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Vorsitzender : Leo Wintgens, Moresnet-Kapelle, Aachener Straße 12 Sekretärin : Frl. Georgette Xhonneux, Neu-Moresnet, Lütticher Straße, 168 Tel. 59.467 Leo: : Alfred Bertha, Hergenrath, Bahnhofstraße 20 b Schriftleiter : Fr. Darcis, Pfarrer i. R., Moresnet-Kapelle, Kloster. Kassierer : Fritz Steinbeck, Kelmis, Lütticher Straße, 39 Bankkonto 251.251 der Societ& Generale. de Banque, Verviers (P.S.K. 695) Die Beiträge verpflichten nur ihre Verfasser, } Alle Rechte vorbehalten. Fahr des Titelblattes : Frau Pauquet - Dorr, Kelmis, Diese Skizze zeigt den Moresneter Göhlviadukt sowie die Hergenrather Hammerbrücke in ihrer ursprünglichen Form. Druck : J. Aldenhoff - Gemmenich. } £
Im Göhltal ZEITSCHRIFT der } VEREINIGUNG für Kultur, Heimatkunde und Geschichte im Göhltal N+:2 Lezember 1967
Inhaltsverzeichnis, Ren€ Jongen, Löwen (Moresnet) Sind unsere Mundarten Sprachen? 3 L. Kohl, (Nades), Kelmis De Moddersprok 8 Peter Zimmer, Kelmis Entstehung und Tätigkeit des Alten- berger Bergmannsvereins 9 Frau J. Pauquet-Dorr, Kelmis Geschichten um Oma Marjännchen 13 Hermann Heutz, Hauset Der Iesbär 15 Leo Wintgens, Moresnet Vergessene Zeugen der Vergangen- heit, Steinkreuze an unsern Wegen 16 Josef Bindels, Kelmis Missiunsjedanke 24 Firmin Pauquet, Kelmis Die älteste Besiedlung im Gebiet der ehemaligen Herrschaft Kelmis 25 Robert Creutz, Lontzen Lontzen 36 Gerard Tatas, Gemmenich Märchen im Schnee 38 Josef Franck, Aachen Cesar Franck, ein Schaffender zwischen den Nationen 39 Alfred Bertha, Hergenrath Auf dem Büchermarkt 47 Neue Vorteile für unsere Mitglieder 48 Gerard Tatas, Gemmenich Erster Jahresbericht 49
3 Sind unsere Mundarten Sprachen ? Rene Jongen, Assistent an der Universität Löwen. Das auch eine Mundart als Sprache bezeichnet werden kann, müß- te eigentlich für jeden selbstverständlich sein. Denn eine Mundart ist nur dann keine Sprache, wenn man hiermit den Begriff ”Hochsprache, Kultursprache” meint. Und dies ist ein sehr besonderer Gebrauch des Wortes ”Sprache”. Zudem enthält er leider meistens ein sehr relatives Werturteil : Sprache = Hochsprache = das Gute, im Gegensatz zu . Mundart = das Schlechte, das zu Verlernende. Der so Denkende sollte sich wenigstens der Beschränktheit des Kriteriums bewußt sein, das er dabei anwendet. Im Grunde ist’er zu vergleichen mit jenem Men- schen, der, auf Grund eines sozial bedingten Werturteils, ”nein” ant- worten würde auf die Frage, ob arme Leute auch Menschen seien.(1) Das Phänomen ”Sprache” 1äßt sich kaum von nur einer Seite her erfassen. Man muß versuchen, es als ein zumindest doppelseitiges Et- was zu sehen : einerseits, als das, wozu es dient (funktionelle Beschrei- bung), andrerseits, als das, zu dem es geworden ist (historische Be- schreibung). Wir befassen uns hier mit der funktionellen Beschreibung. Funktionell kann man die Sprache definieren als ein durch Kon- vention fixiertes System von Zeichen, dessen der Mensch sich bedient, um eigene Gedanken und Gefühle mitzuteilen und die Gedanken- und Gefühlsäußerungen anderer zu interpretieren und verstehen. Sie ist also ein blosses Werkzeug, ein Kommunikationsmittel, äußerst system- haft und wirksam. Sie ist überindividueller, sozialer Natur : sie ist ein gemeinschaftliches Gut, an das jeder einzelne sich zu halten hat, will er verstanden werden ; das Kind ersinnt sich nicht seine eigene Sprache, es eignet sie sich an, als etwas, das bereits vorhanden ist. Im wesentli- chen ist sie ein systematisch aufgebauter Code von Zeichen, von kon- ventionellen Form-Bedeutungseinheiten. Denn jedes Zeichen besteht aus einer Form, an der es erkannt werden kann (formaler Aspekt) und einer Bedeutung, die konventionell mit der Form verbunden wird (semantisch-geistiger Aspekt). So wie dem formalen Aspekt eines Ver- kehrszeichens (etwa dem Rot der Verkehrsampel) eine durch Abkom- men fixierte Bedeutung zugemessen wird, so werden auch mit den sich in mancherlei Gestalt realisierenden sprachlichen Formen bestimmte Bedeutungen und Funktionen verbunden. Die Form ist also das Bedeu- tende, das Bedeutungstragende : ihr wird von all denen, die der betref- fenden Sprachgemeinschaft angehören, eine gleiche Bedeutung oder Funktion zugemessen. Der Mensch lebt aber mitten in einer äußeren und inneren Welt, in der er alltäglich auf tausende und abertausende verschiedene Bedeutungsinhalte stößt. Hätte nun jede dieser Bedeutungen ihre spezifische, nicht weiter analy- S sierbare Form, so müßte es ebensoviel verschiedene und sich deutlich von ein- ander abhebende Urformen geben : dies würde sowohl die Kapazitäten des (1) Die in diesem Beitrag angeführten mundartlichen Beispiele sind der Mores- neter Mundart entnommen. Bis auf eventuelle lautliche Einzelheiten dürften sie wohl für das gesamte Göhlgebiet zutreffen.
4 menschlichen artikulatorischen und auditiven Apparates wie die seines Gedächt- nisses überschreiten. Die kleinsten, nicht weiter zerlegbaren Formelemente sind die Laute (etwa [a] oder [t]). Nicht aber diese einzelnen Laute als solche sind Bedeutungsträger, sondern Kombinationen einer beschränkten Anzahl solcher N Elemente. Ein deutsches [n] hat keine Bedeutung, noch ein langes [aa]; die Kom- bination [naa] jedoch ist ein selbstständiges Zeichen, ein Wort (”nah”). Keiner der Laute [n], [aa], [z], [e] ist eine Form-Bedeutungseinheit, die Kombination in der angegebenen Reihenfolge jedoch bedeutet ”Nase”, Im Rahmen der soeben gegebenen funktionellen Sprachdefinition läßt sich der Begriff ”verschiedene Sprachen” sehr wohl handhaben, um den Tatbestand in Worte zu fassen, daß es auf Erden nicht eine Sprache gibt, sondern eine Vielzahl von verschieden aufgebauten sprachlichen Zeichensystemen. Zu bemerken ist jedoch, daß diese Ver- schiedenheit nicht nur — wie oft angenommen wird — auf der forma- len Ebene zum Ausdruck kommt (2), sondern auch auf der geistig-se- mantischen Ebene. Extrem gesehen bedeutet dies folgendes : wir sagten bereits, daß der Mensch in seinem Dasein in der Weit und mit sich selbst auf vielerlei Bedeutungsinhalte stößt, denen er versucht, eine sprachliche Gestalt zu verleihen. Er analysiert also die äußere und innere Wirklichkeit und verleiht den dabei gefundenen In- halten und Kategorien sprachliches Leben, indem er sie zu Form-Bedeutungs- einheiten macht. Diese Analyse der Wirklichkeit geschieht jedoch keineswegs auf universell-einförmige Weise, Im Gegenteil, jede Sprache vollzieht eine eigene und vielleicht einmalige Weltanschauung. Jede Sprache gliedert die Natur in eigener, spezifischer Weise auf, so daß, umgekehrt, kein Individuum Freiheit hat, die Welt auf beliebige Weise zu sehen : ich kann die Welt nur in den Kate- gorien und Schemen sehen, die mir von meinem sprachlichen Hintergrund auf- erlegt sind. Auch die Bedeutungen also sind von Sprache zu Sprache verschieden. Am deutlichsten werden derartige Unterschiede evident, wenn man zivilisato- risch weit voneinander entfernte Sprachen miteinander vergleicht. Unsere euro- päischen Sprachen etwa — und somit auch die Gebraucher dieser Sprachen — teilen die Welt auf in die Kategorien der Dinge und der Vorgänge : die einen werden durch sog. Verben (Zeitwörter) bezeichnet (”laufen, sitzen”), die anderen durch sog. Substantive (Hauptwörter) ("das Haus, der Blitz”). Zunächst muß da- rauf hingewiesen werden, daß die Natur selbst nicht so ”polarisiert” ist und daß wir uns unter ”Vorgang” nur das vorstellen, was die Sprache zu sehen glaubt (und also nicht unbedingt, was wirklich ist : im Grunde ist ”sitzen” etwa weniger Vorgang als ”Blitz” !). Die Nootke-Sprache dagegen, eine nordamerikanische In- dianersprache, verkörpert ein Weltbild, dem alles als Vorgang erscheint : es gibt also keine Substantive , die Erscheinung ”Haus” etwa wird als zeitlich dauerndes Ereignis (= Vorgang) gesehen und kann nur bezeichnet werden als (in wörtlicher Übertragung ins Deutsche) : ”es haust”. ”Die Zigarette lag auf dem Tisch” würde etwa heißen : es zigarettete dort wo es tischt. Nach dieser theoretischen Einführung wollen wir es nun wagen, einzugehen auf einiges Spezifische -am Sprachsystem unserer Mundar- ten. Es hat keinen Sinn, nach einer möglichst vollständigen Beschrei- bung zu trachten. Einmal, weil der Raum dazu fehlt ; zweitens, weil der übergrosse Teil unserer Darstellung sich decken würde mit dem, was ebenfalls vom Deutschen und anderen unseren Mundarten nahe- stehenden Sprachsystemen zu sagen wäre. Wir wollen uns ausschließ- lich mit einigen jener Merkmale befassen, die unsere Mundarten spe- zifisch kennzeichnen. Wir wenden uns zunächst dem formalen Bereich zu, dann dem geistig-semantischen. (2) Wäre dem so, so wären alle Sprachen nichts anderes als Nomenklaturen von verschiedenen Formen für gleiche Bedeutungen,
| S Ein Merkmal unserer Mundarten, das sie wohl am stärksten in ihrer Eigenart kennzeichnet und das dem Fremden immer wieder auf- fällt, ist die sog. "Rheinische Akzentuierung”. Am besten sehen wir uns diese Erscheinung vom Vorhergesagten her an. Die sprachliche Form ist nur da, um als Bedeutungsträger zu fungieren. Nicht alles an dieser Form ist von Belang, nur einige wesentliche Merkmale sind wichtig (im gleichen Sinne, wie etwa nicht alles an der Verkehrsampel für die Zeichenfunktion wesentlich ist : essentiell ist die rote Farbe, unwichtig und freier Variation ausgesetzt ist etwa die geometrische Form, ob rund oder oval). So kann die deutsche Wortform ”Saal” auf verschiedene Weisen ausgesprochen werden, ohne daß das Wort verloren ginge : das [aa] kann mehr oder weniger lang sein (nicht zu kurz je- doch, denn es soll von einem kurzen [a] unterschieden bleiben); es ist mir erlaubt, die Intonation (oder den Grundton) beliebig zu variieren (hohe oder tiefe Stimmlage, hoch ansetzende oder abrupt fallende In- tonation usw...). Dies alles sind freie Gestaltungsmöglichkeiten, die nichts an der aa-Form ändern. Im Chinesischen dagegen können die Wortformen nicht mit beliebiger Intonation ausgesprochen werden : ”feng” etwa bedeutet ”Wind”, wenn man es mit ebenem Ton realisiert, ”dienen” wenn der Ton fallend ist. Mit anderen Worten : auch die Ton- höhe gehört in diesem System zu den essentiellen Bausteinen, derer die Sprache sich bedient um Zeichenformen zu gestalten. Deswegen nennen die Sprachwissenschaftler das Chinesische eine Tonsprache. Die rheinische Akzentuierung nun ist eine dem chinesischen Ton ähn- liche Erscheinung : das lange [aa] von [zaal] etwa darf nicht gleich- wie ausgesprochen werden. Je nach Prägung und Gestaltung von Ak- zent (Energie) Tonhöhe (gemächlich ablaufende oder schroff abgebro- chene Intonation) und Zeitdauer (Tendenz zur Länge oder Tendenz zum Einkürzen) bekommt man zwei ganz verschiedene Wortformen : [zaa.l] (Saal) - [zaa:l] (Sattel) (3). Andere Beispiele ähnlicher Oppo- sitionspaare sind : [hoo.t] (Holz) - [hoo:t] (Hut); ([(lii.s] (Liste) - [li:s] (dünne Haut, etwa auf der Milch) ; [h’o’o.s] (Hals) - [h’o’o:s] (Strumpf) ; [mo’o’.s] (Moos) - [mo’o’:s] (Gemüse) ; [vaa.s] (fest) - [vaa:s] (Vase) ... Auch mit kurzem Vokal : [ke.s] (Kiste)- [k6:s] (Kies); [mo’.t] (Motte) - [mo’:t] (er muß); [jü.pke] (der kleine Jupp) - [jü:p- ke] (Hühnchen) ; [e z&.t] (er sitzt) - [e ze:t] (er säht) ... Die beiden Gestaltungsmöglichkeiten heißen in der Fachliteratur : Trägheitsakzent (zB. [zaa.l]) bzw. Schärfung (zB. [zaa:l]). I Wenden wir uns nun kurz der inhaltlich - semantischen Seite der Sprache zu und versuchen wir zu sehen, wie auch hier das Sprachsystem (3) Unsere Transkription der mundartlichen Formen trägt allen essentiellen Laut- unterschieden Rechnung. Die meisten Zeichen haben den in deutscher Schrift-- sprache üblichen Lesewert (etwa [sch], wie in Schule). Besondere Zeichen sind : 1. [6&/6’/0'] = geschlossene Vokale, wie in deutsch geben, böse, rot 2.[&’6/’0] = offene Vokale, wie in frech, Löcher, Loch 3. [e] = Murmellaut, wie in böse 4. Länge wird bezeichnet durch Verdoppelung des Vokals, dh. [aa] = langes ”a”, zB. [zaa.l] = Saal 5. Trägheitsakzent (siehe weiter im Text) wird bezeichnet durch nebengesetzten Punkt, zB. [zaa.l] = Saal 6. Schärfung durch nebengesetzten Doppelpunkt, zB. [zaa:l] = Sattel 7. «» vor einer Silbe deutet an, daß die folgende Silbe betont ist zB. [’ba:vejaan], Bavian (= Pavian).
6 unserer Mundarten sich den allgemeinen Gesetzen nicht entzieht, und sich ein eigenes, an sich wertvolles, weil vom Menschen geschaffenes, Weltbild aufbaut. Dieses Weltbild ist, in seinen allgemeinen Zügen, dem anderer europäischer und namentlich germanischer Sprachen sehr ähnlich, denn es handelt sich ja um im Ursprung identische und von den gleichen zivilisatorischen Gegebenheiten geformte Sprachen. Das inhaltlich-geistige Gerüst unterscheidet sich deshalb nicht wesentlich vom gesamten europäischen Sprachdenken. Jedoch auch innerhalb des engeren Rahmens des germanischen Sprachgebietes unterscheidet sich jedes einzelne Sprachsystem dadurch, daß es ganz eigene Bedeutungs-, Denk- und Gefühlsinhalte ins Leben ruft. Dies geschieht zunächst einmal überall dort, wo der Mundart- sprecher in seinem eigenen dörflichen oder beruflichen Lebenskreis tagtäglich mit Gegebenheiten und Ereignissen in Berührung tritt, die es nur hier gibt und die er aus eigener Kreativität zu nennen hat. (Die heutige Mechanisierung jedoch bringt eine Art Nivellierung hervor, bei der sich sowohl die althergebrachten Daseinsformen (Arbeitsfor- men, Sitten und Gebräuche ...) wie auch die menschlichen Begriffe ändern : mit den Sachen verschwinden. auch die dazugehörigen Wörter. Die schönsten Beispiele solcher unserer Mundarten eigenen Bedeu- tungsinhalte und Begriffe sind wohl im bäuerlichen Lebenskreis zu fin- den. Charakteristisch für unser Ländchen ist etwa das dichte Hecken- netzwerk : die Scherhercken, die alljährlich mit der ”haa:ch-schier ge- sch’o’o:re ” werden, und die ”hue:ch haa:ge”, in deren Schatten das Vieh Schutz findet gegen Sonne oder strömenden Regen und die all- jährlich ”getü:ngt” werden (dh. ursprünglich : gezäunt, eingefriedigt); nur im Deutschen ist die urspr. Bedeutung von Zaun = Einfriedigung beibehalten; in den anderen germ. Sprachen bezeichnet das Wort heute den Raum, der eingefriedigt, umzäunt ist, es sei als (ummauerte) Stadt im englischen ”town” oder als Garten im niederländischen ”tuin”. Im Juni - Juli wird überall geheut : das Gras wird ”geme:jt, geschpre:jt, op be:tschere (= kleine Betten) getro’.ke, geki:et”; es werden ”kaschi:el- schere” (= kleine Castella) gemacht ; das Heu wird ”op bö’.k” oder ”hö’:pele geza.t” und schließlich ”&.jevaa:re”. Eventuell kommt es dann später noch zum ”gro’:met” (dh. urspr. ”grü- ne Maht”, Mittelhochdeutsch gruon-mät). Ferner etwa die Milchwirtschaft, als noch überall ” ’makai.” und Butter gemacht wurde : der ”ro’o’:m”” (Sahne) wurde im Keller in ”baa:re” aufbewahrt (dh. in Steintöpfen, urspr. das Getragene, vergl. Eimer = ein-bar-=an einem Henkel getragen ; siehe auch engl. to bear = tragen und er ist geboren = urspr. : getragen worden) und einmal in der Woche verbuttert. Oder auch die ”mää:germ66.lek” wurde in ”Bahren” gefüllt und ”beva:nge” (= man setzte ihr Käselab zu); war der ”waa.i” (die Molke) abgesondert, so wurde der ”kn’o’0:” in ”be- ke” gefüllt (= viereckige Formen, die ringsum durchlöchert sind), damit die geronnene Milch zum Makai werden konnte ... Jedoch auch die meist universellen Inhaltsfelder können vom ein- zelnen Sprachsystem auf ganz eigene Weise analysiert und aufgeteilt
7 werden. Ein klassisches Beispiel ist die verschiedene Behandlung des Bedeutungsfeldes ”laufendes Wasser” im Französischen und Deut- schen : während der Franzose zwischen dem ruisseau und dem fleuve auch eine riviere, einen nicht unmittelbar ins Meer mündenden Fluß unterscheidet, kennt der Deutsche nur Bach und Fluß. Auf ähnliche Feststellungen würden wir für unsere Mundarten stoßen, gäben wir uns die Mühe, einige Bedeutungsfelder systematisch zu untersuchen. Ich denke etwa an den Begriff ”werfen”, den wir ja aufteilen in ”w@e&.- repe, - brü:je - kl&&:ne” oder gar ”fl&&:re”. Auch das Bedeutungsfeld ”sprechen” ist reich konstitutiert : schpröe.ke - ka:le - mu:le - ba:bele usw.; oder ”weinen” : gringe - krii.sche - juu.nke - bö’e.ke - bö’e.le.. und stehlen : schtö:le - klau:we - p6.ke - schtri,tse - mö.pse ... Ferner sind in diesem Zusammenhang zu erwähnen : alle jene Wortformen, denen, auf Grund etwa eines ihnen anhaftenden lautsym- bolischen oder -expressiven Gehalts, ein besonderer Gefühlswert zu- kommt. Auch hier ließen sich hunderte Beispiele anführen. Denken wir an Reihen wie ba:bele - kaa.kele - faa.zele - bröe.zele - wa:schele - wau.wele (für das leere Schwatzen), wie ram@6&.nt - radau.w - schpek- "tää.kel - schtendaa:1 (für Lärm und dgl.), oder schtel - lii:s - höi:sch (für leise, nicht laut). Die vielen Bezeichnungen für den flegel- oder lüm- melhaften Straßenjungen : ene lö’mel - 1öö’.res - lö:bes - schtro’.p - bö:ngel - vl&:gel - pi:zel - n&:les - do’:mgro’o’:f; für den nicht allzu schlauen, ungeschickten Menschen : ene do’:me tsö8’.1 - schtöö.ltes - schtöö’.rekel - fla:p - klüü’.tekl’oo:s - e dö.pe ...; für den etwas sonder- baren Menschen : ene bä.traa:f - bä:vejaa.n - tüe:n - küe:p - hä.lko’ti - ’hu:veju.p - ’baa.b&&:r - ko’.m’sa - föö.enes - ’ha.mpelemaa.n - e tu.pes- sche:n’00:s - bäa.k’oo.f - küü.ke ... Schläge bekommen kann heißen : ze verpi:zelt, vermöö’:belt, ver- z’oo.te, ää:fgekamez’oo:lt kri:je ; ze me.ter pra:ng, pre.nkel, kü:l, knö.- pel kri:je &:ng dro’.p kri:je; ze r&&.ets &.n 16&.nks la:nzen uu:re, 0’.pter kri.spii:nes, o’.pter bluu:ete wa:mes, 0’.pti k&.tsch, 0’.pti bletsch, o’.pene za.k kri:je; en uu:rvie, en ta.chel, schma:gge kri:je; der wi.kes jeköö‚:rt kri:je ... Jemand, der zuviel Komplimente schneidet oder Umschweife macht ma.kt beschuu:re, behaa.i, fizemate&.ntschere, v’öö:ltrala., v’öö:1 derh6€: ... Er ist ene we€.nkbü.l, ene waa.ibü:l, ene baa.zelemanes ... Die Liste ließe sich ins Unendliche ergänzen ! Interessant wäre ferner auf die Etymologie, den Ursprung solcher Wendungen und Wort- formen und somit auch die menschlich - geschichtliche Dimension ein- z zugehen : dies jedoch gehört zum zweiten, historischen Aspekt der Sprache.
8 De Moddersprok. 1. Et schönste Geschenk, wat vör hant op de Welt, Dat es, wat os Modder os jejäve ; Dat lot vör net vahre, nee, vör je Jeld, . Behaue-n-et esö lang wie vör läve. Denn wat os de Modder als Keng hat jeliet, Dat schätz vör huech, dat wät jeihet E Vröjd en Leed, be Kummer of Plag, Dröm hüet, wat ech öch sag : Refrain. Denkt an de Moddersprok, hott se en Ihre ! Ech jäv öch hej der Rot : Dött se net quittiere ! Denn wat öch de Modder Jeschenkt, dat sodder, Jo merkt öch dat, Stets drage en ühr Hat! 2. De Moddersprok es der schönste Schmuck, Do kann je Minsch dra wanke ; En wä sie Modder noch spräeke hüet, Dä sow der leve Jott danke. Nemmt och der Duet os Modder ens met, Wat se jesproeke verjäete vör net. Sölang wie mie Hat noch schleet en de Brost, Sag ech ut voller Lost : (Refrain). 3 Wu dör och stött, of wu dör och jött, Ming levste Häere en Dame, Spräekt wie ühr Modder,’ geniert öch net, Dovör brukt dör öch niemals te schame. Es och ühr Modder jebrechlech en oht, Jong blitt doch ömmer de Modder hör Sprok. Dröm hott se en Ihre, betracht et als Pflecht, Dat jelt vör mech wie vör dech, (Refrain). NADES (Leonhard Kohl, Kelmis)
9 Entstehung und Tätigkeit des Altenberger Bergmannsvereins, von Peter Zimmer Man schrieb das Jahr 1893. Der Zinkerz-Bergbau im Göhltal hatte seine Blütezeit erreicht. Aus den Stollenmundlöchern an der Hammer- mühle und im Emmaburgerwald rollten kleine Wagen, beladen mit den Bodenschätzen der Gruben : Fossey, Lindengraben, Prester, Esch- broich und Schmalgraf. Eine Pferdebahn brachte, den Göhlbach und Emmaburgerwald entlang, Erz und Gestein zur alten Wäsche nach Kelmis. Dieselbe ist heute noch teilweise äusserlich erhalten und dient der Zementblockfa- brikation, wozu die Asche der ehemaligen Zinkoxydhütte verwendet wird, welche im Jahre 1929 in Betrieb gesetzt wurde. Die jetzt fast Ruinenhaft aussehende Turmuhr dieses Gebäudes, trägt heute noch als stummer Zeuge vergangener Zeiten das Bergmanns- symbol : Schlägel und Eisen und erinnert an jene Männer, die dieses Symbol als Gezähe benutzten und am 30. Juli 1893 den Altenberger Bergmannsverein für die Gruben- und Bohrarbeiter der Gesellschaft Vieille-Montagne gründeten. E + As +— ee E / X, 2 , ( NG 3 N a ‚ud ; 8 E X Bevor die erste Dampflokomotive die mit Zinkerz gefüllten Kipp- wagen fauchend von der Schachtanlage Mützhagen, ab Weißes Haus längs der Lütticherstraße, nach Kelmis zog, wurden die Statuten des Vereins am 30. September 1893 von Bürgermeister Schmetz zu Neu- tral-Moresnet genehmigt und mit dem Gemeindestempel versehen. Noch ehe die Seilbahnförderung über die grünen Auen und Täler
10 zwischen dem Lontzener Bergwerk und dem neuen Aufbereitungsbe- trieb (Wäsche) zu Preußisch-Moresnet in Tätigkeit war, entfachte der Verein im Göhltal bereits eine bemerkenswerte soziale Aktivität. Die- selbe bestand zum Teil darin, die infolge eines Unglücks arbeitsunfähig gewordenen Mitglieder zu unterstützen und ihnen nach Möglichkeit beizustehen. Ein einmaliges Beitrittsgeld zum Verein in der Höhe von 75 Centimen, sowie ein regelmäßiger Monatsbeitrag von 25 Centimen wurden zu diesem Zwecke erhoben. Wenn uns diese Beiträge heute vielleicht niedrig vorkommen, so waren sie den damaligen Verhältnissen und dem Einkommen entspre- chend hoch, denn der Tagesverdienst eines Bergmanns betrug zu dieser Zeit etwa drei Franken im Durchschnitt. Deshalb wohl auch konnte im Armutsfalle ein Mitglied durch den Vorstand von der Beitragszah- Jung entbunden werden, wenn es dem Verein seit wenigstens 6 Monaten als Mitglied angehörte. Der Vorstand verpflichtete sich, über den Na- men des betreffenden Mitgliedes Stillschweigen zu bewahren. Jedes Mitglied war außer zur Beitragszahlung verpflichtet, an den Vereinsversammlungen teilzunehmen, welche an jedem zweiten Sonn- tag des Trimesters stattfanden. Wurde dasselbe von einem Unfall be- troffen, so erhielt es vom ersten Tage an einschließlich Sonn- und Feiertagen, zwanzig Pfennige oder fünfundzwanzig Centimen pro Tag von seiten des Vereins, sobald es demselben seit 6 Monaten als Mit- glied angehörte. Ein Mitglied, welches volle 6 Monate diese Unterstützung bezogen hatte, aber noch nicht vom Unfall genesen war, erhielt keine Unter- stützung mehr, wurde aber bis zur Arbeitsaufnahme von der monatli- chen Beitragszahlung entbunden. Erlitt ein Mitglied nach 6 Monaten einen neuen Unfall, so erhielt es wieder die vorgesehene Unterstützung. Starb ein Mitglied, so zahlte der Verein an dessen Angehörige oder Rechtsnachfolger 30 Mark Sterbegeld, solange der Kassenbestand die Zahlung dieser Summe zuließ. Wer eine ehrlose Handlung beging oder mit der Beitragszahlung 3 Monate im Rückstand blieb, ging der Mit- gliedschaft verlustig. Ebenfalls vom Verein ausgeschlossen wurde derjenige, welcher die bürgerlichen Ehrenrechte verlor. Sogar wer Streit suchte oder an- fing, musste im ersten Falle der Vereinskasse eine Mark Strafe zahlen und im zweiten Falle wurde er aus der Vereinsgemeinschaft entlassen. Gelegentlich der Generalversammlung vom 11. März 1895 be- schloß man, daß pensionierte Mitglieder ohne Beitragszahlung Mitglied des Vereins bleiben konnten ; ebenfalls beschlossen wurde, das Sterbe- geld für dieselben auf die Hälfte zu reduzieren. Diese Vereinsgründung beweist, daß die Bergleute an der Göhl damals schon von einem wahren Solidaritätsgeist beseelt waren, aber
12 Kelmiser Bergleute aber, die seit den zwanziger und dreißiger Jahren im Lütticher Kohlenbecken beschäftigt waren und ihren eigenen Verein hatten, feierten zu dieser Zeit gemeinsam mit dem Altenberger Bergmannsverein, dem ja nur Bergleute des Altenbergs beitreten konn- ten, das Sankt Leonardusfest. Nachdem im Juli 1938 der letzte Untertagebetrieb im Göhltal die Zinkförderung eingestellt hatte, übergaben die alten Bergleute des Altenbergs, gelegentlich dieses Festes den jüngeren Bergleuten der Kohlenzechen ihre Vereinsfahne und sonstige Utensilien und stellten ihre Vereinstätigkeit ein. Gleichzeitig äußerten sie die Bitte, man möge Fahne und Vereins- tätigkeit als Erbstück übernehmen und nie unterlassen, bergmännisches Brauchtum im Göhltal zu pflegen. Dieser Bitte kam man nach, und die Kelmiser Bergleute treffen Vorbereitungen, im kommenden Jahr das 75-jährige Vereinsjubiläum zu feiern, wenn auch kein Bergwerks- glöcklein im Göhltal mehr zur Schicht ruft, keine Bergleute mehr dort vor der Einfahrt in der Waschkaue knieend mit unbedeckten Häuptern die Gebete verrichten, die am 25. Dezember 1895 von Victor Joseph, Bischof zu Lüttich mit einem vierzigtägigem Ablass versehen wurden, heute aber noch von den Kelmiser Bergleuten vor und nach jeder Vor- stands- oder Vereinsversammlung gebetet werden : Mit Dir, Allmächtiger, fahr ich an, Ich lege sie in Deine Hand: und voll Vertraun auf Dich, Du wirst ihr Vater sein. nicht schreckend ist die dunkle Bahn, Dir ist kein Unfall unbekannt, denn Du begleitest mich. der plötzlich bricht herein. Ein jeder Schritt auf steiler Fahrt So komme denn die letzte Schicht erinnert an den Tod. auf meiner Pilgerbahn. Ich wandle hin, von Dir bewahrt, Glück-Auf, Glück-Auf, ich zage nicht; getrost und froh, mein Gott. Du nimmst Dich meiner an. Amen. Dein Wille war, daß meine Hand oft schmerz- und wundevoll, und nahe an des Todes Rand, mein Brot mir suchen soll. * Bis jetzt verließ Dein Schutz mich nicht Re gesund vo! dr CC Ich meine ıcht, L G A een an En So sei auch ferner noch bei mir, Oh getreuer Gott, auf meinem Arbeitspfad, "Laß die Engel uns bewahren; mit Deiner Hülfe, die von Dir Beschütze uns vor aller Not. an Re Laß uns deinen Segen finden, Fahr ich zur Grube froh heraus, den Du allhier verborgen hast, dann dank ich Dir, daß Du in der Tiefe Erdengründen, mich zu den Meinen bringst nach Haus darin Gutes eingefaßt. SR OS Rt Wenn die Arbeit ist geschehen, Doch sollt ein widriges Geschick Laß uns fröhlich fahren aus, mir in der Tiefe droh’n, Alle aus an des Tages Licht so bist Du Herr der Meinen Glück, und führ uns wieder gesund nach Haus. ihr Trost, ihr Schild, ihr Lohn. Amen.
13 Geschichten um Oma Marjännchen Frau J. PAUQUET - DORR 1. Auf dem Schulweg. Der Unterricht in der Hergenrather Schule war zu Ende. Lachend und balgend lief die kleine Schar auseinander. Nur Marjännchen hatte heute keine Eile. Es war anstrengend gewesen in der Schule, aber der Herr Lehrer hatte gelobt, denn auf der Schiefertafel stand sauber hin- gemalt : Den 18. September 1876 und eine lange, lange Geschichte vom Josef, der von seinen Brüdern verkauft wurde, Schreiben macht hungrig. In der blauleinenen Schultasche waren noch ein Äpfelchen und ein Butterbrot vom Mittagessen übriggeblieben. Die holte Marjännchen nun hervor und biß hinein, und ehe sie sich’s versah, waren alle Kinder verschwunden. Marjännchen mußte sich allein auf den Heimweg ma- chen. Schön war das grade nicht, denn bis zum Schnellenberg war es weit. Aber schließlich wurde man 9 Jahre im Januar ! Warum der Weg zur Schule aber auch so lang sein mußte ! Hätte sie doch nur in die neue Schule nach Kelmis gehen dürfen, zu den Schwestern. Schön wär das schon gewesen, aber leider unmög- lich. Schnellenberg gehörte zu Preußisch-Moresnet, und Preußisch- Moresnet bildete mit Hergenrath einen Schul- und Pfarrverband. So machte Marjännchen täglich den langen Weg vom Schnellenberg zur Hergenrather Kirche und zurück. Kauend und sinnend war das kleine Mädchen am Kirchhof an- gekommen. Da fielen ihm alle die Gruselgeschichten ein, die man nachts an diesen Orten erleben kann, und obschon di: Sonne hoch am Himmel stand, machte die Angst dem Marjännchen lange Beine und es lief. Die Einsamkeit im Hergenrather Feld war nicht dazu angetan, ihm den Mut zurückzugeben. So lief es denn den Weg entlang durch Wiesen und Haferfelder, bis zwischen den Büschen das Wasser des Kasino- weihers blinkte. Über den Gipfeln der Bäume schaute das Türmchen der Evangelischen Kirche hervor, etwas weiter der Turm der großen Pfarrkirche von Kelmis und dicht daneben das Dach der Schule. Das Marjännchen spürte wieder etwas wie Neid im Herzen, aber dann mel- dete sich ihr Stolz. Die Kelmiser waren Neutrale und wußten nicht so recht, wohin sie gehörten. Dagegen war man auf dieser Seite der Land- straße Untertan des allergnädigsten Körizs von Preußen. So hatte sie es in der Schule gelernt. Da waren ja schon die ”Oßetrappe”. Marjännchen turnte das eiserne Geländer entlang, damit auf den nassen, glitschigen Stiegen die neuen Schuhe keinen Schaden leiden sollten. Zwei Frauen mit geschürz- ten Röcken verließen grade den Oßeborn (de 3 Piepe), am Fusse der Treppen. Sie gingen schwatzend den Weg hinauf den schweren Hahm (Schultertrage) auf den Schultern. Aus den Eimern schwappte ab und zu das Wasser. Der Brunnen plätscherte so lustig einladend, daß das kleine Mädchen nicht widerstehen konnte. Auf zwei Steinen stehend, das Röckchen mit beiden Händen zum Rücken hin aufgerafft, ließ es
14 das erfrischende Wasser über ihre runde Wange in den Mund laufen, dann und wann schlurfte sie, um mehr zu erhaschen. Hu! war das kalt ! Marjännchen sprang zurück, schüttelte sich, zog ihr blaues Ta- schentuch hervor und fuhr damit über ihr nasses Gesichtchen ; und auch einmal über die Schuhe, die einige Spritzer abbekommen hatten. Dann trollte sie sich weiter den Hügel hinauf. Marjännchen war stolz auf ihre schönen Schuhe. Der Onkel Colas hatte sie ihr geschenkt, als er ”op den Dag van os Herrjott klemm op”( Christi Himmelfahrt) zu Besuch gekommen war. Der Onkel sprach immer so komisch, ein rich- tiges Kauderwelsch, woran Neffen und Nichten ihre Freude hatten. Kein Wunder auch, er war Wallone. In Gedanken an den lustigen Onkel war die Kleine am Kasino vorbei und trippelte nun dem Penning zu. Links glänzte der Weiher, rechts oben auf dem Tüljeberg stand, ganz nah jetzt, die Evangelische Kirche, Am Penning war reges Leben. Ein Fuhrmann, der eben mit schwer beladenem Fuhrwerk die Chaussee hinauf fuhr, trieb seine Pferde mit lautem Peitschenknall an. Drüben auf der Plaine gingen Männer hin und her; die im blauen Kittel, das waren die Arbeiter; die andern mit Spazierstock und Hut, das waren die Herrn Ingenieure, die ”Here va jene Berech”. Pferde zogen mit Erz beladene Förderwagen quer über die Straße zur alten Wäsche. Leere Wagen wurden von Arbeitern über die Schienen zurückgeschoben. Da, plötzlich ein schriller Pfiff. Unten vor den Verwaltungsgebäuden gab die Lokomotive mit viel Dampf und Lärm das Signal zur Abfahrt. Das war ein Ereignis, wel- ches das Marjännchen immer noch in Angst und Staunen setzte, ob- wohl die Eisenbahn nun schon seit vier Jahren in Betrieb war. Mit SE se N nn Ba AA A } en a Wa 8 nn A A DD TE. N N aaa Zw Wh ES ZZ = CA SS N a m A EN N ZEN ECT N SS ES N a A SE wehenden Röcken und fliegenden Zöpfen lief es vorbei an Halden und Fabrikgebäuden, um das Schauspiel dort unten mitzuerleben. Ganz atemlos lehnte es unten am Zaun, auf der anderen Straßenseite, um ja nicht dem Ungeheuer zu nahe zu sein. Aber ach, schon verschwanden
15 die letzten Wagen in der Biegung unter dem Brückenbogen. So eine Eisenbahn fuhr furchtbar schnell ! Irgendwie enttäuscht schlenderte Marjännchen den Pfad zur Göhl hinab, und weil es vom Laufen ermüdet war, setzte es sich am Bach- ufer hin und ließ seine Beine über das Wasser baumeln. Ein Fußbad war gar zu verlockend. Kaum war der Gedanke aufgekommen, schon waren Schuhe und Strümpfe ausgezogen und das Wasser sprang leise plätschernd über Marjännchens Zehen hin. Erstaunlich was hier alles zu sehen war! Drüben fuhr die kleine Dampfbahn zum Stollen am Lontzener Bach ”in jen Honn”.Dort oben bei der Eyneburg grasten die Kühe von ”Tant Tres ejen Dörep”. Da stieg auch der Vetter mit Bello, dem Hund, hinauf, um die-Tiere zum Melken abzutreiben. Oh weh ! so spät war es also schon ! Hastig sprang Marjännchen auf und schon war das Malheur geschehen. Ein Schuh fiel mit leisem Aufklat- schen ins Wasser und ehe das Marjännchen sich vom Schreck erholte, segelte er wie ein kleines schwarzes Boot die G&hl hinab. Ich habe nie erfahren, wie Marjännchen an dem Tag zum Schnel- lenberger Hof gekommen ist. Aber sooft ich in ihren alten Tagen als kleines Mädchen mit Oma Marjännchen dorthin gepilgert bin, mach- ten wir kurz vor dem Steg an Linzenshof halt, und in ihrer alten Stimme war noch immer etwas von dem Schreck von damals, wenn sie dann sagte : ”Und hier war es, wo mein schöner Schuh die Göhl hinabge- schwommen ist”. Der Iesbär. (Eine - wahre - Begebenheit in Hauseter Platt) Met de Schötze nojene Rhien vor der Köb en dronk völ Wien. Se hauwe allemol völ Spass, denn alles blächde hüj de Kass. Se jonge ajene Rhien spazere en losse sech do fotegrafere met ene Iesbär, dä opräet en braaf stong do bejene Fotograaf. Ooch der Köb sooch dat Hanteer en sprong op emol op dat Deer. Häe sprong hem huech bes ejene Nack en hong sech op hem huckepack. Du sonk dä Iesbär ejen Kneje en vong erbärmlech aan ze schreie. Uus dat Väl do kroch ene Maan, dä hauw dat Iesbärväl merr aan. Du saat der Köb : «Entschüldecht, Här, ech daat, där wüed ne rechteje Bär». Hermann Heutz
16 Vergessene Zeugen der Vergangenheit Steinkreuze an unsern Wegen Leo Wintgens Ostbelgien, insbesondere unsere engere Heimat, die Göhlgegend, ist äußerst reich an Steinkreuzen aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert. Dies zeugt - kurz gesagt - einerseits vom tiefen Glauben und Gottver- trauen unserer Vorfahren, andererseits von der Härte und Wetterbe- ständigkeit des verwendeten Kalksteins (im Volksmund auch Blaustein genannt), der es uns nach Jahrhunderten größtenteils sogar noch er- möglicht die Schriftzeichen zu entziffern. Die Frömmigkeit der Bewohner ist gewiß auch einer der Gründe, weshalb manches alte Kreuz erhalten geblieben ist, doch überdies dien- ten diese Denkmäler oft als Anhaltspunkte (noch heute auf topogra- phischen Karten), manche werden sogar in Aktenstücken als Grenz- steine erwähnt. Dennoch sind im Laufe der Zeit viele Kreuze spurlos verschwunden. Zahlreiche Ortsbezeichnungen, welche im Volksmund erhalten blieben, erinnern noch heute an ihre vormalige Existenz, so zum Beispiel die Flurnamen ”Kreuzchen” (Krützke) in Astenet, Wal- horn, Eynatten, Raeren und Neudorf, ”(am) Kreuz” in Lontzen, As- tenet, Walhorn, Gemehret, Kettenis und Raeren, ”Kreuzdriesch” in Raeren, ”Kreuzergasse” in Eynatten. Hier ist jedoch zu bemerken, daß solche Flurnamen auch von Familiennamen wie ”Creutz” oder ”Kreut- zer” herrühren können (*). In der heutigen, äußerst baufreudigen Epoche sind die Wegkreuze natürlich sehr gefährdet. Aus diesem Grunde faßten wir den Entschluß, die Öffentlichkeit auf den kunsthistorischen Wert dieser meist unschein- baren Denkmale hinzuweisen. Die Bestätigung, daß unsere Befürchtungen gewiß nicht unbe- gründet sind, lieferte uns ein Herr, dem eines unserer ältesten Kreuze beim Bau hinderlich gewesen war. ”Auf ein Haar hätte ich es zerschla- gen und mit anderen Steinbrocken verarbeitet”, so erklärte er aufat- mend. Die Warnung der Gemeindeverwaltung traf buchstäblich in letz- ter Minute ein. In einem ersten Teile, der nun folgenden Abhandlung, berichten wir über sechs der ältesten steinerhen Wegkreuze unserer Gegend. Sie befinden sich an den alten Verkehrsachsen oder an Leichenwegen der früheren limburgischen Banken Walhorn, Montzen und Baelen. Gewiß steht keines mehr an seinem ursprünglichen Errichtungsort und wurde manches nur durch Zufall wiedergefunden oder vor der Zerstörung bewahrt. Damals, wie noch heute in manchen Ländern, konnten sich natürlich.nur Angehörige begüterter Familien einen Gedenkstein leisten. Mehrere der Namen auf unseren ältesten Kreuzen findet man immer * M. Kohnemann «Flurnamen des Walhorner Landes»
17 wieder in den Gudungsbüchern der Bank Walhorn oder den Lehens- registern der Mannkammer Aachen. Ob es sich bei den Wegkreuzen um eigentliche Friedhofskreuze handelt, welche nach dem Verfall der Grabstätten verpflanzt wurden, oder ob diese Kreuze als Gedenksteine am Fundort eines Gestorbenen errichtet wurden, ist bei den ältesten Kreuzen nicht zu ergründen, da die Sterberegister der ältesten Pfarren unserer Gegend erst im zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts einsetzen. Das eine oder andere zu be- weisen ist auch praktisch unmöglich, da Form und (gegebenenfalls) Inschrift der Weg- und Grabkreuze in der damaligen Zeit vollkommen gleichartig gestaltet wurden. Das älteste steinerne Wegkreuz unserer Gegend befindet sich in Hergenrath, in der Asteneter Straße etwas oberhalb des Mühlenteiches am Rande der alten Limburger Straße nach Aachen. Im Juni 1937 wurde es auf Geheiß des damaligen Pfarrers von Hergenrath, Hoch- würden Piepers, aus einem Pfuhl gezogen und daselbst am Straßenrand neuerrichtet. . Unsere Steinkreuze wurden fast ausnahmslos aus bodenständigem Material verfertigt. So auch dieses Denkmal : es besteht aus hellgrauem, beinah weiß scheinendem Kalkstein. Auf beigefügter Photographie ist das Gestein dunkler als in { Wirklichkeit, da es des Reliefs { wegen benetzt wurde. Dieses unbeschriftete Blausteinkreuz ES mit einer Gesamthöhe von et- ha At wa 75 cm., den breiten be- Sr schwerenden Fuß einbegrif- ES X #| fen, ragt heute noch ca. 20 RE RT] cm aus dem Erdboden. Der & SAN Querbalken ist 45 cm. lang. EN SEN Stamm und Arme sind 12,5 AR Ba EN cm stark und 18 cm. breit. x ER EL Während es von vorn gesehen CASE ÖE ziemlich s trisch..er- ES 5 ul ‚ymmetrisc) er- Os Bez & °E scheint,, bemerkt man von der ie 7 ARE V X flachen Rückseite her, daß Pc. CB 5. Fuß und Kopf rund 2,5 cm NA VERS verschoben übereinander ste- ZN AN hen SS SD LTR es A NS R: Nur die Ecken der Vor- SE derseite sind abgeflacht (ca. 4,5 cm) sodaß das Kreuz scheinbar achtkantig, in Wirklichkeit aber nur sechskantig ist. Auch sind vorne die vier Winkel keilförmig ausgekehlt. Die Vorderfläche zeigt einen in Relief (in einem Graben) ausgemeißelten Lebensbaum, der Foto : A, Janssen
18 sich über Stamm und Arme erstreckt. Diese symbolische Darstellung des Erlösers wurde besonders auf Holzkreuzen der Gotik angewandt. Aus den abgeflachten Ecken dieses Kreuzes (ähnliche stehen auf den Friedhöfen von Baelen, Aubel und Homburg) (1) könnte man sogar schließen, daß die Steinmetze die Stämme der Holzkreuze nachahmen wollten. All diese Merkmale besagen, daß ursprüngliche, unbeschriftete Kreuze dieses spätgotischen Typs spätestens aus der Mitte des 16. Jahr- hunderts stammen können. Die folgenden fünf ebenfalls gotischen Kreuze gehören - abgesehen von einigen besonderen Merkmalen - alle demselben Typus an, der von ca. 1580 bis ca. 1620 in unserer Gegend blühte. Die nun aufkommende Beschriftung dieser Denkmale außerhalb der Gotteshäuser weist darauf hin, daß auch manche einfachere Leute zu jener Zeit schon etwas lesen und schreiben konnten. Die Irrtümer in den Inschriften - übrigens in der Regel die einzige Verzierung dieser Kreuze - beweisen jedoch auch, welche Schwierigkeiten die Steinmetze selbst noch dabei empfanden. Das Entziffern mancher der sich ähnelnden gotischen Minuskeln (z. B. t,f,s /e,c,r) wird dadurch dermaßen erschwert, daß man für die Namen manchmal mehrere Möglichkeiten in Betracht ziehen muß. So zögern wir z. B. schon in dem Namen des Raerener Kreuzes aus dem Jahre 1581, welches bei dem alten Leichenwege nach Walhorn (Ecke Merolser Straße/Neustraße), in der Raerener Mundart ”Fies- jais”, steht. Mehrere Autoren sind der Ansicht, daß dieser ”willem kule” lautet. Mit Dr. Belonje (2) vertreten wir die Meinung, daß es sich beim letzten Buchstaben um ein ”f” handelt. (vergl. Kreuz 4) Hier noch die von links lesbare +- 3 mm aus dem Graben vorstehende Inschrift auf dem Stamm : ”hinrich son 1581” (Sohn des Heinrich). Von ”Kulf” zum bodenständigen Namen Kalf ist nur ein Schritt. Diesbezüglich versicherte uns der erfahrene Heimatforscher Dr. Koh- nemann, daß er den Namen ”Kulf” weder in den Gudungsbüchern der Bank Walhorn noch in den Lehensregistern der Mannkammer Aachen gefunden habe. Die Namen Willem und Heinrich Kalf, Angehörige der angesehenen Töpferfamilie kommen dort mehrfach vor. Könnte es sich nicht um einen Gedenkstein zur Erinnerung an den Tod eines Fremden namens Kulf handeln ? - Daß der Name des Vaters angegeben wird, zeugt von dessen Ansehen, und gewiß auch von der Möglichkeit einer Verwechslung wegen des allzu häufig vorkommenden Familien- namens ! (1) R. Jeuckens ”Die alten Steinkreuze im Aachener Grenzland” (2) Siehe Anhang des ”Genealogische en Heraldische Gedenkwaardigheden...” in ”Publications...” 1960-61. N.B.: Die Luthersche ”Deutsche Bibel” (1534) förderte besonders in den Jah- ren 1577-78 im Limburgischen mit dem Protestantismus auch den Lese- drang der breiteren Bevölkerungsschichten. Das Konzil von Trient (1545- 63) trägt in den katholisch gebliebenen Gegenden dazu bei. Im Jahre 1585 wurden die dort beschlossenen Richtlinien durch Nuntius Bonomi im Bis- tum Lüttich veröffentlicht.
20 # ad EN cc Rand sind ähnlich gestaltet. 2 Sa Dieses Kreuz trägt waagerecht 2 Dan IR den Namen ”domas schen” > (Thomas Scheen); senkrecht var rest OO (unregelmäßig auf 68 cm ver- ET keit) die Jahreszahl 1584. 2 Me AA Wörter und Ziffern werden DO A hier durch kleine Vierecke ge- 7 2 en trennt. Auch dieses Denkmal A E Sn 2 7%.“ Steht am Rande eines alten a 9 9 Leichenweges nach Walhorn 2 X. und zwar halbwegs zwischen A a0 Eynatten und dem Johberg. SH 2 Bis zum Sommer 1966 stand on 2 ZA 3 es ungefähr 3 m vom Wegrain £ ZEN u MO SW entfernt in einer Wiese des &% EN 22 Gutes Kerresbusch unter einer ARURNA eE EN 2 alten Linde. Bei einem Un- SA DU wetter wurde dieser uralte u BO Baum (ca. 2,50 m Umfang) A Sn bE 2 9 umgerissen und vom Bauer Ü A EN “"”* beseitigt. Gleichzeitig wurde das nun ungeschützte Kreuz vor dem Zaun eingesetzt. Geschichtlich weiß man auch von diesem Kreuz weder Ursprung noch Zweck zu deuten, doch der Volksmund erzählt, es sollen hier zwei Hirten einander grausig erschlagen haben, An der Lütticher Straße (Ge- | % A ER meinde Lontzen), dem Weg Bam- a N . busch. der von Moresnet einbiegt, AM BO gegenüber steht mitten in der Mauer RM 5 einer Stallung des Bauernhofes ”Aje 2a 2 2 Krütz” (Am Kreuz) ein altes Stein- 8 a kreuz aus dem Jahre 1597. Wann 38 und wieso es dort eingemauert wur- U de, wird wohl nie geklärt werden WO 7 N können. Gewiß stand es dort am!” se 2 Rande des alten Herzogenweges, | ; 2 A welcher von Limburg über Welken- ae EZ a raedt, Moresnet und Vaals weiter Wa nach der großen Abtei Klosterrath 8 5 S A führte, und wurde beim Bau des? 2A 2 Stalles mit eingemauert. Zu bemer- 2 En ken wäre hier noch, daß dieses Ge- A 9 3 RM biet bis zum 26. Juni 1816 (Aache- 5 ner Grenzvertrag) zu Montzen ge- 5 hörte. SA Im Gegensatz zum vorigen trägt dieses Kreuz senkrecht die Be-
23 men, u.a. den nächstliegenden ”Kannebecker” ersetzt wurde. Auch ist dieser Thewis Kannebecker wahrscheinlich identisch mit dem Vater der ”Maria” unseres Steinkreuzes vom Jahre 1609. In den Lehensregistern der Mannskammer Aachen wird der ”...Hof der Er- ben des Thewiss Kannebecker” im Jahre 1613 als Anhaltspunkt an- gegeben. Auf dem abgebröckelten Kopfende soll überdies ebenfalls das Zeichen ” AO ” gestanden haben; der Stamm weist unterhalb der Schrift die Jahreszahl 1609 auf und zwar noch in senkrechter Posi- tion. Vom Abschluß der Zahl bis zur Oberkante des Querbalkens mißt dieses Kreuz ca. 20 cm, die Arme sind 13 cm lang und ca. 16 cm breit. Der Stamm ist gleichfalls 15,5 cm dick. Der beschwerende Fuß wurde bei der Umpflanzung ebenfalls abgeschlagen, sodaß die Feuchtigkeit nun von unten wie oben in das rissige Gestein eindrin- gen kann. Gewiß wird die Gemeinde, auf deren Gebiet dieser wert- volle Gedenkstein sich befindet für dessen Restaurierung Sorge tra- gen. Literatur und Quellennachweis. L. Arntz ”Wegekreuz und Wegebild” in Zeitschrift für christliche Kunst 25 (1912) J. Belonje ”Genealogische en Heraldische Gedenkwaardigheden in en uit de Kerken der Provincie Limburg, met een supplement betreffende de belgische en duitse grensgebieden” (Publications, Maastricht 1960-61) H. He!lebrand und O. E. Mayer ”Raerener Steinzeug” 1967, Ausgabe 4 der Aa- chener Beiträge für Baugeschichte und Heimatkunst. R. Jeuckens "Die alten Steinkreuze im Aachener Grenzland” 1938, Veröffentlichungen des Bischöflichen Diözesanarchivs Aachen (Ausgabe 6) M. Kohnemann ”Personenbezeichnung in Eupen von 1537 bis 1545” (Zeit- schrift des Eupener Geschichtsvereins 1951 J.I. Nr 1) M. Kohnemann ”Flurnamen des Walhorner Landes” 1961 A. Puters "Croix de Pierre en Pays Mosan” 1957 W. Wattenbach "Anleitung zur lateinischen Paläographie” 1878
24 Missiunsjedanke. Jott sei Dank, esö kann me sage, Jett et ömmer Missionare, Die et noch vör nüedeg venge, Vremde Minsche Hölp te brenge ; Vadder, Modder, Kamerote, Söster, Brur än Hus verlote, Vör no de Vremde äntejue, Än do de Örmste betestue, Die va Hungersnuet jekwällt, Wu Jesslich än och Dokter fällt, Wu der unbarmherzege Dued, Täglich no sing Opfer luet. Wu utjehöngert wie Skelette, 1000 Ärm sich no hön strecke, Bedde öm e Stöckske Bruet, In de allerjrödste Nuet. An obschon häe alles deet, Wat mär en sing Kräfte steht, Wätt häe der Wettloop doch verspäle, Weil de nüdige Meddele fäle . Machtlos stehte en de Vremde, Machtlos, weil met leere Hände, Jlöcklich würe heje dat, Wat be us schande wätt jemakt. Vör denke mär a Jeld te erve, Tiet dat va Honger Minsche sterve. Jeld, Pläsir, Bekwemlechkeet, Dat eset, wu et us dröm jeet. Wenn vör die Örm jesammelt wätt ; Da jäv vör och at ömmer jätt, Weil vör schliesslech Chreste sönd, Än minge wondesch, wat vör dönt. Wenn vör Chreste welle sie, Döet je Minsch mie Honger lie. Et es os Pflicht, dovör te sörge, At va hüj an, net va mörje. Vör mote endlich wacker wäede, Vör dat et Ordnung jet op Äede. Ohne dat se vroge kome, Mot vör plane än berone, Sälver Mölegkete venge, Alles Nüdege do te brenge, Wu der Minsch noch Honger hat, AÄn der Missionar drop wat. Wenn vör spieder könne sage, Vör hand met dobej jedrage, Et jrödste Elend vut te krie, Da könn vör da och stoot drop sie. BINDELS Josef.
25 Die älteste Besiedlung im Gebiet der ehemaligen Herrschaft Kelmis PAUQUET Firmin, Inspektor für Volksbildung. XII. Jh. Bei der ersten Erwähnung der Ortschaft Kelmis im Jahre 1280 vernehmen wir, daß der Aachener Patrizier Wilhelmus de Roza dort eine Erbrente von 3 Schillingen und 2 Kapaunen - beschnittene Hähn- chen - jährlich einzog (1). Diese Rente ist nur als Abgabe eines land- wirtschaftlichen Gutes denkbar : ein solcher Hof bestand also damals in Kelmis. Ich möchte ihn in der Nähe des Weilers Hoff und des Gutes Hof suchen. Durch die Grenzziehung vom 26. Juni 1816 wurde dieser Weiler geteilt : die reizenden Fachwerkbauten im nordwestlichen Teil gehören seitdem zur Gemeinde Moresnet, die beiden Bauernhöfe im südöstlichen Teil stehen auf Kelmiser Gemeindegebiet. Davor und seit Gründung der Herrschaft Kelmis im Jahre 1650 gehörte der ganze Weiler zu dieser königlichen Herrschaft und Gemeinde ; die Grenze gegen Moresnet verlief dicht dahinter, dem Y'serentantsbächlein von seiner Einmündung in die Göhl bachaufwärts folgend, am kleinen Bam- busch entlang (2).Wenn ich Hoff als den ursprünglichen Kelmiser Hof ansehe, so ruht dies sowohl auf dieser Ortsbezeichnung als auf der Er- klärung, welche die ältesten Kelmiser Bewohner vor dem Schöffenge- richt dortselbst am 15. September 1651 ablegten : die zu den von Lyns Franck und Gerart Promper bewohnten Häusern ”op de straet” — jetzt Gut Hirtz — gehörenden Ländereien stammen zum Teil ”vuijt t’ goet in den hoff tot Kelmis”. Ebenfalls erklärt der 46-jährige Dierich Jacqmin ”Cat sijn goet spruijt vuijt den goede op den hoff tot Kelmis ende dat hij ende sijne moeder thuijs op den Smaergraeff hebben ge- bouwen” (3). Dem Kelmiser Hof gehörten also ursprünglich sehr aus- gedehnte Ländereien westlich der Göhl in einer Entfernung von ca. 1000 m. -- Hirtz -- bzw. 1500 m. -- Schmalgraf -- vom jetzigen Weiler. Aus welcher Zeit die alten Fachwerkbauten im Hoff stammen mögen ist schwer zu sagen : das Fehlen der für die gotische Bauweise typi- schen kleinen Strebekreuze läßt kaum an einen Bau vor dem 17. Jh. denken (4). Ob der Name des Aachener Patriziers de Roza noch im Flurna- men Rosengarten — Gemarkung Kelmis, Flur VII, Grundstücke 121 -125,133- an der Ecke von Krickelstein und Hagenfeuer — weiter lebt, scheint mir zweifelhaft. XIV. Jh. Unter den 46 ”laesse van Einenberch” - d.s. die Hüfner oder Bauern, welche die zur Grundherrschaft gehörenden Ländereien be- wirtschaften - die noch rückständige Gefälle zur landesherrlichen Schat- zung - Steuer - vom Jahre 1375 schuldig sind, befindet sich auch ”Kkijndsgoet va kelmys”, das 14 Gulden schuldet (5). Insgesamt schul- den die Eynenberger Hüfner dem Herzog 91 Gulden 100 Groschen (6). Das Kelmiser Gut, das bei weitem den höchsten Anteil bezahlen
28 mußte, war demzufolge auch eine bedeutende Hufe. Ob noch andere Eynenberger Hüfner in Kelmis wohnten bleibt unsicher, scheint aber wahrscheinlich, vor allem für ”lemke de moelner”, der nur 8 Groschen schuldet. XV. Jh. Bei der Erhebung einer weiteren Schatzung von 3000 Kronen im Jahre 1445 wurde vom herzoglichen Rentmeister ein vollständiges Verzeichnis der Kelmiser Steuerpflichtigen aufgestellt, das uns über- liefert ist (7). Hieraus lesen wir, daß der Weiler Kelmis sich an der Grenze dreier Pfarreien entwickelt hat : nämlich Walhorn, südlich der Scheidelinie Hornbach - Göhl - Tüljebach ; Montzen, zwischen Horn- bach und Eselbacherbächlein - heute Grünstraßerbach - westlich der Göhl ; Moresnet, nördlich der Linie Eselbacherbächlein - Hornbach - Göhl - Tüljebach (8). Diese Kelmiser Steuerpflichtigen sind : unter Walhorn unter Montzen unter Moresnet 1. die olies moet 1. Alart 1. Henken kelmengrever 2. der cremer 2. Tijs Monber 2. Henken Oeslinger 3. der bruwer 3. Erken Kock 3. Frederick molner 4. Tijsgen 4. Hallers guet 4. Persche 5. Mareijken 5. Heijnen guet 5. Wijnken Vloedergans 6. Stick 6. Heijn Zilien son 6. Gobbelgen 7. Corner 7. Johan Husch 8. Heintgen 8. Drude in den hoff 9. Hengen Voesgen guet 9. Erken hair eijdem 10. Tijske in den broike 19. Der douve 11. Merthen 11. Hantz Drude son 12. Roesen wiff 13. Lentzken Roesen son Diese Aufstellung läßt auf das Vorhandensein von ca 30 Häusern schließen. Von zwei Höfen werden die Namen überliefert : der Hof und der Bruch. Die Erwähnung des ersten Ortnamens bekräftigt meine oben angeführten Äußerungen. Der zweite lebt ebensfails weiter, ob- schon der bebaute Ortsteil ”im Bruch” nördlich der alten Walhorner Grenze liegt. Für die Bedeutung der Ortschaft in der Nähe des wirt- schaftspolitisch wichtigen Altenberges spricht auch die Anwesenheit eines Brauers, eines Müllers und besonders eines Krämers (= Händler). ;Der Beiname ”Roesen” zweier Steuerpflichtiger dürfte vielleicht im -Flurnamen Rosengarten der Kelmiser Gemarkung - Ecke Hagenfeuer - “Krickelstein - weiter leben. N Kaum ein Vierteljahr später, im Jahre 1469, meldet der limbur- gische Rentmeister Jan de Hertoge in einem Verzeichnis der Feuer- stellen, daß der Weiler Kelmis unter Montzen 11 Häuser zählt. Unter Moresnet registriert er für Kelmis mit Stein, Alensberg und Schymper 17 Häuser ; das sind wohl 11 für Kelmis allein, rechnet man 2 Häuser für jeden anderen Weiler, da in 2 derselben wohl Burg und Hof anzu- nehmen sind. Unter Walhorn, für Kelmis mit dem Schloß Eynenberg, 10, also ca 9 für Kelmis. Insgesamt ergibt dies 31 Feuerstellen. Merk- würdig im Vergleich mit dem Jahre 1445, daß 4 Feuerstellen weniger
29 unter Walhorn, dagegen 5 mehr unter Montzen angegeben werden. Von den Bauten der damaligen Zeit mag wohl nichts übrig geblieben sein : es handelt sich um Fachwerkhäuser mit Strohdach, die sehr oft - besonders bei kriegerischen Ereignissen - ein Raub der Flammen wur- den, dafür aber auch wieder schnell ”aufgezimmert” waren. XV(I. Jh. In einer Urkunde vom 20. September 1558 melden die Mont- zener Schöffen, daß ihr Mitstuhlbruder Johann Cloet der Montzener Kirche verschiedene Erbrenten gestiftet hat, darunter 5 Erbgulden auf ”Heijnnrijchs goijt tzo Kelmys” und 7 Aachener Mark auf dem ”Ro- sennbennt tzo Kelmys”, welchen die Erben des Jacob Momber halten. Dieser Rosenbend mag wohl in Zusammenhang mit dem oben erwähn- ten Rosengarten stehen (9). * Der Florentiner Ludovico Guicciardini (10) berichtet, daß die Pächter des Altenberges im Jahre 1567 für den Abbau und die Auf- bereitung des Erzes soviel Leute unter größter Aufsicht und Ordnung beschäftigten, daß es fast wie eine kleine Republik aussehe. Sicher wohnten die 24 beschäftigten Bergleute (11), sowie die Fuhrleute und die anderen bei der Aufbereitung - Sortieren, Waschen, Rösten, Wie- gen - beschäftigten Arbeiter wenigstens teilweise in der nächsten Um- gebung des Altenberges. XVII Jh. Aus dem Anfang des 17. Jhs. ist uns das älteste bekannte steinerne Denkmal erhalten geblieben : ein 35 x 36,5 cm. großer be- hauener Quader aus Kalkstein. Es ist leider nur ein Bruchstück eines größeren Wappensteins ; dieser mag 56 x 60 cm. gemessen haben. Die unvollständige Schrift und das sprechende Wappenschild lassen doch den Namen des Bauherrn erraten : Carlo Ruelli oder Rouelli, der am 13. Juni 1595 mit dem Aachener Kupferschlägermeister Christoffel Speckheuer Pächter des Altenberges wurde (12). Der Pachtvertrag mit Rouelli wurde durch den Brüsseler Finanzrat mehrmals, jeweils für 3 Jahre, verlängert, bis die Regierung sich nach Unterzeichnung des 12- jährigen Waffenstillstandes mit Holland - 1609 - entschloß, das Berg- werk ab dem 1. Juli 1611 in eigener Regie zu betreiben. Carlo Rouelli, ein bekannter Antwerpener Kaufmann und Finanzmakler, stammte aus Castelnuovo - Piemont in Norditalien. Er wird auch als Edelmann im kaiserlichen Hausdienst bezeichnet (13). Die unvollständige Jahres- zahl 160. (1600 bis 1609) paßt genau zur Zeit der erwähnten Pacht- U verträge. Der Wappenstein mag als Schlußstein über einem Türsturz bzw. CARLO R einem Torbogen an einem Gebäude ge- ODYS dient haben, das Rouelli am Altenberge )S NM aufrichten ließ. Nach Abbruch desselben & wurde der abgehauene Teil wieder ver- N (| wendet : er wurde, auf der linken Seite N liegend, oben an der vorderen Kante za des östlichen Giebels eines im vorherr- (/ ” schenden Stil des 18 Jhs. gebauten Hau- NO ZB) ses eingemauert - Gemarkung Kelmis, > Flur VI, dem Grundstück 188 angren- zende und einverleibte Parzelle -. Später
30 erwarb die AG Vieille Montagne dieses Gebäude, das als Stallung für die um 1843 auf dem angrenzenden Grundstück 188 gebaute Direktorwohnung diente. Die Kelmiser Gemeindeverwaltung erwarb es am 31. August 1955 mit dem Park. Beim Abbruch eines Anbaues im Jahre 1959 kam der Wappenstein wieder zum Vor- schein. Die Gemeinde veräußerte das Gebäude in öffentlicher Verstei- gerung am 24, August 1966 ; der neue Eigentümer, Herr Aloys Dum- bruck, ließ es abbrechen, um an seiner Stelle moderne Geschäfts- räume errichten zu lassen. Er versicherte sowohl der Gemeindeverwal- tung, wie auch mir persönlich, daß der älteste Kelmiser Wappenstein an gebührender Stelle wieder eingemauert würde. Ein zweiter Wappenstein ist seit den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von Kelmis nach Angleur gesiedelt, wo er oberhalb der Eingangstür zum Vorzimmer des Generaldirektors der AG Vieille Montagne einen Ehrenplatz einnimmt. Dieser Stein trägt die Jahres- zahl 1662 und das Wappen des Erzherzogs Albrecht von Österreich, AAN DE a NE - E OS En - & EN TEN 5 WE an € SEEN 5 SE AL A YA SA A) ; \ E ss {m ; vn ‘ $ AN EN 5 RAU ARZN! STD X A EL PEN DES: K $ WET AR. SS j HE FE BES De STE ee TE des Gemahls der Infantin Isabella, Generalgouverneur der spanischen Niederlande von 1596 bis 1621. Die Jahreszahl 1662 entspricht dem Wiederaufbau des Königlichen Hauses am Altenberge, der Residenz des königlichen Kontrolleurs (14), nach der Plünderung der Anlagen durch die französische Besatzung aus Diedenhofen in Lothringen am 15. November 1658 (15). Es scheint aber unwahrscheinlich, daß man bei dieser Gelegenheit das Wappenschild des vor 40 Jahren verstor- benen Generalgouverneurs damals angebracht hätte, Bei einer genaue- ren Betrachtung der Inschrift fällt auf, daß die Ziffern 62 mit weniger
3 Sorgfalt und auch in einer Vertiefung eingemeißelt sind, als ob dort früher vorhandene Ziffern zuerst ausgemetzelt worden wären. Ich ver- mute, daß der Wappenstein aus der Bauzeit des Königlichen Hauses stammt, d.h. kurz nach der Übernahme des Altenberger Betriebes durch die königliche Regie - 3. Mai 1611 -. Beim Wiederaufbau von 1662 wäre dann die Jahreszahl dementsprechend geändert worden. Als das ehemalige Königliche Haus, damalige Direktorwohnung, in den Ta- gebau des Altenbergs um 1843 teilweise einstürzte und anschließend abgebrochen wurde, rettete man den Wappenstein, der in Angleur si- chergestellt wurde. Vom 12. September 1651 stammt das älteste mir bekannte aus- führliche Verzeichnis der Häuser von Kelmis : 24 derselben liegen auf Moresneter Pfarrgebiet und 13 gehören zur Pfarre Montzen (3). Die auf Grundlage dieses Verzeichnisses gezeichnete Karte veranschaulicht die noch dünne Besiedlung der Kelmiser Gemarkung. In zwei Jahr- hunderten ist die Anzahl der Häuser vermutlich um 7 gewachsen, d.s. ca. 23%; von einer Ausdehnung auf Walhorner Pfarrgebiet ist keine Rede mehr, im Gegensatz zum Jahre 1445, wo die meisten Steuer- pflichtigen gerade im Walhorner Teil verzeichnet wurden. Dagegen stehen mindestens 16 Privathäuser östlich der Göhl, in der sogenannten Kelmiser Heide, aber noch immer unweit der Talsohle und westlich vom Bergwerk. Das hübsch verzierte Glöcklein im Dachreiter der Rochuskapelle trägt die Inschrift ”1651 + S. MARIA. ORA. PRO. NOBIS.” Von der Kapelle selbst wissen wir, daß die Erbrente von einem Müd, die Claes Wolf ihr zugunsten stiftete, bis zum Jahre 1646 regelmäßig aus- bezahlt wurde (16) : wir haben also hier einen Terminus, vor welchem die Kapelle bestimmt errichtet worden ist. In der schon erwähnten Er- klärung der ältesten Kelmiser Bewohner vom 12. September 1651, be- haupten dieselben, daß ”de voorschreven van Snellenberch t° Cappel- Ieken tot Kelmis met helpen t’herbouwen hebben”. Der Bau der Ro- chuskapelle scheint demzufolge höchstens einige Jahrzehnte zurückzu- liegen. Vermutlich ist er in Zusammenhang mit einer der gefürchteten Pestepidemien zu bringen, die das Limburger Land in der ersten Hälfte des 17. Jhs. heimsuchten (17). Bei Umbauten im Innern der Kapelle im Juli 1967 wurde unter dem schlichten hölzernen Barockaltar ein ca 30 cm-mächtiger Altarstein von 74 x 89 cm. neuentdeckt. Diese Kalksteinplatte scheint noch der gotischen Bauperiode anzugehören ; sie ist durch eine einfache rechteckige Umrandung mit 4 Kreuzchen, je eins in jeder Ecke, verziert. Ich hatte den Vorschlag gemacht, den alten Altarstein wieder für den Kult zu gebrauchen oder wenigstens als Kredenztisch zu benutzen. Wegen angeblichen Platzmangels entschloß man sich aber bedauerlicherweise, ihn aufrecht einzubauen, was ‚dem Sinn einer Tischplatte gar nicht entspricht. Das Vorhandensein dieses Altarsteines könnte auch für eine frühere Bauzeit einer ersten Kapelle sprechen. (17a) Im 17. Jh. wurden Kelmis und das Altenberger Bergwerk mehr- mals durch die Franzosen geplündert : im Jahre 1658, wie schon ge- meldet, im Mai 1688, im Jahre 1678 und noch im Januar 1684, In der
32 Nacht vom 12. zum 13. überschritt eine 600 Mann starke französische Heeresabteilung der Garnison Luxemburg das beschneite Hohe Venn und zog brennend und sengend quer durch das Limburger Land : in Astenet wurden 14 Häuser eingeäschert, in Walhorn 4, in Hergenrath 4, in Hauset 25, in Rabotrath die sämtlichen. Am folgenden Tag zer- störten die Franzosen die Anlagen des Altenberges und brandschatzten das Dorf Kelmis ; sie zogen dann weiter plündernd nach Gemmenich, wo 57 Häuser den Flammen preisgegeben wurden und in das Herzo- genrather Land (18). Durch diese kriegerischen Zeiten wäre die Stiftung zugunsten der Rochuskapelle verloren gegangen, wenn der Montzener Pfarrer Johann Birven der Sache nicht im Jahre 1695 ernstlich nachgegangen wäre. In diesem Jahr wird die ”ganze ruinierte” Kapelle wieder instand ge- setzt, der Pfarrer läßt ”turmgen, theur, traben, taach und alles repa- reren” (19). Der jetzige Barockbau aus Bruchsteinen mag wohl aus dieser Zeit stammen. Aus denselben Jahren stammen auch die beiden unweit der Ka- pelle ”int döärp” liegenden Bauernhöfe : Der Langbau rechts vom Schnellenbergerweg, Nr 225 - Gemarkung Neu-Moresnet, Flur IV, Grundstück 188 - trägt die Inschrift 1696 in einem schlichten Wappen- schild am Schlußstein einer rundbogigen jetzt vermauerten Tür. Das Gebäude links an der Wegecke Schnellenberg - Kelmiser- mühle, Nr 231, Flur IV, Grundstück 202, stammt aus dem Jahre 1695 und wurde 1843 neu aufgebaut. Wer Erbauer, DI-OH, und später Besitzer, HM-GS, gewesen sind, habe ich noch nicht bestimmen kön- Et 16 5 A0:)684 DISH LFD HM GS HA Vf aA AA af Grundsbück 206 [Flur # Grundstück 208] Flur # Grundshüch 8 Yehr 4 nen. Die Inschrift befindet sich wieder an einem rundbogigen Türsturz - heutige Hintertür. Diese Form des Türsturzes ist kennzeichnend für den Stil der Maasländischen Renaissance, der im Limburgischen von 1602 bis 1768 angewandt wurde, aber besonders von 1650 bis 1675 vorherrschte (20). In Kelmis ist dieser einheimische Stil an den nach den Eroberungskriegen Ludwigs XIV. neu aufgebauten Häusern an- gewandt worden : die aus dieser Zeit erhaltenen Bauten wurden ent- weder ganz aus Bruchstein, oder doch mindestens mit einem steiner- nen Untergschoß errichtet. Türstürze in Rundbogenform sind noch an zwei weiteren Bauernhöfen erhalten, die zum Kern der alten Kelmiser Siedlung im Göhltal gehö- ren : - Haustür vom Gut Hof, Hof Nr 9, Gemarkung Kelmis, Flur VII.
34 Stockwerks und auf den Dachboden läßt leider die Zukunft dieses schönsten Kelmiser Gebäudes als bedenklich erscheinen. Der Keilstein des Torbogens trägt die Jahreszahl 1684 mit den Buchstaben L.F. und C.W. Er ist somit der älteste sich noch an ursprünglicher Stelle befin- dende beschriftete Stein. Er fällt noch ins Jahr der letzten französi- schen Plünderung ; der Bauherr ist bestimmt ein Mitglied der Familie Franck, da der Moresneter Schöffe Lambert Franck das Gut ”inde hirtz onder Kelmis op de straet” vor 1756 besaß (22). Nach den in der Familie Franck üblichen Vornamen zu urteilen, könnte es ein Lambert oder Lyns = Laurentius sein. In der mehrmals erwähnten Erklärung vom 15. September 1651 wird ja vermerkt, daß Lyns Franck ein Haus ”op de straet” bewohnt, das wahrscheinlich vor dem heute noch erhaltenen Bau da stand. Dieser Lyns Franck war auch Meyer des Eynenberger Grundhofes und während 28 Jahren ”Rotmeester oft Commandant der schutten ende wachter over Kelmis gheweest” (23). Er mag wohl ein Verwandter der königlichen Kontrolleure am Alten- berg Lambert Franck (1605 + 1623) und Jan Franck (der jüngere) (1623 - 1680) gewesen sein. Lambert Franck hatte eine Tochter des Steven Raermecker van Kelmis ”uijten Hof” geheiratet, welche einen Teil der Ländereien vom Gut Hof an die Familie Franck brachte (24). Die Bezeichnung Gut Hirtz rührt von einem Schild mit einem Herzen, her, daß eine sich hier im 18. Jh. befindliche Herberge kennzeichnete (25) und nicht, wie Kriescher behauptete, vom Familiennamen der von der Hirtz. (26) (1) Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Abtei Altenkamp, Urkunde 193, Im Herzogtum Limburg wurde in Aachener Währung gerechnet : die Aache- ner Mark zählt 12 Schillinge zu 12 Denaren oder Pfennigen. Ende des 14. Jh. wurde eine einspännige Tagesfuhre mit 12 bis 16 Schillingen bezahlt. S 260 BB J., Aachener Stadtrechnungen aus dem 14. Jh., Aachen, 1866, (2) Allgemeines Reichsarchiv Brüssel, Conseil de Gouvernement general, 595 Grenzbeschreibung der Herrschaft Moresnet vom. 29. August 1787. (3) Allgemeines Reichsarchiv Brüssel, Fiskalamt von Brabant, 264/2309,1 (4) PUTERS Albert, L’architecture privee de la region vervi6toise, 2° partie, La renaissance mosane, in Bulletin de la Societ& vervietoise d’arch&ologie et d’histoire, Bd. 36, Verviers, 1949, S. 18-19. (5) Allgemeines Reichsarchiv Brüssel, Rechnungsrollen, 2999, Laut Artikel 61 des limburgischen Landrechts schuldeten die Untertanen dem Herzog den Schatz (die Schatzung, de beede, li schatmens) ”soe wanneer hij jerst t’lant ontfenckt, ende soe wanneer hij een vrouwe kricht, ten derden soe wanneer hij gevangen waere, dat Goedt behuede”, Letzterer Fall mag der Grund für die Erhebung der Schatzung von 1375 sein, nach der brabantischen Nieder- lage von Baesweiler am 22. August 1371 und der Gefangennahme Wenzels durch den Herzog von Jülich Wilhelm VI., der ihn nur nach Vermittlung Kaiser Karls IV., Wenzels Bruder, am 27. Juni 1372 frei gab. (6) Es handelt sich hier wahrscheinlich um den rheinischen Goldgulden der vier Kurfürsten, der im Jahre 1393 4 Mark Aachen und 2 Schillinge wert war. (Allgemeines Reichsarchiv Brüssel, Rechnungskammer Brabant, 2436) Der Groschen (grossus) ist eine Silbermünze. (7) Allgemeines Reichsarchiv Brüssel, Rechnungskammer Brabant, 45778, f.18, Eupener Geschichtsvereins : Die Besiedlung des Herzogtums Limburg im 15. Dh Vv“, 30. Diesbezüglich mein Aufsatz in der diesjährigen Zeitschrift des (8) Die Angebe der Grenzen ruht auf Erklärung des 18. Jhs. Es besteht aber kein Grund, daß die Grenzen irgendwie im Laufe der Jahrhunderte verscho-
35 ben wurden, da sie Wasserläufen folgen. Sieh Note (2). (9) Dekanatsarchiv Montzen, Urkunde auf Pergament. (10) CISELET et DELCOURT, Belgique 1567, La description de tout le Pays- Bas par Messire Ludovico Guicciardini, Bruxelles, Office de Publicite, 1943 BUCHET Arsöene, Le duche de Limbourg et les pays d’Outre-Meuse au XVI" siecle, Verviers, 1950. (11) Allgemeines Reichsarchiv Brüssel, Rechnungskammer Brabant, 140, f° 86ff., Verpachtungsurkunde vom 29. Mai 1562. (12) Allgemeines Reichsarchiv Brüssel, Finanzrat, 86, 87, 1197; Rechnungs- kammer Brabant 2479, A° 1610-1611, f° 58 v*. (13) Stadtarchiv Antwerpen, Schöffenbriefe, 417, 382 r° - Freundliche Mittei- lung des Herrn Stadtarchivars Dr J. Van Roey. Sowohl in Antwerpen, wie auch in Castelnuovo Don Bosco, Provinz Asti, konnte weder Wappen noch Hauszeichen der Familie Rouelli bis jetzt ermittelt werden. (14) Allgemeines Reichsarchiv Brüssel, Finanzrat, 87, 1194-1197. AG Vieille-Montagne, Angleur, Archiv, Cr 21, Dr 60, Stück 2 - Nach freundlicher Mitteilung der Generaldirektion, (15) Allgemeines Reichsarchiv Brüssel, Finanzrat 86. (16) Dekanatsarchiv Montzen, Rentenregister 1700, Aktenstoß 1. Das Lütticher sowie das Aachener Müd mißt 245,61 1. und enthält 8 vaet. (17) In Aachen herrschte die Pest 1578-1579, 1605, 1623, 1636 (Geschichte Aachens in Daten, Aachen, 1960). Der Walhorner Pfarrer Voets berichtet, daß vom 18. Juli 1635 bis zum 1. Februar 1537, 230 Personen an der Pest starben (GIELEN Viktor, Geschichtliche Plaudereien über das Eupener Land, Eupen, 1964, S. 142). Eine Rochuskapelle entstand in Ruif bei Henri- Chapelle zwischen 1530 und 1534 (PAUCHENNE L6on, Histoire de la Franchise et Paroisse de Henri-Chapelle, Dison, 1955, S. 130). In Thimister wurde ebensfalls im Jahre 1615 die Rochuskapelle an der Kreuzung Aachen- Lütticherstraße - Weg nach Dison gebaut, da zn diesem Ort die Heilige Messe im Jahre 1612 wegen der Pest gelesen worden war. (GRONDAL Guillaume, Historique de la paroisse de Thimister, Aubel, 1963, S. 190) (17a) GRONDAL Guillaume, Walhorn, Notices historiques, in Bulletin de la Societ& vervietoise d’Archeologie et d’Histoire, Bd. 45, Verviers, 1958, S.14 meldet, daß der gotische Altarstein von Walhorn die Jahreszahl 1504 trägt. (18) GIELEN Viktor, Die Mutterpfarre und Hochbank Walhorn, Eupen, 1963, S. 41. GRONDAL Guillaume, Walhorn, Notices historiques, Bulletin de la So- ci&te Vervietoise d’Arch6ologie et d’ Histoire, Bd 45, Verviers, 1958, S.99. Allgemeines Reichsarchiv Brüssel, Finanzrat, 87, (19) Sieh (16) - Eine solche ”Trabes” - Apostelbalken - besteht noch in den Kirchen von Gülke (Go) und Kapell (Henri-Chapelle) (BUCHET Ars@ne, Monographie historique de Go&-!ez-Limbourg, 1, Verviers, 1941, S. 90.) (20) PUTERS Albert, L’architecture prive&e de la region vervietoise, 2° partie, La renaissance mosane, in Bulletin de la Socie&t& Vervietoise d’Archeologie et d’ Histoire, Bd. 36, Verviers, 1949, S. 23 ff. (21) PUTERS Albert, idem, 4° partie, Le style Louis XIV, S. 29 f. (22) Staatsarchiv Lüttich, Notar Schever C.M., Schulderklärung seines Sohnes Johann Lambert (23) Allgemeines Reichsarchiv Brüssel, Fiskalamt Brabant, 264/2309 (24) Allgemeines Reichsarchiv Brüssel, Finanzrat, 86, 87, 1196, 1197 Staatsarchiv Lüttich, Herzogtum Limburg, 224 GOOSSENS W., Aanteekeningen over de familie Heyendael uit het jaar 1715, in "De Maasgouw”, 26. Jg., Maastricht, 1904, Sp. 62-64, 67-70. J.v.V., Stamboom Franck, in ”Heem”, 9. Jg., Halle, 1965, Nr 5-6, S. 15 ff. (25) Königliche Bibliothek Brüssel, Kabinettskarte der Österreichischen Nieder- Jande, aufgenommen durch General Graf Ferraris um 1770, Blatt 115 Oberes rechtes Viertel. (26) KRIESCHER Josef, Moresnet, Eine geschichtliche und politische Darstel- lung, Nordwest-Reihe, Folge 9, Aachen, 1942, S. 59,
36 Lontzen von Robert Creutz 1. Folge. In dieser Artikelserie über das Dorf und die Pfarre Lontzen stell- ten wir uns als erste Aufgabe, einen allgemeinen geschichtlichen Leit- faden abzufassen, um dann später die grosse Reihe heimatkundlicher Schätze, die Lontzen aufzuweisen hat, in diesem Rahmen eingehend zu studieren. Dieser Teil am Webstuhl der Geschichte stützt sich vornehmlich auf Angaben von Pater F, Schauff, Kaplan in Lontzen von 1936 bis 1942. In dieser Ausgabe berichten wir vom Verfall der Karolingerzeit bis zur heutigen Zeit. Karls Nachfolger erben Krone und Reich, welches Ludwig der Fromme (814 - 840) zwar noch in seiner Hand zu halten vermag, nicht aber seine Grösse. 843 wird im Vertrag zu Verdun das Reich in drei Teile unter die Söhne Ludwigs geteilt. Lontzen gehört zum Mittelrei- che Lothars, des Trägers der Kaiserkrone. Dieses ”Lotharingien” wird 870 im Vertrag zu Meersen wiederum unter Ost- und Westfranken geteilt. Die Bildung der Staaten Deutschland und Frankreich auf der Grundlage der Grenze der sprachlichen Verschiedenheit kündigt sich an. Das Lontzener Gebiet kommt zum Ostreich Ludwigs des Deut- schen, das später Deutsches Reich genannt wird. Von 925 an bis 1920 wird Lontzen, von der Franzosenzeit abgesehen, zum Deutschen Reich gehören. 925 - 1794/95. Freie Reichsherrlichkeit Lontzen, Für diese Zeit gibt die Geschichtswissenschaft auf Grund alter Urkunden und dauernder späterer Zeugnisse das Folgende an : ”Lont- zen und Busch bildeten die Reichsherrschaft oder Reichsherrlichkeit Lontzen. Es war eine selbstständige Herrschaft des Deutschen Reiches, unterstand nur dem Kaiser und gehörte nicht wie später das umliegende Eupener Land, zum Herzogtum Limburg ” (Jeuckens S. 107). Das Ge- biet dieser alten Lontzener Herrlichkeit war natürlich nicht so groß wie das der heutigen Bürgermeisterei. Es gehörten damals zu ihr : ”Gut. Appelder” und ”Bockendriesch” und wahrscheinlich auch ”Ho- nien”; ferner Busch mit Gut ”Im Bau” und Mordang, aber ohne ”Gut Wau”, ”Heistern” und ”Grünstrasse”, Schon zur Karolingerzeit, vor 888, muß in Lontzen eine königliche Pfalz oder Königsbrirg bestanden haben ; denn unter den 40 Königs- höfen, die um 888 zur Zeit Kaiser Lothars im Gebiete Eupen-Malmedy aufgezählt werden, wird auch der in Lontzen genannt. 1076 schenkt Kaiser Heinrich IV. die Herrlichkeit Lontzen samt der Vogtei daselbst der Lehen- oder Mannkammer der Propstei der Aachener Kaiserpfalz, auch Krönungs-, Münster und Marienstift genannt. (Reiners S. 152). 1226 bestätigt Kaiser Friedrich II. dem Marienstift diesen Besitz- |
37 ”Lontzen unterstand dem Marienstift völlig und für immer” (Jeuckens S. 61). Zwar haben später die Herzöge von Limburg versucht, ihre Gerichts- und Steuerhoheit in Lontzen aufzurichten, allein auf die Dauer konnte das Krönungsstift die Herrschaft Lontzen als reichsun- mittelbaren Besitz behaupten” (Reiners S. 6). Allerdings verpfändete um die Mitte des 14. Jahrhunderts der Kaiser die Propstei Lontzen und mit ihr seine Rechte daselbst an die Markgrafen, späteren Herzöge, von Jülich. Nach dem Erlöschen des Jülicher Fürstenhauses (1609) gingen diese Rechte, da ihre Verpfändung nicht eingelöst wurde, im Westfälischen Frieden (1648) an die Nachfolger der Jülicher, die Häu- ser von Preußen und Kurpfalz-Bayern, über, Unmittelbar vor Anbruch der französischen Fremd- und Gewaltherrschaft erlebte Lontzen die sehr glückliche österreichische Herrschaft unter Maria-Theresia, dieser wahrhaft grossen, katholischen, mütterlichen Frau, die der Lontzener St. Hubertus-Schützengesellschaft den Schützenplatz oberhalb des heu- tigen ”Bergwerks” geschenkt hat. 1794/95 - 1814/15 Lontzen ”Mairie” der franz, Republik. Wie dem Fürstbistum Lüttich, der Fürstabtei Malmedv-Stablo (= Stavelot), der Abtei Klosterrath (= Klosterrode, Rolduc) und den alten Rechts- und Besitzverhältnissen überhaupt, so ward auch der Grundherrlichkeit Lontzen durch die französische Revolution (1789) ein Ende bereitet. Über das Vordringen der französischen Revolutions- armeen in der Lontzener Gegend erzählt Rutsch (S. 56) : ”Am 17. Dezember 1792 zeigten sich in Walhorn die ersten französischen Trup- pen, die bis an die Roer (= Ruhr) vorrückten und dort ihre Winterquar- tiere bezogen. 1793 zurückgedrängt, rückten sie 1794 wieder vor. Nach- dem am 23. 9. 1794, einem Sonntage, morgens 7 Uhr die letzten kai- serlichen - österreichischen Truppen durch Walhorn gezogen waren, zeigte sich eine Stunde später schon ein Piquet französischer Drago- ner. Im Gegensatz zu früher begann diese Vorhut schon zu plündern. Am 24. September biwackierte die französische Armee im Walhorner und Lontzener Felde. Ihr Kommandant, General Lef&vre, gestattet eine 24-stündige Plünderung, bei der nichts verschont blieb, sodaß es bald an Lebensmitteln gebrach”. An diesem schwarzen Tag ist auch das wertvolle, alte Lontzener Pfarrarchiv den plündernden Fran- zosen zum Opfer gefallen. Das Lagerbuch vom Jahre 1825 bestätigt dies auf S. 71. - Durch das Gesetz vom 1. Oktober 1795 wurde das ganze Rheinland der französischen Republik einverleibt. Lontzen wur- de Mairie des Kantons Walhorn, von 1804 an ein Teil des Kantons Eupen und gehörte mit diesem zum ”Departement de l’Ourthe”, des- sen Hauptort Lüttich wurde. wurde. 1815 - 1920 Lontzen im preußisch - deutschen Staate, Im Januar 1815 verlassen die letzten Franzosen das Rheinland, gefolgt von den verbündeten Österreichern, Preußen und Russen. Die Leidenszeit des republikanischen Frankreichs, die Drangsale durch den und zweiten (1815) Pariser Frieden wird mit dem linken Rheinufer auch Lontzen der Krone Preußens zugesprochen. Am 5. April 1815 korsischen Eroberer, Napoleon I., sind vorbei. Im ersten (30. 5. 1814)
| 38 ergreift dessen König von unserem Lande Besitz. Lontzen wurde dem Großherzogtum Niederrhein zugeteilt. Am 26. Juni 1816 kam zwi- schen der preußischen und niederländischen Regierung vertraglich eine Grenzregelung zustande, der gemäß Herbesthal von Welkenraedt, Heistern von Henri-Chapelle und Grünstraße von Montzen abgetrennt und zur Gemeinde Lontzen geschlagen wurden. Also vergrößert bil- dete Lontzen eine Bürgermeisterei des Landkreises Eupen, des Regie- rungsbezirks Aachen im Verbande der Rheinprovinz. 1889 wurde der Sitz des Bürgermeisteramtes von Lontzen nach Herbesthal verlegt, der Name - ohne Herbesthal - blieb. 1920 bis heute : Lontzen im belgischen Staatsverbande, Der Ausgang des Weltkrieges (1914 - 1918) brachte 1918/19 zu- nächst die Besatzungszeit. Am 10. Januar 1920 nachmittags um 4 Uhr trat Generalleutnant Baron Henri Baltia sein Amt im Gebiete Eupen- Malmedy an. Am 20. September 1920 beschloß der Völkerbundsrat die endgültige Einverleibung der Gebiete in das Königreich Belgien. Am 1. Juni 1925 endigt die Regierung Baltia. Das Gebiet wird auch verwaltungsmäßig angegliedert. Seitdem, mit der Unterbrechung des zweiten Weltkrieges, gilt Lontzen als Bürgermeisterei des Kantons Eupen, des Arrondissements (Regierungsbezirks) Verviers, im Ver- bande der Provinz Lüttich. A tz Märchen im Schnee. NV Görard Tatas — Schneeflockenreigen a \ Bunt hin und her A Über den Zweigen AAN) Wintertraumschwer, Dorten in Kirchlein Schneeüberdacht, Rotgelber Lichtschein Fällt in die Nacht, Weihnachtsgesänge Aus dem Portal, Klingende Hänge, Echo im Tal. Glockengeläute Schwingt weit und breit Über verschheite Waldeinsamkeit, Fern am gefrornen Blinkenden See Lauscht mit verlornen Blicken ein Reh. Spät noch zur Krippe Pilgert ein Greis. Welkende Lippe Lächelt ganz leis. Leis’ wie der Wind heut Aus ferner Höh’ Bringt uns der Kindheit Märchen im Schnee.
39 Cesar Franck ein Schaffender zwischen den Nationem. (Folge von Heft N° 1) von Josef Franck Im Übrigen bietet die Oper ”Gisela” auch noch aktuelle geschicht- liche Bedeutung insofern, als sie in Paris spielt zu einer Zeit, wo die * merowingische Königin von Neustrien für ihren minderjährigen Sohn Chlotar IT (564-628) die Herrschaft führte. Die Franken hatten damals zur Aufrechterhaltung ihrer Freiheit - denn frank heißt frei - sich am Niederrhein über das Land zwischen Maas und Schelde ausgedehnt und zu einem grossen Bunde vereinigt. Die Merowinger waren die Stifter des Frankenreiches oder Frankreichs. Chlodwig (Ludwig) aus der Königsfamilie der Merowinger wurde 496 am Weihnachtstage zu Reims durch Bischof Remigius feierlich getauft und zum König der Franken gesalbt. Er wurde vom Papste Zacharias als der erstgeborene Sohn der Kirche, auch der allerchristlichste König genannt, ein Titel der auf seine Nachfolger überging. Am 28. 1. 1967 fand nunmehr in Aachen das geschichtliche Er- eignis statt, der Verschwisterung (Jumelage) der Städte Reims, als Krö- nungsstadt der Könige und Geburtsstätte des christlichen Glaubens in Westeuropa, und Aachen als Bischofsstadt, wo die Abgesandten der Völker dem großen Karl als abendländischem Kaiser huldigten. So sagt es jedenfalls die gemeinsam unterzeichnete Urkunde, Selbst der Sender Hilversum beteiligte sich und strahlte am 28. 2. und 3.3.1967 unter dem Titel ”Beeldverhaal van de Kerk” eine Fern- sehsendung mit zahlreichen Aufnahmen und Berichten aus Aachen über die Bedeutung Karls des Großen für die Christianisierung aus. Zu erläutern wäre, daß der Vater Karls des Großen, den Deutsche und Franzosen ”unseren gemeinsamen Kaiser nannten”, Pipin der Kurze war und als fränkischer major domus se. regie (Hausmeier der Mero- winger) das Haus der Karolinger begründete, nachdem er 751 in Sois- sons zum König ausgerufen worden war und mit Childerich die Herr- schaft der Merowinger geendet war. (Welters Lehrbuch der Weltge- schichte S. 32 ff). Auch das sind ”Schätze der Vergangenheit”, die Rostok durch sein Vorhaben mitheben und dazu beitragen konnte, Grenzen zu besei- tigen und sei es nur durch die Erinnerung in der Oper an die Epoche der gemeinsamen Geschichte, die Frankreich und Deutschland durch den großen Frankenkaiser verbindet. Man braucht an keinen Zufall der phonetischen Lautähnlichkeit zu glauben, wenn man annimmt, daß auch die Vorfahren Cesar Francks von diesen Franken abstammen und so frank und frei waren sich danach zu benennen. Aus heimatkundlichem Interesse darf erwähnt werden, daß Cesar Franck nicht nur durch die Geburt und Heirat seiner Mutter und den Tod seines Vaters in Aachen sondern auch durch seine Konzerte in Aachen am 18. 4. 1835 und 31. 8. sowie 12. 9. 1843 mit dieser Stadt
40 verbunden ist. In dem Amtlichen Mitteilungsblatt der Stadt Aachen v. 12. 12. 55 ist aus dem ”Canticum Novum” von Prof. Rehmann er- wähnt : ”Mit dem reichbewegten Musikleben dieser Zeit kamen zu Beginn ihres künstlerischen Werdegans in Berührung zwei Männer, die einmal einen geschichtlichen Namen bekommen sollten : Albert Lort- zing und Cesar Franck”, Nach ihnen sind neben anderen bedeutenden Musikgrößen wie Händel und Lisz nicht ohne besonderen Grund in einem neuen Stadtviertel nahe der Landesgrenze Belgien und Nieder- land zwei Straßen benannt worden. Diese Ehrung soll Veranlassung sein, über das, was zur Verbrei- tung der Werke Cesar Francks geschehen ist, einen kurzen interessan- ten Blick in die Vergangenheit seit dem letzten Weltkriege zu werfen. Als die Initiatoren des Eifeler Musikfestes 1945 daran gingen, im kriegszerstörten Grenzgebiet von der aufrichtenden Kraft der Kunst und von der Schönheit der Musik zu künden, war es Domkapellmeister Prof. Rehmann, der begann, dafür zu sorgen, daß die Orgelmusik und Orgelchormusik von Cesar Franck geflegt wurde. Der alte Streit, wohin cr gehört, sollte begraben sein. Franck hat ihn, wie Kemp damals schrieb, ”selbst geschlichtet durch seine Kompositionen, in denen wal- lonische, französische und deutsche Wesenzüge unverwechselbar zu- sammenfließen : Bachsche Polyphonie mit französischer Klangimpres- sion, schwerblütiger Gehalt mit Anmut der Sprache, deutsche Tiefe und westische Geschmeidigkeit”. Auch hier sei noch einmal auf den wertvollen Beitrag Norbert Webers in ”Aachen, Bilder und Berichte” hingewiesen. Im ”Land ohne Grenzen” war es denn auch möglich dank der unermüdlichen Anstrengungen von Prof. Rehmann die deutsch- sprachige Erstaufführung des Oratoriums ”Rebekka” mit dem herrli- chen Chor ”Capella Carolina” nicht nur 1961 im Aachener Dom und 1962 in Kloster Steinfeld sondern auch vom Geist der Landschaft er- füllt auf dem Festival von Flandern in der Basilika Tongern und in der St. Servatiuskirche Maastricht zu inszenieren, woran das Limburgische Symphonieorchester maßgeblich beteiligt war. Der Westdeutsche Rund- funk und Radio Brüssel übertrugen die Aufführung und nahmen sie auf Ausgabe. Es waren die geeigneten Plätze, um dem Sohn des ”Landes ohne Grenzen” eine künstlerische Heimstätte zu bieten. Hier in dem Schmelztiegel, wo die Elemente der belgisch-französischen, der nieder- ländischen und deutschen Kultur sich treffen und begegnen und ein reger musikalischer Austausch zwischen den Städten Lüttich-Maastricht und Aachen stattfindet, konnte er als Repräsentant für die Verschmel- zung wallonischen, niederländischen, französischen und deutschen Geis- tes angesehen werden und über die politischen Grenzen hinauswachsen. Das bestätigt auch das Zusammenwirken Prof. Rehmanns mit dem Leiter des Limburgischen Symphonieorchesters und Dirigenten Andre Rieu, für den es keine nationalen Barrieren gibt, wie Wolfgang Richter es treffend in einem Interview im Oktober 1966 kennzeichnete. Sein Chor ”Capella Aquensis” genannt, ging nach dem Tode Prof. Rehmanns aus dem Domchor hervor und bildet eine Kirchenchorgemeinschaft in St. Nikolaus. Auch dieser Chor hat in Fortsetzung der Tradition der
41 C. C. durch Konzerte und Schallplattenaufnahmen im deutsch-nieder- ländisch-belgischen Grenzraum eine starke Resonanz gefunden. Höhe- punkt seiner bisherigen Leistungen und Musikbegeisterung war die Konzertreise nach Paris im November 1965, die zu einem beispielhaf- ten Erfolg führte. Andre Rieu wie Prof. Rehmann, der mit dem flä- mischen Komponisten Arthur Meulemans Freundschaft geschlossen hatte, brachten sowohl mit ihren Konzertprogrammen als auch Schall- plattenaufnahmen nicht ohne Bedacht den jüngeren flämischen Meister van Nuffel zu Cesar Franck in Beziehung. Bereits im Programm des 33. Niederrh. Musikfestes vom 8. - 11. 6. 1946 in Aachen unter Prof. Rehmann, Dr. Raabe und Wilh. Pitz sowie der Grand Liege unter dem Zeichen Europas ”E” im Mai 1952, unterstrichen sie damit ihre Geis- tesverwandtschaft, deren Merkmale harmonische Originalität, Größe des Wurfs und sinnvolle Formeinkleidung sind. Fernsehaufnahme und -übertragung sowie die Aufnahme Reh- manns in die Königliche Flämische Akademie der Wissenschaften, Literatur und schönen Künste als Ehrenmitglied - eine Berufung, die nur selten einem Ausländer zuteil geworden ist und auf die er mit Recht stolz war -, wurden zu Höhepunkten seines Lebens. Sein er- klärtes Ziel war es bereits vor fast 30 Jahren, wie er in einem Brief an den Verfasser am 14. 4. 39 schrieb, ”nach Fertigstellung der neuen Orgel im Dom dafür zu sorgen, daß systematisch die Orgelmusik und Orgelchormusik Cesar Francks im Dom dargebracht wird.” Hiermit wollte er, der selbst bereits dem europäischen Kulturkreis angehörte, u. a. eine europäische Aufgabe erfüllen, ähnlich dem großen Wegbe- reiter der deutsch-französischen Verständigung Romain Rolland. Diesem Weg nach Europa sollte auch eine bereits im einzelnen geplante Reise nach Spanien dienen, wo in mehreren Bischofsstädten das Oratorium ”Rebecca” aufgeführt werden sollte. Leider verhin- derte der Tod Rehmanns dieses Unternehmen ebenso wie die geplante und mit Pfarrer Nyssen bereits vorbesprochene Gedenkfeier für Cesar Franck in Gemmenich, wo die ”sazenhafte Messe” bei dem letzten Aufenthalt C6sar Francks im Jahre 1856 noch heute unvergessen ist, wo ”die Tasten der Orgel unter den Händen des Erzengels zu singen schienen”, In memoriam Rehmanns wurde auch ihm zu Ehren nach seinem Tode in Aachen eine Strasse nach seinem Namen benannt, die in un- mittelbarer Nähe der Frankenburg, einem Jagdschloß Karls des Gros- sen (Fastrada - Sage) liegt, der am Aachener Dom die erste Schola cantorum gegründet hat und den Rehmann den wahren Vater des Abendlandes nannte. Auch die ”Seligpreisungen”, denen Rehmanns nächste Bemühun- gen galten, sollten Cesar Francks Werke in deutscher Sprache verbrei- ten helfen. Die erste Aufführung hatte in Köln am 22. 10. 95 unter Wüllner stattgefunden und in Aachen wurden sie erstmalig auf dem 23. Niederrheinischen Musikfest unter Hofkapellmeister D, Richter aus Wien und Musikdirektor Eb. Schwickerath vom 6.- 8. 6. 1897
42 | 2 | A BO E N 2 ES aa ) 222. E in Val 2 2 . = IS \ ws Sa iM HN Bi A Z} ‘ } A ii A, 2 z PS 2 Oz bb ) Zum) 20 Die Kirche in Gemmenich, wo Cesar Franck im Jahre 1856 die ”cagenhafte Messe” ertönen ließ, dargeboten. Nachdem 1939 Lodevik de Vocht mit dem Antwerpener Cäcilienchor und dem Brüsseler Philharmonischen Orchester das Werk in Brüssel aufgeführt hatte, löste 1940 diese große Aufgabe Eugen Papst mit dem Gürtzenichchor und -orchester in Köln und zwar in freier Übersetzung von G. F. Reihs. Mit 300 Ausführenden begeisterte 1965 in Notre Dame Illuminee zu Paris das Werk die Kunstwelt unter Mit- wirkung des grossen ”Orchestre Symphonique de la Radiodiffusion- Television Belge” und ”les Chanteurs de Saint-Eustache et les Petits Chanteurs de Chaillot”. Rehmann selbst blieb der Wunsch einer Auf- führung unter seiner Leitung leider unerfüllt. Man hat Cesar Franck gerade im Hinblick auf dieses Werk den "heiligen Franziskus” oder einen ”Pater seraphicus der Musik” genannt, weil er ein tiefgläubiger, frommer Mensch war und die ”Seligpreisun- gen” inhaltlich in der heiligen Schrift wurzeln. Um sich zur Komposi- tion seiner Oper ”Hulda” zu inspirieren, spielte er sich aus seinen ”Se- ligkeiten” vor (Mohr S. 46). Doch darf man keinesfalls seine leiden- schaftlich glühende Seele über der so oft genannten ”seraphischen Zart- heit und Klarheit” übersehen bezw. überhören. Und wer Ohren hat zu hören, schreibt auf Seite 201 Mohr, dem klingt dieses glühende Temperament auch aus seinen beiden Opern hinreißend entgegen. Bie- tet sich da etwa eine Parallele zu Arnold Franck, dem Gründer der Gnadenkapelle in Moresnet an ? Die Dokumentenforschung reicht hier
43 nicht aus, um die vielverzweigten Verwandtschaftsgrade aufzuzeigen, die eine Verbindung hierzu schaffen könnten. Hier sei auf die Ausführungen von Eberhard Quadflieg in der Kölnischen Zeitung vom 8. 6. 1942, N° 286 über die Schöffenge- schlechter im Reichsherzogtum Limburg hingewiesen, wo nicht nur die Verwandschaft Arnolds mit Cesar Franck, sondern auch die Stif- tung der Kapelle zum Heiligen Antonius von Padua in Gemmenich durch Stefan Josef Franck im Jahre 1736 erwähnt ist — eine weitere Analogie für den ”pater seraphicus”. SS x Ba a Die Kapelle mit dem Gnadenbilde Arnold Francks (+ 1801) Inzwischen ist es, seit dem Tode des großen Interpreten von Cesar Franck, Prof. Rehmann, merklich still geworden um die so erfolgreich begonnene Verbreitung der Werke Cösar Francks in deutscher Sprache. Ein gelegentliches ”Panis angelicus” oder ein Orgelchoral im Rund- funk, der kürzlich selbst in der Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche Ber- lin gespielt wurde, genügen dazu nicht. Bemühungen wie Kirchenkon-
44 zerte des Kantors Alfons Jansen an St. Severin Eilendorf mit aus- schließlich Werken von Cesar Franck sind zwar sehr erfreulich und durchaus lobenswert, leiden aber bei unzulänglichen Orgeln mit nicht gegebenen Registriermöglichkeiten an Wirkung besonders bei nur klei- nem Zuhörerkreis in einer großen Kirche, Dabei wäre es oft so leicht bei offiziellen Anlässen wie z. B. letzthin der Jumelage der Krönungs- stadt Reims ein in sich geschlossenes passendes und wirkungsvolles Werk (z.B. Krönungsmarsch aus der Oper Hulda) in das Programm einzubeziehen. Mögen die Vorfahren Cesar Francks, deren Stammhaus seit 350 Jahren in Völkerich steht, und die einst Bürgermeister in Gemmenich A \ N fi ke SS fs € } A EN \ oO 7 % A 3 7 DE AED Nam . Dil 5 NER SE EZ u SPEE — ZA AP a & ne 2 ME DEE Da U SZ A AT IK ne ER = ANA Ws DEN m AZ A OO } Ze DA 3 DE SF Ze “AU IE Z En ZZ) Ya AL SZ 350 Jahre alter Stammhof der Familie Cesar Francks in Völkerich. und Moresnet sowie Mitglied des Hohen Rates von Limburg waren, nun aus Niederland oder Belgien, von flämischen oder wallonischen Malern stammen, oder aus Österreich eingewandert sein, oder von den Merowingern aus Frankreich herrühren, eins ist gewiß, daß der Ton- schöpfer selbst in nächster Nähe des Eupener Landes, heute Ostbel- gien, das Licht der Welt erblickte (Siehe Grand Larousse encyclope- dique 1962 und Jean Gallois 1966). Ein Lichtblick in dieser so schnell vergeßlichen Zeit war die gros- se Ausstellung über den Frankenkaiser Karl den Großen und seine Kaiserpfalz im Jahre 1965 im Krönungssaal des Aachener Rathauses, die von hunderttausenden Interessenten fast aller Länder der Welt besucht wurde. Auch während dieser Zeit - kein größeres Werk von Cesar Franck, was nahegelegen hätte und von Rehmann gewiß nicht versäumt worden wäre ! Die Tatsache, daß am 31. 1. 67 Oberbürgermeister Heusch der Stadt Aachen,als der Stadt des Internationalen Karlspreises, zum Eh-
45 rengast der Pan-Europäischen-Bewegung in Brüssel auf dem 10. ”Di- ner Charlemagne” erwählt wurde, ist als ein bedeutungsvolles Omen anzusehen. Er sprach hier zu dem Thema ”Europa und der Karlspreis”, der ihm selber für seine uneigennützigen Leistungen und seine aufop- fernde Tätigkeit für das werdende Europa und die fortwährende har- monische Zusammenarbeit zwischen Aachen-Lüttich-Maastricht-Reims bei nächster Gelegenheit zustehen würde. Dies wäre gleichzeitig eine Anerkennung und Ehrung der gesamten Bevölkerung des von ihm so benannten ”Landes ohne Grenzen”. Das wird bekräftigt durch die Verleihung des Kommandeurkreu- zes des Ordens von Oranje-Nassau durch den niederländischen Bot- schafter Baron Dr. van Ittersum im Auftrage der Königin der Nieder- lande Juliana am 5. 1. 1967 an Oberbürgermeister Heusch als dem ”Homme de bonne volonte” wegen seiner besonderen Verdienste um die Verständigung zwischen den Nachbarländern Holland und Deutsch- land. Der niederländische Außenminister Josef Luns hat für das Jahr 1967 den Internationalen Karlspreis erhalten, weil er ein ebenso Kon- sequenter Verfechter der Europa-Idee ist, wie sein 1951 auf gleiche Weise ausgezeichneter Landsmann Prof. Brugmanns, der Rektor des Europa-Kollegs in Brügge. Also der 2. ausgezeichnete Niederländer in der Reihe der ”15 unentwegten Europäer”. BE SE | en GE a 4 A 2 % N Zn REN 5a 5) A BR fe A A | T A Die Kirche St. Clothilde in Paris, wo Cesar Franck lange Jahre das Amt des Organisten innehatte.
47 Auf dem Büchermarkt. von Alfred BERTHA Eine interessante Neuerscheinung aus dem Markus Verlag, Eupen, möchten wir Ihnen, verehrte Leser, heute vorstellen. In der Reihe ”Das Bild der Heimat” erschien dort als 4. Ausgabe aus der Feder von Viktor Gielen : ”Raeren und die Raerener im Wandel der Zeiten”, 212 S., reich illustriert, Leinen 185 Frs., Halbleder 275 Frs.. (für unsere Mitglieder : Vorzugspreis, siehe folgende Seite.) Wir brauchen den als Pfarrer in Raeren wirkenden Autor nicht mehr vorzustellen. Allen Freunden unserer engeren Heimat ist er durch seine geschichts- und heimatkundlichen Forschungen bestens bekannt. Sein früher erschienenes Werk über die Mutterpfarre und Hochbank Walhorn, seine ”Geschichtlichen Plaudereien über das Eupener Land” sowie das Heimatbuch ”Aus Eupens Vergangenheit” haben einen gros- sen Leserkreis gefunden. Durch die Geschichte Raerens von den Anfängen bis zum heutizen Tage führt uns Viktor Gielen in seinem neuen Werk. Dabei ist es ver- ständlich, daß der Besiedlungsgeschichte, der Römerzeit und den Wech- selfällen der Polotik weniger Raum gegeben wird als dem, was Raerens Ruhm bis weit über die Grenzen hinaus begründete : der Töpferei. Raeren und die Töpferkunst : durch Jahrhunderte waren dies zwei untrennbar verbundene Begriffe. Seit wann wurde in Raeren getöpfert ? Warum gerade in Raeren ? Wie waren die ”Kannebäcker” organisiert ? Warum ging das Töpferhandwerk unter ? Das sind nur einige von den vielen Fragen, auf die V, Gielen uns Antwort gibt. Kloster Brandenburg und seine Geschichte leiten über zur Pfarr- geschichte. Wir erfahren, wie Raeren sich von der Mutterpfarre Wal- horn trennte und als selbständige Pfarre aufblühte (1670). Ein Kurio- sum in der Pfarrgeschichte möchten wir erwähnen : von 1670 bis 1805 (Napoleon) hatte der Raerener Gemeinderat das wohl seltene Privileg, selbst den Pfarrer wählen zu dürfen. Die Zeiten wandelten sich. Zu Anfang des 19, Jh. stand fest, daß das Töpferhandwerk in Raeren keine Zukunft mehr hatte. So muß- ten die Raerener sich umstellen. Das Baugewerbe wird in Raeren bis ins 20. Jh. hinein die Haupterwerbsquelle bleiben. Den Raerener Schulen widmet der Autor eines der interessantes- ten Kapitel (*). Das Bild Raerens rundet er ab mit Untersuchungen über die Geschichte des Marienhospitals, das Vereinswesen, das Brauchtum und die Raerener Mundart. Dem Nicht-Raerener will schei- nen, als ob die Kapitel über Brauchtum und Mundart etwas zu knapp geraten wären. Gerne hätte man z.B. erfahren, wo ein so seltsamer * Siehe Vorabdruck in "Im Göhltal””, 1967, Nr 1.
48 Brauch wie das ”bajeeren” herrührt. Den Raerener Dialekt genauer zu untersuchen sprenge, so meint der Autor, den Rahmen seines Werkes. Wir finden jedoch, daß gerade ein Werk, das eine Art Gesamtschau über Raeren vermitteln will, eine so wichtige Einzelheit wie die täg- liche Umgangssprache nicht auf zwei oder drei Seiten abtun sollte. Eine zweite, erweiterte Auflage gäbe vielleicht Gelegenheit auch solche Punkte besser zu durchleuchten. Vermerken wir noch, daß ein Quellen- und Literaturverzeichnis sich anschließt, und daß dem Markus Verlag Lob und Anerkennung gebühren für die wirklich hervorragende verlegerische Arbeit. Ein Buch zum Lesen und zum Schenken, Neue Vorteile für unsere Mitglieder : Y* Das soeben im Markus Verlag erschienene vierte Buch von Pfarrer Viktor Gielen erhalten Sie zum Vorzugspreis von 160 Frs. (statt 185) in Leinen 240 Frs. (statt 275) in Halbleder. “ Auch die beiden anderen Werke der Reihe ” Das Bild der Heimat, ”Die Mutterpfarre und Hochbank Walhorn” und ”Aus Eupens Vergangenheit” können Sie durch uns zu ermäs- sigten Preisen (15%) beziehen. — Natürlich gelten diese Ermäßigungen nur für ein Exemplar pro Mitglied. — Bestellungen schriftlich oder telephonisch bei der Sekretärin unserer Vereinigung : Frl. Xhonneux, Lütticher Sraße 168, Neu-Moresnet Tel. 087/59.467. X Im Laufe des Jahres 1968 ‘werden überdies bei Rätseln, Wett- bewerben, usw., mehrere heimatkundliche Bücher als Preise zu gewinnen sein.
49 Erster Jahresbericht von Gerard Tatas Die Vereinigung für Kultur, Heimatkunde und Geschichte im Göhltal wurde auf Initiative des Herrn Leo Wintgens am 13. Dezember 1966 im Restaurant Bauens in Hergenrath gegründet. Ihre Tätigkeit besteht in der Erfassung aller kulturellen und geis- tigen Werte, im Studium der Geschichte, in der Pflege von Mundart, Sprache und Brauchtum im ganzen Göhlgebiet. Zur Erfüllung dieser Mission -sind folgende Mittel vorgesehen : Herausgabe einer Zeitschrift mit dem Titel ”Im Göhltal”, Veranstal- tung von Vortragsabenden über lokale Geschichte und Kultur, von Hei- matdichterabenden und von Theater- und Gesangaufführungen in Zu- sammenarbeit mit den Ortsgesellschaften. Ferner werden Rundfahrten, Besichtigungen, Wanderungen, Photo-Ausstellungen, usw. organisiert. Ein größeres Projekt sieht auch die Errichtung eines Heimatmuseums und einer heimatkundlichen Bibliothek vor. Die Ämter des engeren Vorstandes sind wie folgt besetzt : Vor- sitzer : L. Wintgens, Beisitzer : P. Zimmer, J. Brandt, Sekretärin : Frl. G. Xhonneux, Protokollführer : G. Tatas, Kassierer : F. Stein- beck, Lektor : A. Bertha, Schriftleiter : Pfarrer i. R. F. Darcis. Der Verwaltungsrat setzt sich aus ca. 25 Herren aus den verschiedenen Ortschaften des Wirkungskreises der Vereinigung zusammen. Kultur- inspektor Pauquet tritt der Vereinigung als Berater bei. Nach einer gemeinschaftlichen Wanderung mit dem Eupener Eifel- Ardennenverein durch das Göhltal, am 26. Dezember und einer Ver- sammlung des Verwaltungsrates am 16. Januar im Hotel Vandegaar in Moresnet-Kapelle, bei der Pfarrer i. R. Darcis, Frl. Xhonneux und die Herren Wintgens, Steinbeck, Bertha, Tatas, Aldenhoff, Hamacher, Zimmer, Ahn und Demonthy anwesend waren und über Kostenan- schläge für den Druck der Zeitschrift, die nächsten Veranstaltungen, die Festlegung der Statuten und die Ergänzung des Verwaltungsrates berieten, trat die Vereinizung mit der Einführungsversammlung vom 20. Januar 1967 in Kelmis erstmals an die Öffentlichkeit. Rund 50 Interessenten aus der Göhlgegend ließen sich im Kultur- zentrum vom Vorsitzenden Ziel und Zweck der Vereinigung erläutern und folgten anschließend interessiert einem Vortrag des Kulturinspek- tors Pauquet über den Preußwald. Anhand von vielen Lichtbildern, Landkarten, geschichtlichen Dokumenten und philologischem Beweis- material schuf der Referent eine viele Einzelheiten ausleuchtende Rück- blende auf die Vergangenheit dieses in früheren Zeiten zum sogenann- ten ”Reichswald” gehörenden und zeitweilig von den umliegenden Kö- nigshöfen Pfalz Aachen, Walhorn und Geminiacum genutzten Waldes und seiner angrenzenden Ortschaften. Am 14. Februar hielt Herr Alfred Bertha im ”Kulturraum” von Hergenrath vor 60 Zuhörern einen Vortrag über die Eyneburg (Em- maburg).
50 Der dreiteilige Vortrag behandelte den architektonischen Gesichtspunkt, die Inneneinrichtung und die Herren der Burg. Das geschichtliche Ex- pose (West- und Oströmische Reiche, Epoche der Hausmeier, das Karlsreich) war dem eigentlichen Referat voraufgegangen. Leo Wint- gens trug die bekannte Sage ( Liebesgeschichte der Emma, Tochter Karls) in eigener neuer Fassung vor. Vor einem kleinen, aber interessierten Zuhörerkreis lasen die Hei- matdichter Jos. Bindels, G. Tatas und Peter Zimmer am 11. März in der Gemeindeschule in Neu-Moresnet und am 18. März in der Patro- nage von Gemmenich Mundartgedichte vor. Beiträge lieferten auch BE A A em % b id CA D vv 4 + N Wu u RS F fe wm. x 2 a N re | | 1 i | | : | Unsere Heimatdichter unter der Leitung des Herrn Jules Aldenhoff, Gemmenich. der Komiker Nades (L. Kohl) und der Karnevalist H. Errens. Einfüh- rende und verbindende Worte sprach Jules Aldenhoff, der die kul- turelle Bedeutung der Dialektdichtung hervorhob. Zweck und Ziel der Vereinigung wurden der breiten Öffentlich- keit bekannt durch ein Interview des Reporters J. Keil mit dem Präsi- denten und verschiedenen Verwaltungsratsmitgliedern im deutschspra- chigen Rundfunk am 5, April. Der am 25. April im Saal ”Zur Göhl” in Hauset wiederholte Hei- matdichterabend hatte seine Anziehungskraft bis über die Grenzen hinaus ausgeübt. Unter den Zuhörern, die den Saal bis auf den letzten Platz füllten, befanden sich Delegationen des Öcher-Platt-Vereins, der Vereinigung ”Veldeke” aus Heerlen, des Geschichtsvereins ”Zwischen Venn und Schneifel”, des Eupener Geschichtsvereins und der Göhl- freunde aus Valkenburg und Hauset. Die Heimatpoesie fand in Hauset starke Bemerkung und gute Aufnahme. In der Reportage über diesen großen erfolgreichen Abend, welche am 3. Mai im deutschsprachigen
51 Rundfunk auf die Antenne kam, wurde ein Gespräch mit dem Vor- sitzenden Leo Wintgens und Kulturinspektor Pauquet sowie Lieder und Gedichte von G. Tatas und P. Zimmer übertragen. Joseph Steins hatte sie mit vollendetem Vortrag zur Gitarre gesungen. Den Pfingsmontag benutzten rund 40 Mitglieder der Vereinigung und des Volksbildungskreises Kelmis, um per Sonderbus das Töpferei- Museum in Raeren zu besuchen. Auf der Hinfahrt war in Hauset Halt gemacht und die private Sammlung des Herrn H.J. Gatz besichtigt worden. - Viel Erfolg und guten Publikumszuspruch erzielte die große Photoausstellung, die am 24. - 25. Juni und 1. - 2. Juli in Kelmis, am 8. und 9. Juli in Moresnet-Kapelle gezeigt wurde. J. Demonthy und P. Zimmer hatten viel Material von heimatkulturellem Interesse zu- sammengetragen. Im Juni erschien auch die erste, 43 Seiten umfassende Nummer der Zeitschrift ”Im Göhltal”, die in der Tagespresse als gut redigierte und inhaltlich wertvolle Publikation gelobt wurde. Am 21. Juli fand im Lokale Reinartz in Neu-Moresnet die 2. Ver- waltungsratssitzung mit folgenden Beschlüssen statt : Festsetzung des Verkaufspreises der Zeitschrift auf 55 Fr., Kauf eines Projektors für Lichtbildervorträge, Veranstaltung eines Familienabends in Hauset und Wiederholung der Photo-Ausstellung in Eynatten. Zu dem Punkt Göhl- | fest 1968 wurde kein konkreter Beschluß gefaßt. Wegen der Urlaubs- zeit waren nur 7 Mitglieder anwesend : L. Wintzens, P. Zimmer, Frl. Xhonneux, F. Steinbeck, Pfarrer Olbertz, Bgm. Esser, J. Demonthy. Durch die Mitwirkung des Musikvereins ”Cercle Musical” von Kelmis erhielt der am 29. September im Saale Gatz ”Zur Göhl” in Hauset veranstaltete Konzert- und Unterhaltungsabend wohl den größ- ten Rahmen aller bisherigen Veranstaltungen. Wieder wurden Vor- träge unserer Heimatdichter, zu welcher ein Mandolinenquintett die musikalische Kulisse schuf, von dem sehr zahlreichen Publikum be- geistert applaudiert. Der Abend war mit der Unterstützung des Kultur- S ministeriums (Dienst für die deutschsprachige Gegend) und unter der Schirmherrschaft der Gemeindeverwaltung Hauset organisiert worden. Die ersten Lorbeeren auf internationaler Ebene holte sich die Ver- einigung beim großen Vortragsabend Veldeke, am 13. Oktober im Stadttheater von Heerlen, wohin sie die Heimatdichter Bindels, Heutz, Tatas und Zimmer delegiert hatte. Als Verkünder der Eigenart und Eigenständigkeit des Göhltaldialektes in der Kunstform wurden die Mundartpoeten freundlich in den Kreis ihrer Kollegen aus Holland und Deutschland aufgenommen und ihre Vorträge ernteten starken Applaus. Herr Jongen aus Moresnet, Dialektologe und Assistent an der Univer- sität Löwen, hatte die Heimatdichter nach Heerlen begleitet. Ä Das ”Last but not least” in der langen Reihe der Veranstaltungen im ersten Lebensjahr der Vereinigung war die Wiederholung der Photo- Ausstellung in Eynatten am 14. und 15. Oktober. Die integrale Schau (1500 Bilder aus der Gegend) mit verschiedenen Zeitkulissen bot wie ein Diarium des Göhltals, einen Einblick in alle Lebensbereiche unserer
EN K Samstag, 6. Januar 1968 . AUS BÜCHERN und ZEITSCHRIFTEN )/ »Im Göhltal«, Ausgabe 2, mit einer Fülle von interessanten Beilagen - | Im Juni vergangenen Jahres erschien erst- schüldecht, Här, ech daat, där wüed ne rechte- | malig die Zeitschrift der Vereinigung für Kul- je Bär«, 4 tur, Heimatkunde und Geschichte im Göhl- Leo Wintgens lässt die Steinkreuze an un- tal unter dem Titel »Im Göhltale, Die Ver- seren Wegen als Zeugen der Vergangenheit öffentlichung fand viel Anklang und Interes- auftreten, die aus dem 16., 17. und 18. Jahr- se, auch weit über ihren Verbreitungskreis hundert stammenden Bausteine, deren Schrift- | hinaus. Ein halbes Jahr später, d. h. vor ” zeichen man heutzutage noch grossenteils ent- einigen Tagen, bringt nun die Vereinigung ziffern kann. Dann folgt ein Gedicht von bereits den zweiten Ausgabe heraus. Die Fülle Josef Bindels über den »Missiusjedanke«, an interessanten Beiträgen, die uns dieses 52 Inspektor Firmin Pauquet befasst sich in Seiten starke Heft vermittelt, gibt der im »Ge. seinem zweiten Beitrag (der erste hatte von leit« zur ersten Auflage aufgestellten Behaup- Fluss- und Ortsnamen gehandelt) mit der tung recht: »Unsere engere Heimat bildet »Aeltesten Besiedlung im Gebiet der ehemali.- - wirklich eine unerschöpfliche Quelle für den gen Herrschaft Kelmis«, Anhand eines zahl- Heimatforscher ...«. In derselben ge- reichen Quellenmaterials und einer Karte schmackvollen, keineswegs überladen wirken- zeichnet er die Besiedlungsgeschichte ab dem den Aufmachung wie das erste Heft, ist das 13. Jahrhundert (Kelmis wurde 1280 erstmalig jetzt erschienene etwas umfangreicher gewor- erwähnt) auf, den. Man erkennt die gleiche Sorgfalt der Eine Artikelserie über Lontzen beginnt in Gestaltung. Präsident Leo Wintgens und sein diesem Heft Robert Creutz, Der erste Teil Mitarbeiterstab haben in diesem Ausgabe eine bringt uns einen geschichtlichen Abriss über gut ausgesuchte Vielfalt von Beiträgen und das Dorf und die Pfarre Lontzen von 925 bis Bildern zusammengestellt. Die Artikel lesen heute. Nach einem Gedicht »Märchen im sich gut — das Plattdeutsche ist sogar für Schnee« von Gerard Tatas setzt Josef Franck den Angehörigen einer anderen Dialekten- seine eingehende Studie über Cesar Franck. gruppe. sehr gut verständlich, den »Schaffenden ziwschen den Nationen« Rene Jongen, Assistent an der Kath. Uni- A A a yon Ten unlersapbt die Frame, O5 UM. Alfred Bertha berichtet über Neuerschei“ || A lraishe A nungen auf dem Büchermarkt, und dann er- ;eicher und gut ausgewähl- GE Talka: den. Jahresbericht ter Beispiele zu einer bejahenden Antwort. 5t@itet Gerard Tatas den ersten Jahresberich 9 - der Vereinigung, der erkennen lässt, dass die- »Nades«, alias Leonhard Kohl aus Kelmis, A il EEE. N 5 ß ” ser ein gutes Jahr bestehende Geschichtsver- stellt hierzu in einem zweiten Beitrag in Vers- *- ‚ger 3 form (»De Moddersprok«) das Beispiel ein bereits vieles geleistet hat, 3 N Dank der höheren Auflage war es mög- In das Jahr 1893 führt uns die Unter- lich, den Einzelpreis der Zeitschrift von 55 suchung von Peter Zimmer über die Entsthe- auf 50 Fr. zu senken. Das Heft wird in allen | hung des Altenberger Bergmannsvereins, seine ostbelgischen Buchhandlungen sowie in Versammlungen und geselligen Veranstaltun- Aachen und im niederländischen Grenzge- gen, seine für damalige Zeiten ungewöhnli- biet zum Verkauf angeboten, Mitglieder er- chen sozialen Leistungen und schliesslich sein halten — neben anderen Vorteilen — die Ende, das notgedrungen mit der Einstellung Zeitschrift kostenlos; der Zinkförderung unter Tage im Göhltal Die Mitgliederbeiträge sind für 1968 un- (1938) kam. verändert geblieben: einfaches Mitglied 100 Aus »Oma Marjännchens« Zeiten berich- Fr., Gönner ab 200 Fr., Jugendliche SO Fr. tet uns Frau J. Pauquet-Dorr mit einer Ge- Anmeldungen und Bestellungen werden ent- schichte vom Schulweg. Alte Bräuche und alte gegengenommen bei Frl. Georgette Xhon- Bezeichnungen werden hier geschildert. Her- neux, Neu-Moresnet, Lütticher Strasse 168, mann Heutz bringt in Hauseter Platt die Ge- Tel. (abends) 087/594 67 oder durch Einzah- schichte von den Schützen, die sich am Rhein lung auf das Konto Nr. 251251 bei der So- mit einem »echten« Eisbär photographieren ci&t€ Generale de Banque in Verviers (PSK — liessen, und wo es zum Schluss heisst: »Ent- 695), on % ER DEAN Wr ES N RE N a