leichenfeldes marschierte die 8. Armee als Sicherungstruppe der Heerstraßen in Richtung Mos- __kau, Nur ein kleiner Teil erreichte die Stadt, die von den Russen angezündet wurde und zu zwei Dritteln niederbrannte. Ein leidensvoller Rückzug nahm seinen Anfang. Einsetzende Schnee- fälle, Hunger und Durst dezimierten die 8. Armee derart, daß sie nur noch mit 1500 Mann in Smolensk ankam. Bei Orscha wurde der Dnjepr überschritten. Die Truppen befanden sich in einem trostlosen Zustand. Am 22. November 1812 traf man mit nur noch 1 Bataillon in Bobr ein; die Fahnenstangen wurden verbrannt; die Fahnen selbst trugen die Offiziere um den Gürtel.
39 Der 28. November war ebenfalls ein furchtbarer Tag. Man überschritt die Beresina mit ganzen 50 Infanteristen und 60 Reitern. Der Übergang kostete Napoleons ’”’Großer Armee” 30.000 Mann. Zuzügl. fielen den Russen noch 5000 Gefangene in die Hände. Die deutsche Grenze erreichten sie am 16. Dezember. Danach befanden sich im Sammellager Thorn nur noch 184 Offiziere und 683 Mann. Napoleon selbst hatte seine Armee schon am 5. Dezember verlassen. Die ”Große Armee” existierte nicht mehr. Von ihr kamen nur ganze 5 % in die Heimat zurück. Franz Overkott hat in seiner Arbeit : ”’In Rußland Vermißte aus Rheinland und Westfallen nebst angrenzenden Gebieten in Napoleons ’Großer Armee’ 1812-1813” nach einer kurzen Einlei- tung über das Schicksal der Armee, in einer Liste 3326 Kriegstote namentl. aufgeführt, die von russischen Stellen erfaßt wurden. (1) Die Listen selbst wurden im Jahre 1818 von dem hannoverschen Leutnant Meyer in Rußland aus Gouvernements-, Gerichts-, Polizei- und Hospitalakten zusammengestellt und im Jahre 1822 in Berlin abgeschlossen. Die Listen erhielten Beweiskraft für Todeserklärungen. Nachfolgend wollen wir auszugsweise die Namen der Vermißten unserer Heimat veröffentlichen. Es finden nur Orte des damaligen Ourte-Departements hier Berücksichti- gung, die damals zum preußischen Staatsgebiet gehörten. ’ Name Truppe Heimat/Bezirk Verbleib Antoine, Joh. Ant. 1 Gr. Gar. Malmedy Ourte Grodno 1.3.1813 Barthelemy, Andr. 4. jg. Gar. Malmedy Ourte Wilna 30.12.1812 Binol, Nic. Jos. 85 Malmedy Ourte Orenburg Galles, Mich. 13 Gallhausen Riga, zck Christiane, Etienne 41. Faymoville Tambow, Leg. Clebanck, Joh. Peter 9 Ari Tr. Eupen Alexandrow 1812 Closset, Math. Gren. Gar. tir. Malmedy Simbirsk 1813 Darimont, Hub. Frz. Jos. Malmedy Paß zum Siedeln Deneseller, Jos. Nic. 53 Walhorn Orenburg Esser, Wilh. 51. Montjoi Kremenetz 2.1813 Fourir, Joh. Frz. 51. Hauffraix Kerenz 1812 (1) Franz Overkott, ”In Rußland aus Rheinland und Westfalen nebst angrenzenden SE m ’Großer Armee’ 1812-1813”. Verlag Degener u. Co, Neustadt
41 Rencontre avec le president du ”Syndicat d’Initiative des Trois Frontieres” Gespräch mit dem Vorsitzenden des Verkehrsvereins ”Drei Grenzen” (1) Consciente des problemes que pose ä notre region l’essor du tourisme et plus particulierement de son infrastructure, notre association a voulu interroger le responsable de l’organisme qui chez nous s’occupe de la promotion du tourisme sous ses differents aspects. Il s’agit de M. Albert Stassen de Hombourg. Nous Iui avons pose differentes questions relatives ä nos preoccupations dans ce secteur. M. le president, Pourriez-vous tout d’abord nous brosser rapide- ment V'historique du Syndicat d’Initiative des Trois Frontieres, ses composantes et ses buts. — Le S.I. les Trois Frontieres est une ASBL fondee en 1l’etude de Maitre Xhaflaire 4 Montzen le 12 decembre 1955 par Maitre Xhaflaire qui en devint le premier president, par M. Edouard Laurent de La Calamine (secretaire), par M. Pierre Vandegaar de Moresnet, (tre&sorier), MM Leopold Cravatte (Remersdael), Jos. Reinders (Gemmenich), Mathieu Simons (Hombourg), Alphonse Xhonneux (Neu-Moresnet). Les communes fondatrices etaient Gemmenich, Hombourg, La Calamine, Montzen, Moresnet, Neu-Moresnet, Remersdael, Sippenaeken et Teuven. Le si@ge social est etabli 4 La Calamine. En 1957 son secretaire devint M. Rutten de Neu-Moresnet (qui l’est encore ä ce jour). Le 13 d&cembre 1966 M. Xhaflaire devint president d’honneur, tandis que M. Jean Henkens de Henri-Chapelle devint president, MM Willy Schyns de La Calamine et Henri Heutz de Hauset devinrent vice-presidents, M. Joseph Langohr de Gemmenich, secretaire adjoint et M. Leopold Cravatte devint tresorier (il l’est encore ä ce jour). M. Charles Cravatte fut charge des relations publiques, M. Michel Letocart conseiller technique (ingenieur des Eaux et For@ts), MM Marcel Colyn (Gemmenich) et Firmin Pauquet (La Calamine) 6tant commissaires. Entretemps d’autres communes s’etaient jointes au Syndicat d’Initiative des Trois (1) Deutscher Text S. 48 - 54.
42 Frontiegres tant et si bien qu’ä la veille des fusions de communes, outre les precite&es le S.I. comptait aussi Lontzen, Walhorn, Kettenis, Raeren, Eynatten, Hauset, Hergenrath, Welkenraedt, Henri-Chapelle. Par le jeu des fusions l’ensemble de la commune de Fourons en fait d&sormais partie, tandis que Kettenis continue de son cöt€ ä en faire partie en attendant. En octobre 1977 M. Henkens est devenu president d’honneur, tandis que j’ai assume la presidence. MM Bauens (Hergenrath) et Kolvenbach (Eynatten) sont devenus vice-presidents. M. Bivert est secretaire adjoint (La Calamine), MM Palm (Montzen), Pinckaers (Teuven), Kevers(Teuven), Smeets (Welkenraedt), Koch (Welkenraedt), Mme Havenith-Vandeberg (Raeren) et M. Heu- schen (Walhorn) sont administrateurs. Do Les buts de l’association definis aux statuts sont la defense et la promotion du tourisme sur la base locale ainsi que l’accueil optimal en faveur du touriste. Les täches definies par l’association dans ses statuts sont : 1° La defense et la mise en valeur des monuments, des sites, des valeurs artistiques et des Elements d’attraction. 2° La defense et la mise en valeur des productions artisanales en tant qu’elles interessent le tourisme. 3° La diffusion de renseignements touristiques et hoteliers. 4° L’organisation de manifestations, fetes et attractions de toutes especes pouvant contribuer ä l’attrait des localites. 5° La creation de toute signalisation touristique n&cessaire. 6° Le developpement de toutes initiatives en liaison avec la qualite d’attraction et de reception du centre touristique . . . (publicit&, propagande . . .) Quelles sont parmi ces täches celles qui preoccupent particulie- rement le S$.1.? Pour ma part, je dirai sans ambages que si j’ai accepte la presidence c’est pour la premiere des täches definies dans les statuts, ä savoir la defense des monuments, des sites et des valeurs architecturales ou artistiques de notre terroir, Au cours des ann6&es pass6&es le S.I. a beaucoup oeuvre pour l’infrastructure touristique de la region. On mentionnera pour m&moire une multitude de bancs installes le long de sentiers de promenade balise&s par le S.I. dans tous les villages qui composent le S.I. L’amenagement d’une route et d’un parking vers les Trois Bornes sont aussi ä inscrire ä l’actif du S.I. Un barbecue (A Moresnet),
43 des parkings, des abris, des sentiers amenages, des panneaux destines ä recevoir des cartes (qui arriveront bientöt) dans chaque village sont parmi d’autres les activites deployees par le S.I. des Trois Frontigres. Sur le plan de la diffusion des informations touristiques sur la region, la renomm&e des cartes trilingues (avec brochures) n’est plus ä faire. Si donc.la defense des beaute&s que recele notre terroir n’a assurement pas 6chappe aux responsables du S.I. qui m’ont precede, il me semble toutefois qu’A l’heure actuelle cette preoccupation doit devenir majeure car la societ& hypercultivee et developpee ne semble pas ä meme en cette fin du XXeme siecle de sauvegarder ce que nos anc&tres pourtant assez rustauds ont su nous leguer dans un &tat intact. Jamais notre paysage n’a subi tant d’atteintes qu’en ces 10 dernieres annees et il est temps que Nous en prenions tous conscience, car sinon il sera inutile d’&diter cartes et brochures pour faire visiter notre region puisque, lorsqu’elle sera deparee, les touristes n’y viendront plus. Vous semblez attacher une importance primordiale ä la protec- tion du paysage, de ses sites. Quelles menaces particulieres voyez-vouS da ce propos? Poser la question est presque y repondre car un paysage ne saurait Etre saccage que par une transformation aggressive et massive. Il n’est pas necessaire d’&tre ”’&cologiste”” pour se rendre compte de l’effet desastreux sur notre paysage d’etablissements tels que les villages de vacances et les campings . .. A-t-on d&jä regarde ä quoi ressemble un camping en hiver lorsque la verdure qui l’entoure (quand il y en a) a perdu ses feuilles? La difference avec les bidonvilles de Rio est nulle de loin et il s’agit d’autant de coups de poing sur le paysage qu'’il y a de campings. A ce propos il conviendrait de se demander pourquoi la couleur quasi unanime des caravanes est toujours le blanc alors que des couleurs plus discretes, se mariant mieux au paysage pourraient assurement attenuer l’effet de ces plaies. Pourtant les campings caravanings, s’ils sont assurement affreux, n’en constituent pas moins un moindre mal, car leur caractere de mobilite (de plus en plus relative, helas, avec l’apparition des caravanes residentielles) permet d’envisager l’&ventualite d’un de&menagement en cas de besoin. Du cöte des villages de vacances par contre, aucune
44 WE SPA VAN WANN. Bo NA SS 7 > a9 | a) | N ; * ıı“ 5 x ne | i ua a Un : a a 2 A 20 aa U ba N e 28 3 A x VO 25 0 5 2 ii nn \ ars x 2 . RS 5 Le Camping Hammerbrücke Campingplatz Hammerbrücke possibilit& de ce genre n’est ä envisager, car c’est de bätiments en dur qu'il s’agit. Quant ä la longevite de ceux-ci, il ne faudrait pas trop se leurrer tout de m&me, car dans 20 ans beaucoup d’entre eux seront de vrais taudis dont les materiaux seront a remplacer. N’est-ce pas un peu paradoxal qu'un president de syndicat d’initiative dont la mission est entre autres d’attirer le touriste s’en prenne ä l’installation des campings et villages de vacances qui permettent precise&ment aux touristes de visiter notre region. Ce n’est nullement paradoxal car, comme je l’ai precise plus haut, la mission primordiale qui me semble desormais devoir &tre assum6e par le S.I. est de veiller ä 1a sauvegarde du patrimoine touristique contre ses depredateurs, et si c’est le tourisme ou plutöt une certaine forme de tourisme qui est le depredateur coupable, c’est contre Iui qu’il faut travailler. J’assume par ailleurs les fonctions d’&chevin notamment du tourisme et de l’amenagement du territoire, ä Plombieres. Je n’ai &videmment pas pu emp&cher Aa ce titre la continuation d’un projet largement entame de village de vacances ä Gemmenich. Tout au plus ai-je pu veiller plus particulierement ä ce que les effets sur le paysage soient atte&nues au maximum en imposant au promoteur des rideaux de verdure
46 conquete des campagnes en y implantant ces veritables ghettos tout aussi inhumains qui ne sont absolument pas integres au milieu oü ils sont implantes. Quels sont en effet les rapports humains entre les autochtones et ces residants? Il n’existent pas. Qu’en est-il par ailleurs du ”rapport’”” &conomique que ces touristes exercent vis a vis du commerce local? En dehors du boulanger (le pain frais), on peut dire que le commerce local ne ressent guere l’apport de ce tourisme en vase clos qui importe tout des Pays-Bas. Tout au plus les autochtones pourront-ils, sans trop de difficult& semble-t-il, profiter de l’infrastructure sportive creee (golf, natation, tennis). Vous ne semblez guere apprecier cette forme de tourisme. Quel + type de tourisme preconisez-vous des lors pour notre region? Il existe bien d’autres formules de tourisme plus interessantes pour notre region. En ce qui concerne le tourisme de s&jour, j’en vois trois qui sont, helas, fort peu pratiquees dans notre region. Il y a d’abord l’infrastructure höteli&re; celle-ci est la plus coüteuse et souvent d’un rapport insuffisant en raison du nombre de mois creux dans l’annee. Lorsque l’on compare cette formule de tourisme et le peu de tracas qu’elle comporte (pas ”’d’inten- dance’”’), avec la formule du caravaning on constate que sur le plan financier (pour peu qu'il ne s’agisse pas d’un hötel trois etoiles) le coüt est sensiblement le m&me (le prix d’une caravane est actuellement prohibitif). Comme precise plus haut, ce n’est pas tant le client qui pourra se plaindre du syst&me ”’hötel””, mais l’hötelier aux prises avec la trop longue morte saison qui est le grand mal du tourisme. Pourtant des projets existent et d’ici peu un beau projet d’hötel pourrait se concretiser au coeur mö&me du pays sans frontieres, La seconde formule ä preconiser chez nous est celle dejä largement diffusee dans 1’Eifel, oü 1’on voit fleurir ä la belle saison quantite& de pannonceaux ’”’Zimmer frei’”” qui remportent un succes appreciable lä-bas. Pourquoi ceux qui chez nous disposent d’un logement trop spacieux ne pratiqueraient-ils pas cette formule de tourisme parfaitement integre avec l’habitat? De plus, le rapport financier irait ici non pas dans l’escarcelle d’un quelconque promoteur etranger mais dans la poche de l’autoch- tone. L’industrie touristique n’a de sens que si elle rapporte de V'argent ä ceux qui vivent dans la region touristiquement accueil- lante.
47 La 3&me formule enfin est celle du tourisme ä la ferme qui plus encore que les deux autres offre ä& notre region des possibilites insoupconnees. Chacun sait que notre agriculture vit un profond remaniement. Beaucoup de fermes vont disparaitre ä cause de la rationalisation du secteur; plutöt que de vendre, leur proprietaire serait bien mieux avis6 en l’amenageant pour y accueillir des estivants. Ceux-ci aussi seront de la sorte parfaitement integres ä la population locale. Par ailleurs, 1A oü le fermier continue son exploitation, il y a aussi le tourisme ä la ferme conventionnel qui consiste A accueillir sous tente quelques estivants pres de la ferme. Cette forme-lä de camping est autrement enrichissante tant pour l’höte que pour l’estivant. En tout cas, elle ne souffre aucune comparaison avec le camping de masse dans les immenses bidonvilles que nous connaissons. En definitive, le tourisme bien compris doit &tre un tourisme ä taille humaine qui respecte l’habitant. La dimension industrielle du tourisme doit E&tre proscrite par tous les moyens, car c’est le plus sür chemin vers l’aneantissement de la richesse touristique d’une region. Pour arriver ä ce but les röles sont dejä distribues. Aux mandataires publics il appartiendra dans 1l’Elaboration et l’appli- cation des plans d’amenagement de veiller ä cette dimension du probleme. Aux proprietaires fonciers qui croient ”’faire une operation immobiliere’”’ en vendant un bien ä un promoteur, on rappellera qu’ä ce jour ceux qui ont vendu leur bien de la sorte s’en mordent pour la plupart les doigts, car c’est avant tout le promoteur qui a ”’fait une affaire”, Il n’y a pas que l’implantation des villages de vacances et des campings qui doive &tre surveillee en permanence dans une region comme la nötre. Toute la politique urbanistique demande un contröle rigoureux. En effet, on peut dire que si le belge a souvent une ”brique dans le ventre”” il a aussi souvent une tentation d’urbanisation anarchique. Il suffit pour s’en convaincre de voir dans notre pays le nombre de villages ”en ruban’”’, c.ä.d. implantes le long d’une route et se joignant de la sorte les uns aux autres. Pareil spectacle n’existe pas aux Pays-Bas par exemple, oü pourtant la densite de la population est plus forte. Il est vrai que cela est compens€ par une meilleure recherche architecturale chez nous qu’en Hollande . . . L’on veillera cependant chez nous ä maintenir en faveur du secteur agricole un quota de territoire suffisant, si l’on veut encore pouvoir exploiter touristiquement la region car c’est le secteur agricole le meilleur garant d’un paysage de qualite.
48 Il convient, en definitive, de se poser en profondeur la question essentielle. Notre region peut-elle sans risque s’offrir le tourisme comme comple&ment &conomique? A cette question il peut &tre repondu que le tourisme n’y sera jamais la source principale de revenu, ni meme une des sources principales, mais il pourra y jouer un röle complementaire. Notre region merite d’&tre connue et peut l’&tre assurement via certaines formes de tourisme valables mais en aucun cas via le tourisme industriel. Maas ko R Die vielfältigen, mit der touristischen Erschließung unseres Gebietes verbundenen Probleme verdienen unser aller Aufmerk- samkeit. Es steht zu viel auf dem Spiel, als daß wir uns mit der Rolle des stillen Zuschauers begnügen dürften. Wir sprachen darüber mit dem Präsidenten des Verkehrsvereins ’’Drei Gren- zen’’, Herrn Albert Stassen aus Homburg. 4 Frage : Herr Präsident, könnten Sie uns in großen Zügen etwas über die Entstehung und Geschichte dieses Verkehrsvereins sagen? Wie ist er zusammengesetzt? Welches ist seine Ziel- setzung? Der Verkehrsverein ”’Drei Grenzen” ist eine am 12. November 1955 vor Notar Xhaflaire in Montzen durch die Gemeinden Gemmenich, Homburg, Kelmis, Montzen, Moresnet, Neu- Moresnet, Remersdael, Sippenaeken und Teuven gegründete Gesellschaft ohne Erwerbszweck. Notar Xhaflaire wurde der erste Präsident, Eduard Laurent (Kelmis) wurde Schriftführer, Pierre Vandegaar (Moresnet) Schatzmeister. Neben den genannten Her- ren waren Joseph Reinders, Mathieu Simons, Leopold Cravatte und Alphonse Xhonneux bei der Gründungsversammlung anwe- send. Sie vertraten die Gemeinden Gemmenich, Homburg, Sip- penaeken und Neu-Moresnet. Die Gesellschaft hat ihren Sitz in Kelmis. Seit 1957 ist Herr Rutten (Neu-Moresnet) Schriftführer. Am 13. Dezember 1966 wurde Herr Xhaflaire zum Ehren- präsidenten gewählt. Neuer Präsident wurde Jean Henkens aus Henri-Chapelle, Vize-Präsidenten wurden Willy Schyns (Kelmis) und Heinrich Heutz (Hauset). Joseph Langohr (Gemmenich)
49 wurde beigeordneter Schriftführer und Leopold Cravatte Schatz- meister. (Er hat dieses Amt bis heute inne.) Charles Cravatte übernahm die Öffentlichkeitsarbeit, Forstingenieur Michel Leto- cart kam als technischer Berater hinzu, während Marcel Colyn und Firmin Pauquet (Gemmenich resp. Kelmis) zu Kommissaren ernannt wurden. Inzwischen hatten sich weitere Gemeinden dem Verkehrs- verein angeschlossen, so daß am Vorabend der kommunalen Neugliederung außer den schon genannten Gemeinden Lontzen, Walhorn, Kettenis, Raeren, Eynatten, Hauset, Hergenrath, Wel- kenraedt und Henri-Chapelle dem Verein angehörten. Diese kommunale Neugliederung brachte es mit sich, daß nunmehr die gesamte Voergemeinde dazugehört, während Kettenis - nunmehr Stadt Eupen - noch keine Entscheidung für die Zukunft gefällt hat. Die in den Statuten festgelegten Ziele des Vereins sind der Schutz und die Förderung des Fremdenverkehrs auf lokaler Ebene sowie die bestmögliche Unterbringung der Erholungs- suchenden. Als besondere Aufgaben hat der Verkehrsverein : 1/ Denkmäler, Landschaften und Sehenswürdigkeiten zu schüt- zen und zur Geltung zu bringen; 2/ das Kunstgewerbe, soweit es den Fremdenverkehr berührt, zu schützen und zu fördern; 3/ Informationen über den Fremdenverkehr und das Gaststätten- bzw. Hotelgewerbe zu vermitteln; 4/ die Anziehungskraft der einzelnen Ortschaften durch die Veranstaltung von Festen etc. zu erhöhen; 5/ die für den Fremdenverkehr notwendige Beschilderung durch- zuführen; 6/ Initiativen, die die Qualität des Tourismus heben können (Werbung), zu ergreifen. Frage : Welche der vorgenannten Aufgaben liegt dem Verkehrs- ve, ein nun besonders am Herzen? Ohne Umschweife muß ich sagen, daß ich den Vorsitz des Verkehrsvereins vor allem übernommen habe, um im Sinne des ersten in den Statuten festgelegten Punktes zu arbeiten, d.h: zum Schutze der Denkmäler, der Landschaften, der architektonischen und künstlerischen Sehenswürdigkeiten. In den vergangenen
50 Jahren hat der Verkehrsverein viel für die Infrastruktur getan. Erinnern wir nur an die Vielzahl von Bänken, die entlang der ausgeschilderten Spazierwege aufgestellt worden sind, sowie an den Ausbau eines Weges und eines Parkplatzes zu den drei Grenzen hin. Ein Grillhäuschen (Moresnet), Parkplätze, Unter- stände, Spazierpfade, Anschlagbretter für Karten in den einzel- nen Orten : das sind einige der vom Verkehrsverein durchgeführ- ten Initiativen. Was die Information angeht, so müssen wohl an erster Stelle die dreisprachigen Karten genannt werden. Meine Vorgänger haben die Notwendigkeit, die touristischen Schönheiten unseres Gebietes zu schützen, sehr wohl erkannt. - Mir scheint, daß dies nunmehr unsere vorrangige Aufgabe sein muß, da die überzivilisierte Gesellschaft des ausgehenden 20. Jh. nicht imstande zu sein scheint, das Erbe der Vorfahren zu bewahren. Noch nie hat es so tiefgehende Eingriffe in unsere Landschaft gegeben, wie in den letzten 10 Jahren. Es ist höchste Zeit, daß wir uns dessen bewußt werden, wollen wir nicht Gefahr laufen, Karten und Prospekte für eine Gegend zu drucken, die ihren Reiz verloren hat und keinen Fremden mehr anzieht ... Frage : Sie schreiben also dem Schutz von Denkmälern und Landschaften eine große Bedeutung zu. Welche Gefahren sehen Sie in diesem Bereich? Ein aggressiver und massiver Eingriff in die Landschaft zerstört diese. Man braucht kein Umweltschützer zu sein, keiner "grünen Liste’”” anzugehören, um zu erkennen, welche zerstöreri- | sche Wirkung Feriendörfer und Campingplätze besitzen... Haben Sie schon einen Campingplatz im Winter, ohne den Schutz der Grünpflanzen betrachtet? Der Vergleich mit den ”bidonvilles’’, den Elendsvierteln mit Wellblechhütten von Rio und anderswo, drängt sich auf und jeder Campingplatz ist wie ein Faustschlag ins Gesicht der Natur! Man soilte sich auch fragen, ob die Campingwagen alle weiß sein müssen, ob es nicht andere, diskretere Farben gibt, die diese Schandflecke etwas mildern könnten ... Es muß jedoch gesagt werden, daß die mobilen Campingwagen nur das kleinere Übel sind, wenn man auch, Gott sei’s geklagt, immer mehr zu feststehenden Wohnwagen über- geht. Es bleibt die Möglichkeit eines Platzwechsels im Falle, wo sich dies als notwendig erweisen sollte. Bei Feriendörfern ist diese
51 BB “N GEREGELTEN a 2 2 N Feriendorf ”Country Club Benelux” Neu-Moresnet Le village de vacances ”Country-Club” a Neu-Moresnet Möglichkeit hingegen nicht gegeben, da es sich um Bauten aus Festmaterial handelt. Man sollte sich, was die Lebensdauer dieser Bauten angeht, keine Illusionen machen; in 20 Jahren werden viele dieser Ferienhäuser zu Elendswohnungen geworden EN Frage : Ist es nicht paradox, daß der Präsident eines Vereins, dessen Ziel es unter anderm ist, Fremde in das Gebiet zu lotsen, sich gegen die Einrichtung von Feriendörfern und Campingplät- zen ausspricht, \wo. doch gerade solche Einrichtungen es dem Fremden erlauben, unsere Gegend kennenzulernen? Paradox? Ganz und gar nicht. Wie schon eben erwähnt, ist es nun erstes Gebot des Verkehrsvereins, landschafts- und denkmalschützend tätig zu werden. Wenn eine gewisse Form des Fremdenverkehrs Landschaften und Denkmäler zerstört, dann muß man gegen diese Form des Fremdenverkehrs angehen. Ich habe in der Gemeinde Bleyberg auch das Amt des Schöffen für Tourismus und Raumordnung. Es war mir unmöglich, ein schon begonnenes Projekt eines Feriendorfes in Gemmenich zu stoppen. Es ist mir nur gelungen, den Bauherren zur Auflage zu machen, durch Grüngürtel die landschaftszerstörende Wirkung des Pro- jektes etwas zu mildern. Doch wird es leider 15 Jahre dauern, ehe
82 die Grüngürtel den Schandfleck verdecken werden! Ich habe nicht das Recht, die Entscheidung meiner Vor- gänger, die, das mag gesagt sein, damals wohl nicht genügend über die Probleme, die solche Projekte aufwerfen, nachgedacht haben, zu kritisieren. Der spekultative Charakter dieser Projekte ist jedoch offensichtlich. Ich glaube, daß wir für die Zukunft daraus lernen müssen. Diejenigen Gemeindeväter, die um den Schutz ihrer Ge- meinde bedacht sind, haben leider keinen leichten Stand, wenn sie das schmutzige Zusammenspiel der Bauherren (meist Nieder- länder) mit Architektenbüros durchkreuzen wollen. Die Haltung höchster Dienststellen ist ebenfalls manchmal mehr als verwir- " rend. Im übrigen stellen sich bei uns in Belgien auf dem Gebiet der Stadtplanung und Raumordnung schwerwiegende Probleme, da es keine klare Trennung zwischen einerseits den privaten Architekten und andererseits den Verwaltungsstellen gibt. Ist es etwa normal, daß der Minister einen Architekten mit der Ausarbeitung eines Sektorenplanes beauftragt und daß wenig später derselbe Architekt ein Feriendorf, das er selbst im Sektorenplan vorgesehen hat, baut? So geschehen bei uns und in Stavelot-Malmedy! Eine Gegend gehört an erster Stelle denjenigen, die dort wohnen, den Einheimischen also. Diese sind die ersten Nutznies- ser der vorhandenen Schönheiten. Was aber tun die Bauherren der Feriendörfer? Nachdem sie die Stadtzentren durch .den Bau riesiger unmenschlicher Komplexe unbewohnbar gemacht haben, stürzen sich sich nun auf die Eroberung des flachen Landes, wo sie ebenfalls ihre Ghettos hinsetzen, die keinerlei Verbindung zum umgebenden Milieu bieten. Welche Kontakte bestehen denn zwischen den Bewohnern eines Feriendorfes und den Einheimi- schen? Welchen wirtschaftlichen Nutzen zieht die Gegend aus diesen Dörfern? Abgesehen vom Bäcker gibt es kaum einen Einzelhändler, der etwas von diesem Touristenzustrom verspürt, denn die Fremden werden aus den Niederlanden mit allem versorgt. Einziges Plus : die Einheimischen können die Sportan- lagen des Feriendorfes (Golf, Schwimmen, Tennis) benutzen. Frage : Diese Form des Fremdenverkehrs findet also nicht Ihre Zustimmung. Welche Form würden Sie denn für unser Gebiet empfehlen?
83 Es gibt viele andere für unser Gebiet interessante Formen des Fremdenverkehrs. Reden wir nicht vom Durchgangstourismus, sondern von denjenigen Fremden, die bei uns ihre Ferien verbringen wollen. Ich sehe da drei verschiedene, bei uns leider viel zu wenig praktizierte Möglichkeiten : Zuerst sei der Ausbau der Hotels genannt. Dies ist die kostspie- ligste Form des Tourismus und wegen der bei uns nur kurzen Saison ist sie auch wenig ertragreich. Für den Fremden selbst ist das Hotel, wenn es nicht eine Drei-Sterne-Luxusherberge ist, kaum teurer als der sündhaft teure Campingwagen. Nicht der Kunde darf über das Hotel klagen; nein, der Hotelier hat Schwierigkeiten, weil die tote Saison zu lang ist. Dennoch gibt es Projekte, die Hotel-Infrastruktur auszubauen, und ein solches Projekt könnte im Herzen der Drei-Grenzen-Region Wirklichkeit werden. Eine andere Form der Unterbringungsmöglichkeiten ist die der Privatzimmer, wie sie in der Eifel in großem Stile durchge- führt wird. ”’Zimmer frei’”” lesen wir dort allenthalben. Warum sollten diejenigen Privatleute, die bei uns über freie Räume verfügen, nicht auch Gästezimmer herrichten? Diese Art des Tourismus führt zu einer völligen Integration des Fremden in die Dorfgemeinschaft. Zudem geht der Gewinn in die Tasche des Vermieters, nicht eines ausländischen Spekulanten. Der Touris- mus hat nur dann einen Sinn, wenn der Ertrag den Einheimi- schen zukommt. ”Ferien auf dem Bauernhof” : das ist die dritte und voller unausgeschöpfter Möglichkeiten steckende Form des Fremden- verkehrs. Wie jeder weiß, steht unsere Landwirtschaft im Um- bruch. Viele Bauernhöfe werden aufgegeben aus Mangel an Wirtschaftlichkeit. Anstatt den Hof zu verkaufen, sollten es sich die Eigentümer überlegen, ob es nicht klüger wäre, denselben für die Aufnahme von Sommerfrischlern herzurichten. Diese würden dann ebenfalls in die Ortsbevölkerung integriert. Ferien auf dem Bauernhof kann der Landwirt auch bieten, indem er in der Nähe des Hofes einige Zeltplätze zur Verfügung stellt. Sowohl der Einheimische wie der Fremde werden durch diese Form des Fremdenverkehrs bereichert. Ein Vergleich mit den riesigen ”Bidonvilles”” unserer Campingplätze ist nicht mög- lich.
54 Lassen Sie mich abschließend sagen, daß ein wohlverstan- dener Tourismus ein menschliches Ausmaß behalten muß; einen Tourismus industriellen Ausmaßes muß man auf jeden Fall ablehnen, da er das sicherste Mittel ist, die touristischen Reich- tümer einer Gegend zu zerstören. Den gewählten Vertretern der Gemeinden fällt die Aufgabe zu, bei der Ausarbeitung und Anwendung der Landschaftspla- nung auf diese Dimension des Problems zu achten. Den Grund- besitzern, die meinen, ein Geschäft zu machen, indem sie einer Erschließungsgesellschaft ihren Grund verkaufen, sollte man sagen, daß diejenigen, die bisher zu diesem Zwecke Grund und Boden verkauft haben, sich inzwischen darüber im klaren sind, - daß nur der Bauherr das große Geschäft gemacht hat. In einer Gegend wie der unsrigen muß jedoch nicht nur die Errichtung von Feriendörfern und Campingplätzen im Auge behalten werden. Die gesamte Stadt- und Landschaftsplanung (Urbanismus) verlangt nach einer strengen Kontrolle. Es heißt, jeder Belgier habe den Wunsch nach dem eigenen Häuschen. Das stimmt. Es stimmt aber auch, daß der Belgier die Neigung hat, die Landschaft zu zersiedeln; um sich davon zu überzeugen genügt es, die große Reihe der sich entlang der Straßen wie Bänder hinziehenden Dörfer zu betrachten. Das führt dazu, daß die Dörfer miteinander verschmelzen, eins ins andere übergeht. Ähnliches gibt es nicht in der Niederlanden, wo doch die Bevölkerungsdichte höher liegt als bei uns. Man muß allerdings sagen, daß die schönere Architektur bei uns zu finden ist. Es muß darauf geachtet werden, daß der Landwirtschaft genügend große Nutzflächen zur Verfügung bleiben, denn der landwirtschaftliche Sektor ist der beste Garant für eine touristisch wertvolle Landschaft. Letztendlich müssen wir uns die Frage stellen, ob der Fremdenverkehr in unserem Gebiet wirtschaftliche Bedeutung erlangen kann. Und darauf ist zu antworten, daß er niemals die Haupteinnahmequelle und auch keine der Haupteinnahmequellen sein wird. Er kann jedoch zusätzliches Einkommen sichern. Unsere Gegend verdient es, touristisch erschlossen zu werden, doch darf dies auf keinen Fall über eine Tourismusindustrie geschehen!
SS Im Frühherbst M. Th. Weinert Schau nach den Wolken, die fliehen, sieh nach dem springenden Fisch! Während die Wildenten ziehen, wechselt die Beere zum Tisch. Laß Dir vom Murmelbach schildern schnelle, bewegte Forelle, hinter den wechselnden Bildern öffnet sich Türe und Schwelle. Korn bricht aus bergender Hülle, gelb segelt Laub mit dem Wind... höre die Stimmen der Stille, die hinter den Dingen sind!
56 Zweiter Sippentag der Familie P. Königs-Radermacher am 4. Juni 1977 von Peter Claes Am 30. Mai 1952 fanden sich die Nachkommen der Eheleute Peter Königs-Radermacher - die um die Jahrhundertwende die Rochuskapelle im Göhltal betreuten - zum ersten Mal zusammen. Der damalige Bürgermeister von Kelmis, Peter Kofferschläger, Enkel dieses Ehepaares, hatte dessen Nachfahren zu einem Wiedersehen in der Heimat eingeladen. Dieses Treffen war von großem Erfolg gekrönt. Ein Vierteljahrhundert ist seitdem vergangen. Dieses Datum wollten einige der Ältesten nicht unbemerkt vorübergehen lassen. Sie beschlossen daher, am 4. Juni 1977 ihrer Verwandt- schaft erneut eine Gelegenheit zu bieten, sich wiederzusehen oder sich kennenzulernen. Begeistert wurde diese Anregung von den meisten aufgenommen. Die Zusammenkunft war für halb elf an der Rochuskapelle in Kelmis angesetzt worden. Pünktlich waren die 70 angemelde- ten Teilnehmer aus Kelmis, Montzen, Verviers, Brüssel, Aachen, Stolberg, Würselen und Essen zur Stelle. Unter der fast 400jähri- gen Linde gab’s ein lautes und lebhaftes Begrüßen und Vorstel- len, denn viele Jüngere und Angeheiratete hatten sich noch nie gesehen. Darauf feierte Pfarrer Voncken aus Kelmis in der Kapelle, die zwar nicht alle Teilnehmer fassen konnte, eine heilige Messe für die Lebenden und Verstorbenen unserer Großfamilie. Er gratulierte den Anwesenden zu dieser glücklichen Initiative zur Erhaltung des Familiensinns und Pflege des Ahnenkults. Die liturgischen Lesungen, Gebete und Antworten wechselten ab in Deutsch und Französisch. Am Ende des Gottesdienstes wurde dem Pfarrer aus Dank- barkeit die kurzgefaßte Geschichte der Rochuskapelle überreicht. Es handelte sich um einen kalligraphierten Text, der im Inneren des Bethauses als Erinnerung an den Sippentag 1977 aufgehängt wurde. Nach der religiösen Feier wurde fleißig geknipst und gefilmt. Kapelle und Linde boten einen einzigartigen Hintergrund für die
57 Geschichtlicher Überblick Diese Kapelle ist dem heiligen Rochus geweiht, der als Schußheiliger gegen die Pest verehrt wurde. Die erste Erwähnung der Kapelle stammt aus dem Fahre 1646.Da5s Glöcklein im z3ierlichen Dachreiter trägt folgende Inschrift: "1651 + 5. Maria ora pro nobis”, Die Rochuskapelle stand ursprünglich inmitten des Weilers Kelmis, der am 28.5September 1650 zur Herrschaft Kelmis’erhoben wurde, und kirchlich zu drei Pfarreien gehörte : Mongzen, Moresnet und Walhorn. Das Kirchlein ist auf MonBener Pfarrgebiet errichtet worden. Am 20. Mai 1662 vewillgte König Philipp einen Antrag der Ortsbe- hörde zur Genehmigung des Verkaufs von Gemeindegrund, dessen €rtös zur Anstellung eines Kaplans dienen sollte. Dieser war beauf- tragt, täglich eine Messe für die Bergarbeiter in der Kapelle oder auf dem Bergwerksgeldnde 3zu lesen. Während der zweiten Hälfte des 17. Fahrhunderts litt das Gebad- de arg unter den Verwüstungen der französischen Soldateska. Doch wurde es auf Anregung des Montzener Pfarrers Johann Birven mit Unierstüßung der Einwohnerschaft instandgesegt. Der jeBige Barock- bau wird wohl aus dieser Zeit stammen. S Aufgrund des Aachener Grenzvertrags vom 26. Juni 1816 wurde die "Mairie de Moresnet”, die unter der frangösischen Herrschaft aus Moresnet und Kelmis gebitdet worden war, in drei geteilt. Infolge die- ser Teilung wurde die neuentstandene Gemeinde Preußisch Moresnet der Pfarre Hergenrath einverleibt. Diese Zugehörigkeit endete 1946 als Neu Moresnet der Pfarre Kelmis angegliedert wurde. Bei Umbauten im Jahre 1967 um der konzilgemäßen Liturgie gereck Zu werden, wurde ein 30 cm dicker Altarstein von 74 x 84 cm freigelegt, der noch der gotischen Bauzeit anzugehören scheint. Er {st vor der süd- lichen Wand im Altarraum eingeseBt worden. Infeige der am 1.Januar 1977 bewirkten Gemeindefusion steht” die Rochuskapelle jetzt wieder auf Kelmiser Gebiet, auf welchem sie ursprünglich erbaut wurde. Anfang dieses Jahres ist der Innenraum unter Leitung des Aachener Dombaumeisters Dr. C. Hugot renoviert worden. Kelmis, den 4. Funi 1977 Zur Erinnerung an den Sippentag wurde diese Zeittafel in der Rochuskapelle aufgehängt.
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60 Erinnerungsbilder. Die Enkelkinder liessen sich vor dem in der Nähe der Kapelle noch stehenden Wohnhause der Stammeltern aufnehmen. Nun begaben sich alle zum Park-Caf@, der geeignetsten Gaststätte in Kelmis für unsere Tagung. Hatten doch dazumal hier die Direktoren der ”Vieille Montagne” gewohnt, in dessen Dienst viele unserer Ahnen gestanden hatten. Für die Kinder war es auch sehr angenehm, sich von Zeit zu Zeit im schönen Park mit seinen Spielplätzen austoben zu können. Außerdem stand uns hier im ersten Stockwerk ein Raum zur Einrichtung einer kleinen familiengeschichtlichen Ausstellung zur Verfügung. Nach einer kurzen Begrüßung der erschienenen Verwandten - erläuterte Peter Claes die interessantesten Stücke der Schau. Bemerkenswert waren der eigens für das Treffen ausgeführte Stammbaum und die Ahnentafel, die 71 Voreltern und 93 Nachkommen aufwiesen. Vorhandene Lücken und Unstimmig- keiten sind übrigens im Laufe des Tages ausgefüllt und berichtigt worden. Ferner waren ein Bildbericht vom Sippentag 1952, alte Urkunden, Dokumente,. Haushaltsgegenstände sowie Porträts und Familienbilder von Anno dazumal ausgestellt, die bei den meisten Anklang fanden. Eine Bildreportage über die Rochuska- pelle zeigte Photos und Zeichnungen dieses ersten Gotteshauses der ”Herrschaft Kelmis’” (1650). Landkarten und Bilder aus alter Zeit sowie eine Luftaufnahme des heutigen Kelmis rundeten das Ganze ab. Nach dieser Familiengeschichtsstunde wurde zu Tisch gela- den. Während des ausgezeichneten Mittagsmahles wurden die Stammesältesten, Peter Brixhe und seine, Gemahlin, geehrt. Es traf sich dabei gerade, daß es ihrer Enkelin Nicole als jüngstes Glied der Großfamilie zufiel, ihnen einen Blumenstrauß zu überreichen. Als das Dessert serviert wurde, meldete sich die Presse. Voll guter Laune folgten indes alle der Aufforderung zur Aufnahme der Gesamtgruppe, die den Bericht im ”’Grenz-Echo” illustrieren sollte. Um sich nun etwas zu entspannen, besuchten die meisten Teilnehmer das Kelmiser Sportzentrum, wo sie dem Kegelsport huldigten. Andere spazierten währenddessen zum Friedhof und
61 schmückten die Gräber der verstorbenen Angehörigen. Mittlerweile hatten sich alle Gäste wieder im Park-Cafe eingefunden, wo Festtagskuchen und Kaffe bereitstanden. An diesen gemütlichen Kaffeeschmaus schloß sich dann ein geselli- ger Abend an. Dem Kelmiser Musiker und Stimmungsmacher Steinbach gelang es, gleich zu Beginn die Versammlung in die rechte Atmosphäre zu versetzen. Wie von einem Funken gezün- det, nahm die Unterhaltung einen spritzigen Verlauf. Musik, Gesang, Humor, Schunkeln wechselten sich fast pausenlos ab. Hierbei zeichneten sich die Essener besonders aus. Unterdessen war die Stimmung so heiter und gesellig, daß sie ihren Busfahrer veranlaßten, die Heimreise eine Stunde später als vereinbart anzutreten. Doch dem Ende war nicht zu entrinnen, auch dieses Fest klang aus. Aber Gott sei Dank kehrten alle frohgesinnt und sehr zufrieden heim in der Hoffnung, daß das nächste Familientreffen sich nicht wieder 25 Jahre hinauszögern wird.
63 Wee däch de Sonn n&it wiest ömesöjß, wee op de Jagd jeht met en Knaböjß, wee noch no Oche jeht ze Fouß en n&t mieh pieft uus luuter Bouß, dee maht n&itt vööl Behei, märr &ß e b&Eßje neuj. Wee mengt, dat Wien wie@r aojesonk, sie Leeve lank märr Wajßer dronk, de höllt et hongded Joor vlötz uus, löett an sing Ereve Jronk en Huus, au Klejer, Möubele, Jeld wi Höj, de woor e b&ßje neuj.
64 .. .. .. ... Et reckt s£&ch beijßer op e Päed Dr Juwann hau schönn vett en ronk e Väreke, knapp dr&jhongded Ponk, D- en weil dee Küsch mu€ß Uusloof haan, CAS BD Ve doung höösch de Staaldöör op dr Jaan. x 2 Da ku&ß et wöuhie &-jene Hauf ® (A a en fröötele en Stond of ongderhauf. DR F S 8 Dat Väreke souch di offe Döör £ ß Di W . en möt e-ne jru&ße Spronk no vöör MS 7 zZ flott no dee Värekenstall eruus, PL wow & Jalopp et öm je Huus et öschte e paar Rongde driehne x en sproung dr Jaan bau op-en Ziehne. ) V N ; Dee hau jeweldeg söch verschreckt } en wiegr noch jann op Sij jejräckt; Da: - f dat flupde n&ht, e woor jett kleng, e / 1 = et Väreke sproung em töusche jen Beng di en droug em met op singe Röck, Z3 e houl söch a-ne Stätz zum Jlöck. - ZE A Y/y k, + En dörech dat Wecksche ongder Bööm, € PS en eng Kaljäer, verkieht eröm, no räehts, no lenks, jraduus, em Kreis, Jesecht en Krüng zerkratzt va Näjß. Jao, op e-sö Väreke sött me schläeht, et röckt söch beijßer op e Päed. E schnappt söch an dr d&&pste Najß ES 8 en hällt sch met zwei Hengd dra vajß, ( U PS e boumelt töusche Hömmel en Äed, VY CP A sött n&&t mich op dat aadesch Päed. ÜR Beil Äs Abschluß van die lejste Strooph AZ spaz&@t jrad langs e-ne Philosoph, ZZ de laacht &n söch : ”Das kommt davon, 7 > hier hängt ein zweiter Absalon”’.
66 ° Deutsche und belgisch- .. ° französische Typen gußeiserner Grabkreuze von Jaak Nijssen * Mit dem beginnenden 19. Jahrhundert verlieren die herkömm- lichen steinernen Grabkreuze auf unseren Friedhöfen ihre Vorherrschaft (5). Neue Formen der Grabdenkmäler tauchen auf. Sie sind im Stil klassizistisch und werden monumentaler. Mit der Zeit greift der Individualismus um sich. Das sich ausdehnende Transportnetz und der Wegfall der Zollschranken erleichtern die ” Anlieferung von Stein und Roheisen aus entfernteren Gegenden und ermöglichen die Verbreitung der Fertigprodukte auf das ganze Land. In Wallonien und später auch in Flandern entstehen viele Eisengießereien. Das gußeiserne Grabkreuz hält seinen Einzug. Die Formen gußeiserner Kreuze sind chronologisch und geographisch bedingt. Ihre Studie wird dadurch erschwert, daß sogar Kreuze mit datierter Inschrifttafel ihrem Entstehungsdatum nach nicht sicher einzureihen sind, da Wiederverwendungen nicht selten waren. Ein paar Kreuze die offensichtlich älter sind, finden sich heute z.B. noch in Gemmenich (Abb. 1) und in Hergenrath (Abb. 2) (4). In Deutschland sei auf die älteren Kreuze von Pattern (Kreis Düren) hingewiesen. Unter den späteren gußeisernen Kreuzen sind diejenigen ’ deutschen Ursprungs schon auf den ersten Blick von denen belgisch-französischer Herkunft zu unterscheiden. Die deutschen Kreuze sind meistens kleiner und der Form nach kompakter, die belgisch-französischen filigranartig ausgearbeitet. Erst wenn man versucht, die deutschen Kreuze in einer für belgische Erzeugnisse gedachten Klassifizierung unterzubringen, merkt man, wie grundsätzlich die Unterschiede sind. In Ost-Belgien trifft man die beiden genannten Gruppen nebeneinander an. * Anschrift fes Verfassers : Veurzerveld 28 A, B - 3790 Sint-Martensvoeren (Belgien)
68 Das Kreuz aus Moresnet (Abb. 3) ist ein NESTOR— MARTIN-Typ Nr. 1712. Es ist also belgisch. Das von Dill (1) als Typ IV/1 beschriebene ”sehr schönes, sehr häufig vorkommendes 2 V A DU a 202 NS ] nV, 8 A u 2 a a 0 2 mıra, aA 2 N | A ME $ 7 EB YES a E, WE En KK MA 44 3 2 a 7) ac AN | ar a A ® | | A n EO Wi PN nn A ) KENT Aa er Abb. 3 Moresnet, H: 1587; Br : 825 Typ wie im Nestor-Martin-Katalog, Nr 1712, wo es mit Abmessungen 1590X830 erscheint. Unsere Numerierung : 1010.M 1.712. Für unser Klassifizierungssystem Siehe (2,3). Kruzifix mit Altarunterbau””’ 1äßt sich in Montzen (Abb. 4) sowie in Machtlfing (Bayern, s. weiter) finden. Im letztgenannten altbelgischen (*) Ort steht es neben einem Kreuztyp (Abb. 5), dem man auch in Fumay und Haybes in den französichen Ardennen sowie überall in Belgien und in Niederländisch Limburg begegnet. Kreuze in Moresnet (Abb. 6) und Welkenraedt (Abb. * Gemmenich, Moresnet, Montzen u. Welkenraedt waren vor 1918 Grenzdörfer.
70 Se On 2 N ) dd A 2 ) 2 } 0 CO a ZU UM KA Ran kuf m WEM A A Ss ) ARE he ae 8458 ‚aD AT | ae HN A a9 | a 2 a 1 U HAN x HEN nn m Abb. 5 Montzen. Diesen Typ numerieren wir 1010.42.000 H : 1718; Br : 792 gerade auf diesem Gebiet Untersuchungen angesetzt sind, gehe ich auf die genannten Friedhöfe nicht weiter ein. Ein wichtiger Unterschied zwischen Friedhöfen in Deutsch- land und Belgien ist, daß gußeiserne Grabkreuze in Belgien sehr häufig, in Deutschland dagegen seltener vorkommen. Das ist der Fall sowohl im Rheinland, als auch in Oberbayern : zwischen Starnbergersee und Ammersee fand ich auf mehreren Friedhöfen als einziges Exemplar das Kreuz von Machtlfing. In der Süd- Pfalz und in Nord-Lothringen sowie auch im Hunsrück scheinen . gußeiserne Grabkreuze selten zu sein. Hat man in Deutschland auf den Friedhöfen mehr aufgeräumt, oder hat es da nie soviele gußeiserne Kreuze gegeben?
X URN TAT 5 8. 00H 72 2 A BO Ba N a 5 A UN BE A SSH VE a0 UN BE VE BE a 5 Ye 1 We cl Ban iM 5 8 a a a 3] P ee 2 | - vv» Abb. 6 Moresnet. H : 1466; Br : 448. Typ Dill I1/2 ebenda mit Höhe 1450 Noch ein Wort zur Wertung dieser Grabkreuze aus Eisenguß (8). Sie sind handwerklich-industrieller Fertigung, stehen also ihrer Erzeugung nach zwischen Volkskunde und Industrie- Archäologie. Zur örtlichen Volkskunde gehören sie ihrer Form nach kaum. Ihre Gestaltung beruht auf überregionalen Ideen, ihre Symbolik, am ”’grünen Tisch’” ausgedacht, ist, wie auch auf Totenbildchen (6) manchmal widersprüchlich : Christliche Hoff- nung steht oft neben humanistischer Trauer und Verzweiflung. Aus dokumentarischen Gründen wäre es wünschenswert, möglichst viele der gußeisernen Grabkreuze der Nachwelt zu erhalten. Dabei hat die Tatsache, daß in unserer Gegend Formen zweier großer Erzeugungsgebiete nebeneinander vorkommen, einen besonderen Reiz.
WE Notizen zur Schulgeschichte von Eynatten und Hauset von Alfred Bertha Durch einen Schenkungsakt vom 26. April 1715 überließ die in Aachen wohnende, aber aus Eynatten stammende Maria Catharina Hannot der Gemeinde Eynatten zwei Häuser mit daran anliegenden Gärten und Hauswiesen, beide zwischen ”’zwei engen Straßen oder Gassen’’ gelegen. Das erste wurde ”’Mert”’ (d.h. Markt) oder ”’Willem Crommen Haus und Hof” genannt, das zweite ”Müschen Hermens Haus und Hof”. Beide zusammen hatten eine Grundfläche von ungefähr 7/4 Morgen. Wwe Hannot überließ Eynatten diesen Grund ”für eine passende Schule mit Behausung und Hof und Garten für einen Lehrer”. Sie knüpfte daran folgende Bedingung : 1. Der ”’Schulmeister’”” soll gehalten sein dort zu wohnen und selbst ”’Schule zu halten’ sowie die Kinder in Lesen, Schreiben und in "christlicher Lehre und Sitten”” zu unterrichten. 2. Er muß zur Winter- und Sommerzeit Schule halten, wenn auch nur einige Kinder die Schule besuchen wollen. 3. Wenn es der Wunsch eines Kindes sein sollte, Latein zu lernen, so soll der Lehrer dasselbe in die Grundlage der lateini- schen Sprache einführen, und zwar mindestens soweit, daß das Kind fähig ist, in Aachen oder anderswo in die erste Schule, die infima grammatica genannt wird, aufgenommen zu werden. Da der Kaplan oder Frühmeßner von Eynatten und Hauset durch Stiftung der Kaplanei gehalten war, auch den Schuldienst zu versehen, will Wwe Hannot demselben die Nutznießung der vorgenannten Güter lassen, dieselben aber nicht als Eigentum der Kaplanei verstanden wissen. Wenn der Kaplan nicht fähig oder nicht gewillt sein sollte, die Schule zu halten oder wenn er in diesem Amt ”’säumig””’ sein sollte, hat die Gemeinde das Recht,
74 ihn aus dem Schulhaus zu verweisen. Der Kaplan verliert dann jedes Recht auf die Nutznießung der genannten Güter, die dann einem anderen, durch Eynatten und Hauset zu bestimmenden Lehrer zukommen. Der Schulkaplan ist auch gehalten, als Gegenleistung alljähr- lich eine Seelenmesse für den verstorbenen Ehemann der Frau Hannot sowie der Freunde von beiden zu zelebrieren. Während der Messe sollen die Eheleute Hannot in das Gebet der Schul- kinder und der anderen anwesenden Gläubigen eingeschlossen werden. Im Falle, wo ein anderer als der Kaplan die Schullehrer- stelle innehat, soll die Gemeinde die besagte Seelenmesse durch den Pfarrer zelebrieren lassen. } Das Haus ”’Wilhelm des Krummen’”’ bleibt belastet mit zwei Kapaunen, die zu zwei Schillinge jeder gerechnet und dem König bezahlt werden, sowie mit einem halben Faß Hafer, das mit fünf Stüber abgegolten und dem Pfarrer geschuldet wird. Aus diesem Dokument geht hervor, daß die Einführung eines mehr oder weniger regelmäßigen Schulunterrichts auf die Errich- tung der Kaplanstelle in Eynatten zurückgeht. Nach der Franzosenzeit gab es kaum noch Schulkapläne. Der Schulunterricht wurde von Laienlehrern gegeben. Manche dieser Lehrer besaßen keinerlei theoretische Vorbildung und neben den offiziellen Gemeindeschulen hielten sich noch lange Zeit vom Staat nicht unterstützte, aber geduldete Privatschulen. So z.B. in Hauset, wo der Bürgermeister 1820 ”’wegen mehrerer vespürter Fahrlässigkeit in dem Schulbestande von Eynatten” einen gewissen Franz Raimund Hendrigs zum Lehrer ernannte, der nun eine Privatschule unterhielt. Der Bürgermeister von —__ Hergenrath und Hauset schreibt 1820 in einem Monatsbericht an den Landrat, Hendrigs sei von der Regierung ”’als einen in dem methodologischen Lehrkursus erfahrener Mann erkannt”. Er gebe ”ebenmäßig’” in der deutschen Sprache, mit welcher der- selbe gut vertraut sei, so wie in der Arithmetica Unterricht. Die Schule in Hauset werde von 11 Mädchen und 15 Jungen besucht. Lehrer Hendrigs war 1827 noch im Amt und die Hauseter Privatschule weiterhin geduldet. Allerdings erhielt der Lehrer keine Besoldung, sondern mußte sich mit dem von den Schülern erhobenen Schulgeld zufrieden geben. Vielen Hauseter Kindern blieb damit der weite Weg nach
75 Eynatten erspart. Im selben Jahre 1827 schloß die Gemeinde Eynatten einen Anstellungsvertrag mit einem neu einzustellenden Lehrer ab. Im folgenden der Wortlaut dieses ”’Berufsbrief” genannten Vertrages, der die damalige schulische Situation in Eynatten erhellt. ok ok Berufsbrief für den Herren Joseph Derikat als Lehrer an der katholischen Elementar-Schule zu Eynatten, Kreis Eupen. Wir geben hiermit zu erkennen, daß wir den Herren Joseph Derikat aus Aachen, früher Lehrer in der Fabrik-Schule des Herren Schervier zu Aachen, zum Lehrer an der hiesigen Elementarschule erwählt haben. I. Die Pflichten deren Erfüllung wir von demselben 1/ als Lehrer erwarten sind folgende : a) Er hat täglich 3 Stunden vormittags (im Sommer von 8 Uhr bis 11, im Winter von 9 Uhr bis halb 12) und 3 Stunden nachmittags (von 1 Uhr bis 4 Uhr) öffentlichen Unterricht zu erteilen, doch mit Ausnahme der Mittwochs- und Samstags-Nachmittage. b) Die Gegenstände des Unterrichts sind : Lesen, Schreiben, Kopf- und Tafelrechnen, Gesang, das wesentlichste der Geogra- phie und Geschichte (besonders vaterländische), Naturbeschrei- bung und Religion. Halbjährig wird von demselben ein Lections- plan entworfen und dem Schulvorstande zur Genehmigung vorge- legt. c) Wir erwarten dabei, daß der Lehrer es sich werde angelegen seyn lassen, seine Schüler nicht nur zu verständigen und geschei- ten, sondern auch zu rechtschaffenen und frommen Menschen zu bilden und sie zur treuen Anhänglichkeit an den Landesherrn und den Staat und zum Gehorsam gegen dessen Gesetze und Anordnungen anzuleiten, wobei besonders auch das eigene gute Beispiel vorausgesetzt wird. d) An vier Wochentagen, nämlich Montags, Donnerstags und Freitags hat derselbe Abends von 5 bis 7 Uhr noch überdies für diejenigen, welche es wünschen, Unterricht im Französischen zu erteilen.
76 e) In Betreff der Schulferien ist der Vorschrift im Amtsblatt der Königl. Hochl. Regierung zu Aachen vom Jahre 1823 N° 12, S. 98 (Bekanntmachung N° 61) Folge zu leisten. 2/ In jeder amtlichen Beziehung ist überhaupt den Vorschriften Folge zu leisten, welche darüber von Seiten der betreffenden höheren Behörde erlassen werden. Dagegen werden dem Erwählten für die Übernahme vorge- nannter Pflichten II. folgende Vorteile zugesichert : 1/ Ein freies Schulzimmer für dessen Reparaturen der Schulvor- stand sorgt; die Kosten zur Möblierung dieses Schulzimmers und eines jährlichen einmaligen Weißens desselben werden gleichfalls - von dem Schulvorstande besorgt und durch die resp. Gemeinde- kasse aus dem dafür im Gemeinde-Budget bewilligten Fonds bezahlt. 2/ An jährlichem Gehalt erhält der Lehrer 150 Thaler, geschrie- ben hundert fünfzig Thaler Pr.ct. In Erwägung aber, daß der hiesige Schulbezirk aus der Pfarre Eynatten und aus dem Dorf Hauseth, hier ebenfalls zur Pfarre gehörig, Bürgermeisterei Hergenraed, besteht, so soll, wenn eine Königl. Hochl. Regierung dieses zu genehmigen geruhet, die Gemeindekasse von Eynatten nach Verhältnis ihrer jetzigen schulpflichtigen Kinder davon 100 Thaler, und die Gemeindekasse Hergenraed für ihr Dorf Hauset nach Verhältnis dessen 55 schulpflichtige Kinder davon SO Taler übernehmen; im Falle aber das die Gemeinde Hergenraed diese erwähnte 50 Thlr für ihr Dorf Hauset nicht zu zahlen gesonnen sey, so mag für Hauset eine eigene Erhebungsliste auf dessen schulpflichtige Kinder für diese 50 Thlr. angefertigt werden und daß dann für die Armen daselbst die Gemeindekasse von Hergenraed in Anspruch genommen wird. 3/ Was das der Schule zu Eynatten zugehörige Grundstück, der Markt genannt, ebenfalls zu Eynatten gelegen, betrifft, so soll der davon zu erhebende Pacht von 6 Thlr und die später noch zu erhebenden Zinsen, von den noch zu erhebenden Geldern, von dem erwähnten Grundstück Markt durch die Anlage der neuen Landstraße weggenommenen Gründen und Obstbäume, in die resp. Gemeindekasse, nämlich 2/3 für Eynatten und 1/3 für Hauset fliessen, welches alsdann mit zum Gehalt des Lehrers solle verwendet werden.
77 4/ Im Falle die Königl. Hochl. Regierung nicht genehmigt, daß die resp. Gemeindekassen für das Gehalt des Lehrers nicht sollte in Anspruch genommen werden, so soll das ganze Schulgeld von jedem Schüler der Elementarschule monatlich 3 Silbergroschen betragen; für Feuerung im Winter zahlt jedes für jedes der beiden Winterquartale den Betrag des monatlichen Schulgeldes, welcher Betrag auch ohnehin durch die Schüler müßte entrichtet werden, wenn auch die resp. Gemeindekassen das Gehalt des Lehrers über- nehmen. Doch behält sich der Schulvorstand vor, die Schüler nach den Vermögens Umständen zu klassifizieren und diejenigen zu bestimmen, welche nur die Hälfte oder ein Drittel des Schul- und Feuerungsgeldes zu zahlen haben und für diejenigen, welche auch dieses nicht zahlen können, übernimmt die allgemeine Armen- kasse die Zahlung. 5/ Für die Abendschule zahlt jeder Schüler 10 Silbergroschen monatlich und für Feuerung und Licht für jedes Winterquartal den Betrag des halben monatlichen Schulgeldes. Das Schulgeld nebst dem für Feuer und Licht soll auf dem Grund der vom Schullehrer angefertigten und vom Schulvorstand revidierten Liste vierteljährig von dem Gemeinde-Empfänger erhoben und nach Abzug von 2 Prozent Hebegebühren dem Lehrer ausgezahlt werden. Dabei kann der Berufene in Voraussetzung seiner Pflichterfüllung sich unserer Liebe und Achtung sowie derjenigen Unterstützung versichert halten, welche zur Aufrechterhaltung seiner Ansehung und zur Beförderung seiner Wirksamkeit erforderlich ist. Nachdem dieser Beruf die definitive Bestätigung der Königl. Hochl. Regierung erhalten haben und dadurch in Kraft getreten sein wird, bleibt derselbe für uns bindend und er kann nicht anders als durch eine verfassungsmäßige höhere Entscheidung oder Versetzung oder Entsetzung des Lehrers aufgehoben werden. Dem Lehrer steht es frei, einen anderen Beruf anzunehmen, indessen darf er nur im Vierteljahr nach vorher geschehener Aufkündigung seine Stelle verlassen. Nachdem derselbe sich durch seine Unterschrift für die Annahme des Berufs’erklärt hat, soll die Bestätigung bei der Königl. Hochl. Regierung zu Aachen nachgesucht werden. Eynatten, den 16. julius 1827. Der Gemeinderath, gez. H. Stickelmann, Wilh. Scheif, Joh. Rotheut, And. Jos. Vequeray, Nicol. Leon. Schmetz, Egid. Jos. Goebels.
78 Der Schulvorstand, gez. Joh. Caspar Schyns, Pfarrer, N. Jos. Pelzer, von Agris. Für die Annahme vorstehenden Berufs unter- zeichnet Eynatten den 16. julius 1827, gez. Jos. Derikat. oo oO Ro RR Lehrer Derikat blieb bis 1829 in Eynatten. Ihm folgte Philipp Jacob Jonas. Dieser gab nach Kündigung durch die Gemeinde seine Stelle im Jahre 1835 auf. Darauf organisierte der Schulvor- stand eine Prüfung, der sich drei Bewerber um die Lehrerstelle in Eynatten unterzogen. Schriftlich mußten sie auf folgende Fragen antworten : 1/ Was ist und soll der Elementarlehrer a) in Beziehung auf die ihm anvertraute Schuljugend? b) in Beziehung zu seinen unmittelbaren Vorgesetzten? c) in Beziehung auf Gemeinde, König und Vaterland? 2/ Wozu können und müssen die Kinder in der Schule angeführt werden und was muß darin nicht geduldet werden, damit eine gute Zucht in der Schule sey? 3/ Wie kann und muß der Lehrer seine Schüler dazu anführen, daß sie beobachten, was eine gute Schulzucht erfordert? Die Antworten des Kandidaten Albert Branchart aus Broich- weiden entsprachen wohl am meisten den Erwartungen des Schulvorstandes, denn sie stellten ihn als neuen Lehrer ein. Die Regierung allerdings befand, daß der Schulvorstand durch die Abhaltung dieser Prüfung seine Kompetenzen überschritten habe. Dennoch blieb Lehrer Branchart in Eynatten, wo er bis zum Jahre 1839 als einzige Unterrichtskraft den Schuldienst versah und nach Aussagen zeitgenössischer Quellen trotz einer Schülerzahl von 120-140 gute Arbeit leistete. Quellen : Staatsarchiv Lüttich, Akten d. Kreises Eupen, 121. Siehe auch ”’Im Göhltal.. Nr. 22; 8:58:
79 ° ° Ein Zwischenfall mit spanischen Soldaten in Lontzen i.J. 1650 von Walter Meven Die bewegten Zeiten des eben beendeten Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) waren immer noch nicht vorbei. Überall im Herzogtum Limburg unterhielten die Spanier Garnisonen, um jederzeit bei wiederaufflammenden Unruhen eingreifen zu können. Auch in Lontzen lagen spanische Soldaten. Die Bevölkerung, der langen Kriege und der vielen Abgaben überdrüssig, war in gereizter Stimmung. Immer häufiger kam es zu Ausschreitungen der ”’Schutztruppen’’. Diebstähle und ähn- liches waren an der Tagesordnung. Aus Kettenis meldete man, daß einem Bauern ein Schwein gestohlen wurde und einem anderen seine Bienen. Es kam häufig zu Streitereien zwischen der Bevölkerung und den Garnisonssoldaten. Freundlich war man den Spaniern, die ein hartes Regiment führten, nicht gesonnen. Doch holen wir etwas weiter aus, um die geschichtlichen Zusammenhänge besser zu verstehen. Seit der Reformation, die auch in den Niederlanden ihre Anhänger gefunden hatte, schwelte es. Schon Karl V. wollte die weitere Ausbreitung der ”’neuen Lehre” mit grausamer Härte unterbinden. Viele Anhänger der Reformation wurden hingerich- tet. Das Instrument dieser Bekämpfung wurde die ”Inquisition”” (Ketzergericht), die jeden Ketzer zum Tode auf dem Scheiterhau- fen verurteilte. König Philipp II. ein Sohn Karls V., betrachtete das katholische Spanien als ein Bollwerk der Rechtgläubigen gegen die Ketzerei. Schon bald nach seinem Regierungsantritt war es zu Unruhen gekommen, die 1566 als ”große Volksbe- wegung” durch den sogenannten Bildersturm in den reformier- ten Städten alle bildlichen Darstellungen aus den Kirchen ent- fernte und vernichtete. König Philipp versuchte, durch die Unterstützung der katho- lischen Sache die Zentralisation der Macht zu vollenden.
80 42 Jahre kämpften die Niederländer um ihre Freiheit. Die Aufständischen wurden Geusen (gueux) - Bettler - genannt. Doch diese Beschimpfung betrachteten sie für sich als einen Ehrentitel. Auch in unserer Gegend, am Bildchen, erinnert noch heute ein nach ihnen benannter Weg, (Geusenweg), den sie als ”Schleichweg”” nach Vaals benutzten, an den damaligen Streit zwischen Katholiken und Reformierten. . 1579 schließen die katholisch gebliebenen Südprovinzen - also das heutige Belgien - Frieden mit den Spaniern. Ihre ständischen Rechte wurden ihnen dabei bestätigt. Die Nordpro- vinzen sagten sich 1581 von Spanien los und wollten ihre Unabhängigkeit. Als versöhnende Geste schenkte Philipp II. die Niederlande seiner Tochter Isabella; die Schenkung wurde aber erst nach Isabellas Heirat mit dem Öösterreischischen Erzherzog Albert rechtskräftig. Statt der Versöhnung jedoch wollten auch sie die Rückeroberung der von den Nordprovinzen bes tzten Lüund- striche. 1604 besetzten sie Ostende und die angrenzenden Ge- biete. Mit dem 1609 geschlossenen Waffenstillstand erreichten die Nordprovinzen mit der Unterstützung Englands und Frankreichs ihre Unabhängigkeit. Nach einer kurzen Zeit des Friedens weitete sich ein inner- deutscher Konflikt zwischen den Protestanten und den Katholiken zum offenen Krieg aus. Von 1618 bis 1648 währte der Kampf, der nicht an den Grenzen des Reiches halt machte. Die Spanier versuchten, ihre Herrschaft über die Nordprovinzen wiederzuer- langen. Es gelang ihnen nicht. Die Nordprovinzen eroberten sogar 1632 das Herzogtum Limburg. Obwohl die Spanier im Jahre 1635 die Macht wieder in der Hand haben, müssen sie beim Frieden von 1648 bestimmte Teile der Nordprovinzen und den Raum Maastricht abtreten. Damit erkannten sie zwangsläufig die Unabhängigkeit der ”Vereinigten Niederlande’”” an. Unsere Hei- mat verblieb bei Spanien. Nach dem Tode Isabellas, im Jahre 1633, setzten die Spanier Statthalter ein, oft unfähige Männer, die die Regierungsgeschäfte erledigten. Viele Freiheiten wurden den Bürgern genommen, so daß sich in weiten Kreisen eine steigende Unzufriedenheit bemer- bar machte.
81 Vielleicht war sie es auch, die im Fall des Claes Schuyl in Lontzen zu Auseinandersetzungen mit den Soldaten führte . . . Die wahre Ursache kennen wir nicht - darüber schweigen unsere Akten. Der Hof des genannten Claes Schuyl war schon häufig in den letzten Jahren mit Einquartierungen belegt worden. Hohe Ab- gaben, Naturalleistungen zum Unterhalt der Garnison und Spanndienste waren an der Tagesordnung; und die spanischen Soldaten nahmen, was sie brauchten, nicht nur in Feindesland. Vermutlich hat Claes Schuyl ihnen wehren wollen. Das führte zu einem Streit und einer der Spanier machte von seiner Schußwaffe Gebrauch. Claes Schuyl brach tot zusammen. Die Bewohner des Dorfes fanden sich nach und nach am Ort des Geschehens ein - zum Teil sogar bewaffnet. Jeder Ort hatte so eine Art Heimwehr, die, wenn dem Dorfe und seinen Einwohnern Gefahr drohte, eingreifen mußte. Hier liegen die Ursprünge unserer Schützenbrudergesellschaften. Sie hatten echte Verteidigungsaufgaben zu erfüllen und wurden durch den Schützenmeister gedrillt, wie wir aus einem Rechnungsbuch des Hauseter Quartiers für das Jahr 1668 wissen. Neben Wachdiens- ten mußten sie die ’”’Bronk’’ (Prozession) begleiten und sogar einen Delinquenten zum Richtplatz führen. Es heißt da in einem Aktenstück des Jahres 1670... . ”die Maria Barth wurde von den Schützen zum Johberg geleitet und ist dort vom Aachener Scharfrichter ausgegeißelt worden. Die Schützen wurden mit Käse und Bier entlohnt.” Unser ”Gewährsstück’”” ist ein Protokoll des Notars Peter Loop, der in Heinrichskapelle residierte. In erster Linie geht es darum, daß noch nach dem ausdrücklichen Verbot des Meyers Lambert Hübsch geschossen wurde. Claes Momboir, Karis Sohn von Lontzen Busch, durch den Tod des Claes Schuyl außer sich, hatte einen Schuß in Richtung der Unterkunft der spanischen Soldaten abgegeben, wobei Kaerst Heut und die Hausfrau von Peter Lauterman verletzt worden waren. Der Meyer stellte den Corporal der Soldaten zur Rede und befahl ihm, die schuldigen Soldaten auf die Lontzener Halle zu bringen, damit man sie dort gefangen setze. Die aufgebrachte Menge wollte ebenfalls die Schuldigen ausgeliefert haben und drohten widrigenfalls mit Niederbrennen des Hauses. 5
82 Um welchen Hof es sich gehandelt hat, wissen wir heute leider nicht mehr. Ein altes Rentregister des 17. Jh., weist mehrere Schuyl auf : Thonis Schuyl tzo Busch 1613 Hosteren (Heisteren) Meiß Schuyl op den Weg nach Welkenrath Claes Schuyl Bongartzgen Claes Schuyl einen Hof in der Scherpstraße 1641 Aus dem Umstand, daß die zu dem Vorfall vernommenen Zeugen zum großen Teil aus Lontzen-Busch kommen und die Vernehmung selber in Lontzen-Busch im Hause des Heyn Fred- derigs stattfindet, könnte man jedoch schließen, daß der Hof des Claes Schuyl ebenfalls in jenem Ortsteil lag. . Wir bringen nun das Vernehmungsprotokoll des Notars Peter Loop im Originaltext; einige schwer verständliche Wörter und Ausdrücke meinen wir jedoch erläutern zu müssen. Op huiden desen twelfden septembris 1651 Comparerende voor my Peter Loop als openbaerer Notaris by den Souverainen Raede von van syne Co, Mayt. geordonnert in Brabant geadmittiert tot Hendrix Capelle Lande van Limborg Ouvermaeze residirende ende inde presentie vande getuygen hironder genompt in Eygene Persoonen deersame Frederig Hermans Onder Vaigt (1) der Heerlyckheyt Lontsen denwelcken heft op syne Manne Waerheyt in plaetse van gestaafden eede dyen hy Presenterden altyt bereet syn te doene des versocht synde Verclaert hem kennelyckt te syne dat ten dage doens wylen Claes Schuyl - woonachtig tot Lontzen Inden Jaer 1650 tot Lontzen vorrsc. t’synem Huyse door enige Spaensche Soldaten is doot geschooten wordden. Den Meyer Sr. Lambert Hüpsch is aldaer aengecommen Alwaer een groot deel vande Naebueren sich Inde Waepen waeren vindende, Als oyck den Corporal Vande Spaensche Soldaten ter selver tyt tot Lontzen voorser. in garnison synde. Ende heft alsdoen Gesien ende gehoort dat den voorscr. Meyer aende voorscr. Naebueren was seggende ende gebiedende dat sy met schieten souden ophouden, midts dat men de Soldaten hem Meyer tot Lontzen op de Halle (2) gevanckelyck soude Lieveren diehet Feyt gedaen Hadden, (1) Onder Vaigt = Untervogt (2) Die ”Halle’”” war der Versammlungsort des Lontzener Schöffengerichts und auch der Sitz der Gemeindeverwaltung. Sie stand südlich der Kirche, neben der Kaplanei. Sie mußte der Vergrößerung des Friedhofes weichen. Siehe G. Grondal, ”Notices historiques’”’, S. 41, Fußnote 111.
83 Verclaerende voirts wel te weten dat ter selver tyt onder andere der voorscr. Meyer aldaer int ge (3) ... quamp Claes Momboir Karis soone vanden Busch mit syn Rour (4) inde Handt, aenden Welcken der voorscr. Meyer Particulierlyck was gebiedende nyet te schieten, Ende dat daerover den voorscr. Meyer naerden Koilhofft (5) Vanden voorscr. afflyvigen (6) is Hingegangen, Alwaer sich oyck het mestendeel vande vorrscr. Naebueren in Waepen (7) waeren vindende, Aldaer andermael roepende ende gebiedende datmen nyet meer en schoude schieten tselve einesche reysen (8) repiterende, Ende dat dyenyettegenstande (9) alsdoen evenwel eenen schot (10) Heft hooren affgaen Waerbey dat Karst Heut ende de Huyswrouwe van Pieter Louterman syn gequetst (11) wordden, het welck men aldoen seyden gedaen te syn doorden voorscr. Claes Momboir, Eyndende hirmede etc. ... Verclaerende ende Consenterende etc. . .. Claes Ponsen Woonende Inden Loutenberg Inde Heeriyck- heyt Lontzen Verclaert dat hy ten tyde voorscr. als der voorscr. herr Meyer tot Lontzen is aengekommen aen oft ontrent den Huyse van wylen Claes Schuyl doens denselven t5ynem Huyse was doot liggende, ende alsdoen gehoort ende gesien, dat der voorscr. Meyer was vuytroepende ende gebiedende naer dyen Hy Meyer metten Corporal vande Spaensche Soldaten gesproecken, dat men nyet meer en soude schieten, midts dat der voorscr. Corporal aenden voorscr. heer Meyer hadde beloft hem die Soldaten die Het Feyt gedaen Hadden (12) op de Halle gevanckelyck te lieveren, Ende dat alsdoen voorscr. Claes Momboir vanden busch sich in Persoone by oft ontrent (13) den voorscr. heer Meyer was vindende met syn Rour inde Handt gaende vandaer naerden Hoff aen het huys tot aenden kollhoff toe ende heft Hy Comparent alsdoen gesien dat naer het voorscr. gebot des Meyers den (3) Unleserliche Textstelle (4) Rour = Schießrohr, also Gewehr (5) Koilhoff=Kohlgarten, Garten (6) Afflijvig= tot (7) In Waepen=in Waffen, bewaffnet (8) Einesche reysen=mehrere Male (9) dyen (n) yettegenstande =trotzdem (10) Schot=Schuß (11) Gequetst=verwundet 12) Die het Feyt gedaen hadden =die die Tat begangen hatten 13) ontrent=in der Nähe
84 voorscr. Claes Momboir met syn Rour voorscr. eenen schot heft gedaen naerde Staaft oft kamer toe daer de soldaten sich waeren vindende, van welcke schot de Persoonen van Heut ende Huys- wrouwe van Pieter Louterman syn gequetst wordden, Eyndende herme de etc. . . . Verclaerende en consenteerende etc. . . . Vaeß kryscher woonende tot Busch Verclaert dat hy ten tyde voorser. sich heeft gevonden inden Kollhoff vanden afflyvigen Claes Schuyl tot Lontzen, Alwaer den voorscr. heer Meyer meet den Corporal vande Spaensche Soldaten was spreckende ende alsoe der Comparent aenden voorscr. Corporal seyden dat de Huysliedens (14) de Spaensche Soldaten t’feyt gedaen hebben wilden gelievert hebben oft dat anders sy luydens souden het p Huyse affbrenen ende Soldaten doot slaen Ende . . . (15) doorden voorser. Heere Meyer aenden voorser. Corporal geexpliciert synde haff . . . (16) denselve Meyer aende Huyslude geseyt dat hem den voorser. Corporal geloft hadde de soldaten gevanckelyck te lieveren midts dat nyemant meer schieten en soude, Waerant den voorscer. Meyer was verbiedende niet meer te schieten, Synde daernaer gebuert dat yemandts inden voorscr. kollhoff oyck heft geroepent t’gebot van den Meyer te wesen nyet meer te schieten ende dat dyenyetegenstande eenen Rheynert Kaa (17) evenwel was roepende schiet al, (18) ter wylen dat der voorscr. Claes Momboir syn Rour aen t’Hooft was Houdende staende inden Hoff aenden koolhoff aenden thuyn achter het Huyse vanden voorscr. Claes, Ende heft naardehandt gehoort dat Kaerst Heut sich beklaegden eenen schot in syn beene ontfangen te hebben Eyndende hermede etc... . Verclaerende ende Consenterende etc. ... Willem Vaerbuchel woonende tot Busch Verclaert dat hy ten voorscr. tyde is mede tot Lontzen Present gewest doens wylen Claes Schuyl doot tot synen Huyse vande Spanignerts is gescho- ten, Ende alsdoen gesien ende gehoort dat den Meyer staende opden Steenweg aende kollhoffs duere aent Huyse des voorscr. afflyvigen met luyder stimme vuytroepende ende gebiedende dat men by Iyve nyet meer er soude schieten ter wylen dat den voorser. Claes Momboir van de busch was staende ontrent thien 14) de Huysliedens= die Leute, die Einwohner (15) Unleserliche Stelle (16) idem (17) Unleserlicher Name (18) Schiet al=Schieß schon, schieß doch.
86 gebot soe wel als andere gebuerlyck conste verstaen ende gehoort hebben, Eyndende hermede syne Verclaering ende Consenterende (a Alsdaens gedaen ende gepassert tot Lontzender busch ten Huyse van Heyn Frederigs ten daege maende ende Jaere alsboven ter presentie vanden selven ende Claes Momboir byde schepenen tot Lontzen als getuygen hirtoe sunderlinge geroepen ende gebeden ende van my hebbende voorscr. Comparanten mette getuygen de minutte deser neffens my onderteckent Quod Attestor P. Loop Notarius
87 ° ° ° ° Das adlige Stift Sinnich von Charles Cravatte In dem landschaftlich so reizvollen, nordwestlichen Zipfel des Dreigrenzenraumes liegen mehrere alte Burgen. (Beusdael, Obsinnich, Remersdael). Doch steht in dieser herrlich stillen Ecke unseres Raumes noch ein feudaler Herrensitz, das Schloß Sinnich in Teuven, das ursprünglich ein adliges Damenstift der Augustinerinnen gewesen ist und der Prämonstratenserabtei Rolduc (auch Raede, Hertogenraede) bei Heerlen (holl. Limburg) unterstand. Schloß Sinnich, das heute der Familie de Secillon gehört, liegt recht verborgen unweit der von Teuven nach Sippenaeken führenden Straße am Saume eines prächtigen Waldes, der den ganzen südöstlichen Höhenzug bedeckt. Nur das muntere Ge- plauder eines Bächleins, Gulpe mit Namen, das an dem Herren- sitz vorbeiplätschert, unterbricht hier die wahrhaft traumhafte Stille und Ruhe. WANN EEE U A 000 Pi ARE N EN La . Sa A AO E nn 2 A > zz SC > 5 i 0 “a {98 IEHEBELHEHUD ML UBER HERNUL 5 88 Das ehemalige Augustinerinnen-Stift Sinnich (Teuven)
88 Ursprung des Stiftes Sinnich Bekanntlich hat es in der Herrschaft Rolduc, die nördlich der herzoglichen Hauptbank Montzen im Bereiche der Grafschaft Valkenburg lag, bereits sehr früh eine Prämonstratenserabtei gegeben, die im 11. Jh. durch einen Kanonikus der Kathedrale von Tournai, Ailbert mit Namen, gegründet wurde und in religiöser Hinsicht fast im ganzen Herzogtum Limburg sehr bald einen großen Einfluß gewann. 1108 wurde dort die erste (hölzer- ne) Kirche durch Bischof Otbert von Lüttich konsekriert. Ab 1139 bildeten die Mönche von Rolduc ein Kapitel von Kanonikern, das unter dem Patronat des hl. Augustinus stand. Wie dies bei den meisten ähnlichen Einrichtungen der Fall * war, gab es auch in Rolduc schon sehr früh ein Frauenkloster, das von dem Abteikapitel abhängig war. Da die Kanonissinnen dieses Kloster, sowie der beiden andern von der Abtei abhängigen (Marienthal und Schaarn) immer zahlreicher wurden, suchte der Abt Marsilius (Beginn des 13. Jh.) einen geeigneten Ort, um ein Stift zu errichten, das sämtliche Kanonissinnen aufnehmen konnte. Da die Abtei in Sinnich bei Teuven ausgedehnte Liegenschaften besaß, beschloß Marsilius, hier ein geräumiges Stift zu errichten. Sinnich, das 1141 erstmalig erwähnt wurde, besaß bereits zwei Kapellen, die eine in Ober-Sinnich (Obsinnich, Remersdael), die andere in Nieder-Sinnich (Sinnich, Teuven). Am letzteren Ort begann Marsilius Anfang 1243 zu bauen, Ende des Jahres konnten sämtliche Stiftsdamen dort einziehen. Zunächst diente die zweitgenannte Kapelle den Stiftsdamen als Gotteshaus. Sie bemühten sich natürlich um eine stiftseigene Kirche und es gelang ihnen, diese nach einiger Zeit auch zu erbauen. Dis Stiftsgebäude Die erste stiftseigene Kirche, die bis 1870 stand, war 1297 konsekriert worden. Mit Unterstützung der geistlichen Herren, darunter der Erzbischof Konrad von Hochstaden von Köln, war es den Kanonissinnen gelungen, die Bausumme für die Kirche aufzubringen. Beendet wurde der Bau allerdings erst Ende des 13/Jh.
89 Die Kirche nahm den südöstlichen Flügel des Stiftsgebäudes ein und trug die Merkmale der ländlichen Klosterkirchen, die im romanischen Stil des 13. Jh. erbaut wurden. Die Stiftskirche bildete ein langes Rechteck, das auf der Westseite von einem Turm abgeschlossen wurde und dessen Chor am östlichen Ende lag. Die rundbogige Wölbung war aus leichtem naturfarbenen Holz. 1622 ließ die Äbtissin Marie von Golstein Teile der Kirche restaurieren und zugleich ein neues Krankenrevier einrichten, das an der Stelle der heutigen Stallungen des Wirtschaftshofes lag. Durch Arkaden war mit der Kirche auch eine Barbarakapel- le verbunden, die 1720 sehr baufällig geworden war und daher niedergelegt werden mußte. In dieser Kapelle befand sich jedoch die Totengruft der Herren von Beusdael, so daß Abt Heyendael von Rolduc weitere Arbeiten verbot. Die Äbtissin wandte sich an den Lütticher Bischof J.K. von Bayern, der dann die Umände- rung gestattete. 40 Jahre später, 1760, wurde die Kirche auch den Ein- wohnern des Weilers Sinnich zugängig gemacht, für die Äbtissin und ihre Stiftsdamen blieb das Chor reserviert. , Wie bereits gesagt, stand die Kirche bis 1870, doch war bereits seit vielen Jahren in derselben nicht mehr zelebriert worden. Die meisten Kirchenmöbel, sakralen Gefässe, Meßgewänder und Wertsachen verschwanden zur Zeit der französischen Revo- lution und der sich hieraus ergebenden Besetzung des limburgi- schen Landes. Einiges war allerdings noch 1808 vorhanden. Die damalige Leiterin des Stiftes, die Ehefrau des Verwaltungsbeam- ten Reul, C.G. de Vlierberghe, suchte zu retten, was eben noch möglich war. Sie verkaufte u.a. eine große Glocke von 1100 Pfund an die Gemeinde Baelen, eine kleinere von 357 Pf. an einen Aachener Händler, drei Altäre, den Beichtstuhl und den Predigstuhl für 300 Fr. an den Kirchenfabrikat von Teuven, alles im Namen und zu Gunsten des Stiftes. Nördlich der Kirche und im Winkel mit derselben (Chor- seite) lag die Wohnung des amtierenden Geistlichen, die im 17. Jh. restauriert wurde, nach dem ersten Weltkriege jedoch nieder- gelegt werden mußte. Auf der Ostseite befand sich die Wohnung
90 des Priors, die bereits 1534 restauriert wurde und dann im 18. Jh. infolge Baufälligkeit verschwand. Das Hauptgebäude des Stiftes nahm (und nimmt noch) den gesamten südwestlichen Flügel der Anlage ein. Es ist der Teil des Stiftes, der am meisten den Plünderungen > und Verwüstungen ausgesetzt war und daher auch mehrmals restauriert wurde. In der ersten Hälfte des 18. Jh. war der Bau derart verfallen, daß die regierende Äbtissin C. van den Berghe de Trips sich entschloß, einen ganz neuen Bau aufzuführen und dies trotz der vielen Schwierigkeiten auch erreichte. So entstand 1754 das prächtige, langgestreckte Gebäude, das wir heute noch bewundern können. Im Mitteltrakt der Fassade liegt die Eingangstür, zu der eine doppelte Freitreppe hinführt, deren Giebelfront das Wappen der Familie de Berghe de Trips trägt. Das Erdgeschoß hat 16 Fenster, HZ Aa Ye 6 „A X \S EA 4 BA we LINE ; - WO VARTA A v . VEN = BEN A N gb BED x = SE ZN > ei : —— if Wappen der Familie -de Berghe de Trips an der Stirnseite der Freitreppe das Obergeschoß 17. Außerdem besitzt das letztere einen ge- schweiften Rundbogengiebel mit demselben Wappen de Berghe de Trips. Das Mansardendach weist 6 Fenster auf. Im Erdgeschoß liegen 8 schöne weite Räume, die ehemals als Wohnung der Äbtissin und der jeweiligen Stiftsgäste dienten. Im Obergeschoß liegen der frühere Kapitelsaal und die ehemaligen Wohnungen der Stiftsdamen.
92 Vorhofes sieht man die ehemalige Stiftskirche, die den südöst- lichen Flügel des Klosters einnahm. Nordwestlich vom Kirchturm schloß sich der Flügel der Stiftswohnungen an, der nach Norden hin verlief .und sich in dieser Richtung durch eine hohe Mauer fortsetzte. Östlich lagen die Wohnung des Kaplans und die Gemeinschaftsräume. Das alles umgab einen kleinen Innenhof.» Im allgemeinen ist die Lage auch heute noch so, doch ist manches denn doch verschwunden. Zu bermerken ist noch, daß hart am Eingang der Zufahrts- allee die sogenannte Sinnicher Mühle liegt, die bereits 1147 bestand und 1243 in den Besitz der Stiftsdamen kam. ‚Diese Mühle wurde im 19. Jh. gänzlich umgebaut und hat keine geschichtlichen Besonderheiten mehr aufzuweisen. Zur Geschichte des Stiftskapitels. - 1. Von 1243 bis 1500 Das Stift von Sinnich unterstand, wie bereits angedeutet, dem Abt von Rolduc. Die Stiftsdamen entstammten sämtlich den Ritterfamilien des limburgischen Landes, legten bei ihrer Auf- nahme ein einfaches Gelübde ab, verwalteten jede ihre eigenen Güter und bildeten ein Kapitel, dessen allgemeine Einkünfte z.T. unter die Stiftsdamen aufgeteilt wurden. Die Äbtissin wurde durch Wahl erkoren. ‚Diese etwas merkwürdige «Hausordnung» zeitigte sehr bald weltliche Gewohnheiten sehr zum Nachteil der klösterlichen Ordnung. Dazu suchten die Äbtissinnen sich von Rolduc unab- hängig zu machen und gerieten mit den Äbten von Rolduc gar oft in Zwist und Streit. Es gelang ihnen jedoch nie, sich dieser Abhängigkeit zu entledigen, doch vermochten auch die Äbte bis etwa 1500 nicht, die interne Lage des Stiftes abzuändern. Das gelang erst später mit Hilfe von außergewöhnlich frommen und auch klugen Äbtissinnen. Manche der ersten Äbtissinnen von Sinnich sind nur dem Vornamen nach bekannt, andere mit vollem Namen. Immer waren es adelige Damen, unter ihnen keine von wirklichem Format. 2. von 1500 bis 1796 Ende des 15. Jh. setzte dann doch eine Reform ein, die bereits unter Marie von Walhorn (1487-1508) begann und unter Odilie von Ratloe tiefgreifend durchgeführt wurde.
93 Diese edle, sehr fromme und auch hochintelligente Frau, die zunächst im Kloster Limburg und einem Kloster Süddeutschlands weilte, wurde, nur 25 Jahre alt, 1508 auf Vorschlag des Abtes Jean de Goer als Äbtissin nach Sinnich berufen. Sie nahm das schwierige Amt an, führte sehr bald klösterliche Reformen durch und verstand es außerdem, die Einkünfte des Stifts beträchlich zu mehren. Die bescheidene Frau beschwor jedoch immer wieder den Abt, sie von ihrem Amt zu entbinden, so daß derselbe schließlich ihrem Wunsche nachkam, allerdings unter der Be- dingung, als Unter-Priorin im Stifte zu bleiben und die Verwal- tung weiterzuführen. ‚Ihre Nachfolgerin Marie von Imstenraedt führte die Arbeit im selben Sinne weiter, starb aber bald, so daß die hochbetagte Odilia das Amt wieder übernehmen mußte, bis sie 1571, 88 Jahre alt, verstarb. Eine andere, sehr bedeutsame Äbtissin war Catherine von Golstein (1644-1655), die das Stift im Sinne von Odilia weiter- führte. i Diese Äbtissin mußte einen langen Prozeß mit dem Herrn von Teuven, Gerard de Draeck, führen, der dem Stifte altherge- brachte Rechte streitig machen wollte. Cath. von Golstein appel- lierte an den Rat von Brabant (1648), der dem Kapitel das Besitzrecht der Grundherrschaft Sinnich und eines Gerichtshofes zusprach, unter der Bedingung, daß den Herren von Teuven das Recht der hohen Gerichtsbarkeit verblieb. Unter der Äbtissin Isabelle de Schwartzenberg (1676-1712) kam 1697 bzgl. der ewigen Streitigkeiten zwischen Sinnich und Rolduc ein Abkommen zustande, das sehr zum Vorteile des Stiftes war. Dennoch gab es auch später immer wieder Meinungsver- schiedenheiten zwischen den beiden Klöstern, geistliche wie weltliche Obrigkeiten mußten noch wiederholt als Schiedsrichter fungieren. Dazu war gerade diese Epoche (17. und 18. Jh.) eine kriegerische Zeit, in der das Herzogtum Limburg einen wirt- schaftlichen Niedergang verzeichnen mußte. Die fremden Trup- pen, die das Land in bunter Reihenfolge besetzt hielten, verlang- ten immer wieder Abgaben und Steuern. Dazu kamen noch Plünderungen und Brandschatzungen. Auch das Stift Sinnich
94 mußte sich mit Not und Elend abfinden. Es kam sogar soweit, daß die Stiftsdamen 1703 nach Aachen flüchten mußten und erst Jahre später wieder nach Sinnich zurückkehren konnten. Die sehr energische und verwaltungstechnisch hervorragende Äbtissin Anne-Caroline de Berghe de Trips (1747-1769) verstand es dann, die wirtschaftliche Lage des Stiftes zu sanieren, die Gebäude des Stiftes zu restaurieren und auch die klösterliche Ordnung im Zügel zu halten. Wenn auch die Gemeinschaft zahlenmäßig stark zurückgegangen war, so gelang es A.C. de Berghe doch, die dem Stift zukommenden Einkünfte regelmäßig einzuziehen und mit ihren Damen ein verhältnismäßig ruhiges Leben zu führen. . Beim Dahinscheiden der energischen Äbtissin Anne- Caroline konnte ihre Nachfolgerin Gertrude Francoise de Heusch de la Zangrie ein Stift übernehmen, das wieder merklich aufge- blüht war. Diese Äbtissin war die letzte des Stiftes 3. Unter französischer Herrschaft Der französische Revolutionsgeneral besiegte 1794 die Oesterreicher, die sich endgültig zurückziehen mußten. Die Franzosen besetzten das ganze Land, auch das Herzogtum Limburg. Die Stiftsdamen, die wilde Soldateska fürchtend, erwirkten die Erlaubnis, sich in ihre jeweiligen Familien zurück- zuziehen und vertrauten ihrem Verwalter Reul die Stiftsgebäude und das gesamte Eigentum an. Die französische Verwaltung legte nun die Hand auf das Stift Sinnich und ließ die ganze Einrich- tung desselben öffentlich verkaufen. Die Stiftsdamen suchten zu retten, was eben noch möglich . war, und konnten sich auch noch eine Weile auf Sinnich halten, doch das Gesetz vom 1. September 1796 zwang sie, das Stift endgültig aufzugeben. Die Äbtissin Gertrude Francoise starb am 31. Mai 1820 auf Schloß Oost. Der Verwalter Reul kaufte das Stift mit einigen Liegen- schaften. Seine Frau veräußerte den Besitz 1809 an E. Sou- magne, der ihn 1843 seiner Tochter, Mme Kaison, überließ. Diese verkaufte Sinnich 1846 an Herrn Emmanuel Coenen- gracht. Das Gut kam in der Folge an dessen Sohn Eugene und
95 schließlich durch Heirat an die Familie de Secillon, in deren Besitz es sich heute noch befindet. Man möge die vorstehenden Ausführungen als das betrach- ten, was sie sein wollen, ein bescheidener Beitrag zur Geschichte unseres schönen Drei-Grenzen-Raumes. Sie erheben keinen An- spruch auf erschöpfende Vollständigkeit. Als Quelle diente uns vor allem ein Werk von D.D. Brouwers, das die Geschichtsvereinigung Verviers 1903 als Ausgabe 5 herausgegeben hat. Außserdem griffen wir auf das Buch «Delices» von G..Poswick zurück. Das Werk «Histoire du chapitre noble de Sinnich» von Brouwers stellte uns Herr Ch. Kevers-de Secillon freundlicherweise zur Verfügung.
96 ° Die Uhren M. Th. Weinert Die Uhren gehen, alle Uhren der Welt... sie haben den gleichen Ton, 4 sie tragen die Zeit davon. War es nicht gestern, im alten Haus? Knarrten die eichenen Stufen? Deutlich wird mir des Vaters Gesicht. die große Stube im Dämmerlicht und der Mutter Rufen. Zerbrochen im Garten die Sonnenuhr, wie Kinderträume und Spiel, aber die Zeit tickt die alte Spur und wechselt Tage und Nächte nur zu einem andern Ziel. Niemand weiß, wenn der Schatten [illt warum gerade jetzt der Zeiger hält, die Uhren gehen alle Uhren der Welt.
97 Gedenkfeier zu Ehren des Geheimen Sanitätsrats Dr. Wilhelm Molly von Freddy Nijns Auf die Verdienste dieses außergewöhnlichen Mannes ist in unserer Zeitschrift schon öfters hingewiesen worden. Doch die Erinnerungen verblassen; an den Arzt und Menschenfreund Dr. Molly, der mehr als ein halbes Jahrhundert in unseren Göhltal- gemeinden gewirkt hat, erinnerte kein äußeres Zeichen mehr. Seine letzte Ruhestätte hatte der große Mann auf dem evange- lischen Friedhof in Neu-Moresnet gefunden, doch war sein Grabstein, wie so viele andere, inzwischen weggeräumt worden. Der Göhltalvereinigung war es daher ein besonderes Anlie- gen, das Andenken an Dr. Molly wachzuhalten und diesem Mann, der bei uns seine wahre Heimat gefunden hatte, einen neuen Erinnerungsstein zu setzen. Nach langen Vorplanungen konnte dieses Vorhaben am 23. April 1978 verwirklicht werden. Zahl- reiche Gäste aus dem In- und Ausland hatten sich in der Johaniskapelle von Neu-Moresnet eingefunden, um Dr. Molly diese späte Ehrung zu erweisen. Das Programm der Gedenkfeier sah wie folgt aus : * Orgelspiel durch den Organisten Herrn Schunk der Evangeli- schen Kirchengemeinde Eupen - Neu-Moresnet * Gemeinsames Lied * Ansprache der Pastoren Amann und Altdorf * Psalmlesung * Es singt der Chor der Evangelischen Kirchengemeinde Eupen - Neu-Moresnet * Festansprache von F. Nijns * Es singt Frau Wate von der Ev. Kirchengemeinde Eupen - Neu-Moresnet * Begrüßungsansprache durch den Enkel des Geheimen Sanitäts- rats Dr. Molly, Herrn W. Dithmar * Ansprache in Esperanto durch Frau Vertongen, Vorsitzende des Esperanto-Clubs Eupen + Aachen
99 Laudatio auf Dr Molly bei der Gedenkfeier vom 23. April 1978 in Neu-Moresnet Wenn es je einen vielseitig begabten, lebensfrohen, unter- nehmungslustigen, freundlichen, hilfsbereiten, charakterfesten Mann und treuen Gatten sowie sorgenden Vater einer kinder- reichen Familie gegeben hat, dann war es wohl Dr. Molly. Mehr als ein halbes Jahrhundert war Dr. Molly in Neu- Moresnet zu Hause und mit der Göhltalgegend und ihrer Bevölkerung engstens verwachsen. Hier hat er gewirkt; hier wurde er eine Persönlichkeit, nicht nur stellvertretender Bürgermeister, sondern eine Art von ungekröntem König der sogenannten Republik Neutral-Moresnet. Geboren 1838 in Blasbach bei Wetzlar, kam Dr. Wilhelm Molly 1863 als Landarzt zuerst, dann als Knappschaftsarzt der ”’Vieille Montagne”” nach Neutral- Moresnet, wurde im Jahre 1891 Sanitätsrat und 1904 Geheimrat. Als Medizinmann des Galmeibergwerkes wirkte er in vorbildli- cher Weise zum Wohl der Bevölkerung des ganzen Göhltals - von Walhorn bis Sippenaeken - bis zu seinem Tode im Jahre 1919, also während 58 langer Jahre. Seine ärztliche Praxis erstreckte sich bis weit in das angrenzende belgische Gebiet. Er durchkreiste Tag und Nach bei allen Wettern die Gegend, um seine kranken Patienten zu betreuen und vergaß dabei mehr als einmal, sein Honorar zu berechnen oder einzustecken. Er schrieb nie Rech- nungen aus, und seine Patienten bezahlten nach Gutdünken in Geld oder in Naturalien. Unter einer rauhen Schale verbarg er ein gutes Herz. Dr. Molly war nicht nur Arzt, sondern auch Urheber vieler historischer und anderer Bewegungen. Er war ein Mensch vielsei- tiger Begabung : sprachgewandt, philanthropisch vielseitig inte- ressiert, zahlreichen Hobbys und verschiedenen Sammlungen frönend, ob Flora, Fauna, Mineralien, Philatelie, Alt- und Neusprachen, Numismatik, usw. Er korrespondierte mit aller Welt und knüpfte viele internationale Kontakte, wurde dabei mehrere Male vom In- und Ausland ausgezeichnet. In der Gegend weiß man noch von seiner berühmten Freimarken-Besessenheit zu reden; sie ging ja so weit, daß er
100 1886 in Neutral-Moresnet eine Postanstalt errichten ließ, wo einige Briefmarken mit dem Aufdruck ”’Kelmis’” herausgegeben wurden. Nach siebzehn Tagen wurden diese Briefmarken aber schon vom belgischen und preußischen Staat aufgehoben und die Poststelle geschlossen, denn die Marken waren illegal, standen nicht in Katalogen und wurden nicht offiziell gehandelt. Trotz- dem hätten sie heute - wenn man sie noch auftreiben könnte - einen Kuriositätenwert! Der völkerrechtliche Sonderstatus von Kelmis - damals Neutral-Moresnet - inspirierte den rührigen Herrn Molly zur Schaffung eines unabhängigen Esperantostaates namens ”Ami- ceo” d.h. "Ort der Freunde’. Mit seinen vielen Freunden von * weit und breit gelang es ihm, die Weltzentrale der Esperantisten nach Kelmis zu verlegen. Kelmis war somit bis zum ersten Weltkrieg, der aber alle Bemühungen zunichte machte, die Welthauptstadt der Esperantistischen Friedensbewegung. Aber die angestrebte politische Autonomie von Kelmis scheiterte letzt- lich am allgemeinen Mißfallen der Großmächte. Es fehlte auch an Mitgliedern aus dem Ausland, und die gehobene Schicht von Neutral-Moresnet, u.a. Prominente wie die Familie Bruch, der katholische und der evangelische Pfarrer, die Apotheker Michels und Dovifat, der preußische und der belgische Bürgermeister, die Direktion der Grube, usw. konnten das Unternehmen nicht tragen und retten. Die ganze Geschichte schlief ein. Und was ist von ”’Amiceo” übrig geblieben? Einige Ansichtskarten, Bücher, Pressemeldungen, ein Photo der Grün- dung, Berichte der Geheimpolizei und nicht zuletzt die Partitur des vom Kelmiser Komponisten Willy Huppermann vertonten Marsches des gleichen Namens . .. Dr. Molly beteiligte sich aber auch in anderer Form am öffentlichen Leben; so war er z.B. eng am Bau der Schule und der St-Johanneskirche in Neu-Moresnet beteiligt, die die zugezogenen evangelischen Pfarrkinder kirchlich versorgen mußte und die Kinder für einen geordneten Religionsunterricht unterbringen sollte. Deswegen wurde der Wunsch geweckt, eine eigene Gemeinde zu bilden und eine eigene Kirche zu besitzen. Es ist sicher, daß Molly hier bis 1919 mitgewirkt hat. Ein anderes Kuriosum : 1881-1882 wurde Dr. Wilhelm Molly Schützenkönig bei den St. Stephanus-Schützen von Walhorn. Im Jubeljahr zum 175-jährigen nachweisbaren Bestehen der Gesell-
101 PP, 7) } € Ar a N Zur Denkmalenthüllung hatten die ‚Walhömner‘ Schützen eine Delegation entsandt. An der Schützenkette hängt u.a. die Plakette des Schützenkönigs Dr. Wilhelm Molly (1881-82) schaft trug er die kostbare und geschichtlich äußerst wertvolle Königskette, wie eine daran befestigte Medaille noch bezeugt. Es blieben noch viele Anekdoten von und über Dr. Molly zu schreiben, denn das vielfältige Leben und Wirken dieses Mannes bieten genügend Stoff für Dutzende von Büchern, die jemand mit der umfassenden nötigen Dokumentation verfassen und heraus- geben könnte ... Im Jahre 1919 starb Dr. Molly, tief betrauert von den Gemeinden Preußisch und Belgisch Moresnet als Ehrenbürger seiner Ortschaft. Am. Tage seines Begräbnisses wurde die Grenze geöffnet, damit ein langer Zug Leidtragender zum hiesigen evangelischen Friedhof hinter der Kirche kommen konnte. Dort ruht nun schon fast 60 Jahre der gute Dr. Molly neben seiner Gattin. Dort hat die Göhltalvereinigung einen Gedenkstein zum Andenken an den großen Bürger der Gemeinde errichtet. Die Vereinigung für Kultur, Heimatkunde und Geschichte im Göhltal hofft auch am ehemaligen Wohnhaus von Dr.
102 Molly an der Jansmühle eine Gedenktafel anbringen zu lassen. Vielleicht könnte sogar eine neue Straße nach der berühmten Persönlichkeit Mollys benannt werden. Dann würden Mitbürger und Touristen und alle Freunde stets durch diese drei Erinne- rungszeichen an das Wirken einer so seltenen Prominenz denken, und die Begeisterung zu Ehren des lieben Geheimrates würde nimmer nachlassen! . .. Möge es unter uns, in unserer Umgebung, in der ganzen Welt, viele Menschen geben, wie unser lieber Dr. Molly einer war!
103 Das Portrait : Wilhelm Dithmar von Dr. G. De Ridder Für die Ausstellung, die unsere Vereinigung als Beitrag zum Jahre des Denkmalschutzes im April 1975 zu organisieren beab- sichtigte, fehlte noch dokumentarisches Material über Neutral- Moresnet. Eng mit der Geschichte um Neutral-Moresnet war der Geheime Sanitätsrat Dr. Molly verbunden, der 58 Jahre als Arzt in diesem Gebiet tätig war. Aus dem Bekanntenkreis hatte ich erfahren, daß es noch Gemälde und Orden bei einem Verwandten von Dr. Molly in Aachen geben sollte. Nach etlichem Suchen gelang es mir, diesen Verwandten als den Enkel des Geheimen Sanitätsrats Dr. Molly ausfindig zu machen. Im März 1975 saß ich Wilhelm Dithmar in seiner Dach- stube im Evangelischen Frauenheim in Aachen zum ersten Mal gegenüber. Über seine Schreibmaschine gebeugt erinnerte er mich an ein Spitzweg-Gemälde. Die Art seines lebendigen Erzäh- lens begeisterte mich; noch nie gehörte Geschichten über Aachens Vergangenheit und manche Erinnerung aus seiner Kindheit erfuhr ich bei dieser ersten Begegnung, der‘ noch viele andere folgen sollten. Im Mai 1978 verließ uns Wilhelm Dithmar für immer. Die Erinnerung an sein Wirken verdient festgehalten zu werden. Am 17.4.1896 wurde Wilhelm Dithmar als 4. Kind des aus Homberg bei Kassel gebürtigen Ferdinand Dithmar und der Clara Molly aus Altenberg in Aachen geboren. Sein Vater war der Gründer der ältesten Aachener Drogerie. Die zweitälteste Tochter des Geheimen Sanitätsrates Dr. Wilhelm Molly aus Altenberg war seine Mutter. Seine Kindheit verlebte der Junge zunächst in der Großkölnstraße in Aachen. In der väterlichen Drogerie ver- brachte er viele Stunden, denn dort gab es seltene Dinge zu sehen. Neben den Medikamenten gab es Produkte, die heute kaum noch bekannt sind, wie Krebsaugen, Cochenilli-Läuse zur Kar- mingewinnung, Meerzwiebel, Blutegel in Wasser u.a. Als Bub führte ihn sein Weg oft zu seinen Großeltern nach Altenberg, die in der Jansmühle (heute Kelmis/Neu-Moresnet) wohnten.
104 Manches Mal hat er den Großvater begleitet, wenn dieser von seinem Kutscher Wendt über Land gefahren wurde, um seiner Praxis nachzugehen. Gerne erinnerte sich Wilhelm Dithmar an die Kirmesfeste zu Altenberg. Auf dem Casinoweiher vergnügte man sich bei Musik auf Kähnen und abends bei Lampionbe- leuchtung. Die markante Persönlichkeit seines Großvaters war ihm sein Leben lang lebendig geblieben. Nach dem Besuch des Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums in Aachen mußte er ins väterliche Geschäft, denn sein Vater, ein echter Patriarch, wie Dithmar in ”’’Mein Leben” schreibt, bestimm- te, was er werden sollte. In der Ausbildung zum Drogisten , wurde ihm nichts geschenkt. Seine Arbeitszeit war von morgens 8 Uhr bis abends 9 Uhr mit einer halben Stunde Mittagspause, und das als Vierzehnjähriger. Sonntags war von 12 Uhr mittags bis 2 Uhr nachmittags Dienst. Dann kamen die Bauern aus der weiteren Umgebung aus Raeren, Eynatten und Eupen und ließen sich besonders viele Arzneimittel herstellen, wie Krupp-Pulver für Pferde (Fenchel- und Bockshornsamenpulver). In ruhigen Stun- den ging der Junge seiner Lieblingsbeschäftigung nach : fleißig las er Klassiker und andere größere Werke. Schon in seiner Kindheit verspürte er seine Neigung zur Dichtkunst. Seine ”Erst”-Werke, die er mit 8 Jahren schuf, warf sein Vater ins Feuer. Er sollte sich mit ”’nützlichen’’ Dingen befassen. Er wurde Drogist und stand 57 Jahre hinter der Ladentheke. Auf die Frage, ob er gerne Drogist geworden sei, so wie es der Vater einfach für ihn bestimmt hatte, mußte er offen gestehen : Drogist ja, aber Kaufmann nein. Jede Buchführung war ihm stets verhaßt. So hatte er also versucht, sein Leben lang Kaufmann zu spielen, was ihm seiner Meinung nach nie recht gelungen ist. Wissenschaftler wäre er viel lieber geworden. 1915 wurde er in Berlin-Moabit Soldat. An der Front bei Cambrai und Douai.an der Somme lernte er die Schützengräben kennen und sammelte maich bittere Erfahrung. Eine schwere Kopfverwundung beendete vorerst diese Laufbahn. Nach der Genesung kehrte er nach Berlin zurück. Erst im März 1919 kam der Unteroffizier und Träger des Eisernen Kreuzes nach Aachen zurück. 1921 heiratete er Lili Stöhr, Tochter des Direktors einer bekannten Aachener Tuchfabrik. 2 Töchter gingen aus dieser Ehe
105 hervor. 1968 starb seine Frau und Wilhelm Dithmar fand im Altersheim in der Aureliusstraße Aufnahme. In ”Mein anderes Leben” erklärt Dithmar : ”’Ich bin nie ein echter Kaufmann gewesen, mein Leben gehörte der Kunst. Es war ausgefüllt mit der Beschäftigung um die Aachener Heimatge- schichte. Der Schriftstellerei bin ich von Jugend an verbunden gewesen”. Zunächst schrieb er eine Reihe von Gedichten, dann folgte das erste Drama : ”’Der unheilvolle Mönch”. Er erhielt dafür eine günstige Kritik und war dadurch zu weiterem Schaffen ermutigt. Das bekannte, damals in Aachen weilende Schauspieler Willy Birgel beschäftigte sich mit seinen Arbeiten und brachte ihm einige Zeit lang Dramaturgie bei. Über die Künstlergruppe ”Die Kuppel”, die unter der Leitung von Professor Brüggemann stand, lernte er auch den Dichter Josef Ponten kennen. Für die Öcher Schängchen schrieb er über 30 Stücke, wie ”Das Marienkind”’, ””Zwerg Nase”, ”Rattenfänger in Aachen”, ”’Der Wunderkessel”’, die allesamt zur Aufführung gelangten. Zwei Originale Aachener Typen : Nieres und Veries verdanken ihm ihre Entstehung. 1974 feierte er beim Öcher Schängchen sein 50-jähriges Bühnenautor-Jubiläum. Wilhelm Dithmar, der ehe- mals auszog, die große Bühne zu erobern, diente der Puppen- bühne von ganzem Herzen. Die Freude der Kinder machte ihn glücklich, wurde hier doch sein Schaffen anerkannt. Nach dem Krieg brachte Dithmar einige Büchlein heraus. ”Das Aachener Narrenschiff”” stellt eine Reihe köstlicher Kleiner- zählungen über Aachen dar. Mit dem Buch ”’Großer Aachener Sagenkreis’’, - es enthält 125 Sagen - hat Dithmar eine kleine Kostbarkeit geschaffen, die heute in allen Aachener Schulen gelesen wird und auch darüber hinaus sich eines großen Leser- kreises erfreut. Nach Aufgabe seines Geschäftes vertiefte sich Dithmar immer mehr in die Aachener Geschichte. Hatte er früher nur die wenigen Abendstunden für das Studium der Aachener Geschichte genutzt, konnte er nun seine ganze Zeit mit geschicht- lichen Arbeiten verbringen. So liegen jetzt Arbeiten im Stadtar- chiv über Gerbert von Aurilac, später Papst Silvester II, die Geschichte des ersten Kreuzzuges von Albert von Aachen, das Räderschiff zu Kornelimünster und das Narrenschiff des Sebastian Brand (letztere Arbeit liegt im Stadtarchiv Basel), die Aachener. . Reformationszeit, u.a. Dithmars größter Wunsch war, als Historiker anerkannt zu sein. In über SO0jährigem, Schaffen bemühte er sich um die
107 ° Jugenderinnerungen an ” Altenberg” von Wilhelm Dithmar (#) Vor 70/75 Jahren kannte man kaum eine andere Bezeich- nung für jene Gegend als ”’Altenberg”’. Meine Mutter sagte, wie viele Bewohner jener Gegend : ”Ich bin auf dem Altenberg geboren !”” Heute heißt dieses Gebiet (früher eingeteilt in ”’Preus- sisch Moresnet’”” und ”Neutral-Moresnet’”’) Neu-Moresnet und Kelmis. (Auf den von Dr. Molly herausgegebenen Freimarken für ”Neutral-Moresnet”’, die allerdings nur 16 Tage im Umlauf waren und dann behördlicherseits eingezogen wurden, stand ebenfalls der Aufdruck ”’Kelmis’”” (dem Namen nach von Galmei, dem Grubenzinkerz, abgeleitet. Auf den um 1910 fahrenden Aachener Kleinbahnen stand ebenfalls richtungweisend nur das Wort ”Altenberg’”’. Wenn wir Kinder nach ”’Altenberg’” zu den Groß- eltern wollten, dann gingen wir von Aachen aus sehr oft zu Fuß, und zwar entweder über die Lütticher Straße auf dem direkten Wege, oder bei sehr schönem Wetter vom Preusweg aus durch den Preuswald über kleine Höhenzüge, die übersät waren mit Heidekraut und blühender Glockenheide, auf ”’Neutral- Moresnet’”’ zu. Mit der Bahn fuhren wir selten und wenn, dann über Ronheide (natürlich vierter Klasse) nach Hergenrath, von wo wir durch ”’Galmei”-Wiesen ins Tal hinabspazierten. Die ”Jansmühle’””, so hieß das groß elterliche Gebäude, efeuumrankt bis zum Dach, lag in einem großen Park mit hohen herrlichen Bäumen. Der Fahrweg ging unterhalb dieses Terrains. Heute stehen rechts der Straße noch einige kümmerlich anzu- schauende Bäume und versuchen von alter Zeit zu erzählen. Die ”Jansmühle”” heute nur einen Trackt aufzeigend, hatte früher noch einen längeren Anbau, in dem der Ingenieur Markstein, Abteilungsdirektor der ’”’Vieille Montagne’’, des Bergwerkes, wohnte. Mit den Marksteintöchtern, heute noch befreundet von der Kinderzeit her, komme ich noch hier und da einmal zusammen. Bei Großmutter Molly, der ”Frau Rat”, waren wir Kinder sehr gut aufgehoben, wenn wir in Altenberg die Ferien verbrach- ten. Großmutter war zwar streng, aber auch sehr lieb zu uns.
108 Über die Haupttreppe zum ersten Stock hinauf, die sogenannte ”Sonntags-Treppe”’, durfte kein Kind. Diese Treppe erglänzte immer im Bohnerglanz. Wir durften von der Küche über eine kleine Wendeltreppe uns hinaufschleichen. An der Küchen- schwelle war eine große Pumpe. Eine Wasserleitung gab es nicht. Aus einer großen Zisterne wurde frisches Quellwasser in die Höhe gepumpt. Am zweiten Weihnachtstag versammelte sich im Großeltern- haus der Großteil der Familie : Töchter, Söhne und deren Gatten und Gattinnen . . . und eine Reihe von Enkelkindern. Nachmit- tags Kaffee und Kuchen . . . dann spazierten mein Vater und die Herren Onkel durch den großen Park und hielten einen heftigen politischen Diskurs. Jeder vertrat eine andere politische Richtung. Abends gab es dann immer Heringssalat. Anders gab es das einfach nicht. Wir Kinder bekamen auch einen Weihnachtsteller. Darauf lagen sechs größere Anisplätzchen, ein Apfel und einige Nüsse. Ein Onkel stiftete noch je einen Nürnberger Lebkuchen dazu. Solche ”’Anisplätzchen” wie die von Großmutter habe ich im Leben nie mehr zu essen bekommen. Meine Frau gab sich die größte Mühe im Backen, aber jenen Geschmack von den Plätz- chen aus Altenberg bekam sie einfach nicht heraus. Ich habe den Grund erst später entdeckt. Durch das Efeulaub am Haus war irgendwie das ganze Haus etwas muffig. Dieser Geruch beherr- schte das ganze Haus . . . und somit auch die von der Großmutter gebackenen Plätzchen. In einem früheren Aufsatz habe ich bereits beschrieben, wie Großvater sein fünfzigjähriges Doktor-Jubiläum im Altenberger Casino feierte. Doch auch noch ein anderes Fest durfte ich miterleben, die ”Goldene Hochzeit’”” am 2. Februar 1914. Alle Söhne, Töchter und Angehörige waren erschienen. Dazu 16 Enkelkinder, von denen wir Dithmars die ältesten waren. Gratu- lanten kamen und gingen. Die Kinder wußten, daß Großmutter auch an Sonn- und Feiertagen beim Auftragen der Suppe immer einen Blechschöpf- löffel benutzte. Einige, ohne sich leider vorher abzusprechen, beschlossenen, Großmutter nun endlich einen schönen silbernen zu schenken. So erhielt an jenem Feiertage Großmutter gleich fünf Silberschöpflöffel, sehr zu ihrer Freude. Denn sie sagte ...:
109 ”Drei habe ich schon im Schrank . . . dazu fünf . . . so kann ich acht, wenn ich einmal sterbe, an meine Kinder vererben!” Vor dem Hause wurde ein großes Foto gemacht. Alle Verwandten, die Großeltern in der Mitte (-ich besitze dieses Fotobild noch-) gruppierten sich. Der Herr Fotograf erschien mit hohem Stativ und einer großen braunen Kamera . . . Darüber ein schwarzes Tuch, unter das er kroch, und kommandierte die Bildordnung. Dann wollte er knipsen. Er wollte, aber es stellte sich heraus, er hatte die Platten vergessen. Zu jener Zeit wurden noch große ”Naßplatten”” benutzt, die in großen Kassetten steckten. Wir blieben sitzen und der Fotograf eilte ins Dorf und kam dann endlich zurück ... Neue Gruppierung, dann durften wir alle ”lächeln”” und drei Aufnahmen wurden gemacht. Wenn ich bei den Großeltern war, wurde ich von der Großmutter auch schon mal als Botenjunge benutzt. So schickte sie mich auch eines Tages Mehl beim Bäcker Creutz holen. Gleich zwei Kilo. Ich drückte die Tüte brav und fest an mich, und kam den ”schwarzen Weg” hinunter, der von der Haupt- straße zur Jansmühle führte. Die Tüte wurde immer leichter und dann rückwärtsschauend sah ich die Bescherung . . . in einer Zickzacklinie war ein guter Teil des schwarzen Weges weiß geworden. Ein andermal im Winter sah ich, wie Kinder auf dem Casinoweiher sich auf dem Eise tummelten. Vom Weiher führte ein Abflußbach zum ”schwarzen Weg”, Auch hier war eine Eisdecke. Also versuchte ich die Stärke, rutschte an der kleinen Böschung ab, die Eisdecke brach, und ich lag bis zu den Hüften im Wasser. Triefend naß eilte ich zur Jansmühle. Großmutter zog mich aus . . . und steckte mich in ”Mädchenkleider””, da sonst an Bubensachen nichts vorhanden war. Darin saß ich, bis alles wieder trocken war. Mit zwei älteren Kusinen spazierte ich zur Emmaburg, die damals dem Herrn Baron von Nellessen gehörte. Wir wollten unbedingt die Zwergenhöhlen sehen an den hügeligen Waldun- gen, von denen man uns erzählt hatte. Aber es waren zu unserer Enttäuschung nur Kaninchenlöcher. Als wir noch so da standen, hörten wir eine wütende Stimme von der Burg her. Der Herr Baron versuchte mit einem geschwungenen Stock drohend auf uns zuzukommen. Wir nahmen reißaus . .. und kletterten über den hohen Eisenzaun. Ich war zuerst herüber und half dann den
110 Mädchen. Eine Kusine riß sich ein großes Dreieck in ihren Rock. Aber wir kamen gesund wieder nach Hause. Am Abend im Casino schimpfte der Herr Baron über die frechen Eindringlinge in sein Terrain, worauf mein Großvater ruhıg sagte : ”Das waren meine Enkel”. Da schwieg Baron Nellessen. Es ist erstaunlich, welch große Erfolge Dr. Molly in seinem Beruf aufweisen konnte. Zu seiner Zeit stand die pharmazeutische Industrie noch in den Kinderschuhen. Großvater Molly griff daher zu Naturheilmitteln. Er wußte in der Heilpflanzenkunde sehr gut Bescheid. Ich besitze noch Rezepte von ihm, zumal ein hervorragendes Keuchhusten-Rezept, aus den Extrakten ver- schiedener Heilpflanzen und Giftpflanzen bestehend, wie Bella- donna, Lactucae virosum, Trifolii usw. Wie Bombastus Paracelsus lernte er auch vom fahrenden Volk und von den Bauern. Diesen sah er manche alte Volkskunst wie Pfarrer Kneipp ab. Auch versuchte er das Fleisch von wilden Vogelarten und Kleinwild. Er behauptete, an der Art des Fleisches könne man den Charakter der Tiere erkennen und umgekehrt. Er hatte große Heilerfolge bereits durch Auflegen seiner Hand. Dann strömte bereits eine große Beruhigung auf den Patienten ein. Dies zumal bei Geburten. So half er den Frauen in ihrer Stunde. Sein Blick unter buschigen Augenbrauen hatte eine ausströmende Gewalt. Das hatte mit irgendeiner Übersinnlich- keit nichts zu tuen. Es war vielmehr eine große Herzensgüte, die von ihm ausging .. . und das Wissen, daß er etwas leisten konnte. Er hat es ja auch bewiesen. Sonst würde man ja heute nicht mehr davon sprechen.
111 Aus meinem Familienarchiv : Kindersterblichkeit vor 170 Jahren Aufzeichnungen des Peter Joseph Emonts 1802-1814 von Leo Homburg Die ersten Impfungen (gegen Pocken) wurden in unserer Gegend zu Beginn des 19. Jh. vorgenommen.(1) Die Kindersterb- lichkeit blieb jedoch bis in unser Jahrhundert hinein erschreckend hoch. So entstand ein natürlicher Ausgleich zu den hohen Geburtenraten, die sont gewisse große Ernährungsprobleme ver- ursacht hätten. Von den Filtern wurde der Tod eines Kindes zwar als ein schmerzlicher Verlust empfunden, doch auch mit großer Gotter- gebenheit und tiefem Glauben getragen. Zur Kindersterblichkeit vor 170 Jahren nun einige Aufzeichnungen des am 22. August 1774 in Raeren geborenen und am 13.10.1815 dortselbst gestor- benen Peter Joseph Emonts-Holley, der zu meinen Vorfahren gehört. ”Ich hab mich Verheratet mitt annamarey Junker in das jahr 1802 Den 6 janwar. johannes Miegel Emonts holley Ende jenemareia junker als gezeugen herteu Johan Gregorius Reuter als pastor in heseger vaehrr Amen auf drey koenigendaeg Peter joseph Emonts Holley ”Meinen Sohn johannes Leionardus Emonts holley ist ge- bohren in das jahr 1803 Den 22 julius morgens um 2 ohr auf maria magdalenen dag im Zeichen des Schoetsen Paett und goed istt gewesen Leonartus Menneken holley Ende Jennmareia Zelles Wedwe Johannes Coch. Pastor isst gewesen johannes Gregorius Reuter alher. (1) S. dazu "Im Göhltal” Nr. 12, S. 47, Bericht des Hergenrather Bürgermeisters Chabert an den Unterpräfekten in Malmedy. Der Bürgermeister berichtet, er habe als erster seinen Sohn gegen Pocken impfen lassen. Im Bericht Chaberts für das Jahr 1804 heißt es, die Impfung setze sich nur sehr langsam durch.
112 ”Meyn Sohn johannes Leonartus istt gestoerben in das jahr 1807 Den 6 februarius Morgens um Ses ohr gelobt Sey jesus Christus amen Peter Emonts holley Leonarts Annamareya junker Dretz Anno 1807 Amen... ”Meine dochter Marecatrein Emonts holley ist gebohren in das jahr 1805 Den 19 September morgens ump 4 uhr patt und gott sund gewesen peter Zelles und Marecatrein Meneken dochter von Adam Mennecken Selbege ist gedauft worden vom heren Schmetz in Abwesenheit unsers pastor hartmann 7 ”Mein Sohn johannes Adamm Emonts holley ist gebohren in das jahr 1808 den 3 aprell abens 5 moenoetten voer tewelff ohr patt und goedt sund gewesen arnordus hausmann und mareka- trein junker dretz derselben ist gedauf worden vom heren pastor hartmann als pastoer alher Peter joseph Emonts holley Anno 1808 den 5 aprell Ge Bag Dann Apem a ee Oo Dan VAR hLer WU CLELRT CELL Cap CHTD beilej SE ME EM AS { ES SE VE RR. Pa) VA MSOZEETE £ . ZEN EZ ST 3 Hetzer Eee DE A ab nn Dü SED € SS GG LE ZEV“ JO) GEBE ZZ Ölrpptl LEE ze BETZ Bi } T FF DD Ban nt en m. VA RD Laß focle BeEEs 24 V er E< CE Ge FE Da ZZ g N WS u ZZ VE Calfele Den Hell 70 LTE VA ARE 1/65 , A ; ZA A he Az MS U CHE. ZU EMI A. DR DE sr GEÖLIEL BEE “o ; VA OL LES CH.. JELGLE Z MY BC Zefgeer AHA ale Sn MN
113 ”In das jahr 1810 ist mein Sohnn johannes Leonartus gebohren den 12 julie Vor medaegh ump halber Zweleff paett und goeti sind gewesen Leonartus Emonts und Marikatrin Mennecken derselbigen ist gedauft worden von heren pastor hartmans Als pastor in Raeren und Neudoerff Peter Emonts annemareia junker Eleuth ”Mein Sohn johannes Leonartus ist gestoerben in das jahr 1811 den 12 Mey Eyn verdel nach twelff ohr des nachts gelobtt Sey iesus Christus amen. ”Meinen Sohnn johannes Leonartus istt gebohren in das jahr 1812 den 30 märtz Nach medaeg ump drey ohr auf ostermoendaeg derselbigen ist getauft worden von heren pasthor harttmann in . Raeren Neudorf patt und gott Sind gewesen beide johannes Kremer Raeren und marekatrin Menneken Ehefraen von johan- nes meghell Emonts Anno 1812 Peter joseph Emonts Annamarey junker Ehleuth mein Sohn johannis Leonartus ist gesteurben den 21 Mertz 1813 morgens "ump halber Eihn gelobtt sey jesus cristus Amen. ”Mein dochter annamareia francoesca Emonts holley istt gebohren in das jahr 1814 den 10 Aprill abens um 11 1/2 oer das selbe istt gedauff worden von heren pastor hartmann patt und godt sind gewesen Wellelmus Kever und jenemareia juncker dris Nemplich auf Oester Oeventt. ”Meine dochter Annamareia francoesca Emonts ist gestoer- ben den 20 April morgens ump 10 Aeur in das jahr 1814 gelobtt sey jesus cristus Amen Von den sechs Kindern, die den Eheleuten Emonts-Junker von 1803 bis 1814 geboren wurden, überlebten also nur zwei. Der Vater, Peter Joseph Emonts-Holley, von Beruf Töpfer, starb im Alter von 41 Jahren. Die Mutter, geb. am 16. Mai 1777 als Tochter von Adam Junker und Katharina Mennicken-Holley, starb am 29. Juni 1818 im Alter von 40 Jahren.
114 ° Die geheimnisvolle Truhe Eine Schmunzelgeschichte vom Dreiländereck von G. Tatas Mein Großvater mütterlicherseits hatte die Ehre, ab initio mit dabei zu sein, als Anno domini 1873 in der Knabenschule zu Gemmenich die St. Hubertus-Schützengesellschaft diesen Plane- ten betrat. Diese Ehre hat er zeitlebens so zu schätzen gewußt, daß ihm der geliebte Verein zum Ausgangspunkt aller edleren Emotionen, zum Horizont seines Interessengebietes und zum scharfen Umriß seines Weltbildes wurde. Laue Vereinsmitglieder, worüber jeder Vorstand heutzutage zu klagen hat, werden mich hier wohl der Übertreibung bezichti- gen. Aber diese Erzählung wird ihnen beweisen, daß es damals Menschen solcher Art gab, als Ferienreisen in aller Herren Länder, Fernsehen und sämtliche technischen Errungenschaften bis zur Erforschung des Makrokosmos ihnen noch nicht den Blick auf ein weltweites Lebenspanorama geöffnet hatten. Nun, das Beweisobjekt ist eine alte wurmstichige Truhe, die auf Großvaters Stube in meinem Elternhaus hermetisch verschlos- sen neben seinem Bett stand. Ich war ein Bub von acht Jahren und durfte mit Großvater alles anfangen, was Enkeln gewöhnlich zum Schaden ihrer Erziehung erlaubt ist : Ich durfte ihn für alle meine Eigensinnigkeiten und Launen gefügig machen und ihm zum Beispiel auf Spaziergängen mit quängelndem Zerren an den Rockschößen immer wieder einen neuen Kurs diktieren und durfte alles, sogar seine Taschenuhr kaputt machen, nur - mit einem Finger die alte Truhe berühren - das durfte ich nicht. Die Truhe war ein geheimnisvolles Tabu. Ich erinnere mich, daß ich eines Tages, als mehrere Söhne und Töchter bei Großvater auf der Stube zu Besuch weilten, und ich vor lauter Onkeln und Tanten keinen freien Stuhl mehr hatte, in meiner Unschuld die Truhe als Sitzgelegenheit benutzen wollte. Da verlor der sonst so nachsichtige und gutmütige Opa sein seelisches Gleichgewicht und seinen Sinn für die übliche Verwöhnungstaktik. In einem cholerischen Anfall langte er mir eine herunter, daß ich als verzogener Bengel aus allen Wolken fiel und
115 merkte, wie verdammt heilig ihm die alte Kiste sein mußte, denn Großvater sah wie der feuerschnaubende Drache aus, der vor dem heiligen Haine das goldene Vlies bewacht. Die ganze Familie bekam einen Schreck und man begann der Truhe gegenüber eine scheue und ehrfürchtige Haltung einzunehmen. Weil niemand etwas über den Inhalt wußte, erhielt sie die Bedeutung eines geheimnisvollen Schatzes in einem Abenteuerroman. Jahrelang bildete die Truhe das Flüsterge- spräch der Familie. Was konnte sie blos enthalten, das Großvater sogar vor seinen Kindern so sorgfältig verbarg und ihn hinreißen konnte, seinen vergötterten Liebling zu züchtigen? Geld, ein Testament, Wertpapiere, Schmucksachen? Es war des Ratens kein Ende. Ich selbst hielt das hölzerne Ungetüm für so etwas wie eine große Büchse der Pandora, aus der alles Übel der Welt kam, denn es hatte mir meine erste Ohrfeige im Leben eingebracht. Indessen blieb das Geheimnis der Truhe ungelöst, bis Großvater im 81. Lebensjahr eines Morgens die letzte große Reise antrat, wohin er seine Kiste nicht mitnehmen konnte. Als man nach der Beerdigung zusammenkam, um die Truhe zu öffnen, war kaum einer je so gespannt gewesen wie in diesem Augenblick. Der große Moment kam, der Schlüssel knarrte im alten Schloß, der Deckel hob sich - doch dann sah man nach der ersten Überraschung auf allen Gesichtern nur ein gerührtes Lächeln. Obenauf lag der vergilbte goldene Kranz, den Großvater als Goldjubilar der St. Hubertus-Schützengesellschaft bei den SO0jahrfeiern um den Zylinder getragen hatte. In der Mitte des Kranzes die Medaille mit der eingravierten 50 und bis auf den Boden der Kiste förderte man nur alte Tombola-Heftchen, alte Plakate, Eintrittskarten und Programme mit dem Titelkopf «Kgl. St. Hubertus-Schützengesellschaft» zutage. Nicht mal einen Ver- sammlungsbericht oder eine Vereinschronik, diese Dokumente verwahrte der Schriftführer des Vereins, und bis zu diesem Posten war Großvater nie aufgestiegen. Seine Sprößlinge und Erben umstanden zwar etwas ratlos dieses Vermächtnis, doch bedurfte es keiner Testamentsverfügung wie in Jean Pauls «Flegeljahre», um ihnen eine Träne der Rührung zu entlocken. Glaubt man jetzt, daß Vereinstreue und -anhänglichkeit die Lebenserfüllung unserer Großeltern sein konnte?
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